Hin zu einem universellen Grundeinkommen für alle Menschen

Ein wahrhaft universelles und bedingungsloses Grundeinkommen ist innerhalb jeder Nation, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen koordiniert wird, letztendlich möglich. Dies wird jedoch zunächst von einem beispiellosen Maß an öffentlicher Unterstützung für den Zweck der Beendigung von Hunger und unnötiger Entbehrung auf der Grundlage einer gerechteren Verteilung der Ressourcen der Welt abhängen. Das ist der einzige Weg, schreibt Mohammed Mesbahi, für eine Grundeinkommenspolitik, um die grundlegenden Menschenrechte aller zu wahren. Und wenn es mit dieser Motivation verfolgt wird, ist es ein wegweisender und ehrenhafter Weg, der von Natur aus sagt: "Über allen Nationen steht die Menschheit".

Inhalt:

Vorwort des Editors
Einleitung: „Jeder hat das Recht zu leben“
I: Die Gefahr einer dystopischen Zukunft
II: Die fehlenden Faktoren für eine Bürgerinitiative
III: Welttransformation und ihre inneren Dimernsionen   
IV: Definitiv eine universelle Vision
Epilog: Abschließende Worte zur Ermutigung
Anmerkungen

 


Vorwort des Editors

Die folgende Veröffentlichung von Mohammed Mesbahi, dem Gründer von Share The World's Resources (STWR), ist Teil der fortlaufenden Serie ‘Studien zum Prinzip des Teilens’, in denen kritische globale Themen aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet werden, im Vergleich zu gängigen politischen und wirtschaftlichen Analysen. Die vorliegende Arbeit ist mit Mesbahis beiden kürzlich erschienenen Studien eng verbunden, die populäre intellektuelle Diskurse, in Bezug auf die zeitgemäßen Ideen des Gemeinguts (‘The Commons’) und der ‘Sharing Economy’, in ähnlicher Weise untersuchen. Doch der aufkommende Diskurs über ein universelles Grundeinkommen liegt dem Herzen von STWR wohl am nächsten, auch wenn nur wenige Befürworter die definitive Vision eines Grundeinkommens aus einer wahrhaft universellen oder planetarischen Sicht betrachten - wie Mesbahi dies in seiner einzigartigen Untersuchung versucht abzubilden.

Während es hauptsächlich an die weltweiten Aktivisten innerhalb der Grundeinkommens-bewegungen gerichtet ist, hofft man jedoch auch, dass Laienleser und Bürger, die sich darüber Gedanken machen, die intuitiven Beobachtungen des Autors leicht verstehen und davon profitieren können. Aus diesem Grund werden am Ende einige erklärende und kontextbezogene Anmerkungen angefügt, um klarzustellen, wie STWR zu einigen technischen Fragen steht, und um auch Einführungstexte für interessierte Neulinge zu diesem wichtigen (wenn auch etwas umstrittenen) politischen Thema zur Verfügung zu stellen.

Wenn Sie schon andere Arbeiten von Mesbahi gelesen haben, wird es schnell ersichtlich sein, dass identische Themen im Mittelpunkt stehen, insbesondere im Hinblick auf die Notwendigkeit kontinuierlicher weltweiter Demonstrationen in Bezug auf Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Das ist schließlich unser Gründungszweck und unsere grundlegende Vision als Kampagnenorganisation. Wie immer versucht Mesbahi dieses Thema zu verdeutlichen, indem er sich auf die ‘innere Seite’ oder die psychologisch-spirituelle Dimension der Welttransformation konzentriert. Alle Wiederholungen derselben Themen und Beobachtungen sind daher vom Autor beabsichtigt, angesichts der Tatsache, dass wir noch weit davon entfernt sind, eine Vision davon zu verwirklichen, in der sich alle Menschen und Nationen vereinen, um die Ressourcen der Welt zu teilen.

Wenn diese einfache Argumentation dieser Studie mit offenem Herzen und offenem Geist erwogen wird, dann könnte der mitfühlende Leser feststellen, dass bestimmte wiederkehrende Themen dazu dienen, ein umfassenderes Bewusstsein für den Zustand der Weltprobleme zu schaffen, sowie ein klareres Verständnis zu deren Lösung. Die Lösung, wie Mesbahi immer wieder schreibt, ist ‘in den Herzen aller Menschen ewig verankert’. Ob also die folgende dargelegte Vision realisierbar ist, ist letztlich keine Frage der intellektuellen Debatte. Denn es ist nichts anderes als eine Aufforderung zu handeln, die nur wir selbst, sowohl individuell als auch kollektiv, letztendlich beantworten und mitgestalten können.

 


Einleitung: „Jeder hat das Recht zu leben”

„Wir haben jede andere Strategie versucht, aber nichts wird funktionieren,
es sei denn, die Nationen teilen freigiebig ihren überschüssigen Reichtum,
durch das Bewusstsein der Göttlichkeit, der Einen Menschheit und der
Einen Liebe. Das ist der Schlüssel, nach dem wir alle suchen, und der
von jeher in den Herzen aller Menschen verborgen liegt.“

In all den aufkeimenden politischen Debatten über eine Wirtschaftspolitik, die das Prinzip des Teilens verkörpern, gibt es nur eine, die sich durch Ihre Einzigartigkeit und Einfachheit auszeichnet: die Forderung nach einem universellen Grundeinkommen (UBI – Universal Basic Income). Eine wachsende Literatur legt die ethischen und philosophischen Begründungen vor für diese anhaltende Idee, sowie ihre praktische Anwendbarkeit, sowohl in den großen industrialisierten als auch in den weniger entwickelten Ländern. Bis jetzt wurde jedoch der progressive Begriff des Grundeinkommens in seiner definitiv universellen Form in noch keiner Region der Welt umgesetzt, ungeachtet der kleineren Pilotprojekte in eher begrenztem nationalen Rahmen, die gegenwärtigen in endlosen Debatten zitiert werden. Der Zweck dieser Untersuchung ist darauf ausgerichtet diese inspirierende Vision der ‘Freiheit von Not’ auf globaler Ebene zu überprüfen, und der Berechtigung einer regelmäßigen individuellen Geldüberweisung für einen angemessenen Lebensstandard, auf Dauer für alle sicherzustellen.[1]

Ist es realistisch zu glauben, dass wir diesen scheinbar utopischen Traum jemals in allen Ländern verwirklichen können, ohne dabei weitere universelle Dienstleistungen, öffentlich oder sozial, ebenfalls ins Auge zu fassen? Wie zum Beispiel: kostenlose Gesundheitsversorgung und lebenswichtige Medikamente; kostenlose Bildung auf allen Ebenen; kostenlose Kinderbetreuung für jeden Vorschüler; umfangreiche Zusatzleistungen für die Altenpflege und Menschen mit Behinderungen; angemessene Unterstützung für alle, um sich einen angemessenen Wohnraum leisten zu können; subventionierte öffentliche Versorgungsbetriebe und gute öffentliche Verkehrsmittel und mehr.[2] Wir haben bereits eruiert, dass Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als Grundgesetz in jedem Land verankert werden muss und dieses von den Vereinten Nationen unter umfassender Berücksichtigung der öffentlichen Meinung weltweit überwacht wird.[3],[4]  Könnte die Aussicht auf ein Grundeinkommen als Verfassungsrecht eines der sichersten Mittel sein, um die umfassende Verwirklichung von Artikel 25 für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind zu gewährleisten?[5] Und können wir uns letztendlich das Recht auf ein Grundeinkommen vorstellen, das in einem wahrhaftig universellen Sinn verwirklicht wird? Und werden Nationen auf multilateraler Ebene zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass jede Regierung ihren Bürgern alles Notwendige für ein menschenwürdiges Leben bereitstellt?

Zweifellos ist die Umsetzung dieses einfachen sozialpolitischen Instruments immens und potentiell transformativ, besonders wenn wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, die globale Armut durch eine Form der internationalen Zusammenarbeit dauerhaft zu beenden.[6] Es ist jedoch nicht die Absicht unserer Untersuchung, die technischen Überlegungen hier im Detail zu untersuchen, wie zum Beispiel ein Grundeinkommen innerhalb verschiedener Nationen konstituiert werden sollte; oder die Argumente gegen Zielgerichtetheit und Konditionalität; oder die kontroversen Debatten über Finanzierungsoptionen durch progressive Besteuerung oder anderen innovativen Maßnahmen. Es reicht zu sagen, dass wir bereits genügend Literatur besitzen, das für ein neues System der Einkommensverteilung für das 21. Jahrhundert spricht, angesichts der Ineffizienzen und Mängel der bedürftigkeitsgeprüften Sozialsysteme weltweit.[7] Wir gehen davon aus, dass der Leser bereits der Auffassung ist, dass neue Lösungen zur Bewältigung von Armut und Ungerechtigkeit notwendig sind, die durch das etablierte soziale Ziel der Vollbeschäftigung auf der Grundlage eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums realistisch nicht mehr vertretbar sind. Die eventuelle Notwendigkeit, jegliches Einkommen von Lohnarbeit zu trennen, ist aus vielen zwingenden Gründen vorhersehbar, nicht zuletzt der zunehmende Druck des technologischen Wandels und einem ungerechten Modell der wirtschaftlichen Globalisierung.[8]

Basierend auf dieser Analyse, sollten die bekannten Argumente für die Einführung eines Grundeinkommens in jedem Land - mit dem Ziel eines möglichst hohen Betrags, der ausreicht, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten - von informierten Wissenschaftlern, Aktivisten und politischen Entscheidungsträgern äußerst ernst genommen werden.[9] Das moralisches Argument, einen solchen Anspruch von Geburt an zu verwirklichen, hat für Share the Worlds Resources eine besondere Bedeutung, da es der Grundstein unserer Organisation ist: dass das Erbe unserer Erde gleichermaßen allen gehört. Somit ist die Verantwortung der Gesellschaft zugeteilt, die Produkte unserer Erde zu bewahren und gerecht aufzuteilen, in Übereinstimmung mit egalitären Prinzipien. Diese Argumentation spiegelt sich insbesondere in den Arbeiten von Thomas Paine, Henry George, G.D.H. Cole und viele andere bedeutende Schriftsteller wieder. Sie verstanden auf unterschiedliche Weise wie das Land und die natürlichen Ressourcen Teil unseres kollektiven Reichtums sind, das aus der vereinten Arbeit, der Kreativität und den Errungenschaften der gesamten Gesellschaft und früherer Generationen hervorgegangen ist.[10] Daher ist es vernünftig zu argumentieren, dass jeder das Recht haben sollte, an den Früchten unseres gemeinsamen Erbes teilzuhaben (einschließlich der heutigen Vorteile des technologischen Fortschritts), was direkt durch die Einführung einer Politik der ‘sozialen Dividenden’, als wirtschaftliches Recht, für alle Bürger verwirklicht werden kann.[11]

Das zugrundeliegende Prinzip, wie dieses ehrwürdige Ziel erreicht werden kann, könnte nicht einfacher sein: Jede Nation muss einen gemeinsamen Ressourcenpool schaffen, der die grundlegenden Bedürfnisse aller erfüllen kann, das von Mitgliedern der gesamten Gesellschaft gefördert und finanziert wird (gemäß Mittel und Fähigkeit). Wir sehen dieses Prinzip bereits in vielen unserer sozialen und wirtschaftlichen Institutionen, wie fragil und partiell solche historischen Errungenschaften auch sein mögen. Aber wir haben einen Punkt erreicht, in der das Prinzip des Teilens als Grundlage wirtschaftlicher Aktivität in allen Nationen, allen Regionen und schließlich in der gesamten Weltgemeinschaft angewendet werden muss, wenn der evolutionäre Fortschritt der Menschheit für zukünftige Generationen garantiert werden soll. In diesem Sinne werden wir mit unseren Untersuchungen auf die Auswirkungen eines vollen Grundeinkommens fortfahren, allerdings nicht in den üblichen politischen und akademischen Begriffen.

Aus einer ganzheitlichen Perspektive, können wir in dieser schmerzlich getrennten Welt, die langjährigen Bemühungen für eine neue Wohlfahrtseinrichtung der sozialen Sicherheit, auch als Ausdruck von Reife, Verantwortung und sogar Liebe betrachten. Alleine die Idee, die höchste Vision eines UBI zu verwirklichen, ist ein Ausdruck von Intelligenz und gesundem Menschenverstand, der aus unserer eigenen Reife, Verantwortung und Liebe entsteht. Was sonst kann die Politik von UBI in diesen äußerst ungerechten Zeiten reflektieren, wenn nicht unser Gewissen, das sagt: „Jeder hat ein Recht auf Leben!“ Es scheint, dass viele Teilnehmer innerhalb der Grundeinkommensbewegung durch eine intuitive Überzeugung motiviert sind, dass die Welt ein weitaus freierer, kreativerer und freudvollerer Ort sein kann, da es offensichtlich so viel Reichtum und materielle Produkte gibt, die unfair unter einer relativ kleinen Minderheit der Weltbevölkerung geteilt werden. Alleine die Idee, das Prinzip des Teilens für unsere wirtschaftlichen Probleme anzuwenden, wie es durch eine UBI und weiteren Umverteilungsstrategien vorgeschlagen wird, soll den Bestrebungen, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind, konkrete Substanz und Struktur verleihen. Wenn wir es aus dieser Sicht betrachten, ist die Bedeutung eines UBI nicht nur ‘ein Recht auf Leben’, sondern es kann auch folgendermaßen verstanden werden: als die Kunst, Gleichgewicht in soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten der Welt zu schaffen, bis die ‘richtige menschliche Beziehung’ in unserem täglichen Leben eine etablierte Realität ist.

 


Teil I: Die Gefahr einer dystopischen Zukunft

Lassen Sie uns nun untersuchen, wie eine umfassende Vision eines globalen UBI erreicht werden kann. Wir werden versuchen, dieses Thema durch die einfache Logik unseres gesunden Menschenverstandes wahrzunehmen, ohne auf komplexe intellektuelle Argumente zurückzugreifen. Oberflächlich betrachtet mag es theoretisch möglich erscheinen ein umfassendes UBI zu implementieren, zumindest in jedem hochindustrialisierten Land, in dem etablierte Steuersysteme bereits genügend Einnahmen generieren können, um ein universelles Sozialsystem zu finanzieren.[12] Aber dann müssen wir uns eine relevante Frage stellen: Können wir uns darauf verlassen, dass die Regierung irgendeines Landes heute freiwillig den allgemeinen Bedürfnissen all ihrer Bürger Vorrang einräumt? Die Geschichte des sozialen Schutzes im 20. Jahrhundert mag enorme Verbesserungen im Leben von Millionen von Menschen beweisen, aber wir befinden uns in einem Klima finanzieller Enthaltsamkeit, rückläufiger öffentlicher Dienstleistungen und wachsender Armut in den meisten Ländern der Welt, trotz des überbordenden Reichtums, der von Milliardären und Großunternehmen unentwegt angehäuft wird.

Obwohl die Menschheit mehr Reichtum und Ressourcen hervorbringt als jemals zuvor in der Geschichte, sind die meisten Industrieländer weiterhin mit dem Verkauf von Rüstungsgütern und der Erhöhung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch ungerechte Handelsregulierungen beschäftigt, anstatt die grundlegenden sozioökonomischen Rechte aller, durch allgemeine öffentliche Güter und bedingungslose Geldtransfers, zu garantieren. Was passiert also mit diesem maßvollen Vorschlag, wirtschaftlich zu Teilen, wenn es zur Eskalation eines Krieges oder einer anderen globalen Finanzkatastrophe kommt? Wir können sicher gehen, dass der geschmacklose Ausdruck ‘nationale Sicherheit’ bald geltend gemacht wird, um die eigennützigen Prioritäten unserer Regierung zu verteidigen. Das haben wir bereits mit der herzlosen Reaktion europäischer Führer, in Bezug auf den Rekordzustrom verarmter Flüchtlinge und Migranten, beobachtet können.

Wir können uns auch weiter Fragen, ob es realistisch ist, heute eine vollständige UBI-Politik umzusetzen, wenn jede Gesellschaft von einem finsteren und unzähmbaren Einfluss umgeben ist, den wir zuvor als die Kräfte der Kommerzialisierung definiert haben.[13] Der Begriff „Globalisierung” reicht nicht aus, um die Ungerechtigkeit dieser Kräfte zu beschreiben, die heute unsere politischen und wirtschaftlichen Institutionen beherrschen. Es sind unmenschliche, spaltende, destruktive und gewalttätige Kräfte. Sicherlich verstehen viele Befürworter eines Grundeinkommens das Ausmaß dieses Problems, auch wenn wir es in irreführender akademischer Hinsicht als Ergebnis eines Massenkonsums oder eines so genannten neoliberalen Kapitalismus interpretieren. Es ist, als ob wir von ungezügelten Marktkräften abgelenkt und betrogen worden wären. Das ist der grundliegende Faktor, der in den letzten Jahrzehnten zu einem tiefgreifenden Einfluss der Kommerzialisierung geführt hat, der unsere Politik, unsere Gesellschaft, unsere Werte und kollektiven Verhaltensweisen verseucht hat. In der Tat liegt die Wurzel der Weltprobleme nicht nur einer politischen Ideologie oder einer bestimmten Art der wirtschaftlichen Organisation zugrunde, sondern es sind unsere selbstzentrierten Haltungen und Absichten, die uns alle für die Kommerzialisierung, in ihren unzähligen Formen, anfällig machen. So können wir aus einer grundlegenden psychologischen Beurteilung heraus feststellen, dass eine der größten Hürden für die Verwirklichung eines UBI in jeder Nation, egal ob reich oder arm, das Streben nach Profit und Reichtum ist, welches unsere sozialen Strukturen und unseren Alltag dominiert.[14]

Wie können wir dann eine vollständige Grundeinkommenspolitik einführen, die sicherstellt, dass niemand in Armut lebt, wenn jeder durch diese gewinnorientierten Kräfte bedingt ist, die uns zu materialistischen, wettbewerbsfähigen und atomisierenden Verhaltensweisen zwingen? Es gibt ein unverkennbares Merkmal in unserer Gesellschaft, das aus dieser vorherrschenden Mentalität resultiert, dass wir Gleichgültigkeit nennen. Eine Gleichgültigkeit, die sich in der komplexen Verwaltung der bedürftigkeitsgeprüften Wohlfahrtssysteme widerspiegelt, mit all ihren assoziierten Konsequenzen von Stigmatisierung und Bestrafung, die von ernannten Bürokraten unserer Regierung ausgeführt wird. Wie können wir einen Mangel an „politischem Willen” dafür verantwortlich machen, dass ein UBI davon abhaltet erfolgreich zu sein, wenn wir alle daran beteiligt sind diesen Zustand zu verlängern, indem wir uns unbewusster Weise diesem Status Quo anpassen.

Was wird unserer Meinung nach passieren, wenn jeder Bürger monatlich einen auflagefreien Betrag erhält, wenn unsere Regierungen öffentliche Güter privatisieren und Waffen an autoritäre Regime verkaufen und sich ständig darum bemühen, die Ressourcen schwächerer oder abhängiger Nationen im Ausland zu dominieren? Mit ihrer unterschwelligen Außenpolitik, welche Tod und Zerstörung verursacht, unterstützen tatsächlich viele Nationen die Idee von „dem Recht zu töten“ und nicht „das Recht auf Leben“. Und durch unsere kollektive Gleichgültigkeit und Konformität, werden diese Art von Politiker weiterhin von einem Großteil der Bevölkerung gewählt. Somit schenken wir dieser etablierten Denkweise und Einstellung unsere Energie, die diese Sachlage aufrechterhält.

Reicht es also aus, jedem erwachsenen Bürger eine Summe von etwa 1000 Dollar pro Monat zu geben, als ob wir erwarten könnten, dass sich die weiteren Probleme der Welt von alleine auflösen? Je mehr UBI-Geld ich von meiner Regierung in der heutigen Gesellschaftsordnung verlange, desto mehr muss ich gewärtig sein, dass sich die Trends der Kommerzialisierung, der globalen Kriegsführung und des Ressourcenwettbewerbs im gleichen Maßstab verschlimmern. Je mehr Geld ich vom Staat erhalte, desto mehr Stress und Ungleichgewicht wird von meiner Regierung unweigerlich geschaffen, die weiterhin dieselbe rücksichtslose wettbewerbs- und gewinnorientierte Politik verfolgen wird. Und je mehr Stress ich in dieser zunehmend dysfunktionalen Gesellschaft erfahre, desto mehr werde ich finanzielle Sicherheit suchen und selbstgefällig auf die Probleme der Welt reagieren.

Das ist die Natur von diesem Teufelskreis, sogar selbst aus hypothetischer Sicht. Aber wird in der Realität irgendein UBI-Betrag hoch genug sein, während diese schädlichen Trends sich gleichzeitig verschlimmern? Je mehr die Regierungen ihre kommerzialisierenden und militaristischen Strategien fortführen, desto teurer wird das Leben, in der immer kleiner werdenden Öffentlichkeit. Am Ende kann niemand seinen Grundanspruch auf angemessene Nahrung, Gesundheitsversorgung, Unterkunft und Bildung mit 1.000 US-Dollar im Monat (oder mehr) erfüllen, unabhängig davon, wie sparsam er versucht zu leben. Können wir uns wirklich eine Regierung von heute vorstellen, die all Ihren Bürgern eine ausreichende Summe zukommen lässt, anstatt ihr Militärbudget in einer Zeit zu erhöhen, wo Atomwaffen stark zunehmen, der Klimawandel beträchtliche Veränderungen bringt und der Nationalismus schriller wird?

Wir sehen, wie einfach es sein könnte, ein nationales UBI zu implementieren, wenn die Regierung und die Öffentlichkeit nur zu einem Konsens kommen würden. Um eine gleichberechtigte und integrative Gesellschaft zu schaffen, brauchen wir keine großartigen Ideen, sondern wir müssen nur die gemeinsamen Ressourcen gerecht verteilen – wie unmöglich das auch in einer komplexen Gesellschaft erscheinen mag, die von den genau entgegengesetzten Prinzipien des individualistischen Wettbewerbs und Eigennutzes angetrieben wird. Stellen Sie sich vor, ein Mann und eine Frau streiten sich heftig auf der Straße, und es erfordert einen Außenstehenden, der eingreift und sie zur Vernunft bringt. So kann die liebevolle Beziehung zwischen diesem Paar wiederhergestellt werden. Man könnte diese weitgefasste Analogie auf die Politiker und die breite Öffentlichkeit übertragen – wenn nur beide die gleichen Werte des guten Willens und der gegenseitigen Unterstützung ausdrücken würden. Vielleicht würde dann das Prinzip des Teilens in der gesamten Politik zum Ausdruck kommen, basierend auf gesunden Menschenverstand und der Tatsache, dass genug Nahrung und Ressourcen für alle da sind, und niemand in Not leben oder verhungern muss. Leider ist die Realität aber so, dass Regierungen eifrig nach Macht streben und eine disparate Öffentlichkeit, die die wenigen Politiker, die für wirtschaftliches Teilen als Grundlage für soziale Verträge einstehen, meist nicht beachten.

Die Voraussetzungen, um es der Kommerzialisierung zu ermöglichen in Weltangelegenheiten zu regieren, wurde schon längst geschaffen; durch den Konflikt widersprechender politischer 'Ismen' und der Selbstgefälligkeit der allgemeinen Bevölkerung. So komplex ist die Gesellschaft geworden mit all ihren Gesetzen, die es der Kommerzialisierung und institutionalisierten Habgier ermöglichen tätig zu sein, dass selbst der visionärste Politiker mit den richtigen Absichten machtlos ist, eine echte UBI-Politik durch irgendeinen Kongress oder ein Parlament voranzubringen. Wenn die breite Masse der Weltbevölkerung nicht hinter dieser Idee steht, werden die Pioniere für eine Grundeinkommensgarantie vor multinationalen Konzernen und unterwürfigen Regierung betteln müssen, und das inmitten all der Spaltung, die aus uraltem Eigeninteresse entstand, die die Ideologien und öffentliche Gleichgültigkeit polarisieren. Es mögen genug Ressourcen in der Welt vorhanden sein, damit jeder zumindest einen minimalen Lebensstandard genießen kann, aber es ist unmöglich, diesen Reichtum gerechter im Rahmen des Paradigmas der Kommerzialisierung zu teilen. Wir könnten sagen, dass es eine attraktive Alternative ist, die eine utopische Unmöglichkeit bleiben wird, es sei denn, es gibt eine signifikante Änderung im ökonomischen Denken unserer Politiker, gepaart mit einer wesentlichen Bewusstseinserweiterung in unserer gesamten Gesellschaft.

Das ist die Zusammenfassung unserer paradoxen Situation. In einer Zeit der Automatisierung, wo neue Technologien schnell Millionen von Arbeitsplätzen an sich reißen, ist die Notwendigkeit eines Grundeinkommens grösser denn je. Solange die gegenwärtigen Trends anhalten, können große Konzerne von der technologischen Massenarbeitslosigkeit profitieren, denn dann müssen sie sich nicht mehr mit angemessenen Löhnen oder hart errungen Arbeitsrechten befassen. Man könnte das als eine Prophezeiung bezeichnen, denn wir können sichergehen, dass Unternehmen kein Interesse haben an den Problemen der Arbeitslosen, oder der allmählichen Einführung rechter menschlicher Beziehungen und der Erhaltung eines Wirtschaftssystems, das auf der Basis beruht den gemeinsamen Reichtum gerecht unter allen Bürgern aufzuteilen. Innerhalb dieses ausbeuterischen Systems, können wir natürlich nicht erwarten, dass eine Regierung ein Grundeinkommen für alle einführt, da sie mehr auf die Kürzung von Sozialleistungen und Arbeitsrechten abzielen, als auf den Schutz der etablierten Rechte der Arbeitnehmer.

All diese selbstzerstörerischen Tendenzen werden sich rapide verschlimmern, bis das anhaltende Wachstum der Weltbevölkerung das größte Hindernis zur Erreichung eines robusten universalen Grundeinkommens wird. Das ist ganz einfache Betriebswirtschaft, denn welche Regierung kann es sich leisten ein ausreichendes Grundeinkommen zu garantieren, wenn jährlich eine Bevölkerungszunahme von mehreren Millionen zu erwarten ist? Ohne Zweifel wird der Bevölkerungsanstieg auf über 11 Milliarden Menschen in diesem Jahrhundert viele Visionen zu einer ausgewogenen und nachhaltigen Welt hin verhindern. Wie kann ein Land zum Beispiel seinen Reichtum gerecht unter seinen Bürgern aufteilen, wenn die Einwohner ihre Straßen, auf Grund des zunehmenden Verkehrs, nicht mehr gemeinsam nützen können?  Oder sind wir bereit, eine globale Ein-Kind-Politik als Vorbedingung zur Einführung eines UBI in jedem Land zu akzeptieren? Sind wir gleichzeitig bereit, den fortwährenden Anstieg von Milliardären zu akzeptieren, die immer mehr Vermögen anhäufen, um die ständig wachsenden Bedürfnissse der Regierung aufrecht zu erhalten, um einen maximalen Sozialstaat zu finanzieren? Lange kann die Welt diesen ständigen Angriff auf ihre Ressourcen nicht mehr standhalten, was die Aussicht auf ein Grundeinkommen mathematisch und physisch zur Unmöglichkeit macht, unabhängig von seiner heutigen politischen Undurchführbarkeit.

Wenn wir der obigen Argumentation zustimmen, müssen wir zu dem Schluss kommen, dass dieser einfache politische Vorschlag nur bis zu einem gewissen Grad erfolgreich sein kann, und mit der Zeit sicherlich pervertiert wird. So wie sich die universellen Sozialleistungen in entwickelten Ländern von ihren ursprünglichen Prinzipien und Idealen weit entfernt haben, so wird auch die Einführung eines Grundeinkommens ein ähnliches Schicksal erfahren und von ihrem transformativen Potential weggeführt werden. Vorausgesetzt sie hat überhaupt eine Chance innerhalb dieses korrupten Paradigmas der wuchernden Kommerzialisierung, Militarisierung und des uneingeschränkten Bevölkerungswachstums. Wenn man bedenkt, dass viele multinationale Konzerne wohlhabender und mächtiger sind als die meisten Regierungen, wird jedes Grundeinkommen, das Politiker erfinden, wahrscheinlich so niedrig wie möglich angesetzt, vielleicht im Einklang mit den libertären Ansichten von Friedrich Hayek und Milton Friedman. Wenn diese obengenannten Trends ungehindert weitergehen, kann es sein das sich die Regierungen gezwungen sehen ein minimales Grundeinkommen einzuführen um auf soziale Unruhen und eventuelle gewaltsame Aufstände zu reagieren, welche unweigerlich auf steigende Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Unsicherheit und dem eklatanten Luxus der wenigen zurückzuführen sind.

Dann müssen wir auch einer dystopischen Zukunft entgegenblicken, in der die Gesellschaft wie in einem offenen Gefängnis lebt, das darauf beruht Recht und Ordnung, in einer untergeordneten Bevölkerung, aufrechtzuerhalten. In der Tat, wenn ein Häftling ins Gefängnis kommt, um eine lange Haftstrafe zu verbüßen, hat er vermutlich keine Freude oder Hoffnung auf die Zukunft, aber er hat zumindest die Gewissheit, mit den notwendigen Grundbedürfnissen versorgt zu werden. Für viele Menschen auf der Welt, besonders diejenigen, die in den ärmsten Dörfern und Elendsvierteln des globalen Südens leben, gibt es keine Hoffnung auf das Morgen. Viele haben in gewisser Hinsicht nicht einmal die gleichen Rechte wie Straffgefangene. Sie haben kein Dach über dem Kopf und wissen nicht woher ihre nächste Mahlzeit kommt. Solch ein mittelloser Mensch kann theoretisch damit einverstanden sein, dass die Ressourcen der Welt allen gehören sollten, aber welche Hoffnung haben sie auf ihren gerechten und gebührenden Anteil, wenn diese Ressourcen von einem schnell kleiner werdenden Prozentsatz der Bevölkerung akkumuliert und dominiert werden?

Offensichtlich wird die Anzahl der Ausgegrenzten und Enteigneten unter diesen vorherrschenden Bedingungen weiter ansteigen, was zu einem Verlust an Hoffnung und zu weiterem Elend für einen immer größeren Teil der Menschheit führen wird, sowohl in den reichsten als auch den ärmsten Gesellschaften. Wenn die einzige Antwort der Regierungen ein UBI von minimaler Höhe innerhalb der nationalen Grenzen ist, in Verbindung mit einem progressiv geschrumpften und privatisierten Sozialsystem, dann sind die Aussichten für das, was im 21. Jahrhundert bevorsteht, schauerlich düster und bedrohlich. Wir blicken vielleicht in 80 Jahren zurück und betrachten es als ein Wunder, dass Wohlfahrtsstaaten jemals existierten. Denn dann werden wir in einer Welt leben, die sich ausschließlich dem Schutz einer privilegierten Elite verschrieben hat, die in einer abgeschiedenen Realität leben, weit entfernt von den generellen Entbehrungen der unterdrückten Massen.

 


Teil II: Die fehlenden Faktoren für eine Bürgerinitiative

Es ist wichtig, noch einmal zu betonen, dass die Idee eines erträglichen Grundeinkommens, das der Staat seinen Bürgern bezahlt, eine visionär überzeugende Vorstellung für unsere Zeit ist. Dennoch ist es unrealistisch, ein UBI als politisches Werkzeug zur Schaffung einer freieren Gesellschaft einzusetzen, wenn sich unsere Regierungen weiterhin mächtigen Unternehmensinteressen gegenüber verpflichten, insbesondere in der Rüstungsindustrie. In diesem gewaltigen Kampf sind politische Aktivisten schon jahrzehntelang engagiert, und nie zuvor war dieser Kampf so unheilverkündend und dringlich wie jetzt. Deshalb geht es in unserer Untersuchung darum, wie wir diese ungerechten Bedingungen innerhalb des herrschenden Paradigmas der Kommerzialisierung transformieren können, so dass ein höheres UBI zu einer lebensfähigen und unbestechlichen Perspektive wird - nicht nur in den meisten Industrieländern, sondern letztlich in jedem Land der Welt.

In diesem Sinne ist unsere erste Überlegung die Notwendigkeit einer gewaltigen öffentlichen Unterstützung für eine solche Sache, und unser Hauptgrund sollte darin bestehen eine globale Grundeinkommenspolitik zu fördern, die das ‘Recht auf Leben’ für alle sicherstellt. Unsere Politiker von heute werden dieses Recht nie unterstützen, selbst wenn einige ehrbare Politiker es versuchen. Also muss das von den gewöhnlichen Bürgern ausgehen. Und der einzige Weg, um eine grundlegende Veränderung der politischen Orthodoxie und der sozialen Einstellung herbeizuführen, sind unermüdliche Demonstrationen, um den extremen menschlichen Entbehrungen ein Ende zu setzen. Daraus wird der Anfang zu einem emanzipatorischen Grundeinkommen geboren werden. STWR wird von dieser Vision geleitet, die wir nun anhand einer logischen und intuitiven Analyse in Bezug auf ein globales Grundeinkommen untersuchen werden.

Angenommen unsere Motivation ist wahrlich ein universelles Grundeinkommen für alle zu erlangen – vor allem als wirtschaftliches Recht, das jeden davor bewahrt in unerträglicher Armut zu leben, dann müssen wir zunächst das gewaltige Ausmaß dieser langjährigen Krise anerkennen. Während Millionen von Menschen in reichen Ländern keinen ausreichenden Zugang zu lebensnotwendigen Dingen haben, leben fast alle chronisch unterernährten Menschen in ärmeren Ländern, insbesondere in Afrika, südlich der Sahara und in Südasien. In vielen Ländern dieser Regionen leiden nicht weniger als ein Drittel der Gesamtbevölkerung an Hunger. Und in vielen konfliktreichen Ländern gibt es derzeit Rekordzahlen von Menschen die lebensrettende Nahrung und medizinische Hilfe benötigen und das ist die größte Tragödie, seit der Einsetzung der Vereinten Nationen, im Jahr 1945.

Schon vor dieser dramatischen Eskalation der Ernährungsunsicherheit, starben in den letzten Jahren täglich mehr als 40.000 Menschen, an vermeidbaren armutsbedingten Ursachen, mit der überwiegenden Mehrheit in Ländern mit niedrigem Einkommen.[15] Dennoch wissen wir, dass es genug Nahrung, Medikamente, Geld und andere Ressourcen gibt, die an alle in Not geratenen Menschen weitergeleitet werden könnten - vor allem aus den am stärksten entwickelten Regionen der Welt, die ein Überangebot haben und eine unvorstellbare Menge von Lebensmitteln und materiellen Gütern verschwenden. Diese zunehmende Realität, von Armut inmitten des Überflusses, und von Luxus inmitten der Hungerleidenden, mag seit langem bestehen. Aber wie werden wir die Situation ändern, wenn nicht Millionen von Bürgern sich zusammenschließen, und von ihren Regierungen fordern, dieses Thema umfassend und systematisch anzugehen?

Nur durch riesige Demonstrationen, die Tage, Wochen, Monate und sogar Jahre andauernd, werden unsere gewählten Vertreter sich gezwungen sehen, die Forderung des Volkes für wirtschaftliches Teilen und globale Gerechtigkeit ernst zu nehmen. Und im Mittelpunkt unserer Forderungen muss ein Aufruf an die Regierungen stehen, ihre überschüssigen Ressourcen mit anderen Nationen zu teilen, aus einem allgemeinen Verständnis heraus, dass genug für alle da ist, und es nicht angehen kann, dass jemand in Not lebt oder unnötig Hunger leidet. Auf diese Weise ist die Idee des Teilens überschüssiger Ressourcen der Schlüssel zur Vereinigung der Weltöffentlichkeit, und das Wort ‘Überschuss’ muss man betonen, weil wir nicht über diejenigen Ressourcen sprechen, die wir selbst benötigen, um unsere Familien zu ernähren und gut zu leben. Wir sprechen über die überschüssigen Ressourcen, die jede Nation leicht für eine globale Armutsbekämpfung zur Verfügung stellen kann, ausgerichtet auf das Leiden derer, die in unseren eigenen Ländern und vor allem im Ausland am Existenzminimum leben.

Die dringende Notwendigkeit, ein internationales Notfallprogramm zu verwirklichen, wurde in dieser Reihe von Studien unter Bezugnahme auf den Bericht der unabhängigen Kommission für internationale Entwicklungsfragen wiederholt, der 1980 unter dem Vorsitz von Willy Brandt veröffentlicht wurde.[16] Trotz der jetzt überholten Wirtschaftslage des Brandt-Berichts ist seine Forderung nach massiven Transfers von Ressourcen aus dem globalen Norden in den Süden heute wichtiger denn je, als Teil einer koordinierten Zusammenarbeit, die sich auf das Ende der absoluten Armut als ‘zwingendes Ziel’ der internationalen Gemeinschaft bezieht. Brandts Vision von einem großen Gipfeltreffen der Weltpolitiker zur Planung und Mobilisierung dieser Agenda, wurde in der Blütezeit der Marktwirtschaft ad acta gelegt. Aber seine Zeit wird sicherlich wiederkommen – auch wenn die feineren Details anders aussehen werden – denn die alte Wirtschafts– und Währungsordnung steht dem Zusammenbruch nahe.[17]

In unserer gegenwärtigen Diskussion ist es nicht notwendig, die wirtschaftlichen Reformen zu erläutern, die für einen neuen Ansatz der Nord-Süd-Entwicklung und Zusammenarbeit erforderlich sind. Doch es sollte klar sein, dass die Förderung dieser weitgefassten Vision nicht dasselbe ist, als die Befürwortung eines UBI in einzelnen Ländern. Was wir wirklich erreichen wollen, ist ein Phänomen von Massendemonstrationen, welche sich auf der ganzen Welt ausbreiten, bis sich diese Idee, die Armut zu beenden, im Bewusstsein von Milliarden Menschen als eine Priorität festsetzt und sich buchstäblich jeder dieser bedeutenden Sache bewusst ist. Können Sie sich das plötzliche Entstehen eines völlig neuen Bewusstseins vorstellen, das erklärt: „Nie wieder Hunger und nie wieder unnötiges Sterben!“? Stellen Sie sich dann die weiteren Aktionen und Demonstrationen vor, die sich daraus ergeben können, ein fortwährendes Bemühen, die Regierungen zu einer koordinierten Reaktion zu bewegen und diese moralische Schandtat endgültig zu beenden. Nicht unter Bedingungen, die von unseren politischen Führern vorgebracht werden, mit den üblichen Kommuniqués oder notwendigen Verpflichtungen, die nach internationalen Gipfeln veröffentlicht werden. Sondern Bedingungen, die von den gewöhnlichen Menschen guten Willens gefordert werden, die sich spontan versammeln, Tag für Tag und Nacht für Nacht, egal wie lange es dauert, mit der ausdrücklichen Absicht, die politischen Entscheidungsträger durch diese sehr menschlichen und bedürftigen Forderungen wieder zur Vernunft zu bringen.

Wir gehen davon aus, dass ohne dieses historische Ereignis, das auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt wird, vielleicht keine Hoffnung besteht auf die Verwirklichung einer endgültigen Vision eines weltweiten Grundeinkommens. Regierungen werden immer eine Entschuldigung finden, um es zu verzögern. Wir sahen das schon vor langer Zeit mit dem Speenhamland-System bis zum garantierten Einkommensplan von Richard Nixon, und auch beim jüngsten Referendum in der Schweiz.[18] Solange das Prinzip des Teilens nicht in Weltangelegenheiten verankert ist, und solange die Regierenden der Welt nicht die Notwendigkeit einer massiven Übertragung von Ressourcen in den globalen Süden als Teil eines "Überlebensprogramms” akzeptieren, kann ein wirklich universelles Grundeinkommen niemals in einem angemessenen Rahmen durchgesetzt werden.

Dies hängt ab, von einem gewissen Grad an Bewusstsein für die Probleme der Welt, was den meisten gewöhnlichen Bürgern innerhalb von wohlhabenden Gesellschaften, und sogar innerhalb der wohlhabenden Teile ärmerer Nationen, trauriger Weise  fehlt. Doch ohne ein gewisses empathisches Bewusstsein und einer instinktiven Antwort auf das vermeidbare Leiden derer, die weniger Glück haben als wir selbst, ist es nahezu unmöglich, dass ein UBI schließlich als ein wesentliches politisches Instrument zur Beseitigung materieller Entbehrungen aufrechterhalten wird. Natürlich gibt es viele Gründe, warum es unmöglich ist heute ein umfassendes UBI-System in jedem Land zu erreichen. Jedoch der Mangel an öffentlichem Bewusstsein oder eine Besorgnis über die tragische Realität der Armut in der Welt, ist am Ende aus einem ganzheitlichen Standpunkt gesehen, der grundlegende Faktor.

Um diese Schlussfolgerung zu unterstreichen, muss man nur beobachten, wie sich Amerikaner, Franzosen, Engländer, Japaner und die meisten anderen verwestlichten Nationalitäten zunehmend auf ihre Innenpolitik konzentrieren, was die wachsenden wirtschaftlichen und sozialen Spaltungen widerspiegelt, die heute alle Nationen charakterisieren. Die Lösung dieses Problems, Spaltungen und Ungleichheiten zu reduzieren, ist oft Gegenstand intensiver nationaler Debatten, wie sie sich in den allgemeinen provinzlerischen Prioritäten der politischen Parteien während der Wahlkampagnen widerspiegeln. Aber was die Öffentlichkeit nicht sieht oder nicht bedenkt, sind die Ungleichheiten zwischen verschiedenen Nationen und unterschiedlichen Weltregionen im Hinblick auf die extreme Diskrepanz hinsichtlich von Reichtum und Einkommen, die die bedauernswerten Lebenschancen der ärmeren Hälfte der Welt bestimmen. Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass diese internationalen Spaltungen nur durch die gemeinsame Nutzung der Weltressourcen geheilt werden können. Symbolisch gesehen wirkt dieser Prozess wie ein Magnet auf viele andere soziale Transformationen, einschließlich der Möglichkeit, UBI als ein tragfähiges politisches Instrument innerhalb jeder Nation umzusetzen.

Interessanterweise stellt die Vision eines UBI die Logik des wirtschaftlichen Teilens dar, wie sie einzig auf nationaler Ebene gedacht wird. Die Vision dessen, was Teilen auf globaler Ebene bedeutet, wird von den meisten UBI-Befürwortern nur teilweise unterstützt, einschließlich der wenigen Organisationen, die sich der Idee verschrieben haben, die absolute Armut durch eine Grundsicherung in Entwicklungsländern zu beenden. Die meisten Unterstützer haben nur ein Fragment dieser Vision des wirtschaftlichen Teilens, bezogen auf ihr Land, ohne zu erkennen, dass eine volle UBI-Politik nirgendwo aufrechterhalten werden kann, ohne dass ihre wahre Mutter bereits in der Welt ist. Die Mutter ist in diesem Fall das Prinzip des Teilens, das sich in einem globalen Prozess zwischen allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen manifestieren muss.

Um diesen Prozess in Gang zu kriegen, bedarf es Milliarden Menschen in jedem Land, die sich durch aktives Engagement und mit einer gemeinsamen Stimme für das sofortige Ende des armutsbedingten Leidens erheben. Das ist der einzige Weg, bis sich die Vereinten Nationen zu einem zwischenstaatlichen Notfallprogramm und einer umfassenden Umstrukturierung des internationalen Wirtschaftssystems verpflichten. Die Forderung eines UBI, als Lösung für die globale Armut, ist daher eine unbewusste Art der Forderung die Ressourcen der Welt zu teilen. Und es ist genau dieses entscheidende Element, dieser Schlüssel, der zur Erreichung dieses epochalen Ziels fehlt. Denn dieser Schlüssel wird erst ausgehändigt, wenn ihn die Mehrheit der Menschheit verlangt und das hängt von einer deutlichen Erweiterung unseres gemeinsamen Bewusstseins und Mitgefühls gegenüber den anderen ab, bis die Bedürfnisse unserer ärmsten Brüder ebenso wichtig sind wie unsere eigenen.

Es gibt zwei Wege um diese inspirierende Vision eines Grundeinkommens zu verwirklichen. Der erste Weg ist der des größeren Widerstands, wo wir versuchen, eine politische Gegenbewegung aufzubauen, die die amtlichen Stellen dazu zwingt, ein neues System der Einkommensverteilung auf der Grundlage eines UBI zu bewilligen. Das bringt allerdings das Risiko gewaltsamer Aufstände und enormer staatlicher Opposition mit sich. Oder wir nehmen den Weg des geringsten Widerstandes, der sich auf Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bezieht – und rufen eine neue globale Bewegung ins Leben, die angemessene Nahrung, Wohnraum, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit für alle fordert.[19]

Dies führt uns zurück zu STWRs Flaggschiff-Veröffentlichung und deren Anweisungen, die ein Appell an die Wiederbelebung dieses ehrwürdigen Artikels ist, und zwar durch friedliche globale Protestaktionen, die beharrlich und unaufhörlich weiterlaufen.[20] Lassen Sie uns die relevanten Aspekte unserer Argumentation zusammenfassen. Wir haben gesehen wie das Phänomen weltweiter Demonstrationen durch den Aufruf zum Schutz der Umwelt ihren Höhepunkt erreicht hat, aber niemals wurde solch ein Aufruf zum Schutz der Grundrechte der Ärmsten und Hilflosen in weniger entwickelten Ländern gemacht.[21] Mit so einer Aufforderung, in unvorstellbarer Größenordnung, ist es möglich den Verlauf der Weltangelegenheiten absehbar zu verändern. Indirekt öffnet das die Tür für ein UBI und zahllose andere politische Lösungen, die von progressiven Aktivisten befürwortet werden.

Artikel 25 en masse zu fordern, ist die beste Strategie und der sicherste Weg um die Armen, die Notleidenden und die Vergessenen weitläufig zu erreichen – denn die Menschenrechte, die in diesen einfachen Sätzen verankert sind, sind in erster Linie ihnen zugehörig. Demzufolge ist es möglich, wenn der Westen für diese gute Sache mit beständiger Kraft protestiert, dass die Armen in marginalisierten Regionen auf der südlichen Hemisphäre diesen Ruf ebenfalls hören und sich hoffentlich anschließen werden. Eine ähnliche Logik lässt sich erschließen, wenn wir über das Grundeinkommen sprechen, denn gerade die Ärmsten würden von einem regulären Geldtransfer, als ihr naturgegebenes Recht, profitieren. Aber es gibt viele Gründe, warum es unwahrscheinlich ist, dass sich Proteste für ein UBI als ein einheitliches globales Phänomen verbreiten werden. Das politische Recht auf ein Grundeinkommen ist im Allgemeinen auf den jeweiligen Staat beschränkt, wo die Sozialpolitik innerhalb jeder Nation gestaltet und umgesetzt wird. Artikel 25 hingegen ist wahrhaftig international ausgerichtet, um zu sichern, dass die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen erfüllt sind, die er zum Überleben braucht. Sogar sehr konservative oder profitorientierte Menschen werden sagen, dass sie mit Artikel 25 einverstanden sind, unabhängig von ihren Ansichten über ein Grundeinkommen und welche Ideologie sie fördern oder welche politischen Ansichten sie sonst vertreten.

Darüber hinaus geht es bei der generellen Vorstellung, die mit einem Grundeinkommen verbunden ist, in erster Linie um Geld und Finanzen innerhalb einer gegebenen Gesellschaft, wie das Wort ‘Einkommen’ schon verdeutlicht. Hingegen beinhaltet das Konzept von Artikel 25 den moralischen Grundsatz und unsere kollektiv geteilte Aspiration, und die Anerkennung (in den Worten der Allgemeinen Erklärung)  der angeborenen Würde und ‘der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen, die die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bilden’. Tatsächlich ist die Umsetzung eines UBI wirklich für Ökonomen und politische Entscheidungsträger, während die Umsetzung von Artikel 25 zunächst von den engagierten Herzen und der aktiven Beteiligung von wirklich allen Gesellschaftsschichten abhängt. Durch diese tief empfundenen Handlungen wird schließlich ein ‘heiliger Ökonom’ entstehen, wenn wir zwischen den Zeilen lesen können, der im phänomenalen Spektakel der vereinigten globalen Demonstrationen Ausdruck findet, die Tag und Nacht ad Infinitum weitergehen.

Auch aus technischer Sicht gibt es viele politische Implikationen, die mit der Gewährleistung der Menschenrechte von Artikel 25 zusammenhängen, die einen Grundeinkommensvorschlag nicht beinhalten, wie etwa die Bereitstellung kollektiver öffentlicher Dienstleistungen unter demokratischer Aufsicht - Gesundheitswesen, Versorgung, Bildung und so weiter. Offensichtlich sind große Reformen erforderlich, wenn diese grundlegenden Dienste in jeder entwickelten Nation geschützt und erweitert, und in jedem Entwicklungsland als ein Rechtsanspruch aller Bürger verankert werden sollen. Aufgrund der Komplexität dieser Themen, ist es pragmatisch, eine übergreifende politische Forderung zu stellen, die jegliche damit verbundene Politik auf eine unkompliziert Weise umfasst. Artikel 25 beinhaltet notwendigerweise eine Vielzahl anderer politischer Forderungen, die alle die Schönheit des Prinzips des Teilens in seiner bemerkenswerten Vielfalt widerspiegeln. Ein Aufruf zur Erfüllung der Grundbedürfnisse aller, muss sicherlich auch eine Forderung der Umverteilung von Militärausgaben und anderen schädlichen staatlichen Subventionen beinhalten; Neuverhandlung und Neubetrachtung von ungerechten Handelsabkommen; Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerhinterziehung durch vermögende Privatpersonen und Unternehmen; umfassende Reform und Demokratisierung von Global-Governance-Institutionen; Umverteilung von Ressourcen durch neue Quellen der internationalen Besteuerung (über Finanztransaktionen, Kohlenstoffemissionen usw.) sowie unzählige andere Gründe für wirtschaftliches Teilen, auf nationaler sowie lokaler Ebene.[22]

Auf diese Art haben wir eine echte Chance, eine globale Bewegung in Gang zu bringen, die rund um Artikel 25 formiert und enorme Auswirkungen auf damit verbundene Kampagnen und den progressiven Aktivismus haben wird, was für Befürworter eines UBIs ein Geschenk des Himmels wäre. Selbstverständlich wird ihr Anliegen enorme Unterstützung gewinnen, wenn dauerhafte Demonstrationen stattfinden, in denen die jeweilige Regierung dazu aufgefordert wird ihre überschüssigen Ressourcen an weniger entwickelte Regionen in der Welt weiterzuleiten. Sollten Sie mit diesem neu entdeckten Publikum engagierter Bürgern über die Ethik und Logik eines UBI debattieren, ist es sehr unwahrscheinlich, dass diese anderer Meinung sein werden. Und vielleicht wäre das der Zeitpunkt für die Befürworter des Grundeinkommens ihre eigenen konstanten Demonstrationen weltweit zu organisieren, basierend auf der oben genannten moralischen Rechtfertigung: „Jeder hat das Recht auf Leben!“

Aus diesen ersten Beobachtungen können wir schließen, dass Artikel 25 die Grundlage für die Existenz eines Grundeinkommens bildet und dass beide zusammen als Tandem gesehen werden sollten. Die Befürworter des Grundeinkommens würden einen großen Schritt vorwärts machen, wenn alle ihre Mitglieder Artikel 25 gleichermaßen begrüßen würden und ihn in ihren Sitzungen, Vorschlägen und Gruppen Aktivitäten miteinschließen würden. Wie wir argumentiert haben, werden die Grundbedürfnisse der Armen bis ins kleinste Detail erfüllt, wenn Sie Artikel 25 miteinbeziehen, und so fordern Sie die Massen in allen Ländern auf, sich Ihnen anzuschließen. Das gewaltige Potenzial von Artikel 25 ermöglicht es der Regierungspolitik sich in die richtige Richtung zu entwickeln, indem eine weltweite Forderung nach wirtschaftlichem Teilen und Kooperation zur Beendigung lebensbedrohlicher Benachteiligung zu einer der obersten Prioritäten der Vereinten Nationen erhoben wird. Im Einklang ihrer Herzen werden die normalen Menschenmassen das Prinzip des Teilens zum ersten Mal auf dieser Erde zum Ausdruck bringen, und es ist ihre vereinte Forderung, die Ressourcen der Welt neu zu verteilen, die schließlich die Möglichkeit der Sicherung eines Grundeinkommens für alle, und noch vieles mehr, auslösen wird.

Man könnte sagen, dass das Prinzip des Teilens im spirituellen Sinn die Seele eines UBI darstellt, während Artikel 25 den mütterlichen Schutz darstellt. In der Tat war es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die die Menschheit inspirierte, ihr Haus nach dem Zweiten Weltkrieg in Ordnung zu bringen, wodurch das lang gehegte Streben nach einem Grundeinkommen seine geistige Heimat fand. Aus all diesen Gründen und mehr steht die Grundeinkommensbewegung vor einem langen und dunklen Weg, wenn sie ihre politischen Vorstellungen nicht mit dem etablierten Recht auf einen angemessenen Lebensstandard in Verbindung bringen - und unter diesem Schirm verweilt, bis ihre Zeit gekommen ist. Wenn Sie ein Auto haben, brauchen Sie auch Benzin, um es zu fahren; einfacher können wir unsere Argumentation nicht präzisieren. Und deshalb ist es sinnvoll - von jedem logischen, strategischen und spirituellen Standpunkt aus - Artikel 25 zu übernehmen, wenn Sie möchten, dass echte UBI-Programme schließlich weltweit implementiert werden.
 

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Es kann hilfreich sein einige der strategischen Gründe neu zu überdenken, und warum es sinnvoll ist, für Artikel 25 einzustehen, wie wir schon in unserem vorhergegangenen Buch von STWR besprochen haben. Es ist unser zentrales Ziel, mit diesem Manifest für massives bürgerschaftliches Engagement, indirekt eine Metamorphose der gewinnorientierten Interessen herbeizuführen, die unsere Gesellschaft beherrschen. Das wird Großunternehmen dazu zwingen sich metaphorisch zu beugen und ihren Einfluss auf den Regierungsprozess zu bekennen. Befürworter von UBI sollten sich über dieses Problem Gedanken machen und es in Bezug auf ihre Vorschläge sehr ernst nehmen, wobei sie sich auf ihre höchste visionäre Vorstellungskraft und Intelligenz stützen sollten. Denn wir reden nicht gedankenlos darüber, eine neue Gesellschaft mit unverbindlichem Geld für alle zu schaffen, so als ob jeder plötzlich entscheiden könnte, seine ideologischen Differenzen zu überwinden und ohne übermäßige Konkurrenz oder Konflikte zu leben.

Vielleicht sollten wir uns daran erinnern, dass börsennotierte Unternehmen mit beschränkter Haftung von gigantischem Ausmaß wie Kriegsmaschinerien sind, um Gewinn aus allen menschlichen und ökologischen Ressourcen zu ziehen, mit einer rechtlichen Verpflichtung, Profitmaximierung über moralischen oder ethischen Erwägungen zu stellen. Angenommen, jede Vision einer besseren Welt wird durch ein Haus symbolisiert, und transnationale Konzerne werden durch Panzer repräsentiert, die in einem Kriegsgebiet entfesselt werden und jedes Haus das ihnen im Wege steht vernichten, wodurch unsere idealistischen Visionen als Kollateralschäden bei der Verfolgung der Illusion unbegrenzter Kapitalanhäufung ausgelöscht würden.

Ein solches Bild mag etwas übertrieben erscheinen, aber es ist die Fortsetzung dieses metaphorischen Kampfes, der in den 1970er Jahren begonnen wurde und in den unsere politischen Führer unweigerlich verwickelt sind, durch ihre marktgetriebene Politik der Privatisierung, Kommodifizierung, Deregulierung, Besteuerung und alle die anderen derartigen spaltenden Mittel zur Schaffung von Wirtschaftswachstum. Die Ursprünge des Unheils der freien Marktkräfte gehen weit über eine fehlgeleitete politische Ideologie hinaus, die den Höhepunkt der uralten Neigung der Menschheit zu Habgier und institutionalisiertem Diebstahl darstellt. Unsere indirekte Mittäterschaft und stetige Gleichgültigkeit hat das über Generationen hinweg ermöglicht. Die Frage, wie man die Welt von diesem altertümlichen Materialismus befreien kann, sollte man ernst nehmen, besonders wenn man die Ursprünge des modernen Wirtschaftssystems durch jahrhundertelangen Kolonialismus und die schreckliche Ausbeutung gefährdeter Bevölkerungsgruppen betrachtet, die seit Beginn der Industrialisierung stattfanden.

Ist es naiv zu erwarten, dass die Menschheit diese scheinbar tief verwurzelten und selbstsüchtigen Tendenzen jemals ablegen wird, indem sie einfach eine Menschenrechtserklärung aufrechterhält, die nie mehr als eine moralische Bestrebung war- und bis jetzt, nicht rechtsverbindlich oder durchsetzbar als wirtschaftliche Verpflichtung unserer Regierungen? Kontinuierliche globale Proteste um die Rechte von Artikel 25 mögen vielleicht unwahrscheinlich erscheinen, aber wir können uns zumindest mit den hypothetischen Implikationen auseinandersetzen, die sich aus diesem erstaunlichen Ereignis ergeben könnten. Denn was glauben wir, wäre die größtmögliche Auswirkung auf jene transnationalen Konzerne, die um jeden Preis Profit suchen, inmitten zahlloser Millionen von Menschen, die von ihren Regierungen verlangen, dass Artikel 25 durch nationale und globale Gesetze in eine Reihe von durchsetzbaren Verpflichtungen umgewandelt wird? Und was denken wir, wäre die größte Auswirkung auf unsere Regierungen selbst, wenn man bedenkt, dass sogar unsere politischen Entscheidungsträger jenen zentralen Unternehmensbürokratien dienen?

Hier beginnt der wahre Kampf zur Erfüllung eines umfassenden Grundeinkommens, denn in dieser politischen Angelegenheit ist die Notwendigkeit verankert, dass die Regierungen den Reichtum an die Mehrheit der Menschen verteilen müssen. Daher kommt der Ausdruck ‘progressive Umverteilung’ plötzlich ins Spiel, denn es gibt keine Möglichkeit, ein umfassendes UBI-System auf kurze Sicht zu erreichen, es sei denn, die Regierungen werden dazu gezwungen, große Unternehmen durch eine lange Liste anerkannter Reformen zu regulieren.[23] In dieser Hinsicht besteht unsere größte Hoffnung, nicht in einer landesweiten öffentlichen Forderung an die Regierung ein UBI allein im eigenen Land zu implementieren, sondern darin, dass die Vereinten Nationen Artikel 25, durch wirklich kooperative zwischenstaatliche Maßnahmen, garantieren. Das ist der einzige Weg, Reichtum und politische Macht innerhalb und zwischen jeder einzelnen Nation nach unten umzuverteilen. Nur so können wir in globalen Wirtschaftsangelegenheiten Balance und Harmonie erreichen und dadurch verhindern, dass eine UBI-Politik von Marktkräften, destruktiven Machtspielen der Außenpolitik, und den verzerrten Prioritäten der Regierungen korrumpiert wird, die keine Ahnung davon haben was es bedeutet der Menschheit zu dienen.

Mit der Zeit kann sich der weitverbreitete Aufruf zum Teilen, in seiner Vielseitigkeit, schrittweise in der Schaffung neuer Gesetze und neuer Systeme der Einkommensverteilung ausweiten, und so sicherstellen, dass die wichtigste Rolle der Regierungen darin besteht, das Recht aller Menschen auf einen würdigen und ordentlichen Lebensstandard zu verteidigen. Bildlich dargestellt bedeutet es jetzt nicht, dass UBI-Vertreter an die falsche Tür klopfen, obwohl wir uns zwei Türen im gleichen Gebäude vorstellen könnten, die nacheinander geöffnet werden müssten. Wenn die Haustüre für Artikel 25 in jedem Land von Millionen von Menschen eingetreten wird, dann wird endlich auch eine innere Tür sichtbar, hinter der die höchste Vision eines UBI mit all seinen hoffnungsvollen Versprechungen für soziale Gerechtigkeit und Freiheit liegt. Dann muss die Menschheit an diese symbolische zweite Tür nicht mehr pochen, denn mit andauernden Demonstrationen in riesigen Dimensionen, wird sie sich an diesem Zeitpunkt ganz von selbst öffnen.

 


Teil III: Welttransformation und ihre inneren Dimensionen

Wir können die Beziehung zwischen einem Grundeinkommen und Artikel 25 aus einer weiteren Perspektive untersuchen, und zwar aus einer inneren Dimension, wie sich die Gesellschaft mit ihren gewinnorientierten Werten, durch den kollektiven Ausdruck von Liebe, gutem Willen und Teilen, auf mannigfaltige Weise verändern kann. Diese Betrachtungsweise ist in unseren Studien immer von primärer Bedeutung, denn die Hoffnung auf ein Notfallprogramm zur Verhinderung lebensbedrohlicher Entbehrungen, wird nicht nur zu Transformationen in der Arena der politischen Entscheidungen führen, sondern auch zu tiefgreifenden inneren Veränderungen im menschlichen Bewusstsein, als eine voneinander abhängige Einheit.

Mit anderen Worten: so ein wesentliches Ereignis würde für die meisten Menschen, die auf Kosten unseres Planeten und anderer Menschen ihren Gewinn machen, der Anfang vom Ende sein.  Selbst die Wohlhabenden werden an diesem großartigen sozialen Unterfangen teilnehmen und das unnötige Leiden anderer lindern. Das Erwachen unserer Herzen wird unvorhergesehene Veränderungen in Bezug auf unsere inneren Werte und unsere Zusammengehörigkeit auslösen, und zu mehr Inklusivität, Einheit und sogar Liebe führen. Wahrscheinlich werden sogar die vielen ‘Ismen’, die die gegensätzlichen Überzeugungen unserer Gesellschaften repräsentieren, in ihrer extremen Polarisierung abnehmen und sich allmählich einigen. In direkter Proportion zu unserem neu entdeckten Bewusstsein, werden wird übereinstimmen, dass die Rettung unserer kranken Zivilisation allein darin besteht, die Ressourcen unserer Erde zu teilen.

Wir können uns die weitreichenderen Auswirkungen sehr einfach vorstellen, wenn wir akzeptieren, dass solche äußeren Transformationen, eindeutig von einleitenden inneren Transformationen im Bewusstsein der Menschheit abhängen. Denn wie wir festgestellt haben haben, können diese inneren Transformationen nur durch ein einzigartiges Erwachen herbeigeführt werden: zu einer Realität des unnötigen armutsbedingten Leidens, was schließlich zu einer globalen Umverteilung von überschüssigem Kapital, Sachverständige und materiellen Ressourcen führt, und zwar dahin, wo sie rechtmäßig hingehören.

Es ist jedoch schwierig, sich eine derartige ‘teilungs-orientierte’ oder ‘liebes-orientierte’ Atmosphäre vorzustellen. Die Werte unserer gegenwärtigen Gesellschaft basieren effektiv auf dem Gegenteil von Teilen und rechten menschlichen Beziehungen. Wenn wir hören, dass Menschen von ‘unseren Werten’ und der ‘Lebensweise’ unserer Nation sprechen, bedeutet das aus einer inklusiven spirituellen Perspektive nichts oder wenig, während Millionen von Menschen wöchentlich an den Folgen von extremer Armut, gewaltsamen Konflikten und Naturkatastrophen sterben. Von welchen Werten können wir in diesem erschreckenden globalen Kontext sprechen, wenn nicht von den Werten, die unsere Spaltung und unser engstirniges Verhalten definieren? Wenn Terroristen unschuldige Zivilisten in wohlhabenden westlichen Städten ermorden, hören wir oft, dass religiöse Extremisten uns nicht voneinander trennen oder unsere Werte zerstören können, auch nicht unsere Demokratie und unsere sogenannte Lebensweise. Aber sind wir nicht bereits voneinander getrennt? In der Art und Weise wie wir miteinander leben und aufgrund der Gleichgültigkeit, die die weltweiten krassen Unterschiede im Lebensstandard aufrechterhalten?

Stellen Sie sich also die Transformation des Bewusstseins vor, die für die Menschheit als Ganzes notwendig ist, um die Spaltung auf der planetarischen Ebene zu erkennen und zum Ausdruck zu bringen, bis sich die Werte einer mitmenschlichen Beziehung in unserem täglichen Leben verankert haben. Wir haben bereits angedeutet, wie sich diese neuen Werte anfangs ausdrücken werden - vor allem durch eine universelle Kultur des Dienstes an der Menschheit. Ebenfalls durch ein tief empfundenes Bewusstsein, dass keiner an Hunger sterben darf, mit einer vereinigten öffentlichen Forderung an die Regierungen, ihre überschüssigen Ressourcen durch ein Notfall-Umverteilungsprogramm zu teilen.  Nur dann können wir uns eine Gesellschaft vorstellen, in der eine Grundeinkommensgarantie einstimmig akzeptiert und unterstützt wird, nicht aber vorher.

Der fehlende Faktor in vielen Vorschlägen für ein UBI, hängt daher mit der Frage unserer globalen Wahrnehmung und bewiesenen Einheit zusammen. Unser Bewusstsein wird sich natürlich in alle Richtungen ausdehnen, wenn sich Millionen von Menschen unter dem Banner von Artikel 25 vereinen und uns zu den Werten der rechten menschlichen Beziehungen, in all ihrer Vielfalt, führen: zwischenmenschlich, kommunal, institutionell und anderweitig. In Anbetracht dessen, dass richtige Beziehung auch bedeutet, ‘nicht zu schaden’ oder „Ich versuche, die Menschen und den Planeten vor Schaden zu schützen”, wird es nicht lange dauern, bis diese ungeheure Freisetzung des öffentlichen Bewusstseins auf die Haupttäter der planetaren Zerstörung zielt, nämlich Unternehmen mit unstillbaren Appetit auf Gewinne und Rohstoffgewinnung. Aber welche Auswirkung wird wirtschaftliches Teilen zur Linderung von Armut, in all ihrer Form, auf unsere gesamte Gesellschaft haben, in Bezug auf ausbeuterische Geschäftstätigkeit und Gewinnsucht?

Die Antwort darauf ist, dass es die Auswirkung, die wir uns vorstellen, nicht geben wird - nicht eher, bis diese riesigen kommerzialisierenden Einheiten links liegen gelassen werden. Denn es wird eine Atmosphäre des guten Willens und des Dienstes für die Welt geben und sogar viele Führungskräfte und reiche Investoren werden ihre Industrien zurücklassen, um an diesem großen planetaren Ereignis teilzunehmen. Viele multinationale Konzerne mögen mit der Zeit beginnen ihre Geschäftsmodelle und Ziele völlig zu verändern, da unser Bewusstsein für die Realität der globalen Ungleichheit sich in Richtung eines Bewusstseins für die kritische Umweltsituation ausdehnen wird. Ebenso werden die unersättlichen Anforderungen an unsere Erde zurückgefahren.

Natürlich muss die Öffentlichkeit dieses aufkeimende Bewusstsein für Fehlverhalten und Schaden seitens der Unternehmen vorantreiben, und möglicherweise mit einer weit verbreiteten Abkopplung von den vielen Branchen, die von menschlicher und ökologischer Zerstörung profitieren. Verbraucher-Aktivismus ist eine mächtige Verteidigungstaktik in dieser Hinsicht, wenn eine enorme Anzahl von Bürgern versucht, unerhörte Unternehmenspraktiken durch Boykotte, direkte Aktionen und andere Formen der Basisorganisation, in Frage zu stellen. Worum es uns wirklich geht, sind die Auswirkungen des guten Willens und des Bewusstseins, wie sie alle Gesellschaften durchdringen, fokussiert auf das Herz und den gesunden Menschenverstand in Bezug auf richtiges Denken, richtiges Handeln und richtige menschliche Beziehungen. Von da an werden die ausbeuterischen Praktiken großer Konzerne dahinschmelzen oder in sinnvollere verwandelt werden, so bald die Massen ein neues, engagiertes, weniger egoistisches Bewusstsein wiederspiegelt.

Wie wir bereits sagten, war das eigentliche Problem niemals der Kapitalismus oder das Unternehmertum, sondern das Bewusstsein des Menschen, das es diesen Erwerbspraktiken und Systemen erlaubte, sich auf diese schädliche Art und Weise zu entwickeln. Wenn also der Mensch sich des Schadens bewusst wird, den seine Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit angerichtet hat, dann werden der Kapitalismus und das Unternehmertum seine äußeren Arbeitsweisen in exakt gleichem Maß verändern. Wenn unser Bewusstsein transformiert ist, werden die Transformationen in der Gesellschaft und der globalen sozioökonomischen Ordnung folgen. Der Geist verändert sich, die Politik verändert sich, und die Welt selbst passt sich der Veränderung an.[24]

Wenn wir diese Beobachtungen mit dem UBI in Zusammenhang setzen, können wir nur wiederholen, dass seine treuen Unterstützer bald müde und alt werden, es sei denn, die Menschheit bekennt sich zum Prinzip des Teilens, durch kontinuierliche Protestaktivitäten, um die Rechte von Artikel 25 zu verankern. Dieses Ereignis wird den Beginn einer Erweiterung unseres kollektiven Bewusstseins darstellen, bis die Implementierung eines UBI in jeder Nation offensichtlich, akzeptabel und schließlich als notwendig erkannt wird. Während sich unser Bewusstsein entlang dieser eher altruistischen Linien weiter ausdehnt und wächst, kann sich auch der Begriff ‘Grundeinkommen’ ändern oder aufhören zu existieren und eine andere Bedeutung annehmen, die sich stärker an den Werten der richtigen menschlichen Beziehung ausrichtet. Was kommt uns bei den Worten ‘Grund’ und ‘Einkommen’ in den Sinn? Auf alle Fälle leben wir in einer kommerzialisierten Gesellschaft, die es versteht, alles was einen echten Wert hat zu diskreditieren, um somit die psychologische Bedeutung eines UBI als ‘Taschengeld’ oder ‘geschenktes Geld’ abzuwerten.

Was der psychologische und spirituelle Wert eines UBIs eines Tages sein wird, können wir heute nicht wirklich voraussagen. Aber was offensichtlich sein sollte, ist die Notwendigkeit, dieses Thema in einem mehr holistischen und universellen Licht zu untersuchen, mit einem Bewusstsein für das innere Leben. Dann werden sich unsere Begründungen für ein UBI nicht lediglich auf Argumente mit dem kommenden Zeitalter der Automatisierung, oder auf die Notwendigkeit einer weniger konsumorientierten und arbeitssüchtigen Gesellschaft beschränken. Um unseren Ausgangspunkt für ein UBI zu verstehen, müssen wir die Spannungen zwischen den Nationen und den endemischen Stress und die Depression in unseren Gesellschaften zur Kenntnis nehmen, die den Ausdruck von rechten menschlichen Beziehungen zurückhalten.

Das ist die sachliche Seite des Teilens der Weltressourcen, wenn wir es so sagen wollen, denn die wichtigste Bedeutung des Teilens, aus einer inneren Perspektive, ist die Reduzierung der internationalen Spannungen. Dadurch wird es den Gruppen ermöglicht, sich auf jeder Ebene zusammen zu schließen - planetar, national, kommunal und zwischenmenschlich, in einer synergistischen Vereinigung. Dann können die wahren Formen der Zusammenarbeit auf natürliche Weise gedeihen, mit positiven Ergebnissen weit über alle Erwartungen hinaus, wenn sie in den Wettbewerbsbeziehungen zwischen Regierungen auf der Weltbühne angewandt werden. Wir können sagen, dass ein echter Prozess des wirtschaftlichen Teilens dann begonnen hat, wenn Regierungen zu einem Notprogramm der Armutsbekämpfung durch die Vereinten Nationen ermächtigt werden und sich die umfassenderen Strukturen für richtige menschliche Beziehungen automatisch und auf jeder Ebene der Gesellschaft manifestieren werden.

Eines der Schlüsselelemente für die Strukturierung des wirtschaftlichen Teilens ist die richtige Einkommensverteilung, die auf dem gleichen Prinzip basiert wie ein internationales Notfallprogramm: Das wir über genügend Ressourcen verfügen, um die Grundbedürfnisse aller Menschen zu decken, wenn diese richtig genutzt und dorthin geleitet werden, wo man sie am dringendsten benötigt. Wir wissen, dass es genug Nahrung, Medikamente, Arbeitskraft und Technologie gibt, um alle Arten von materieller Entbehrung schnell zu beenden. Und aus dieser Gegebenheit, dieses große zivilisatorische Bestreben zu verwirklichen, erwächst unser Bewusstsein auf natürliche Weise, und erwacht zu dem, was unsere Gesellschaft erreichen kann – wie beispielsweise ein Grundeinkommen weltweit für alle zu realisieren und zu garantieren. Neue Gesetze werden erlassen werden, um die neuen Strukturen zu stabilisieren und die kindlichen sozialen Argumente gegen ein vollständiges UBI werden bedeutungslos und irrelevant sein.[25] Denn dann sprechen wir über eine ganz andere Art von Gesellschaft, in der jeder Einzelne die grundlegenden Mittel erhält, um sein Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten und sein innerstes Gefühl von Freude, Freiheit und Kreativität zum Ausdruck zu bringen.

Wir müssen an diesem Punkt nicht tiefer auf dieses Thema eingehen, das auch einer neuen Erziehung bedarf, wie wir schon in früheren Artikeln besprochen haben.[26] Es genügt zu sagen, dass wir uns eine mehr spirituelle, herzlichere und mitfühlendere Gesellschaft vorstellen, in der die Erfahrung von Stress und Gewalt minderwertig ist und das Christusprinzip nicht länger eine theologische Idee ist, sondern eine erfahrungsbasierte Realität für fast alle. Wenn die Herzen der Menschheit geöffnet werden, wenn die überwältigenden Spannungen in unserer Welt allmählich abnehmen, dann können wir sicher sein, dass eine Grundeinkommensgarantie ihren vorherbestimmten Platz als wesentlicher Bestandteil davon annimmt, was es heißt, in richtiger Beziehung miteinander zu leben.

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Die vorangegangenen Überlegungen sollen zeigen, dass eine vollständige UBI-Politik in keinem Land lebensfähig sein kann, wenn zuvor nicht fundamentale Veränderungen in unserem kollektiven Bewusstsein und in den Werten stattfinden, die sich schließlich auf politischer Ebene unter den Regierungen der Welt widerspiegeln müssen. Wir haben nun die fehlenden Elemente in den meisten Diskussionen über eine Grundeinkommenspolitik und die Gründe dafür untersucht, warum ein universelles Programm im gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Kontext korrumpierbar ist.

Es gibt viele vorstellbare Gefahren, die die UBI-Vorschläge heute aus sehr verschiedenen Perspektiven umgeben. Wie bereits angedeutet, wird der Ausdruck ‘Grundeinkommen’ in den kommerzialisierten Gesellschaften, in denen wir leben, gefährlich, wo sich die von uns bereits erwähnten Trends weiter verschärfen und die Weltbevölkerung stetig ansteigt. Wie sonst könnten sich diese Trends auflösen und rückgängig gemacht werden, ohne die Umsetzung von Artikel 25, Vision, gesundem Menschenverstand und Zusammenarbeit zwischen allen Völkern und Nationen? In Anbetracht unserer Überlegungen können wir sehen, wie die wirklich universelle Vision eines Grundeinkommens so viele andere Probleme, die gelöst werden müssen, anspricht. So dramatisch sind die Probleme, die diese Idee umgeben; es sei denn, wir sprechen allein über die wohlhabenden Nationen der westlichen Welt.

Das mag weiterhin die eingeschränkte Sichtweise vieler UBI-Befürworter sein, die sich stetig mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Vision einer Sharing Society innerhalb der großen Industrienationen, insbesondere Westeuropas und Nordamerikas, verwirklichen können. Aber wenn wir diese Frage durch die Logik des Herzens und des gesunden Menschenverstandes betrachten, wird es offensichtlich, dass ein UBI niemals innerhalb der Grenzen einer einzelnen Nation nachhaltig sein kann, solange der Rest der Welt so unausgewogen und sich in ständigen Konflikten befindet. Selbst wenn ein reiches Land wie die Schweiz bereit wäre, allen Bürgern einen lebenswerten Geldbetrag zur Verfügung zu stellen (ohne irgendwelche Prüfungen oder Bedingungen zu stellen), gibt es offensichtliche Gründe anzunehmen, dass ein solches nationales System auf längerer Sicht unüberwindliche Gefahren darstellen kann.

Kurzfristig könnte eine wohlhabende Nation in der Lage sein, einen Zustrom von armen Migranten durch Grenzkontrollen zu verhindern, durch verschiedene Einschränkungen des Anspruchs auf ein beitragsunabhängiges UBI-System, wie Wartezeiten und Qualifikationen, und auf der Basis des Wohnsitzes. Aber wie lange könnte sich ein solches System trotz des Drucks der selektiven Einwanderung noch behaupten, wenn man den Druck der wirtschaftlichen Globalisierung auf die öffentliche Politik berücksichtigt?[27] Aus der logischsten Analyse, in dieser wettbewerbsorientierten und profitgetriebenen Welt, ergibt sich mit Sicherheit ein gewaltiger Widerstand gegen die Weiterentwicklung eines nationalen Umverteilungssystems, unabhängig davon, in welchem ​​Land es seinen Ursprung hat.

Aus rein moralischer Sicht betrachtet, sollten wir uns fragen, ob ein UBI jemals auf einer strikten Nationen-Basis erfolgreich sein kann, wenn es nicht in Übereinstimmung mit der Vision von der Einen Menschheit verfolgt wird, die spirituell integriert und unteilbar ist. Es ist natürlich, dass die Aktivisten ihre Ideen zunächst auf eine nationale Ebene lenken und auf ihr eigenes Wohl und das ihrer Mitbürger schauen. Ein UBI muss jedoch auch als eine Lösung für unsere vielschichtigen globalen Probleme verstanden werden und auf die Idee des Gemeinwohls aller gerichtet sein - ansonsten basieren unsere Ideen eindeutig nicht auf einem universellen Konzept von Gerechtigkeit, Solidarität, Gleichberechtigung und Menschenrechten. Denn dann wird es so sein, als würden wir unser eigenes Land als die Summe der ‘Menschheit’ betrachten, während wir gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Milliarden von Menschen anderswo bleiben, die unsere privilegierte nationale Identität nicht teilen. Und dann werden wir uns immer mehr in einer von uns selbst geschaffenen Souveränität verlieren, in der unsere ungestörten Tage gezählt sein werden, während sich die Probleme außerhalb unserer Landesgrenzen weiter vervielfachen und verschlimmern.

Daher ist es unmoralisch, dass ein vollständiges UBI allein von einem Land umgesetzt wird, selbst wenn es die Mittel dazu hat, in einer Welt, in der die Armut grassiert und wo viele Nationen, die von einem Krieg verwüstet sind, kämpfen, um die steigende Ernährungsunsicherheit abzuwenden. Es kann gut möglich sein, für jeden in Ihrem eigenen Land mit einem garantierten Grundeinkommen und universellen Sozialleistungen bequem zu leben, aber was ist mit den Anderen, in ärmeren Ländern, die keine derartige Anspruchsberechtigung haben, nicht einmal einen Bissen zu essen? Nehmen wir an, Sie wären der Premierminister von England und Sie entscheiden sich, ein relativ hohes Grundeinkommen nur für englische Staatsbürger einzuführen. Was passiert, wenn im benachbarten Schottland, oder Irland, eine Naturkatastrophe oder ein Wirtschaftskollaps stattfindet? Würden Sie sich keine Gedanken über die Millionen Menschen machen, die davon betroffen sind und in Folge hungrig oder verarmt bleiben? Doch das ist die Realität, wie Menschen in wohlhabenden Nationen ihre inländischen Angelegenheiten debattieren. Als ob sie ihre etablierten sozialen Schutzsysteme verteidigen könnten, ohne auf das Unglück derer zu verweisen, die weiter in Hunger und armutsgeplagten Ländern im Ausland leben.

So sehen wir die Konsequenzen des mangelnden Teilens in unserer Welt, während die Wohlfahrtsstaaten in industrialisierten Ländern korrumpieren, aufgrund all der Probleme, die mit dem Paradigma der Kommerzialisierung, in dieser steigenden Phase ihres globalen Ausdrucks, verbunden sind. Bis etwa Ende der 1970er Jahre haben Länder wie England das inklusive Potenzial von Wohlfahrtssystemen als effektive Sharing Economy demonstriert, bevor die Ideologie der freien Marktkräfte und des privaten Eigentums ihre Weltherrschaft begann. Aber wie wir festgestellt haben, ist die Sache, die Ressourcen einer Nation durch die redistributive Politik von Steuern und Sozialtransfers zu teilen, eine ganz andere als die Ressourcen der Welt zu teilen. Und ohne einen Prozess des wirtschaftlichen Teilens unter allen Regierungen zu beginnen, was seit der Gründung der Vereinten Nationen auf diesem Planeten nie richtig zu erkennen war, werden sich die bestehenden Wohlfahrtssysteme in der gesamten industrialisierten Welt weiter verschlechtern und korrumpieren.

Wir sehen bereits die Zeichen dieser realen und gegenwärtigen Gefahr, nachdem das Leben des Menschen durch bedürftigkeitsprüfende Nutzungssysteme computerisiert wurde, welche die bedürftigsten Menschen erniedrigen und weitgehend scheitern. Diese beschämenden Kontroversen haben eine Zeit vorherbestimmt, in der die Nachkriegsvereinbarungen des 20. Jahrhunderts unweigerlich zusammenbrechen werden - es sei denn, unsere Gesellschaften werden drastisch umgestaltet unter umfassenderen und moralischeren Voraussetzungen. In diesem Sinne sollte der Befürworter eines UBIs, für eine gemeinsame politische Vision in allen Ländern kämpfen, während er sich der Tatsache bewusst ist, dass dies nicht erreicht werden kann, bis das Prinzip des Teilens zumindest beginnt, die Beziehungen zwischen den Nationalstaaten zu dominieren. All dies bringt uns zu unserer zentralen Prognose zurück, in der das fehlende Element für die Einleitung dieser edlen Vision eine Bürgerstrategie zur Transformation der Welt ist, basierend auf der Ausrufung von Artikel 25.

 


Teil IV: Definitiv eine universelle Vision

Die letzte Überlegung besteht darin, zu untersuchen, wie die ultimative globale Vision eines UBI in der Zukunft aussehen könnte, nachdem die öffentliche Aufmerksamkeit und die internationalen Beziehungen eine deutliche Veränderung zeigen, wie wir das in unserem Dialog bereits angedeutet haben. Es ist es sicherlich wert, diese neuen ökonomischen Vereinbarungen in Betracht zu ziehen, auch wenn es sinnlos ist, die endgültigen politischen Details zu formulieren, die von Ökonomen von höchstem Niveau geleitet werden müssen, vorausgesetzt, dass dieses weitsichtige Ideal jemals zustande kommt. Man sollte nicht vergessen, dass die gesamte Architektur der Weltwirtschaft wesentlich gerechter und in einer neuen angemessenen Form strukturiert werden muss, bevor die Möglichkeit, Artikel 25 in jedem Land zu garantieren, überhaupt denkbar ist.

Die Regierungen sind heute sicherlich nicht in der Lage, die sozialen Rechte aller Bürger zu schützen, ohne die Politik der modernen Zeit rückgängig zu machen, welche die wirtschaftliche Unsicherheit stark verschärft, und die Privatisierung der Wirtschaft legitimiert hat. Die Rückführung gewaltiger Militärausgaben für soziale Bedürfnisse ist entscheidend. Ebenso ist es aber notwendig viele andere politischen Strukturen zu reformieren, welche die Regierungen des globalen Südens seit den 1980er Jahren und davor, unter Druck gesetzt haben -  einschließlich des gesamten Systems der Steuervermeidung, nicht bezahlbarer Staatsschulden und unfairen Handelsregelungen. Erst dann wird Artikel 25 als durchsetzbares Menschenrechtsgesetz innerhalb der Vereinten Nationen vorstellbar, mit der Aussicht, dass ein UBI von allen Mitgliedstaaten – und zum ersten Mal in der Geschichte - ernsthaft debattiert wird, und entscheidend ist, um ein solches Ziel zu erreichen. Dann wird uns bewusst werden, was ein wirklich "universelles" Grundeinkommen bedeutet, nämlich ein globales sozialpolitisches Instrument, das dazu beitragen kann, die Grundrechte jedes Menschen auf unbestimmte Zeit zu garantieren.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass viele Entwicklungsökonomen das Versprechen von Geldtransferprogrammen (Cash Transfers = CT) als eine pragmatische Methode zur Verringerung der Armut in Ländern mit niedrigem Einkommen begrüßen, mit dem Potenzial einer Grundlage für neue soziale Verträge, zwischen den Bürgern und dem Staat. Und es ist nicht zu leugnen, dass solche gezielten Maßnahmen eine transformative Wirkung auf das Leben ausgegrenzter Bürger haben, selbst wenn sie unter bestimmten Bedingungen erbracht werden, wie z. B. Kinderimpfungen oder Schulbesuch. Dies gilt insbesondere für die Millionen von Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und in ausgegrenzten Gemeinschaften leben, die in der Regel keinen Zugang zu gesicherten Arbeitsplätzen oder umfassenden Sozialleistungen haben. Somit können wir sehen, wie der nachgewiesene Erfolg von Geldtransfersystemen, die Vielseitigkeit des Prinzips des Teilens in Bezug auf Armutsminderungsstrategien widerspiegelt, selbst wenn sie begrenzt in ausgewählten Gruppen als Experiment eingesetzt werden, um Ergebnisse zu testen. In einer profitorientierten Welt, die von künstlicher Knappheit bedroht ist, ist der Zugang zu Geld an sich unumstößlich transformativ - selbst für die reichsten Individuen, weshalb es natürlich zu erwarten ist, dass direktes Geld an die Armen ihr Leben verändern wird.

Aus der ganzheitlichen und vollständig universalen Perspektive, sollten diese gezielten CT Modelle jedoch im Kontext einer weltweiten Armutskrise gesehen werden, die bei multilateralen Verhandlungen und zwischenstaatlichen Programmen für strukturelle Wirtschaftsreformen kaum angesprochen werden. Die Ergebnisse von CT-Experimenten können darauf hindeuten, was durch landesweite UBI-Systeme erreicht werden könnte, obwohl sie von unserer Vision weit entfernt sind, und zwar, dass sich alle Länder dazu verpflichten, solche Systeme auf einer kooperativen internationalen Basis einzuführen. Wir mögen mit der Armut von ausgegrenzten Bürgern in Ländern mit hohem und niedrigem Einkommen experimentieren, aber wir können nicht mit dem Leben von Tausenden von Kindern und Erwachsenen experimentieren, die in dieser Stunde Gefahr laufen, an Hunger zu sterben. Periodische Bargeldtransfers werden niemals ausreichen, um diese zahllosen unschuldigen Leben zu retten, es sei denn, die Nationen verpflichten sich unmittelbar zu einem Soforthilfeprogramm, neben der längerfristigen Umstrukturierung der Weltwirtschaft, die die Ursachen der Massenverarmung angehen kann.

Im Moment sind CT-Systeme am besten als unzureichende Form der Hilfe zu verstehen, die dazu dienen, die schlimmsten Auswirkungen materieller Entbehrungen abzumildern, wenn auch nur für die relativ glücklichen Menschen in Entwicklungsländern, die von Regierungen oder Gebern als Empfänger ausgewählt werden. Wir hoffen auf eine Zeit, in der diese Art von Beihilfe in ein dauerhaftes Grundeinkommens-System umgewandelt wird, das allen ohne Ausnahme zugutekommt und schließlich von den Vereinten Nationen koordiniert wird, mit der versprochenen Unterstützung aller Nationen der nördlichen und südlichen Hemisphäre.

Sollte sich diese Möglichkeit ergeben, können wir voraussehen, dass multilaterale Verhandlungen zu diesem Zweck unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen stattfinden sollten. Wenn wir uns die Notwendigkeit eines Grundeinkommens aus einer wirklich universellen Perspektive der Menschenrechte vorstellen, dann ist die Generalversammlung der Vereinten Nationen das einzige nominell demokratische und repräsentative Forum, das derzeit auf zwischenstaatlicher Ebene existiert.[28] Und es gibt bereits viele Sonderorganisationen innerhalb des Systems der Vereinten Nationen, die die internationalen Bemühungen zur Förderung von Frieden, Sicherheit und Achtung der grundlegenden Menschenrechte koordinieren. Wenn also die Zeit gekommen ist, ein UBI für alle Nationen gleichzeitig zu koordinieren, dann muss das Wort „universal” in diesem Zusammenhang mit den grundlegenden Zielen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihren vertraglichen Verpflichtungen in Verbindung gebracht werden.

Wofür sonst haben wir diese ehrwürdige Institution, wenn wir ‘den Völkern’ nicht die gleiche Chance für ein würdiges und gesundes Leben geben? Und in der Folge all der sozialen und politischen Transformationen, die wir zusammengefasst haben, wird die globale Vision eines UBI wahrscheinlich so populär und breit diskutiert werden, dass es im höchsten politischen Forum debattiert werden muss, denn wo sonst kann es auf multilateraler Basis organisiert werden? Wenn der Sicherheitsrat bevollmächtigt werden kann, militärische Interventionen und Sanktionen für die vermeintliche Ursache der Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen zu genehmigen, dann kann die umfassendere Generalversammlung sicher für den wohlwollenden Zweck der Überwachung der Schaffung von UBI-Systemen in jedem Land eingesetzt werden. Vielleicht können wir uns sogar die Errichtung einer neuen Spezialagentur vorstellen, die für diese epochale Aufgabe verantwortlich ist, und zusammen mit anderen relevanten Agenturen als autonomer und vitaler Teil der Vereinten Nationen fungiert.

Es sollte betont werden, dass wir nicht die Notwendigkeit eines weltweiten Grundeinkommens in Betracht ziehen, das durch ein supranationales Transfersystem irgendeiner Art an jeden Einzelnen verteilt wird, das von einer zentralisierten Agentur verwaltet werden müsste, die die künftige Gründung einer Weltregierung vorschlägt. Im Gegenteil, es ist unerlässlich, dass jede souveräne Nation ermutigt wird, ein UBI-System in Übereinstimmung mit ihren eigenen spezifischen Mitteln und Anforderungen zu entwickeln, wobei sie stets ihre einzigartigen Traditionen, Bräuche und demokratischen Praktiken respektiert. In diesem Prozess erwarten wir jedoch, dass sich die Regierungen an vereinbarte internationale Gesetze der Vereinten Nationen halten. Sie müssen die allgemeinen Grundsätze und jeweiligen Standards jedes inländischen UBI-Systems festlegen, und somit das Recht aller auf einen angemessenen Lebensstandard garantieren (wie bereits natürlich in Artikel 25 und den damit verbundenen internationalen Menschenrechtsinstrumenten verankert).

Mit anderen Worten: Durch die Generalversammlung können die Mitgliedsstaaten übereinstimmen, ein UBI unabhängig umzusetzen, das ausreicht, um materielle Armut zu beseitigen und um fundamentale Menschenrechte und Freiheiten zu fördern. Zweifellos wird es eine lange und anstrengende Arbeit sein, bevor ein solcher Vertrag umgesetzt wird. Er muss auch Bestimmungen für jene weniger entwickelten Nationen enthalten, die weiterhin internationale Unterstützung benötigen, um ein effektives UBI-System und universelle Wohlfahrtssysteme zu entwickeln. Ein globaler Solidaritätsfonds muss zu diesem ausdrücklichen Zweck eingerichtet werden, der durch eine Vielzahl von Optionen finanziert werden könnte. In fortschrittlichen Kreisen gibt es zu diesem Thema bereits weitverbreitete Diskussionen - die viele neue und innovative Methoden zur Finanzierung, die aus unseren Gemeingütern kommen, beinhalten.[29],[30]

Wiederum ist es nicht die Absicht unserer Untersuchung, die Plausibilität oder den Scharfsinn bestehender Vorschläge zu prüfen, außer zu beobachten, wie die globale Vision eines UBI von einer Umverteilung von Reichtum, Macht und Ressourcen, in noch nie dagewesenem Ausmaß abhängig ist und das in einem dramatisch kurzen Zeitrahmen. Und das Ausmaß dieser Umverteilung muss in jeder Hinsicht ‘universell’ sein, am kritischsten auf der zwischenstaatlichen Ebene durch die kooperative Bündelung überschüssiger Ressourcen und der Schaffung weltweiter öffentlicher Einnahmen. Wir wissen, dass es im Laufe der Zeit erreicht werden kann, wie weit entfernt es auch scheinen mag. In der Tat, wenn Nationen sich zusammenschließen können, um eine komplexe Infrastruktur für einen Krieg aufzubauen, dann können sie sich auch vereinen, um die Infrastruktur eines neuen globalen Wirtschaftssystems zu errichten. Eines das durch das Prinzip des Teilens organisiert und durch neue internationale Gesetze der Vereinten Nationen unterstützt wird.

Dies war in der Tat das allgemeine Ziel, das Willy Brandt vor mehreren Jahrzehnten anstrebte, indem er unsere Interdependenz und die Notwendigkeit betonte, dass die Nationen die Prioritäten der öffentlichen Ausgaben von ‘Entwaffnung zur Entwicklung’ umlenken, mit ‘massiver Umleitung’ von Ressourcen an die ärmsten Regionen der Welt. Wir könnten sagen, dass der Bericht von Brandt indirekt die Strukturreformen forderte, die zur Umsetzung von Artikel 25 notwendig sind, und anerkannte, dass dies niemals ohne eine neue Stimmung globaler Solidarität, auf der Grundlage gegenseitiger Interessen und wirtschaftlicher Teilhabe erreicht werden könnte. Dabei gab er auch eine indirekte Zeit an, in der ein Grundeinkommen weltweit umgesetzt werden könnte, denn beide Ziele laufen auf dasselbe hinaus und bleiben miteinander verbunden durch ihren gemeinsamen Zweck, das ‘Recht auf Leben’ in Würde und Freiheit für alle global zu gewährleisten.

Jedoch gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem, was Brandt im Hinblick auf die gemeinsame Nutzung der Ressourcen der Welt durch die Nord-Süd-Kooperation zu erreichen versuchte, und der eines gänzlichen Grundeinkommens, das erst in einer späteren Phase erreicht werden kann.  Offensichtlich betrifft die erste Stufe die Beziehungen zwischen Nationalstaaten und die Notwendigkeit einer gerechteren Form der Entwicklung, um das Weltwirtschaftssystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das bedeutet, dass extreme Armut beseitigt und die Grundlage für eine längerfristige internationale Sicherheit gelegt werden muss. Die zweite Phase der Umsetzung eines UBI weltweit umfasst jedoch die Beziehungen zwischen Einzelpersonen und ihrer Regierung. Sie definiert einen neuen Gesellschaftsvertrag, der durch die zuletzt vereinbarten Gesetze der Vereinten Nationen in Bezug auf Artikel 25 in seinen allgemeinen Vorschriften gestärkt wird. Einfach gesagt: Nur wenn wir die Ressourcen der Welt teilen, können alle Nationen - unabhängig und doch auf der Grundlage gegenseitiger Unterstützung - die neuen politischen Vereinbarungen herbeiführen, die für die Verwirklichung einer nachhaltigen Vision eines UBI in allen Nationen notwendig sind. Denn es ist eine Vision, die niemals erreicht werden kann, solange weiterhin derartig große Unterschiede im Reichtum der verschiedenen Weltregionen bestehen, aus Gründen die wir vorhergehend besprochen haben.

Aus einer bestimmten Perspektive heraus, sind es die wohlhabendsten Industrienationen, die am meisten gefordert sind, wenn es darum geht ein vollständiges UBI zu implementieren. Denn selbst wenn sie sich einer solchen Politik als einzelne Nation widmen, würden sie sich gezwungen sehen alle bisher spaltenden Maßnahmen zu verschärfen, um ihren gegenwärtig unrechtmäßig erworbenen Wohlstand aufrecht zu erhalten. Solange also diese destruktiven systemischen Prozesse nicht allmählich umgekehrt werden, und solange die reichsten Nationen sich nicht zu einem massiven Programm internationaler Ressourcentransfers verpflichten, und solange die Regierungen der Welt nicht im wahren Sinn der Solidarität zusammenarbeiten, ist es sinnlos über die Vision die wir hier darstellen noch weiter zu diskutieren.  Es ist nichts Falsches daran, so eine edle Vision weiter zu fördern, aber wir werden im übertragenen Sinne mit Kugel und Kette gehen, bis unsere vorangegangene Sache zum ersten Mal verwirklicht wird – nämlich durch enorme öffentlichen Demonstrationen, die die Menschenrechte von Artikel 25 laufend aufrechterhalten.

 


Epilog: Abschließende Worte zur Ermutigung

Unsere Wiederholungen und Betrachtungen aus verschiedenen Blickwinkeln, gehen nicht aus einer fanatischen Überzeugung oder einer Wunschvorstellung hervor. Tatsächlich sind sie das Ergebnis einer logischen und intuitiven Analyse dessen, was strategisch geschehen muss, wenn das höchste Ideal eines UBI realisiert werden sollte. Sicherlich ist es bewundernswert, im bestehenden politischen Klima, für die Sache eines Grundeinkommens zu kämpfen. Jedoch müssen wir verstehen, wo der Kern unserer Herausforderung liegt, und zwar, wie wir die große Mehrheit der Menschheit dazu bringen können sich uns anzuschließen. Befürworter, die sich auf diesen Kampf einlassen, gehen einen bahnbrechenden und ehrbaren Weg, einen Weg, der von Natur aus sagt: „Über allen Nationen steht die Menschheit”. Aber immer noch bleibt unser Problem der Mangel an öffentlicher Unterstützung, die zumindest mit dem Bewusstsein für die Umweltprobleme Hand in Hand gehen sollte, wenn politische Führer die UBI-Vorschläge ernst nehmen sollen.

Zweifellos kann das selbe über Entwicklungsfragen allgemein gesagt werden, wenn NGOs und Aktivisten ohne ausreichende Unterstützung der Öffentlichkeit für die Rechte der Armen kämpfen, als ob diese kritischen Fragen qualifizierten Fachleuten und unseren Regierungen überlassen werden sollte. Sogar die wenigen Politiker, die versuchen, diese Fragen in unserem Namen zu vertreten, kämpfen auf verlorenem Posten, es sei denn, die Massen stehen mit vereinigter Stimme hinter ihnen. Wie ein Korken, der ins Wasser gedrückt wird, wird jede politische Maßnahme, die die Umverteilung des Reichtums fördert, vom konservativen Status quo heftig abgelehnt. An dieser Stelle sollten wir uns erinnern, dass das nichts Neues ist. Es war schon immer so, lange bevor wir geboren wurden.

Erst jetzt, so scheint es, entsteht eine andere Wahrnehmung, eine neue Einsicht, dass wir nicht mehr auf den alten Wegen fortfahren können. Wir werden uns bewusst, dass das grundlegende Problem bei jedem einzelnen in der Gesellschaft liegt, in der Art und Weise wie wir denken und leben, was sich letztendlich auf das Niveau unseres Bewusstseins als Rasse bezieht. Daher können die Probleme der Welt nicht von einer Handvoll Aktivisten gelöst werden, die gegen die Illusionen unserer Regierungen kämpfen, oder von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die Politiker darin bestärken, ihre politischen Vorschriften zu ändern und alternative Ideen zu akzeptieren. Lasst uns wiederholen: Die wahre Veränderung, die wir brauchen, kommt aus dem erweiterten Bewusstsein der Menschheit, als einer voneinander abhängigen Entität, was eine irreführende elementare Aussage ist, mit unermesslichen Implikationen für die Arbeit, die vor uns liegt.

Nach dieser Einsicht sollten sich die Teilnehmer der UBI-Bewegung vor ‘Ismen’ in all ihren polarisierten Formen, ob links oder rechts, hüten, da sie ein uraltes psychologisches Problem sind, die naturgemäß sehr hinderlich sein können und somit unseren Weg erschweren. Die Frage, die sich jeder UBI-Befürworter stellen sollte, lautet: Bin ich hier für die Menschheit oder für eine Idee? Denn wenn es innerhalb der Bewegung viele verschiedene Fraktionen gibt, die alle in entgegengesetzte Richtungen ziehen, dann ist es klar, dass wir von einer zerebralen Idee motiviert werden, die in sich kein Leben beinhaltet. Und dann können wir sicher sein, dass unsere Idee das Gedankenkind einer Minderheit von Intellektuellen und Enthusiasten bleiben wird, während sich alle negativen Trends, die wir früher zitiert haben, weiter verschlechtern. Schlussendlich wird das Grundeinkommen lediglich als eine utopische Idee betrachtet, die im Malstrom fragmentierter Gesellschaften und Umweltschäden bald vergessen wird.

Aber es ist etwas anderes, wenn unsere Gründe zur Teilnahme an dieser Bewegung durch das Wohlergehen der Menschheit als Ganzes motiviert sind. In diesem Fall geht es nicht nur um ‘uns’ oder unsere eigenen Länder und so werden wir die Idee des Gemeinwohls für alle auf natürliche Weise verbreiten. Denn dann wird die Idee lebendig und bedeutungsvoll, wenn die Pioniergruppen, die sie in die Welt einführen, über das Leben von wirklich allen sprechen, damit sich die ärmsten Völker und Nationen an dieser gemeinsamen Sache beteiligen können. In diesem Fall denken wir tatsächlich an Eine Welt, die von Natur aus gleich und ungeteilt ist, anstatt unser Grundeinkommen zu konzeptualisieren, um einen relativ komfortablen Lebensstil für uns und unsere Landsleute zu bewahren, und die Menschen in weniger privilegierten Nationen sind dazu gezwungen zuzusehen, bei unseren eigennützigen Kampagnenaktivitäten, und nicht mehr.

Die Idee eines Grundeinkommens sollte nicht in die Hände von Akademikern oder Intellektuellen fallen und es sollte ihnen niemals erlaubt werden, irgendeine soziale Bewegung zu leiten, welche die bescheidenen Bedürfnisse der marginalisierten Armen repräsentiert. Der Intellektuelle mag die Probleme der Menschheit in komplizierten Einzelheiten verstehen, aber leider neigt er dazu, dieses Verständnis zu unterteilen, als ob man menschliches Leben in eine Liste von Ideen verwandeln könnte. Aber die Menschheit ist keine Idee, deshalb müssen die Massen selbst diese wachsende globale Bewegung anführen, um unseren gemeinsamen Reichtum umzuverteilen, und nicht die Gelehrten und Theoretiker unter den Aktivisten. Denn trotz der Wichtigkeit ihrer Rolle, andere Denker und politische Debatten herauszufordern, kann der Akademiker nicht überzeugend die unterdrückten Massen der Welt darstellen, welche die hoch entwickelte Sprache des Intellekts nicht verstehen.

Sprechen Sie mit einer durchschnittlichen Person in Ihrem lokalen Supermarkt über eine konter-hegemoniale Strategie, um den normativen ethischen Rahmen des neoliberalen Kapitalismus in Frage zu stellen, und Sie werden eine verwirrte Reaktion bekommen. Aber sprechen Sie mit der gleichen Person über die Notwendigkeit, die Ressourcen der Welt zu teilen und Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aufrechtzuerhalten, und Sie können sicher sein, dass er oder sie das versteht und zustimmend nickt. Darum sollte jedes Mitglied der UBI-Bewegung sehr vorsichtig sein, nicht zu intellektuell zu denken und sich nicht zu sehr von Ismen und Überzeugungen beeinflussen zu lassen. Wenn Sie versuchen die Welt alleine durch Intellekt zu verändern, können Sie sich sicher sein, dass die Welt Sie durch dieselben drei Elemente verändern wird – denn die Welt besteht weitgehend aus Ismen, Überzeugungen und intellektuellen Leistungen.

Wir sollten auch gegen die Differenzierungskräfte in Gruppen auf der Hut sein, was sich auf die Tendenz der Menschen bezieht, ihre guten Absichten immer mehr aus den Augen zu verlieren, nachdem sie sich aus prinzipiellen Gründen mit anderen zusammengetan haben. So viele Gruppen, die für die Verbesserung der Menschheit stehen, sind leider anfällig für die Illusionen von Ismen, was zur Bildung verschiedener Gruppierungen innerhalb der Gruppe führt, die nichts mit der wahren Bedeutung von gutem Willen oder Kooperation zu tun haben. Wir sehen das in der Arena der nationalen Politik immer wieder, wo Parteien um ihre Macht kämpfen, jedoch in der Zusammenarbeit für das Gemeinwohl aller Völker und Nationen versagen. Aber dieselbe Tendenz kann ebenfalls zivilgesellschaftliche Organisationen befallen, die Zuflucht in ihren intellektuellen Vorschlägen suchen, und dadurch elitär gegenüber anderen Organisationen und dem gewöhnlichen Bürger werden, dessen Interessen sie ironischerweise ursprünglich repräsentierten. In gewisser Weise ist es verständlich, dass fortschrittliche Gruppen jeder Art oft in dieser Sackgasse landen, wenn die Öffentlichkeit nicht mit voller Unterstützung hinter ihnen steht. Und die materialistischen Kräfte, die einer besseren Welt im Wege stehen, sind so überzeugend und überwältigend, dass es nicht schwer ist von diesem dunklen Einfluss in alle denkbaren Richtungen geleitet zu werden, mit dem Ziel uns abzulenken, zu unterwerfen und uns voneinander zu trennen.

In Wirklichkeit ist es jedoch nicht die Welt selbst, die uns verändern wird, wenn wir versuchen, für eine neue Gesellschaft zu kämpfen, sondern die Kräfte, die unsere geteilte Welt unter dem vorherrschenden Paradigma der Kommerzialisierung stützen. Doch wenn unsere Antwort auf diese Kräfte darin besteht, eine UBI-Lösung zu fördern, die schließlich im internen Kampf der Ismen und Überzeugungen verlorengeht, dann können wir mit Überzeugung sagen, dass eine solche Bewegung im Vorhinein zum Scheitern verurteilt ist. Die Frische und der Magnetismus dieses Vorschlags werden sich dann durch Intellektualität herauskristallisieren und damit seine Essenz oder sein Herz verlieren, und die reaktionären Einwände in den öffentlichen Diskurs einfließen lassen.

Daher ist es zwingend erforderlich, dass sich die Befürworter eines Grundeinkommens mit den Attributen ihres Herzens auseinandersetzen und nicht der Verblendung des Intellektualismus mit all seinen innewohnenden Gefahren erliegen.[31] Wenn wir an unsere Freunde oder Familie denken, ist es für uns ganz natürlich, dass wir unser Herz miteinbeziehen. Wenn wir aber mit dem Leiden anderer konfrontiert werden, fehlen uns oft diese grundlegenden Eigenschaften – Wohlwollen, Inklusion, Mitgefühl und Einfühlungsvermögen – in unseren trockenen, intellektuellen Analysen und Vorschlägen. Allerdings müssen wir uns in Bezug auf eine UBI-Politik per se nicht mit unserem Herzen beschäftigen, vielmehr sollten wir die Attribute unseres Herzens für die Bedürfnisse unserer gesamten Gesellschaft nutzen und dann ein UBI als ein potenzielles Politikinstrument fördern, um das Leiden der Menschheit insgesamt zu lindern. Ist das nicht der Grund, warum wir überhaupt von dieser Idee inspiriert wurden? Und ist das nicht der Grund, warum wir diese offensichtliche Methode der Armutsbekämpfung weiterhin unterstützen, die nie aus einem vom Geist geschaffen Ismus entstanden ist, sondern aus dem einfachen Herzbewusstsein, das sagt: „Jeder hat ein Recht auf Leben”?

Wie viel einfacher wäre unser Aktivismus, wenn wir einsehen würden, dass weder die Politik, noch intellektuelle Ideen, unsere Welt je verändern werden, denn die einzige Lösung liegt in der Erweckung unserer Herzen durch inneres Bewusstsein und Selbsterkenntnis. Was ist der Zweck, sich überhaupt für eine UBI-Politik einzusetzen, wenn wir uns selbst und unsere angeborene Güte, nicht erkennen? So eine derart einfache politische Verordnung wird so komplex, wenn sie auf die Welt angewandt wird, weil die Welt selbst aufgrund all der inneren Probleme, die wir besprochen haben, in ihren äußeren Formen der sozialen Organisation so komplex geworden ist. Wir leiden an einem Mangel intellektueller Offenheit, einem Mangel an selbstlosem Interesse, einem Mangel an Teilen und der notwendigen Liebe.

Natürlich wird ein Intellektueller oder Akademiker niemals ein UBI auf diese Weise betrachten. Viele von ihnen werden es durch die Linse eines Ismus begutachten, um seine Umsetzung in der realen Welt zu rechtfertigen oder abzulehnen. Wir können nicht erwarten, mit solchen Menschen zu sprechen und sie davon zu überzeugen, inklusiver und spiritueller zu denken. Das ist ein weiterer Grund, weshalb wir vorsichtig sein sollten, eine Gesellschaft zu verändern, die so kompliziert und durch Ismen geteilt ist. Wenn wir versuchen, unsere einfache politische Empfehlung auf die unendlich komplexen Probleme der Welt anzuwenden, ist es wahrscheinlich, dass die Welt uns früher oder später dazu bringt, ähnlich komplex und spaltend in unserem Denken zu werden (vorausgesetzt, dass sie uns nicht als naiv utopisch ablehnt).

Offensichtlich ist eine UBI-Politik eine einfache Idee, eine fast göttlich einfache Idee. Aber ihre Einfachheit kann nur durch die Macht gewöhnlicher Menschen aufrechterhalten werden, wenn sie zusammenkommen, in bewusster Einheit und vorbehaltlosem Einverständnis. So können wir feststellen, dass die Probleme und Lösungen der Welt nicht die alleinige Verantwortung der politischen Klasse sind. In Wahrheit sind sie die Verantwortung der gesamten Öffentlichkeit. Denn wir sind es, die weiterhin an unserem insularen Leben und an sozialen Festlichkeiten teilnehmen, während Millionen von Menschen anderswo in totaler Erniedrigung leben und langsam am Hungertod sterben.

Die Vorstellung eines UBI kann in unseren Herzen so einfach sein, wenn jedes Mitglied dieser Bewegung wahrnimmt, dass die wirkliche Substanz einer Grundeinkommenspolitik tatsächlich Liebe ist. So oft reagieren wir tatkräftig auf neue Ideen, aber warum sind wir nicht so dynamisch, wenn es um Liebe geht? Wenn wir die Resonanz dieser Idee in unseren Herzen spüren, bedeutet das, dass wir bereits unbewusst oder gerade beginnend, auf den Ruf der Liebe reagiert haben. In unseren früheren Überlegungen über die Notwendigkeit, das Prinzip des Teilens auf das Weltgeschehen anzuwenden, wollten wir betonen, dass diese neuen wirtschaftlichen Vereinbarungen durch einen Akt der Liebe unter den Bürgern der Welt und nicht durch die Einführung eines politischen Systems umgesetzt werden müssen. Solche Ismen sind innerhalb des bestehenden sozialen Paradigmas giftig, weil sie nur neben durch gegensätzlichen Ideologien existieren können, wie Sozialismus und Libertarismus, die die Wahrscheinlichkeit sozialer Konflikte und eventueller Korruption des Ideals vorherbestimmen.

Sogar wenn wir hypothetisch über die höchste globale Vision eines UBI sprechen, können wir fast instinktiv spüren, wie mehr Kooperation notwendig ist, wie mehr Bewusstsein benötigt wird, wie beispiellose Einheit durch eine immense Ausgießung von massivem guten Willen notwendig ist. Wenn man dieses Thema mit Herz und Geist gleichzeitig betrachten kann, kommt man zu einer natürlichen Schlussfolgerung: dass die Essenz der authentischen UBI-Vision darin besteht, Liebe in einer konkretisierten Form zu manifestieren. Das ist alles. Der Mangel an Liebe ist der eigentliche Grund dafür, dass ein vollständiges UBI noch nicht überall eingeführt ist, denn was kann es sonst sein? Alles kann auf diese Weise vereinfacht werden. Aber die Liebe, die wir beschreiben, hat nichts mit Sentimentalität zu tun oder mit den leeren Idealen des Weltfriedens, die von vielen spirituellen Gruppen des Neuen Zeitalters zum Ausdruck gebracht werden. Denn um diese Liebe erfolgreich zu erwecken, wartet schwere Arbeit auf uns. Und ein UBI stellt viel mehr dar, als eine theoretische Idee, vorausgesetzt, dass seine vorherbestimmte zukünftige Rolle mit all dem übereinstimmt, was wir uns vorgestellt haben - was letztendlich die Liebe in dieser Welt dorthin leiten soll, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Wenn man es aus dieser einwärts gewandten Perspektive betrachtet, kann man daraus folgern, dass der Weg zur Erreichung eines Grundeinkommens das Gegenmittel zur Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit des Menschen ist. Denn es gibt keinen Weg, diesen befreienden Vorschlag, mit seinen beispiellosen Möglichkeiten, ohne Ausdauer, ohne Bewusstsein, ohne Inklusivität und guten Willen, zu erreichen. Sie stellt einen Ruf nach Einheit und Kooperation dar, der auf dieser Erde noch nicht gesehen wurde, genauso wie der menschliche Körper ohne Einheit unter seinen vitalen Teilen nicht richtig funktionieren kann und Harmonie zwischen Herz, Lunge und anderen inneren Organen erzeugt. So wird der UBI-Befürworter dazu aufgerufen, in diesem vereinten Unternehmen den Weg zu leiten, um eine kooperativere und eine auf Teilen basierende Gesellschaft, mit sozusagen gesünderem Herzen und Lungen, zu schaffen. Denn wir müssen hier die Stärke der Opposition in Betracht ziehen, die unweigerlich versuchen wird unsere Sache zu ihrem eigenen Vorteil hinzuzufügen. So wie Soldaten ausgebildet werden, im Namen der Bruderschaft mit ihren Kameraden auf dem Schlachtfeld zu kämpfen, werden die friedlichen Aktivisten für eine neue soziale Aufgabe aufgerufen um ihre politischen Ideen in Kameradschaft und Sympathie gegenüber allen anderen Befürwortern zu vertreten, ohne sich in Bezug auf Ismen und Intellektualität zu spalten.

Der Ruf besteht nicht darin, sich innerhalb von Fraktionsallianzen zu vereinigen, die es nicht schaffen werden, sich an die durchschnittliche Person des guten Willens zu wenden. Daher sollten wir uns immer wieder fragen, warum wir überhaupt an einer Grundeinkommenspolitik interessiert sind, wenn wir nicht selbst die Inklusion und die wahre Zusammenarbeit demonstrieren, die wir auch in der Außenwelt sehen wollen. Der Autor möchte die Prognose wagen, dass echte und vollständige UBI-Systeme schließlich in jedem Land unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen etabliert werden. Aber es muss berücksichtigt werden, dass ein Grundeinkommen derzeit eine umstrittene Idee ist, eine etwas zweifelhafte und fragile Idee, solange die Mehrheit der Bürger nicht an ihren egalitären Versprechen interessiert oder davon überzeugt sind. Ohne den feurigen Einsatz und der Einheit unter bestehenden Gruppen und ihren Mitgliedern, ist es daher logisch vorherzusagen, dass diese sehr fragile Idee - wenn eine Idee alles ist, was sie ist - schließlich zusammenbrechen, und für immer als naiv utopisch betrachtet werden wird.

Eine Alternative um diese Gruppeneinheit zu verdeutlichen, sind ununterbrochene Demonstrationen und direkte Aktionen, welche die Regierungen auffordern, ein Grundeinkommen für alle zu garantieren. Das hat nichts mit Sozialismus oder radikaler linker Politik zu tun, sondern es ist eher ein Spiegelbild unserer Reife, unserer Verantwortung und unserem gesunden Menschenverstand, die von unserem Herzen ausgehen. Wenn wir Jahr für Jahr kontinuierliche Konferenzen organisieren können, können wir auch kontinuierliche Demonstrationen organisieren, welche die UBI-Unterstützer in einer gemeinsamen Sache zusammenbringen. Und so können wir den Geist des populären Slogans verkörpern, der uns sagt: „Nicht nach links oder rechts schauen, geh einfach geradeaus” (obwohl wir hinzufügen sollten: „…und vergiss nicht, wer du bist”).

Solche hartnäckigen Demonstrationen werden der Idee bald Kraft verleihen, wenn man bedenkt, dass Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt immer noch nicht wissen, dass es eine Grundeinkommensbewegung gibt. Und diese Versammlungen, egal wie groß oder klein sie am Anfang sind, werden helfen, das Wort zu verbreiten und andere Länder zu beeinflussen, um unserem Beispiel zu folgen. Vergessen Sie nicht, dass die Hauptbedeutung eines UBI einfach das ‘Recht auf Leben’ ist - eine Prämisse, wie wir argumentiert haben, der die Ärmsten der Armen mit Sicherheit zustimmen werden.

Darüber hinaus hoffen wir, dass wir von all den Überlegungen in dieser Untersuchung so beeinflusst werden, dass wir Artikel 25 als unverzichtbar ansehen und für ihn und für die gerechte Verteilung der globalen Ressourcen einstehen, neben unseren landespezifischen Forderungen für eine Grundeinkommensgarantie. Auf diese Weise werden die verarmten Massen unseren Ruf hören und mitmachen, da wir den Zeitpunkt noch nicht erreicht haben, wo ein Grundeinkommen auf internationaler Ebene machbar ist.  Wenn wir in unserem Denken und in unserer Strategie den Fokus auf Artikel 25 halten, und wenn uns das Prinzip des Teilens aufrichtig in unserem Herzen leitet, dann besteht keine Gefahr, dass Intellektualität und Ismen uns in die Quere kommen. Die Spekulation ist schlicht und einfach: Wir müssen unsere hungernden Mitmenschen auf der Basis eines gewaltigen globalen Notstands ernähren, und allen Menschen angemessene Fürsorge und Sozialleistungen bereitstellen, die bereits in vielfachen multilateralen Verträgen als grundlegendes Recht verankert sind.

Artikel 25 ist die metaphorische Mutter eines weltweiten UBI in diesen wichtigen Aspekten, da er sich nicht auf die Umsetzung einer theoretischen Idee bezieht - er weist darüber hinaus auf das Überleben der menschlichen Rasse hin, wenn wir in dieser schwierigen Zeit ihre tiefere Bedeutung analysieren können. Denn um die Rechte von Artikel 25 zu garantieren, müssen wir automatisch die vielen anderen strukturellen Ungerechtigkeiten angehen, die eine beispiellose Reaktion des wirtschaftlichen Teilens, gegenseitiger Hilfe, weltweiter Einheit und freiwillige Opfer erfordern. Das ist genau unseres Denkens, da es eine These ist, die sich aus der einfachen Logik eines vereinten Herzens und Gemüts ergibt, wie lang auch immer die daraus resultierende Erklärung ist.

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Was wir abschließend sagen wollen, ist, dass unsere Vision von globalen Demonstrationen ist, dass Artikel 25 von den Befürwortern eines UBI akzeptiert und eingeführt werden sollte. Denn man kann sich kein Grundeinkommen für alle vorstellen, ohne der gleichzeitigen Notwendigkeit einer gerechteren Verteilung des Reichtums der Welt. Keine unserer Lösungen für globale Gerechtigkeit und Menschenrechte, kann ohne die Verwirklichung dieser Prämisse realisiert werden. Denn die Ankündigung von Artikel 25 könnte die letzte Chance sein, die wir haben, um das Prinzip des Teilens in internationalen Angelegenheiten zu etablieren. Da das Paradigma der Kommerzialisierung von Tag zu Tag zunimmt, ist es logisch zu folgern, dass sich vereinte Proteste für Artikel 25 als Gegenmaßnahme häufen müssen. Es mag keine andere Perspektive geben, die Führer der Welt dazu zu bringen, sich an einem Tisch zu vereinen, zu diskutieren und schließlich zuzustimmen, die Ressourcen umzuverteilen und unsere Wirtschaftssysteme neu zu strukturieren, um die Armut vom Antlitz dieser Erde auszumerzen.

Wir haben beobachtet, wie Artikel 25 fast prophetisch von einem UBI spricht, aber seine Stimme wird nur gehört werden, wenn wir einen unerschütterlichen sozialen Kreuzzug herbeiführen können, der Artikel 25 als Fundament auf unserem Planeten verwirklicht. Ohne das hat ein UBI keine Grundlage, von der es ausgehen kann. Er bleibt wie ein Vogel ohne Flügel oder ein Wagen ohne Räder, der sich in keine Richtung bewegen kann. Wir haben jede andere Strategie ausprobiert und nichts anderes wird funktionieren, es sei denn, die Nationen teilen freiwillig ihren überschüssigen Reichtum, in einem Bewusstsein der Göttlichkeit, der einen Menschheit und der einen Liebe. Das ist der Schlüssel, nach dem wir alle suchen, der für immer in den Herzen aller verankert war.

Was ist letztendlich der überzeugendste Motivationsfaktor für ein Mitglied der UBI-Bewegung, wenn nicht der Impuls ihrer Seele, der sagt: „Liebe und diene allen”? Obwohl einige Mitglieder diesen höheren Eindruck durch die niederen Impulse ihrer Persönlichkeit deformieren oder degradieren mögen, existiert die göttliche Vorstellung von einem Grundeinkommen immer noch auf höheren spirituellen Ebenen und wartet auf die Zeit, in der die Menschheit auf diese fortgeschrittene Idee mit der richtigen Inspiration reagieren wird. Wir können uns das Prinzip des Teilens als eine allwissende Seele vorzustellen, während ein UBI ihre Reflexion als eine Persönlichkeit darstellt; somit ist der unmittelbare Dienstbereich für das erdgebundene Individuum die Einführung von Artikel 25 in der Welt.

Es kann keine größere moralische Rechtfertigung dafür geben, diesen herausfordernden Weg einzuschlagen, außer dem spirituellen Impuls, den hungernden Essen zu geben und das Leiden der Armen zu lindern. Denn die unnötige Verlängerung der extremen Entbehrungen ist die schändliche Ursache, warum Millionen von Menschen nicht in der Lage sind, sich spirituell zu entwickeln. Die Seele wächst durch Liebe und Dienst und das ist der vorherbestimmte Grund, warum wir überhaupt auf der physischen Ebene inkarnieren. Also welches andere Motiv braucht es, um die Idee eines UBI für jeden auf dem Planeten Erde zu unterstützen? Wie schon oft ausgeführt, erlauben wir Millionen von Menschen in unserer Mitte an Hunger zu sterben und verleugnen damit jenen menschlichen Seelen ihren makellosen spirituellen Zweck zu erfüllen.[32] Doch jetzt liegt das Potential, diese gottgegebene Chance den verarmten Massen etwas zurückzugeben in unseren Händen, wenn wir nur die Gelegenheit ergreifen.

Es geht nicht darum, eine ‘andere Welt’ zu schaffen, wie so oft sehnsüchtig verkündet wird. Es gibt nur eine Welt, diese Welt, und es liegt an uns, sie zu transformieren. Wir können nicht auf wundersame Weise eine neue Gesellschaft über Nacht gründen, aber wir können augenblicklich ein neues Bewusstsein schaffen, ein mehr spirituelles Bewusstsein, sobald wir ein gemeinsames höheres Verständnis, für das sich entfaltende Seelenreich, erreicht haben. Viele Menschen glauben, dass das fünfte oder spirituelle Reich unserer Evolution irgendwo, auf einer höheren Dimension zu finden ist.  Jedoch bezeichnet es tatsächlich einen bestimmten Zustand des Seins oder Gewahrseins, das jeder Mensch, für sich, schrittweise von einem Leben zum nächsten kontaktiert und veranschaulicht.[33] Wir können daher nicht genau beschreiben, wie eine bessere zukünftige Welt in materieller Hinsicht aussehen mag, aufgrund des Gesetzes des freien Willens, das es dem Menschen ermöglicht, selbst die Art und das Tempo seines evolutionären Fortschritts zu bestimmen.

Die einzige lohnende Vorhersage besteht darin, sich diese bessere Welt in unserem kollektiven und subjektiven Bewusstsein vorzustellen, wie ein mitfühlendes Bewusstsein für das Ganze, die Strukturen und Beziehungen unserer Gesellschaften, auf allen Ebenen und in all ihren verschiedenen Formen, transformieren und bestimmen wird. Das ist offensichtlich der Zeitpunkt, in dem ein UBI auf internationaler Basis implementiert und aufrechterhalten werden kann, und wo es von ganz selbst gedeiht - und eine Zeit ankündigt, die am besten als das Zeitalter des Herzens beschrieben werden kann (denn was bedeutet ein ‘New Age’ letztendlich schon). Der Ausdruck ‘Bewusstseinswandel’ wird häufig verwendet, um die Notwendigkeit einer kollektiven inneren Transformation zu beschreiben. Aber in der Art und Weise, wie unsere Gesellschaften gegenwärtig strukturiert sind, bedeutet es, dass sich ein solches Ereignis über viele Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende hinweg ausdehnen kann, und so viel Zeit haben wir nicht.

So scheint es, dass es einer göttlichen Intervention bedarf, um der Menschheit wieder auf die Beine zu helfen, und um uns auf den einfachen Weg der Intelligenz, der Liebe und der richtigen Beziehung zu weisen. Vielleicht brauchen wir einen Christus-ähnlichen Ökonomen, der sogleich den Sinn und Zweck, also auch die Methode bestimmt, um den enormen Reichtum unseres Planeten zu teilen. Oder muss Christus selbst kommen, um uns von der Notwendigkeit zu überzeugen, unser selbstzerstörerisches Verhalten ein für alle Mal aufzugeben? Aber selbst wenn Christus sich in der Alltagswelt erklären würde, bleibt es doch uns überlassen, ein Zeitalter des Herzens durch die ewige Quelle seiner allgegenwärtigen Liebe einzuleiten. Die wahre Bedeutung des Christusprinzips ist einfach und undogmatisch, auch wenn es eine solch extreme Polarität an Reaktionen auf die eskalierenden Krisen dieser sich zuspitzenden Zeiten hervorruft. In biblischen Begriffen kann es als das Schwert der Unterscheidung (oder Entscheidung) interpretiert werden, das eine Konfrontation von Gegensätzen zwischen den alten und neuen Formen schafft und die Menschheit vor die endgültige Wahl stellt: entweder den Weg der Freiheit und Gerechtigkeit für Alle zu wählen, oder einsam entlang dem Pfad des Wettbewerbs zu gehen, der unmittelbar zur Auslöschung allen Lebens auf der Erde zusteuert.

Gegenwärtig haben wir keine Garantie, wie die Wahl ausfallen wird, und so wird es auch weiterhin bleiben, wenn es kein Ausströmen der Liebe gibt, wodurch friedlich Artikel 25 verkündet wird, und in der die wahre spirituelle Richtung, des Schwerts der Unterscheidung, aufrechterhalten wird. Dann wird die tatsächliche Realität dieses Schwertes greifbarer als je zuvor. Und trotz der unvermeidlichen heftigen Opposition der reaktionären Mehrheit der Bevölkerung, wird der Menschheit klar werden, welchen Weg sie einschlagen muss. Die Maßnahmen, die wir zur weltweiten Umsetzung eines UBI ergreifen müssen, werden auch im Bewusstsein des Menschen deutlicher werden, sobald Artikel 25 auf dem Weg ist, als durchsetzbares Recht der Vereinten Nationen eingesetzt zu werden. Wie Sie sich erinnern werden, ist das Wesen eines UBI untrennbar mit dem göttlichen Prinzip des Teilens verbunden, und die symbolische Tochter kann nicht geboren werden, ohne dass ihre Mutter bereits in der Welt existiert.[34]

Das Prinzip des Teilens ist der große Erzieher für das kommende Zeitalter des Herzens, obwohl seine Methode der universellen Lehre von ungewöhnlicher Art ist. Um sie zu hören, muss man lernen mit dem Herz zuzuhören und zu denken. So werden wir nach und nach erkennen, was Teilen in spirituellen Begriffen bedeutet, denn seine wahre Bedeutung wird erst sichtbar werden, wenn wir endlich das erwartete Zeitalter des Herzens erleben, oder wir könnten es noch besser als das Zeitalter der Liebe beschreiben. Das mag sentimental klingen, aber vielleicht ist es nicht allzu weit von all unseren lang unterdrückten Kindheitserinnerungen und tiefsten inneren Sehnsüchten entfernt. Jeder Mensch hat eine wichtige Rolle zu spielen, für das was vor uns liegt. Es ist nichts anderes als ein Aufruf, unser Herz zu engagieren und anderen mit unermüdlichem Einsatz und weltweiter Beteiligung zu dienen. Der Ruf nach einem UBI, ist genau das, in seiner ganzheitlichen Bedeutung, sobald es entlang dieser korrekten spirituellen Linien interpretiert und verstanden wird: als ein Ruf nach Liebe, ein Ruf nach Dienst, ein Ruf nach Fürsorge für einander und für die Erde.

Der Grund, warum wir immer wieder die Spiritualität eines UBI betonen, liegt darin, dass das Geld per se, sowohl in seinen materiellen als auch in seinen subjektiven Aspekten, eine Form von Energie ist, die sich, wie alles andere, an die inneren Veränderungen der Menschheit anpasst. Da die materielle Form und der psychologische Wert des Geldes der allmählichen Ausdehnung des menschlichen Bewusstseins folgen, wird es daher auch eine andere energetische Qualität annehmen, bis die (gesellschaftlich geschaffenen) Konzepte von ‘Geld’, ‘Gewinn’, ‘Einkommen’ und ‘Löhnen’, wie wir sie in der heutigen Form kennen, nicht mehr existieren. Wenn wir anfangen, unsere Gesellschaften so zu konstruieren, dass die rechte menschliche Beziehung für jeden einen greifbaren und besser artikulierten Sinn hat, dann wird das Bedürfnis nach Geld und seine Verwendung, auf ganz natürliche Weise eine weniger dominante Rolle einnehmen.

Es gibt einige visionäre Gruppen unter den Aktivisten, die einen plötzlichen Übergang zu einer geldfreien Welt erwarten. Enthalten diese idealistischen Vorstellungen ebenfalls die Voraussetzung unseres inneren Wandels, der die Herzen einfacher Bürger gegenüber dem Leid der weniger Glücklichen öffnet? Wir müssen darauf achten, dass ein Bewusstseinswandel nicht gleichbedeutend ist mit einer Verschiebung der politischen Ideen oder einer plötzlichen Veränderung der Haltung unserer Regierung gegenüber den vorgeschlagenen technologischen Lösungen. Der Bewusstseinswandel, auf den wir uns beziehen, betrifft die Expansion und Entwicklung des menschlichen Bewusstseins in der Gesamtheit. Das kann nur durch ein kollektives Erwachen zu unserer wahren spirituellen Natur und Bestimmung initiiert werden, wie unmittelbar durch die Einheit globaler Demonstrationen, die die etablierten Rechte der Ärmsten unter uns aufrechterhalten.

Als Ergebnis dieses anhaltenden und großartigen Ereignisses wird sich die Bewusstseinsveränderung, von der wir sprechen, weiter entlang der richtigen Linien entfalten, und zwar in erstaunlichen Tempo für unzählige Individuen und Familien, die dann zum ersten Mal erfahren, was es bedeutet, mit einem inneren Erlebnis von Sicherheit, Freiheit, Kreativität und Anmut zu leben. Dann werden die Lehren der zeitlosen Weisheit für die Menschheit von unschätzbarer Bedeutung sein. Eine Zeit, in der wir versuchen unser Bewusstsein in eine weniger materialistische Richtung zu steuern und stattdessen eine zu Wahrnehmung entwickeln für die zeitlosen spirituellen Wahrheiten und die Existenz der Seele, deren Realität in Zukunft wissenschaftlich bewiesen werden wird.[35] Die Bedeutung und Verwendung von Geld wird sich auf sehr unerwarteten Weise weiterentwickeln, und niemand kann zu diesem Zeitpunkt eine konkrete Vorhersage dazu machen. All die Dinge, die wir uns im Moment vorstellen können, sind winzig kleine Hinweise darauf, wie diese glänzende zukünftige Zivilisation aussehen könnte. Die ersten Anzeichen eines erwachten und kooperativen Bewusstseins, werden in neuen makroökonomischen Modellen reflektiert werden, die auf dem Prinzip des Tauschhandels oder einen nicht gewinnorientierten Handel beruhen.[36]

Unser Hauptpunkt, den wir in diesen abschließenden Bemerkungen illustrieren wollen, ist, dass die Idee eines UBI viel mehr ist, als auf den ersten Blick angenommen, und dass seine Existenz ein relativ kleiner Übergangsteil eines größeren Ganzen ist, das sich in unserer Vorstellung noch offenbaren muss. Diese Übergangszeit kann sich über eine lange Zeitspanne hinwegziehen, vorausgesetzt, die Menschheit entscheidet sich schließlich, den von uns angedeuteten und dürftig beschriebenem Weg ins Licht zu folgen. Der Weg selbst ist unendlich lang und von unsagbaren Wundern geprägt, obwohl wir den ersten Schritt in dieses schicksalhafte verheißene Land noch nicht gemacht haben. Und dieser Schritt wird nicht ohne das Prinzip des Teilens und einer Explosion der Liebe gemacht werden, die eine großartige Ära ankündigt, wo ein weltweites UBI seinen sicheren Platz im Bewusstsein der Menschheit haben wird.

 


Anmerkungen

[1] In dieser Untersuchung gehen wir davon aus, dass das UBI einer idealen Vorstellung entspricht, wie es von prominenten Befürwortern und fortschrittlichen Kampagnen vortreten wird. Die allgemein akzeptierten idealen Merkmale eines Grundeinkommens sind, dass es universell ist, d.h. automatisch an alle legalen Einwohner eines bestimmten Landes oder einer bestimmten Provinz gezahlt werden muss; es sollte in Form von Geld an jeden Einzelnen (einschließlich Kinder zu einem möglicherweise niedrigeren Betrag) und in einheitlicher Höhe ausgezahlt werden, d.h. ohne Schwankung in Bezug auf Haushalts- oder Familienstand; es sollte auch bedingungslos sein, d.h. ohne Bedürftigkeitsprüfung, Auflagen zum Verhalten oder Bedingungen, wie das Geld ausgegeben werden sollte; und es sollte regelmäßig und vorhersehbar ausgezahlt werden, beispielsweise monatlich, ohne die Drohung, zurückgezogen zu werden, d.h. aufgrund von Konkurs oder Zwangsversteigerung durch Verschuldung. Diese Merkmale unterscheiden die Definition eines echten UBI von seinen vielen Varianten, insbesondere die Vorschläge für ‘Mindesteinkommensgarantie’ oder ‘negative Einkommensteuer’, beides gezielte Maßnahmen, die komplexe Bedürftigkeitstests erfordern würden.

[2] Von den meisten Befürwortern wird allgemein anerkannt, dass ein Grundeinkommen nicht als Mittel zur Privatisierung sozialer Dienstleistungen eingeführt werden sollte oder, dass das, was in reichen Industrienationen noch vom Wohlfahrtsstaat übrigbleibt, effektiv abgebaut wird. STWR steht fest hinter der Position von Basic Income Earth Network (BIEN), wie zum Beispiel gegen „die Ersetzung sozialer Dienste oder Ansprüche [durch die Einführung eines UBI auf beliebigem Niveau], wenn diese Ersetzung die Situation relativ verschlechtert für benachteiligte, gefährdete oder einkommensschwache Menschen “. Es ist zwar nicht die Absicht des Autors, sich mit den Einzelheiten dieser kontroversen Debatte zu befassen, aber es sollte auch betont werden, dass STWR eine Sozialpolitik unterstützt, die auf solidarischen und demokratischen Prinzipien basiert. Wir erkennen daher an, dass - im Kontext des vorherrschenden ökonomischen Paradigmas - die unmittelbarste und vernünftigste Antwort für progressive Aktivisten oft darin besteht, kollektiv finanzierte soziale Dienste und etablierte Arbeitsrechte zu verteidigen.

[3] Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A der Generalversammlung): (1) Jeder Mensch hat Anspruch auf eine Lebenshaltung, die seine und seiner Familie Gesundheit und Wohlbefinden einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztlicher Betreuung und der notwendigen Leistungen der sozialen Fürsorge gewährleistet; er hat das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Verwitwung, Alter oder von anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände. (2) Mutter und Kind haben Anspruch auf besondere Hilfe und Unterstützung. Alle Kinder, eheliche und uneheliche, genießen den gleichen sozialen Schutz.

[5] Unsere außergewöhnliche Konzentration auf Artikel 25 soll nicht jene anderen Grundrechte außer Acht lassen, die für ein menschenwürdiges und erfülltes Leben notwendig sind, wie sie in den Kernbestimmungen des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (ICESCR) in der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 1966 verankert wurden. Das schließt jene Artikel mit ein, die mit dem Recht auf soziale Sicherheit verbunden sind; das Recht auf Gesundheit; das Recht auf Bildung; das Recht auf Teilnahme am kulturellen Leben; und auch jene Arbeitsrechte, die das Recht auf menschenwürdige Arbeit mit angemessenem Schutz anerkennen. Es ist beachtenswert, dass das Recht auf ein Grundeinkommen in der Universal Declaration of Emerging Human Rights verankert ist, die von den Assoziierten einer Zivilgesellschaft anlässlich des Weltforums der Kulturen in Barcelona 2004 und Monterrey 2007 zusammengestellt wurde. Ein bedingungsloses, regelmäßiges, monetäres Einkommen sollte vom Staat gezahlt und durch Steuerreformen finanziert werden ... als ein Recht auf Staatsbürgerschaft für jedes ansässige Mitglied der Gesellschaft, unabhängig von ihren anderen Einkommensquellen und ausreichend, um ihnen zu ermöglichen, ihre Grundbedürfnisse zu decken.

[6] In Teil IV betrachten wir im Großen und Ganzen die Möglichkeit, eine endgültige Vision des Grundeinkommens in einem koordinierten globalen Maßstab umzusetzen. Es sollte jedoch von Anfang an betont werden, dass wir uns kein globales Grundeinkommen vorstellen, das von einer supranationalen politischen Einheit irgendeiner Art gezahlt und finanziert wird, wie einige der spekulativen Ideen, die von einer kleinen Anzahl von Gelehrten und Basisorganisationen gefördert werden. Während diese Vorschläge für eine universelle weltweite Abdeckung einzigartig und ehrenhaft in ihrem Fokus auf die Beendigung extremer Armut sind, wird es in unserer Diskussion als selbstverständlich angesehen, dass ein UBI immer von souveränen Regierungen verwaltet, kontrolliert und in erster Linie finanziert werden muss. Wir möchten nochmals betonen, dass STWR kein System der progressiven Einkommensbesteuerung auf globaler Ebene befürwortet (oder einen innovativeren Vorschlag zur Erhöhung der internationalen Einnahmen), welche als zentrales Verwaltungsorgan dient, das ein Grundeinkommen direkt an alle Bürger der Welt verteilt.  Im Gegensatz zu einer solchen Vorstellung sehen wir eine wichtige zukünftige Rolle für eine demokratisch reformierte UNO - und jede neue Agentur, die unter ihrer Schirmherrschaft gebildet wird, um die Umverteilung der globalen Finanzen zu überwachen. Das wird den Prozess der jeweiligen Regierungen erleichtern, ein vollständiges UBI in ihren jeweiligen Ländern umzusetzen, was der Tenor in unserer Diskussion in Teil IV ist.

[7] Wie aus Teil I deutlich hervorkommt, wird ein UBI derzeit nicht als politisch realistisch oder realisierbar betrachtet, sondern nur im Kontext umfassender Strukturreformen im globalen Wirtschaftssystem. Wir machen uns auch Gedanken, wie ein UBI als dauerhaftes System in jedem Land zu erreichen ist und nicht nur als unmittelbare Möglichkeit (wie plausibel oder unplausibel es theoretisch auch sein mag) innerhalb der wohlhabendsten Industrienationen mit etablierten Wohlfahrtsstaaten. Für den Zweck dieser Diskussion ist es daher nicht notwendig, die vielen technischen Argumente zugunsten eines UBI, als Vorschlag für einzelne Länder unter bestehenden Bedingungen, zu überprüfen. Dies würde die Argumente beinhalten für eine Modernisierung der Wohlfahrtsysteme, für die Überwindung von ‘Armutsfallen’ im Zusammenhang mit zielgerichteten Systemen, für die Schaffung einer besseren Alternative zu Sozialversicherungssystemen, die zunehmend die Realität prekärer Beschäftigung widerspiegeln, und so weiter. Eine reichhaltige Literatur, die diese Themen erforscht, kann leicht von interessierten Lesern recherchiert werden.

[8] Obwohl diese Untersuchung nicht darauf ausgelegt ist die Argumente für ein UBI zu rechtfertigen, ist es wichtig anzumerken, dass die Kombination dieser Faktoren als allgemeine Rechtfertigung einleuchtend ist. Wie in der zeitgenössischen Literatur zu diesem Thema verschiedentlich erklärt wird, sind neue Lösungen für die unlösbaren Probleme erforderlich, die mit dem unerbittlichen Streben nach BIP-Wachstum und wachsender Arbeitslosigkeit verbunden sind. Das traditionelle politische Ziel der Vollzeitbeschäftigung für alle, die in der Lage sind - auf der Grundlage eines voneinander abhängigen Verhältnisses zwischen Staat, Individuum und Kapital, die die sozialen Verträge der Nachkriegszeit bildeten – ist heute keine sinnvolle Antwort mehr auf die wachsenden Widrigkeiten in unseren Gesellschaften, in dieser neuen Ära der Globalisierung. Millionen von Menschen im globalen Süden wachsen jetzt ohne realistische Aussicht auf Beschäftigung auf, zum großen Teil verursacht durch globale Produktionsketten mit steigender technologischer Effizienz, die die große Mehrheit der Weltbevölkerung für die Bedürfnisse des Kapitals überschüssig machen. Obwohl das Ausmaß der zukünftigen Auswirkungen des technologischen und digitalen Wandels unumstößlich ist, ist auch sicher, dass im Laufe der Zeit große Unruhen in fast allen Bereichen der Erwerbsbevölkerung auftreten werden. Es ist ebenfalls sicher, dass Entwicklungsländer am anfälligsten sind, wo die Automatisierung in Fabriken und anderen Industrien bald zu einer weiteren massiven Verdrängung von geringqualifizierten Arbeitskräften führen könnte. Das schwer zu erreichende Ziel der Vollbeschäftigung ist jedoch nicht nur aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht nicht nachhaltig. Selbst wenn es möglich wäre, die Vollbeschäftigung trotz der fortgesetzten Produktionssteigerung mit weniger Arbeit aufrechtzuerhalten, kann der Planet selbst diesen dauerhaften Angriff auf seine Ressourcen nicht mehr verkraften. Die alte Formel, um gegen Armut und Ungleichheit vorzugehen - mehr zu produzieren, mehr zu arbeiten und die Wirtschaft stärker zu entwickeln, damit die Menschen mehr Ressourcen konsumieren können - hat die Menschheit bereits an den Rand (wenn nicht sogar darüber hinaus) der ökologischen Grenzen des Wachstums gebracht. Bei der Suche nach einem neuen makroökonomischen Modell, das diese Widersprüche auflöst, könnte ein UBI einen bedeutenden Teil der Antwort auf die Frage darstellen, wie stabile Ökonomien und nachhaltige Lebensstile erreicht werden können. Gewissermaßen weist ein UBI den Weg zu einer alternativen Vision der Gesellschaft, wo es das Einkommen von einem produktiven Beitrag abkoppelt, wovon John Maynard Keynes in den 1930er Jahren träumte, indem wir die Arbeit besser untereinander aufteilen und ein Zeitalter der Freizeit genießen können, anstatt blind dem Geld und Reichtum hinterherzulaufen. Danach kann man die Art und den Zweck der Arbeit neu überdenken, damit die Menschen die Dinge priorisieren können, die am wichtigsten sind. Wiederaufbau von Gemeinschaften und förderliche Beziehungen, Fürsorge für einander und die Erde, Erkundung der spirituellen Bedeutung unseres Lebens durch eine einfachere Lebensart und der Kunst zu Leben. Mit der Zeit kann der technologische Fortschritt schließlich zu unserem Vorteil sein, der die Menschheit aus ihrer Knechtschaft von der Materialität befreit, wobei die Grundbedürfnisse der Gesellschaft mit maximaler Materialeffizienz und minimaler menschlicher Arbeit erzeugt werden, während vollständige UBI-Schemata dazu beitragen, dass die Früchte des maschinenproduzierten Reichtums gerechter geteilt werden. Dies stellt eine wesentliche Vision einer emanzipierteren, partizipatorischeren und egalitäreren Welt dar, die von vielen UBI-Befürwortern, einschließlich des Autors, sehr begrüßt wird. Die Frage, die unserer Diskussion zugrunde liegt, betrifft jedoch die Art und Weise, mit der die Menschheit diese hoffnungsvolle Vision angesichts der vorhersehbaren Trends, die in Teil I zusammengefasst sind, sicher erreichen kann.

[9] Welcher Betrag ist notwendig, um einen ‘angemessenen Lebensstandard’ zu gewährleisten? Das ist eine komplexe Frage, die von Land zu Land sehr unterschiedlich sein kann und demokratischen Debatten und Anpassungen unterliegt. Generell kann jedoch die Höhe eines ‘Grundeinkommens’ in dem Sinne verstanden werden, dass es jedem Bürger ein grundlegendes Maß an wirtschaftlicher Sicherheit bietet, oder eine ‘soziale Grundlage’, die ausreicht, um alle wesentlichen Bedürfnisse abzudecken (in Verbindung mit der öffentlichen Finanzierung universeller Sozialdienste und anderer Wohlfahrtsprogramme - siehe Anmerkung 2). Wir stellen uns daher die Möglichkeit eines ‘vollen’, ‘lebenswerten’ oder ‘hochrangigen’ UBI im umfassendsten und universellsten Sinn innerhalb jeder Nation vor, während wir uns der Tatsache bewusst sind, dass partielle oder einführende Systeme, der pragmatischste Weg zur Erreichung dieses Endziels sind. Es liegt außerhalb des Rahmens unserer Diskussion, eine Stellungnahme dazu abzugeben, ob ein vollständiges UBI bestehende beitragsabhängige Sozialversicherungssysteme, sowie andere beitragsfreie Sozialschutzmaßnahmen, für die Ärmsten in der Gesellschaft insgesamt ersetzen sollte. In diesem Stadium bezeugt der gesunde Menschenverstand, dass weder der spezifische Betrag eines vollen UBI, noch die spezifische Struktur der UBI-Schemata eine zu große Bedeutung beigemessen werden sollte, die sich in ihrer endgültigen Form ebenfalls stark unterscheiden können. Es sollte nicht als selbstverständlich gesehen werden, dass ein Grundeinkommen automatisch alle bestehenden Überweisungen und andere Formen staatlicher Leistungen ersetzen muss.

[10] Johannes Ludovicus Vives (1492-1540) war in der Tat der erste, der bereits 1526 ein Argument und einen detaillierten Plan für ein Existenzminimum entwickelte. In einem Memo an den Bürgermeister von Brügge mit dem Titel De Subventione Pauperum (‘Hilfestellung für die Armen’), schreibt er über die Natur und ihre Ressourcen: „All diese Dinge, die Gott erschaffen hat, hat er in unser großes Zuhause, die Welt, gelegt, ohne sie mit Mauern und Toren zu umgeben, damit sie all seinen Kinder gehören.” Mehr als zwei Hundert Jahre später, entwickelte Thomas Paine (1737-1809) die elementare Idee des Grundeinkommens, nämlich die Vorstellung, dass alle alten und bedürftigen Menschen öffentliche Hilfe verdienten, und zwar nicht als Wohltätigkeit, sondern als Recht, in der Form eines Stiftungsfonds, der an alle verteilt werden sollte. „Armut ... ist etwas, das geschaffen wurde, was wir als zivilisiertes Leben bezeichnen. Es existiert nicht im natürlichen Zustand “, schreibt Paine in seinem Merkblatt ‘Agrarian Justice’, wo er folgende Argumente vorbringt: „einen Nationalfonds, aus dem jeder Mensch bezahlt werden soll, wenn er das Alter von 21 Jahren erreicht hat, die Summe von fünfzehn Pfund Sterling, zum Teil als Ausgleich für den Verlust seines natürlichen Erbes, durch die Einführung des Systems des Grundbesitzes.” In Paines unsterblichen Worten: „Aus dieser Position sollte nicht bestritten werden, dass die Erde, in ihrem natürlichen, unkultivierten Zustand, schon immer das kollektive Eigentum der menschlichen Rasse war und weiterhin so geblieben wäre.“

[11] Im Gegensatz zu den üblichen Beschreibungen eines ‘Grundeinkommens’ ist der Begriff ‘Dividende’ aus vielen Gründen eher zu bevorzugen, und von früheren akademischen Theoretikern auch befürwortet worden, wie zum Beispiel G.D.H. Cole und James E. Meade, sowie viele zeitgenössische Schriftsteller wie Guy Standing, Peter Barnes, Charles Eisenstein, James Robertson und anderen georgistischen Denkern. Indem die Politik auf diese Weise gestaltet wird (in Coles Worten: „Als eine Dividende, die allen Bürgern als Anteil am gemeinsamen Erbe der Menschheit zusteht”), ist es wahrscheinlicher, dass sie eine breite öffentliche Unterstützung aus Gründen sozialer Gerechtigkeit erhält, in der Erkenntnis, dass ein Grundeinkommen in der Tat ein universelles Recht sein sollte, das auf dem kollektiven Wohlstand der Gesellschaft beruht. Diese Argumentation unterscheidet sich deutlich von den alten Arbeitsprinzipien der sozialen Solidarität, die auf direkten Beiträgen und den Mechanismen gemeinsamer Risikobeteiligung beruht, die im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert den Sozialversicherungssystemen zugrunde lagen. Nicht nur lässt die Idee der ‘Dividenden für alle’ den nachteiligen Widerstand gegen die Idee von ‘geschenktem Geld’ überwinden, sondern sie passt sich natürlich auch den progressivsten Optionen für die Finanzierung solcher Systeme an - Steuern auf den Bodenwert, eine Abgabe von Lizenzgebühren und Lizenzen aus geistigem Eigentum, Staatsfonds, die auf dem Verkauf nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen (oder anderer Formen von gemeinsamen Vermögenswerten) basieren, und so weiter. Der Begriff ‘universelles Grundeinkommen’ wird jedoch in unserer gesamten Diskussion, aufgrund seiner Vertrautheit und wachsenden Beliebtheit in dieser neuen Phase seiner Entwicklung, verwendet. Es ist eindeutig der am meisten identifizierbare Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch, während das Wort ‘universal’ auch mit den moralischen Bestrebungen übereinstimmt, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert sind.

[12] Die Frage der Erschwinglichkeit ist etwas umstritten, und es gibt keine direkte Antwort darauf, ob ein Grundeinkommen für alle, unter den gegebenen Bedingungen, mit einem expansiven Wohlfahrtsstaat fiskalisch vereinbar ist. Die meisten Studien, die versuchen, die Einführung eines UBI zu modellieren, werden aus einem budget-neutralen Kontext betrachtet und basieren häufig auf der Annahme, dass sie die meisten anderen (wenn nicht alle) Geldleistungen für Haushalte mit Personen im erwerbsfähigen Alter ersetzen werden. Auf dieser Grundlage ist es unwahrscheinlich, dass sich ein UBI als wirksames Mittel zur Verringerung von Armut und Ungleichheit erweist, da ein begrenztes Wohlfahrtsbudget gleichmäßig auf die gesamte Bevölkerung (oder auf alle Personen unterhalb des normalen Rentenalters) verteilt würde und die ärmsten Haushalte würden weniger finanzielle Unterstützung bekommen, als bestehende garantierte Mindesteinkommensleistungen. Aber es gibt eine Reihe größerer Überlegungen, insbesondere die Frage, wie progressiv das UBI-System sein wird und ob es durch eine stärkere Besteuerung von Besserverdienenden finanziert wird. Auch andere Verwaltungs- und Kosteneinsparungen müssen berücksichtigt werden, einschließlich dem Wegfall von Bedürftigkeitsprüfungen, Verhaltenskonditionen und der vollständigen oder teilweisen Konsolidierung anderer Programme und Steuergutschriften, die die neuen Übertragungen überflüssig machen würden. Vor allem muss die Frage der Ausgabenprioritäten der Regierung berücksichtigt werden, und die Möglichkeit der Umstellung der Ausgaben von regressiven Subventionen auf andere Bereiche, insbesondere die Militär-, Agro- und fossile Brennstoffindustrie. Obwohl es schwierig ist, sie in Wirtschaftsmodellen zu quantifizieren, ist es sicher, dass durch Subventionsverschiebungen ausreichend staatliche Einnahmen freigesetzt werden können, um ein UBI zu rechtfertigen, das alle Haushalte über der Armutsgrenze hält, selbst unter der Annahme steuerlicher Neutralität. Das volle oder lebensfähige UBI, das wir uns vorstellen, ist jedoch zweifellos ohne eine weitaus größere Transformation der Wirtschaft nicht realisierbar, in der alternative Mittel zur Finanzierung wirklich unkonventioneller Grundeinkommenssysteme implementiert werden. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in Anmerkung 28.

[13] Mohammed Mesbahi, ‘Kommerzialisierung: die Antithese des Teilens’, Share The World's Resources, April 2014.

[14] Diese Fragestellung bildet die Grundlage für viele unserer früheren Studien zum Prinzip des Teilens. Siehe zum Beispiel; ‘Ein Diskurs über Ismen und das Prinzip des Teilens’, Juli 2014; ‘Der Kreuzpunkt von Politik und Spiritualität in Bezug auf die Klimakrise’, Juni 2016; ‘Weihnachten, das System und ich’, Dezember 2013, alle veröffentlicht unter <www.sharing.org/information-centre/articles/studies-principle-sharing>

[15] Im Jahr 2012 kalkulierte STWR, dass jährlich rund 15 Millionen Menschen unnötig an armutsbedingten Ursachen sterben. Die Berechnungen basierten auf den Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (regionale Schätzungen zu Erkrankungen und Verletzungen, Ursachenbezogene Mortalität: regionale Schätzungen für 2008). Bei dieser Analyse wurden nur übertragbare, mütterliche, perinatale und ernährungsbedingte Krankheiten berücksichtigt, die von der WHO als ‘Gruppe I’ bezeichnet werden. 96% aller Todesfälle aufgrund dieser Ursachen treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf und gelten als weitgehend vermeidbar. Siehe Share the World’s Resources, ‘Financing the Global Sharing Economy’, Oktober 2012. <www.sharing.org/financing>

[16] Willy Brandt, North-South: A Program for Survival, MIT Press, 1980. Siehe auch: Willy Brandt, Common Crisis, North-South: Co-Operation for World Recovery, Die Brandt-Kommission 1983. London: Pan 1983.

[17] Im Anschluss an die Vorschläge der Brandt Kommission, versammelten sich im Oktober 1981, 8 Industrieländer und 14 Entwicklungsländern in Cancun, Mexiko, zu einen Gipfel, mit dem Thema Armutsprobleme in der Welt, um die langwierigen Verhandlungen, die stetig in der Sackgasse enden, zu durchbrechen. Die Hoffnung war, dass Repräsentanten von Staatsoberhäuptern sich in einem informellen Rahmen für 2 Tage treffen, welches die Dynamik und Gutwilligkeit zu erzeugen sollten, um globale Verhandlungen vorwärts zu bringen. Jedoch materialisierten sich am Ende keine konkreten Vorschläge und die Anforderungen der Süd-Länder für eine globale Umverteilung der Ressourcen blieb unerfüllt. US-Präsident Ronald Reagan lehnte die Ziele des Gipfels vollständig ab, die eine Brücke zwischen den wenigen Industrieländern und den in der Mehrheit armen Ländern bilden sollten. Obwohl nicht alle Empfehlungen der Brandt Kommission aktuell sind (insbesondere seine Betonung auf erhöhte Handelsliberalisierung und globale keynesianische Politik in einer Zeit wo wir in rasender Geschwindigkeit auf unsere ökologischen Grenzen zugehen), gibt es noch viel, das sich politische und zivilgesellschaftliche Aktivisten aus dem ‘Programm der Prioritäten’ und seiner Vision für eine gerechtere Welt entnehmen können. Vor allem gehört dazu auch das vorgeschlagene Fünfjahressofortprogramm, die massiven Ressourcentransfers in weniger entwickelte Länder und weitreichende Agrarreformen. Außerdem hat die Kommission zu einem neuen Weltwährungssystem aufgerufen, zu einem neuen Konzept für die Entwicklungsfinanzierung, einem koordinierten Prozess der Abrüstung und einem globalen Übergang zu grünen Energiequellen und weg von der Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen. Bisher hat noch keine Regierung die Vision eines multilateralen Prozesses von Brandts Vision realisiert, nämlich ‘eine Diskussion unter allen Ländern in Bezug auf die Nord-Süd-Thematik, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit der zuständigen internationalen Organisationen’ (Common Crisis, 1983).

[18] Das Speenhamland-System war eine kurzfristige Änderung der Armengesetze am Ende des 18. Jahrhunderts, die für eine Region in Berkshire, England galt. Von Premierminister William Pitt eingeführt, um der Armut und Not auf dem Lande durch steigende Nahrungsmittelpreise entgegenzuwirken. Es könnte als eines der weltweit ersten Grundeinkommens-Pilotprogramme angesehen werden, das die Armen innerhalb der Gemeindegrenzen zu einem Geldzuschuss berechtigte, den sie zusätzlich bekamen um ihr Existenzminimum zu erreichen, zu einem Satz, der auf den Weizenpreis festgesetzt und pro Familienmitglied ausgezahlt wurde. Zu dieser Zeit war das Programm Gegenstand einer großen und kontroversen wissenschaftlichen Debatte, mit beträchtlichem Widerstand von prominenten Denkern wie Thomas Malthus, David Ricardo, Edmund Burke, Alexis de Tocqueville, G.W.F. Hegel und anderen - die im allgemeinen die private Wohltätigkeit begünstigten, indem sie den Grundsatz aufgaben, den Armen ein Recht auf öffentliche Unterstützung ohne Arbeitszwang einzuräumen. Ein Bericht der Königlichen Kommission, der 1834 veröffentlicht wurde, verurteilte das Speenhamland-Projekt als ‘ein universales System des Pauperismus’ und empfahl ein Ende jeglicher Armutshilfe außerhalb des Arbeitshauses. So begann die Ära des Neuen Armengesetzes in England, gekennzeichnet durch unmenschliche Verhältnisse in Arbeitshäusern. Keiner machte davon Gebrauch, außer den wirklich Notleidenden, wie es in dem Roman Oliver Twist von Charles Dickens dargestellt wurde. Doch bemerkenswerter Weise, tauchte das in Verruf geratene Experiment von Speenhamlands 150 Jahre später wieder auf, als Präsident Nixon 1969 versuchte, ein ehrgeiziges öffentliches Hilfsprogramm durch den Kongress zu bringen, das allen Haushalten ein Mindesteinkommen garantiert hätte. Nach späteren Berichten war es die Kritik in Karl Polyanis einflussreichem Buch über das Speenhamland-Projekt, The Great Transformation (1944), das Nixon von seinen Plänen abschreckte, was zur Aufnahme von Arbeits- oder Berufsausbildungsanforderungen im Gegenzug zu staatlichen Vorteilen führte. Während einer Fernsehübertragung wurde es von Nixon notorisch als ‘Workfare’ (Arbeitstarif) anstelle von ‘Welfare’ (Wohlfahrt) beschrieben. Ironischerweise wurde der Bericht der Königlichen Kommission, dem Polyani einen Eid geleistet hatte, von Historikern in den 1960er und 1970er Jahren erneut untersucht und seine Methoden und Beweise als fehlerhaft und unbegründeten befunden. Neuere Stipendien zeigen, dass das Speenhamland-Projekt tatsächlich ein relativer Erfolg bei der Verringerung der Armut und der Bereitstellung eines gewissen Maßes an wirtschaftlicher Sicherheit in der gesamten Region gewesen wäre, obwohl seine Zertifikate nicht zuverlässig oder eine wirklich universelle Grundlage hatten. Aber der Mythos der Arbeitsscheuen und der nichtsnutzigen Armen hält bis heute an, was die weitverbreitete Akzeptanz der Idee der bedingungslosen Geldtransfers an alle abschreckt, wie das erste nationale Referendum über ein UBI in der Schweiz im Juni 2016 bewiesen hat. Das Referendum zog eine beispiellose internationale Debatte nach sich. Es wurde angenommen, dass jeder Schweizer Bürger ein UBI im Betrag von 2.500 Francs pro Monat (etwa 30.000 US-Dollar pro Jahr) erhalten sollte- eine in den Medien weit verbreitete inkorrekte Tatsache, wobei 78% der Wähler den Vorschlag ablehnten. In diesem Zusammenhang ist es wieder erwähnenswert, dass fast alle seriösen Befürworter ein ‘vollständiges’ Grundeinkommen (d.h. einen Betrag, der ausreicht, um Grundbedürfnisse zu decken) als ein unrealistisches Ziel sehen, das mit einem einzigen Sprung zu erreichen ist, und entscheiden sich stattdessen für eine Variante eines ‘partiellen’ Grundeinkommens, als erster Schritt (d.h. ein universelles Konzept, das von einer sehr niedrigen Basis ausgeht oder ein gezieltes Konzept für ausgewählte Gruppen, das sich schrittweise auf alle erweitert).

[19] Siehe Anmerkungen 3, 4 und 5.

[20] Siehe Artikel 25, aa O.

[22] Wie in Artikel 25, op. Cit., P. 82/83: „Lassen sie uns also den Weg des geringsten Widerstands wählen und gemeinsam für Artikel 25 eintreten, in dem Wissen, dass dies unsere Regierungen am ehesten dazu bewegt, Ressourcen umzuverteilen und die Weltwirtschaft umzustrukturieren. Eine solche Forderung kann auf unsere eigene kreative Weise ausgedrückt werden, da wir sicher wissen, dass die Antworten auf all unsere Fragen in seiner Weisheit zu finden sind. Dann stellen wir vielleicht fest, dass viele unserer Forderungen bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vertreten sind, auch in den wohlhabenden  Ländern, wo der Ruf nach Teilen jetzt beginnt Form anzunehmen - beispielsweise durch Initiativen für bezahlbaren Wohnraum, für die staatliche Kontrolle von Strom, Wasser und Verkehr, für eine kostenlose Bereitstellung von Gesundheitsversorgung und höheren Bildungsstandard oder innerhalb der Gesellschaft für eine gerechtere Umverteilung durch faire Steuern. Zweifellos muss das Prinzip des Teilens in jeder Nation entlang dieser vorgezeichneten Wege institutionalisiert werden, logischerweise mit Hilfe von engagierten Bürgern, die diese Thematik in ihren jeweiligen Ländern vorantreiben. Wir müssen uns jedoch im Klaren darüber sein, dass unsere Probleme schlussendlich identisch mit denen anderer Nationen sind, denn diese Erkenntnis wird uns zusammenbringen und uns zu einer unerbittlichen (und doch friedvollen) weltweiten Macht erwachsen lassen.“

[23] Wir haben bereits in Teil II auf solche Reformen hingewiesen, einschließlich des Textes, der sich auf Anmerkung 22 bezieht.

[24] Artikel 25, aa O., p. 95.

[25] Zum Beispiel der moralische Einwand, ein Grundeinkommen würde den Armen ‘Geld schenken’, basierend auf der Annahme, dass Empfänger von staatlichen Beihilfen verpflichtet sein sollten, Verantwortung und Gegenseitigkeit nachzuweisen, in der Regel durch eine Verpflichtung zur Arbeit oder anderen jobfördernden Bedingungen. In ähnlicher Weise gibt es die weit verbreitete und nachteilige Vorstellung, dass die Gewährung von Bargeld an Bedürftige zu privaten Ausgaben für ‘nichts Gutes” wie Alkohol und Zigaretten führt, und zwar auf Kosten der grundlegenden Grundbedürfnisse (eine weitere moralische Vermutung, die von den Forschungsergebnisse aus Geldtransferprogrammen weithin widerlegt wird). Ein komplexerer und etwas technischer Einwand, der immer noch auf einem Vorurteil beruht, das der Mensch inhärent träge ist, und dass ein bedingungsloses und unverbindliches Grundeinkommen keinen Anreiz zu arbeiten bietet. Die Befürworter des Grundeinkommens haben viel Zeit und Energie investiert, um diese Besorgnis über ein reduziertes Arbeitskräfteangebot zu widerlegen, indem sie sowohl logische Argumente als auch empirische Analysen anwandten. Viele argumentieren, dass ein UBI die negativen Anreize zur Arbeit, die es bereits gibt, mit gezielten Sozialprogrammen beseitigt, in denen Antragstellern der Rückzug von bedürftigkeitsabhängigen Leistungen droht, wenn sie schlecht bezahlte oder Teilzeitarbeit annehmen, was man als ‘Armutsfallen’ bezeichnet. In der Tat stellen sich Befürworter vor, dass ein UBI einen wirklich freien Arbeitsmarkt schaffen wird, wo die Bürger größere Freiheit haben, ihre Berufung zu wählen, wo größere Kreativität freigesetzt wird und wo neue Anreize für Arbeitgeber geschaffen werden, um stupide Jobs zu automatisieren und durch höhere Bezahlung attraktiver zu machen. Die empirischen Belege dafür, dass ein Grundeinkommen das Angebot an Arbeitskräften verringert, das typischerweise aus Experimenten in Nordamerika in den 1960er und 1970er Jahren stammt, basieren ebenfalls auf beschränkter Annahme über die Art der Arbeit. Während die (oft geringfügigen) Veränderungen in der Höhe der bezahlten Arbeit sorgfältig untersucht werden, wird die Auswirkung auf unbezahlte Arbeit - Pflege von Kindern und Angehörigen, Weiterbildung, Freiwilligenarbeit in der Gemeinschaft usw. - in diesen ökonometrischen Analysen im Allgemeinen nicht berücksichtigt. Gerade für diese Art der Arbeit, die stetig zunimmt, hätte ein garantiertes Grundeinkommen einen emanzipatorischen Effekt. Denn dann sprechen wir von einer Welt, in der die menschliche Arbeit nicht länger ‘vermarktet wird’, wenn wir die Sprache der Ökonomen übernehmen, das heißt, wir brauchen keine finanziellen Anreize, um zu arbeiten, und bezahlte Arbeit wird nicht mehr ausschließlich geheiligt. Unsere Leidenschaft kann zu unserer Berufung werden; unsere Vorstellung von Arbeit kann auf Aktivitäten mit echtem Wert und Bedeutung umgeleitet werden; unsere angeborene Neigung, anderen zu dienen, kann kultiviert und belohnt werden - all das hat wenig mit einer Vision von Menschen zu tun, die egoistisch, faul und unwürdig sind.

[26] Siehe insbesondere: ‘Das Gemeingut der Menschheit’, (‘The comons of humanity’) April 2017; ‘Wahre Sharing Economoy: Die Zeit des Herzens’ (‘The true sharing economy: Inaugurating an Age oft he Heart’) November 2016; ‘Artikel 25, Teil IV’, (Heralding Article 25, Teil IV) aa O., <http://www.sharing.org/information-centre/articles/studies-principle-sharing>

[27] Zwei Hauptgründe, warum ein vollständiges UBI-Programm unter den bestehenden Bedingungen der Globalisierung sowohl politisch unrealistisch, als auch wirtschaftlich nicht nachhaltig ist. Erstens ist die Umsetzung eines authentischen Konzepts durch selektive Einwanderung gefährdet, die ein Land mit offenen Grenzen wahrscheinlich unter Druck setzen wird, um eine Grundeinkommensgarantie weniger großzügig und konditional zu machen, um damit der Bedrohung des Nativismus und dem Problem eines sogenannten ‘Wohlfartsmagnet’ entgegen zu wirken. Zweitens wird dieser Unterdruck verstärkt durch den ‘Race to the bottom (Wettlauf nach unten)’ in den Arbeits-, Umwelt- und Steuerregelungen, die ein charakteristisches Merkmal der wirtschaftlichen Globalisierung in ihrer gegenwärtigen Form sind. Um ein Beispiel zu nennen, sind die Körperschaftsteuersätze in den letzten drei Jahrzehnten in Ländern des globalen Nordens und Südens drastisch gesunken. Zusätzlich sind jährlich Hunderte von Milliarden verloren gegangen, durch verschiedene Formen der Steuervermeidung und -umgehung. Die Einkommensbasis des öffentlichen Sektors hat infolgedessen unweigerlich gelitten. Die Situation zeigt keine Anzeichen auf eine Verbesserung, aufgrund der sich vertiefenden Tendenzen der Unternehmenslobby, der unternehmensfreundlichen Fiskalpolitik und des Fehlens einer effektiven globalen Steuerkooperation. Während dies eine beispiellose Akkumulation von individuellem Wohlstand und Marktkonzentration im Unternehmenssektor ermöglicht, ist es für die Regierungen immer schwieriger, ein starkes Sicherheitsnetz und eine universelle Sozialpolitik aufrechtzuerhalten, geschweige denn die Aussicht auf ein großzügiges Grundeinkommen für alle Bürger.

[28] Vgl. Mohammed Mesbahi,  ‘The United Nations and the principle of sharing’, Share the World’s Resources, September 2007.

[29] Die Finanzierung eines globalen Fonds kann viele Formen annehmen, einschließlich Auslandshilfe, die von wohlhabenderen Ländern fließt, um den enormen Bedarf des globalen Südens, bei der Bereitstellung von Bildung, Gesundheitsversorgung, Energie, Infrastruktur usw. zu unterstützen, also auch die Notwendigkeit, nationale Grundeinkommensprogramme aufzustellen. Die Notwendigkeit einer großangelegten Übertragung von Ressourcen, aus dem globalen Norden in den Süden, ist wahrscheinlich über einige Jahre lang notwendig, und es gibt zahlreiche Optionen für die kurzfristige Erhöhung der internationalen Finanzen (idealerweise durch automatische Mechanismen übertragen, insbesondere vorgeschlagen durch den Brandt-Bericht - siehe Anmerkung 17). Zum Beispiel wurde die Möglichkeit, globale Besteuerungsformen zu implementieren, schon lange unter Ökonomen diskutiert, wie zum Beispiel Abgaben auf internationalen Handel, den Waffenhandel und die Militärausgaben; Luftverkehr und Güterverkehr; auf verschiedene Arten von Finanztransaktionen; oder aus der Nutzung der ‘globalen Commons oder Gemeingüter’, wie Ozeanfischerei, Meeresbodenförderung, Offshore-Öl- und Gasbohrungen, ja sogar die Nutzung von Weltraumumlaufbahnen. In den letzten Jahren haben eine Reihe von Wissenschaftlern innovative Vorschläge zur Schaffung einer dauerhaften Quelle öffentlicher Einnahmen (abgesehen von Lohn- und Einkommenssteuern) im Einklang mit dem Sozialdividendenansatz entwickelt, d.h. auf der Erkenntnis, dass alle Bürger das Recht haben, auf ein Einkommen aus ‘natürlichem Eigentum’, wie Land und andere Ressourcen, die von der Gesellschaft vererbt oder mitgestaltet wurden. Die einfache Idee, die im Mittelpunkt der meisten Vorschläge steht, ist die Erhebung von Nutzungsgebühren für gemeinsame Ressourcen, die dann als gemeinschaftsbasiertes Recht an alle Bürger verteilt werden können. Eine zu diesem Zweck eingerichtete Verwaltungsbehörde könnte unabhängig vom privaten und öffentlichen Sektor arbeiten, auch häufig als ‘Commons-Trust’ (Gemeingüter Fond) beschrieben, welche die Nutzung einer Reihe kollektiver Ressourcen ermöglichen könnte - von Land und fossilen Brennstoffen hin, bis zum elektromagnetischen Spektrum und geistigen Eigentum. Während der Grundsatz der Erhöhung der öffentlichen Einnahmen aus dem Wert der gemeinsamen Ressourcen in der Regel auf nationaler Ebene konzipiert ist, kann er auch auf internationaler Ebene angewandt werden. Theoretisch könnte ein Teil der Einnahmen, die aufgebracht werden, pro Kopf an die nationalen Regierungen als ein Grundeinkommen für alle verteilt werden, was das Recht jedes Einzelnen auf einen gerechten Anteil an den globalen Gemeingütern widerspiegelt. Die wahrscheinlich praktikabelste Anwendung dieses Prinzips auf globaler Ebene, ist auf die Emission von Kohlendioxid, da die Atmosphäre eindeutig eine weltweit geteilte Ressource ist, und es  dringend notwendig ist, die Gefahr der globalen Erwärmung durch kooperative zwischenstaatliche Maßnahmen, auf einer fairen und gerechten Basis, in die Hand zu nehmen. In diesem Sinne gibt es einige visionäre Vorschläge zur Begrenzung der globalen Kohlenstoffemissionen auf eine bestimmte Schwelle, wobei Emissionsrechte für einen bestimmten Zeitraum an die höchsten kommerziellen Bieter verkauft werden, bevor die Einnahmen gleichmäßig auf jeden Bürger verteilt werden (über ein Klima-Commons-Treuhandschaft - die als eine multilaterale Institution funktioniert). Wie auch immer der Verteilungsmechanismus konzipiert ist, ist es durchaus möglich, dass ein globales System von Nutzungsgebühren für Kohlendioxidemissionen dazu beitragen könnte, einen weltweiten öffentlichen Ertrag zu generieren, während eine Verschiebung von den fossilen zu den erneuerbaren Energien gefördert wird. Wenn Nutzergebühren auf den globalen Commons international als soziale Dividenden ausgeschüttet werden, würde dies auch beträchtliche finanzielle Transfers für Entwicklungsländer als ein automatisches Recht mit sich bringen, das als wirksame Entschädigung für die nicht proportionale Nutzung von Weltressourcen durch reiche Länder dient. Es gibt natürlich noch viele andere Ideen, wie man gerechtere und stabilere Quellen globaler öffentlicher Finanzen schaffen kann. Wie die Schaffung einer echten internationalen Währung, die von einer Weltwährungsbehörde ausgegeben wird und eine Alternative zur Hegemonie des USA Dollars und anderen Reservewährungen bietet. Alle diese vernünftigen Ideen deuten darauf hin, dass die Zeit für ein globales System der Einkommensumverteilung (oder in der Tat eine Vorverteilung durch Nutzungsgebühren auf die Ausbeutung der begrenzten Ressourcen der Erde) bevorsteht, um einen garantierten Lebensstandard für alle zu gewährleisten.

[30] Darüber hinaus ist es am wichtigsten, aus der Position von STWR zu diesem Thema hervorzuheben, dass es darum geht, tatsächlich eine fortschrittliche politische Lösung in diesem planetaren Umfang zu erreichen, ohne dass sie über längere Zeit hinweg korrumpiert wird. Daher müssen wir unweigerlich zu den inneren Dimensionen der Weltumwandlung zurückkehren, was uns immer wieder zu der Notwendigkeit einer neuen Erziehung über die Wissenschaft des Herzens und die spirituelle Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zurückführt (ein weit wichtigeres Thema, das dieser Reihe von Studien zum Prinzip des Teilens zugrunde liegt). Lassen Sie uns vor unserer Diskussion im Nachtrag noch einmal wiederholen, dass eine Idee alleine niemals ausreicht, um die Welt zu verändern, besonders wenn diese Idee auf der Notwendigkeit beruht, dass der Reichtum der Welt von Reich zu Arm umverteilt werden muss. Sowohl für die Reichen als auch für die Armen muss der Sinn und Zweck unseres Lebens (wie in den Lehren der zeitlosen Weisheit zu finden) gelehrt werden, bevor das Bewusstsein der Menschheit in eine andere Richtung gehen kann. Wo die Idee von ‘gerechter Verteilung’ oder ‘Umverteilung von Reichtum’ schließlich in unserem Bewusstsein durch ein Verständnis unserer inhärenten ‘Ebenbürtigkeit’ oder ‘Verbundenheit’ in der spirituellen Evolution ersetzt wird. Keine globale politische Idee, für das Gemeinwohl von allen, kann ohne diese Veränderung des menschlichen Bewusstseins umgesetzt werden - solange die Persönlichkeit involviert ist, solange Gewalt involviert ist, solange wettbewerbsfähige Gier und materialistische Begierde involviert sind - wir der Teufelskreis unerbittlich weitergehen. Ein Teufelskreis, der nicht durch die ökologischen Grenzen des Wirtschaftswachstums definiert wird, sondern durch die menschlichen Grenzen des ‘Kommerzialisierungswachstums’, das die wahre und grundlegende Bedrohung für die Zukunft unseres Planeten darstellt. Aus der Sicht des Autors ist diese Fragestellung weitaus kritischerer, als jede Debatte zu politischen Lösungen. Denn es ist die Frage der inneren Transformation, die den Weg zur wahren Lösung unserer zivilisatorischen Probleme weist, basierend auf dem Prinzip des Teilens als göttliche Vorbedingung zu den Bewusstseinsveränderungen, die wir dringend erwarten. Und wenn dieses Prinzip durch weltweite Demonstrationen für Artikel 25 freigegeben wird, wie wir voraussagen und andere dazu ermutigen, dann werden viele der politischen Vorschläge für eine bessere Welt eine sichtbare Kehrtwende erfahren und ein anderes Gefühl der Dringlichkeit und unmittelbaren Praktikabilität annehmen, in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Zeit. Denn was denken wir, ist das Erste, was die politischen Entscheidungsträger im Gefolge dieses bedeutsamen Ereignisses entdecken werden? Die Antwort ist, die erneute Vorlage der wesentlichen Vorschläge des Brandt-Berichts. Diesmal jedoch in einem erweiterten Entwurf, der gleichzeitig die Umweltkrisen der Welt berücksichtigt - sowohl für die Armuts- als auch die Klimakrise, die jetzt eine Notfallmobilisierung aller Völker und Regierungen der Welt erfordert. Wir wiederholen lediglich eine Zusammenfassung dieser Beobachtungen, um der obigen Anmerkung zu vorgeschlagenen Methoden der öffentlichen Finanzierung der Welt einen zusätzlichen Kontext zu geben, denn ohne diese zuvor erwähnten Veränderungen im Bewusstsein der Menschheit kann es nicht das Maß an Vertrauen oder Konsens geben, das zur Umstrukturierung des globale Wirtschaftssystem benötigt wird, noch das notwendige Maß an globalem Guten Willen. Vergessen wir nicht, dass anhaltende Appelle der Vereinten Nationen, Hungersnöte, Konflikte und Naturkatastrophen abzuwenden, oft kritisch unterfinanziert sind, in einer Welt, die wohlhabender und technologisch fortschrittlicher ist als je zuvor. Wohin soll dann das Geld umgeleitet werden, wenn die Regierungen auf wundersame Weise zustimmen, ein innovatives System der globalen Besteuerung oder Nutzungsgebühren für gemeinhin gehaltene Ressourcen auszuarbeiten? In einer Welt des zunehmenden Militarismus, Kommerzialisierung und Unternehmensmonopolisierung können wir sicher sein, dass jegliche Einkünfte nicht in die Finanzierung wesentlicher öffentlicher Dienste oder von UBI-Systemen in jedem Land umgeleitet werden. Es ist also nicht die zerebrale Idee, die eine dauerhafte Lösung der Weltprobleme liefert, wenn das zugrunde liegende Problem durch einen allgemeinen Mangel an öffentlichem Interesse und sozialer Teilnahme definiert wird. Darum haben die großen Weltlehrer, wie Christus, schon lange gesagt: Jeder Einzelne von euch trägt Anteil an der Schaffung eines neuen Friedens und einer neuen Freiheit. Und deshalb ist jede Idee zur Verbesserung der Weltsituation äußerst lohnenswert, auch wenn die Idee selbst nicht von größtem Wert ist, sondern die Anstrengung, die unternommen wird, um den guten Willen, das Gewahrsein und die Liebe in anderen Menschen zu wecken.

[31] Nämlich eine intolerante Kritik an anderen, die Entstehung von Trennungsfraktionen und ein daraus folgender Verlust der Vision.

[32] Siehe zum Beispiel: Artikel 25, op cit; ‘Ein Diskurs über Ismen’, November 2014. <www.sharing.org/isms>

[33] Jedes Königreich in der Natur wächst aus dem darunter liegenden, und ein fünftes Königreich das oberhalb des menschlichen liegt - bekannt als das spirituelle Königreich oder ‘Königreich der Seelen’ – gab es schon immer (wie von Christus selbst gelehrt) und es fängt jetzt allmählich an sich auf der physischen Ebene zu manifestieren. Wie in den Schriften von Alice A. Bailey erklärt wird, besteht dieses Königreich aus all jenen, die im Laufe der Jahrhunderte spirituelle Ziele angestrebt haben, sich von den Beschränkungen des physischen Körpers, emotionalen Kontrollen und dem hinderlichen Geist befreit haben. Seine Bürger sind diejenigen, die heute (in der Mehrheit unbekannt) in physischen Körpern leben, sich für das Wohlergehen der Menschheit einsetzen, Liebe anstelle von Emotionen als ihre allgemeine Verhaltensweise einsetzen und diesen großen Körper von ‘erleuchteten Seelen’ komponieren, der das Schicksal des Menschen in der Welt leitet. (Die Externalisierung der Hierarchie, Lucis Press Ltd, 1957).

[34]In der Tat gibt es eine erkennbare Beziehung zwischen den sich entwickelnden intellektuellen Vorstellungen der Gemeingüter, der Sharing Economy und einem universellen Grundeinkommen, die alle auf zwei Parallelen verbunden sind; erstens durch ihre Analyse des Ursprungsproblems von Profit und Kommerzialisierung und zweitens durch ihr unbewusstes Gewahrsein der Tatsache, dass die Lösung in spiritueller Hinsicht das göttliche Prinzip des Teilens ist. Doch die tiefere spirituelle Bedeutung der Beziehung zwischen diesen drei politischen Konzepten mag dem intellektuellen Denker nicht bewusst werden, bevor sich die Menschheit, in konstanten Demonstrationen, für die Garantie von Artikel 25 versammelt, wie in dieser Reihe von Studien verschiedentlich beschrieben wird. Vgl. ‘Das Gemeingut der Menschheit’, aaO.

[35] Die Zeitlose Weisheit bezieht sich auf alte Lehren über die energetische Struktur des Universums, die Evolution des Bewusstseins in Mensch und Natur und die spirituelle Realität unseres Lebens mit dem Schwerpunkt auf ‘richtigen menschlichen Beziehungen’. Es wurde als das goldene Garn beschrieben, das die esoterischen oder verborgenen Lehren verbindet, die den großen religiösen Traditionen zugrunde liegen, und zugleich die Inspiration für die Künste und Wissenschaften im Laufe der Zeit lieferte. Obwohl sie tausende von Jahren alt sind, werden die Lehren aufgrund ihrer fortschreitenden Offenbarungsnatur, die aktiv im Leben und in den Erfahrungen der Menschen zum Ausdruck kommt, als ‘zeitlos’ und nicht als ‘altertümlich’ bezeichnet. Im letzten Jahrhundert hat sich die exoterische Form dieser Lehren im Westen verbreitet, nachdem sie unter anderem von H.P. Blavatsky, Gründer der Theosophischen Gesellschaft, und später durch die Arbeit von Alice A. Bailey und Helena Roerich veröffentlicht wurden.

[36] Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter ‘Wahre Sharing Economoy: Die Zeit des Herzens’ (Original Fassung: The true Sharing Economy: Inaugurating the Age of the Heart), aaO.


Mohammed Mesbahi Gründer von Share The World's Resources (STWR)

Übersetzung: Sonja Scherndl und Ute Redl, 2018.

Redaktion: Adam Parsons

Image credit: Liamfm, flickr creative commons