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Der Kreuzpunkt von Politik und Spiritualität in Bezug auf die Klimakrise

Mohammed Sofiane Mesbahi
26 October 2016

Das folgende Interview mit Mohammed Mesbahi, Gründer von STWR, untersucht sowohl die gegenwärtige politische also auch die tiefere spirituelle Bedeutung der Notwendigkeit, die Ressourcen der Welt in Bezug auf den eskalierenden Klimawandel zu teilen. Ursprünglich in englischer Sprache durchgeführt, beginnt Teil 1 mit einer Politik bezogenen Diskussion der Bedeutung des „Prinzips des Teilens“ als Grundsatz der UN-Klimaverhandlungen. Mesbahi schlägt in diesem ersten Teil des Dialogs einen Weg für Aktivisten und engagierte Bürger vor, der die Regierungen durch unaufhörliche Protestaktionen zu einer Null-Kohlenstoff-Wirtschaft als oberste Priorität zwingen kann.

Teil 2 erweitert dann die Diskussion auf die zugrundeliegenden psychologischen und geistigen Ursachen der globalen ökologischen Krise, die zu einer "inneren" Linie der Untersuchung führt über die tieferen Gründe, warum unsere moderne Gesellschaft noch nicht zu einer ökologischen nachhaltigen Lebensweise übergegangen ist. In Teil 3 argumentiert Mesbahi, dass eine wahre Manifestation von „Liebe-in-Aktion“ nur dann verwirklicht werden kann, wenn unsere Besorgnis, das unnötige menschliche Leiden zu beenden, in unserem Bewusstsein dieselbe Dringlichkeit erreicht, wie die natürliche Umwelt zu schützen. Alles in allem dient dieses umfassende Interview als Einführung in Mesbahis Vision einer riesigen Bürgerinitiative für eine gerechte, faire und ausgewogene Weltordnung.

Teil I: Ein gerechter Übergang durch „gerechte Anteile“
Teil II: Das innere und äußere CO2
Teil III: Liebe-in-Aktion demonstrieren


Teil I: Ein gerechter Übergang durch „gerechte Anteile“

Wie beurteilen Sie das Pariser Abkommen - war es gerechtfertigt, es als "einen großen Sprung für die Menschheit" und als "den größten diplomatischen Erfolg der Welt" zu bezeichnen?

Es gab eine Rechtfertigung für die rühmenden Schlagzeilen, denn ein internationaler Klimavertrag wurde endgültig besiegelt. Vor sechs Jahre kam es in Kopenhagen zu keinem universalen Abkommen. Man sah eine positive Veränderung des Tons, mit dem Ziel die globalen Temperaturen auf nicht mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau zu halten - ein weiterer Beweis der zwei Jahrzehntelangen Anstrengungen der Öffentlichkeit und der präzisen Wissenschaft. Angesichts der immer wieder hinausgezögerten und oftmals umstrittenen Verhandlungen der letzten 21 Jahre, können meines Erachtens nur wenige wiedersprechen, dass es ein überraschend ehrgeiziges Ziel ist, das sogar die wissenschaftliche Gemeinschaft ins Staunen versetzte.

Eine weitere Begründung, um die Gespräche als erfolgreich zu bezeichnen, ist, dass nun für jedes Land ein Ziel zu den jeweilig beabsichtigten nationalen festgelegten Beiträgen (INDCs) erstellt wurde und zwar die ersten Emissionsreduktionspläne im Rahmen der UN-Klimakonvention (UNFCCC), die gleichfalls für die entwickelten Länder also auch für die Entwicklungsländer gelten und die offizielle Grundlage eines globalen Rahmens für die Zeit nach 2020 bilden. Wenn wir von der optimistischsten Bewertung ausgehen, und zwar der Tatsache, dass wir nun ein langfristiges Ziel haben um unsere Null-Treibhausgasmissionen bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu erreichen, gibt es uns zumindest Zeit für einen neuen Aktionsplan, auch wenn viele zivilgesellschaftliche Gruppen Bedenken haben, bezüglich der Inanspruchnahme von Negativemissionstechnologien. Die Tatsache, dass die Entwicklungsländer die ehrgeizigsten Verpflichtungen eingegangen sind, einschließlich China und Indien, bedeutet auch, dass Anzeichen dafür bestehen, dass sich die Geopolitik der globalen Führung verlagert hat, und dass der Süden bereit ist, seine Bemühungen diesbezüglich zu verstärken, trotz der Unwilligkeit des Nordens in angemessenem Maßstab die „Führung zu übernehmen“.

Ob der Vertrag uns einer gerechten und nachhaltigen Weltordnung näherbringen wird, ist eine andere Frage. Trotz des angestrebten Emissionsziels von 1,5 °C gibt es keine klare Richtung, wie diese kollektiven Reduktionen kurzfristig erreicht werden können. Selbst wenn die derzeitigen INDCs bis 2030 eingehalten werden, zeigen verschiedene Studien auf, dass wir auf eine Erwärmung des Planeten von 3 bis 4 Grad hinsteuern und uns an einen sehr gefährlichen Kipppunkt bringt. Der einleitende Text zum Vertrag selbst räumt dies ein und besagt, dass weitaus größere Anstrengungen zur Emissionsreduzierung erforderlich sind, um die erhebliche Kluft zwischen den Zusagen der Nationen zur Emissionsminderung und den Gesamtemissionen zu beseitigen, die sogar dem 2 Grad Kurs entsprechen. Es hindert keine Nationen daran, ihre bereits unzureichenden Verpflichtungen nicht einzuhalten, was in der Geschichte der multilateralen UN-Gespräche wenig Anlass für Optimismus gibt.

Das einzige verbindliche Element der Vereinbarung, und zwar dass jede Nation regelmäßig aktualisierte Fortschrittsziele vorlegt, war absehbar. Es mag gewiss ein rechtsverbindliches Dokument des Völkerrechts im Rahmen des UNFCCC sein, aber es besteht für die reichen Länder keine weitere legale Verantwortung die Finanzmittel bereitzustellen, um armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen, geschweige denn rechtlich verbindliche Ziele für sinnvolle CO2-Einsparungen. In Wirklichkeit ist es eine traurige Anklage unserer Zeit, dass das Pariser Abkommen als "ehrgeizig" und "politisch historisch" gepriesen wurde. In dieser Hinsicht können wir auch eine bemerkenswerte Parallele zu den im September 2015 vereinbarten Zielen für nachhaltige Entwicklung beobachten, die unter anderen ehrgeizigen Umweltzielen ebenfalls ein „Ende der Armut überall“ bis 2030 verspricht, jedoch ohne Sanktionsmechanismen oder glaubwürdigen Maßnahmen um diese Ziele zu erreichen.

Aus der Sichtweise von Share The Worlds Resources, ist es interessant zu beobachten, dass das Konzept „gerechte Anteile“ mittlerweile zu einem Aktions-Aufruf in den Klimadebatten geworden ist. Welche Relevanz denken Sie hat das Prinzip des Teilens für das Pariser Abkommen und die COP-Verhandlungen im Allgemeinen?

Die Idee des Teilens taucht heute in vielen Bereichen des politischen Denkens und im Aktivismus als zentrales Thema auf, besonders in der zivilgesellschaftlichen Lobbyarbeit in Bezug auf Klimawandel. Vielleicht ist das natürlich und auch zu erwarten, da die Prinzipien von Fairness und Gerechtigkeit in der UN-Klimakonvention selbstverständlich anerkannt sind. Es wird von den Annex-I-Ländern erwartet, dass sie bei der Emissionsreduzierung die Führung übernehmen und gleichzeitig die Rechte der Annex-II-Länder auf nachhaltige Entwicklung respektieren. Dazu gehört auch das Recht der weniger entwickelten Länder, auf finanzielle und technische Unterstützung. Wie man die Verantwortung auf fairer und gerechter Basis teilt, sodass die globalen Kohlenstoffemissionen innerhalb der wissenschaftlich akzeptierten Grenzen bleiben, stand schon immer im Mittelpunkt der COP-Verhandlungen. Das Grundsatz-Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung (Common but Differentiated Responsibilities CBDR-RC) verankert diese Anerkennung auf der Grundvoraussetzung, dass alle Staaten zur Bewältigung der globalen Erwärmung verantwortlich sind, jedoch nicht gleichermaßen verantwortlich, und hebt somit die tiefgreifenden moralischen Fragen hervor, die so viele Anfechtungen und Spaltungen seit Beginn der Verhandlung im Jahre 1992 verursacht haben.

Dieses Prinzip wurde jedoch im Pariser Abkommen so gut wie fallen gelassen, was einen bedeutenden Rückschritt darstellt. Große Industrieländer führten eine erfolgreiche Kampagne gegen das Gleichheitsprinzip durch, indem sie sich dafür entschieden, ihre eigenen Ziele auf rein nationaler Basis durch die INDCs zu bestimmen, ohne sich auf das Ausmaß der globalen Anstrengungen zu beziehen, die erforderlich sind, um das 1,5 °C-Ziel einzuhalten. Dies löscht effektiv ihre historische Verantwortung und spricht gegen ein wirksames Vorgehen aller Länder in den kommenden Jahren. Eines der besonderen Hauptziele der USA war es die Worte im Text zu „Verlust und Schaden“ zu schwächen, damit sie nicht für eine obligatorische Entschädigung für Klimafolgen in armen Ländern haftbar sind.

In Bezug auf die Klimafinanzierung für die Entwicklungsländer, um ihnen bei der Anpassung und Eindämmung zu helfen, war bereits klar, dass ein Zielbeitrag von 100 Milliarden US$ völlig unzureichend ist, und nur ein Bruchteil dieses Betrages wurde bisher bereitgestellt. „Freiwillig“ und „unter allen Ländern aufgeteilt“ sind die neuen Begriffe im Text der Klimafinanzierung, die die Last der Verantwortung weiter auf die ärmeren Länder zurückverlagert. Finanzierungen aus garantierten öffentlichen Mitteln werden relativ mager sein, und es besteht das zusätzliche Risiko, dass die Finanzmittel von den bestehenden Hilfeleistungen abgezweigt werden. Der größte Teil der künftigen Finanzierung muss möglicherweise durch neue Marktmechanismen wie den Ausgleich von CO2-Emissionen erfolgen, jedoch mit dem Risiko einer erhöhten Abhängigkeit von privaten Investitionen. Wir können kaum hoffen, dass die Regierungen zusätzliche Einnahmequellen mobilisieren, die direkt in die Klimafonds der Vereinten Nationen fließen, beispielsweise aus Finanztransaktionssteuern oder durch ein progressives CO2-Steuersystem.

Viele dieser Punkte wurden von Beobachtern der Zivilgesellschaft weit ausführlicher erläutert, doch sollte uns klar sein, dass das Ergebnis der COP21 in keiner Weise die Grundsätze des Teilens und der Gerechtigkeit in seiner wahren Form widerspiegeln. Nur die Aktivisten und Bürgerrechtskämpfer in den Konferenzsälen schienen eine Vorstellung davon zu haben, was Gerechtigkeit in Bezug auf die Klimakrise bedeutet, durch sofortige kurzfristige Maßnahmen und transformative, systemische Veränderungen. Interessanterweise hat sich das Denken der Zivilgesellschaft über „gerechte Anteile“ in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt. Es basiert auf einem globalen Kohlenstoffbudget, das die historische Verantwortung und die Emissionszuteilung für einzelne Länder berücksichtigt. Jedoch haben sich die Regierungen im Norden jetzt noch weiter von der Notwendigkeit eines neuen Paradigmas zur gerechten Aufteilung einer schrumpfenden Atmosphäre entfernt, und somit ist die Aussicht, einen ehrgeizigen Kohlenstoffhaushalt in einem rechtlich bindenden Klimaabkommen zu verankern, immer noch Zukunftsmusik.

Können Sie die Relevanz eines Kohlenstoffbudgets für die Formulierung einer gerechten Lösung und zur Verhinderung einer gefährlichen globalen Erwärmung erläutern?

Trotz des gegenwärtigen Misserfolgs des Multilateralismus und der Unzulänglichkeiten der UNFCCC-Verhandlungen, halte ich es nach wie vor für unabdingbar, dass eine Vision für ein faires Klimaabkommen von Kampagnengruppen und fortschrittlichen Analysten gemäß den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufrechterhalten wird. Die Frage eines globalen Kohlenstoffbudgets spielt eine zentrale Rolle in dieser Vision, da sich herausstellt, wie viel Kohlenstoff in die Atmosphäre abgegeben werden kann, ohne die international vereinbarten Obergrenzen für die globale Erwärmung zu überschreiten. Wenn das verbleibende Budget auf der Grundlage von Fairness und Gerechtigkeit aufgeteilt wird, wirft dies eine Reihe dringender Fragen auf, wie der verbleibende atmosphärische Raum unter den Nationen der Welt aufgeteilt werden kann, insbesondere im Hinblick auf die unterschiedlichen Entwicklungsniveaus zwischen dem globalen Norden und Süden.

Der CO2-Budget-Ansatz wird seit vielen Jahren von NGOs und Akademikern diskutiert und ist seit dem fünften Bewertungsbericht des IPCC, in dem eine Budgetbewertung für verschiedene Temperaturgrenzwerte auf der Grundlage von Daten bis 2011 veröffentlicht wurde, in der Wissenschaft gut etabliert. Die Vereinten Nationen schätzten, dass etwa 1Billion Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre freigesetzt werden können, wenn die 2°C-Grenze eingehalten werden soll, die sich unter Berücksichtigung zusätzlicher Erwärmungsfaktoren oder anderer Treibhausgase auf etwa 800 Milliarden Tonnen verringert. Davon hat das IPCC berechnet, dass wir seit Beginn der industriellen Revolution bereits mehr als 500 Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch menschliche Aktivitäten verbraucht haben, was bedeutet, dass mindestens die Hälfte des Budgets bereits ausgegeben ist. Auf dem derzeitigen Emissionspfad sollte der verbleibende Kohlenstoffraum innerhalb von 2 bis 3 Jahrzehnten erschöpft sein.

Verschiedene Studien haben jedoch diese Einschätzungen aktualisiert und kalkuliert, dass wir viel weniger Jahre Zeit haben, um das Budget von 1,5 °C einzuhalten. Sowohl in der Mainstream-Wissenschaft als auch in der NRO-Community ist es allgemein anerkannt, dass 2 °C keine ausreichende sichere Schwelle zur Verhinderung eines „gefährlichen“ Klimawandels darstellt. Die meisten Szenarien haben sich jedoch bisher auf 2 °C- oder 3 °C-Grenzwerte konzentriert und die Wissenschaft ist weniger robust in Bezug auf die sicherere Grenze von 1,5 °C. Bis zum Überschreiten des Budgets von 1,5 °C könnten weniger als fünf Jahre an CO2-Emissionen verbleiben, und selbst das gibt uns nur eine Wahrscheinlichkeit von 66%, dass wir das Risiko von Kipp-Punkten, und schwerwiegenden Auswirkungen auf Ernährungssicherung und Menschliche Sicherheit, vermeiden. Bemerken wir hier, dass die Wahrscheinlichkeit von 66%, die in der IPCC-Terminologie als 'voraussichtliche' Chance angesehen wird, höchst fragwürdig ist, und wenn wir ein Risikoniveau anwenden, das in anderen Bereichen der menschlichen Tätigkeit als akzeptabel angesehen wird, sagen wir 90% oder höher, dann bleibt eigentlich kein Kohlenstoffbudget mehr übrig, um unter 1,5°C zu bleiben.

Hervorzuheben ist auch, dass die IPCC-Schätzungen, aufgrund der unterschiedlichen Annahmen und Methoden, äußerst komplex sind und es viel Ungewissheit hinsichtlich der Rückkopplungsprozesse gibt, die die in der Atmosphäre auftretende Erwärmung verstärken oder verringern; daher die Notwendigkeit verschiedener Alternativen, unter einer bestimmten Temperatur zu bleiben, von denen keine garantiert werden kann. Es werden häufig neue Studien veröffentlicht, in denen festgestellt wird, dass die IPCC-Schätzungen zu großzügig sind und dass wir den Gesamtkohlenstoffhaushalt möglicherweise um bis zu 200% überschätzen.

Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen sind enorm, wenn wir uns überlegen, wie man eine wissenschaftlich definierte und international vereinbarte Obergrenze für die globalen Gesamtemissionen festlegt und dann das verbleibende Kohlenstoffbudget zwischen den Nationen oder der Bevölkerung aufteilt. Aus den offiziellen UN-Daten geht bereits hervor, dass die Begrenzung der Emissionen auf bis zu 2 °C eine außergewöhnliche Herausforderung darstellt. Eine gerechte Aufteilung der Minderungs- und Finanzleistungen in diese Richtung erfordert große Opfer von Seiten der Annex-I-Staaten, eine erneute Konzentration auf die kritischen sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Entwicklungsländer und ein Maß an internationaler Zusammenarbeit, wie es noch nie in der menschlichen Geschichte erlebt wurde. Doch wie bereits erwähnt, scheinen wir noch weit davon entfernt zu sein, das wahre Ausmaß dieser großen zivilisatorischen Herausforderung zu erkennen. Die politischen Führer in Paris haben es nicht einmal geschafft, einen Gesamtkohlenstoffhaushalt als Grundlage für Ziele und Lastenteilung zu erörtern, während Unternehmen, die fossile Brennstoffe einsetzen, immer noch dabei unterstützt werden, massive Summen in die Entwicklung neuer Reserven zu investieren, die es unmöglich machen, die Temperaturen innerhalb eines sicheren Budgets zu halten.

Bitte sagen Sie noch mehr dazu, wie eine wirklich gerechte und ehrgeizige internationale Zusammenarbeit von Land zu Land aussehen sollte. Was sehen Sie als konkrete Errungenschaften der gegenwärtigen Zivilgesellschaft, wenn es darum geht, die Grundsätze des Teilens, der Gerechtigkeit und der Fairness in ein multilaterales Klimaregime umzusetzen?

Dieser Frage, die sich aus den Debatten über „Klimaschulden“ in Aktivistenkreisen entwickelt hat und zur Zeit des Kopenhagener Gipfels 2009 in den Vordergrund gerückt ist, wurde in der Zivilgesellschaft große Aufmerksamkeit geschenkt. Die Frage ist, wie ein ehrgeiziges Klimaregime entwickelt werden kann, das „im Lichte von Gerechtigkeit und der besten verfügbaren Wissenschaft“ ist, das seit langem als Prinzip in der UN-Klimakonvention akzeptiert und von den führenden Politikern der Welt im Pariser Abkommen bekräftigt wird, aber noch nicht übersetzt in einen quantitativen globalen Rahmen. Eine Reihe von NRO hat sich daher mit der Operationalisierung der Kernprinzipien des Übereinkommens befasst, für die die Konzepte der historischen Emissionen und der historischen Verantwortung von grundlegender Bedeutung sind.

Die verschiedenen Vorschläge, die besprochen wurden, haben eine Gemeinsamkeit und zwar die Sorge der wirtschaftlichen Gerechtigkeit bei der Annäherung an den Klimaschutz und daraus ergibt sich die Notwendigkeit eines auf Gerechtigkeit basierenden Rahmens zur Lastenteilung, der den Ländern im globalen Süden das Recht auf nachhaltige Entwicklung sichert. Die Politik der COP-Verhandlungen hat bewiesen, dass dies nicht nur eine moralische Priorität ist, sondern die Grundlage für den geopolitischen Realismus und das Tor für weitere Umweltambitionen - ein Punkt, der von vielen Beobachtern in der Zivilgesellschaft gut argumentiert wurde.

Beispielsweise wird im Rahmen der hoch angesehenen Greenhouse Development Rights (GDRs) das Recht auf nachhaltige Entwicklung durch eine „Entwicklungsschwelle“ kodifiziert, das heißt ein Pro-Kopf-Einkommen, das bei Berechnungen der Fähigkeit eines Landes zur Bekämpfung des Klimawandels nicht berücksichtigt werden sollte. Mit anderen Worten, die Kapazität eines Landes kann als Summe aller individuellen Einkommen definiert werden, mit Ausnahme von Einkommen unterhalb der Entwicklungsschwelle. Dies sollte höher sein als die offizielle globale Armutsgrenze, damit sie für alle Bürger des Nordens und des Südens einigermaßen gilt und einen angemessenen Lebensstandard widerspiegelt. Die überzeugende Argumentation ist, dass Menschen unter diesem Einkommensniveau, die ihr Recht auf Entwicklung noch nicht wahrgenommen haben, die Last des Klimawandels nicht tragen sollten.

Um die ungleichen historischen Emissionen zwischen Nord und Süd weiter zu berücksichtigen, wird in den GDR-Rahmenbestimmungen auch die Verwendung von Gerechtigkeitsindikatoren vorgeschlagen, die zur Berechnung der Verantwortung jedes Landes, sowie seiner Gesamtkapazität dienen sollen. Beispielsweise wird die historische Verantwortung anhand der kumulierten Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen jedes Landes, seit einem vereinbarten Startdatum wie 1850 oder 1990, berechnet und das wird angepasst, um die Entwicklungsschwelle zu berücksichtigen. Auf diese Weise kann der gerechte Anteil eines Landes an den globalen Minderungsbemühungen definiert werden, indem man die Verantwortung und Kapazität kombiniert, und damit einen einzelnen Indikator im Rahmen der Verpflichtung generiert. Das tatsächliche dynamische Potenzial eines solchen Index hängt selbstverständlich davon ab, dass zunächst der verbleibende Kohlenstoffhaushalt festgelegt wird, für den ein 1,5°C-Marker-Pfad eindeutig die Grundlage zu Verhandlungen sein sollte.

Meine kurze Erläuterung der GDR-Methodik ist hier eher flüchtig und unvollständig, und ich würde dem Leser empfehlen tiefer in diese Literatur einzutauchen, um besser zu verstehen, wie man durch den Einsatz von Gerechtigkeitsindikatoren ein quantifizierbares, faires System zur Verfügung stellen kann, um die globalen Bemühungen zwischen allen Ländern fair aufzuteilen. Ich denke jedoch, dass ihr Schlüssel zum Erfolg darin besteht, die Wichtigkeit einer Nord-Süd-Zusammenarbeit für einen tragfähigen Rahmen zur Eindämmung des Klimawandels aufzuzeigen. Die Annex-I-Länder haben vergleichsweise einen größeren Anteil an globaler Verantwortung und Kapazität, so dass sie ihren gerechten Anteil an Einsatz möglicherweise nicht allein durch innerstaatliche Maßnahmen erfüllen können. Sie sind daher gebührend verpflichtet, weniger entwickelten Ländern die Finanzmittel, den Zugang zu Technologie und den Kapazitätsaufbau zur Verfügung zu stellen, die diese benötigen, um ihr volles Potenzial zur Linderung im Einklang mit ihren Strategien für eine nachhaltige Entwicklung zu nützen.  

In der jüngsten Iteration eines solchen auf Gerechtigkeit basierenden Rahmens vor der COP21 konnte eine Überprüfung der INDCs durch die Zivilgesellschaft zeigen, inwieweit die zugesagten Maßnahmen der reicheren Länder im Vergleich zu ihren jeweiligen angemessenen Bemühungen stehen, die für weitaus höhere Umsetzungsmöglichkeiten von zentraler Bedeutung sind. Die INDCs der USA und der EU repräsentieren beispielsweise nur etwa ein Fünftel ihrer fairen Anteile. Es sollte jedoch betont werden, dass auch diese Schätzungen konservativ und pragmatisch sind, da sie auf einem globalen Abschwächungspfad von 2°C beruhen und in Bezug auf die völlig unzureichenden INDCs. Dies führt Zivilgesellschaften dazu, einen Erweiterungsmechanismus zu empfehlen der die Sachen vorantreibt und tiefere und möglicherweise rechtsverbindliche Verpflichtungen für die Zukunft ermöglicht.

Andererseits können wir nicht erwarten, dass die Entwicklungsländer einen verbindlichen Minderungsrahmen akzeptieren, wenn die Grundsätze des Teilens und der Gerechtigkeit nicht im Mittelpunkt stehen. Man muss sehen, dass Armutsbekämpfung und menschliche Entwicklung Hand in Hand gehen können, mit einem Marshall-ähnlichen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energieversorgung, wie es in der wissenschaftlichen Realität vorgesehen ist. Es führt kein Weg daran vorbei: Die nördlichen Länder müssen zunächst einen größeren Teil der Last tragen und sich ihren Verpflichtungen für einen massiven internationalen Transfer von technologischer und finanzieller Unterstützung an ärmere Länder im Süden stellen. Es handelt sich tatsächlich um eine neue Vision der internationalen Zusammenarbeit, die dem Brandt-Bericht von 1980 ähnelt.[1] Es ist höchste Zeit, dass der Bericht aktualisiert wird, um die Realität einer Welt widerzuspiegeln, die schnell ökologische Grenzen überschreitet und in der eine globale Umverteilung von Ressourcen erforderlich ist, um sowohl die Klima- als auch die Armutskrise gleichzeitig anzugehen.

Der Brandt-Bericht schlug eine Art Marshall-Plan für die Dritte Welt vor, der auf globalen Maßnahmen durch Anreize nach keynesianischem Vorbild basiert. Aber ist es möglich, das verbleibende Kohlenstoffbudget auf der Grundlage des Eigenkapitals aufzuteilen, um damit das Ziel von 1,5°C oder sogar 2°C erreichen, ohne dass die Weltwirtschaft längerfristig und beachtlich schrumpft?

Das ist eine Frage, die in politischen und akademischen Kreisen, in denen der Primat des Wirtschaftswachstums selten umstritten ist, wenig Beachtung findet. Ich stimme jedoch der Grundeinschätzung vieler grüner Ökonomen und Umwelt-Think Tanks zu, wie zum Beispiel dem Club of Rome und der ehemaligen britischen Kommission für nachhaltige Entwicklung, dass die fortdauernde Beschleunigung der globalen Wirtschaftstätigkeit im Widerspruch zu unseren Versuchen steht, einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden und die Ökosysteme des Planeten zu erhalten. Es gibt auch das britische Tyndall Center-Forschungsinstitut, das dieses Problem anhand einer Analyse des Kohlenstoffbudgets angesprochen hat und die Notwendigkeit sofortiger und geplanter Strategien zur Verringerung des Verbrauchs und der wirtschaftlichen Kontraktion in den Annex I Ländern überzeugend hervorhebt.

Es lohnt sich über deren Analyse weiter nachzudenken, da sie zeigt, wie die Erfüllung der 2°C-Verpflichtungen die Annex-I-Länder dazu zwingt, ihre Volkswirtschaften drastisch und mit sofortiger Wirkung zu entkarbonisieren, ohne weiter zu verzögern, wie zum Beispiel bis 2020, wenn die INDC-Zusagen des Pariser Abkommens beginnen. Nur auf dieser Grundlage können die Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden, ihre Emissionen bis 2025 auf einem Höchststand zu halten und gleichzeitig ihre Volkswirtschaften minimal zu steigern, während ein schneller Übergang weg von der Entwicklung mit fossilen Brennstoffen eingeleitet wird. Nach dem Ansatz des kumulativen Emissionsbudgets, der vom Tyndall Center auf der Grundlage des Gleichheitsprinzips verfolgt wird, müssen die reichen Nationen die Emissionen in den kommenden Jahrzehnten um 8 bis 10% pro Jahr senken.  Das liegt weit unter dem, was die meisten Ökonomen für eine wachsende Wirtschaft als vereinbar halten. Tatsächlich gibt es keinen historischen Bericht über ein Land, dem es gelungen ist, die Emissionen über einen längeren Zeitraum von 4% pro Jahr zu senken, ohne dass es zu einem starken wirtschaftlichen Rückgang gekommen wäre. Der bemerkenswerte Stern-Bericht des britischen Ausschusses für Klimawandel hat festgestellt, dass jährliche Reduktionen von mehr als 1% historisch mit einer wirtschaftlichen Rezession oder einem wirtschaftlichen Umbruch verbunden sind.

Daher die Schlussfolgerung der angesehenen Analysten des Tyndall Centers, dass in den USA, in der EU und in anderen reichen Ländern eine geplante Phase der Sparpolitik und der raschen Dekarbonisierung erforderlich ist, um das anhaltende Wirtschaftswachstum und die steigenden Emissionen in den ärmeren Ländern auszugleichen. Wir haben keine Zeit für einen schrittweisen, evolutionären Übergang zu einer kohlenstoffarmen Energieversorgung, dessen vollständige Umsetzung weitere zwei oder drei Jahrzehnte dauern könnte. Deshalb müssen wir bewusst eine gerechte Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs anstreben und direktere Umverteilungsstrategien, anstatt das konventionelle Streben nach Wirtschaftswachstum zu verfolgen.

Das stellt zweifellos eine Herausforderung für die fehlgeschlagenen Annahmen der Laissez-Faire-Globalisierung dar und weist auf die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der wirtschaftlichen Orthodoxie und einer neuen Theorie der Makroökonomie hin, die über die Besessenheit der BIP-Messung hinausgeht. All das wird an radikalen Rändern in öffentlichen Debatten ausführlich diskutiert. Ich möchte auch hinzufügen, dass die Analyse des Tyndall Centres ebenfalls sehr konservativ ist, da es sich um einen 2°C- und keinen 1,5°C-Pfad handelt und nur eine überaus niedrige Wahrscheinlichkeit von 50% berücksichtigt, wie ich schon erwähnte. Wenn wir gleichfalls den Anstieg der Emissionen in den letzten Jahren - seit sie ihre Laufbahn entwickelt haben- berücksichtigen, müssen die Raten der Dekarbonisierung für wohlhabende Nationen möglicherweise deutlich über 10% pro Jahr liegen, möglicherweise im Bereich von 15% bis 20%. Die Auswirkungen sind ernüchternd und das ist milde ausgedrückt.

Welche dieser Auswirkungen werden wir sehen, wenn das anhaltende globale Wirtschaftswachstum allein auf Grund von Umweltbeschränkungen nicht realisierbar ist, ungeachtet von Ressourcenbegrenzung und anderen ökologischen Grenzen? Wenn Sie an die Schaffung einer Welt glauben, in der jeder seinen gerechten Anteil an den Ressourcen der Erde hat, bedeutet dies dann nicht eine relative Anpassung des Lebensstandards zwischen und innerhalb aller Länder?

Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht besteht eine der Hauptauswirkungen der von uns diskutierten Forschung und Analyse darin, dass die meisten politischen Entscheidungsträger davon ausgehen, dass die Kohlenstoffintensität ausreichend reduziert werden kann, um eine kontinuierliche Steigerung der Produktion zu ermöglichen, ein sogenanntes „Grünes“- oder „Nachhaltiges“ Wachstum ist sehr widerlegbar. Die Überzeugung, dass wir Treibhausgasemissionen längerfristig vom Wirtschaftswachstum entkoppeln können, wird in keiner Weise durch die Beweise widerlegt, bei denen sich eine dauerhafte und absolute Entkopplung als selten, wenn nicht fiktiv erwiesen hat. Unzählige Studien zitieren das Phänomen des Rebound-Effekts, bei dem Effizienzgewinne tendenziell in mehr Wachstum und Verbrauch investiert werden, wodurch die angeblichen Vorteile bei der Verringerung der Emissionen zunichte gemacht werden.

Berücksichtigt man außerdem die Tatsache, dass wohlhabende Nationen ihre Emissionen und ihre Produktion effektiv in andere Länder exportieren, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Wenn Sie alle verbrauchsabhängigen Emissionen, einschließlich der Emissionen aus der internationalen Luftfahrt und der Schifffahrt, vollständig berücksichtigen, ist das Ausmaß der Entkopplung für die meisten Länder nahezu unbedeutend, insbesondere wenn ein stark schrumpfender globaler Kohlenstoffhaushalt in Betracht gezogen wird. Insgesamt deutet dies auf eine höchst umstrittene Schlussfolgerung hin, aber ich denke, es ist naheliegend anzunehmen, dass wir die Weltwirtschaft nicht Jahr für Jahr weiter ausbauen oder das derzeitige Wohlstandsniveau, das in wohlhabenderen Industrienationen erwartet wird, universalisieren können, und dennoch den Kohlenstoffgehalt der Pariser Verpflichtungen erreichen können. Unabhängig davon, welche Produktivitätsgewinne durch Energieeffizienztechnologien und erneuerbare Energien erzielt werden, hängt die absolute Reduzierung der Emissionen in der erforderlichen Größenordnung auch von einer drastischen Reduzierung des globalen Energieverbrauchs ab. Konsequenterweise hängt dies davon ab, dass die Regierungen neue makroökonomische politische Ziele festlegen, die nicht länger auf kontinuierlichem BIP-Wachstum beruhen.

Inzwischen wurden viele theoretische und Modellierungsarbeiten zum Konzept einer stabilen Staatsökonomie durchgeführt, aber wie Sie schon in Ihrer Frage andeuteten, ist das wirkliche Problem, wie ein Übergang zu einer gerechten globalen Nachhaltigkeit erreicht und bewältigt werden kann. Es geht nicht nur darum, wie das globale Emissionsbudget gerecht aufgeteilt oder die Rechte zur Verschmutzung der Atmosphäre verteilt werden können. Es gibt ebenso viel größere und noch problematischere Überlegungen, wie die natürliche Welt genutzt und geteilt werden soll. Wie können wir eine Welt schaffen, in der jeder seinen gerechten Anteil an Ressourcen erhält, während wir bereits gegen mehrere wichtigen planetaren Grenzen stoßen und die Weltbevölkerung stetig zunimmt? Die Analyse des ökologischen Fußabdrucks hat in diesem Bereich einige interessante Erkenntnisse erbracht, und zwar, dass unser kombinierter Ressourcenbedarf die Biokapazität des Planeten bereits um 50 Prozent überstiegen hat. Wir wissen auch, dass es die reichsten 20 Prozent der Verbraucher sind, die die überwiegende Mehrheit der globalen Ressourcen in Anspruch nehmen und bei weitem am meisten zur Umweltzerstörung beitragen.

Das Ideal eines „gerechten Anteils der Erde“ mag in dieser Hinsicht recht fragwürdig sein, aber diese sehr unangenehme Wahrheit lässt erkennen, dass einkommensstarke Länder ihren ökologischen Fußabdruck pro Kopf möglicherweise bis zu 80 Prozent reduzieren müssen, wenn irgendetwas erreicht werden soll, das der Anpassung des materiellen Lebensstandards nahe kommt, ohne die Umweltgrenzen zu überschreiten. Im Moment ist dieses visionäre Konzept einer konvergierenden Welt in erster Linie hochgesinnten Sozialwissenschaftlern vorbehalten, da die Welt in Bezug auf die meisten Indikatoren für Wohlstand und Ungleichheit weiterhin dazu im Gegensatz steht.

Es scheint, dass wir uns als internationale Gemeinschaft nicht mit den immensen Auswirkungen einer proportionalen Verteilung der weltweiten Ressourcen innerhalb der biophysikalischen Realität auseinandersetzen wollen. Insbesondere im Hinblick auf unsere nationalen Regierungssysteme, die niemals für die Bewältigung grenzüberschreitender Probleme auf der Basis von echter Zusammenarbeit und Austausch geschaffen wurden. Ich würde sagen, es ist klar, dass sowohl das Klima als auch die allgemeineren ökologischen Krisen die Nationen dazu zwingen, das gesamte Modell eines immer größer werdenden globalen Handels zu überdenken, das auf endlosem Wirtschaftswachstum beruht und unserer energieintensiven und verbraucherorientierten Lebensweise, die enorme Auswirkungen hat. Jedoch ist die eigentliche Frage, wie ein freiwilliger Übergang zu einer gerechten, partizipativen und ökologisch belastbaren Gesellschaften tatsächlich eingeleitet werden kann, ungeachtet all der Überlegungen in Bezug auf notwendige Strategien und Mittel, die für diesen enormen gesellschaftlichen Wandel benötigt werden.

Wir gehen auf diese Frage später noch genauer ein. Zunächst möchte ich unsere Diskussion zu den Pariser Klimaverhandlungen zurückführen. Was sehen Sie als Haupthindernisse für die Verwirklichung eines fairen und ehrgeizigen multilateralen Regimes, das Sie zuvor geschildert haben?

Das Haupthindernis ist für jeden Aktivisten in der Klimagerechtigkeitsbewegung offensichtlich, dass die COP-Verhandlungen von starken Interessengruppen dominiert werden, während reiche Regierungen von der Lobby für fossile Brennstoffe und der Unternehmensklasse politisch gefangen werden. Im Dezember vergangenen Jahres konnte sich der Pariser Gipfel mit einer beispielslos hohen Anzahl von Unternehmenssponsoren rühmen. Das hat sich in den Konferenzräumen als marktorientierte und technologiegetriebenen Lösungen, wie die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung aus Biomasse, erneut wiedergespiegelt. So wie es aussieht, sind die Kohlenstoffmärkte wieder groß an der Tagesordnung, was darauf hindeutet, dass die Regierungen nach wie vor davon ausgehen, dass sie sich aus der Klimakrise befreien können, anstatt sich kurzfristig zu einer drastischen Reduzierung der Emissionen zu verpflichten. Die wirklichen Lösungen waren nie ein Teil des Abkommens, wie die sofortige Beendigung der Subventionen für fossile Brennstoffe, der Übergang zu diversifizierten agroökologischen Lebensmittelsystemen, die Verlagerung unserer Volkswirtschaften und die Planung einer globalen Verlagerung auf 100 Prozent erneuerbare Energien.

Ich denke, der Kern des Widerspruches im Pariser Abkommen ist den meisten Beobachtern offensichtlich. In der Konvention benutzte man viele schöne Worte zum Thema „weitgehende Reduzierung der globalen Emissionen“ oder „nachhaltige Verbrauchs- und Produktionsmuster“, jedoch wurden die systemischen politischen und wirtschaftlichen Ursprünge der Umweltkrise im Wesentlichen vernachlässigt. Während die Regierungen ein Klimaabkommen aushandelten und sich dazu verpflichten, die Reduzierung der Emissionen ihres Landes zu beschleunigen, handelten sie auch weiterhin geheime und umweltschädliche Handelsabkommen aus, wie die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Den durchgesickerten Dokumenten zufolge hat die Europäische Union alle Diskussionen in den Pariser Gesprächen über Maßnahmen, die den internationalen Handel einschränken könnten, blockiert, und wie wir wissen, zielen viele der plurallateralen Abkommen, die hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden, auf eine erhebliche Zunahme der Importe und Exporte fossiler Brennstoffe ab.

Ein klarer Widerspruch ist auch darin zu sehen, dass sich der UN-Klimaprozess nur auf die Nachfrage bezüglich des fossilen Brennstoff Verbrauches konzentriert, seine Produktion jedoch nicht berücksichtigt. Es war also nicht überraschend, dass das Pariser Abkommen nichts über die immensen Ausgaben für Subventionen für fossile Brennstoffe sagte, die jetzt im Bereich von 5 Billionen US-Dollar liegen. Ebenfalls war es nicht überraschend, dass die Idee, fossile Brennstoffe im Boden zu behalten, nicht einmal erwähnt wurde in der endgültigen Vereinbarung, trotz der enormen Kampagnen und des öffentlichen Drucks in Bezug auf dieses Thema. Ebenfalls wurde die Umweltverschmutzung, die von internationalen Transporten verursacht wird, gänzlich vom Abkommen weggelassen. Eigentlich undenkbar, wenn man den globalen Emissionsbeitrag der Schifffahrts- und Luftfahrtindustrie in den kommenden Jahrzehnten bedenkt.

Für den wohlwollenden Normalbürger, der versucht, diese byzantinischen Klimaverhandlungen zu verstehen, sollte die eindeutige Schlussfolgerung sein, dass wir unseren Staatsoberhäuptern nicht vertrauen können, deren Tagesordnung, so wie ich sie beschreibe, von den Kräften der Kommerzialisierung überschattet wird. Genauso wie wir nicht wissen, was hinter den verschlossenen Türen von dunklen und hinterhältigen Handelsgeschäften wie dem TTIP passiert, weiß ebenfalls kein Mensch was im Unternehmenszirkus des COP-Prozesses wirklich diskutiert wird. Ich bezeichne diese Regierungschefs oft als unsere politischen Buchhalter, denn sobald sie nach Hause gehen, werden sie sofort mehr Verträge für große umweltverschmutzende Unternehmen unterzeichnen, deren Interessen sie ausnahmslos vertreten.

Wenn wir unsere eigene Regierung in Großbritannien als Beispiel nehmen, haben sie das Pariser Abkommen mit großem Interesse unterzeichnet, jedoch kam bereits am nächsten Tag die Ankündigung, dass Subventionen für erneuerbare Energien umfassend gekürzt werden. Eine Kehrwende, die weitere neue Gebiete in Großbritannien für Fracking freigab, darunter auch Nationalparks und Wildschutzzonen. Präsident Obama hat auch ein 40-jähriges Verbot von Rohölexporten wenige Tage nach der Vereinbarung des Pariser Klimaabkommens verabschiedet, das ein enormes Geschenk für die Ölindustrie darstellt und die Kohlenstoffemissionen weiter verschärfen wird. Wer kann also leugnen, dass diese politischen Buchhalter in unseren Regierungen vollständig von der Ideologie ungezügelter Marktkräfte geleitet werden? Daher kann man ihnen nicht vertrauen, dass sie bei einem so wichtigen Thema, wie der Rettung des Planeten, in unserem Namen handeln.

Was kann die normale Bevölkerung angesichts dieser festgefahrenen Marktkräfte und mächtigen Interessenbindungen tun, um die Regierungspolitik in die richtige Bahn zu lenken?

Das ist die Zeit, in der Aktivisten und engagierte Bürger kontinuierlich massive Demonstrationen und direkte Aktionen organisieren müssen, um die Regierungen dazu zu zwingen, vorrangig auf eine CO2-freie Wirtschaft umzusteigen. Wir müssen die gesamte Öffentlichkeit einbeziehen und die Notwendigkeit eines raschen sozialen Wandels erfassen, wie ein riesiger Boykott des Konsums, der die Idee von Business as usual verkörpert. Die inspirierenden Protestaktionen, die wir während der Klimaverhandlungen in Paris gesehen haben, sind genau das, was stattfinden muss - jedoch noch in einem weitaus größeren Maßstab und in allen Städten.

Jetzt ist die Zeit, wo wir ununterbrochen auf der ganzen Welt protestieren sollten. Nicht nur ein- oder zweimal im Jahr, oder nur während Konferenzen der Vertragsstaaten. Die kumulierten Gesamtemissionen sind im neuen Jahrtausend mit einer beispiellosen Rate angestiegen, und wie gerade erörtert, ist es naiv oder töricht zu glauben, dass die Staats- und Regierungschefs der Welt wirksame Abhilfemaßnahmen ergreifen werden, ohne den Druck der globalen Öffentlichkeit. Wir sollten auch nicht vergessen, was nach dem internationalen Börsencrash im Jahr 2008 passierte, als die Regierungen die Umweltprobleme vom Tisch fegten, um kollabierende Banken zu retten und um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Was wird wohl passieren, wenn es erneut zu einer ernsthaften globalen Finanzkrise kommt, wie bereits von vielen leitenden Analysten vorhersagen wird?

Wenn wir das Ausmaß der Umweltprobleme, mit denen wir konfrontiert sind, ganzheitlich betrachten, ist klar, dass riesige und ständige Demonstrationen auf der ganzen Welt die einzige Lösung für eine Neuordnung der Prioritäten der Regierungen sind. Es ist nicht so, dass wir als Öffentlichkeit von unseren Regierungen abhängig sind - tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Regierungen sind von dem gegenwärtigen Mangel an öffentlichem Engagement abhängig, damit sie weiterhin wichtige Unternehmens- und Finanzinteressen priorisieren können. Aus einer anderen Perspektive haben die Staats- und Regierungschefs der Welt ihren Teil dazu beigetragen, indem sie zusammenkamen und das Kernziel einer Temperaturgrenze von 1,5 ° C vereinbart haben. Jetzt liegt es an der Öffentlichkeit, jeden Tag und jede Nacht zu demonstrieren, bis angemessene Maßnahmen ergriffen werden, um die notwendigen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen zu erreichen.

Es ist auch beachtlich, dass jede große Demonstration in Bezug auf die Umwelt nicht nur Lärm verursacht der von Regierungen gehört wird, sondern auch dazu beiträgt die Öffentlichkeit zu informieren und ein breiteres Bewusstsein für die Umweltkrise zu schaffen. Das hat eine starke Wirkung. Die Medien spielen in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle um die Öffentlichkeit aufzuklären, und wenn sie ständig über die Notwendigkeit eines sozialen Wandels sprechen, um eine Klimakatastrophe abzuwenden, kann es passieren, dass es angesichts der Untätigkeit unserer Regierungen, zu enormen weltweiten Demonstrationen führen wird. Natürlich agieren die Mainstream-Medien nur selten auf diese Weise und mit wenigen Ausnahmen. Vor der Kopenhagen Konferenz 2009 gab es so ein Beispiel, wo die Medien mit vereinter Stimme sprachen und viele von ihnen auf der Titelseite die Regierungen aufforderten die Last zur Bekämpfung des Klimawandels gerechter zu verteilen.[2]

Im Allgemeinen haben die Massenmedien jedoch ihre entscheidende Rolle nicht erfüllt, um die Menschen über das tatsächliche Ausmaß und die Dringlichkeit der Bewältigung der Klimakrise aufzuklären. Im Gegenteil, die meisten Medien sind zu sehr damit beschäftigt, falsche Propaganda für ihre gesellschaftlichen und politischen Wohltäter zu verbreiten, wenn sie das Thema nicht sogar völlig ignorieren. Auch in Großbritannien beispielsweise, brachte keine der Boulevardzeitungen - die von der Mehrheit der Öffentlichkeit gelesen werden - am Tag nach der Einigung des „historischen“ Klimaabkommens in Paris eine Titelstory. Dies ist jedoch ein Thema, das das zukünftige Überleben der Menschheit bestimmen kann und grundlegende Änderungen des Systems und des Lebensstils und schließlich die Zusammenarbeit und Beteiligung Aller erfordert.

In den letzten Monaten und Jahren haben abertausende von Menschen an einer weltweiten Welle von Aktionen teilgenommen, um fossile Brennstoffe im Boden zu halten und mit der Forderung nach einem gerechten Übergang zu einer Ära der sauberen Energie. Sehen Sie dieses Wiederaufleben von Kundgebungen, Protesten und zivilem Ungehorsam als Zeichen dafür, dass die Öffentlichkeit zur Realität der Klimakrise erwacht, oder ist es noch ein langer Weg, bis wir die Art von breiten sozialen Bewegungen sehen, die Sie sich vorstellen?

Einerseits haben wir ein Klimaabkommen, das nicht ehrgeizig genug ist. Andererseits haben wir eine globale Öffentlichkeit, die nicht ehrgeizig genug ist. Zum Beispiel versammelten sich im September 2014 rund 400.000 Menschen auf den Straßen von New York City und forderten kühne Maßnahmen von den Regierungen zur Bewältigung der Klimakrise. Das stellte den größten Klimamarsch in der Geschichte der USA dar. Aber es gibt mehr als 300 Millionen Menschen in Amerika. Man könnte also sagen, dass während 400.000 Menschen protestierten, es gleichzeitig Hunderte von Millionen Menschen gab, die damit beschäftigt waren, zu konsumieren. Gleiches gilt für Dutzende anderer Länder, in denen in letzter Zeit große Klimamärsche stattgefunden haben, die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung relativ klein bleiben. In der Tat kommt die größte Gefahr für die Umwelt nicht nur von umweltverschmutzenden Unternehmen oder ihren Regierungen; es ist auch die Selbstgefälligkeit oder schiere Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit im Allgemeinen.

Sicher, es gibt viele engagierte Aktivisten, die sich mit Reife und Intelligenz für die Notwendigkeit einsetzen, fossile Brennstoffe im Boden zu halten, auf dezentrale und erneuerbare Energiequellen umzusteigen, eine lokalere und ökologisch belastbarere Wirtschaft zu entwickeln und die Gemeingüter von Unternehmensanlagen zu schützen und so weiter. Aber es sind vergleichsweise wenige Menschen, die versuchen eine Tätigkeit zu vollbringen, die die Unterstützung der gesamten Bevölkerung erfordert. Sie versuchen auf eigene Faust, die Arbeit für alle anderen zu erledigen, was keinen Sinn ergibt, wenn man die Warnungen der Wissenschaftler hört, die uns sagen, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern.

Diese sehr wenigen Aktivisten tun was sie können, um die Welt zu retten - der Rest lässt sich am besten als Konsumentenbürger beschreiben, die die Probleme der Welt anderen Menschen und ihren Regierungen überlassen. Wir können also beobachten, dass die Regierung von den Kräften der Kommerzialisierung geleitet wird, während der Verbraucher von seiner eigenen Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit geleitet wird. In dieser ermüdenden und bedrückenden Realität ist es verständlich, dass sich viele aktive Menschen guten Willens erschöpft und überfordert fühlen, wenn sie versuchen, für das Wohl der ganzen Menschheit zu kämpfen.

Umweltaktivisten sollten sich jedoch einer weiteren Tatsache bewusst sein: Es war zu einem großen Teil ihre Tätigkeit und die weltweiten Demonstrationen, die die führenden Politiker der Welt dazu veranlassten, in Paris ein allgemeines Abkommen zu erzielen, vor allem angesichts der öffentlichen Empörung, als das Klimaabkommen in Kopenhagen scheiterte. Die scharfe Kritik von Papst Franziskus in Bezug auf Ungleichheit und Überkonsum, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der die Staats- und Regierungschefs der Welt dazu aufgefordert hat, die Stimme des Volkes zu hören. Die Aufforderung des Papstes in Bezug auf die Umweltkrise, sollte von den Gläubigen und Agnostikern gleichfalls ernst genommen werden. In seinem kürzlich erschienenen Enzyklika-Brief brachte er ein wirksames Argument in Bezug darauf, dass wir die Ressourcen der Welt teilen müssen, wenn wir die Umweltkrise lösen wollen.

Was der Papst im Wesentlichen anerkennt, ist, dass wir unsere ökologischen Probleme nicht bekämpfen können, wenn wir nicht auch die enormen Diskrepanzen im Lebensstandard auf der ganzen Welt bekämpfen, was ein Gefühl der globalen Solidarität und Interdependenz erfordert, das in menschlichen Angelegenheiten leider fehlt. Seine Enzyklika macht deutlich, dass die Verantwortung für die Umgestaltung der Gesellschaft nicht nur bei etablierten Politikern liegt, die tendenziell von starken finanziellen Interessen getrieben werden und in der Regel keine umfassende Vision haben. Die eigentliche Verantwortung liegt bei uns allen, unsere soziale Konditionierung zu überwinden, die einen verschwenderischen und von Konsum getriebenen Lebensstil aufrecht erhält, anstatt eine neue Einstellungen zum Leben zu entwickeln, die die materialistische Denkweise und das vorherrschende „techno-ökonomische Paradigma“ ablehnen. [3] Ich schlage vor, dass es damit beginnen kann, dass wir uns mit den Millionen von Menschen zusammenschließen, die für eine einfachere, vernünftigere und gerechtere Welt eintreten.

Während der Gespräche in Paris bemerkten viele Aktivisten die immense Kluft zwischen den dringenden Forderungen der Zivilgesellschaft und der Realität jener „politischen Buchhalter“, wie Sie sie nennen, die die Interessen der Reichen und Mächtigen konsequent vor die Interessen der verletzlichsten oder in der Tat der gesamten Menschheit stellen. Wie denken Sie kann sich diese Kluft verringern, falls wir erfolgreich zu einer nachhaltigen Wirtschaft übergehen - sagen Sie, dass sich die Gruppen der Zivilgesellschaft mit einer Stimme vereinigen müssen, um den politischen Willen zu erzeugen, der für einen vollständigen Übergang zu erneuerbaren Energien erforderlich ist?

Unsere soweit geschilderte Vision eines fairen Klimaschutzabkommens wird niemals erfolgreich sein, solange diese politischen Buchhalter die Regierungsgewalt in den Regierungen ausüben, und selbst wenn sie schließlich solche gesunden Vorschläge annehmen, wird dies sehr lange dauern. Und Zeit ist genau das was wir nicht haben, wenn wir eine Treibhausgaskonzentration von 350 ppm in der Atmosphäre aufrechterhalten müssen, und bereits alarmierende 400 ppm überschritten sind. Den Klimaforschern ist klar, dass das nächste Jahrzehnt von entscheidender Bedeutung ist, um die globale Erwärmung einzudämmen, aber es scheint, dass wir eine Sackgasse erreicht haben, wenn Sie die scheinbar unüberbrückbare Kluft zwischen politischem „Realismus“ und der Notwendigkeit einer raschen ganzheitlichen Transformation betrachten.

Viele Menschen glauben, der Weg in die Zukunft ist für soziale Bewegungen, Umwelt- und Entwicklungs-NGOs und alle fortschrittlichen Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich zu einer gemeinsamen Front zusammenschließen die Regierungen dazu aufzufordern, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben zu diesem Zweck viele Initiativen und Manifeste gesehen, die alle kommen und gehen und im Allgemeinen nur sehr wenig bewegen. Leider werden diese Initiativen nur funktionieren, wenn eine große Mehrheit der Öffentlichkeit diese Gruppen durch massive Proteste und friedliche direkte Aktionen unterstützt, an denen buchstäblich Hunderte von Millionen Menschen teilnehmen. Bedauerlicherweise sind wir derzeit weit davon entfernt.

Es könnte sich sogar nachteilig auf die Arbeit vieler NRO auswirken, wenn sie all ihre Energie in den Kampf für staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels stecken, da es auf der ganzen Welt so viel Ungerechtigkeit und Leiden gibt, dass die unterschiedlichen Organisationen und ihre Anliegen zu diesem Zeitpunkt dringend benötigt werden. Ich sehe, dass ihre Arbeit auf der gleichen Energielinie liegt wie die der Regierungen und multinationalen Konzerne, wo man die falschen Trends in Richtung weiterer Kommerzialisierung, sozialer Spaltung und Umweltzerstörung verschärft, während die NRO in die andere Richtung ziehen und versuchen die daraus resultierenden Schäden zu lindern. Es ist wahrlich ein Kampf, aber ein Kampf, der viele verschiedene Richtungen einnimmt, so dass alle NRO ihre kollektiven Bemühungen nicht harmonisieren können, wenn sie damit mehr als ausgelastet sind, auf ihre eigene Art und für ihre eigene Sache zu kämpfen.

Daher ist es falsch zu denken, dass NRO und zivilgesellschaftliche Gruppen, im gegenwärtigen Kontext einer weit verbreiteten öffentlichen Apathie und Trägheit, gemeinsam den Weg weisen müssen. Es ist sogar eine selbstgefällige Art des normalen Bürgers, das Problem aus dieser Sicht zu betrachten, denn es ist die Öffentlichkeit als Ganzes, die die Schwere der Situation der globalen Ungerechtigkeit und der Umweltzerstörung erkennen muss. Dann wird die Öffentlichkeit die NRO ermächtigen, bis ihre gemeinsamen Stimmen so laut werden, dass die Regierungen gezwungen sind, ihren Rat zu befolgen. In diesem Sinne wird die Unterstützung der Öffentlichkeit symbolisch die Tatsache darstellen, dass NRO in ihren unterschiedlichen Zielen vereint sind.

 

Teil II: Das innere und äußere CO2

Wie erklären Sie die Haltung jener einflussreichen Führer und Führungskräfte, die weiterhin von der Klimakrise profitieren und fossile Brennstoffindustrien fördern trotz eines allgemein wachsenden Konsenses, dass die fossilen Brennstoffe im Boden bleiben sollten?

Wenn wir ganzheitlich bewerten, was wir wirklich erleben, können wir einen Krieg beobachten, der zwischen dem neuen und dem alten Zeitalter vor sich geht, der einerseits durch divergierende linke und rechte Politik zum Ausdruck kommt und andererseits durch zunehmend polarisierende Perspektiven mit loyal progressiven und reaktionären Haltungen. Wir erleben auch zunehmende soziale Spaltungen und globale Konflikte, die durch extreme und sich zuspitzende Ungleichheiten auf nationaler und globaler Ebene verursacht werden. Inmitten dieser eskalierenden Krisen und Verwirrungen ist es für den Durchschnittsbürger schwierig, das Bewusstsein von Milliardären, wie den Koch-Brüdern, zu erfassen, die mit nichts davor zurückschrecken ihre fossilen Brennstoff-Imperien durch aktive Lobbyarbeit zu unterstützen und den Klimawandel zu verleugnen.

Diejenigen, die von der Zerstörung der Erde profitieren, werden nie das Umweltbewusstsein derjenigen verstehen, die gegen sie kämpfen, wie die Aktivisten, die sich gegen die Keystone XL-Pipeline aussprachen, oder jene, die gegen fossile Brennstoff Investitionen kämpfen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der niemand die Denkweise derjenigen verstehen kann, die von der heutigen Klimakrise profitieren, einschließlich der Politiker, die sich zu einem ehrgeizigen Klimaabkommen bekennen, während sie weiter hinter verschlossenen Türen neue Verträge mit umweltverschmutzenden Unternehmen verhandeln. Anstatt zu versuchen, die Absichten dieser selbstsüchtigen Menschen zu verstehen, die das Zeitalter einer vergangenen Epoche repräsentieren, sollten wir vielmehr versuchen, die Denkweise der Umweltaktivisten zu verstehen, die für unsere gemeinsame Zukunft kämpfen und sie möglichst zügig dabei unterstützen.

Angesichts der Tatsache, wie klar die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gründe für eine Verlagerung der Gesellschaft hin zu 100% erneuerbaren Energien und einer weniger ressourcenintensiven Lebensweise sind, mag es für manche Menschen tatsächlich rätselhaft erscheinen, warum ihre Regierungen die notwendigen Maßnahmen nicht ergreifen, um diese großen Gesellschaftstransformationen zu steuern. Obwohl fortschrittliche Denker diesen Mangel an ausreichenden politischen Maßnahmen, im Hinblick auf die durch das gegenwärtige Wirtschaftssystem und seine ideologische Dominanz auferlegten Beschränkungen, erklären können, spielt sich hinter den Kulissen etwas viel tiefgründigeres ab, was nicht nur auf die theoretische Analyse der wirtschaftlichen Globalisierung oder den Neoliberalismus beschränkt werden kann.

Esoterisch oder spirituell gesehen, ist es so, dass neue Wirkungskräfte rasant in die Welt eintreten und unsere Institutions-Politiker haben nicht die Intelligenz oder den Anstand zu erkennen, dass die alten konkurrierenden, korrupten und machthungrigen Modi der Vergangenheit zu Ende gehen. Die extremsten Befürworter dieser alten Vorgehensweisen reden von nichts anderem, als ihre Länder noch einmal großartig zu machen, im Kampf um die Macht durch Ismen des linken oder rechten Flügels, wodurch letztendlich die Manifestation des guten Willens und die Zusammenarbeit zwischen den Nationen zurückgehalten wird. Wie immer trifft es die Armen und die Umwelt, die folglich dieser ignoranten Haltung zum politischen Kollateralschaden werden.

Leider ist es heutzutage sehr selten, weise Männer und Frauen in der politischen Mitte zu finden, die bewusst oder intuitiv wahrnehmen, dass es für die Politiker an der Zeit ist, diese neuen Energien, die in die Welt eindringen und die zu einer wirtschaftlichen und politischen Transformation inspirieren, und die auf Teilen, Gerechtigkeit und richtigen menschlichen Beziehungen beruhen, zu beherzigen. Letztendlich ist der ursächliche Faktor, also die Wurzel des Klimawandels, eine Frage des menschlichen Bewusstseins oder der Wahrnehmung. Dieses Problem steht in engem Zusammenhang mit all den ineinandergreifenden Krisen, die unsere Zeit definieren und die im Wesen ihrer Natur geistig sind.

Ich finde das sehr interessant und möchte gerne genauer erforschen was Sie damit meinen, wenn Sie sagen, dass der Klimawandel geistig in seiner Natur ist und sich aus Problemen des menschlichen Bewusstseins ergibt. Hat es für den progressiven Denker und engagierten Bürger einen Wert, sein spirituelles Verständnis vom Leben mit den politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fragen in Einklang zu bringen? Dies scheint ein wichtiges Thema Ihrer fortlaufenden Arbeit, den Studien über das Prinzip des Teilens, zu sein, die die Probleme der Menschheit aus geistiger oder esoterischer Perspektive untersucht.

Sie steuern mich in diesem Interview in eine völlig neue Richtung, mit einer ganz anderen Art von Energie und Dynamik. Doch mache ich das gerne, denn es ist nicht mein Hauptanliegen Kommentator zu den politischen Details der COP-Verhandlungen oder anderen UN-Gipfeln zu sein, sondern dabei behilflich zu sein, einen globalen Aufstand der Öffentlichkeit wachzurufen, auf der Basis von einem spirituellen Verständnis unserer globalen Zusammengehörigkeit, auf die ich mich oft als „die eine Menschheit“ beziehe. Die Schnittstelle von Politik und Spiritualität wird in den meisten Aktivistenkreisen nur wenig diskutiert oder verstanden, auch wenn ein Bewusstsein für die innere Seite des Lebens zwingend notwendig ist, wenn wir die Realität erfassen wollen und wie ein gerechter Übergang zu einem nachhaltigen Wirtschaftssystem tatsächlich geschehen kann.

Wie schon erwähnt, ist es unwahrscheinlich, dass sich die ideologischen Vertreter der alten politischen Denkweise, basierend auf Machtwirtschaft, Wettbewerb und egoistischem Erwerb von Ressourcen, für eine Lehre interessieren, wie man die Welt mit geballtem guten Willen und einer wahren Erziehung die auf Selbsterkenntnis beruht, transformieren kann. Aber wir haben eine Zeit erreicht, in der die intelligenten Befürworter für eine bessere Welt -  und vor allem die Jugend - dazu aufgefordert werden, die politischen Themen mit einer ganzheitlicheren, inklusiven oder geistigen Wahrnehmungsfähigkeit zu sehen, deren Eigenschaften im Bewusstsein des Herzens verankert sind.

Wenn wir ernsthaft daran interessiert sind, die tieferen spirituellen Auswirkungen der globalen Ressourcenteilung zu verstehen, dann müssen wir lernen, wie wir dieses „neue Verständnis des Herzens“ in unsere Lobbyarbeit und in politische Theorien einbauen können. Es bedeutet nicht, dass wir unsere vielfältigen guten Aktionen für soziale und ökologische Gerechtigkeit aufgeben müssen oder damit beginnen, bestimmte esoterische Philosophien neben unseren politischen Beschäftigungen zu lesen. Es gibt viele spirituelle Lehren, die sehr lohnend sind. Aber in unserer geteilten und vermarkteten Welt geht es mehr darum, für uns selbst die Bedeutung der richtigen menschlichen Beziehung zu erkunden, was in unseren aktuellen Aktivitäten nur hilfreich sein kann und ein tieferes Verständnis dafür mit sich bringt, wie die Gesellschaft als Ganzes verändert werden muss. Daher geht es mir in erster Linie darum, wie gewöhnliche Menschen guten Willens einen anderen Weg in ihrem Denken einschlagen können, und zwar mit einer Energie, die vom Herzen ausgeht und einem neuen Bewusstsein von der Interdependenz der gesamten Menschheit.

In Bezug auf Umweltfragen können wir uns das als „inneres und äußeres CO2“ vorstellen, oder als zwei unterschiedliche, aber miteinander zusammenhängende Formen der Umweltverschmutzung, die die Nachhaltigkeit unseres Planeten in Zukunft bedrohen. Die äußere Verschmutzung, die sich auf die äußere Atmosphäre und die natürliche Umwelt bezieht, wird bereits ausgiebig diskutiert. Das größere Problem jedoch ist die innere Verschmutzung, die die Aktivitäten der Menschheit im Laufe der Jahrtausende bestimmt hat, mit ihrem Höhepunkt in unserer heutigen Zivilisations- oder geistigen Krise. Mit anderen Worten - Gier, Egoismus, grober Ehrgeiz, Arroganz, Selbstgefälligkeit, Gleichgültigkeit, Vorurteile, Hass und so weiter, sind die inneren Haltungen und Absichten, die unser kollektives Schicksal geprägt haben und zu weiteren tragischen Auswirkungen auf die Umwelt führen, wie wir überall sehen können. Das äußere CO2 kommt nicht von selbst, es ist eindeutig die Folge des inneren CO2, welches unser Denken und Handeln bestimmt, vom Individuum bis hin zu nationalen und internationalen Regierungsebenen.

Daher ist es letztlich unmöglich, allein im Kampf gegen die äußeren Aktivitäten von großen Unternehmen und Regierungen, eine sichere und ausgewogene Umwelt zu bewirken, wenn die vorherrschenden "inneren" Werte unserer Gesellschaft weitgehend im materialistischen und egozentrischen Denken verharren. Wie können wir den globalen Temperaturanstieg auf unter 1,5 ° C begrenzen, wenn das Streben nach Profit, Macht, Reichtum und Luxus – wie in den Absichten von unzähligen Millionen Individuen bereits erkennbar ist - uns in Richtung einer Überhitzung von 4° C oder sogar noch höher treibt? Doch nur die reiferen Umweltschützer beschäftigen sich mit dieser Frage, wie man die innere Haltung des Menschen verändern kann. Das beginnt allmählich sich im Denken der Zivilgesellschaften widerzuspiegeln, zum Beispiel: wie wichtig kulturelle Werte sind, um soziale Veränderungen zu beeinflussen.

Wie können wir konkret davon profitieren, wenn wir die Auswirkungen des „inneren CO2’s“ und der gesellschaftlichen Interdependenz zu verstehen versuchen, insbesondere im Hinblick auf die globale Umweltkrise?

Wir sprachen zuvor über die mysteriös wirkenden Hintergründe, warum Regierungen und große Unternehmen sich nicht mehr mit der Klimakrise befassen, wie z.B.: die fossilen Brennstoffe im Boden zu lassen und dringend auf saubere Energie in der Welt umzusteigen. Um diese Frage wirklich begründen zu können, reicht es nicht uns auf „äußere“ Erklärungen zu stützen, um eine systematische Analyse zu erstellen, was am Kapitalismus falsch ist und wie das Wirtschaftssystem verändert werden muss, sondern wir müssen auch die inneren und/oder psychologischen Ursachen dieses Problems untersuchen. Vor allem die Notwendigkeit, wie der Mensch sich selbst verändern muss.

Diese Denkrichtung hat für denjenigen einen Wert, der sich mit dem tieferen spirituellen Wesen dieser planetaren Krise auseinandersetzt. Es verlangt von uns, dass wir lernen, die Probleme der Menschheit aus einem holistischeren Bewusstsein heraus zu betrachten, wobei sich unser Herz und unser Verstand übereinstimmend verbinden. Dabei sollte man beachten, dass das Herz und seine Attribute nie kompliziert sind, sondern auf die einfachste Weise verstanden werden können, was zum Teil erklärt, warum ein „inneres“ Bewusstsein für die Weltproblem bei den Intellektuellen und abgehärteten politischen Aktivisten schwer ankommt.

Wenn wir diese herzverbundene Art des Denkens in Übereinstimmung mit dem obigen Beispiel annehmen, werden wir erleben, dass eine Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien und einen einfacheren Lebensstandard mit geringem Aufwand und in kurzer Zeit erreicht werden kann. Es ist nicht eine Frage des politischen Willens, sondern eine Frage von aufgewendeter Liebe. Denn wenn man alle menschlichen Absichten erkennt, die sich zum Beispiel hinter den äußeren Aktivitäten der industriellen Fischerei und der Agrarindustrie verbergen, oder dem Abbau des Regenwaldes, Tagebau und Abtragung von Bergen, ist da eindeutig nicht Liebe im Spiel oder Ehrfurcht gegenüber der Natur; nein, es handelt sich um Geld und Profit, die auf konformen Marktkräften beruhen und deren vielseitigen finanziellen Anreizen.

Der Ausdruck "Liebe", sollte sich hier nicht in einem oberflächlichen Gebrauch erschöpfen; beispielsweise, dass wir nett zueinander sind und in Frieden mit der Natur leben. Was uns wirklich interessiert, sind die zugrundeliegenden psychologischen Ursachen von sozialer Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung, in der die Zerrüttung unserer Gesellschaft ihren Ursprung hat. „Liebe“ bedeutet in den einfachsten spirituellen Lehren und im psychologischen Sinne „keinen Schaden zufügen“, während gerade die Absicht, die sich hinter dem Antrieb für Geld und Gewinn verbirgt, in jeglicher Hinsicht  schädlich ist, sowohl gegenüber anderen, als der Umwelt und uns selbst gegenüber.

Würde die Unternehmensleitung eines gewaltigen Teersandbetriebs sich in einer wunderschönen und einsamen Gegend bewegen, würde sie diese natürliche Umgebung vermutlich nicht zerstören, wenn sie von einer Haltung der Liebe und Ehrfurcht für alles, was auf dieser Welt existiert, motiviert wäre. Sie würde eher geneigt sein etwas anderes mit ihrem Leben anzufangen, etwas Heilendes, Aufbauendes, anstatt die Zerstörung der Umwelt zu verschärfen. Wenn man die Weltprobleme mit einem inneren Bewusstsein analysiert, ist der einzige Grund warum einzelne Menschen durch ihre Aktivitäten riesige Gewinne machen können, dass sie keine Selbstkenntnis besitzen oder wahrnehmen, was sie wirklich in ihrem Inneren fühlen, in Bezug auf die wahre spirituelle Realität des inneren Selbst; denn es ist der Mangel an Selbstkenntnis und Bewusstsein, der all unseren Problemen am Ende zugrunde liegt.

Für viele Menschen mag es eine hohe Anziehungskraft besitzen, die Weltkrise aus einer so lebenswichtigen und geistigen Sicht zu überprüfen, aber können Sie noch klarer beschreiben, welchen praktischen Nutzen der progressive Aktivist oder Wissenschaftler daraus ziehen kann, die vielfältigen Prozesse und Aktivitäten mit dem Herzen zu überdenken? Was bedeutet diese Linie der Untersuchung tatsächlich für diejenigen, die sich nach einer besseren Welt sehnen und dafür kämpfen?

Um ihnen zu helfen, diese Frage für sich selbst zu beantworten, nehmen sie den Ausdruck „politischer Wille“ und reflektieren eine Weile und sie werden feststellen, dass diese Phrase selbst ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit erzeugt oder sogar Verzweiflung, denn er ist getrübt von der Illusion, dass die gegenwärtige Ordnung der Dinge unveränderlich ist und ohne Alternative. Der Krieg, den wir heute erleben zwischen der alten und neuen Ordnung, wie schon besprochen, gehört zur Etymologie des „politischen Willens“ der alten Ordnung, der Zeit des Kalten Krieges. Und noch weiter zurück zu den klassischen Ökonomen wie John Locke und Adam Smith. Es bedeutet von Natur aus, dass Veränderung nur von oben kommen kann, durch die Aktionen unserer politischen Führer und jenen mit Macht und Einfluss. Jene, die mit ausreichendem Druck der Öffentlichkeit, also denen von unten, eventuell ein kleines Zugeständnis machen zum Nachteil der Eliten.

Lassen Sie uns im Kontrast zu „politischer Wille“ den Ausdruck „Liebe in Aktion“ nehmen, und versuchen wir uns vorzustellen was das bedeutet in Bezug auf die kritische Weltlage. Einer ist für die Zukunft, für die neuen Kräfte und vereinigenden Energien, die rasch in die Welt eintreten, während der andere die alte Ordnung und Institutionen repräsentiert, die jetzt schnell inmitten des Chaos der ineinandergreifenden systemischen Krisen auseinanderbrechen. Daher, was wir heute am meisten brauchen, ist nicht der bloße "Wille" unserer Regierungen, um notwendige Maßnahmen zu ergreifen - was bedeuten würde unsere politischen Buchhalter, die derzeit unsere Nationen leiten – zu bitten, die Welt in unserem Namen zu retten. Was wir brauchen ist die Manifestation der Liebe und Weisheit in der Welt, denn wenn die Energie der Liebe der vorherrschende Beweggrund hinter den gesamten Aktionen der Menschheit wäre, dann würde es so etwas wie politische Buchhalter nicht geben, noch wären die politischen Aktivisten ein Thema. Wie ich schon sagte, kann der Atheist nicht ohne den Gläubigen existieren, und als parallele Analogie kann der politische Aktivist nicht ohne einen Mangel an Liebe nicht in der Welt existieren.[4]

Ich behaupte nicht, dass der politische Aktivismus im Licht unserer eskalierenden sozialen und ökologischen Turbulenzen irgendwie sinnlos oder verfehlt ist in seiner jetzigen Form, ganz im Gegenteil. Aber wenn wir selbst wahrnehmen wollen, was "Liebe" wirklich bedeutet, auf einem Planeten mit reichlich Ressourcen, auf dem Millionen von Menschen in Armut sterben, auf dem das Problem der vom Menschen verursachte Klimawandel ist und sich einem katastrophalen Höhepunkt nähert, wo kaltblütiger Diebstahl und Hass grassiert in international Angelegenheiten– dann müssen wir einfach unser angeborenes Mitgefühl und unseren gesunden Menschenverstand aufrufen. Was wir beobachten ist so banal, dass es eigentlich weise ist, denn die Wahrheit des Herzens ist immer schlicht und einfach. Die Liebe im Kontext zu den heutigen Weltproblemen ist eng mit der Notwendigkeit der Loslösung verbunden; Loslösen von Gier, von Egoismus, von den alten Wegen des aggressiven Wettbewerbs, Umweltzerstörung und legitimiertem Diebstahl.

Um die praktischen Vorteile dieser inneren Perspektive und dieses Bewusstseins zu verstehen, sollten wir die scheinbar geheimnisvolle Frage erneut überdenken: Was hält unsere Gesellschaft davon ab, auf saubere und ökologisch nachhaltige Energie umzusteigen, mit einem weltweit gerechteren Lebensstandard, in Anbetracht, wie einfach und schnell dieser Übergang erreicht werden könnte? Um es zu wiederholen - im spirituellen und psychologischen Bereich ist die Antwort nicht kompliziert - es ist einfach immer nur ein Mangel an Liebe. Denn ohne die Manifestation der Liebe in dieser Welt, ohne das Erwachen des spirituellen Herzzentrums der gesamten Menschheit, ist jeder Gedanke an eine mehr aufgeschlossene und soziale Gesellschaftsordnung verfehlt. Wir sprechen von Liebe, die von der Bevölkerung in ihrer Mehrheit akzeptiert und angenommen wird. Jede Politik, die von oben aufgezwungen wird, um die Verbrauchswerte oder Ressourcenteilung zu begrenzen, wird unweigerlich zurückgewiesen, bekämpft und schließlich abgelehnt werden. Können wir uns wirklich vorstellen, dass eine solche Politik von unseren gegenwärtigen Regierungen durch Gesetze erlassen wird?

Was das für uns persönlich bedeutet, ist sehr relevant, wenn wir diese Untersuchung auf die Frage der weltweiten sozialen Transformation anwenden. Als zum Beispiel die Vorbereitungen für den Irak-Krieg nach der Tragödie vom 11. September 2003 begannen, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf dieses eine Ereignis. Wie lange denken wir wird es dauern, bis die Welt auf die Gefahr einer außer Kontrolle geratenen Klimakrise dieselbe Beachtung bekommt? Mit demselben Maß an Reaktionsfähigkeit und Mitgefühl? Denn ganz sicher ist der Klimawandel mit seinen Auswirkungen noch wesentlich bedrohlicher! In ähnlicher Weise sollten wir überlegen was nötig ist, damit die Mainstream-Gesellschaft ihre gesamte Aufmerksamkeit der Realität des Welthungers widmet. Eine Krise, die mit den Umweltproblemen Hand in Hand geht und auch gelöst werden könnte, wenn umfassend Liebe eingesetzt würde. Aber wenn wir die grassierende Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit der Menschheit bedenken, wo so viele Menschen in ihrem komfortablen „Lebensstil“ nicht gestört werden wollen, kann die weitreichendere Bedeutung dieses inneren Bewusstseins nur unserer Intuition überlassen werden.

Es scheint eine wachsende Zahl von Individuen und Gruppen zu geben, die erkennen, dass eine spirituelle Antwort auf das Problem des Klimawandels nötig ist, eine, die auf neuen Meta-Narrativen, in Bezug auf unsere Verbundenheit und unsere Haltung zur Natur beruht, in Verantwortung und Ehrerbietung ihr gegenüber. Können Sie aus Ihrer Sicht den Ursprung der globalen ökologischen Krise von der inneren oder spirituellen Perspektive erklären, die Sie vage angeschnitten haben?

Seit vielen Jahrhunderten lebt die Menschheit in Illusionen, und jetzt wo diese Illusionen rapide zusammenbrechen, scheint die ganze Welt desorientiert und verwirrt zu sein, ohne einen klaren Weg nach vorne. Viele der Überzeugungen und Glaubensbekenntnisse, die die alten Denkweisen aufrechterhalten haben, werden nun durch neue wissenschaftliche und anthropologische Erkenntnisse in Frage gestellt, wenn nicht durch den einfachen, gesunden Menschenverstand. Dies würde auch die kulturell tief verwurzelte Überzeugung, dass Gier und Egoismus der treibende Faktor in der menschlichen Evolution ist, oder dass Wettbewerb und Ungleichheit die natürliche Gesellschaftsordnung ist, dass Krieg und Armut eine unabänderliche Tatsache des Lebens ist, bestätigen. Wir sind alle mit diesen Illusionen vertraut, die durch veraltete Überzeugungen aufrechterhalten werden, auch wenn wir ihren Irrtum innerhalb der eigenen Lebenserfahrung bereits wahrnehmen. Zum Beispiel: wer würde heute bereitwillig erklären, dass Reichtum der Schlüssel zum Glück ist, oder dass Macht und Erfolg die Belohnung für harte Arbeit, Konkurrenzfähigkeit und persönlichem Ehrgeiz ist?

Bildlich gesprochen, verhalten sich Politiker und Gesellschaftsunternehmen wie eine riesige Industrieanlage, die diese Illusionen ständig produziert, und zwar in einem solchem Ausmaß, dass sie eine Art unbeabsichtigtes, systematisches Verfahren entwickelt haben, welches ihnen erlaubt, wie gewohnt weiterzumachen. Und wenn die alten, bestehenden Illusionen nicht mehr funktionieren, werden dieselben einfach mit einer neuen Version ersetzt. Es ist aufschlussreich, in diesem Licht den Fokus auf Unternehmenstechnologien und marktorientierte Lösungen in der Bekämpfung des Klimawandels zu beobachten, als ob wir die Klimakrise mit der gleichen gewinnorientierten, konkurrierenden und materialistischen Mentalität lösen könnten, die in erster Line diese Krise geschaffen hat. Aus der Innenperspektive ist die Menschheit so durch die alten Illusionen konditioniert, dass wir uns weigern zu erkennen, dass die globalen Krisen – wie der massive Zustrom der Flüchtlinge und Migranten nach Europa, die wachsende Ungleichheit innerhalb eines Landes, oder in der Tat die Umweltkrise in ihrer Totalität – uns dazu zwingen, diese Realität wahrzunehmen und unsere ganze Lebenshaltung von Grund auf zu verändern. Aber die Menschheit scheint so unbelehrbar zu sein, dass sie weiterhin Geld, Macht und Erfolg nachjagen wird, auch wenn die Welt um sie im Chaos versinkt.

All diesen Illusionen unterliegt der Glaube, dass sich der Mensch von der Umwelt trennen könne, mit der Absicht Macht „über“ die Natur zu haben, indem er versucht, ihre Gesetze zu manipulieren und die von ihr freizügig gegebenen Früchte zu besitzen, anstatt zu versuchen, in einem einfachen, harmonischen und natürlichen Zyklus zu leben. Aber das sind sehr unbedeutende Kräfte, die der Mensch über die Natur entwickelt hat, wie beeindruckend es auch sein mag, dass wir für unsere enormen Städte, die im Luxus glänzen, die Reichtümer der Erde plündern können. Auch unsere fortschrittlichsten Technologien wurden nicht so entwickelt, dass sie „mit“ den Kräften der Natur arbeiten, und daher tragen sie alle entweder direkt oder indirekt zu der langsamen Zerstörung der Erde bei. So gesehen spielt der Mensch mit einer Zeitbombe, außer er verändert seine innere Haltung, denn die Natur per se ist keine Illusion und wird sich am Ende gegen uns wenden, oder zumindest mag es so erscheinen.

Natürlich ist die tiefere geistige Wahrheit, dass sich die Natur für den kollektiven Verstoß nicht an der Menschheit rächen kann, wenn die mit der Natur als integraler Teil für immer fest verbunden ist. Der Mensch ist das Leben und er steht genau in der Mitte, zwischen den höheren geistigen Ebenen und den unteren Ebenen der Natur, dem Tier,- Pflanzen,- und Mineralreich.  Also wenn der Mensch versucht, die natürliche Umwelt zu dominieren und ihre begrenzten Ressourcen übermäßig auszunützen, was Zerstörung und unermessliches Leid mit sich bringt, trennt er sich nicht nur von allen Reichen der Natur, sondern auch von der geistigen Wirklichkeit des Einen Lebens, von dem er ein untrennbarer Teil ist. So ist es nicht das Wetter, das sich ändern muss, sondern lediglich der Mensch selbst, indem er schlussendlich das Ausmaß seiner Illusionen und falschen Absichten wahrnimmt.  Anders ausgedrückt, müssen wir lernen, wie wir uns selbst erkennen und die Dinge belassen wie sie sind, anstatt zu versuchen, die natürliche Welt, mit unserem irregeführten Willen im Namen des Profits und des Größenwahns der menschlichen Fähigkeiten und des technologischen Fortschritts, zu manipulieren.

Wir streben nicht nur die Macht über die Gesetze der Natur an, sondern schikanieren sie ebenfalls mit unserer fast psychotischen Identifikation von der menschlichen Illusion der Vorherrschaft über und die Trennung von der Umwelt. Die Geschichte kennt bestimmte Persönlichkeiten, die für ihre Identifikation mit Illusionen der persönlichen Macht und Größe bekannt sind, wenngleich wir heute in einer Welt leben, die von großen multinationalen Konzernen beherrscht wird, die ähnliche Illusionen verkörpern und auf institutionalisierten Weise sogar in einem noch größeren Maße. Daher sind diese riesigen, profitorientierten Organisationen voraussehbar gefährlicher in ihren Absichten, wenn man bedenkt, wie sie Gesetze und die Regierungspolitik für ihre eigenen Ziele manipulieren. Wir können auch beobachten, dass dies der indirekte Grund ist für Firmen-Lobbyismus, Marketing und Werbung – nämlich, um abträgliche Illusionen in unserer Gesellschaft zu erzeugen und aufrecht zu erhalten, egal wie schädigend diese Ergebnisse für die natürliche Umwelt und die geistige Entwicklung des Menschen hinsichtlich seiner Selbsterkenntnis sind.

Es ist klar gesagt nicht die Identifikation mit Ideen, Überzeugungen oder Ismen, die uns hier Sorge machen, sondern die weit verbreitete Identifizierung in unserer Kultur mit gefährlichen Illusionen, die die geistige Entwicklung der Menschheit als Ganzes bremst. Wir mögen unser Streben nach Wissen und Macht über die Natur ja mit einer Art Unschuld seit der Zeit der Aufklärung begonnen haben. Ohne Zweifel gibt es viele talentierte Wissenschaftler und Techniker heutzutage, die sehr gute Absichten haben, die Geheimnisse der Natur zu erfassen und damit Herrschaft über die Erde zu gewinnen. Diese Haltung wird auch durch die gesamte Architektur unserer Bildungseinrichtungen propagiert, wo selbst diejenigen, die eine Eliteschule besuchen, in der Tat dazu konditioniert werden, den Planeten zu plündern und in ihrer Suche, um reich, mächtig, geschätzt oder angeblich erfolgreich zu werden, vor nichts zurückschrecken. 

Ich habe an anderer Stelle diskutiert, wie diejenigen, die eine angeblich "gute Erziehung" erhalten haben, in der Tat die heutigen katastrophalen sozialen und ökologischen Trends aufrechterhalten, vor allem, weil sie dazu gedrängt werden, einen hohen sozialen Status zu erreichen und sich damit entsprechend der egoistischen Kunst der Vermarktung anpassen.[5] Allerdings ist es das visionslose Streben nach endlosem Gewinn, das seit den 1980er Jahren zum bestimmenden Faktor in der Weltpolitik geworden ist und zu solchen Spaltungen und Zerstörungen geführt hat, dass wir schließlich gezwungen sind, unser Unvermögen zu erkennen, die natürliche Umwelt zu beherrschen und sie ohne Einschränkung zu plündern. Wir könnten die vereinten Kräfte der Kommerzialisierung als Auslöser der großen Illusion der Menschheit bezeichnen, die jeden Menschen täuscht, vom einfachen Mann, der davon träumt, eine große Villa und schnelle Autos als Weg zum Glück zu besitzen, bis zu den Unternehmenslobbyisten in Capitol Hill und den Kriegs-Planern im Pentagon, die auf der ganzen Welt nach Macht und Profit streben, unabhängig von den Kosten.

Wir alle sind bis zu einem gewissen Grad Diener dieser Kräfte und unterstützen sie, indem wir uns an die Illusionen der Gesellschaft anpassen, auch wenn die Umwelt metaphorisch auf den Knien ist und um Gnade bittet. Und dennoch scheint ein großer Teil der Menschheit die schädlichen Auswirkungen der zügellosen Kommerzialisierung nicht zu bemerken, was wir nur der gewaltigen Macht der Illusionen zuschreiben können. Wenn diese Illusionen unser kollektives Bewusstsein weiterhin überwältigen, wird es wie ein riesiger Supercomputer sein, der nach und nach die Gedanken des Menschen übernimmt, bis wir Zeuge des Ausbruchs eines nuklearen Weltkrieges werden. Wie weit hergeholt eine solche Aussicht auch sein mag, benutzen Sie bitte Ihre Intuition, um über das endgültige Ziel nachzudenken, zu dem uns die Illusionen der Kommerzialisierung führen, und um zu sehen, ob Sie dieser Beobachtung zustimmen können.

Es wäre hilfreich, wenn Sie ihre Aussage erweitern könnten.  Sie sagen, dass wir alle den Kräften der Kommerzialisierung zu einem gewissen Grad dienen, und daher alle ein Teil dieser großen Illusion sind. Auf welche Weise stützen wir die bestehende sozioökonomische Ordnung des globalen Kapitalismus als Individuen und auf welche Art tragen wir auf die mögliche Aussicht eines unbegrenzten Krieges zwischen den Nationalstaaten bei, was in der Tat in diesem neuen Millennium nicht sehr plausibel erscheint?

Viele von uns machen ihre Regierungen, Unternehmen oder das System für weltweite Probleme verantwortlich, ohne zu merken, dass wir ein integraler Bestandteil dieses Systems sind, und es durch unser eigenes Denken und Handeln unterstützen. Unsere Ausbildung und Konditionierung, sei es durch Schulen oder unser gesellschaftliches Umfeld, bildet uns dazu aus, fügsame Verbraucher zu sein, die das System in seiner derzeit destruktiven Form aufrechterhalten. Wie wir alle den Kräften der Kommerzialisierung dienen, sollte daher leicht zu verstehen sein.

Zum Beispiel, indem wir Produkte und Dienstleistungen einer globalisierten Marktwirtschaft konsumieren, trotz ihrer ungerechten strukturellen Regelung, wie es die meisten Menschen in der westlichen Gesellschaft und in den wohlhabenden Teilen der Entwicklungsländer machen, beteiligen wir uns indirekt an einem vielseitigen System der Ausbeutung und Zerstörung. Dies ist eine Tatsache, die viele Menschen heute erkennen und verstehen. Daher die ganze Bewegung des fairen Handels, Verbraucherboykotts und dem sogenannten ethischen Konsum. Viele Millionen gebildeter Menschen sind sich bewusst, dass multinationale Unternehmen verantwortlich sind für Landraub, Regenwaldabholzung, vergiftete Flüsse und Umweltverschmutzung, oder Ausnützung der Arbeitskräfte in den Entwicklungsländern durch niedrige Löhne, unwürdige Arbeitsbedingungen, und so weiter.

Wir können unsere Regierungen für die Unterstützung dieser Praktiken durch ihre verschiedenen Subventionen, Steuererleichterungen und anderen Anreizen die Schuld geben, und wir können auch den großen Konzernen die Schuld dafür geben, uns mit Myriaden ihrer Produkte zu hypnotisieren, die wir konsumieren und die mit immensen Gewinnen weiterverkaufen werden. Aber Fakt bleibt, dass die überwiegende Mehrheit der einfachen Menschen bereitwillige Teilnehmer sind in der großen Illusion der grassierenden Kommerzialisierung. In wachsenden Massen unterstützen und verschlimmern wir die ungerechten Regelungen der Weltwirtschaft durch unser tägliches Muster des Massenkonsums. Somit wird die Illusion, dass diese Lebensweise aufrechterhalten werden kann zum Teufelskreis, der sich ständig wiederholt und mit jedem Tag verschlimmert.

Je mehr wir versuchen, diese tiefere Realität unter den Teppich zu kehren, indem wir ein Etikett auf unsere Aktivitäten in Bezug auf die soziale Norm oder zeitgenössische Mode platzieren, können wir der Tatsache nicht entkommen, dass wir alle verantwortlich sind, wenn auch manchmal indirekt, für die Zerstörung der Natur und die Ausbeutung Anderer durch unseren Konformismus mit dem bestehenden verbraucherorientierten Wirtschaftssystem. Das schamlose Schlemmen und Konsumieren bei jahreszeitlichen Feiern oder Festen ist doch das relevanteste Beispiele dafür, wie die meisten von uns sich an dieser großen Illusion beteiligen – was auch immer unsere politische Überzeugung oder aktivistischer Einsatz sein mag.[6]

Fällt Ihnen auf, dass eine psychologische Äquivalenz besteht zwischen unseren achtlosen Konsumgewohnheiten und wie wir neue Regierungsführer wählen? Oder wie wir Produkte oft blind konsumieren, ohne etwas über ihre Herkunft zu wissen oder wissen zu wollen? Genauso stimmen wir für unsere Politiker und erwarten, dass sie in unserem Namen die globalen Probleme lösen. Wir wissen, dass große Supermarktketten in der ganzen Welt Kleinbauern ausnützen, was bedeutet, dass jedes Mal, wenn wir in den Ketten Gemüse kaufen, wir effektiv diese Ausbeutung unterstützen.  Selbst wenn ich nicht für einen Unternehmens-Politiker stimme, der aber gewählt wird, stimme ich doch indirekt für ihn, wenn ich mich der Gesellschaftsnorm anpasse, die er regiert und ich dagegen keine Maßnahmen ergreife.

Wir nennen dieses System gerne „Kapitalismus“ und geben ihm die Schuld für alle Probleme der Menschheit; aber wir haben einen Punkt erreicht wo wir uns fragen müssen, was Kapitalismus in einer Welt, die mit Gewalt und Grausamkeit gefüllt ist, wirklich bedeutet? Ist all das Leid, das wir heute erleben wirklich die Schuld des Kapitalismus per se, oder ist es das Ergebnis einer enormen menschenverursachten Gewalt, die in alle Richtungen wirkt – gegenüber der natürlichen Umwelt, gegenüber dem Tierreich, gegeneinander und uns selbst gegenüber?

Wenn wir in der Lage sind, die Probleme der Welt aus dieser ganzheitlichen und psychologischen Sicht wahrzunehmen, mögen wir erkennen, dass unsere gegenwärtigen sozio-ökonomischen Systeme auf grassierender Kommerzialisierung basieren und in der Tat einen Krieg darstellen. Viele Analysten sprechen von der Möglichkeit eines Dritten Weltkrieges, der durch eskalierende Militärkonflikte erfolgt. Doch der schlimmste Krieg auf unserer Erde findet in Wirklichkeit schon statt, infolge der Kombination von Gier, Selbstzentriertheit und Gleichgültigkeit, welche die Kommerzialisierung noch verschärft. Es ist letztlich ein Krieg gegen das Leben selbst, gegen die Menschheit, gegen die geistige Entwicklung, und doch ist fast jeder an diesem Krieg in Zeitlupe mehr oder weniger stark beteiligt. Wie können wir einen Plan oder Rahmen für eine nachhaltige Weltwirtschaft implementieren, wenn Massenkonsum und ungebremste Kommerzialisierung der bestimmende Faktor in der Weltpolitik ist - und wenn wir ahnungslos an dieser selbstzerstörerischen Gewalt beteiligt sind?

Gehen wir zurück zu Ihren ersten Beobachtungen über die spirituellen Dimensionen der globalen ineinandergreifenden Krisen, die in den politischen oder Aktivisten Kreisen selten diskutiert werden. Können Sie vielleicht noch genauer darüber sprechen, was Sie als „inneres CO2“ beschreiben, die die tieferen Wurzeln der Probleme der Menschheit sind?

Egal wie viele Daten und Beweise wir über ökologische Begrenzungen, Luftverschmutzung und Klimastörungen auch haben, wir haben immer noch nicht die grundlegendste Lektion gelernt, wie man auf diesem Planeten lebt und sich entwickelt, ohne die Elemente der Natur zu stören. Die unvermeidliche Wahrheit ist, dass die Natur als Ganzes ein lebendiges Wesen ist, wie verschiedene Wissenschaftler und Philosophen lange vermutet haben, jedoch ist es nicht nur die materielle und objektive Welt, die der Mensch mit seinen Aktivitäten verschmutzt und zerstört. Es gibt zwei Welten, sowohl die sichtbare als auch die unsichtbare, und es ist die verborgene Seite der Natur, die wir trotz aller alten Weisheitslehren, die der Menschheit seit jeher gegeben wurden, kein Gehör schenken oder sie als Realität anerkennen wollen. So wie wir Gas oder CO2 mit bloßem Auge nicht sehen können, gibt es in der Natur unsichtbare Entitäten, die existieren und noch nicht wissenschaftlich belegt sind, obwohl sie eine entscheidende Rolle bei der Regulierung und Aufrechterhaltung unserer planetaren Biosphäre spielen - sowohl in ihrer mikrokosmischen als auch in ihrer makrokosmischen Manifestation. Daher verursachen wir in unserer Unwissenheit weiterhin Zerstörungen in der Umwelt, indem wir verhindern, dass diese verborgenen Elemente der Natur ihre ordnungsgemäße Funktion erfüllen können, und der Mensch in seinem irregeführten Versuch, die Macht über seine Umwelt zu haben, damit fatale Folgen verursacht.

Um ein wichtiges Beispiel zu nennen: Sehr viele Umweltwissenschaftler beschäftigen sich heute mit der Atmosphäre der Erde und ihrer Wechselbeziehung zu anderen natürlichen Systemen, aber nur wenige befassen sich mit der Lärmbelastung, die die Menschheit auf globaler Ebene erzeugt. Doch aus der inneren psychologischen oder esoterischen spirituellen Perspektive, die wir erforschen, hat der unglaubliche Lärm, der von allen Ländern der Welt produziert wird, eine äußerst schädliche Auswirkung auf die verborgenen Elemente der Natur; die wiederum haben eine schädliche Wirkung auf die bekannten Elemente der Natur, wie Wind, Regen, Ozeane und so weiter. Um den Grund zu erkennen, warum dieser angesammelte Lärm so schädlich für die Umwelt ist, müssen wir nur über die Auswirkungen ihres Ursprungs nachdenken - wie die Aktivität von Schwerindustrie und Rohstoffindustrie, Millionen von Autos, Flugzeugen und Containerschiffen im ständigen Transit oder die unerbittlichen Konflikte und die Zerstörung in Kriegsgebieten.

 Aber es sind nicht nur die äußeren Auswirkungen dieser immens lauten Aktivität, die die Umwelt schädigen. Der akkumulierte Lärm, der von der Menschheit produziert wird, ist eine Widerspiegelung unserer dysfunktionalen und gestörten Gesellschaft, was wiederum direkt in Beziehung steht mit dem dysfunktionalen und gestörten Zustand unserer Umwelt. In einer Welt zu leben, wo es so viele Kriege gibt, so viel Schmerz und Leid, so viel Arroganz und Rücksichtslosigkeit in unserer Zerstörung untereinander und den niedrigeren Bereichen der Natur. All diese Turbulenzen spiegeln sich nach oben in die Biosphäre der Erde und wirken sich auf die versteckten Elemente der Natur aus. Das bekannte hermetische Prinzip besagt: "Wie oben, so unten", aber heute ist dieses Axiom besser umgekehrt zu verstehen, wenn man den traurigen Zustand der Welt betrachtet, denn so wie es unten ist, mit dem menschlichen Stress, erzeugt durch entzweitem Denken und falschen Absichten, so ist es oben. Mit anderen Worten, die innere Seite des Menschen ist ebenso ein Auslöser für das Ungleichgewicht in der Umwelt auf unserem Planeten als auch die äußeren Aktivitäten der Menschen innerhalb der Gesellschaft. Die innere Seite der Menschheit ist so dysfunktional, dass es fast einer seelischen und emotionalen Krankheit gleichkommt.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Tag an dem Pakistan die Atombombe herstellte und die Nation vor Freude in die Luft sprang. Einige fingen sogar in den Straßen an zu weinen – das ist ein weiteres Beispiel wie unsere menschliche Intelligenz und Emotion auf diesem Planeten in die falsche Richtung geht. Was Nationalstolz anrichten kann mag man sehen, wenn sich eine breite Öffentlichkeit für eine Waffe begeistert, mit der viele tausende unschuldige Zivilisten in einem anderen Land getötet werden können. Und inmitten dieser Feierlichkeiten erlebt der Planet verheerenden Kriege und Konflikte, mit Schmerz von Millionen von Menschen, die in Armut leiden und dem gesamten Stress und der Angst des menschlichen Lebens in der modernen Gesellschaft –  all das fällt wieder auf uns zurück durch Klima-Katastrophen und Wetterstörungen.

Bedeutet dies, dass die Probleme in den menschlichen Beziehungen ausgehend von den Konflikten zwischen Individuen und innerhalb der Gruppen zu den vielen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die in der Gesellschaft als Ganzes erlebt werden, eine direkte Ursache für das Ungleichgewicht unserer Umwelt sind?  Oder ist das ein noch weit grösser Schaden als der, den wir der Umwelt durch unsere Industrien und den Massenkonsum zufügen?

Eine andere esoterische Wahrheit ist, dass jedes Problem auf der Welt einen entsprechenden Klang oder eine entsprechende Note hat, und heute spiegelt sich die Kohäsionslosigkeit dieser Klänge in der Unvorhersehbarkeit und den Turbulenzen des Klimawandels und der Naturkatastrophen wider. Um das in einfachen Worten zu verstehen, versuchen Sie sich vorzustellen, wie sich die ganze Welt auf jeder Ebene im Konflikt befindet, und überlegen Sie, welche Auswirkungen das auf die weitere Umwelt haben muss. Wenn wir uns zwei Menschen vorstellen, die heftig vor uns streiten, dann ist diese Atmosphäre auch ein Teil unseres inneren Klimas auf psychologischer Ebene, dessen Kenntnis ebenso wichtig ist wie das äußere Klima, welches wir am Himmel über uns beobachten. Psychologisch und sozial ist das innere Klima, in dem sich die Menschheit bewegt, in einem katastrophalen und chaotischen Zustand, ebenso wie die äußeren Bedingungen der Umwelt sich jetzt in einem ständigen Zustand von Schmelze und Chaos befinden.

Gehen wir in unserem Bewusstsein noch einen Schritt weiter. Wir haben zuvor beobachtet, wie die große Illusion der grassierenden Kommerzialisierung die Realität der enormen Gewalt maskiert; aber es sollte hier betont werden, dass diese Gewalt in ihrer Natur psychologisch, als auch gesellschaftlich und wirtschaftlich ist. Eine Person, die unter ständigem Stress lebt, jemand der stundenlang wie eine Maschine manuelle Arbeit verrichtet, ist wirklich das Opfer einer größeren systemischen Gewalt, die er psychologisch erlebt. Und die Wirkung dieser alldurchdringenden Gewalt hat einen großen Einfluss auf die Elemente der Natur, weil zwischen dem Menschen und seiner Umwelt alles miteinander zusammenhängt und voneinander abhängig ist, und vom Inneren zum Äußeren wirkt.

Also ist der Waffenverkauf zwischen Regierungen eindeutig ein Akt der Gewalt, denn was kann es anderes sein? Aber in der gleichen Art und Weise, ist die Existenz von Obdachlosigkeit auf unseren Straßen nicht nur eine soziale Ungerechtigkeit, sondern auch ein Akt der Gewalt, die von den Regierungen und dem Rest der Gesellschaft indirekt begangen wird. Wenn wir diese innere Wirklichkeit mit einem tieferen Verständnis unserer psychologischen und spirituellen Verbundenheit sehen, der Wunsch der wohlhabenden Nationen noch größeren "Wohlstand" zu schaffen, wenn Millionen von Menschen in der Welt hungrig sind, wenn weiteren Millionen die grundlegenden Mittel des Lebens fehlen, dann ist das auch ein Akt der Gewalt. Wenn die westliche Welt Weihnachten feiert, im Überfluss und mit maßloser Völlerei, während so viele Menschen in anderen Ländern an Armut sterben, dann ist das auch ein Akt der indirekten Gewalt. Unsere kollektive Selbstgefälligkeit ist ein Akt der unvorstellbaren Gewalt gegenüber den unzähligen Unbekannten, die weniger Glück haben als wir, ungeachtet seiner Auswirkung auf die Umwelt. Wir behandeln alle diese Formen der sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Gewalt als Business-as-usual, als normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens, und doch ist die Anhäufung dieser inneren Einstellungen und Verhaltensweisen genau das, was wir um uns herum sehen. Der Klimawandel, extreme Armut, Kriege und Konflikte, das ist das Paket, das wir erhalten, wenn die Menschheit die Notwendigkeit für richtige menschliche Beziehungen und das Leben in einer solchen dysfunktionalen Weise über viele Jahrzehnte ignoriert… ja seit Jahrtausenden.

Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, wo das aufreibende Verhalten der Menschheit ein solches Chaos und Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft verursacht hat, dass nun die Wetterbedingungen auf diesem Planeten einem Verstand ähneln, der so gestresst ist, dass er nicht mehr normal denken kann. So kann es scheinen, als ob wir die Umwelt in unseren Feind verwandelt haben, der sich gezwungen sieht, sich zu wehren, durch die furchtbare Verwüstungen wie Tsunamis, Erdbeben, Überschwemmungen, Dürren und andere Naturkatastrophen. Und das von der Umwelt geschaffene Chaos verursacht noch mehr Chaos in unseren Gesellschaften. Viele Analysten prognostizieren weitere Kriege zwischen Nationen, die über schwindende natürliche Ressourcen, wie z.B. Wasser, ausbrechen könnten. Das Verhalten der Umwelt spiegelt das Verhalten des Menschen und was wir jetzt sehen ist nur der Anfang. Also, wenn der Mensch seine Richtung nicht grundlegend ändert und das Prinzip des Teilens nicht in der Weltpolitik angenommen wird, werden wir sehen, dass die größte Gefahr für die Zukunft nicht von einem unkontrollierbaren Klimawechsel verursacht wird, sondern nur vom Menschen selbst durch das Auslösen eines globalen Kriegs, der schließlich alles Leben auf der Erde zerstören kann.

Sie haben gerade eine ominöse Prophezeiung gemacht, dass, wenn die Menschheit weiter den gegenwärtigen Kurs einnimmt, es nicht der Klimawandel sein wird, der schließlich zu einer planetaren Katastrophe führt, sondern unser eigenes Handeln als Individuen und Nationen. Gibt es in dieser Beobachtung noch eine weitere Stufe dieser tragischen Ironie - da heute viele Menschen der großen Illusion der Kommerzialisierung achtlos bleiben - die die systemische treibende Kraft hinter diesen Trends ist, wie Sie beschrieben haben?

Es besteht kein Zweifel, dass die Mehrheit der Menschen, die große Gefahr der Kommerzialisierung nicht erkennen, und dass die meisten Menschen keine Ahnung haben, wie ernst und herausfordernd das wahre Ausmaß der Umweltkrise ist. Wir können die Menschheit in vier große Gruppen in Bezug auf dieses Problem teilen, nämlich die Umweltwissenschaftler, die Aktivisten und Propagandisten, die betroffenen Bürger und die übrigen Massen der gewöhnlichen Menschen.  Ein Großteil der Menschheit, die sich mit dem Thema nicht beschäftigen, sind die Milliarden der Armen in Entwicklungsländern, die jeden Tag kämpfen, um sich und ihre Familien zu ernähren. Die meisten von ihnen haben verständlicherweise keine Zeit oder Lust, die Realität der globalen Erwärmung wissenschaftlich zu betrachten; ungeachtet dessen, dass eine zunehmende Zahl solcher Menschen unschuldig Opfer der Klimakatastrophen ist.

Von den vielen Millionen betroffener Bürger in reichen Ländern, die ein wenig Ahnung über die Klimakrise haben, hat ein erheblicher Teil aber ebenfalls sehr wenig Kenntnis über die wahren Tatsachen oder die wirklichen Dimensionen dieser Herausforderung. Auf persönlicher Ebene reduzieren sie das meistens auf Recycling oder moralischen Konsum. Aber wenn sie das wahre Ausmaß wüssten, wie weitgehend die Menschheit den Planeten geschädigt und geschwächt hat, oder wie ernst die Gefahr des globalen Temperatur Anstiegs ist, würden auf der ganzen Welt eine Menge Tränen fließen. Genauso wie viele Wissenschaftler in ihrem Wissen um den alarmierenden Zustand der Umwelt oft den Tränen nahe sind. Würde die Menschheit erahnen wie nah dran sie ist, unseren Planeten ganz und gar zu zerstören, müsste sie lange Zeit weinen.

Und doch ist hier die tragische Ironie unserer Situation, wie Sie zu Recht feststellen, dass der Großteil der Menschheit noch weit davon entfernt ist, zu erkennen, dass die Kommerzialisierung die Wurzel unserer heutigen Probleme ist – ein Problem, an dem wir alle in unterschiedlichem Masse teilhaben. Der Grund für diesen Mangel an Bewusstsein ist ganz einfach zu verstehen. Die Herzen der Menschheit sind nicht genügend erwacht, oder ihre Bereitschaft zur Linderung der Krisen ist nicht ausreichend. Wie ich schon mehrmals gesagt habe, wenn genug Leute wirklich das wahre Ausmaß der Klimakrise und die inneren menschlichen Beweggründe als Ursache wahrnehmen würden, gäbe es nicht nur eine Handvoll engagierter Aktivisten unter Milliarden von Menschen. Viele betroffene Bürger würden sich zu diesem Thema Gedanken machen und ihren guten Willen einsetzen, aber zuerst muss das spirituelle Herzzentrum der gesamten Menschheit erwachen – das heißt, man braucht die tatkräftige und opferbereite Liebe von Millionen und Abermillionen von gewöhnlichen Menschen. Die Masse muss dahinterstehen mit flammendem Herzen. Es ist die Selbstgefälligkeit des wohlwollenden Bürgers, die dafür verantwortlich ist, dass es nur wenige unerschütterliche Demonstranten gibt.

Reicht es aus, zu sagen, dass unser mangelndes Bewusstsein für das wahre Ausmaß der Umweltkrise einfach auf mangelnde Liebe oder „Engagement des Herzens“ für die Probleme der Welt zurückzuführen ist, oder wie können wir die grundlegenden Ursachen für diese weitverbreitete menschliche Selbstgefälligkeit besser verstehen? Können Sie, wenn möglich, auch auf einige der Faktoren hinweisen, die ein Bewusstsein für das Problem der grassierenden Kommerzialisierung blockieren, sowie für die Notwendigkeit eines dramatischen und dringenden sozialen Wandels?

Auch hier müssen wir die Illusionen betrachten, die durch unsere selbstgefällige Lebensweise aufrechterhalten werden. Illusionen, die uns sagen: "Das Leben geht weiter", "Sei glücklich", "Genieße dein Leben", "Du lebst nur einmal", "Lass es dir gut gehen - Du verdienst es". Die Kräfte der Kommerzialisierung lieben diese Illusionen, sie sind wie das Aroma für ein   Business-as-usual und wie Musik in den Ohren für gewinnorientierte Interessen. Und diese Illusionen, diese Fantasien, die unsere Aufmerksamkeit ständig von der Realität ablenken, haben die Wirkung, das Herz zu erdrücken. Als Analogie können wir uns vorstellen, welche Auswirkung Krebs oder HIV auf den menschlichen Körper hat und wie die Illusionen das menschliche Herz ergreifen. Denken Sie daran, das Herz ist wie ein unschuldiges Kind. Das Herz wird nicht sprechen oder einen Ton von sich geben, außer es wird mit einbezogen, denn im Herzen gibt es keine Arroganz, keine Berechnung oder Egoismus. Nur das Gehirn berechnet und beurteilt und bringt Division ins tägliche Leben durch unsere Identifikation mit der Persönlichkeit, mit dem großen „Ich“. Aber die Persönlichkeit ist nicht das Herz, und das Herz ist sicher nicht die Persönlichkeit.

Oft ist es schwierig, diese Vorstellungen von Liebe und Illusion in Bezug auf die Frage der sozialen Transformation zu erläutern, da wir die geistige Realität des Herzens nur durch das innere Bewusstsein wahrnehmen können und nicht durch Bücher oder ein rein intellektuelles Verständnis. Aber wenn man die Frage so betrachtet, wie ich vorschlage, dann werden Sie sehen, dass es zwei Hauptkomponenten gibt, die die vorherrschende Haltung der Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit innerhalb unserer Wohlstandsgesellschaft bilden. Die erste ist die Angst und die zweite die Illusion, die wiederum eingesetzt wird, um die Angst zu beschwichtigen. Zum Beispiel nehmen wir die Illusion, dass wir in einer geteilten und dysfunktionalen Gesellschaft wie unserer, unabhängig glücklich sein können. Und dann beobachten sie die entsprechende Angst vor der Einsamkeit, nicht als erfolgreich angesehen zu werden, vor der leeren Endgültigkeit des Todes zu stehen. Unsere ständige Suche nach psychologischer Sicherheit ist die unbewusste Motivation, die unserem egoistischen Verlangen nach Glück zu Grunde liegt und immer von der Basis der Angst kommt. Im weitesten geistigen Sinne ist die Angst der Mühlstein, der die menschliche Evolution seit tausenden von Jahren zurückgehalten hat, wie ein Esel, der an ein Mühlrad gebunden ist und endlos im Kreis läuft.

Und das Ergebnis dieser gewohnheitsmäßigen psychologischen Tendenzen ist - die sie als Mangel eines engagierten Herzens mit den Problemen der Welt definierten -, dass die meisten Menschen in ihrer Suche nach persönlichen Glück und Erfolg zu verstrickt sind, um die Wahrheit der großen Illusion der Kommerzialisierung zu erkennen, oder die Krisen und Verwirrung unserer Welt. Die Politiker sind verwirrt, wenn nicht völlig verdorben und wir als Bürger sind gleichermaßen verwirrt über die ernste Lage der Welt.  Also Blinde leiten die Blinden. Und doch stimmen wir für neue Politiker in einem massiven und exorbitanten Wahlkampf weiter, weil die Menschheit weiterhin ihre alten Illusionen liebt, vor allem diejenigen, die mit dem Gefühl der Kontinuität oder Dauerhaftigkeit unserer Traditionen übereinstimmen.

Wir sollten unsere kollektive Selbstgefälligkeit als eine ernste Gefahr für die Welt sehen, die mit der Gefahr der Kommerzialisierung auf einem Niveau ist. Denn lassen sie uns nicht vergessen, dass die menschliche Selbstgefälligkeit lange vor dem Kapitalismus oder der Globalisierung der Wirtschaft entstand. Und wenn sie mit Gleichgültigkeit verschmilzt, entweder in jedem Einzelnen oder auf gesellschaftlicher Basis, könnten wir Selbstgefälligkeit als die älteste Krankheit der Menschheit bezeichnen, deren Einfluss noch schädlicher ist als die heutigen Kräfte der Kommerzialisierung. Es ist ausgezeichnet, dass die Menschheit motiviert ist, Impfstoffe für so schreckliche Krankheiten wie Zika oder Ebola zu entdecken, aber für unsere Selbstgefälligkeit haben wir noch keine Heilung gefunden, und sie ist sicher die Wurzel aller Leiden auf dieser Welt.

Aus dieser Sicht ist interessant zu beobachten, dass Kommerzialisierung an sich ein ernsthafter Krieg ist, ein Krieg gegen die Menschheit und ihre geistige Entwicklung. Aber der Mechanismus der Vermarktung ist so raffiniert und schwer fassbar, dass viele Menschen nicht die Realität dieses Krieges sehen können, oder ihn nur mit Konsum verwechseln. Beide, Konsum und Kommerzialisierung, sind voneinander abhängig, und nähren sich voneinander für ihre Existenz; doch es sind die Kräfte der Kommerzialisierung, die die Prozesse der Zerstörung des Planeten vorantreiben, von der wir heute alle ein Teil sind. So wie ich Essen, billige Kleidung und alle Utensilien des modernen Lebens konsumiere, konsumiere ich mich auch selbst in der Idee, als Einzelner in einer geteilten und ökologischen nicht nachhaltigen Gesellschaft glücklich zu werden, bis ich in einem Leben gefangen bin, das sich nur um meine egozentrische Suche der psychologischen Sicherheit durch materielle und emotionale Bindungen dreht. Das ist eine sehr hinterhältige Falle, die von den Kräften der Kommerzialisierung beabsichtigt wird. Eine Falle, die unbewusst jedes Individuum beeinflusst, durch die Manipulation unseres subtilen oder emotionalen Körpers, wo die Kommerzialisierung als psychologisches Phänomen haust und uns durch einen dichten Nebel der Verwirrung daran hindert, mit klarem Verstand zu denken, die Wirklichkeit so zu sehen wie sie ist. Die Menschheit verhält sich im täglichen Leben wie eine Herde, sodass wir die schädliche Existenz der Kommerzialisierung kaum wahrnehmen, während die meisten Unternehmens-Politiker sowie finanziell erfolgreiche Menschen die Ideologie der Marktkräfte natürlich aufrechterhalten, ohne ihre zerstörerischen Folgen in Frage zu stellen.

Wenn wir dann noch das Problem der spaltenden Ismen im menschlichen Bewusstsein hinzufügen, haben wir ein ziemlich vollständiges Bild, warum wir unwissentliche Teilnehmer unserer derzeitigen Krise sind. Kommerzialisierung nährt sich ganz und gar von Ismen und Ideologien, ebenso wie die Gesellschaft sich von Illusionen nährt, auch wenn diese Ismen tausende von Jahren alt sind. Wir können auch den Mechanismus beobachten, wie das ganzheitlich funktioniert, denn im Kampf der Ismen in jeglicher Form, ist die Dynamik der Kommerzialisierung verewigt, ob es Kapitalismus, Sozialismus, Nationalismus oder irgendeinen anderen politischen oder religiösen Ismus betrifft, der unser Denken und Handeln indoktriniert.

Wenn zum Beispiel eine Gruppe oder Nation ein entgegengesetztes Lager aus nationalistischen oder ideologischen Gründen bekämpft, gibt sie immer große Summen von Geld und Ressourcen aus, die damit zusammenhängen, wie zum Beispiel durch die Produktion und den Einkauf von mehr Waffen. Und je mehr Kriegswaffen gekauft und verkauft werden, desto mehr Gewinne werden durch diesen dysfunktionalen Wettbewerb erzielt, der wiederum die Kraft und den Umfang der Kommerzialisierung in der ganzen Welt verstärkt. Die Reichen werden noch reicher, während die Armen von der Verarmung und Vertreibung, die von Bürgerkriegen und regionalen Konflikten verursacht wird, weiter leiden. Zur gleichen Zeit werden konkurrierende Nationen ständig dazu getrieben, ihre Kontrolle über die Weltressourcen zu erhöhen, während das Wirtschaftswachstum und die Unternehmensgewinne priorisiert werden - vor allen sozialen und ökologischen Belangen.

Wir könnten eine beliebige Anzahl von Beispielen verwenden, um diese Teufelskreise der Kommerzialisierung zu illustrieren, die weitgehend von den bereits bestehenden Spaltungen zwischen den Völkern und Nationen aufrechterhalten werden, die wiederum aus unserem Festhalten an widersprüchlichen Ismen stammen. Es gibt auch ein besonderes Phänomen, das heute in der ganzen Welt auftaucht, wobei bestimmte Ismen die Kommerzialisierung brauchen, um ihre auserwählten Themen zu spaltenden Zwecken zu verbreiten; wie die vielen religiösen Terrorgruppen, die moderne Finanzstrategien einsetzen, um mächtiger und grösser zu werden, oft mit verdeckter Hilfe intriganter Geschäfts- und Staatsinteressen. Allgemeiner gesagt, sind wir alle Teil der Ismen die zunehmend von den Kräften der Kommerzialisierung übernommen werden, darunter das Problem des Rassismus, das durch den Prozess der globalen wirtschaftlichen Integration in den letzten Jahrzehnten im Schatten lag. Natürlich ist Rassismus auch eine Form der Ismen und weit verbreitet in unserer modernen Gesellschaft, unabhängig von den wirtschaftlichen Vorteilen, die sich aus billigen Arbeitskräften im Ausland oder in weniger eingeschränkten Einwanderungen in Regionen - wie der Europäischen Union - ergeben.

Hoffentlich können diese kurzen Beobachtungen Ihnen dabei helfen zu erkennen, wie es bei der Vermarktung um viel mehr geht als bloße Geschäftemacherei oder gewinnorientierte Aktivitäten. Eher ist es eine sehr alte Ausdrucksform der Kräfte des Materialismus, die auf schleichende Weise erneut wieder in unsere Adern eingeflossen ist, um das Chaos und die Zerstörung, die von der Menschheit als Ganzes aufrechterhalten wird, zur Eskalation zu bringen, von allen Seiten und aus allen Richtungen. Das Chaos kann versuchen die Erde zu zerstören und unser geistiges Wachstum durch die Stimulation des Massenkonsums zu behindern; es kann unterschwellig den Bürger verwirren, in dem es die Illusionen der Wahl als Verbraucher propagiert, und individuelles Glück und materiellen Komfort; es kann geschickt die Ismen des menschlichen Bewusstseins infiltrieren, um weitere Kriege im Namen der trügerischen Ideologien zu entfachen. Das ist ein Drache mit vielen Köpfen, gleichsam wahrnehmbar und obskur. Und er wird von einer Vielzahl von unterschiedlichen Kräften gebildet, die in ihrer Gesamtheit die größte aller Illusionen innerhalb der menschlichen Rasse aufrechterhalten, nämlich die Illusion, dass die Menschheit weiter in so einer geteilten, ungerechten und selbstzerstörerischen Weltordnung leben kann. Wenn wir den psychologischen Mechanismus beobachten, mit dem die Kommerzialisierung ihre Ziele zu erreichen versucht, ist es einfach das Böse.

Manche Leser mögen einwenden, ob womöglich progressive Aktivisten und engagierte Bürger selbst Teil der Massenverwirrung sind im Hinblick auf die Umweltproblematik durch einen Mangel an Bewusstsein oder Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit, wie Sie das beschreiben. Sind sich Aktivisten des wahren Ausmaßes dieser Krise nicht bewusst und sind sie generell nicht mit dem Herzen im Kampf um eine gerechte und nachhaltige Welt engagiert?

Von den vier Personengruppen, im Hinblick auf unser globales Bewusstsein für das Umweltproblem, ist es interessant, dass jetzt eine informelle Partnerschaft zwischen den Umweltwissenschaftlern und den Aktivisten geschlossen wurde, in der sich beide bewusst sind, welch eine kolossale Aufgabe vor uns liegt. Sie erkennen, dass sie sich gegenseitig brauchen, im Angesicht all dessen, was dem Wandel im Wege steht. Damit meine ich das gesamte System der eigennützigen Politik, die von Unternehmen beeinflussten Regierungen, die vorherrschende Trägheit und öffentliche Selbstgefälligkeit. Also wenn wir aus spiritueller Hinsicht über die Liebe und das Bewusstsein sprechen, dann sind Aktivisten und aufmerksame Wissenschaftler in dieser Frage mehr mit dem Herzen engagiert als andere, denn sie bringen Reife und Verantwortung zum Ausdruck.

In ihrer Gesamtsumme sind all die Gruppen der Umwelt Aktivisten die dynamischen Repräsentanten der Menschen guten Willens bei diesen Fragen. Aber hierin liegt das Paradox, weil sie zusammen ein komplexes System bekämpfen, das Liebe nicht als Antwort auf die Umweltkrise gedeihen lässt. Daher ist es in diesem Fall verständlich, dass viele Aktivisten abgehärtet und verbittert sind von der Ungerechtigkeit des Systems, gegen das sie kämpfen. Denn sie arbeiten im Namen der gesamten Bevölkerung und vertreten das Gemeinwohl der ganzen Menschheit. Wiederum werden sie von der Bevölkerung nicht unterstützt, z.B. durch massenhafte Demonstrationen und indem sie sich mit den Problemen des Klimawandels wirklich auseinandersetzen.  Möge Gott die progressiven Aktivisten in der Welt segnen, denn ohne sie wäre vielleicht sogar die Idee der "Umweltgerechtigkeit" nie in unser Bewusstsein gelangt.

Bitte beachten Sie daher, dass es nicht meine Absicht ist Aktivisten zu kritisieren, hinter welcher politischen oder ideologischen Überzeugung sie auch stehen, aber es kann hilfreich sein, wenn wir sehen was im globalen Aktivismus noch fehlt, um intuitiv und mit klarer Sicht zu versuchen, neue Möglichkeiten zu finden, um das Herz mit einzubringen. Ist es möglich, dass es eine völlig andere Art von Aktivismus gibt, mit einer noch nie da gewesenen Anzahl an Menschen, die mitmachen können? Eine, die auf der Idee der Zusammengehörigkeit, der Freiheit beruht, eine Art, die menschliche Beziehungen nicht spaltet und über Ismen und Ideologie weit hinausgeht? Leider sehen wir, dass viele Aktivisten in der heutigen Zeit eine Haltung des Antikapitalismus annehmen, einschließlich in Umwelt Kampagnen und auch in akademischen Kreisen, wo die Herausforderung auch im Sinne von "Kapitalismus gegen das Klima" formuliert wird. Dies kann zu einem gewissen Grad verständlich sein, wenn wir die enormen Kräfte, die gegen uns sind, bedenken. Es ist ein großer Fehler, zu glauben, dass wir selbst irgendwie frei von Kapitalismus sind, wenn wir in der Tat alle ein wesentlicher Bestandteil des Systems sind, sowohl in seiner Funktionsweise als in seinen Verfahren. Ein Punkt, den ich hoffentlich in unserer früheren Diskussion klar zum Ausdruck brachte.

Daher ist es nicht möglich, dem Kapitalismus entgegenzutreten, wenn das gleichzeitig bedeutet, dass wir getrennt sind von den Problemen in unserer Gesellschaft. Diese Art des Denkens schafft in sich einen weiteren „Ismus“, der wiederum ein Teil des Problems ist. Ein Thema, über das ich zuvor schon oft geschrieben habe, es genügt zu sagen, dass es keine Liebe in diesem Verständnis gibt, es ist nur zerebral. Das Problem ist nicht der Kapitalismus, es ist nicht der Neoliberalismus, es ist nicht Konservatismus oder Liberalismus, das Problem ist ein Mangel an Liebe und richtige menschliche Beziehungen in unserer Welt. Die Kräfte der Kommerzialisierung stehen heute im Mittelpunkt dieses Problems durch ihren schädlichen Einfluss auf die Menschen, also zu konsumieren, erfolgreich zu werden, materialistisch und mit einer Gleichgültigkeit gegenüber anderen zu leben.

All unsere komplizierten Analysen über die verschiedenen Ismen werden eines Tages zerfallen, sodass alle Völker und Nationen schließlich lernen in Frieden und Harmonie miteinander zu leben. Doch in diesen über-intellektuellen Zeiten, versuchen nur wenige Aktivisten unsere Probleme durch das innere Bewusstsein eines erwachten Herzens zu sehen, andere ziehen es vor das Prinzip des Kapitalismus in einer unausgegorenen und fanatischen Weise zu steuern. Es ist wie der Begriff "Gott", der in so vielen unterschiedlichen Kontexten geäußert wird, wie: "Es ist der Wille Gottes", wenn wir andere Menschen töten. In ähnlicher Weise wurde der Begriff Kapitalismus aus vielen Gründen missbraucht und entwürdigt, auch von den Aktivisten, die zu Unrecht davon ausgehen, dass der Kapitalismus für die gesellschaftlichen Probleme  verantwortlich zu machen ist, fast so, als ob eine Theorie oder eine Ideologie unabhängig von menschlichen denken und handeln existieren könnte. Wir können zumindest genau sein in unserer Verurteilung und erkennen, dass es wirklich ein Krieg ist, der stattfindet, ein Krieg der gewaltsamen Kräfte und Energien, besser bezeichnet als Kommerzialisierung. Und was sind die treibenden Faktoren hinter diesen bösartigen systemischen Prozessen? Auch hier sollten wir die fehlgeleiteten menschlichen Absichten und schädlichen Verhaltensweisen genau beobachten, deren Teil wir alle sind und dem das Gefühl der Trennung voneinander und der natürlichen Welt zu Grunde liegt.

Besteht eine weitere Gefahr in der Identifikation mit einem Antikapitalismus, der als System ebenso mächtig ist, dass es diejenigen die dagegen sind leicht an den Rand drückt oder bezwingt? Das ist ebenfalls ein wichtiges Thema in Ihren Abhandlungen, in denen Sie die Notwendigkeit einer neuen Form des globalen Aktivismus vorschlagen, eine Massenbewegung einfacher Bürger, die sich in einem konzentrierten Aufruf vor ihren Regierungen vereinen, damit diese das Prinzip des Teilens in die globale Wirtschaftspolitik integrieren. [7]

Ich denke der gesunde Menschenverstand gibt eine kurze Antwort auf diese Frage. Wir brauchen uns keine weiteren komplexen intellektuellen Theorien aneignen, die nur dazu dienen, unser inneres Bewusstsein über die Einfachheit einer globalen Transformation, zu verschleiern.  Ein erheblicher Anteil der Aktivisten, die auf Umwelt und soziale Gerechtigkeit hinarbeiten, scheinen im Gegensatz zum aktuellen System zu stehen. Aber stellen wir uns vor was passieren wird, wenn Massen gewöhnlicher Menschen sich mit eben dieser Haltung ihnen anschließen? Es sind die multinationalen Konzerne, die unsere Regierungen steuern, sie haben den Schutz der Polizei und anderen Behörden. Die Gesetze und die Politik sind auf ihrer Seite; also wer, überlegen wir, wird gewinnen, wenn Demonstranten durch Massen Antagonismus und Widerstand versuchen unser Establishment zu verändern? Es ist logisch, je mehr wir gegen eine Person oder Institution angehen, umso mehr wird sie alles tun, um sich davor zu schützen. Und im Falle von multinationalen Unternehmen und Regierungen, die die Macht haben, werden die neue Gesetze schaffen. Wir können bereits die Folgen erahnen, die durch globale Überwachung aktueller Trends erfolgt.

Natürlich sind es nicht alle Aktivisten, die die Mentalität von "Anti" und "Ismen" annehmen. Ein neues Phänomen in der heutigen Welt sind die Pioniere der Jugend, die immer engagierter und hellhöriger werden für die notwendigen Änderungen in der Gesellschaft an sich, sowie der Regierungspolitik. Sie sind wirklich die Hoffnung der Welt, obwohl es immer schwieriger für sie wird, sich in unserer übermäßigen kommerzialisierten Gesellschaft zu bewegen, wo jeder gestresst und verwirrt ist, wo alles privatisiert und der Marktwert reduziert wird. Wie wir wissen, ist die Jugend durch die Universitätskosten Großteils schwer verschuldet, weitere Millionen sind arbeitslos und nur wenige können sich ein anständiges Zuhause leisten. Und doch sind sie in erster Linie diejenigen, die uns zeigen, wie wir das neue Zeitalter für die Menschheit einweihen sollen, was immer dieser Begriff auch bedeuten soll. Wir hören diese Begriffe oft: "New Age" oder "das Zeitalter des Wassermanns", die oft von spirituellen Gruppen verwendet werden. Aber ich ziehe vor es einfach „das Zeitalter des Herzens“ zu nennen oder die „Herz-Zeit“, denn das Herz war immer bei uns und braucht keine neue Etikette. Außerdem, wenn wir ein neues Zeitalter einleiten wollen, können wir das nur, wenn wir uns gemeinsam aus vollem Herzen engagieren.

Das ist ein Grund, warum „das Prinzip des Teilens“ in diesen Zeiten von so entscheidender Bedeutung ist! Im übertragenen Sinne ist es wie eine Fontäne von Milch, aus der Aktivisten aus allen Bereichen jederzeit trinken können, zur Ermutigung aller und um uns in unseren verschiedenen Projekten zu vereinen. „Das Prinzip des Teilens“ entsteht aus dem gesunden Menschenverstand, dem Willen zum Guten und der Liebe per se. Es ist das, wofür alle Aktivisten auf unterschiedliche Weise kämpfen, wenn auch unbewusst, denn von der inneren oder spirituellen Perspektive aus gesehen geht es um Gleichgewicht und richtige menschliche Beziehungen. Man könnte sagen, dass Teilen die Mutter aller Attribute des Herzens ist.

 

Teil III: Liebe in Aktion demonstrieren

Zuvor erklärten Sie in diesem Interview, wie Umweltschützer beginnen, das Prinzip des Teilens in ihre Lobbyarbeit einzubeziehen, aber was bedeutet es eine Innenperspektive in Bezug auf das Teilen in den Umwelt-Aktivismus zu integrieren? In anderen Worten: Wie können wir erkennen, wenn Aktivisten sich von „Herzen engagieren“ und „Liebe in Aktion“ demonstrieren?

Es ist nicht so, dass Umweltschützer aufhören sollten mit dem was sie tun oder eine ganz andere Richtung einschlagen, sondern mehr eine Frage wie man denkt, und zwar mit einer inneren Sicht auf die Weltprobleme, während wir weiter unsere unterschiedlichen Anliegen verfolgen. Was das in erster Linie bedeutet, wie ich in meinem Buch „Artikel 25“ bereits erwähnt habe, ist, dass es für uns möglich ist, ein unwiderrufliches Ende des Welthungers zu befürworten und gleichzeitig von den Regierungen zu verlangen, die nötigen Maßnahmen zu treffen, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, oder wofür wir auch immer stehen. Die grundlegende innere oder spirituelle Bedeutung der Umweltkrise ist, dass es das menschliche Bewusstsein auf der planetaren Ebene erweitert hat, was bedeutet, dass Millionen von Menschen sich nicht nur in ihren eigenen Ländern oder Gemeinden über das Wohl der Umwelt Gedanken machen, sondern auch über das Wohl der Umwelt als Ganzes, der globalen Atmosphäre und Biosphäre, die uns allen gehört. Es ist jetzt fast Mode geworden, sich für die Umwelt einzusetzen, während ein globales Bewusstsein für die Realität von Hunger und chronischer Armut im Vergleich dazu scheinbar vergessen ist.

Denn wenn wir große Demonstration für die Umwelt organisieren können, warum können wir nicht ebenfalls riesige Demonstrationen organisieren, damit die Regierungen in einem noch nie dagewesenen Maßstab Nahrungsmittel an die Hungernden verteilen und all denen helfen, die an vermeidbaren Krankheiten leiden? Wie wir wissen, sterben Millionen von Menschen jährlich an vermeidbaren Krankheiten. Ich will nicht die gleichen Argumente wiederholen, die ich bereits gemacht habe, aber das Bewusstsein zum Thema Weltprobleme ist so selektiv, dass man kaum mit Umweltschützern über die Krise des Welthungers oder der Armut sprechen kann, was bedeutet, dass Umweltschutz einer weiteren Illusion erliegt oder ein selbstgemachter „Ismus“ ist.

Wir hören oft wie Umweltschützer von Kindern zukünftiger Generationen sprechen, aber was ist mit den Kindern unserer heutigen Generation, die an Hunger sterben als Folge einer öffentlich sanktionierten Regierung? Ich behaupte, dass die Kinder in der Tat als Folge des inneren CO2 sterben, das diesen Planeten durchdringt, wie das vor allem durch unsere kollektive Selbstgefälligkeit, Ignoranz und Gleichgültigkeit zum Ausdruck gebracht wird. Nüchtern und menschlich gesehen:  sind die Kinder einer armen Gemeinde nicht ebenfalls unsere Kinder, für deren Pflege und Schutz wir kämpfen sollten? Die Art der Mentalität, die nur an "meine Kinder" oder "meine Zukunft" denkt, in privilegierten und wohlhabenden Nationen, ist in sich selbst die schlimmste Form der Verschmutzung die in zwischenmenschlichen Beziehungen besteht. Es ist wirklich unausgewogen und verblendet so zu denken, weit weg von einem Verständnis der authentischen Herzenswahrnehmung oder dessen was „Liebe-in-Aktion“ bedeutet.

Wie ich schon sagte: sollte sich eine weitere globale Finanzkrise entwickeln, besteht die Gefahr in der Politik, dass sie die Umweltkrise ad acta legt; aber jetzt, wo Millionen von Menschen ihren Fokus auf die Bedrohung durch den Klimawechsel gerichtet haben, scheint es, als ob die fortwährende Krise des globalen Hungers bereits beiseitegelegt wurde. Denken wir wirklich, dass es eine gesunde Einstellung ist, uns Sorgen über das Wohlergehen unserer Urenkel zu machen, wenn die Familie bereits mehr hat als sie braucht, im Vergleich zu den tausendend von Kindern, die jede Woche als Folge der extremen Armut sterben? So sehr wir diese Gefühle auch in eine sachkundige Meinung über die globale Erwärmung hüllen, ist es immer noch die gleiche Mentalität der selbstgefälligen Person, die sagt, dass „es Hunger schon immer gegeben hat und immer geben wird“. So lange diese Haltung in weiten Teilen der Weltbevölkerung bestehen bleibt, wird es immer welche geben, die hinsichtlich der Klimakrise antworten werden: „Es ist doch vollkommen egal, wir sind alle auf die eine oder andere Weise verloren.“

Es gibt auch viele prominente Klimaaktivisten und Vorkämpfer, die die Krise des globalen Hungers und der Armut nie erwähnen, als ob sie sich mehr darum sorgen, die Durchschnittstemperaturen der Welt zu senken, als die Armen die vom Hungertod bedroht sind zu ernähren. Somit stehen sie effektiv für das Gemeinwohl derer, die in einer modernen Wohlstandsgesellschaft leben, aber nicht für das Gemeinwohl der Welt als Ganzes, der einen Menschheit. Aus diesem Grund sind für mich Willy Brandt und Papst Franziskus die wichtigsten geistigen Autoritäten in dieser Hinsicht, wie das im Brandt-Bericht und in der jüngsten Enzyklika Laudato si' bereits dargelegt wurde.

Im dritten Teil Ihres Buches „Artikel 25“ postulieren Sie, dass "wir den Klimawandel oder die Umweltkrise niemals bewältigen können, ohne die Ungerechtigkeit von Armut inmitten des Überflusses zu beseitigen, denn genau hier beginnt die Lösung all unserer Umweltprobleme." Können Sie Ihre Denkmethoden zusammenfassen?

Ich möchte den Leser eindringlich bitten, diese Untersuchungslinie für sich selbst zu betrachten. Aber die wesentliche Botschaft ist, dass ständige Demonstrationen der einzige Weg sind, um der kritischen Weltlage durch eine massive Kundgebung der Einheit von Millionen Menschen in allen Ländern eine neue Orientierung zu geben.  In Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird gefordert, dass jeder Mann, Frau und Kind Zugang zu den grundlegenden Bedürfnissen des Lebens haben sollte. Das ist wirklich eine Leitlinie für die Massen einfacher Bürger die für Gerechtigkeit und Freiheit einstehen, in Anbetracht der gewaltigen Veränderungen, die die Umsetzung von Artikel 25 in globalen politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten bewirken würde.

Dies vor allem in Bezug auf die Vereinten Nationen, die wir als eine Organisation betrachten sollten, die den Menschen der Welt gehört und nicht den Unternehmensinteressen oder den Mächtigsten im Sicherheitsrat dient. Auf diese Weise könnten anhaltende weltweite Proteste für Artikel 25 den Brandt-Bericht wieder auf den Verhandlungstisch bringen, oder zumindest eine hohe Stufe eines Notprogrammes zur Umverteilung einleiten, als eine führende internationale Priorität, um Hunger und extreme Armut zu beenden. Das ist, im Wesentlichen das Tor für strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft, die für eine langfristige Sicherheit und die Umweltkrise notwendig sind.

Jeder kann die kurze Begründung, die ich im Buch postuliere, verstehen und verfolgen, wobei ein Verständnis des Problems der Kommerzialisierung zentral ist, wie wir schon ausführlich in diesem Interview besprochen haben. Ohne unaufhörliche Protestaktionen von Millionen Menschen, wenn nicht Milliarden über viele Monate und sogar Jahre hinweg, werden die Kräfte der Kommerzialisierung zunehmend unsere politischen und wirtschaftlichen Institutionen mit ihren weltweiten Trends dominieren. Und das wird zu weiteren Katastrophen und Turbulenzen führen.

Im gegenwärtigen Zusammenhang ist es für die Nationen unmöglich, ein ehrgeiziges Programm zur Begrenzung der globalen Kohlendioxidemissionen umzusetzen, Hungersnot endgültig zu beenden, oder im Umgang mit der Flüchtlingskrise. Aber sobald sich die Regierung zum Teilen der globalen Ressourcen verpflichtet und der moralisch empörenden und lebensbedrohlichen Armut innerhalb weniger Jahre ein Ende setzt, gibt es noch viele andere Probleme, in denen Nationen zusammen eine gemeinsame Lösung finden müssen, einschließlich Fragen bezüglich des Klimawandels und der Gesundung unserer Umwelt. Im Buch verwende ich schlussfolgerndes Denken, um diese unbestreitbare Logik zu erklären, welche das leidige Thema umfasst, wie man ein Null-Wachstum erreicht und die Bevölkerungszahl schließlich verringert, um für jede Person permanent die grundlegenden sozioökonomischen Rechte zu sichern.

Allerdings versuche ich hier nicht, eine weitere Theorie der Veränderung zu fördern, denn vor uns liegen nüchterne und menschliche Fragen, die es nicht von uns verlangen, uns innerhalb einer Theorie oder eines Ismus zu bewegen, um zu einem besseren Verständnis zu gelangen. Die Lösung der Probleme der Welt, wie ich sie vorschlage, ist bemerkenswert einfach in ihrer Konzeption. Die tieferen Fragen beziehen sich darauf, was passieren wird, wenn Millionen von Menschen immer wieder für ein einziges Ziel und einen einheitlichen Zweck protestieren. Das sind die Fragen, die uns zurückbringen zu unserer „inneren“ Linie der Untersuchung, über unseren Mangel an Liebe und Herz-Bewusstsein.  Wenn wir die endlosen Demonstrationen voraussehen können, die darauf konzentriert sind, die Vereinten Nationen zu ermächtigen die Umsetzung von Artikel 25 in allen Ländern zu überwachen, dann wird das die Bewusstseinserweiterung von Million von Menschen mit sich bringen, die Realität unser kritischen Weltlage eindeutiger zu erkennen.

Wir müssen eine kollektive Erkenntnis erreichen für alle Probleme, die wir heute erleben. Dass das ganze Elend, Spaltung und Hass auf der Tatsache beruht, weil wir es versäumt haben, die Ressourcen der Welt seit der Gründung der Vereinten Nationen zu teilen und wir weiter mit dem Kopf voran in die falsche Richtung gehen.  Artikel 25 ist in diesem Sinne nicht die Lösung der Weltprobleme, sondern das Erwachen des menschlichen Herzens auf globaler Ebene durch das Bewusstsein von Zusammengehörigkeit und Liebe und durch die Erkenntnis, dass wir das Prinzip des Teilens in der Weltpolitik einführen müssen, bevor es zu spät ist.

Wir können uns vorstellen, wenn genügend Leute zu dieser freudigen und hoffnungsvollen Erkenntnis gelangen, dass unser erweitertes kollektives Bewusstsein in Kürze die Verbindungen zwischen den ineinandergreifenden Krisen in der Welt erfassen kann. Nachdem die Mehrheit der Menschen voll und ganz auf die Lösung des Problems von Hunger und Armut konzentriert ist, werden wir die Ungerechtigkeiten viel einfacher erkennen können, wie z.B. unsere Umweltprobleme in Bezug auf menschliche Ausbeutung und dem legitimierten Diebstahl und der Zerstörung, die den multinationalen Unternehmen zugrunde liegen. Im Laufe der Zeit werden sich Millionen von gewöhnlichen Bürgern die Frage stellen, warum die Gesellschaft von materiellen Gütern besessen ist und ihren verschwenderischen Konsum in Frage stellen. Sie werden stattdessen versuchen, einfacher zu leben, ohne den Wunsch reich und erfolgreich zu werden.

Es wird auch eine enorme Wirkung auf unsere Bildungssysteme haben, sowie unsere kulturellen und sozialen Einrichtungen; in der Tat, die Auswirkungen alle Grundbedürfnisse zu sichern wird uns schließlich alle erheben und alle Aspekte des menschlichen Lebens werden profitieren.  Ich gebe nur eine kurze Zusammenfassung, was für eine immense und außergewöhnliche Transformation in unserer Gesellschaft stattfinden wird, wenn wir Artikel 25 endlich im Laufe einer Generation einführen, was ohne Zweifel ein schwieriger und langwieriger Prozess sein wird, selbst wenn eine globale Mehrheit diese  enorme Aufgabe unterstützt.

Sie erwähnen ein wichtiges Thema, das Sie bisher nur kurz angesprochen haben, und zwar, wie wir tatsächlich unseren ressourcenintensiven Lebensstil in den reichen Ländern reduzieren und einen gerechteren Lebensstandard zwischen und innerhalb aller Länder realisieren können. Obwohl Sie dieses Problem kurz aus der exoterischen oder „äußeren“ Perspektive im ersten Teil dieses Interviews angeschnitten haben, bleiben noch viele Fragen offen, wie wir diese erforderlichen Veränderungen in unserer Einstellung und unserer Verhaltensweise in einer modernen Konsumgesellschaft herbeiführen? Ist auch das ein Thema, das nur von einer inneren oder psychologischen Sicht verstanden werden kann, im Sinne der menschlichen Bewusstseinserweiterung oder einer Erweiterung unseres kollektiven Bewusstseins?

Es stimmt, dass einige progressive Denker die Politik dieser Frage von einer ganzheitlicheren, geistigen oder psychologischen Sicht her untersuchen, denn nur aus dieser Sicht können wir die wahre Antwort erkennen. Zu Allererst sollten wir verstehen, dass für die Bevölkerung, um innerhalb der biophysikalischen Grenzen der Erde einfacher und gerechter zu leben, Stress und Depressionen global reduziert werden muss. Ein großer Teil der Menschheit leidet unter Stress, denn es ist anstrengend, in einer funktionsgestörten Gesellschaft mit endlosen Spaltungen und Konflikten zu leben. All dieser Stress ist das Ergebnis von Angst in jeder Hinsicht - Angst vor Anderen, Angst vor Veränderung, Angst vor dem Leben, die Angst zu Sein überhaupt. Und Sie können nicht erwarten, dass ein Mensch, der unter Stress, Depression und Angst leidet, einfacher lebt, wenn das von uns erfordert, dass wir innerlich freier und losgelöster sind.

Wenn man jemanden achtsam beobachtet, der unter Stress und Depressionen leidet, die Bewegung innerhalb dieser Person geht immer in die Tendenz  mehr Sicherheit im Besitz zu suchen, ob in materieller oder psychologischer Hinsicht und das ist eindeutig das Gegenteil von einem freien, einfachen und bewussten Leben. Eine mögliche Heilung von dieser vorherrschenden gehetzten Lebensweise, ist die ständige liebevolle Aufmerksamkeit in allen Bereichen des täglichen Lebens – aber hier haben wir wieder unser Dilemma: Wie können wir den Stress unserer Gesellschaft ausgleichen, wenn es an Liebe, Spiritualität und innerer Freiheit auf der gesamten Welt fehlt? Daher die Absurdität unserer Situation, denn es wird uns die Möglichkeit verwehrt, einfach zu leben, obwohl es die einzig dauerhafte Lösung für unsere kollektiven Probleme ist. So haben sich zum Beispiel viele Lehrer der Krishnamurti-Schulen darüber beklagt, dass ihre Schüler es gelernt haben, ein einfaches, intelligentes Leben mit richtigen Werten und angemessenem Lebensunterhalt zu führen, bis die Schulzeit beendet ist und sie in eine funktionsgestörte Gesellschaft eintreten, die so gut wie nichts davon weiß, wie man intelligent, liebevoll und bewusst lebt.

Und als Folge der Angst zu Sein, suchen viele Menschen ihre Sicherheit, indem sie gegen die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft kämpfen und somit werden die vielen Ismen und Ideologien ständig neu belebt und wirken als eine Zuflucht. Das ist ein sehr wichtiges Thema, über das wir alle im Wesentlichen nachdenken sollten. Heute ist es nicht nur die Existenzangst, die viele Menschen daran hindert, sich innerlich zu verändern, sondern auch die Angst vor dem Verlust ihrer „Ismen“, oder die Art und Weise wie sie denken. Diese Richtung der inneren Recherche kann auch verdeutlichen, warum die massenhafte Verwirrung unserer Zeit so ernst und lähmend ist, denn wenn Verwirrung sich zu einer weltweiten Epidemie entwickelt, dann verringert sich die Kreativität der Menschen sehr deutlich, und das verhindert weiter die notwendigen transformierenden Veränderungen innerhalb der Gesellschaft.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Beobachtung dieser Materie ist, dass wir unsere Lebensweise en Masse nicht vereinfachen können, ohne Lebensfreude zu erfahren. Jedoch kann es keine wahre Freude in einer dysfunktionalen Gesellschaft geben, die so ungleich und ungerecht ist, so verwirrend und verdorben von ignoranter Politik. Es gibt zwei Arten von Lebensfreude, die wir deutlich sehen können, wobei die erste aus dem oberflächlichen Genuss und der Illusion der Vermarktung stammt, die in ihrer Gesamtheit die größte aller Illusionen ist, wie wir gerade besprochen haben. Jedoch die andere Lebensfreude, die wahre und geistige Lebensfreude, ist den meisten unbekannt, denn sie kann nur dann sichtbar werden und ihre Natur offenbaren, wenn das Prinzip des Teilens völlig in die globale Wirtschaft und in die politischen Angelegenheiten integriert ist.

Es ist, als ob diese beiden Formen sich gegenseitig aufheben, und heute ist die Illusion der Lebensfreude, die von den Kräften der Kommerzialisierung angeregt wird, diejenige, die der Menschheit unbewusst aufgedrängt wurde. Somit wird Lebensfreude, die im Herzen durch Mitgefühl entwickelt wird vom Massenkonsum vernebelt und daher auch kaum spürbar in unserem Alltag. Das gilt ebenso für das freudige Erkennen, dass wir eine Einheit sind und daher gleichwertig und wichtig in unserer Zusammengehörigkeit und Liebe.

Wir können einen kleinen Schimmer von dieser Freude in den verschiedenen Ausdrucksformen des Teilens und in der Solidarität auf kommunaler Ebene sehen, oder in den provisorischen Lagern friedlicher Massenproteste, wie Occupy Wall Street oder auf dem Tahir-Platz 2011.

Bedeutet dies, dass eine einfachere und freudvollere Art des Lebens innerhalb der vorherrschenden Wohlstandsgesellschaft nur durch die Umsetzung von Artikel 25 kommen kann, ein Thema, das Sie schon in „Artikel 25“ vorgestellt haben, dabei aber auf keine Details eingingen?

Wenn Sie nicht nur intellektuell, sondern auch durch das Bewusstsein des Herzens verstehen was ich sage, dann können Sie sehen, dass es nicht leicht ist, in dieser allzu übertriebenen materiellen Welt einfach zu leben, und dass die Umsetzung von Artikel 25 die Menschheit lehren wird, wie wir innerhalb der Grenzen unseres Planeten auf eine einfachere Weise zusammen leben können. Ist Ihnen noch nicht in den Sinn gekommen, dass wir weltweit unmöglich bescheidener und gerechter leben können, so lange Millionen von Menschen jährlich an den Folgen von Hunger und anderen armutsbedingten Ursachen sterben?

Es gibt viele enorm wohlhabende Menschen, die es müde sind, mit ihrem Reichtum in einer getrennten Umgebung zu leben, genauso wie Millionen von armen Menschen es müde sind, täglich um ihr Überleben zu kämpfen. Die Aussicht auf einen garantierten Artikel 25 kann alle zusammenbringen und die Spannung verringern, welche die enorme weltweite Diskrepanz der unterschiedlichen Lebensstandards verursacht hat. In psychologischer und spiritueller Hinsicht repräsentiert Artikel 25 eine phänomenale Grundlage für Würde und Freiheit, der das Potenzial besitzt, die Unersättlichkeit, die Ungerechtigkeit und den Ehrgeiz in unserer Haltung zum Leben und in den menschlichen Beziehungen zu verringern. Er ist der Vorläufer von Liebe und Wahrnehmung, der notwendig ist, um unsere verschiedenen Arten der sozialen Organisation zu vereinfachen.

Was ist letztendlich die Hauptursache des Klimawandels, wenn nicht der Missbrauch, der durch das Streben nach Profit und Macht verursacht wird, denn es ist unmöglich, in kolossalem Maßstab Gewinne zu erzielen, ohne die Umwelt zu missbrauchen und andere Menschen auszubeuten. Wir haben gesehen, wie sich die Regierungen und großen Konzerne an der Aufrechterhaltung dieser destruktiven Wirtschaftsordnung beteiligen, ebenso wie wir mitschuldig sind in der Aufrechterhaltung des gesamten Systems, durch unsere Verhaltensmuster en Masse und durch nicht nachhaltigen Konsum. Aber es scheint, dass fast jeder mehr konsumieren und seinen relativen Lebensstandard verbessern möchte, einschließlich der Millionen armer Menschen in Entwicklungsländern, die mehr konsumieren wollen und nach einem höheren Lebensstil streben, wie wir ihn in Westeuropa oder Nordamerika kennen. Das hat katastrophale Folgen und ist nicht nachhaltig im Sinne von "One Planet Living".

Der einzige Weg in dieser Gesellschaft einfach zu leben ist außerhalb des Rasters oder sich in eine isolierte Gemeinschaft zurückzuziehen. Das ist jedoch keine Lösung für das globale Problem des Klimawandels, von dem viele Wissenschaftler glauben, dass er bereits einige irreversible Wendepunkte überschritten hat. Was auch immer der Vorteil sein mag, wenn wir sparsamer in selbstversorgenden Gemeinschaften leben es ist wirklich nur eine Flucht, die nur kurzlebig sein kann, denn früher oder später werden uns die Probleme der Welt einholen, egal wo wir leben.

Das weist auf eine weitere spirituelle Bedeutung des Klimawandels hin, die darin besteht, der Menschheit zu vermitteln, dass alle unsere Probleme heute global sind, die eine globale, gemeinsame Lösung erforderlich machen. Es ist, als ob sogar das Wetter uns bittet, aufzuhören, uns von der geistigen Einheit der Menschheit zu trennen. Was bedeutet, dass wir es nie schaffen werden, einfacher und froher zu leben, bis genügend Menschen sich aus dem Herzen engagieren und die Themen Ende der Armut und Rettung des Planeten miteinander verbinden.

Möchten Sie damit sagen, dass es erst möglich ist, einen globalen einfacheren Lebensstil zu erreichen, wenn Artikel 25 in den internationalen Angelegenheiten zur Priorität gemacht wird, denn das wird sowohl die „innere“ Aufmerksamkeit für die Notwendigkeit der Menschheit sich zu ändern, als auch die „äußeren“ strukturellen Veränderungen in der Gesellschaft und den globalen Wirtschaftssystemen, die auf dem Prinzip des Teilens basieren, herbeiführen?

Unabhängig davon, wie wir dieses Thema auch betrachten, kommen wir mit unserem Denken und visionären Ideen für eine neue Gesellschaft nicht vorwärts, bis wir erkannt haben, dass die Umsetzung von Artikel 25, als eine wirksame Reihe von Gesetzen in allen Nationen notwendig ist. Weil es tatsächlich das Tor ist für die „inneren“ Veränderungen im Menschen und den „äußeren“ Veränderungen in der Gesellschaft, was letztendlich eine nachhaltige Wirtschaft herbeiführen kann, die innerhalb der planetaren Grenzen arbeitet. Was sonst kann zu diesem kollektiven Bewusstsein führen, das nötig ist, um neue Gesetze und wirtschaftliche Praktiken zu etablieren, die die Umweltausbeutung knapper natürlicher Ressourcen verhindert? Wenn alle ihre Grundbedürfnisse gesichert haben, wenn die Ressourcen weltweit gerechter verteilt sind, können wir vielleicht die Einleitung eines neuen internationalen Führungsrahmens erahnen. Einen, der es uns ermöglichen wird, die Umwelt zu schützen und frei von Ungerechtigkeit zu leben - mit der Freude ein einfacheres Leben zu realisieren, "so dass andere einfach überhaupt leben können".

Eigentlich sprechen wir hier über die Verschmelzung von Kapitalismus und Sozialismus auf globaler Ebene mit anderen wirtschaftlichen Übereinkommen, wobei die Umsetzung von Artikel 25 die künftigen Handelsvereinbarungen zwischen den Nationen bestimmen wird. Wenn also ein Land beispielsweise einen Überschuss an Nahrung hat, es diese Lebensmittel nicht mit Profit exportieren oder in Lagerhallen verrotten lassen wird, während Millionen von Menschen auf der Welt an Hunger leiden. Als alternatives Wirtschaftsparadigma kann jede Nation, nachdem die eigenen Bedürfnisse gedeckt sind, seinen Produktionsüberschuss in eine Art globalen Pool spenden, der von einem Institut speziell für diesen Zweck verwaltet wird. Wie zum Beispiel eine neu einzurichtende Agentur innerhalb der Vereinten Nationen, wo diverse Güter umverteilt oder mit anderen Ländern getauscht werden können, die von bestimmten Ressourcen weit weniger produzieren.

Man könnte das als echte strukturelle Anpassung sehen, eine, die der Gemeinschaft der Nationen ermöglicht, hinlänglich Waren und Güter herzustellen, mit dem Recht für jeden, sie zu genießen, ohne dabei die begrenzten Ressourcen der Erde zu erschöpfen. Aber wie soll das möglich sein mit dem anhaltenden explosiven Wachstum der Weltbevölkerung, mit den wachsenden Extremen der Lebenshaltung der reichsten und der ärmsten Bürger, und mit dem zunehmenden exzessiven Verbrauch der natürlichen Ressourcen, der bereits weit über die Biokapazität des Planeten hinausgeht?

Wir könnten endlos über die Details eines vereinfachten Wirtschaftssystems debattieren, das auf dem Prinzip des Teilens beruht, aber Tatsache ist, dass keine Strukturreformen oder neue Gesetze entlang dieser Linien eingeführt werden können, wenn die Menschheit weiter so von den Kräften der Kommerzialisierung beherrscht wird, hinter denen ein allumfassendes Streben nach Profit und wetteiferndem Eigennutz liegt. Welcher psychologische Faktor hält die Entwicklung des Gemeinguts im Bewusstsein der Menschheit zurück, wenn nicht das Streben nach Profit? Und welche innere Behinderung hält uns davon ab, Kalte-Fusion-Technologie als Grundlage für freie Energie in unseren Gesellschaften zu etablieren, wenn nicht das Streben nach Profit? Weit in der Zukunft, mit einem erweiterten Bewusstsein für die innere und geistige Wirklichkeit des Lebens, können wir zu dem Schluss kommen, dass der einzige Ausweg aus diesem uralten Problem ein strukturierter Tauschhandel ist, im globalen wirtschaftlichen Rahmen des Gesetzes von Angebot und Nachfrage. Wie wir wissen ist das Streben nach Gewinn für Mensch als auch Natur schädlich und belastend, während die Praxis des Tauschhandels im Gegensatz dazu auf Harmlosigkeit, Einfachheit und wahren menschlichen Beziehungen beruht.

Es gibt noch viel mehr zu diesem Thema zu sagen, aber an diesem Punkt möchte ich betonen, dass eine neue Art zwischenmenschlicher Beziehungen und wirtschaftlicher Austausch nicht möglich sein wird, ohne die gleichzeitige Einführung einer neuen Bildung, die auf Selbsterkenntnis beruht. Das ist ein riesiges Kapitel an sich, welches in unserer Beziehung zueinander und zur natürlichen Umwelt eine ganz andere Betrachtungsweise erfordert. Das soll natürlich nicht heißen, dass wir zu einem primitiveren Lebensstil zurückkehren, denn es wird immer eine Rolle für Innovation und Technologie in der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft geben, während nichts die angeborene Neugier des Menschen zurückhalten kann, mehr über seine Position im Universum zu erfahren. Ein einfacherer Lebensstil umfasst viel mehr als nur die Menge und Art der Ressourcen, die wir verbrauchen, denn es gibt eine Kunst, einfach zu leben, das heißt: mit Selbsterkenntnis in Beziehung zur Außenwelt zu leben. Bitte beachten Sie hier, dass uns keine externe Behörde aufzwingen kann einfacher, freudvoller und einer aus dem Herzen kommenden Art zu leben.  Das muss jeder Einzelne kultivieren durch sein inneres Bewusstsein, und seine Absicht harmlos zu leben und alle anderen Lebewesen zu respektieren.

Können Sie bitte den letzten Gedanken erweitern, vor allem die Idee, dass einfach zu Leben selbst eine Kunst ist? Sprechen Sie über dieselbe „Art of Living“ wie John Stuart Mill beschrieben hat, als er den Endzweck des industriellen Fortschritts Mitte 18. Jahrhunderts in Betracht zog? Oder sprechen Sie über eine andere Form der Kunst einfach zu leben, die vermutlich im geistigen und nicht im wörtlichen Sinne verstanden werden muss?

Einfach zu leben ist wahrlich eine Kunst, ebenso wie ein versierter Architekt ein einfaches Gebäude entwerfen kann und sparsam ist in der Verwendung von Ressourcen, jedoch schön in seiner äußeren Erscheinung. Ebenso wie ein Künstler es versteht verschiedene Farben harmonisch in ein Bild einzubauen, sodass es optisch ansprechend und sinnvoll ist, versuchen auch wir die Gesellschaft an ihren richtigen Platz zu stellen, so dass jeder hat was er braucht, um ein würdiges, kreatives und erfülltes Leben zu leben, harmlos und orientiert im Dienst an Anderen. Wenn wir glauben, dass unser Leben mehr ist, als nur Stress und Spaltung in dieser modernen Welt, wenn wir diese andere Kunst des Lebens spüren können und es möglich ist, dass jeder in Freiheit lebt und die Möglichkeit hat, seine angeborene Kreativität zu erkunden, dann können wir die Wahrheit erahnen, dass die ganze menschliche Evolution eine wissenschaftliche Kunst ist, in der wir alle eine Rolle als Mitarbeiter in der Schöpfung des Einen Lebens spielen. Wir sind alle Künstler unserer eigenen Schöpfung, vom Inneren zum Äußeren. Und es kann so etwas wie „einfach leben“ nicht ohne die Kunst zu Leben geben, oder in spirituellen Begriffen genauer ausgedrückt die Kunst zu Sein.[9]

Was wir in dieser Zeit des planetarischen Chaos und Wandels beobachten können, ist, dass es in unserem täglichen Leben nahezu unmöglich ist einfach zu leben. Also könnte man sagen, dass der erste Schritt für die Menschheit die Kunst des korrekten Denkens ist. Letztendlich ist es das, was uns zum Künstler unseres Lebens macht. Dadurch wird uns die geistige Wirklichkeit des Lebens bewusst und die Notwendigkeit, unsere Einstellung sowie die Verhaltensweisen und Absichten als eine Familie von Nationen, vollständig zu verändern. Wenn ich mich zum Beispiel mit der Idee identifiziere, ein erfolgreicher und wohlhabender „Unternehmer“ zu sein, dann kümmere ich mich eher um Profit und meinen persönlichen Wohlstand, als um den Lebenserhalt öffentlicher Parks und den Schutz der Natur Reserven, geschweige denn um ein stabiles Klimasystem der Erde. Die Kunst des richtigen Denkens betrifft daher meine ursprüngliche Intention, die immer auf das höchste Gemeinwohl der Menschheit und des gesamten Planeten abzielt.

In diesem Sinne gibt es bereits viele Künstler in der Welt, die sich damit beschäftigen, wie die Menschheit ihre nationalen und globalen Angelegenheiten durchführt, damit wir das Gemeingut aller Menschen im Übergang zu ökologisch widerstandsfähigeren Gesellschaften besser erkennen können. Wenn wir uns die Existenz progressiver Zivilgesellschaftsgruppen und humanitärer Organisationen als Vertreter bestimmter edler Konzepte über richtige menschliche Beziehungen vorstellen können, dann bezieht sich die Kunst des Denkens darauf, diese Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen, und zwar durch die Massenbewegung einfacher Bürger. All diese Ideen - ein Ende der Armut, eine nachhaltige Wirtschaft, eine friedliche Welt und eine gesunde Umwelt - werden nie verwirklicht werden, außer die gesamte Gesellschaft steht vereint dahinter. Wenn die gesamte Menschheit diese Idee ergreift, die unser Bewusstsein als Rasse erweitert, wird unser Leben allgemein mit mehr Freude erfüllt sein und die menschliche Intelligenz dazu animieren, sich in einem viel schnelleren Tempo in Übereinstimmung mit unserer spirituellen Evolution zu entfalten.

Die schlimmste Krankheit auf dieser Erde ist Spaltung, sowohl in ihrer inneren als auch äußeren Form, und die Kunst des korrekten Denkens ist der erste Schritt zu einer kollektiven, planetaren Transformation. Ich glaube, wir brauchen uns im Moment mit der Kunst einfacher zu leben nicht zu sehr beschäftigen, es ist viel wichtiger uns der Illusionen bewusst zu werden, die uns vom einfachen Weg der wahren zwischenmenschlichen Beziehungen wegführen. Wenn wir diese prognostische spirituelle Frage weiter betrachten wollen, um zu sehen, wie ein Leben in einer mehr erleuchteten und Herz betonten Gesellschaft sein kann, schlage ich vor, dass wir damit anfangen, uns darüber bewusst zu werden, dass die zunehmenden Trends der Vermarktung uns in die entgegengesetzte Richtung führen. Um die Analogie des bildenden Künstlers zu erweitern: Es ist die Kommerzialisierung, die eine falsche Erziehung bewirkt und uns dazu konditioniert, die Farben vollkommen falsch aufeinander abzustimmen, bis unsere falsch gebrauchte menschliche Intelligenz uns in Richtung einer unmittelbaren Selbstzerstörung bringt, wie ich schon oft betont habe.

Das führt uns zu der Frage: Was kann die Liebe und das Bewusstsein der Menschheit in ausreichendem Maße erwecken, so dass die Transformation der Welt in Gang kommt, wie Sie das durch massive Bürgerinitiativen vorgeschlagen haben? Ist es möglich, den Zeitpunkt oder den Funken, der den Beginn dieser inneren und äußeren Transformation entfachen kann, vorherzusagen? Wir scheinen immer noch sehr weit von Ihrer Vision, dass Millionen und Abermillionen von Menschen vereint kontinuierlich für die gerechte Aufteilung der Weltressourcen demonstrieren, entfernt zu sein. Das mag bei viele Leser ein konstantes Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verwirrung in Bezug auf die Weltprobleme hinterlassen.

Wenn wir nur die äußeren Probleme der Menschheit betrachten, werden wir mit einer solchen Komplexität konfrontiert und so vielen Faktoren und Variablen, dass wir eine klare Antwort, wie wir die Probleme der Welt lösen, unmöglich ergründen können. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, über die innere oder geistige Seite der menschlichen Evolution nachzudenken, die uns zu tieferen, einfacheren und mehr transformativen Einsichten darüber führen wird, wie die Welt sich ändern muss. Seit Tausenden von Jahren haben uns viele weise Lehrer und prophetische Denker dazu inständig aufgefordert, unsere Aufmerksamkeit nach innen zu richten und die Notwendigkeit eines Wandels wahrzunehmen. Trotz allem sind wir an den einfachsten Lehren gescheitert, beispielsweise miteinander freundlich und liebevoll umzugehen und die Produkte der Erde ohne Eigennutz, Wettbewerb oder Gier zu teilen.

Meinen wir, dass die Menschheit nach all den Jahrhunderten des technologischen und sozialen Fortschritts etwas über richtige Beziehung gelernt hat? Nationen haben es versucht und viele „Ismen“ aufgegeben, die unser soziales Verhalten geprägt haben, wir haben große Kriege und viele Jahrhunderte des Kolonialismus und Imperialismus ertragen, und trotzdem machen wir im aggressiven Wettbewerb um die Macht auf der Weltbühne weiter wie zuvor, mit allen daraus resultierenden Spaltungen und Ungleichheiten.

Was also braucht es, dass alle Menschen auf der Welt die Tatsache erkennen, dass wir „eine Menschheit“ sind, die von Natur aus gleich und voneinander abhängig ist? Aus der Innenperspektive heraus ist es nicht die wirtschaftliche und politische Sicherung von Artikel 25, die die Lösung unserer Probleme beinhaltet, da alle Probleme der Welt mit den gleichen anthropologischen Wurzeln miteinander verbunden sind; was bedeutet, dass es schlussendlich nur ein Problem und nur eine Lösung gibt. Das Problem selbst ist die Lösung, und kann in spiritueller und psychologischer Hinsicht einfach als ein Mangel an Liebe bezeichnet werden. Wir können sagen, dass wir nie einen Impfstoff für diese alte Krankheit finden werden, denn dieser ist nur im menschlichen Herzen zu finden.

Es scheint, dass wir noch lernen müssen, wie wir miteinander leben können, ohne uns erneut zu konditionieren, ohne uns hinter den Masken religiöser oder politscher »Ismen« zu verstecken und ohne Vorurteile und Hass zu reproduzieren, die in der Geschichte unserer Nationen begraben liegen. Was wir schlussendlich sagen können ist, dass richtige menschliche Beziehungen der Schlüssel zu unseren sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Krisen in all ihren Dimensionen sind, was im Zusammenhang mit unserer dysfunktionalen Gesellschaft bedeutet, dass Liebe und Wahrnehmung in reichlichem Maße in der ganzen Welt aufblühen muss.

Aber solange wir weiterhin die gleichen Politiker wählen, die nach wie vor den nationalen Stolz und individuellen Wohlstand wahren, solange Protestaktionen und Demonstrationen sich auf wenige beschränken, gibt es nur zwei Möglichkeiten für eine rasche Expansion des menschlichen Bewusstseins: entweder ein göttlicher Eingriff oder ein völliger Zusammenbruch des internationalen Wirtschaftssystems. Wie ich schon am Ende im Buch „Artikel 25“ schrieb, scheint es, dass eine große Katastrophe notwendig ist, um uns der Realität bewusst zu werden und ebenso unserer gegenwärtigen Lebensweise und alles was psychologisch damit verbunden ist  – der Tsunami des persönlichen Ehrgeizes, die Ambition von Millionen von Menschen reich und erfolgreich zu werden, sowie das individuelle Streben nach Glück und Sicherheit. Eine weitere globale Finanzkrise, die heftiger und langwieriger ist als die große Depression, wird einen starken Einfluss darauf haben wie wir denken und unsere Gesellschaften organisieren. Es wird zeigen, im symbolischen Sinn, wie die Menschheit einen Punkt erreicht hat, über den sie nicht hinausgehen kann. Es gibt keinen Weg vorwärts ohne eine vollständige Transformation in unserer inneren Einstellung und Verhaltensweise, die eine soziale Ordnung aufrechterhält, die auf falschen Prämissen und Prinzipen basiert.

Was sonst kann diesen kolossalen Massenkonsum stoppen und genügend Leute aus ihrer Selbstzufriedenheit reißen? Doch diesen Punkt zu erreichen, wo es für die Menschheit notwendig ist eine komplette Wirtschaftskrise zu erleben, ist wirklich ein erbärmlicher Hinweis darauf, wie tief wir am Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts gesunken sind. Es gibt kein Vertrauen mehr zwischen den Nationen, keine Liebe in unseren staatlichen Institutionen und keine Vision unter unseren politischen Führern, die uns in einer wahrlich kooperativen Weise weiterbringt. Wir sollten uns fragen, warum wir eigentlich diese massiven und ständigen Demonstrationen brauchen, um in unseren globalen Angelegenheiten den gesunden Menschverstand zu erwecken, wenn es doch immer so einfach war, unsere Art des Zusammenlebens zu ändern und als eine Menschheit zu handeln.

Mit wenigen Worten haben Sie die spirituelle Bedeutung und Symbolik des Klimawandels präzise beschrieben; können Sie noch mehr zu den inneren Ursachen und Auswirkungen der Umweltkrise sagen?

Das ist eine weitere wichtige Frage, über die wir alle nachdenken sollten, denn wenn alles in dieser Welt spirituell ist und der Mensch Leben ist, wie ich schon betont habe, dann bedeutet es, dass alles was wir tun eine Wirkung auf die Umwelt hat, vom einzelnen Individuum bis zur ganzen menschlichen Kollektiv. Das chaotische Klima reflektiert das Chaos in unserem Inneren, und daher ist die Klimaerwärmung eine direkte Konsequenz unserer miteinander verquickten Gedanken und Handlungen. Man erntet, was man sät, so wie es in der Bibel steht. Wieviel einfacher könnte es sein? Als Zivilisation müssen wir jedoch noch begreifen, dass niemandem etwas gehört und wir die Verantwortung haben, die Ressourcen dieser Erde gerecht zu verteilen, zu verwalten und zu schützen. Sobald wir diesen wichtigen ersten Schritt hin zu unserer echten Menschlichkeit und gemeinsamen Göttlichkeit demonstrieren, können wir beobachten, wie die Natur in einer mysteriösen, ja sogar wundersamen Art und Weise zu ihrem Gleichgewicht zurückkehrt. Mensch und Natur sind ewig Eins in spirituellen und evolutionären Begriffen. Also wenn der Mensch durch seine jahrhundertlange Arroganz und Ignoranz eine Spaltung hervorruft, dann bringt das die ganze Schöpfung aus dem Gleichgewicht, ein Gleichgewicht, das natürlich entstand und dauerhaft war, lange bevor Menschen existierten.

In diesem Licht erwähnte ich die bedeutende Symbolik, die der anthropogene Klimawandel repräsentiert, indem er die Krise der Menschheit auf jeder Ebene reflektiert, nicht nur im wirtschaftlichen und politischen, sondern auch im psychologischen, sozialen und spirituellen Sinn. Wir erleben nicht nur eine politische Krise, welche sich auf die Organisation unserer leitenden Institutionen auswirkt, sondern auch eine Krise der „Ismen“, die unsere gesamte Herangehensweise im menschlichen Handeln und Denken in Frage stellt.  Ebenso ist es nicht nur eine erneute globale Finanzkrise, die wir bald miterleben werden, die neue Formen der Wirtschaftsorganisation notwendig machen, sondern auch der Höhepunkt einer psychosozialen-spirituellen Krise, die uns dazu zwingt, die Natur und Aufgabe unseres Seins neu zu bewerten. Alle alten Ismen brechen zusammen oder sind kristallisiert, ebenso wie alle alten Formen unserer wirtschaftlichen und politischen Systeme sich langsam auflösen oder zerbrechen. Das schafft unter den widersprüchlichen und polarisierenden Sichtweisen Verwirrung, dem linken und rechten Flügel, den reaktionären Konservativen und den überzeugten Progressiven. Der Übergang zu einer gesünderen Welt ist für die Menschheit schmerzhaft und chaotisch und es scheint, als ob wir in einer Zeit der Massenverwirrung leben. So wie wir mit den vielfältigen Krisen umgehen, die diese schwierigen Zeiten markieren, können wir prognostizieren, dass sie in den kommenden Jahren noch intensiver werden.

Ist das aus esoterischer Sicht die definitive Bedeutung des Klimawandels, dass es aus dieser Ära der Verwirrung und Krise nur einen Ausweg gibt, und zwar das Prinzip des Teilens in der Weltpolitik umzusetzen?

Am Beginn dieses Interviews sprach ich über die inneren Ursachen unserer Klimakrise, was im Wesentlichen bedeutet, dass die Menschheit vor einer ultimativen und unvermeidlichen Wahl steht. Entweder wir gehen weiterhin den alten egoistisch und wettbewerbsorientierten Weg der Vergangenheit, der schließlich zur Selbstvernichtung führt, oder wir ergreifen die neuen Kräfte und Energien, die die Menschheit in zwei gegensätzliche Gruppen teilt, wo jeder halbwegs klardenkende Mensch des guten Willens zu der offensichtlichen Realisierung kommt, dass unsere einzig verbleibende Hoffnung im Teilen der Weltressourcen liegt.

Beide Seiten sind in diesem epischen Kampf verwirrt und frustriert, nicht nur die Aktivisten in allen Bereichen des Lebens, die gegen eigennützige Regierungen und Unternehmen kämpfen. Selbst die Befürworter der Kommerzialisierung, die sie zwar wahrnehmen und irgendwie spüren können, egal wie schwach oder unbewusst, und deren einzige Erleichterung noch ihr gewinnbringender und persönlicher Ehrgeiz ist. Wir sitzen alle im gleichen Boot, wenn es um Massenverwirrung geht, unabhängig davon an welche Ismen wir uns klammern, die rechten oder linken, denn die Menschheit erreicht ihre Mündigkeit. Symbolisch bedeutet es, dass wir endlich bereit sind, die Wahrheit unserer angeborenen Göttlichkeit und Einheit zu akzeptieren, jenseits jeder religiösen oder theoretischen Interpretation dessen, was diese Begriffe bedeuten. Es ist, als würde uns das Wetter bitten damit aufzuhören, uns von unserer geistigen Einheit und Verbundenheit zu trennen und uns anflehen uns kollektiv im Inneren zu verändern.

Um das noch einmal zusammen zu fassen: Sie haben erklärt, dass die globale Transformation nicht allein durch die Ideen oder die Lobbyarbeit von Gruppen der Zivilgesellschaft zustande kommen kann, auch wenn ihre Vorschläge sinnvoll und lobenswert sind, aber erst im Zuge einer globalen Bewusstseinsveränderung können sie Früchte tragen. Und dieses neue innere Bewusstsein, muss in erster Linie durch massive Proteste der Bevölkerung zum Ausdruck kommen, die die moralische, spirituelle und praktische Dringlichkeit von Artikel 25 in allen Ländern, für alle Menschen garantieren. Auf diese Weise kann es die Vereinten Nationen befähigen eine neue Ära des internationalen und wirtschaftlichen Austauschs als auch der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen einzuleiten, wie Sie schon in Ihren anderen Ausführungen dargelegt haben. Paradoxerweise bedeutet das aus der inneren oder spirituellen Sichtweise keine dauerhafte Lösung für die Umweltkrise, bis wir uns ein Ende der menschlichen materiellen Entbehrung zu eigen machen. Ist das eine angemessene Zusammenfassung oder möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Die gesamte Gedankenform der globalen ökologischen Krise kristallisiert sich zusehends, da das spirituelle Gegenstück in den meisten Aktivisten-Kreisen und gängigen Debatten kaum erwähnt wird. Ich habe an anderer Stelle erwähnt, dass die Klimakrise der einzige Lehrer ist, der die Menschheit unter einem Banner vereint, zumindest im globalen und symbolischen Sinn.[10] Wenn wir erkennen, dass die Menschheit eine wahrhaft voneinander abhängige Familie ist, und wir das auch deutlich demonstrieren, dann können wir Artikel 25 nicht weiter ignorieren als erste und zweifache Priorität im Kampf unseren Planeten zu retten. Es sollte für jeden engagierten Bürger oder Politiker zunehmend offensichtlich sein, dass die schnelle Sicherstellung von Artikel 25 -  die selbstverständlich eine massive Umverteilung der globalen Ressourcen fordert, ebenso wie eine Umstrukturierung des Großhandels im internationalen Wirtschaftswesen - mit der Lösung des Klimawandels eng verbunden ist. Denn wenn es auch nur ein gewisses Maß an sozialer Gerechtigkeit in dieser Welt gäbe - durch eine gerechte Verteilung der Ressourcen - sodass kein Mensch mehr auf der Welt an Hunger oder anderen armutsbedingten Ursachen stirbt, dann würde das Wetter nicht solche Kapriolen schlagen wie heute.

Wie ich bereits betont habe, können wir dies logisch und schlussfolgernd in äußeren oder politikbezogenen Begriffen verstehen, wie schon in den ersten Überlegungen in diesem Interview ausgeführt bezüglich der Vorschläge der Zivilgesellschaften, dass sich die Regierungen mit der Klimakrise im Rahmen einer gerechten Lastenteilung befassen sollten. Aber für ein wahres und tiefempfundenes Verständnis der Umweltprobleme sind wir gefordert, unser inneres Bewusstsein, unsere Intuition, unser Mitgefühl und unseren gesunderen Menschenverstand einzusetzen. Vor allem wenn wir die Bedeutung der signifikanten Zusammenhänge der versteckten Elemente in der Natur und der geballten Gedanken und Handlungen der gesamten Menschheit erkennen wollen. Vielleicht gibt es keinen anderen Weg, die Probleme der Welt zu lösen, als dass es einem Großteil der Menschheit gelingt, durch Artikel 25 ihr Herz zu öffnen. Dies könnte der einzige Ausweg aus dieser systemischen Sackgasse sein, die auf einem Wachstum basierenden Wirtschafts-Paradigma beruht und zu deren Aufrechterhaltung wir alle beitragen, indem wir an den Kräften der Kommerzialisierung festhalten.

Daher denke ich ist es von größter Wichtigkeit, dass wir die innere Bedeutung des Prinzips des Teilens betrachten und dessen Umsetzung in der Weltpolitik. Das stellt in der Tat eine etwas paradoxe Herausforderung dar, da sie von uns verlangt, diese Frage durch das Bewusstsein des Herzens zu untersuchen, obgleich das Herz an sich nicht intellektualisiert werden kann. Es obliegt uns daher, mit erneuter Aufmerksam in Ruhe nach innen zu reflektieren, wie wir das Prinzip des Teilens in unsere globalen, wirtschaftlichen Vereinbarungen integrieren können, damit wir das Vertrauen zwischen den Menschen verschiedener Nationen gewinnen können, was dazu führt, die Attribute des Herzens wesentlich einfacher und schneller zu entfalten.

Natürlich stehen die Kräfte der Kommerzialisierung entgegengesetzt zur Manifestation der Liebe und Weisheit in dieser Welt, aber wenn die Attribute des Herzens in einem noch nie zuvor erlebten Ausmaß freigesetzt werden, dann wird ein neues Phänomen in unserer Gesellschaft entstehen. Die Kreativität des Einzelnen wird sich entfaltet und global werden Spannung und Stress drastisch verringert. Die Lebensfreude wird zu einer erfahrbaren und universellen Realität. Sogar die Heilung von Krankheiten wird einen neuen und schnelleren Verlauf nehmen, da die Depressionen und psychischen Leiden sich in all ihren Formen verringern werden.

Kurz gesagt ist die Umsetzung des Prinzip des Teilens zwischen den Nationen unsere größte Hoffnung und die Verheißung einer besseren Welt, nicht zuletzt in Bezug auf die Umweltkrise, indem sie die Menschheit in eine andere Richtung führen wird, vom inneren zum äußeren, vom spirituellen Zentrum des Herzens zum sakralen Geist und vom inneren Bewusstsein des Lebens zum äußeren Gleichgewicht in der Welt um uns herum. Dies sind einige der zwingend notwendigen Fragen, auf die ich in Zukunft sehr viel ausführlicher in den Studien über das Prinzip des Teilens (Studies on the Principle of Sharing – englische Originalfassung) eingehen werde.

Eine letzte Frage: Viele Leute denken, dass die Menschheit nicht die Fähigkeit oder eine Neigung zu dieser Werteskala besitzt, und wir werden daher im kommenden Jahrhundert einer verqueren Zukunft entgegengehen. Haben Sie persönlich die Hoffnung, dass wir diesen kurz vor uns liegenden großen Übergang schaffen?

Es gibt allen Grund zur Hoffnung. Viele Menschen haben während des Zweiten Weltkriegs die Hoffnung verloren, und doch haben die Alliierten über die dunklen Mächte des totalitären Regimes von Deutschland, Italien und Japan gesiegt. Heute müssen wir einen weiteren Kampf gegen diese dunklen Mächte gewinnen, und zwar die Mächte der Vermarktung, die schicksalhaft jede Gesellschaft durch eine enorm marktorientierte Ideologie im Griff hat und unsere Zivilisation zur Zerstörung führt. Es scheint, als ob wir eine göttliche Intervention benötigen, um den Zwangseinfluss dieser Kräfte in jedem Aspekt unseres Lebens zu überwinden. Wir haben diese materialistischen Kräfte schon einmal besiegt, und wir können sie noch einmal besiegen. Wenn nötig können wir sie 10 Mal besiegen. Denn wenn es auf dieser Erde dunkle Kräfte gibt, dann muss es sicherlich auch Kräfte des Lichts geben. Und wir werden noch einmal diesen Kräften des Lichts beistehen, denn der Zweck unseres Daseins ist, uns spirituell in Würde, Gleichheit und Freiheit zu entwickeln.

Hier ist meine Antwort für die Menschen, die bezweifeln, ob wir es schaffen: es gibt Hoffnung, große Hoffnung, dass die Menschheit diese epochale Krise unserer Zivilisation überwinden kann. Wir haben die Macht des Teilens als globales Phänomen noch nicht erlebt, wenn es von Millionen und Abermillionen Menschen mittels des Herzens und ihrer Fähigkeit der Liebe zum Ausdruck gebracht wird. Und wenn das Prinzip des Teilens wahrhaftig in der globalen Regierungspolitik aufgenommen wird, dann ist es der Anfang von dramatischen Veränderungen in unseren politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die sich mit einer beglückenden Schnelligkeit entwickeln können. Schlussendlich können wir vielleicht verstehen, dass der größte Fluch für die Natur seit Jahrhunderten der Mensch ist, mit seiner Ausbeutung und Zerstörung, einer Menschheit, die es stetig abgelehnt hat, im Namen des Gemeinwohls Aller zusammenzuarbeiten. Denn das Leben ist Eins, und der Mensch ist das Leben selbst; mehr gibt es dazu nicht zu sagen!

 

References

[1] Willy Brandt, North-South: A Program for Survival (The Brandt Report), MIT Press, 1980

[2] „Im Mittelpunkt des Abkommens muss eine Einigung zwischen der reichen Welt und den Entwicklungsländern stehen, in der dargelegt wird, wie die Last der Bekämpfung des Klimawandels aufgeteilt wird - und wie wir eine neue wertvolle Ressource teilen: die Billionen Tonnen Kohlenstoff, die wir ausstoßen können, bis das Quecksilber ein gefährliches Niveau erreicht.“ Vollständiger Artikel auf englisch: Copenhagen climate change conference Copenhagen climate change conference: 'Fourteen days to seal history's judgment on this generation', The Guardian, 7th December 2009.

[3] Encylical Brief, Laudato si': On care for our common home, Libreria Editrice Vaticana, May 2015.

[4] Mohammed Mesbahi, Ein Diskurs über Ismen und das Prinzip des Teilens, Share the World’s Ressourcen Jan 2015.

[5] Mohammed Sofiane Mesbahi  Artikel 25: Eine Bürgerinitiative zur Transformation der Welt, Share the World’s Ressourcen Feb 2016

[6] cf. Weihnachten, das System und Ich, Share the World’s Ressourcen Dec 2014

[7] Siehe zum Beispiel: 'Wach auf Amerika, wach auf! Ein Brief an einen amerikanischen Aktivisten' Share the World’s Ressourcen July 2015; Vereinigung der Menschen in der Welt, Share the World’s Ressourcen Mai 2015.                                                     

[8] ‘Artikel 25’, op cit; siehe Teil III: Die Umweltfrage

[9] Diese Thema wurde ebenfalls diskutiert in 'Wahre Sharing Economy: Die Zeit des Herzens', Share The World's Resources, Feb 2017 

[10] ‘Artikel 25’, op cit, s. 65.  

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Mohammed Mesbahi ist der Gründer von STWR.

Im Interview mit Adam Parsons.

Übersetzung: Sonja Scherndl und Marion Spielmann.

Mehr unter: http://www.sharing.org/information-centre/reports/intersection-politics-and-spirituality-addressing-climate-crisis

Photo credit: optimarc, Shutterstock.