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Artikel 25: Eine Bürgerinitiative zur Transformation der Welt

STWR
19 February 2016

Nach so vielen Jahren der politischen Untätigkeit, kann nur der gute Wille des Volkes ein Ende der Armut, in einer Welt des Überflusses, durch enorme und kontinuierliche Proteste in allen Ländern herbeiführen. Lasst uns also den Weg des geringsten Widerstandes nehmen und gemeinsam für Artikel 25 der allgemeinen Menschenrechte einstehen. Dazu gehören angemessene Ernährung, adäquates Wohnen, optimale Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit für alle – im Wissen, dass dies der sicherste Weg ist, um unsere Regierungen zu mobilisieren, die Ressourcen umzuverteilen und die Weltwirtschaft umzustrukturieren, schreibt Mohammed Mesbahi.


 


'
Die Zeit ist gekommen, in der wir zu Millionen
demonstrieren müssen, nicht gegen dieses
oder jenes, sondern auf der Basis des
Wohlwollens und des Mitgefühl
s, das
definiert wer wir wirklich sind. Denn
eingebettetin jedemin allen menschlichen
Herzen, ist die Liebe und die Weisheit der
ganzen Menschheit.'

 

***



Teil I: Das Versagen der Regierungen
Teil II: Eine kurze Grundüberlegung

Teil I: Das Versagen der Regierungen
 

'Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität oder Witwenschaft im Alter sowie anderweitigem unverschuldetem Verlust von Unterhaltsmitteln.

Mütter und Kinder haben Anspruch auf besondere Fürsorge und Unterstützung. Alle Kinder, ehelich wie außereheliche, genießen den gleich sozialen Schutz.'

- Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 25.1.

 

Eine der größten Hoffnungen für die Menschheit liegt heute in der weltweiten Umsetzung von Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind. Wie in dieser Buchreihe schon oft betont wurde[1], ist es zwingend erforderlich, dass Artikel 25 durch die Rechtsstaatlichkeit innerhalb jeder Nation geschützt wird. Die Realität weicht davon allerdings noch deutlich ab.  Insbesondere soll die Jugend dazu ermutigt werden, sich Artikel 25 als Protestslogan, Ziel und Vision zu eigen zu machen, da diese bescheidenen Bestimmungen den Schlüssel zur Lösung so vieler unserer scheinbar unlösbaren Probleme in sich tragen. Die Zeit ist reif für große und fortwährende Demonstrationen auf globaler Ebene, welche die Umsetzung des schon lange beschlossenen Artikel 25 fordern - mit angemessener Ernährung, Unterbringung, Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherheit für alle. Nur so können die Regierungen gezwungen werden, ihre verzerrten Prioritäten neu zu ordnen und endlich das Prinzip des Teilens weltweit umzusetzen.

Innerhalb unserer hochkomplexen und intellektualisierten Gesellschaften wird sich eine derart einfache Forderung gegenüber einer langen Reihe von kritischen Fragen und Einwänden behaupten müssen. Aus diesem Grund ist es notwendig, das Potenzial des Artikel 25 aus vielen Blickwinkeln zu untersuchen und damit den Weg aufzuzeigen zu einer gerechten, nachhaltigen und friedlichen Welt, die auf guten zwischenmenschlichen Beziehungen beruht. Wenn die Lösung für die Probleme der Menschheit tatsächlich so einfach ist und gleichzeitig die Probleme selbst so komplex und festgefahren sind, müssen wir uns mit diesen Sachverhalten noch einmal mit erneutem Antrieb und aus einer anderen Sichtweise heraus beschäftigen. Der menschliche Verstand wurde in der Vergangenheit durch falsche Erziehungsmethoden stark konditioniert und in die Irre geführt. Um die Wahrheit in ihrer Einfachheit zu erkennen, brauchen wir daher innerlich Freiheit und Unvoreingenommenheit - oder zumindest die Loslösung von 'Ismen' und spaltenden Ideologien, die weiterhin unseren gesunden Menschenverstand und unsere angeborene Intelligenz unterdrücken.   

Lasst uns also aus dieser erneuerten Aufmerksamkeit heraus versuchen, die Auswirkungen einer vollständigen Umsetzung der universellen Rechte des Artikel 25 als vorrangige Pflicht aller Regierungen zu untersuchen. Wie wird sich das Ausmerzen der Armut und die Sicherstellung eines angemessenen Lebensstandards für die gesamte menschliche Bevölkerung auswirken? Nicht nur auf sozialer, ökonomischer und politischer Ebene, sondern auch in Bezug auf das Wachstum und die spirituelle Entwicklung der Menschheit. Wie wird die Verwirklichung von Artikel 25 zu Lösungen für alle ineinandergreifenden Krisen der Welt führen, einschließlich Umweltzerstörung und globaler Konflikte? Und warum sollten sich Menschen zu Millionen versammeln, um diese Grundrechte zu fordern, Tag für Tag in friedlichen Protesten, bis die Regierungen in einem Ausmaß handeln, das den menschlichen Bedürfnissen entspricht? Kurz gesagt, warum sollten wir unsere Taktik ändern, indem wir für Artikel 25 als universelle Strategie zur Welttransformation eintreten, in dem Wissen, dass sich alle Antworten zur Rettung unseres Planeten aus diesen Grundforderungen heraus entwickeln werden?

Bevor wir diese kritischen Fragen untersuchen können, müssen wir zunächst verstehen, warum unsere Regierungen es versäumt haben, die volle Verwirklichung der sozioökonomischen Rechte in jedem Land zu garantieren, so dass buchstäblich Milliarden von Menschen keinen ausreichenden Zugang zu den lebensnotwendigen Gütern haben. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Regierungen angesichts des enormen Reichtums und der überschüssigen Ressourcen die auf der Welt vorhanden sind, dafür sorgen könnten, dass jeder Zugang zu einem angemessenen Lebensstandard hat. Es ist auch wahr, dass die in Artikel 25 aufgeführten Menschenrechte in vielen wohlhabenden Ländern im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem hohen Grad realisiert werden konnten. Am besten ist das zu beobachten in den Wohlfahrtsstaaten Skandinaviens und anderer einkommensstarker Länder. Nichtsdestotrotz konnte die Mehrheit der Bevölkerung in ärmeren Ländern bisher kaum ihren Anspruch auf diese Rechte realisieren, während die früheren sozialen Sicherungen in vielen der reichsten Nationen ignoriert oder langsam abgebaut werden.

Es gibt umfangreiche Literatur über die komplexen Gründe für diese Entwicklung, obwohl die unmittelbare Ursache leicht zusammenzufassen ist. Die meisten Länder haben einen Präsidenten oder Premierminister, dessen Hauptanliegen im Amt nicht darin besteht, die Grundrechte aller Menschen zu erfüllen, sondern der Abschluss von Verträgen mit großen Unternehmen, wobei das Wirtschaftswachstum an erster Stelle steht. Man kann sie als politische Buchhalter' bezeichnen, die zuallererst Profit für ihre Nation und kommerzielle Vorteile durch das globalisierte Handels- und Finanzwesen im Sinn haben. Währenddessen halten sie um jeden Preis an ihrer Macht fest, anstatt mit anderen Parteien zusammenzuarbeiten, um die gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der menschlichen Familie' zu ermöglichen.

Um globale Probleme so umfassend und ehrlich wie möglich zu betrachten, können wir festhalten, dass eines der größten Hindernisse für Artikel 25, die fehlgeleiteten Prioritäten unserer Regierungen und die schädlichen Praktiken skrupelloser, profitorientierter Geschäftemacherei sind. Es gibt zahllose Bücher und Berichte von NROs, welche Beispiele der Gleichgültigkeit multinationaler Konzerne gegenüber den Menschenrechten sehr armer oder unterprivilegierter Bürger auflisten. Diese globalen 'Geldmaschinen' haben eine hohe Fachkompetenz entwickelt, in etwas, das man als 'Raub und Zerstörung im Rahmen des Gesetzes' bezeichnen könnte. Das kann sich beispielsweise durch die Inbesitznahme von Land oder anderen lebenswichtigen Ressourcen der Menschen einer Nation äußern, durch die Ausbeutung von Arbeitern ohne einen menschenwürdigen Lohn, oder auch durch die Vermeidung angemessener Steuerzahlungen. Und in einer solchen Welt, in der riesige Konzerne mächtiger sind als viele Regierungen, haben unsere politischen Vertreter keine Zeit für prinzipientreue 'Erklärungen', wenn Tausende von Geschäftsverträgen auf dem Spiel stehen. 

Heutzutage ist der Ratgeber der Regierenden der Welt sicherlich nicht Artikel 25 mit seinen eindeutigen Anweisungen, sondern eher die Dynamik der Kommerzialisierung, welche in zunehmendem Maße sämtliche Regierungspolitik in jedem beliebigen Land diktiert.[2] Sollte eine Regierung oder ein Politiker es doch einmal versuchen, sich für das Wohl der Allgemeinheit einzusetzen, wird es nicht lange dauern, bis sie die mächtige Wirtschaftslobby und eigene Finanzinteressen in die entgegengesetzte Richtung drängt. Ein Politiker, der in guter Absicht versucht, die Welt zu verändern, wird bald selbst von ihr verändert - durch die schiere Gewalt eines bösartigen Systems, das auf den alten Logiken des Profits, der Privilegien und des egoistischen Wettbewerbs beruht.

Am besten zu beobachten sind die verzerrten Prioritäten unserer Regierungen auf internationaler Ebene, wo Außenpolitik im Wesentlichen durch das aggressive Streben nach hegemonialer Macht sowie ökonomischer Dominanz geprägt wird und am allerwenigsten durch das Vorrecht von Artikel 25. Der Handel zwischen den Nationen ist nach wie vor vom Drang der stärkeren Staaten nach Dominanz über die schwächeren bestimmt, was sich in den spalterischen geopolitischen Strategien der großen Industrieländer widerspiegelt. Wenn wir die Bewegung all der Millionen von lukrativen Geschäftsverträgen rund um die Welt verfolgen könnten, würden wir den Ursprung all der großen Spannungen und Konflikte erkennen, die weiterhin das internationale Bild bestimmen. Eine Nation will ein Stück vom Kuchen in Afrika, eine andere ihren Anteil an Südamerika, die nächste konkurriert um Energieressourcen irgendwo in Asien oder dem Mittleren Osten und so weiter. Währenddessen wird unablässig Misstrauen zwischen den konkurrierenden Regierungen gesät und globale Konflikte angeheiztHier werden die Arroganz und Doppelzüngigkeit einer Außenpolitik deutlich, in der sich jede Nation auf ihre moralischen, konstitutionell und völkerrechtlich festgeschriebenen Werte beruft, nur um im nächsten Zug andere Länder auszubeuten und zu bestehlen, anstatt im Sinne des Wohles aller zu geben, zu helfen und zu dienen.

Seit der Gründung der Vereinten Nationen gibt es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Nichtverwirklichung von Artikel 25 und der amerikanischen Außenpolitik im Besonderen. Denn es sind die herrschsüchtigen und selbstsüchtigen Ambitionen Amerikas, die zu so vielen Kriegen und so enormer Zerstörung in der ganzen Welt geführt haben, wie eh und je unterstützt von seinen unterwürfigen Verbündeten und Anhängern. Die globalen Strategien und verdeckten Manöver des Pentagons, der C.I.A. und anderer US-Geheimdienste sind im Prinzip Fallstudien für die indirekte Verweigerung von Artikel 25 in vielen verarmten oder konfliktgeplagten Nationen. Die Weltpolitik ist ein Feld endloser Forschungen zur beiläufigen Entfaltung von Armut durch mächtige Staaten, was sich oft hinter vermeintlich rechtschaffenen Vorwänden wie dem 'nationalen Interesse' oder der 'nationalen Sicherheit'verbirgt. Sogar der Begriff; 'Außenpolitik; konnotiert Teilung und Ungerechtigkeit in einer Welt exzessiver Wohlstandsunterschiede und stellt die Antithese zu guten menschlichen Beziehungen dar - egal, was in offizieller Dokumentation und politischer Rhetorik hinterhältig behauptet wird. Tatsächlich existiert in dieser Welt, die so schamlos nach dem Prinzip des Eigennutzes regiert wird, keine einzige außenpolitische Agenda auf guten Beziehungen zwischen den Völkern verschiedener Nationen oder deren Regierungen.

Wir sind daher leichtgläubig, wenn wir den Politikern vertrauen. Speziell wenn sie erklären, dass es ihnen um die Beseitigung von Armut und um die Sicherung der Menschenrechte nach Artikel 25 geht. Denn der einzige Weg wie sie an der Macht bleiben können besteht darin, die Interessen großer Konzerne und einflussreicher Privatpersonen sowohl im Inland als auch im Ausland zu fördern. Es ist tatsächlich eine Heuchelei, wenn eine internationale Konferenz von Staatsoberhäuptern einberufen wird, um angeblich die Existenz unnötiger menschlicher Entbehrungen zu beenden. Gleichzeitig unterzeichnen dieselben Regierungen weiterhin Verträge mit multinationalen Konzernen, um sich Land anzueignen, natürliche Ressourcen zu extrahieren und wesentliche öffentliche Dienstleistungen in fremden Ländern zu privatisieren. Und das oft mit verheerenden Folgen für die ärmsten Menschen und Gemeinschaften. Es mag ein anständiges und moralisches Ziel sein, die so genannte 'extreme' Armut bis 2030 vollständig auszumerzen, jedoch wäre es nicht das erste letztlich fruchtlose Versprechen der Weltelite gegenüber den Ärmsten der Armen.[3] Selbst mit den besten Absichten der Bürokraten und politischen Entscheidungsträger wird es unmöglich sein, ein derartiges Ziel im Kontext eines durch Kommerzialisierung bestimmten Paradigmas zu realisieren.

Es gibt nur einen Weg, um die Armut zu beenden und ein Gleichgewicht auf dieser Erde herzustellen, unabhängig davon, wie lange die Menschheit diese immerwährende Verpflichtung ignoriert hat: nämlich die gemeinsame Gestaltung der globalen Wirtschaft, so dass die Ressourcen der Welt geteilt werden können und der Reichtum dorthin umverteilt wird, wo er rechtmäßig hingehört. In Anbetracht des überwältigenden Ausmaßes an extremer Armut, die innerhalb unserer schnell wachsenden Bevölkerung fortbesteht, kann es ohne eine solche massive Umverteilung von Ressourcen, an die am meisten benachteiligten und bedrängten Länder, keinen wahren Ausdruck des weltweiten guten Willens geben.

Wie viele Millionen Menschen werden in den kommenden kritischen Jahren weiter an vermeidbaren und armutsbedingten Ursachen sterben? Egal ob wir noch eine weitere globale Finanzkrise erleben oder nicht! Was kann die Regierungen der reichsten Länder der Welt bewegen, ihre überschüssigen Lebensmittel und andere materielle Güter mit den Millionen von verarmten Menschen zu teilen, die dringend Hilfe und eine Grundlage für ihren Lebensunterhalt benötigen? Dies schließt notwendigerweise mit ein, beträchtliche Geldbeträge als zusätzliche Finanzierung an monetär schlecht gestellte humanitäre Institutionen weiterzuleiten und sogar den Einsatz von Wehrpersonal, samt Ausrüstung, die sonst für 'andere' Zwecke meist schnell zur Verfügung stehen. All das könnte zweifellos mit lediglich einem Bruchteil des verfügbaren Geldes von Regierungen, Unternehmen, wohlhabenden Einzelpersonen und privaten Institutionen erreicht werden. 

Aber bis die Vernunft des Teilens die wirtschaftlichen Beziehungen bestimmt, möge Gott jedem Menschen helfen, der in einem Slum mit neun Kindern lebt, die er nicht versorgen kann. Und er kann sich nicht darauf verlassen, dass irgendwelche Versprechen der Regierung oder Entwicklungsziele ihn davor bewahren, ins endgültige Elend abzurutschen. Artikel 25 wird es den Politkern auf ihren internationalen Konferenzen zur Bekämpfung der Armut unmöglich machen, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Diese Konferenzen werden weiterhin alle zehn bis fünfzehn Jahre ohne wirkliches Ergebnis veranstaltet werden, solange sie weiterhin dem Paradigma der Kommerzialisierung folgen – vorausgesetzt die Menschheit kann so lange überleben.

Und solange die Gesellschaft und Kultur mit einer Mentalität der 'Almosengesinnung' durchdrungen ist, ist es töricht anzunehmen, dass unsere Regierungen jemals die Grundursachen von Hunger und Armut angehen werden. Was ist Wohltätigkeit in Wahrheit, wenn nicht das Ergebnis des Staates, der die Nächstenliebe seiner eigenen Bevölkerung manipuliert, während die am wenigsten Privilegierten unter uns gezwungen werden, auf diesem reichen Planeten, um ihr tägliches Brot zu kämpfen. Die bloße Existenz von Wohltätigkeit ist unwürdig in einer Welt des materiellen und finanziellen Überflusses, in der heute leicht jedem ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten, um angemessen für seine Gesundheit und sein Wohlergehen zu sorgen. Es ist wohl die historische Gleichgültigkeit unserer Regierungen, gegenüber der wirtschaftlichen Unsicherheit armer Menschen, die im Laufe vieler Jahrhunderte zur Existenz der Wohltätigkeit geführt hat. In diesem Sinne ist die Wohltätigkeit aus sozialer Ungerechtigkeit entstanden und nicht aus echtem Teilen, Solidarität oder Liebe. 

Trotz all des menschlichen Fortschritts in den Bereichen der Wissenschaft und der Technologie ist das einzige System zur Verteilung globaler Ressourcen die ausländische 'Entwicklungshilfe'. Doch wie von zivilgesellschaftlichen Aktivisten seit langem erkannt, ist diese Unterstützung durch eigennützige politische und kommerzielle Ziele schon immer in erheblichem Maße entwürdigt worden. Wir können auch beobachten, wie das Fortbestehen der 'humanitären Hilfe' ein Affront gegen unsere Verbundenheit als Familie von Nationen ist, da diese Überschüsse an Lebensmitteln und Ressourcen von vorneherein nicht von den reichen Ländern hätten angehäuft, sondern von Anfang an geteilt werden sollen. Von einem planetarischen Standpunkt aus mag es sinnvoll sein, von humanitärer Hilfe zu sprechen, wenn Besucher vom Mars oder der Venus uns hier auf der Erde helfen würden. Die Menschheit ist jedoch eine voneinander abhängige Familie, die schon seit jeher beschenkt wurde mit genügend Nahrung und Kapazitäten, um die Erfüllung der Grundbedürfnisse eines jeden bedingungslos und auf ewig sicherzustellen. Wenn unsere Kinder am Verhungern wären, Gott bewahre, und wir mit ihnen einen winzigen Teil unserer täglichen und reichlich vorhandenen Lebensmittel teilen, würden wir das dann als humanitäre Hilfe bezeichnen? Oder würden wir ihnen ohne Zögern und freimütig helfen, aus einem einfachen Akt der Liebe heraus, nur um ihr Leben und ihr Wohlergehen besorgt und ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, 'wohltätig' zu sein?

Die aufmerksame und von Mitgefühl getragene Betrachtung dieser Fragen macht also deutlich, dass der Ausdruck 'humanitäre Hilfe' an sich psychologisch bedeutungslos und absurd ist und klärt auch, wie die Menschheit so entzweit und korrupt werden konnte. Wie arrogant und entwürdigend ist es, einen Aufdruck mit 'US-Hilfe' auf Frachten mit lebensnotwendigen Gütern zu verwenden, die zu mittellosen Menschen ins Ausland transportiert werden. Wir haben bereits festgestellt, wie diese wohlhabenden Nationen zuerst ihren Überschuss anhäufen, mithilfe ungerechter ökonomischer Praktiken, welche die Arbeitskraft und die natürlichen Ressourcen weniger entwickelter Länder ausbeuten, um danach einen winzigen Teil ihrer unrechtmäßig erworbenen Gewinne umzuverteilen und damit die Not, die sie selbst mitverursacht haben, lindern. Das nennen sie dann humanitäre Hilfe. Können wir auch nachvollziehen, wie dieser Begriff dadurch unvereinbar ist mit der wahren Bedeutung von gutem Willen und Bescheidenheit? Insbesondere, wo sich die Regierungen vor langer Zeit darauf geeinigt haben, dass das Lebensnotwendige zum Nutzen aller zugänglich gemacht werden sollte - wie es in der Tat in Artikel 25 festgeschrieben ist? Das Wort 'Wohltätigkeit' wäre nie entstanden, würde unsere Gesellschaft von Anfang an auf gesundem Menschenverstand und guten zwischenmenschlichen Beziehungen beruhen. Denn aus dem psychologischen Bewusstsein der Liebe heraus gibt es so etwas wie 'humanitäre Hilfe' nicht.

Wir mögen diese Terminologie akzeptiert haben, ohne ihre Bedeutung zu erfassen, da wir solche Dinge für gewöhnlich den Politikern überlassen und von diesen erwarten, alles für uns zu erledigen. Wenn wir jedoch die Doppelzüngigkeit unserer Regierungen erkennen können, welche vorgeben, sich um die Bekämpfung der Armut zu kümmern und unterdessen die ärmsten Menschen und Länder weiter ausbeuten, ist es möglicherweise an der Zeit, uns zu erheben und sie zu fragen: Wo bleibt der Rest?  Wo ist die Liebe, die Güte und die Moral, wenn zugelassen wird, dass Menschen in einer Welt des Überflusses verhungern? Vielleicht sollten wir uns alle in diese Gipfeltreffen und Klausurtagungen zur Bekämpfung der Armut drängen und unsere politischen Repräsentanten gemeinsam fragen: „Wenn ihr den Armen wirklich helfen wollt, weshalb teilt ihr die Weltressourcen nicht gerechter unter den Ländern auf, anstatt unverbindliche Entwicklungsziele auf den Tisch zu bringen und lediglich unzureichende Auslandshilfe zu verteilen?“ 

Und wenn wir wahrhaftig daran interessiert sind, die Ungerechtigkeit des Hungers endgültig zu beenden, sollten wir uns diese Frage vielleicht auch selbst stellen: Wo bleibt der Rest? Wo bleibt die Fürsorge, das Mitgefühl, der Wille daran, die Grundrechte derer zu verteidigen, die in einem fortwährenden Zustand bitterer Not leben? Denn kann es genug sein, unsere Regierungen dazu aufzufordern, in unserem Namen mehr Hilfe in arme Länder zu schicken? Oder verpflichtet uns unsere Liebe zu unseren Mitmenschen, bei Regierungen vorstellig zu werden mit der Anforderung: „Diese beschämende Situation muss aufhören - es ist an der Zeit, die Rettung unserer hungernden Mitmenschen zu unserer höchsten Priorität zu erklären!“ Welche Erziehung und Konditionierung haben dazu geführt, dass wir diesen Zustand akzeptieren, und was soll uns davon abhalten, die Regierungen dieser Welt zu fragen: WO BLEIBT DER REST?!

Als Folge unserer tief verwurzelten und ablehnenden Haltung gegenüber Wohltätigkeit und Entwicklungshilfe, sehen sich die Wohltätigkeitsorganisationen, die sich ernsthaft mit der Linderung sozialer Probleme und der Hilfe für die Armen beschäftigen, dazu gezwungen, politisch aktiv zu werden. Auch sie müssen sich der Regierungspolitik und den Aktivitäten der Unternehmen widersetzen, die die Ursachen der Armut weiter verschlimmern. Denn je mehr Energie von engagierten Gruppen und Bürgern in die Wohltätigkeit gesteckt wird, desto mehr können die Regierungen ihre schädlichen Prioritäten weiter verfolgen, z.B. indem sie mehr für Rüstung ausgeben, anstatt Hunger zu bekämpfen, als würde es sich um einen globalen Notfall handeln. Nichts hiervon soll die noble Notwendigkeit von Wohltätigkeitorganisationen in Frage stellen, die zum großen Teil und dankenswerterweise eine Kraft des Guten in unserer grotesk ungleichen Gesellschaftsordnung sind. Vielmehr versuchen wir, die Absurdität unserer Regierungen ganzheitlich zu betrachten, die versprechen, die Armut zu einem späteren Zeitpunkt zu beenden - durch Wohltätigkeit anstatt durch wahres Teilen und Gerechtigkeit - und dies in einer Welt, die mehr als genug Ressourcen für jeden bereithält. Hoffentlich werden wir eines Tages auf die Geschichte zurückblicken und die Existenz von Wohltätigkeit im einundzwanzigsten Jahrhundert als das betrachten, was sie ist, nämlich das unvermeidliche und letztlich unnötige Nebenprodukt politischer Indifferenz und Selbstgefälligkeit.

***

In unseren dysfunktionalen Gesellschaften, mit ihren verwirrten und mental ausgebrannten Politikern ist es lehrreich, über die Beziehung nachzudenken, die zwischen der Bedeutung von Wohlstand, Wirtschaftswachstum und Artikel 25 besteht. Was bedeutet es, in einer Welt zu prosperieren, in der die Bevölkerung vieler Nationen in unerträglicher Armut lebt, während einige wenige Nationen ziemlich wohlhabend und in ihrer Lebensweise privilegiert sind?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Stadt, in der die Menschen so 'wohlhabend' sind, dass sie überschüssige Lebensmittel in riesigen Lagerhäusern verrotten lassen und teure Abfallprodukte auf Müllhalden verstreuen. Jedoch die benachbarte Stadt so arm ist, dass sie nicht einmal über genügend Ressourcen verfügt, um das Recht eines jeden Menschen auf ein Leben frei von vermeidbarem Leid zu gewährleisten, wie es in Artikel 25 festgelegt ist. Ergibt es nun irgendeinen Sinn, dass der Bürgermeister der wohlhabenden Stadt stolz deren hohes Wirtschaftswachstum und deren Wohlstand verkündet, wenn Not und Elend gleich um die Ecke hausen? Sollte sich der Bürgermeister dazu entscheiden, die Ressourcen seiner Stadt nicht mit der Nachbarstadt zu teilen, werden die Nachbarn früher oder später einen Weg in seine Stadt finden - sogar die Hunde und Katzen der verarmten Stadt werden sich nicht davon abhalten lassen ihr Futter in der reichen Stadt zu suchen. Sind die Art und Weise wie sich Länder zwischen der nördlichen und der südlichen Hemisphäre zueinander verhalten so anders? Auch hier begegnen die reichsten Länder dem Mangel der armen Mehrheit mit relativer Gleichgültigkeit.

Seien wir uns also psychologisch bewusst über diese irreführenden, hässlichen und vulgären Begriffe, wie 'Wohlstand'und 'Wirtschaftswachstum', die von Politikern auf unseren Bildschirmen oft wiederholt werden. In dieser bedauernswerten Welt mit ihrer stark ansteigenden Bevölkerung und Verarmung, in der die Umwelt kontinuierlich geplündert und verwüstet wird, in der der Klimawandel bereits jetzt schwere Zerstörungen anrichtet, wie kann hier Wohlstand etwas anderes als prekär sein und zu etwas Anderem führen als Chaos?  Wie können diese Begriffe in der heutigen Realität extremer globaler Ungleichheit etwas anderes sein als hässlich, vulgär und sogar dumm? Und wie können sie irgendeinen moralischen Sinn ergeben in einer Welt, die es zulässt, dass Millionen von Menschen an unnötiger Armut sterben und wo Millionen anderen der Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Obdach und minimalste Gesundheitsversorgung verwehrt wird?

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass eine Regierung Interesse daran hat, dass ihre Bevölkerung wirtschaftlich wächst und gedeiht, aber wie kann dieser Wohlstand in nur einer Nation erreicht werden, wenn die Welt mit einem tödlichen Virus infiziert ist - einem, der nicht Covid-19 heißt, sondern vielmehr 'die Kräfte der Kommerzialisierung'? Denn in der Tat ist Letzteres eine weitaus schlimmere Plage und die Ungleichheit in unseren Gesellschaften bestimmt. Es konditioniert uns nicht nur dazu, auf Kosten anderer wohlhabend zu werden, sondern beeinflusst uns auch dazu, uns für besser zu halten als diejenigen, die weniger Glück haben als wir, bis wir selbst Teil der kollektiven Arroganz und Gleichgültigkeit geworden sind. Das, was wir als 'das System' bezeichnen, ist mittlerweile so stark vom egoistischen Streben nach Reichtum und Erfolg geprägt, dass es sogar eine neue Denkweise hervorbringt, die sich grob als Hass auf die Armen im eigenen Land sowie auf unterprivilegierte Völker im weiteren Ausland umschreiben lässt.

Folglich ist das Streben nach endlosem Wirtschaftswachstum in unseren verwirrten und fragmentierten Gesellschaften gefährlich, da sie fast gänzlich von den Kräften der Kommerzialisierung durchdrungen sind. In einem solchen Kontext führt Wachstum lediglich zu mehr Spaltung, Chaos, Leid und schließlich Gewalt. Unter all dieser trügerischen Propaganda und Konditionierung von heute, verheißt das kurzsichtige Streben nach Wirtschaftswachstum nur weitere Spaltung zwischen Bürger und Staat. Es heißt genau genommen 'lasst die Reichen noch reicher werden, und damit noch mehr Milliardäre inmitten der Armen schaffen'. Unter diesen Umständen ist Wirtschaftswachstum gleichbedeutend mit einem Freifahrtschein für große Konzerne, und seine Bedeutung ist aus einer psychologischen Perspektive gesehen genauso absurd geworden wie das Konzept von Wohltätigkeit in einer Welt des Überflusses. 

Es ist daher ein grober Fehler der Politiker, wenn sie diese Art von Begriffen weiter mit 'kommerzialisiertem'Wachstum verbinden, statt mit dem Wachstum einer gesunden, gerechten und nachhaltigen Wirtschaft. Was nützt Wirtschaftswachstum in einer in zunehmendem Maße ungerechten und gespaltenen Gesellschaft? Auch in der jüngsten Vergangenheit, als viele Nationen noch nicht derart verschuldet waren wie heute, war Armut und Hunger sowohl in den reichen als auch den armen Teilen der Welt weit verbreitet. Wir sollten also unsere politischen Repräsentanten fragen: Wirtschaftswachstum zu welchem Zweck und wer profitiert davon? Um eines Systems willen, das ungeheures Leid und Chaos verursacht hat und sich jetzt immer schneller von innen auflöst?

Kein Politiker kann in sinnvoller Weise von Wirtschaftswachstum reden und gleichzeitig die Kräfte der Kommerzialisierung seine Agenda bestimmen lassen. Ein Staatsoberhaupt mit den besten Absichten, wird immer noch Gefahr und möglicherweise Unheil heraufbeschwören, indem es das weitere Wachstum des gegenwärtigen Systems fördert, unabhängig davon, ob ihr kurzsichtiges Ziel darin besteht, 'mehr Arbeitsplätze zu schaffen'. Auch hier sollten wir unsere politischen Vertreter fragen: Arbeitsplätze zu welchem Zweck und wer profitiert davon? Zu dem Zweck, Mega-Casinos, private Einkaufszentren, Luxuswohnungen und weitere Rüstungsfabriken inmitten einer geistig, moralisch und wirtschaftlich angeschlagenen Bevölkerung zu bauen? Und zum Nutzen von Millionären, die ihren Leiharbeitern nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn zahlen?

Erst wenn die Regierung eines Landes sich ernsthaft besorgt um das Wohl all ihrer Bürger, hat sie vielleicht ausreichende Urteilsfähigkeit, um über Wirtschaftswachstum zu sprechen (vorausgesetzt, dass sie sich dabei auf Artikel 25 als ihre Bibel beruft). Aber wenn eine solche Weisheit vorherrschen würde, dann müsste die Regierung sofort die Wirtschaft umstrukturieren, um sicherzustellen, dass Reichtum, Ressourcen und wirtschaftliche Möglichkeiten gerecht unter der Bevölkerung aufgeteilt werden. Die Voraussetzung für eine faire Verteilung der Ressourcen ist die Befreiung der Gesellschaft aus den Fängen der Kommerzialisierung sowie die Umorientierung der Staatsausgaben weg von Rüstung und anderen schädlichen Unternehmenssubventionen. Darüber hinaus kann keine Gesellschaft damit fortfahren, die Umwelt durch offenkundig verschwenderisches Konsumverhalten zu schädigen, wenn das Leitprinzip der Wirtschaft darin besteht, dass jeder das hat, was er für ein würdiges Leben auf einem bewohnbaren Planeten braucht. Denn es liegt auf der Hand, dass eine Wirtschaft nur innerhalb einer gesunden und sich selbst erneuernden Biosphäre aufrechterhalten werden kann, die nicht übermäßig beansprucht wird.

Aber selbst wenn eine aufgeklärtere Nation den Artikel 25 gesetzlich verankert und sich zu einer nachhaltigen, fairen und ausgewogenen Verteilung der Ressourcen unter der eigenen Bevölkerung verpflichtet, werden ihre Zufriedenheit und ihr Wohlstand nur von kurzer Dauer sein, wenn sie sich den Problemen anderer Nationen gegenüber verschließt. Rufen wir uns die Analogie der benachbarten reichen und armen Stadt noch einmal ins Gedächtnis: es wird nicht lange dauern, bis eine Nation, die ihre Ressourcen nach innen gerecht verteilt, von den Armen der anderen Stadt belagert wird. Diese werden versuchen, die Grenzen des wohlhabenden Landes zu durchbrechen, auf welche Art auch immer, und das ungeachtet strenger Einwanderungskontrollen oder staatlicher Sicherheitsapparate.

So etwas wie eine gesunde Gesellschaft kann es in unserer gespaltenen und doch wirtschaftlich verflochtenen Welt nicht geben, solange Gier, Egoismus und Diebstahl die treibenden Kräfte hinter dem finanziellen und wirtschaftlichen Handeln sind. Nehmen wir an, nur ein einziges Land setzt Artikel 25 vollständig um, während jede andere Nation weiter dem Weg der ungezügelten Kommerzialisierung folgt. Dies bedeutet nicht, dass in allen Ländern etwas schief läuft außer in demjenigen das seinen Reichtum teilt. Es bedeutet, dass etwas mit der gesamten Menschheit nicht stimmt, da die Menschheit naturgemäß eine Einheit darstellt, zumindest aus Sicht dessen, was wir als 'Leben' oder 'Gott' bezeichnen könnten. Wir sind eine Menschenfamilie innerhalb einer spirituellen Evolution, was keine ausschließlich religiöse oder 'New Age' Betrachtung ist, sondern eine ewige Wahrheit, die allmählich auch in zahlreichen Bereichen der Wissenschaft erkannt wird. Alle Nationen weltweit sind miteinander verbunden, nicht nur in einem materiellen oder objektiven Sinn durch globalen Handel, Reisen und Telekommunikation, sondern auch energetisch und hinsichtlich des Einen Lebens, das wir mit jedem Lebewesen auf dem Planeten Erde teilen, vom Mineralreich bis zu den nicht-physischen und höchsten spirituellen Bereichen. 

Aus diesem offenbarenden Verständnis für unserer Existenz - das wir intuitiv oder mittels eines Studiums der Alten Weisheitslehren erfassen können - werden wir erkennen, dass die Menschheit wie ein physischer Körper ist, der als Ganzes gepflegt werden muss, ohne bestimmte Körperteile zugunsten anderer zu vernachlässigen.[4] Wenn eine Seite des menschlichen Körpers voll funktionsfähig ist, die andere jedoch vernachlässigt und krank, wird die Krankheit in jedem Fall das Wohlbefinden der ganzen Person beeinträchtigen. In ähnlicher Weise kann keine einzelne Nation von anderen Nationen getrennt bleiben, wie fair und gesund sie auch zu leben versucht - vor allem nicht in einer Welt, in der die Kommerzialisierung mit einer solchen Geschwindigkeit zunimmt, dass weder Gesellschaft noch Umwelt der Belastung länger gewachsen ist.

Dies ist das strategische Paradoxon in dieser Ära der globalen Krisen und Wandlung. Kein Politiker kann sich den Luxus erlauben, Gutes allein für sein Land zu tun, da Gutes in jedem Land zur gleichen Zeit umfassend getan werden muss. Daher kann es keine Nation allein schaffen, aber alle Nationen können es gemeinsam schaffen - durch die Prinzipien der Kooperation und des Teilens. Wir haben für die globalen Probleme keine andere Exit-Strategie, daher müssen wir dieses Ziel schnell erreichen, ob unsere Regierungen dafür bereit sind oder nicht. Es kann kein einzelnes Land unter mehr als 190 Ländern auf dieser Welt geben, das Artikel 25 vollständig umsetzt, solange wir dieses eine Land nicht 'Menschheit' nennen und den Rest ignorieren. Denn, es gibt nur diese eine, vom Ganzen untrennbare Menschheit.

Welchen anderen Grund braucht es, die Ressourcen der Welt zu teilen und damit die grundlegenden Rechte eines jeden Mannes und einer jeden Frau zu verwirklichen - wenn nicht den, der Seele zu erlauben, ihren Lebenszweck innerhalb der einzigartigen Persönlichkeit ihres Spiegelbildes zu verwirklichen? Dies ist die immerwährende tiefere Wahrheit unseres Lebens, egal wie korrumpiert unser Verständnis des guten Willens und der guten zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Verschmelzung unseres Egoismus, unserer Ignoranz und unserer Verwirrtheit über viele Leben hinweg auch sein mag. Wenn die Menschheit jemals eins werden soll als ein Spiegelbild dessen, was wir in unserer spirituellen Natur sind, ist es zwingend notwendig, dass Aktivisten, engagierte Bürger und unsere politischen Vertreter fordern, dass Artikel 25 in jedem einzelnen Land umfassend garantiert wird. Es ist an der Zeit, die Stimme nicht nur für das Gute in unserem eigenen Land zu erheben, sondern zum Wohl aller Menschen dieser Erde. Die Glücklichen, deren Grundbedürfnisse bereits gesichert sind, sollten sich den Gruppen anschließen, denen dies noch nicht beschieden ist und damit Artikel 25 und das Prinzip des Teilens lauthals als unser gemeinsames Anliegen verkünden.

Jeder Mensch in Nordamerika, Westeuropa, Australien und anderen wohlhabenden Weltregionen sollte innehalten und sich die Frage stellen: Was ist mit den anderen die keinen Zugang zu den grundlegenden Ressourcen haben, die für mich selbstverständlich sind? Diese Worte sollten auch unsere Politiker hinsichtlich der Millionen Armen innerhalb und außerhalb ihrer Landesgrenzen verwenden: Was ist mit den anderen? Dann werden wir endlich bereit sein, unsere überschüssigen Ressourcen zu teilen und unsere Regierungen zur Kooperation mit anderen Ländern aufzufordern, mit dem Ziel eine Welt, die frei ist von Not, zu realisieren. Genau dann wird eine Nation zu einem Verbündeten von Artikel 25 und dem Prinzip des Teilens, bis endlich das Konzept eines 'illegalen Immigranten' unvereinbar damit wird, wie die Welt funktioniert. Dies gilt ebenso für die gegenwärtigen Vorstellungen von 'Wohltätigkeit', 'Entwicklungshilfe', 'Außenpolitik' und 'nationalen Interessen'.

 


Teil II: Eine kurze Grundüberlegung


Auch die Liebe hat ihre Logik, und
genau diese Logik ist Artikel 25.


***

Unsere bisherige Untersuchung hat die vielen komplexen Faktoren zusammengefasst, die eine vollständige und dauerhafte Verwirklichung von Artikel 25 in allen Ländern verhindert. Zum einen, sind dies die fehlgeleiteten Prioritäten unserer Regierungen, zum anderen die völlige Gleichgültigkeit multinationaler Konzerne, aber auch die Raffgier und Unmenschlichkeit außenpolitischer Ziele sowie die tief verwurzelte 'Wohltätigkeitsgesinnung' anstelle von Gerechtigkeit. Betrachten wir nun das Ergebnis, wenn wir die Grundbedürfnisse für jeden Mann, Frau und Kind erfüllen – ohne Ausnahme. Diesen Sachverhalt gilt es zu durchdenken, um die vielen Gründe intellektuell zu verstehen, die für Artikel 25 als eine brauchbare Strategie zur Rettung und Wiederherstellung der Welt sprechen.

Wie bereits betont wurde, sind die nötigen Finanzen und Ressourcen zur Gewährleistung der sozioökonomischen Rechte aller Menschen schon lange verfügbar. Sie können innerhalb eines kurzen Zeitraums mobilisiert werden, wenn alle Regierungen - mithilfe der Vereinigten Nationen und ihren zuständigen Gremien - in ihren Anstrengungen kooperieren, um die himmelschreiende und vermeidbare Ungerechtigkeit des Hungertods zu beenden. Aber selbst die politische Linie der reichsten Länder spiegelt die Bedürfnisse der Armen innerhalb ihrer eigenen Grenzen nur minimal wider, und noch viel weniger dient sie den Interessen der am meisten ausgegrenzten und vernachlässigten armen Menschen in anderen Nationen, was schlussendlich Tag für Tag viele vermeidbare Todesfälle zur Folge hat.

Es ist schon erstaunlich, dass die führenden Politiker der Welt innerhalb weniger Wochen Verbündete für einen Krieg finden können, aber nie dafür, den Armen und Hungernden dieser Welt zu Hilfe zu kommen. Die einzig adäquate internationale Reaktion auf diese unerträgliche Situation wurde 1980 im Bericht der Brandt-Kommission beschrieben, die ein Notfallprogramm des wirtschaftlichen Teilens vorschlug, um Hunger und extreme Armut endgültig zu beenden - dieser Bericht liegt heute jedoch begraben und vergessen in den Archiven der Geschichte.[5]

Nach so vielen Jahren politischer Untätigkeit kann so eine Vision nur durch den geballten guten Willen der einfachen Bürger wieder belebt werden, und zwar durch andauernde riesige Proteste auf globaler Ebene. Vielleicht werden wir dann das umfangreiche öffentliche Engagement erleben, das sich jeder progressive Aktivist wünscht, bis sich kein Politiker mehr im Amt halten kann, der die Anliegen seiner Wähler nicht ernst nimmt. Möglicherweise bringt ein solch beispielloser weltweiter Ausbruch des Mitgefühls für die am wenigsten Privilegierten unter uns das Ende des 'politischen Buchhalters' mit sich, der nur daran interessiert ist seinen Job zu behalten und sich als wichtiger Diplomat im teuren Anzug aufspielt.

Wir sollten an dieser Stelle nicht vergessen, dass wir über die weltweite Armut als Ganzes reden und nicht über wöchentlich ein paar Hungertote in den am wenigsten entwickelten Ländern. Jeden Tag sterben mindestens 40.000 Menschen an armutsbedingten Ursachen – Todesfälle, die leicht verhindert werden könnten, wenn jeder Zugang zu ausreichender Nahrung, sauberem Wasser, angemessenen Unterkünften, medizinischer Versorgung und Sozialhilfe hätte.[6] Wie lange wollen wir das Geschwätz auf den jährlichen Konferenzen zu Armut und Unterernährung noch ertragen, während keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, um diesen auf tragische Weise vernachlässigten Menschen zu helfen? Hätten die Millionen von Dollar, die für die Organisation dieser Gipfeltreffen über die Jahrzehnte ausgegeben wurden, nicht stattdessen für die Rettung vieler Leben verwendet werden können? Unterdessen konsumieren und verschwenden wir die Nahrungsmittel und Güter dieser Welt im Übermaß - die privilegierte Minderheit, die die Menschenrechte des Artikel 25 für sich als selbstverständlich ansieht. Jedoch verlangen wir nicht, dass unsere Regierungen die überschüssigen Ressourcen unserer Nation dorthin umverteilen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Wie viele Brandt-Berichte braucht es noch, um uns aufzurütteln und dieser Tragödie die angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen?  

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Stellen wir unsere Einwände einmal zurück und stellen uns vor, unsere Regierungen werden vom Willen des Volkes ernsthaft dazu angehalten, Artikel 25 umzusetzen und betrachten wir die weitreichenden Folgen dieses sicherlich erreichbaren Ziels. Es ist offensichtlich, dass ein Leben in Würde und mit garantierten Grundbedürfnissen für alle nicht möglich ist, wenn die Wirtschaft nicht so strukturiert ist, dass die Grundgüter gleichmäßiger verteilt und die wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen für alle zugänglich gemacht werden. Dieser Ansatz auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes ist aber unvereinbar mit einer politisch dominierenden Denkweise - eine auf Marktkräften basierenden Ideologie - welche zu Gesetzen und Institutionen führt, die lediglich den privaten Interessen und dem Profitstreben großer Konzerne dienen.

Welche Folgen hätte es also für diese etablierten Regeln und Strukturen, wenn Artikel 25 von jeder Regierung und Gesellschaft gewährleistet würde? Es steht außer Zweifel, dass der Effekt sozial, wirtschaftlich und politisch transformativ wäre. Vor allem wenn man bedenkt, was wir über die Kräfte der Kommerzialisierung wissen, und zwar, dass sie Artikel 25 keinerlei Bedeutung zumessen. So würde man beispielsweise den Konzernen nicht länger erlauben, sich schamlos Land unter den Nagel zu reißen, mit Nahrungsmittel zu spekulieren und ihre überschüssige Produktion zu horten oder zu zerstören, während Menschen auf dieser Welt verhungern. Zudem wäre es den Politikern nicht länger möglich, alle Aspekte des öffentlichen Lebens zu kommerzialisieren, wenn sie sich ernsthaft um die Bedürfnisse aller Menschen und ein systematisiertes Teilen aller Ressourcen bemühten. Nach einiger Zeit müssten viele der komplexen Gesetze, die lediglich Profitinteressen dienen, zurückgezogen oder von Grund auf reformiert werden. Neue, wahrhaft moralische und gerechte Gesetze würden geschaffen werden, damit der gute Wille im Weltgeschehen aufblühen kann.

Wenn die primäre Überlegung hinter jedem Wirtschaftsgesetz oder jeder Wirtschaftspolitik darin bestünde, die Menschenrechte des Artikels 25 zu schützen, dann würde schnell deutlich werden, dass die bestehenden globalen Handelsabkommen von Natur aus parteiisch und ungerecht sind. Dies kann leicht nachvollzogen werden, indem ich mir beispielsweise vorstelle, ich wäre Präsident eines armen Landes, welches Artikel 25 als sein Grundgesetz angenommen hat und dessen Regierungen all seine Beschlüsse daran ausrichtet. Dann würde dieses Gesetz von mir verlangen, zunächst die Grundversorgung jeder einzelnen Familie sicherzustellen, bevor ich mich anderen Dingen widme. In diesem Fall kann ich es nicht zulassen, dass meine ärmsten Bauern und Arbeiter zum Vorteil einiger reicher Konsumenten in fernen Ländern ausgebeutet werden, indem sie ihre Güter zu Billigstpreisen exportieren. Ich würde eine Reform der Handelsgesetze fordern müssen, um es den Bauern zu ermöglichen, zunächst sich selbst und ihre Gemeinschaft zu versorgen. Und die multinationalen Konzerne, welche die Bedingungen des unfairen Handels festlegen, könnten mich daran nicht hindern, wenn Artikel 25 in jedem Land Gesetz und Richtlinie der globalen Politik ist.

Die Folgen wären in jeder Hinsicht allumfassend, sobald der allgegenwärtige Einfluss von Profit, Gier und ungezügelten Marktkräften durch angemessene staatliche Eingriffe und Regulierungen in Schach gehalten wird. Das unermüdliche Lobbying und die Geldmacherei mittels 'legalem Diebstahl' wird unweigerlich beeinträchtigt und in zunehmendem Maße geschwächt werden. Daher ist Artikel 25 effektiv einer der schlimmsten Gegner der rein gewinnorientierten Konzerne. Wenn Unternehmen durch die Vorschriften und die Wirtschaftspolitik einen anderen Weg einschlagen, einen der auf dem Prinzip des Teilens beruht, dann wird es nicht lange dauern, bis auch die endemische Korruption in den Regierungen abnimmt – sowohl in reichen als auch in armen Ländern und das in unterschiedlichem Ausmaß. Welchen Anreiz gäbe es für Machthungrige in die Politik zu gehen, wenn wir sicherstellen, dass die Regierung eines Landes tatsächlich dem Gemeinwohl dient - wie es selbstverständlich der Fall sein sollte - statt vor allem im Namen globaler Konzerne und reicher Privatpersonen zu handeln?

Lassen sie uns vorstellen welch weitreichenden Auswirkungen es wohl haben würde, wenn Regierungen auf der ganzen Welt im Interesse des Artikel 25 handeln würden, angetrieben vom unwiderstehlichen Druck enormer Demonstrationen in jedem Land. Die ärmsten Menschen in den weniger entwickelten Ländern werden dieses Erwachen des öffentlichen Bewusstseins für ihre Notlage freudig begrüßen. Es kann allerdings auch sein, dass durch die Umverteilung der Ressourcen die Korruption in den Regierungen auf einen sichtbaren Höhepunkt zulaufen wird. Solange diese Korruption anhält und repressive Politiker die erhaltene Hilfe für ihre Bevölkerung missbrauchen, wird es mit Sicherheit einen Aufstand der Bürger geben, um die Verantwortlichen aus dem Amt zu werfen und zu ersetzen. Und falls doch ein diktatorisches Regime versucht, mittels Gewalt und Repression an der Macht festzuhalten, wieso könnten dann nicht Vertreter der Vereinten Nationen zur Beobachtung und Beweissicherung geschickt werden? So wie die Vereinten Nationen Inspektoren entsenden, um Kriege zu überwachen oder nach Atomwaffen zu suchen, wäre es nicht auch möglich, eine Agentur der Vereinten Nationen zu ermächtigten, um sicherzustellen, dass jegliche Unterstützung für die vorgesehenen Zwecke verwendet wird?

Wir können weitere Konsequenzen der Umsetzung von Artikel 25 voraussehen. Beispielsweise für multinationale Organisationen, die ihre Pflicht, dem Wohle der einfachen Menschen zu dienen nicht erfüllen, wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds. Diese sind nicht ohne Grund in Verruf geraten, drängen sie doch ihre ungeheuerlichen ökonomischen 'Normen' auch der restlichen Welt auf. Mit Artikel 25 als Grundstein einer neuen globalen Wirtschaftsordnung müssten diese Organisationen entweder stillgelegt oder vollständig reformiert werden, um eine wichtige Rolle zu übernehmen im Prozess der massiven Umverteilung von Ressourcen, der Restrukturierung der globalen Regierungsführung und der Neuregulierung des Welthandels. Schließlich werden die Institutionen nicht durch sich selbst aufrechterhalten, sondern durch diejenigen, die sie stützen. Wir sprechen hier vom Beginn einer aufgeklärteren menschlichen Zivilisation, charakterisiert durch das gleiche Bemühen um das Wohl eines jeden und nicht einiger privilegierter, reicher Menschen oder mächtiger und eigennütziger Nationen.

In unserer gespaltenen Welt von heute hätte die Umsetzung von Artikel 25 eindeutig eine außerordentlich heilsame Wirkung auf die internationalen Beziehungen und die aggressive Außenpolitik der dominierenden Mächte. Wie wir festgestellt haben, würde eine konzertierte internationale Handlung, zur Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen, von einer raschen Deeskalation der militärischen Aktivitäten sowie von starken Kürzungen der Rüstungsbudgets abhängen. Dies ist nicht nur für die Vereinigten Staaten wichtig, die weiterhin die Ausgaben aller anderen Länder in den Schatten stellen, sondern auch für die weniger entwickelten Nationen mit hoher Armutsrate, die mehr und mehr Verteidigungsausgaben anhäufen - oft mehr als für Gesundheitsversorgung, Bildung oder Sozialleistungen.

Drüber hinaus haben wir bereits festgestellt, dass die Weltpolitik im Grunde auf den gegenteiligen Prinzipien zu wirtschaftlichem Teilen und echter internationaler Kooperation beruht. Insbesondere vermittelt die Außenpolitik der Vereinigten Staaten und anderer G7 Länder, dass 'Kommerzialisierung der richtige Weg für die Menschheit ist' - was zur zunehmenden Ablehnung von Artikel 25 in vielen Entwicklungsländern führt. Die untragbare Entwicklung im Weltgeschehen zwingt uns daher drüber nachzudenken, was die Umsetzung dieses heilbringenden Artikels für die langfristigen Beziehungen zwischen den Nationalstaaten bedeuten wird. Selbstverständlich muss Amerika damit aufhören, sich als eine große imperiale Hegemonie aufzuspielen und seine umfangreichen Ressourcen endlich zur Auslöschung der weltweiten Armut einsetzen, anstatt sein arrogantes Streben nach Macht und Vorherrschaft fortzuführen. Russland wird lernen müssen, als eine wahre Gemeinschaft zusammenhängender Staaten in Frieden zu leben und den Fokus auf eine gemeinsame Entwicklung bei größerer regionaler Autonomie zu legen, anstatt auf sein militärisches Potenzial und seinen destruktiven internationalen Einfluss zu setzen. Genauso wird China aufhören müssen, seine Flotte und seine Kriegsmaschinerie als Versicherung für seine wachsende wirtschaftliche Vormachtstellung aufzurüsten und es sollte auf seine expansive Geopolitik verzichten, damit es mit anderen Nationen bei der Verteilung der Weltressourcen kooperieren kann.

Es mag ungemein idealistisch sein, eine solche Trendwende in den wirtschaftlichen und politischen Regierungsbeziehungen zu erwarten. Aber wer will sich schon ein Alternativszenario vorstellen, in dem der weltpolitische Modus Operandi auf unbegrenzte Zeit fortgesetzt wird? Diese hoch-gesinnte 'Außenpolitik' führt uns allmählich auf einen dritten Weltkrieg zu - als Folge der extremen zunehmenden globalen Ungleichheit, wenn nicht überhaupt durch den gesteigerten Wettbewerb um immer knappere Ressourcen. Sicherlich erkennen die Vernünftigeren unter den Politkern und Diplomaten, dass die Familie der Nationen bald vor die ultimative Wahl gestellt wird: zu kooperieren und zu teilen, um diese gefährlichen Zustände zu beseitigen, oder langsam dem Verfall der Menschheit entgegenzublicken.

Wir können diese vielen positiven Auswirkungen von Artikel 25 auf der ganzen Welt leicht prophezeien, wenn wir bedenken, wie Nationen dazu gebracht werden, ihre Wirtschaft umzustrukturieren und mit anderen Nationen auf dieses gemeinsame, zwingend notwendige Ziel hinzuarbeiten. Wenn die Regierungen ordnungsgemäß verpflichtet werden, dafür zu sorgen, dass jedes Kind und jeder Erwachsene gut ernährt, und gesundheitlich und materiell abgesichert ist, werden sich viele andere globale Probleme automatisch damit lösen. Das ist einleuchtend und lässt sich aus den international koordinierten Maßnahmen ableiten, die im modernen Zeitalter der Globalisierung notwendig wären, um die wirtschaftlichen und sozialen Rechte aller Menschen zu gewährleisten.

Möglicherweise wird jede Nation dazu verpflichtet werden, eine Bestandsaufnahme ihrer verfügbaren überschüssigen Ressourcen zu machen - einschließlich Technologie, Knowhow, Arbeitskraft und institutionelle Kapazitäten, genauso wie Nahrung, Arzneimittel, Industriegüter und andere lebenswichtige Materialien oder Güter. Ein groß angelegter Transfer dieser Ressourcen in die ärmsten Länder und Regionen müsste schnell über die Vereinten Nationen und ihr globales Netzwerk von Hilfsorganisationen organisiert werden. Oder es wird eine neue UN-Agentur gegründet, die ein kurzfristiges Nothilfeprogramm betreut, das unter Umständen mehrere Jahre lang fortgesetzt werden muss. Sogar Nordkorea könnte sich beteiligen, wenn der politische Wille für ein solches Programm in seinen Nachbarländern zu entstehen beginnt.

Am Beginn dieser großen Aufgabe täten die Regierungen gut daran, sich die Empfehlungen der Brandt-Berichte von 1980 und 1983 noch einmal vor Augen zu führen.[7] Diese Dokumente mögen zwar schon seit 40 Jahren überholt sein, jedoch ist in ihren Zeilen noch immer ein inspirierter Überblick über die Reichweite des Artikel 25 als oberste Richtlinie politischen und wirtschaftlichen Handelns zu finden. Kritiker mögen darauf hinweisen, dass diese Vorschläge durch die orthodoxen wirtschaftlichen Annahmen ihrer Zeit begrenzt waren und sie zur Bewältigung der heutigen, vielfach verflochtenen Krisen nicht weit genug gehen. Hätte man den Cancùn-Gipfel 1981 ernst genommen, könnte Artikel 25 dennoch bereits heute als wirkungsvolles Regelwerk für die Gesellschaft sowie die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Institutionen der Nationen etabliert sein.[8]  

Im Falle einer solchen Transformation der weltweiten Regierungsziele hätten die Vereinten Nationen schon vor langer Zeit demokratisch reformiert und als höchste internationale Autorität gestärkt werden können, um ihren ursprünglichen humanitären Auftrag zu erfüllen. Zweifelsohne braucht die Zusammenführung der globalen Wirtschaftspolitik, als epochales Unterfangen, eine neue Struktur der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert. Während jedes Land die Gesetze des Artikels 25 auf seine eigene demokratische Weise und nach den geeignetsten Methoden umsetzen muss, ist es an der Versammlung der Nationen, die Grundsätze dieser Gesetze als unumstößliches Regelwerk für den Umgang aller Länder auf internationaler Ebene festzulegen. 

Auf diese Weise können die Vereinten Nationen ihrem Namen wahrhaft gerecht werden, als die wichtigste globale Institution mit der Aufgabe, ihre Mitgliedsländer zur Wahrung des Friedens, zum Schutz der Schwachen und zu internationaler Kooperation aufzurufen. Wenn schließlich auch ihre verschiedenen Unterorganisationen so gestärkt werden, dass sie bei der weltweiten Durchsetzung der Rechte aus Artikel 25 eine große Rolle spielen können, dann wird die Umsetzung all der anderen Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beginnen Gestalt anzunehmen. Im übertragenen Sinne könnten wir also Artikel 25 als das oberste Gesetz der Menschenwürde bezeichnen, dessen Umsetzung das Konzept der 'Menschenrechte' wieder mit Stolz erfüllt. In diesem Moment wird die Schönheit und das Versprechen der Gründungsvision der Vereinten Nationen vielleicht aufs Neue von den gewöhnlichen Leuten erkannt, mit einem neu erwachten Verständnis seines unverzichtbaren Zukunftspotenzials.

Sie wird jedoch nichts zu tun haben mit dem Sicherheitsrat und seinen unverdienten Funktionen und Befugnissen, welche ein Überbleibsel des früheren Wettstreits und Nationalismus sind, welche von der Illusion 'Noch bin ich mächtig und werde es immer sein' geprägt sind. Geht es um die Eigeninteressen der wirtschaftlich dominanten Nationen, fügen sich die Präsidenten und Premierminister den Vereinten Nationen und versuchen, das System zu ihren Gunsten zu manipulieren. Wenn es jedoch um die Interessen der am wenigsten begünstigend in jedem Land geht, dann scheint es, als ob die Zwecke und Prinzipien der Vereinten Nationen nicht mehr existierten. Der Sicherheitsrat dient nicht der Suche nach wahrem Frieden oder Sicherheit. Vielmehr funktioniert er wie ein privater Club, dessen Mitglieder von prominenten 'politischen Buchhaltern' vertreten werden, welche allesamt ihr Abstimmungsverhalten danach richten, wie groß ihr Anteil am 'Weltkuchen' ist. Und es ist dieses ständige Wetteifern um den Löwenanteil der globalen Ressourcen, welches die nationalen Sicherheitsspiele dieses überholten Rates charakterisiert, im Widerspruch zu den ursprünglichen Zielen und Prinzipien der Vereinten Nationen - wie sie im ersten Kapitel ihrer Charta festgelegt sind. Der Sicherheitsrat hätte gar nicht erst eingerichtet werden sollen, und sollte längst aufgelöst sein, um der Generalversammlung ihren Platz zu geben, als ein wahrhaft demokratisches globales Forum (unter Abschaffung jeglicher Vetorechte bei Entscheidungen). Unterdessen wird die Realität des Krieges weiterhin auf der vermeintlich legitimen Basis von Machtpolitik, nationalem Egoismus und der Ausbeutung schwächerer Bevölkerungen bei der Verfolgung rein kommerzieller oder materialistischer Ziele aufrechterhalten werden. 

Der Leser kann diese Argumentation leicht für sich selbst erweitern. Eine gewaltige öffentliche Forderung nach der Umsetzung von Artikel 25 würde sicherlich zu all diesen vorteilhaften Ergebnissen führen - zu einer globalen wirtschaftlichen Umstrukturierung und zu wahrer internationaler Zusammenarbeit, zu einer signifikanten Abnahme der Spannungen und Konflikte, die die zwischenstaatlichen Beziehungen heute kennzeichnen, und letztendlichen zur Auflösung des Sicherheitsrats, im Einklang mit der wahren Bestimmung der Vereinten Nationen. Welche Notwendigkeit gibt es für einen Sicherheitsrat auf längere Sicht, wenn die Nationen die Ressourcen der Welt gerecht aufteilen und damit die wirtschaftlichen Wurzeln von Terrorismus und Konflikten beseitigen? 

Das soll aber nicht heißen, dass die Umsetzung von Artikel 25 an sich eine systemische Alternative zur sogenannten neoliberalen Globalisierung darstellen wird. Wir unterschätzen auch nicht die gewaltigen Hürden, die bei der Infragestellung von den vorherrschenden Machtstrukturen und undemokratischen politischen Regimen zu überwinden sind. Es liegt auf der Hand, dass eine enorme Menge an internationalen Wirtschaftsreformen notwendig ist, um die krasse Spaltung von Wohlstand und Einkommen zwischen allen Ländern umzukehren. Es wird endlose Debatten geben über die erforderlichen Mittel, um diese Ziele zu erreichen, aber der Zweck unserer Untersuchung ist es, zu versuchen, ein gemeinsames Verständnis für die Strategie der Menschen zu erreichen, um solche Transformationen einzuleiten. Wie wir bereits festgehalten haben, werden sich die Prioritäten der Regierungen nicht in Richtung der ärmeren zwei Drittel der Weltbevölkerung verschieben lassen, ohne immenses und unablässiges ziviles Engagement seitens des privilegierteren Drittels der Menschheit. Ohne diesen entscheidenden Protagonisten auf der globalen Bühne ist es undenkbar, dass irgendein struktureller Entwurf für den Aufbau einer besseren Welt jemals verwirklicht werden kann.

So gesehen liegt die einzige Alternative zur gegenwärtigen sozioökonomischen Ordnung in der vereinten globalen Stimme aller wohlwollenden Menschen. Folglich ist es die weitverbreitete Selbstgefälligkeit der Durchschnittsbürger, die uns den Eindruck vermittelt, dass 'es keine Alternative gibt'. Wenn wir das Prinzip des Teilens als Grundlage jeder globalen systemischen Alternative für eine nachhaltige Zukunft akzeptieren, dann spiegelt Artikel 25 dieses Prinzip wider und fordert dessen Realisierung in der Weltpolitik. In Wahrheit gibt es keine Alternative, bis die Dringlichkeit der Beendigung extremen Mangels in jedem Haushalt wahrgenommen wird, und in den Herzen und Köpfen gewöhnlicher Menschen als dringendstes Anliegen erkannt wird.

Das ist das Dilemma für die fortschrittlichen Denker, die sich eine gleichberechtigte und nachhaltige Gesellschaft vorstellen, denn sie kann niemals verwirklicht werden, wenn die Menschen auf der Welt diese Vision nicht annehmen und gemeinsam für ihre Erfüllung arbeiten. Genau das ist die Erklärung dafür, warum Artikel 25 in sich selbst die von uns allen gesuchte Alternative enthält, und wieso uns seine einfachen Vorschriften direkt, naturgemäß und scheinbar wie durch ein Wunder zu dieser Alternative führen. Zu gegebener Zeit werden wir vielleicht feststellen, dass die Umsetzung von Artikel 25 einen direkten Weg zu vielfältigen ökonomischen Lösungen sowie Freiheit und Gerechtigkeit darstellt. Aber sein unbekanntes Potenzial wird nur durch riesige Demonstrationen in jedem Land zum Leben erweckt, die sich leidenschaftlich auf diese eine Sache konzentrieren - unermüdlich und ohne Unterbrechung.

 


Teil III: Die Umweltfrage


Wir müssen die Umwelt retten.
Aber wer wird uns vor uns selbst retten?

                                                                                    

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Ein Einwand, betrifft die Frage einer nachhaltigen Umwelt und ob die Verkündigung von Artikel 25 als oberste Richtlinie eine Vernachlässigung dringender Umweltprobleme mit sich bringt. Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt, über den man nachdenken sollte, da die Menschheit jetzt eindeutig mit zwei globalen Problemen von noch nie dagewesenem Ausmaß konfrontiert ist: Luftverschmutzung und Umweltzerstörung, sowie Hunger und zunehmende Armut, Ungleichheit und soziale Ausgrenzung. Wie also kann die Umsetzung von Artikel 25 eine Lösung für all diese ineinandergreifenden systemischen Krisen darstellen?

Eine Antwort auf diese Frage lässt sich logisch und durch einfaches deduktives Denken nachvollziehen, auch wenn eine solche Schlussfolgerung weit entfernt ist vom heutigen Mainstream-Denken. Hier ist die Prämisse, die wir in Betracht ziehen sollten: wir können den Klimawandel oder die Umweltkrise niemals angehen, ohne die Ungerechtigkeit von Armut inmitten des Überflusses zu beseitigen, und genau hier beginnt die Lösung all unserer Umweltprobleme. Auch dies sollte wieder von vielen Standpunkten aus betrachtet werden, die psychologische, moralische und spirituelle Perspektive miteingeschlossen.

Wir haben nun erörtert, wie sich eine enorme öffentliche Unterstützung für Artikel 25 sofort in drastischen Änderungen der staatlichen Ausgabenprioritäten niederschlagen muss. Wie beispielsweise die Umverteilung von Fördermittel aus den Rüstungsbudgets in die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen und Sozialleistungen innerhalb jedes Landes, zusammen mit uneingeschränkter Hilfe für die weniger entwickelten Nationen. Die Umsetzung von Artikel 25 erfordert im Wesentlichen eine Umverteilung in einem noch nie dagewesenen Umfang und Maßstab. Durch die kollektive Bündelung des Reichtums und der Ressourcen einer Nation, sowie deren an menschlichen Bedürfnissen orientierte Umverteilung, auf globaler wie auf nationaler Ebene, ermöglichen die Lösung vieler anderer wichtiger Probleme zur gleichen Zeit.

Wenn, zum Beispiel, Artikel 25 schon vor vielen Jahrzehnten in allen Weltregionen umgesetzt worden wäre, hätten sich bestimmte extremistische und terroristische Gruppierungen, wie Al-Qaeda und ISIL, vielleicht niemals formiert. Wäre jede Familie in den armen Ländern schon vor langer Zeit auf materieller Basis innerhalb ihrer Gesellschaft versorgt worden, hätte das Vertrauen geschaffen und Sicherheit geboten und dann wäre die dortige Jugend womöglich gar nicht empfänglich für gewalttätige religiöse Ideologien. Sie hätten keinen Grund, gegen den Staat zu kämpfen und die (nicht mehr vollständig korrupte) Regierung zu stürzen. Wäre schon vor langer Zeit ein Notprogramm in Gang gekommen, um Hunger und extremen Mangel zu beenden (mit Hilfe von massiven Ressourcentransfers, umfangreichen Agrarreformen und einer großangelegten Umstrukturierung des globalen Wirtschaftssystems), dann hätten die Regierungen die Vorteile internationaler Kooperation in der Praxis erleben können. Somit hätten sie vielleicht schon vor langer Zeit beginnen können, nach Lösungsansätzen zu den übrigen drohenden Gefahren für die Zukunft der Menschheit zu suchen, welchen nur mit wahrhaftiger Kooperation begegnet werden kann. Diese hätte möglicherweise zu weniger Kriegslüsternheit, zu abgestimmten Bemühungen hinsichtlich der Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zur Erholung der Umwelt geführt.

Wenn wir die Weltressourcen geteilt und die globale Armut und damit speziell den Hunger ausgelöscht hätten, wären die heutigen Umweltprobleme vielleicht auf ein Minimum begrenzen. Die globale Entwicklung hätte einen ganz anderen und nachhaltigeren Kurs eingeschlagen. In vielerlei Hinsicht wurde das traurige Schicksal der Umwelt nach dem Cancun-Gipfel 1981 besiegelt, als sich die versammelten politischen Führer nicht auf Brandts Vorschläge einigen konnten. Zukünftige Historiker werden möglicherweise den Wendepunkt für alle weiteren Ereignisse darin erkennen.[9] Wenn Mutter Erde nur sprechen könnte, hätte sie den versammelten Staatenlenkern möglicherweise gesagt: „Ihr weigert euch also zu kooperieren, und ihr wollt meine Reichtümer nicht teilen, die ich euch im Vertrauen überlasse? Dann macht mich auch nicht für die Konsequenzen eures Handelns verantwortlich!“

Reagan und Thatcher und ihre Cliquen mögen über die Fortschritte des Gipfels gespottet haben, aber jetzt, nachdem sie nicht mehr hier sind, werden wir alle Zeugen der Auswirkungen ihrer Entscheidung. Sie haben Brandts Aufruf ignoriert und stattdessen die Kräfte der Kommerzialisierung entfesselt und folgten damit den spalterischen Pfad der Teilung, der Gier und des egoistischen Wettbewerbs. Zwischenzeitlich haben aufeinanderfolgende Regierungen zunehmend zugelassen, dass die Marktkräfte in allen Lebensbereichen einen grassierenden Einfluss ausüben. Sie alle zusammen sind ihrer Verantwortung, im Sinne des Allgemeinwohls zu regieren, nicht nachgekommen. Stattdessen überließen sie ihre Entscheidungsgewalt den Launen der globalen Märkte. Sie haben den Vereinten Nationen und deren Gründungsvision den Rücken zugekehrt, um dafür ihren Machtspielchen im Sicherheitsrat nachzugehen, welcher das internationale Recht ad absurdum führt. Das unvermeidliche Ergebnis dieser kombinierten Faktoren ist eine Beschleunigung der Umweltkatastrophe, bis zu dem Punkt, an dem wir heute angelangt sind, wo zwei Notfälle die Zukunftsaussichten unserer Rasse bedrohen - sowohl die extreme Ungleichheit als auch der Klimawandel - während wir uns zum Zeitpunkt des Gipfels von Cancun hauptsächlich auf den ersteren hätten konzentrieren können. 

Sogar aus einer eigennützigen Perspektive heraus wäre es immer noch sinnvoll gewesen, der Bekämpfung von Armut Priorität einzuräumen. Eine Eskalation der Umweltprobleme hätte vermieden werden können, vorausgesetzt unsere Politiker hatten die langfristige Vision einer nachhaltigen und gerechteren Welt ebenfalls im Sinn. Zunächst jedoch ist allseits bekannt, dass Armut einen grundlegenden Faktor für das rasche Bevölkerungswachstum der letzten 60 bis 70 Jahre darstellt. Falls diese Entwicklung wie vorhergesagt über das kommende Jahrhundert anhält, wir dies schwerwiegende Folgen für die Umwelt mit sich bringen, nicht zuletzt hinsichtlich des erhöhten Ressourcenverbrauchs in Entwicklungsländern und folglich steigenden CO2-Emissionen. Es stimmt zwar, dass die Bürger der reichen Staaten die Mehrheit der globalen Ressourcen verbrauchen und damit für den größeren Teil der Umweltauswirkungen verantwortlich sind, jedoch lässt sich nicht leugnen, dass eine weitere Bevölkerungsexplosion zu unhaltbaren Belastungen für die Ressourcenbasis und das Ökosystem der Erde führen könnte. Es gibt jedoch genug Belege dafür, dass die Bevölkerungszahlen abnehmen und sich stabilisieren, sobald Familien einen angemessenen Lebensstandard erreichen. Es gibt einige zutiefst betrübliche Gründe dafür, dass Menschen in Armut oft große Familien haben, hauptsächlich in der Hoffnung, dass einige ihrer Kinder - wenn sie nicht früh an Unterernährung oder vermeidbaren Krankheiten sterben - ihre Eltern im Alter unterstützen werden. Diese in Entwicklungsländern tief verwurzelten kulturellen Einstellungen können erst aufgelöst werden, wenn jeder Bürger volles Vertrauen darin hat, dass seine Regierung die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse nach Artikel 25 zu jeder Zeit garantiert.

Nachdem bereits im zwanzigsten Jahrhundert die weltweiten Bevölkerungszahlen dramatisch angestiegen waren, hätte man von den Regierungen erwarten können, dass sie sich voll und ganz der Verbesserung der diesem Zustand zugrunde liegenden Bedingungen widmen. So hätten sie dem Kampf gegen Armut, Krankheit und Unterernährung die größte Aufmerksamkeit geschenkt, zusammen mit der nötigen internationalen Unterstützung und der Förderung von Bevölkerungsprogrammen. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem der wechselseitige Anstieg von Armut und Bevölkerung extrem gefährlich geworden ist. Nicht nur wegen der Belastung der globalen Umwelt, sondern auch im Hinblick auf die Zeitbombe, die in dieser Gleichung enthalten ist - wie erhöhte soziale Unsicherheit, Massenmigration und die potenziell verheerenden zukünftigen Konflikte.  

Doch weit davon entfernt, sich zu einem vernünftigen Kurs langfristiger Schadensbehebung zu verpflichten, haben unsere Regierungen weiterhin den kurzsichtigen Pfad der Kommerzialisierung verfolgt, der das schnelle Wachstum der Weltbevölkerung auf perverse Weise genießt. Hierin liegt der wahre Grund, warum die Welt so überbevölkert ist, wie wir es heute in den Großstädten aller Industrienationen und auch in den Entwicklungsländern erleben. Denn ist die Armut die einzige Ursache für die steigende Bevölkerungsentwicklung? Oder wird sie auch von den Kräften der Kommerzialisierung durch zunehmende soziale Unsicherheit, Ungleichheit und Massenmigration angetrieben - alles im Namen von mehr Unternehmensgewinnen und Wirtschaftswachstum?

Diese Art der Fragestellung kann uns helfen zu verstehen, wie die Bevölkerungszahlen innerhalb eines nachhaltigen Rahmens hätten gesteuert werden können, wenn man die Weltressourcen seit der Gründung der Vereinten Nationen geteilt hätte, was weitreichende Auswirkungen auf den Zustand der Umwelt gehabt hätte. Einerseits würde es keine albtraumhafte Vision von 11 Milliarden oder mehr Menschen auf einem überlasteten und ausgebeuteten Planeten am Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts mehr geben. Andererseits würde ein echtes Engagement für wirtschaftliche Teilhabe eine direkte Herausforderung für zerstörerische und ausbeuterische Geschäftspraktiken darstellen, und zwar aus all den Gründen, die wir zuvor erörtert haben. Im Zuge der Armutslinderung durch ein internationales Nothilfeprogramm wäre es unvermeidlich, dass multinationale Konzerne humaner, sozialer und umweltbewusster arbeiten müssten.

Wer wird bestreiten, dass dies zu unser aller Wohl ist, einschließlich der Konzernvorstände, welche sich - aufgrund ihrer treuhänderischen Pflicht gegenüber ihren Anteilseignern - dazu genötigt sehen, die Umwelt unbeabsichtigter Weise direkt oder indirekt zu zerstören? Ist es möglich, dass es außer der sehr zügigen Umsetzung von Artikel 25 keine Möglichkeit gibt, diese riesigen Konzerne von ihrem blindwütigen Vorgehen abzuhalten? Die einzige Möglichkeit für diese Unternehmen, ihre übermäßigen Gewinnspannen zu erhalten besteht nämlich darin, die Natur immer weiter zu plündern. Dies sogar gegen besseres Wissen, denn auch die Unternehmen beginnen, die schrecklichen Auswirkungen ihres Handelns auf die Biosphäre zu erkennen. Es scheint fast so, als ob das Profitmotiv die Erde und die Menschheit selbst verabscheut. Solange diese kurzsichtigen Marktkräfte der dominierende Einfluss auf das Weltgeschehen sind, wird sich der Zustand der Erde und seiner Umwelt zweifellos bis zur Unbewohnbarkeit verschlechtern. In der Zwischenzeit werden selbst bescheidene Vorschläge zur Aufteilung des weltweiten Reichtums - wie beispielsweise allgemeine Sozialleistungen - unerreichbar und letztlich utopisch werden.    

Trotzdem erkennen viele der Menschen mit guten Absichten nicht, dass es in der heutigen Welt keine Lösung für die Umweltkrise geben kann, ohne gleichzeitig Hunger und Armut zu bekämpfen. Lassen Sie uns also verstehen, warum der Kampf für die Rechte von Mutter Erde sinnlos ist, wenn wir zur selben Zeit über die Grundrechte einer großen Anzahl verarmter Menschen hinwegsehen. Wie schon besprochen, gibt es zwei Arten von Umwelt, sowohl die natürliche als auch die menschliche, und beide sind voneinander abhängig. Die Wälder, die Ozeane, die Atmosphäre und so weiter sind das, was wir normalerweise als die Gesamtsumme der natürlichen Umwelt verstehen. Aber wir sollten auch die Gesamtsumme der menschlichen Umwelt und deren Gesundheit als einen Kausalfaktor in Betracht ziehen, für all das, was schief läuft in dieser Welt.

Gemäß diesem Verständnis stellen die Millionen bitterarmen Menschen die schlimmstmögliche Katastrophe innerhalb der menschlichen Umwelt dar. Es hat die Auswirkungen anderer Umweltprobleme beeinflusst, nachdem sie beschämenderweise über viele Jahre toleriert wurde. Deshalb hat der Umweltschützer einen entscheidenden Fehler gemacht, denn wenn wir die Uhr auf 1950 zurückdrehen und die Gesundheit unserer menschlichen Umwelt durch die schnelle Umsetzung von Artikel 25 wiederherstellen könnten, dann wäre die Gesundheit unseres Planeten heute weit weniger prekär. Wohlstand und Ressourcen wären gerechter verteilt, um die Grundbedürfnisse aller Menschen zu erfüllen; rein profitorientierte Interessen wären notwendigerweise an ihren angemessenen Platz verwiesen worden; die Bevölkerungszahlen auf der Südhalbkugel hätten sich möglicherweise stabilisiert und begonnen, wieder zu sinken; eine restrukturierte internationale Wirtschaft hätte vielleicht zu einfacheren, nachhaltigeren und egalitären Lebensweisen in den Industrienationen geführt.

Wir beabsichtigen hier nicht, den Umweltschützern die Probleme der Welt in die Schuhe zu schieben oder ihre wichtige Arbeit schlechtzureden, sondern wollen gemeinsam nachforschen, weshalb die meisten Leute den kausalen Zusammenhang zwischen Armut und Umweltproblemen nicht erkennen. Ist es möglich, dass man bei auftretender massenhafter Armut auf diesem Planeten fast sicher gehen kann, dass Umweltprobleme auf fast mysteriöse Weise folgen? Und ist es möglich, dass sich die weitverbreitete Realität armer Familien in der Realität schlechter Wetterbedingungen widerspiegelt? Denn was hat in dieser Welt des Überflusses zu Armut geführt, wenn nicht das Streben nach Profit und Macht, basierend auf menschlicher Gier, Gleichgültigkeit und Ignoranz - dieselben Faktoren, die multinationale Konzerne dazu bewegt haben, die Erde im Namen von Wirtschaftswachstum und Konsumismus zu plündern?

Bei genauer Betrachtung gibt es eine untrennbare Verbindung zwischen der Umwelt- und der Armutskrise, die man als Dreieck mit 'Klimawandel', 'Armut' und 'Bevölkerungswachstum 'in den jeweiligen Ecken und 'Kommerzialisierung'in der Mitte darstellen könnte. Während der Profit durch ungezügelte Kommerzialisierung steigt, entstehen gleichzeitig Armut und weitere schwere Schäden in der Atmosphäre. Und je weiter aber die Armut ansteigt, desto höher steigen die Bevölkerungszahlen - was wiederum die Kräfte der Kommerzialisierung stärkt und diese selbstzerstörerische Entwicklung weiter intensiviert.

So gesehen wird das Streben nach kommerziellem Profit weiterhin unsere natürliche Umwelt zerstören, solange die Menschen nicht vereint den Artikel 25 fordern. Und solange die Früchte dieser Erde nicht geteilt werden, solange man überschüssige Nahrungsmittel verrotten lässt, während Millionen Menschen hungern, solange die Menschenfamilie das Leid ihrer ärmsten Mitglieder unbeachtet lässt, wird zwangsläufig ein Ungleichgewicht in den globalen Öko- und Wettersystemen herrschen. Denn man kann die Umweltprobleme nicht anpacken, ohne sich ebenfalls mit der Ungerechtigkeit von Armut zu befassen, mit der Ungerechtigkeit menschlicher Ausbeutung, mit der Ungerechtigkeit der Raffgier und des Unwillens, die Schätze der Erde, die uns allen gehören, zu teilen.  Reicht es also aus, die Öffentlichkeit auf die Klima- und Umweltkrise aufmerksam zu machen, ohne den Mangel an Bereitschaft zum Teilen überhaupt zu erwähnen? Oder ist genau das die Definition unserer Ignoranz, wenn man bedenkt, dass sich der Zustand der Erde weiter verschlechtert, je angestrengter wir versuchen, die Umweltprobleme zu lösen und gleichzeitig dem weitverbreiteten Mangel unserer Mitmenschen unzureichende Beachtung schenken?

Auf rein moralischer Ebene ist es traurig, wenn wir denken, dass wir unsere Umweltprobleme lösen können, ohne die weltweite Armut ebenfalls zu beenden, denn es gibt keinen Grund, warum wir nicht die Armen und unsere Erde gleichzeitig retten können. Wir sehen heute viele Aktionen, um den Klimawandel zu stoppen oder die Umweltzerstörung aufzuhalten, aber wann gibt es schon weltweit koordinierte Aktionen, die ein sofortiges Ende der lebensbedrohlichen Zustände von Hunger und Armut fordern? Doch wenn wir uns global organisieren können, um zu versuchen, einen illegalen Krieg zu stoppen, oder um das Bewusstsein für eine ökologische Katastrophe zu schärfen, die die meisten Staatsoberhäupter der Welt zu ignorieren scheinen, dann können wir sicherlich einen massiven internationalen Protest organisieren, vereint zum Zwecke der Realisierung von Artikel 25 - und motiviert durch die Haltung von 'Was ist mit den Anderen?'

Vielleicht sollten wir uns die Frage stellen, wieso das Klima einen so prominenten Stellenwert hat, während uns die circa 15 Millionen Menschen, die jährlich aufgrund von Ursachen im Zusammenhang mit Hunger sterben, nicht sonderlich berühren. [10] Was ist wichtiger: Das wir morgen saubere Luft zum Atmen haben oder dass ein verzweifelter armer Mensch heute ein Stück Brot zu essen bekommt? Und ist es nicht so, dass der Hunger für Millionen von Menschen schon lange bevor der Gründung von Greenpeace eine tägliche Realität war? Wir haben vielleicht noch 10 Jahre, um einen katastrophalen Klimawandel zu verhindern, aber wie viele Jahre oder gar Tage bleiben dem mittellosen Kind, das langsam an Unterernährung stirbt? Diese Fragen sollten als persönlicher Protest des Autors aufgefasst werden, der an dieser Stelle auch festhalten möchte, dass er den Mangel an menschlicher Reaktion nie verstanden hat und nie verstehen wird.  Die Schande der Armut existiert schon viel länger als unsere heutigen Umweltprobleme, aber aus irgendeinem seltsamen Grund hat nur das Wetter eine Stimme in den weltweiten öffentlichen Demonstrationen gefunden. Es ist, als ob die Umwelt einen Sitzplatz in der ersten Klasse im globalen Aktivismus bekommen hat, während die Armen nicht einmal einen Sitzplatz haben. Und die ärmsten Bürger selbst äußern sich nur selten zu ihrer Notlage, so sehr sind sie - wie immer - darauf konditioniert, ihr Schicksal zu akzeptieren oder still und leise in bitterer Armut zu sterben.

All das beschert uns mit einer beunruhigenden Erkenntnis, wenn wir annehmen, dass es den wohlhabenden Nationen gelingen könnte, ihre regionale Umwelt wieder in Balance zu bringen, obwohl die katastrophalen Wetterverhältnisse in Afrika, Asien und anderen Regionen mit hoher Armut weiter anhalten. Würden wir dann in diesem Fall an die Anderen denken und unsere Regierungen dazu drängen, ihnen zu helfen, oder würden wir mit unserer engstirnigen, gleichgültigen und selbstgefälligen Lebensweise fortfahren, die derzeit die Norm ist? Tatsache ist, dass es bei Umweltproblemen in erster Linie um uns selbst, unsere Zukunft und das Leben unserer Kinder geht und in weit geringerem Maße um die Zukunft von bettelarmen Kindern in weit entfernten Ländern.  Wir bringen unseren Kindern bei, Respekt vor der Umwelt zu haben und Plastik und Dosen in die gelbe Tonne zu werfen. Aber wir haben darin versagt, ihnen Mitgefühl beizubringen gegenüber den Millionen Kindern, die nicht einmal das Privileg einer nahrhaften Mahlzeit am Tag haben. Für jede Flasche, die ein Kind in einem wohlhabenden Land recycelt, sterben im selben Moment mindestens zwei Kinder durch armutsbedingte Krankheiten irgendwo anders auf der Welt.

Natürlich ist es wichtig und löblich, eine Lösung zu den Umweltprobleme zu finden, denn unser Planet ist in einem verwahrlosten Zustand und die Menschheit hat darauf bislang kaum angemessen reagiert. Aber vielleicht sollten wir einen Moment innehalten und uns fragen: Besorgt mich der Klimawandel mehr als der weltweite Hunger, weil ich von anderen beeinflusst wurde und weil es in Mode ist?  Denn wie oft habe ich in der vergangenen Woche meinen Hausmüll recycelt, und wie oft habe ich einen Gedanken an die buchstäblichen Hunderttausende von Menschen verschwendet, die im gleichen Zeitraum unnötig an den Folgen der Armut gestorben sind? Hätte man mit irgendeinem dieser verarmten Leute vor ihrem Tod über die Umwelt gesprochen, kann man sicher sein, dass ihre Antwort gelautet hätte: „Ich kann nicht über die Wälder oder die CO2-Emissionen nachdenken, ich will nur etwas zu essen, sauberes Wasser, Gesundheitsversorgung, eine anständige Unterkunft und ein Einkommen.“ 

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: es ist sicherlich richtig, andere über den Umweltnotstand aufzuklären. Aber wir müssen uns fragen, was für eine Aufklärung das sein kann in einer gespaltenen, geplagten und moralisch verdorbenen Welt. Können wir ein besseres Leben erwarten, wenn die Agenda jeder Mainstream-Partei immer mehr von Kommerzialisierung bestimmt wird, wenn die ungerechte Weltwirtschaft Not und Verzweiflung für tausende Familien erzeugt, wenn internationale Spannungen eine Welle der Angst und der Depression auslösen, wenn jeden Tag tausende Menschen an Hunger sterben, fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit? Wieso wollen wir überhaupt, dass sich die Umwelt regeneriert, wenn die Welt diesen ungerechten Kurs weiter verfolgt?  Wir haben nicht einmal verlässliche Statistiken darüber, wie viele Menschen hungern oder stillschweigend in Armut leiden, obwohl wir Zugang zu einem endlosen Strom von Daten über sich verändernde Klimamuster haben, die die wohlhabenden Nationen betreffen könnten. Das ist vielleicht keine Überraschung angesichts der Tatsache, dass jede Diskussion über die Umwelt als zivilisiert angesehen wird, während kaum über die Tragödie derjenigen gesprochen wird, die in den dunkelsten Ecken der Welt nach wie vor an Armut sterben.

Trotzdem ist es selbst heute, inmitten des Klimachaos und der Finanzkrise immer noch möglich, dass die Nationen ihre Kräfte bündeln, um die Hungernden zu versorgen, die Kranken zu pflegen, die Enteigneten zu schützen und gleichzeitig die Umwelt zu heilen, um einen unkontrollierbaren Klimawandel zu verhindern. Das war schon immer möglich, egal wie weit die Probleme zurückgehen. Um dieses ambitionierte Ziel jedoch heute zu erreichen, müssen die richtigen Politiker ins Amt gewählt werden und die Weltbevölkerung geschlossen hinter ihnen steht - und genau da liegt unser größtes Problem.

Betrachtet man die Probleme der Welt aus einer ganzheitlichen Perspektive, kann man sagen, dass die Klimakrise das Ergebnis der menschlichen Intelligenz ist, die aufgrund unserer kollektiven Anbetung von Profit, Reichtum und Macht in die falsche Richtung geht. Das Ergebnis ist eine verallgemeinerte Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt, obwohl jeder zu dieser dysfunktionalen Realität beiträgt. Dieser Behauptung mag möglicherweise nicht gleich jeder zustimmen, deshalb sollten wir darüber nachdenken, wie wir uns hinsichtlich der Umwelt selbst eine Falle gestellt haben, da wir an dieser entscheidenden Thematik eine Mitschuld tragen. Die Falle besteht darin, dass wir glauben, 'dass nur noch wenig Zeit bleibt, um den Planeten zu retten', während wir die ganze Zeit zu den Prozessen beitragen, die die Zerstörung der natürlichen Welt eskalieren lassen. Aufgrund unseres mageren Bildungssystems und unserem konsequenten Mangel an Selbsterkenntnis kennen wir weder uns selbst noch unsere Aufgabe im Leben, und so werden wir leicht beeinflusst von unserem Wunsch, durch die Identifikation mit dem Materialismus auf eine engstirnige und egozentrische Weise 'glücklich' zu werden.  Die Kräfte der Kommerzialisierung sind bestens versiert darin, unsere Ignoranz und Konformität dazu auszunutzen, möglichst viel Geld zu verdienen, wie es am abstoßendsten zu den Zeiten des Konsumrauschs an Weihnachten oder anderen Feierlichkeiten zu beobachten ist. Durch unser psychologisches Bedürfnis nach Sicherheit und Glück sind wir alle gegenüber der Konditionierung unserer Gesellschaft anfällig. Sie zwingt uns besser als der andere zu sein, oder uns anderweitig indoktriniert einen extravaganten Lebensstil zu führen, mit großen Häusern, luxuriösen Urlauben und uns reichlich materiellem Besitz zu wünschen.  

Können wir jetzt nachvollziehen, wie sich dies alles zu einem globalen Bild zusammenfügt, das charakterisiert wird durch Millionen von Geschäftsverträgen und profitorientierten Aktivitäten auf der ganzen Welt, in Verbindung mit einer auf aggressiven Wettbewerb um knappe Ressourcen ausgelegten Außenpolitik? Und wie das im Großen und Ganzen einen dauerhaften und verheerenden Einfluss auf die Umwelt hat? Den Menschen wird beigebracht, nach Erfolg und Status zu streben, was zu einer egoistischen Einstellung und einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber anderen führt, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Ausdruck findet. Dieser gesammelte Egoismus ist der ganze Stolz der multinationalen Konzerne und führt zu massenhaft übersteigertem Konsum und zum Verfall der natürlichen Umwelt. 

Letztendlich sind weder die Regierungen noch die Konzerne die treibende Kraft hinter der Abholzung des Regenwalds, dem Abbau von wertvollen Mineralien, der unaufhörlichen Suche nach Erdöl und dergleichen. Es sind vielmehr die Menschen eines jeden Landes, welche zu jenem verbrauchsintensiven und zerstörerischen Lebensstil erzogen wurden, ungeachtet dessen Auswirkungen auf die Menschen in anderen Regionen der Erde. Wie an anderer Stelle bereits bemerkt, wurde die materialistische und egozentrische Idee des amerikanischen Traums inzwischen in fast alle Länder der Welt exportiert und stellt eine Form der sozialen Konditionierung dar, die nicht nur ein Synonym für Kommerzialisierung, sondern auch für die Umweltzerstörung ist. [11]

Wenn wir darüber nachdenken, wie wir an der Entwicklung der heutigen Klimakrise beteiligt sind, realisieren wir vielleicht auch, dass eine tiefere Ursache des Problems darin liegt, wie wir zusammenleben und innerhalb der Gesellschaft interagieren. Denn wir werden in eine Welt geboren, deren Menschen es an Freude fehlt, die stark konditioniert und unkreativ sind, die psychologisch getrennt sind in ihren Beziehungen untereinander - was alles ein ernsthaftes Ungleichgewicht innerhalb der Umwelt und der Atmosphäre bewirkt.  Somit ist das vorherrschende Streben nach Reichtum und Erfolg inmitten von Armut und Elend ein Grund für die Störungen, die unter den Elementen der Natur wahrgenommen werden. Dies ist zwar eine esoterische, aber dennoch wichtige Sichtweise, wenn wir verstehen wollen, wieso die globalen Ökosysteme sich nicht regenerieren können, ohne gleichzeitig unsere sozialen Probleme in all ihren Dimensionen zu lösen. In anderen Worten: Es sind nicht nur die Taten des Menschen, welche die Umwelt beeinflussen, sondern auch seine Gedanken und Gefühle, denn es gibt eine komplizierte Beziehung zwischen den Gedanken des Menschen und der Natur.

Wenn man den Raum einer depressiven oder drogenabhängigen Person betritt, hat das eine negative innere und emotionale Auswirkung auf uns. Dann ist es ebenso möglich, dass die gesammelten negativen Gedanken und Emotionen aller Menschen einen schädlichen Effekt auf die Natur und das Wetter haben. Und was ist momentan der vorherrschende Tenor der menschlichen Gedanken? Was, außer der Vergötterung des Profits, der Macht und des Reichtums, vermischt mit der Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohlergehen anderer. Gier bedeutet per se Ungleichgewicht. Und wenn wir all die Habgier, Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit hochrechnen, die in den Menschen ihren Ausdruck findet, dann lässt sich erahnen, welchen Einfluss dies auf das Leben um uns haben muss, inklusive des Wetters, des Meeresspiegels und des Verhaltens von Pflanzen und Tieren. 

Es sind also nicht nur die irdischen Aktivitäten der multinationalen Konzerne, die ökologische Zerstörung verursachen, sondern auch der bloße Gedanke und das Motiv von Millionen von Führungskräften, um profitable Geschäfte zu machen. In ähnlicher Weise ist eine mächtige Regierung, die Rüstungsgüter an andere Nationen verkauft, nicht nur für die Aufrechterhaltung von Krieg und Tod in weit entfernten Regionen verantwortlich, sondern auch für die Verbreitung von Angst und Depression im Bewusstsein der Menschen auf der ganzen Welt - was sich schlussendlich in Störungen der Atmosphäre und des Ökosystems eines Planeten widerspiegelt. Selbst die an die Apartheid erinnernden Mauern um die West Bank und Gaza haben eine enorm negative Wirkung auf die Elemente der Natur und verbreiten die psychologische Depression, die Angst und den Hass, die in unserer gespaltenen Welt wüten. Wenn es einen göttlichen Evolutionsplan für die Menschheit gibt, dann stellt eine solche Mauer sein polares Gegenteil dar und sollte als eines der hässlichsten Monumente betrachtet werden, die im späten zwanzigsten Jahrhundert gebaut wurden. Denn der Mensch ist LEBEN und jeder Gedanke, jede Absicht und jede Handlung ist untrennbar mit dem Ganzen verbunden.[12] 

Solange die Menschheit diese immerwährende Wahrheit der zeitlosen Weisheit nicht annimmt, sind wir alle in gewisser Weise für das Fortbestehen unserer sozialen und ökologischen Krisen mitverantwortlich. So wie der transnationale Konzern gleichgültig gegenüber der Zerstörung ist, die er der Natur zufügt, so sind auch wir kollektiv gleichgültig gegenüber den Millionen von Menschen, die Gefahr laufen, an Hunger und anderen armutsbedingten Krankheiten zu sterben. Wenn ein großes Unternehmen für Profit willig die Natur aufs Spiel setzt, so setzen wir faktisch das Leben unserer ärmsten Mitmenschen für unser eigenes Glück und unseren eigenen Komfort aufs Spiel. Folglich sind wir alle gleich hinsichtlich unserer Selbstgefälligkeit, Blindheit, Arroganz, Ignoranz und Gleichgültigkeit. Dennoch haben wir das Problem der von Menschen verursachten Armut und des Hungers so lange ignoriert, bis diese jetzt in Form von sozialen Unruhen und Umweltkatastrophen auf uns zurückfällt - denn alles, was auf dieser Erde passiert, ist spirituell miteinander verbunden.

Ist Ihnen aufgefallen, wie sich das Wetter über die letzten Jahrzehnte verschlechtert hat, seit die Kommerzialisierung in unser Leben getreten ist und die Menschheit angefangen hat, Ressourcen blinder als jemals zuvor zu verbrauchen? Ist Ihnen aufgefallen, wie die Straßen immer voller werden, wie Obdachlosigkeit und Armut mit jedem Tag zunehmen, wie wir immer verwirrter und erschöpfter werden durch all das Leid, den Schmerz und die moralische Verdorbenheit unserer Welt? Und ist Ihnen aufgefallen, wie sich dieses von uns aufrecht erhaltene dysfunktionale System zu einem cleveren, sich selbst reproduzierendem Mechanismus entwickelt hat, das uns in seinem entzweienden Prozess gefangen hält, auch wenn wir nicht mehr Teil davon sein wollen? Dann seien Sie sich bewusst, dass der Klimawandel ein Abbild der offen sichtbaren Unordnung in unserer heutigen dysfunktionalen Gesellschaft ist, geboren aus dem Kummer, der Ungerechtigkeit, der Gier, der Ungleichheit und vor allem der Gleichgültigkeit auf diesem Planeten. Kehren Sie all das um und Sie werden eine wohlbehaltene Umwelt haben, solange Sie leben und darüber hinaus. Denn Gleichgültigkeit gegenüber Hunger und Armut bedeutet sich die gottgegebenen Momente der Freiheit vorzuenthalten, in denen man in friedlicher innerer Stille zum tiefblauen Himmel hinaufblickt, in denen das Klima seinen Gang noch immer entlang der vier Jahreszeiten geht und in denen das Meer in seiner Liebe keinen der Flüsse abweist, die in seinen Schoß strömen. 

***

Wenn wir wahrnehmen, dass die Hauptursachen der Umweltkrise in unserem Bewusstsein und unseren Beziehungen zueinander verwurzelt sind, können wir einfach zu dem Schluss kommen, dass alle Probleme der Menschheit das Ergebnis eines Mangels an Vision und Liebe sind. Es sind nicht nur die Regierungen, die es versäumen, auf ihr eigenes Volk zu hören, sondern es sind wir, die es versäumen, auf die Stimme unseres eigenen Herzens zu hören. Dies ist die schlimmste Form der Verschmutzung, welche die Zukunft unseres Planeten bedroht - mehr noch als CO2-Emissionen in der Atmosphäre, denn sie verschmutzt die Qualitäten unserer Herzen und lässt unsere Vernunft und gesunden Menschenverstand erblinden. Wir wissen, dass reiche Eliten arme Menschen immer als eine Art von 'sozialer Verschmutzung' angesehen haben, die am besten mit der Auslöschung der Armen selbst bekämpft wird, anstatt die Bedingungen zu beseitigen, die ihre Benachteiligung bestimmen. Aber auch wir ignorieren die Eigenschaften unserer Herzen, solange wir weiterhin diesen Zustand akzeptieren und Millionen in einer Welt des Überflusses völlig unnötig und aufgrund von menschenverursachter Armut sterben.

Haben wir überhaupt irgendein Mitgefühl für den psychologischen Zustand einer Person, die seit vielen Jahren in erbärmlicher Armut lebt? So arm zu sein, dass man viele Kinder zeugt, ohne die Mittel zu haben, sie angemessen zu versorgen, und zu wissen, dass viele von ihnen wahrscheinlich sterben werden, bevor sie die Möglichkeit hatten zu leben, bedeutet, dass man bereits von seiner Regierung im Stich gelassen, von seiner Gesellschaft vergessen und von der Menschheit selbst aufgegeben wurde. Solch eine Person durchdringt ein heftiges Gefühl des Verlustes, ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit, das nur die hoffnungslos Armen erfahren - ein Gefühl vollkommenen unerwünscht zu sein, innerlich wertlos und betrogen von Gott. Das ist die schädliche Wirkung der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Leid der Ärmsten auf die Gesellschaft, denn, wenn man hoffnungslos unterprivilegiert ist, in absoluter Armut und Elend lebt, fühlt man sich wie ein Mensch ohne Seele. Man kann keinen Sinn im Leben erkennen. Weder liebt, noch hasst man sich. Die einzige wahrnehmbare Emotion ist die des eigenen Herzens, das nach Hilfe schreit und die niemals kommt.

Dies ist die tägliche psychologische Realität von Millionen von Menschen, in den ärmsten Dörfern und Slums in vielen unterentwickelten Regionen auf der ganzen Welt. Wir mögen selbst gütig und wohltätig sein, voller Wohlwollen und guter Absichten, aber, wenn wir niemals diese Art der Armut erfahren haben, dann haben wir keine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, kein Essen für die nächsten zwei Wochen zu haben, ohne Hoffnung auf staatliche oder andere Unterstützung. Die Auswirkungen unserer kollektiven Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit sind weitaus gravierender, als wir uns vorstellen können, während wir deren Bedeutung innerhalb unserer kulturellen Haltung und sozialen Ethik erst noch begreifen müssen. Wenn wir uns von denjenigen Menschen abwenden, die unnötigerweise hungern und leiden, bedeutet das, dass wir die Unantastbarkeit der göttlichen Bestimmung ihrer Seelen leugnen und ihnen das gottgegebene Recht auf spirituelle Evolution entziehen. Und das ist das größte der Verbrechen, deren wir uns alle schuldig machen.

Der Leser sollte an dieser Stelle über das Gesagte nachdenken und dies anschließend mit den Aussagen von Artikel 25 in Verbindung bringen, um schließlich für sich selbst intuitiv erahnen zu können, was jetzt in unseren Diskussionen, unseren Gruppen-Aktivitäten und unserer Kommunikation getan werden sollte. Jeder Mensch, egal welcher Herkunft, kann eine Rolle in diesem großartigen zivilisatorischen Unterfangen spielen, um das uralte Unrecht des Hungers und der Armut dringend zu korrigieren, sei es durch wirtschaftliche, politische, soziale, künstlerische oder auch wissenschaftliche Mittel. Was in unseren Gedanken und in unserem Aktivismus im Vordergrund stehen sollte, sind nicht nur die uns betreffenden Umweltprobleme, sondern auch unser Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen der globalen Umwelt- und Armutskrise. So können wir zu der Erkenntnis kommen, dass das Teilen der Weltgüter die einzige Lösung für die Probleme der Menschheit auf allen Ebenen ist.

Es macht einen großen Unterschied, ob man auf die Straße geht und gegen den Klimawandel demonstriert, oder ob man die Regierungen dazu auffordert, den Armen Nahrung und Schutz zu geben. Denn Letzteres beschreibt den Beginn einer Transformation unserer bewussten Wahrnehmung, die auf Mitgefühl für diejenigen basiert, denen es schlechter geht als uns selbst. Es bedeutet, durch tief empfundene und mitfühlende Sorge zu denken: 'Was ist mit den anderen?', und für eine Zeit sein eigenes Leben und seine eigenen Sorgen zu vergessen. Es bedeutet, die ganzheitliche Verbundenheit aller globalen Probleme zu erahnen, und aus diesem Verständnis heraus sollten wir, wenn möglich, an jeder Demonstration für soziale Gerechtigkeit und für die globale Umwelt teilnehmen. Letztlich bedeutet es, dass die Menschheit eins und Gerechtigkeit unteilbar ist und somit auch anzuerkennen, dass Hunger ungerecht ist aufgrund seiner Auswirkungen auf die ganze Welt - sichtbar am Wetterchaos und einem schwer angeschlagenen Planeten.

Den Zusammenhang der Weltprobleme zu verstehen, bedeutet auch unserer Verantwortung gerecht zu werden und als Botschafter für die Menschheit zu sprechen und zu handeln, vorausgesetzt, dass wir bereits über guten Willen, gesunden Menschenverstand und einer wachsenden Erkenntnis wahrer menschlicher Beziehung verfügen. Nur unser Herz kann die Wichtigkeit dieser unzureichenden Begriffe wirklich erklären, da unser fehlgeleiteter menschlicher Verstand die einfache Bedeutung dieser Worte für Jahrtausende verschleiert hat.  Es reicht zum Beispiel nicht aus, unseren Kindern die Bedeutung von Recycling im Haushalt beizubringen, um unsere Umwelt zu schützen, wenn wir ihnen nicht gleichzeitig die Wichtigkeit des weltweiten Teilens und der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit beibringen. Andernfalls begrenzen wir ihre bewusste Wahrnehmung auf die Recyclingtonne, was nichts zur Rettung des Planeten beiträgt, wenn wir ihnen nicht auch den Ursprung der Umweltprobleme aufzeigen, so als wäre diese Tonne die mit allen globalen Krisen verbundene Büchse der Pandora. Das bedeutet auch, dass sich die Eltern darüber informieren müssen, was die Kommerzialisierung mit der Umwelt anstellt und was ihre Regierung in der Welt anrichtet, so dass sie ihren Kindern mit gutem Beispiel als Botschafter der Menschlichkeit vorangehen können.

Im Zentrum unserer Bildungsprogramme sollte deswegen heute die Einsicht stehen, dass Artikel 25 in jedem Land umgesetzt werden muss, was nicht nur die universellen Rechte auf Nahrung, Gesundheitsvorsorge, Obdach und soziale Sicherheit miteinschließt. Wir sollten unser Verständnis nicht auf diese wenigen Sätze beschränken die Artikel 25 definieren, sondern stattdessen intuitiv zwischen den Zeilen lesen. Denn die Forderung von Artikel 25 durch endlose Demonstrationen, schließt auch ein neues Bewusstsein unserer moralischen Verantwortung und Vision für die vereinigte Welt mit ein. Was durch die globalen Umweltdemonstrationen sichtbar wird, ist in der Tat symbolisch für die aufkommende Erkenntnis, dass die Menschheit Eins ist, und stellt den Beginn eines Weltbewusstseins und der baldigen Zurückweisung unserer seit langer entzweiter Vergangenheit dar. In dieser Hinsicht ist der Klimawandel ein großer Lehrmeister, der versucht, die Menschen der Welt für eine gemeinsame planetarische Sache zu vereinen, damit wir uns endlich der Bedeutung unserer spirituellen Einheit und Verbundenheit bewusstwerden. Aber die Tatsache, dass es keine weltweiten Demonstrationen gegen Hunger und Armut gibt, bedeutet auch, dass wir uns noch immer in die falsche Richtung bewegen. Bis heute scheinen wir noch nicht erkannt zu haben, dass das Teilen der Weltressourcen der einzige Weg ist, um die Umweltzerstörung rückgängig zu machen, eine einfachere Lebensweise zu beginnen und eine nachhaltige Wirtschaft auf dem Wohl aller basierend aufzubauen.

 


Teil IV: Das Herz einbringen


Der Begriff der Weltveränderung ist nur
zum Augenschein und für den Intellekt,
aber Welttransformation ist Seelen-Alchemie,
bei der das Herz seine Weisheit entfaltet.
Wir sind nicht nur im Begriff etwas zu verändern;
sondern alles zu transformieren.
                                                    

***

 

Wir haben jetzt einige Gründe untersucht, weshalb die Umsetzung von Artikel 25 von größter Bedeutung für die kommenden ausschlaggebenden Jahre ist und wieso die Verantwortung für die Transformation der Welt bei der vereinten Stimme engagierter Bürger liegt. Angesichts des Ausmaßes der heutigen Armut-, Umwelt- und Sicherheitskrisen wäre es naiv und töricht, zu glauben, dass unsere Regierungen plötzlich die Realität anerkennen und die Welt auf einen stabileren Kurs steuern werden. Trotz unbezahlbarer Staatsschulden und wirtschaftlichem Chaos werden weiterhin Milliarden von Dollar in sinnlose Kriege und zerstörerische geopolitische Strategien gesteckt, während die meisten Staatenlenker die verbliebenen öffentlichen Güter immer weiter kommerzialisieren.

Selbst nach einer globalen Finanzkrise, in deren Folge die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen wurde und private Banken vom Staat gerettet werden mussten, wurde die Lektion der internationalen Solidarität gegenüber dem gemeinsamen Ziel der sozialen und globalen Erneuerung noch immer nicht begriffen. Jede Nation hat der anderen wieder den Rücken zugekehrt und einen Mangel an echter Besorgnis über das Leiden der Welt offenbart, statt sich endlich gegenseitig zu helfen und im Geiste wahrer Kooperation und wirtschaftlichen Teilens zusammenzuarbeiten.[13] Wir können eine Analogie bilden aus dem, was die israelische Regierung dem palästinensischen Volk antut, und die Unterdrückung ihrer Nachbarn vergleichen mit der Unterwerfung der ganzen Welt durch die brutale Außenpolitik der mächtigen Nationen, zusammen mit den multinationalen Konzernen und ihrer profitgetriebenen Tyrannei. Wann werden sie ihre Augen öffnen für das Leid, das sie über wehrlose Völker und unterentwickelte Nationen bringen, und wann werden sie die einfache Lektion lernen, ihre ärmeren Brüder mit Anstand, Güte und Liebe zu behandeln?  

Leider machen wir uns etwas vor, wenn wir glauben, dass die Interessengruppen plötzlich aufhören werden, andere im Rahmen des Gesetzes zu bestehlen und auszubeuten, genauso wie wir leichtgläubig sind, wenn wir glauben, dass die israelische Regierung ihre Aggression beenden wird, die sie bisher unter dem heuchlerischen Begriff 'Friedensprozess' fortführt. Es gibt nur zwei Hoffnungen, wie wir diese schon lange andauernde und scheinbar ausweglose Situation beenden können - entweder eine sehnsüchtige und passive Bitte um göttliche Intervention oder ein gemeinsames Erwachen der Massen, die sich zu Millionen versammeln und sagen: SCHLUSS DAMIT UND NIE MEHR WIEDER!

Ungeachtet der erstgenannten Möglichkeit gibt es bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, wenn eine vereinte Volksstimme jemals die Stärke und Form erreichen soll, die erforderlich ist, um Regierungsentscheidungen zu beeinflussen und die katastrophale gegenwärtige Weltrichtung neu auszurichten. Zunächst ist es notwendig, zu wiederholen, dass die fortwährende Präsenz von Millionen von Menschen auf den Straßen weltweit sein muss. Sie müssen sich lautstark für die Menschenrechte des Artikels 25 einsetzen, und ohne Einschränkung Tag und Nacht auf ad Infinitum vernehmbar bleiben. Ebenso geht man bei ernsten Beschwerden nicht nur einen Tag ins Krankenhaus, sondern so lange, bis der Prozess der Heilung abgeschlossen ist. Dementsprechend befindet sich der Körper der Menschheit in einer derart ernsten Lage, dass Heilung nur dann möglich ist, wenn sich unzählige Menschen in friedlichem Protest für eine Umkehr der politischen Prioritäten versammeln, als hinge die Zukunft der Welt davon ab - was sie buchstäblich auch tut. Wenn dieser Moment kommt und ähnliche Forderungen in jedem Land und auf verschiedenen Kontinenten angenommen werden, dann können wir uns vielleicht ernsthaft vorstellen, dass sich Millionen von Menschen in jeder Hauptstadt im Einklang versammeln, Tag für Tag und Woche für Woche in immer größeren Zahlen.   

In diesem Zusammenhang muss man die Occupy-Aktivisten bewundern, die vermutlich immer noch auf zentralen Plätzen campen würden, wenn die Polizei sie nicht gewaltsam vertrieben hätte. Dies war nur möglich, weil diese tapferen Protestierenden bisher nur einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen. So war es für die Obrigkeit einfach, ihre Hoffnungen und Ziele auszulöschen und letztlich eine einsame Gruppe frustrierter Menschen zurückzulassen, die wacker versucht hat, den Job all ihrer Mitmenschen zu erledigen. Aber was wird die Regierung tun, wenn sich die große Mehrheit der Bevölkerung diesen unaufhörlichen Protesten für die Umsetzung von Artikel 25 anschließt und sich immer wieder in derart großer Zahl zusammenfindet, dass es der Polizei nicht mehr möglich ist, sie zu unterdrücken oder einzudämmen? 

Ohne Frage stehen die neuen Protestbewegungen bei jeder Demonstration unter genauer Beobachtung der Politiker, der Polizei und der reichen Eliten, die sich immer wieder selbst versichern: „Sie werden sich beruhigen und früher oder später nach Hause gehen, so wie sie es beim letzten Mal getan haben, und dann wird alles wieder seinen gewohnten Gang gehen“. Wir müssen also das Stadium erreichen, in dem Menschen aus allen Gesellschaftsschichten diese friedlichen Demonstrationen erneut aufleben lassen. Familien, die noch nie in ihrem Leben demonstriert haben, genauso wie Schüler und öffentlich Bedienstete, bis sich dann vielleicht sogar die Polizei an die Regierung wendet und sagt: „Wir sind nicht auf eurer Seite, wir sind auf der Seite des Volkes!“

***

Wir sollten uns im Klaren darüber sein, was wir von unserer jeweiligen Regierung fordern müssen, was viel mehr ist als die Anhebung des Mindestlohns oder die Aufstockung von Entwicklungshilfe. Das ständige Gerangel um einen lächerlichen 'Mindest'-Lohn spiegelt eine lange und dunkle Geschichte der menschlichen Ausbeutung, des unternehmerischen Diebstahls und der Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit wider. Das hat mit Artikel 25 im weitesten Sinne nichts zu tun. Wie können wir uns heute in einer Gesellschaft bewegen, deren Reichtum so ungerecht verteilt ist und gleichzeitig nur den geringsten Lebensstandard für die ums Überleben kämpfende arme Mehrheit fordern?

Wenn wir in der Lage sind, zwischen den Zeilen zu lesen, dann bedeutet Artikel 25 wirklich das Ende der alten Wege, die auf Egoismus, Gier und Diebstahl beruhen, und den Beginn des gesunden Menschenverstands und einer neuen Lebensweise, die auf Wohlwollen, Teilen, Gerechtigkeit und damit auf richtigen menschlichen Beziehungen beruht. Es bedeutet, dass kein gewählter Führer im Amt bleiben kann, ohne der Entschlossenheit der Öffentlichkeit zu folgen, alle Arten der Armut sowohl national als auch global zu beenden - und nicht auf der Grundlage einer Ideologie, sondern auf der Grundlage von Würde und Moral.

Wie wir bereits kurz dargelegt haben, wird Artikel 25, sobald die darin festgelegten Menschenrechte von allen Regierungen garantiert werden, ein Mittel bieten gegen den Würgegriff der Kommerzialisierung, gegen die schamlosen Plünderungen und Zerstörungen der multinationalen Konzerne und gegen den Irrsinn einer auf Aggression und Machtgewinn gerichteten Außenpolitik. Wenn wir uns die materialistischen Kräfte der Kommerzialisierung personifiziert vorstellen könnten, würden sie sich inmitten von Millionen von Menschen, die überall auf der Welt Artikel 25 fordern, am Kopf kratzen und einander leise zuflüstern: „Jetzt haben wir wirklich ein Problem“.

Somit wäre es der Weg des geringsten Widerstands, Artikel 25 als wichtigstes Anliegen aller Menschen zu vertreten. Dies würde rasch zu vielen positiven Ergebnissen sowie neuen Regelungen auf sozialer Ebene führen, die sich momentan noch nicht absehen lassen. In seinen einfachen Forderungen für alle Menschen sind sämtliche Anliegen progressiver Aktivisten enthalten, auch hinsichtlich des Umweltschutzes, wie wir im vorangegangenen Kapitel ausführlich dargelegt haben.

Viele junge Aktivisten machen die Dinge mit ihren politischen und ökonomischen Manifesten nur komplizierter. Es ist fast, als würden sie versuchen, 'das System' und seine verworrenen Prozesse zu imitieren, anstatt dessen Macht durch Massen von Menschen zu brechen, die weltweit für ihre gemeinsame Sache eintreten. Wir sollten nicht vergessen, dass das System uralt und in seiner entzweienden Komplexität bösartig ist. Es existierte schon bevor wir geboren wurden, weshalb der Versuch, mit seinen Vertretern zu deren Bedingungen zu verhandeln zwecklos ist und zu keinem Ergebnis führt. Genau wie ein Politiker mit guten Absichten, der versucht, die Regierung von innen heraus zu reformieren, anfällig ist, selbst von ihr verändert zu werden, merkt ein einsamer Aktivist vielleicht, dass er zuletzt vom System verändert wurde, statt umgekehrt.

Lassen Sie uns also den Weg des geringsten Widerstands wählen und gemeinsam für Artikel 25 eintreten, in dem Wissen, dass dies unsere Regierungen am ehesten dazu bewegt, Ressourcen umzuverteilen und die Weltwirtschaft umzustrukturieren. Eine solche Forderung kann auf unsere eigene kreative Art und Weise ausgedrückt werden, in der Gewissheit, dass sie alle Antworten, nach denen wir suchen, in sich trägt. Dann stellen wir vielleicht fest, dass viele bestehende Forderungen globaler Aktivisten bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vertreten sind, auch in den wohlhabenden Ländern, wo der Ruf nach Teilen jetzt beginnt Form anzunehmen. Beobachten Sie in diesem Zusammenhang die vielfältigen Initiativen zu Themen wie bezahlbaren Wohnraum, staatliche Regulierung von Strom, Wasser und Transportmittel, kostenlose Bereitstellung von Gesundheitsversorgung und höherer Bildung, oder für eine fairere Gesellschaftsordnung durch gerechtere Besteuerung. Zweifellos muss das Prinzip des Teilens in jeder Nation entlang dieser vorgezeichneten Wege institutionalisiert werden, logischerweise mit Hilfe von engagierten Bürgern, die diese Thematik in ihren jeweiligen Ländern vorantreiben. Wir müssen uns jedoch im Klaren darüber sein, dass unsere Probleme schlussendlich identisch mit denen anderer Nationen sind, denn diese Erkenntnis wird uns zusammenbringen und uns zu einer unerbittlichen (und doch friedvollen) internationalen Macht erwachsen lassen.

Dieses neue globale Bewusstsein ist in der Tat die Essenz einer Volksstrategie zur Verkündigung des Artikels 25, denn dafür sollte nicht nur in einem Land demonstriert werden, sondern immer in vielen verschiedenen Ländern gleichzeitig. Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem weltweite Gruppenarbeit nötig ist, um die Probleme der Menschheit zu lösen, die in ihrem Ausmaß offensichtlich global sind und daher nicht auf rein nationaler oder einseitiger Basis angegangen werden können. Daher liegt unsere erste Verantwortung darin, zwischen den Zeilen zu lesen, was Artikel 25 bedeutet, und sich dann aus dieser Erkenntnis heraus im jeweiligen Land zu mobilisieren und andere Nationen dazu aufzurufen, dem Beispiel zu folgen.

Da wir insgesamt darauf abzielen Artikel 25 als eine Reihe von Gesetzen in jedem Land einzuführen, bedeutet dies, dass wir den Vereinten Nationen zur Durchsetzung dieser Gesetze die nötige Verfügungsgewalt geben wollen, in welcher Form auch immer diese Statuten verankert werden. Wir haben festgehalten, dass die jetzige Situation in den meisten Ländern offensichtlich eine gegenteilige ist, da dort die Regierungen weiter ihre schädliche Politik fortführen können, welche die soziale Sicherheit gefährdet und die Grundbedürfnisse vieler Menschen missachtet. Aber wenn Artikel 25 wirklich in einem durchsetzbaren Rechtssystem verankert wäre, dann müsste die Polizei vielleicht die Politiker verhaften, anstatt die friedlichen Proteste der Menschen im Alltag anzugreifen - von denen die meisten ihre grundlegenden Menschenrechte verteidigen, die schon längst von den Vereinten Nationen beschützt werden sollten.

Aus dieser Feststellung heraus sollten wir erkennen, dass es nicht die richtige Strategie zur Veränderung der Welt wäre, sich allein auf die nationalen Regierungen zu verlassen, die, wie wir wissen, größtenteils unfähig sind, das Wohlergehen all ihrer Bürger zu sichern. Gleichzeitig sollten wir die Vereinten Nationen dazu auffordern, wahrhaftig alle Menschen der Welt zu repräsentieren. Diese Forderung muss dabei auf internationaler Ebene formuliert werden, wenn sie wirklich effektiv sein soll. Schließlich kann ein Staat, der von einem anderen unterdrückt wird, vor den Internationalen Gerichtshof ziehen. Aber wo findet man eine solche Vertretung für die weltweit ärmsten Menschen und Familien? Wenig überraschend gibt es keine Institution, an die sie sich wenden können, um ihrer Ansprüche gegenüber der Ungerechtigkeit ihrer Armut geltend zu machen, während gleichzeitig nach der Finanzkrise Banken von Staaten gerettet wurden.

Wir brauchen also eine UN, die die Herzen und Gedanken der Menschheit vertritt, und die den Bedürfnissen der vernachlässigten und sterbenden Armen die höchste Priorität einräumt. Heute mögen all unsere Bedürfnisse erfüllt sein, aber bei wem werden wir uns beschweren, wenn unsere Regierungen die öffentlichen Einrichtungen und sozialen Dienste angreifen, die uns am meisten am Herzen liegen? Wir mögen zum Beispiel leidenschaftlich gegen die Freihandelsabkommen und Privatisierungen sein, die jeden Aspekt unseres Lebens weiter kommerzialisieren; aber bei wem werden wir uns beschweren, wenn unsere Regierung im Auftrag von Konzernen arbeitet, anstatt unseren fundamentalsten sozialen Anliegen Priorität einzuräumen?

Das ist ein weiterer Grund, warum wir mit einem Artikel arbeiten müssen, der zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehört. Denn diese allgemein anerkannten Standards werden nie verwirklicht werden, wenn die Menschen der Welt nicht ständig dafür eintreten. Vielleicht beginnt dann ein Staatsoberhaupt auf seine Wähler zu hören und bemüht sich deren Anliegen auch tatsächlich umzusetzen. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass darunter ein Politiker unserer jetzigen Regierungen ist, daher sollten wir die Vereinten Nationen als wahre Führungsinstitution der Menschheit und als unsere größte Hoffnung für die Rettung der Armen betrachten. Wenn irgendwo auf der Welt ein Konflikt ausbricht und kein schnelles Ende gefunden werden kann, dann entsendet man UN-Blauhelmtruppen, welche die Lage beobachten und bei der angeblichen Vertretung des Willens der Völker nach Lösungen suchen (wie begrenzt ihr Durchsetzungsvermögen auch sein mag). Jetzt stellen Sie sich vor, die Vereinten Nationen würden beginnen, den Willen aller Weltbürger ernsthaft zu vertreten und würden durch eine weltweite Flut an Unterstützung darin bekräftigt, Artikel 25 im Auftrag der Menschheit umzusetzen. Sicherlich dauerte es dann nicht mehr lange, bis die Vereinten Nationen ihre Botschafter nach Washington, Brüssel, Peking, Moskau und in jede andere Hauptstadt schickten, um dort zu verkünden: „Wir haben lange genug gewartet - es ist an der Zeit, die hungernden und verarmten Menschen der Welt zu ernähren und zu schützen!“ 

Die Jugend wird bald erkennen, dass die Umsetzung dieser Vorgehensweise weltweit für großen Wirbel sorgen und - infolgedessen - zu außergewöhnlichen Ergebnissen führen wird. Verbunden mit einer gesellschaftlichen Stimmung, die es in dieser Form noch nie gegeben hat. Was wir vor allem wollen, ist, den Vereinten Nationen und ihren Gründungszwecken neues Leben einzuhauchen. Und wenn Millionen von Menschen ohne Unterbrechung Tag und Nacht, Monat für Monat und sogar Jahr für Jahr für die Umsetzung von Artikel 25 protestieren, dann werden wir hoffentlich eine beträchtliche Stärkung der UN-Generalversammlung erleben und die letztendliche Auflösung des Sicherheitsrats.  Wie bereits angemerkt, nimmt ein reformiertes und vollständig demokratisches UN-System eine wichtige Rolle in der Verwaltung einer restrukturierten Weltwirtschaft ein. Allerdings kann es die ihm zugedachte Funktion - wie in Artikel 55 seiner Charta festgelegt - erst dann erfüllen, wenn es von den folgenden Einschränkungen befreit ist: dem Vetorecht des Sicherheitsrates und dem Einfluss der unternehmensdominierten Bretton-Woods-Institutionen; und durch weitaus größere und zuverlässigere Einnahmequellen die es von den jetzigen Finanzierungsbeschränkungen befreit. Die Vereinten Nationen gehören nicht den politischen oder korporativen Interessen Amerikas, Chinas, Frankreichs, Russlands oder Großbritanniens - sie gehören uns allen, was auch der Ursprungsgedanke ihrer Existenz ist, um den 'wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts aller Völker' zu fördern.

In diesem Licht betrachtet, sollte sich die Jugend Amerikas fragen, warum sie vor der Wall Street protestiert und die Rechte der '99%' proklamiert hat, anstatt sich vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen zu versammeln und für Artikel 25 einzutreten. Zu erklären „Wir sind die 99%“ führt am Ende des Tages nirgendwo hin, aber wenn wir den Artikel 25 fordern, werden uns die Armen letztendlich hören und sich anschließen - und genau da liegt die Lösung! Stellen Sie sich vor, Sie sprechen mit den Ärmsten in entlegenen Gebieten Afrikas, Asiens oder Südamerikas über Occupy Wall Street; wie glauben Sie, würden die Menschen auf Ihre nationalen Sorgen reagieren? Erklären Sie ihnen wie die globale Wirtschaft funktioniert, und sie werden wahrscheinlich nicht wissen, was Sie meinen. Erklären Sie ihnen die Bedeutung von Kredit Default Swaps oder Quantitativer Lockerung, und sie werden wahrscheinlich kein Wort verstehen. Es gibt viele Menschen in benachteiligten Dörfern und Elendsvierteln, die noch nie von dem Ausdruck 'Kapitalismus' gehört haben. Aber wenn Sie ihnen den Inhalt von Artikel 25 vorlesen, dann können Sie sicher sein, dass ihre Augen zu leuchten beginnen und sie sofort verstehen werden, denn dann sprechen Sie über deren Leben genauso wie über Ihres.

Ungleichheit und Ungerechtigkeit waren schon immer die Themen der Armen, schon bevor sie von Intellektuellen vereinnahmt und unnötig verkompliziert wurden. Die komplexen Probleme der Welt sind oft auch die der Armen. Werden wir also für sie sprechen oder werden wir sie einladen, für sich selbst das Wort zu ergreifen? Die am meisten unterprivilegierten Bürger sind es gewohnt zu schweigen, egal wie schwierig und unverdient ihre Umstände sind. Wenn sie aber den Ruf nach Veränderung vernehmen, hervorgebracht von Millionen von Menschen, die die Sinnlosigkeit ihrer Armut anprangern, dann werden sie die Alternative erkennen, als hätten sie sie schon immer gekannt - denn ginge es nach ihnen, hätte Artikel 25 schon längst umgesetzt werden müssen.

Um das für uns selbst zu verstehen, müssen wir die Realität der Armut psychologisch und von innen heraus betrachten, nicht intellektuell oder durch Augen der Selbstgefälligkeit. Das bedeutet, dass wir sowohl spirituell als auch emotional mit den Armen sein müssen, um zu erkennen, wie Artikel 25 ein alternatives sozioökonomisches Paradigma in sich selbst darstellt. Wenn Millionen von Menschen guten Willens ein Ende der Armut fordern, indem sie ihre Herzen auf diese Weise miteinbeziehen, dann wird diese Alternative zum ersten Mal lebendig und vernehmbar werden. Die folgenden politischen und wirtschaftlichen Reformen werden in derart schnellem Tempo erfolgen, dass sich viele negative globale Trends umkehren werden, einschließlich des Trends, dass die Reichen - durch ihre zunehmende Konzentration von Reichtum und Macht - immer reicher werden. Wenn die Nationen anfangen, bei der Umverteilung lebenswichtiger Ressourcen in die ärmsten Regionen der Welt zu kooperieren, wird dies der Menschheit schließlich etwas Luft zum Durchatmen verschaffen.

Die Menschheit tritt schon lange in unterschiedlichen Formen für die weltweite Umsetzung von Artikel 25 ein, beispielsweise durch die Aktivitäten von NROs wie dem Roten Kreuz oder Oxfam. Aber diese teilweisen, karitativen Bemühungen werden nie genug sein, solange sie nicht von allen Menschen entschlossen unterstützt werden und so die Regierungen dazu verpflichten, ihre üppigen Ressourcen voll auszuschöpfen und die ihnen zugewiesene Rolle ernsthaft zu erfüllen. Also lasst die Armen mitmachen! Lasst andere Nationen mitmachen! Lasst den gesunden Menschenverstand Teil davon werden! Sind wir es nicht leid, vergeblich zu protestieren und an Demonstrationen teilzunehmen, bei denen sich nur ein paar tausend Menschen für eine gerechte Sache einsetzen? Lasst uns also zusammen für Artikel 25 eintreten und sehen was passiert. Denn wenn man auf die Straße geht für ein Ende von Hunger und Armut, werden sich schon bald Millionen anderer Menschen anschließen, egal welcher Nationalität sie sind und wo auf der Welt sie wohnen. Vielleicht werden sogar die Touristen in den Hauptstädten ihre Reiseführer zur Seite legen und neben Ihnen stehen, vor allem, wenn die Zeit endlich gekommen ist. Armut ist Armut, wo auch immer sie in der Welt existiert, und Ungerechtigkeit ist Ungerechtigkeit, ungeachtet der sozialen Stellung oder des Geburtslandes.

Allein die '99%' in den reichen Ländern zu preisen ist daher die falsche Ausdrucksweise und die falsche Strategie. Denn es impliziert, dass die Gerechtigkeit 'verwestlicht' wurde und nicht auch für den Rest der Menschheit gilt. Ein Großteil der allerärmsten Menschen hat nach wie vor noch nicht von den Occupy-Protesten gehört, die 2011 und 2012 über viele Länder hereingebrochen sind, und selbst wenn sie mit den verschiedenen nationalen Thematiken sympathisiert hätten, wäre es nicht ihre Veranstaltung gewesen. Aber für ein Ende der Armut an sich zu protestieren ist ein weltweiter Aufruf, bei dem jeder eine Rolle spielen kann. Also lasst uns die Armen durch die Forderung nach Artikel 25 ins Boot holen und so eine riesige Armee aufbauen. Lasst uns nicht nur über die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit in unserem eigenen Land sprechen, sondern auch international die Dringlichkeit der Sicherstellung grundlegender Bedürfnisse für jedermann betonen - was, wie wir wissen, durchaus möglich ist, denn es gibt mehr als genug Ressourcen, die geteilt werden können.

Es gibt viele Möglichkeiten, diese einfache Tatsache in unserer Kampagnenarbeit kreativ zu veranschaulichen. Zum Beispiel könnten wir vernünftige Statistiken recherchieren, die aufzeigen, wie viele Lebensmittel in jedem Land im Überfluss vorhanden sind oder unnötig verschwendet werden. Oder durch eine Darstellung, wie schnell Regierungen und die Zivilgesellschaft jedem Menschen das Lebensnotwendige bedingungslos zur Verfügung stellen könnten, und zwar mittels neuer globaler Wirtschaftsabkommen, die überschüssige Ressourcen bündeln und umverteilen, ohne durch das Profitgebot behindert zu werden. Durch solch innovatives Denken und zahllosen Initiativen könnten wir also unsere Regierungen dazu auffordern, 'uns, den Menschen der Vereinten Nationen' zuzuhören und uns zu respektieren. Schließlich würde dann ein zentraler Vorschlag aus dem Brandt-Bericht wieder auf den Verhandlungstisch kommen: ein Notprogramm zur Beseitigung von Hunger und Unterernährung durch Beendigung von extremer Armut als oberste Priorität. 

Lassen Sie uns trotzdem darüber im Klaren sein, dass es unmöglich ist, die Welt zu verändern, indem wir ständig gegen 'den Kapitalismus' oder 'das System' kämpfen. Der Begriff 'Kapitalismus' selbst ist irreführend und spaltend, und es gibt in Wirklichkeit keine Organisation namens 'das System', dem wir uns entgegenstellen können. Es gibt nur Menschen auf der Welt, die sich hinter Ideen verstecken oder bestimmte Prinzipien für ihre eigenen verschlagenen Absichten missbrauchen. Kapitalismus ist nur eine Idee, ein Prinzip per se, das über mehrere Jahrhunderte von Reichen und politischen Eliten beansprucht wurde, welche Gesetze und Verfahren zu ihren Gunsten manipulieren, oft im Namen einer 'Demokratie' oder 'Freiheit', die sie nicht verstehen und die nichts mit ihnen zu tun hat.

Lassen wir uns also nicht täuschen, wenn andere auf den Kapitalismus zeigen und das System für die Probleme der Welt verantwortlich machen, denn das Prinzip des Kapitalismus ist keineswegs gleichbedeutend mit Ungerechtigkeit, Ungleichheit oder den Superreichen. Was wir 'das System' nennen existiert nicht, abgesehen von den menschlichen Absichten, die es erschaffen und erhalten haben, wovon ein Großteil durch Ehrgeiz, Gier, Egoismus und sogar Grausamkeit charakterisiert werden kann. Somit ist das System in seiner Gesamtheit weitgehend ungerecht, egoistisch, gleichgültig und oft grausam. Wenn wir die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Ungerechtigkeit in der Welt betrachten, dann sehen wir nicht den Kapitalismus, sondern die Konsequenzen der Motivation bestimmter Individuen. Individuen, die den spirituellen Zweck des Lebens nicht kennen, die also unwissend sind und denen es an gesundem Menschenverstand, ja sogar an Liebe zu sich selbst fehlt. Es gibt zu viele Menschen, die dem Geld, der Macht und dem Ansehen nachjagen, und zu wenige, denen es wirklich darum geht, der Menschheit zu dienen und das Wohlergehen auch der anderen zu sichern.

Das soll nicht bedeuten, dass der Autor den Kapitalismus verteidigt; im Gegenteil, denn wir können dasselbe über die Prinzipien des Sozialismus oder des Kommunismus sagen. Was ist grundsätzlich falsch am Kapitalismus als Prinzip? Nichts. Was ist grundsätzlich falsch am Kommunismus als Prinzip? Nichts - allerdings wurde diese im Wesentlichen spirituelle Idee durch autoritäre Regime oder machthungrige Führer verzerrt und verdorben. Weder die Prinzipien des Kapitalismus noch des Kommunismus sind bisher auch nur annähernd in ihrer wahren Form der sozialen Organisation verwirklicht worden. Sie werden in ihrem Ausdruck immer unzureichend sein, bis das Prinzip des Teilens im Weltgeschehen, auf der Grundlage guter menschlicher Beziehungen, verwirklicht wird.

Daher ist es für einen politisch engagierten Bürgers sinnlos, sich mit diesen missverstandenen Begriffen und Etiketten zu identifizieren, denn nicht die Prinzipien sind schuld an den Weltproblemen, sondern nur der Mensch selbst. Nur der Mensch kann sich ändern, nicht der Kapitalismus oder das System, denn das System ist lediglich ein Produkt menschlicher Gedanken und Handlungen. Das System an sich existiert nicht - nur der Mensch existiert. Und dennoch, weil die Gesellschaft, die wir geschaffen haben, so gespalten und ungerecht ist, machen wir seltsamerweise 'das System' für unsere Unzufriedenheit und unser Unglücklichsein verantwortlich, was eine falsche und potenziell gefährliche Schlussfolgerung ist.

Wir müssen die Prinzipien, die dem Sozialismus und dem Kapitalismus zugrunde liegen, in einem anderen Licht und mit einem spirituelleren Verständnis betrachten. Nicht aus dem Blickwinkel der alten Menschheitsgeschichte, die durch Parteipolitik und endlose Konflikte gekennzeichnet sind. Eine politische Bewegung, die 'gegen' das Establishment ist und es durch einen anderen 'Ismus' ersetzen will, wird niemals erfolgreich sein, die gemeinsamen Anliegen aller in der Gesellschaft voranzubringen. Genauer gesagt, wird sie niemals die ärmsten Menschen einbeziehen, die nicht daran interessiert sind, Sozialist, Kommunist, Liberaler oder sonst etwas zu sein. Denn sie wollen lediglich ihre Familie ernähren und ein sicheres und menschenwürdiges Leben führen. Indem wir uns gegen den Kapitalismus oder das korrupte System stellen, beteiligen wir uns an diesen alten spaltenden Prozessen, die über Jahrhunderte wieder und wieder zu Klassenkämpfen und sozialer Ausgrenzung geführt haben.

Es scheint fast, als versuchten manche Aktivisten, den Kapitalismus zu personifizieren und ihn mit einem Messer töten zu wollen, obwohl es doch im Abstrakten nichts gibt, das getötet werden könnte. Wir können nur die Wahrheit hinter den Geschehnissen verstehen, und das ist ein von den Kräften der Kommerzialisierung herbeigeführter Krieg, der mit 'Kapitalismus' überhaupt nichts zu tun hat. Wenn man also versucht, den Kapitalismus zu bekämpfen, kämpft man gegen eine Idee, anstatt die Eliten, die den Status quo aufrechterhalten, effektiv herauszufordern oder sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Und dabei läuft man Gefahr, genauso spalterisch zu werden wie sie. Im besten Fall sehen sich die Obrigkeiten die Protestierenden - die sich 'Anti-Kapitalisten' nennen - einmal kurz an und fegen sie dann hinweg, denn solcher Aktivismus macht seit jeher nur einen kleinen und oft militanten Teil in der Bevölkerung aus. Im schlimmsten Fall jedoch könnte eine Volksbewegung, die gegen die bestehende Gesellschaftsordnung ist, zu noch mehr Aufruhr, Chaos und Gewalttätigkeiten führen, mit schrecklichen gesellschaftlichen und politischen Folgen.

Zu behaupten, 'wir brauchen eine Revolution' in unseren polarisierten modernen Gesellschaften ist daher ein unsinniger und leichtsinniger Vorschlag. Denn das Wort Revolution bringt das Wort Feind hervor und ist mit dem Wort gegen verbunden. Die innere Einstellung, gegen etwas zu sein bringt wiederum geistige Blindheit und Selbstgefälligkeit hervor. Das psychologische Pendant zum Gedanken „Ich bin gegen dich“ ist Sturheit, Arroganz und Gewalttätigkeit (innerlich oder äußerlich ausgedrückt). Es lässt die Menschen ihre Herzen verschließen und führt zu Teilung und Konflikt, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Der Begriff Revolution ist für die kommende Ära in jeder Hinsicht überholt. Dies ist der Moment für ein neues Zeitalter das auf Kooperation, gutem Willen, Teilen und globaler Einheit basiert - sowie auf reichlich gesundem Menschenverstand!   

Somit werden wir hoffentlich die Zwecklosigkeit der Suche nach einer Alternative zum Kapitalismus als Grundprinzip unserer Gesellschaft einsehen und stattdessen für eine Alternative zu unseren jetzigen Bildungssystemen plädieren, die eine Quelle der heutigen globalen Probleme sind. Von Geburt an müssen alle Kinder im Sinne rechter menschlicher Beziehungen geschult werden, mit einem kultivierten Bewusstsein dafür, dass die Menschheit eine einzige, voneinander abhängige Familie ist, in der die Bedürfnisse aller Menschen im Grunde die gleichen sind. Egal wo auf der Welt wir leben oder welche Sprache wir sprechen, und wie unterschiedlich unsere äußeren Formen der sozialen Organisation auch erscheinen mögen. Richtige Erziehung erfordert auch ein gemeinsames Verständnis dafür, dass die Prinzipien des Teilens und der Zusammenarbeit unseren wirtschaftlichen Strukturen und sozialen Beziehungen zugrunde liegen müssen. Das ist der erste Schritt, um die tief verwurzelte soziale Kluft und gegensätzliches ideologisches Denken aufzulösen, wie wir im nächsten Kapitel näher untersuchen werden.

Eine neue politische Ära könnte sofort beginnen, wenn genügend Menschen sich umerziehen und die allgegenwärtige Konditionierung von 'Ismen' aus ihrem Bewusstsein eliminieren - Ismen die wir oft unbedacht als 'linker Flügel' und 'rechter Flügel' zusammenfassen. Unser Verstand wird seit ungezählten Jahrhunderten durch falsche Konditionierung und Identifikation mit Ismen in all ihren verschiedenen Formen gefangen gehalten, wodurch die menschliche Kreativität und Freiheit in höchstem Maße unterdrückt wird. Es sind die einfachen Frauen und Männer, die seit Jahrhunderten die schädlichsten Folgen dieser groben Verletzung des freien menschlichen Willens erlitten haben, welche ihnen hauptsächlich von den Verfechtern großer religiöser und politischer Ideologien aufgezwungen wurden und die auch heute noch um die Vorherrschaft im Weltgeschehen konkurrieren.

Wir können das ganze Ausmaß des Problems nur dann verstehen, wenn wir uns Gedanken machen über unsere bisherige psychologische Einstellung, wie 'gegen' den Kapitalismus oder den Sozialismus oder irgendein anderes vermeintliches, ideologisches Feindbild zu sein. Dennoch ist dies ein guter Ansatzpunkt, um ein Verständnis für das neue Bewusstsein zu erlangen, das die nächsten Jahre die menschlichen Beziehungen prägen muss. Wir könnten damit beginnen jede geistige Identifikation mit Begriffen wie 'linksgerichtet', 'rechtsgerichtet', 'Kapitalismus', 'Sozialismus', 'Anarchismus', 'Liberalismus' etc. aufzugeben, während das Wort 'gegen' in unserem Wortschatz und Denken unwiderruflich durch die Worte 'nicht mit' ersetzt werden sollte. Der Ausdruck 'Ich bin gegen dich' führt unweigerlich zu Feindseligkeit oder Gewalt, aber zu sagen „damit bin ich nicht einverstanden“ schließt die Möglichkeit eines Dialogs und einer Lösung ohne unnötigen Konflikt mit ein. Darüber hinaus erkennt man mit letzterer Denkweise seine Inklusion und Einheit, und dass es in spiritueller Hinsicht keine wirkliche Trennung zwischen dir und mir gibt. Das kann uns helfen zu begreifen, dass wir als menschliche Wesen im göttlichen vereint sind, auch wenn wir uns in unseren sozialen Einstellungen und gedanklichen Ideenbildungen unterscheiden mögen. Denn es gibt in der Schöpfung nur die eine Menschheit und es kann auf höchster spiritueller Ebene keine Trennung geben, egal wie verschieden wir auf physischer Ebene auch sein mögen. Wenn es also einen unversöhnlichen Konflikt zwischen gegensätzlichen politischen Ideologien zu geben scheint, liegt die dauerhafte Lösung nicht im Sieg des einen Ismus über den anderen. Letztlich kann sie nur in einer universellen Akzeptanz unserer gemeinsamen Menschlichkeit gefunden werden - was eine neue Erziehung zur wahren Natur des Inneren Selbst erfordert.

Diese Vorschläge sind weder sentimental noch naiv, denn eine solche Einstellung gegenüber menschlichen Beziehungen hat das Potenzial, die Gesellschaft zu verändern, sobald ein Großteil der Bevölkerung dazu erzogen wird, auf eine spirituellere, herzlichere und offenere Art und Weise zu denken. Es wäre schnell offensichtlich, dass der Kapitalismus heute hauptsächlich von reichen Eliten aufrechterhalten wird, deren Einstellung 'es gibt nur ein Ich'anstatt 'es gibt nur eine Menschheit' zu sein scheint.  Sich unserem heutigen Verständnis von Kapitalismus psychologisch zu nähern, bedeutet in Wirklichkeit, zu beobachten, wie dessen unterschiedliche Formen der sozialen Organisation von Gier, Mangel an Liebe und ansonsten wenig Anderem bestimmt werden.  Wenn der Mensch sich das bewusst macht und seine Absichten entsprechend ändert, dann wird der Kapitalismus sein äußeres Erscheinungsbild in genau demselben Maße verändern. Durch den Prozess des Teilens von Ressourcen, sowohl national als auch international, ist es unvermeidlich, dass der Kapitalismus nach und nach eine weniger dominante und reinere Ausdrucksform annehmen wird. Bis am Ende das, was wir Kapitalismus nennen, durch das nicht gewinnorientierte Teilen neuer Innovationen im Rahmen einer sozial geführten Wirtschaft definiert sein wird, die vor allem die universelle Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen sicherstellt.  

Vielleicht bleibt nur noch eine Option, um diese Veränderungen in unserem Bewusstsein und in unseren Gesellschaften zu initiieren. Indem wir den Artikel 25 in endlosen Demonstrationen verkünden, können sich neue Möglichkeiten eröffnen, um sowohl den Kapitalismus als auch den Sozialismus in ihre jeweils angemessenen Formen für ein Zeitalter des Teilens, der Gerechtigkeit und der globalen Zusammenarbeit zu transformieren. Aber es lohnt sich, über die Tatsache nachzudenken, dass Artikel 25 nichts mit den Prinzipien des Sozialismus oder des Kapitalismus an sich zu tun hat. In spiritueller Hinsicht ist Artikel 25 einzig und allein mit dem Prinzip der rechten menschlichen Beziehung verbunden, ein Schicksal für jeden Einzelnen, das auch bedeutet, sich in Würde und Freiheit auf dieser Erde zu entfalten. 

Lassen Sie uns ungeachtet unserer ideologischen Neigungen oder Befangenheiten zumindest erkennen, dass ein Aufstand gegen den Kapitalismus eine Absurdität ist, die auf den Kampf einer Idee gegen eine andere Idee hinausläuft. Lassen Sie uns stattdessen pragmatisch sein und eine Forderung verkünden, die unsere politischen Differenzen am umfassendsten überwinden kann. Wir benötigen eine einheitliche Forderung, nicht tausende verschiedene und einzelne Anliegen. Darüber hinaus verprellt der Kampf gegen den Kapitalismus die unpolitischen Bürger und verhindert eine breite öffentliche Beteiligung, wohingegen die Forderung nach Artikel 25 die Menschheit vereinen kann und jeden dazu einlädt, sein ungenutztes Führungspotenzial zu verwirklichen. Wir werden staunen, wenn wir erkennen, was passiert, wenn sich Millionen von Menschen ohne die Energie des 'gegen etwas'zusammenfinden. Es wird den Betrachtern eine derartige Inspiration und Freude vermitteln, dass sich bald weitere Millionen anschließen werden. Wie einfach wird die Lösung für die Probleme der Welt dann sein, trotz all ihrer Komplexität und der Bibliotheken voller Bücher, die nach wie vor über diese Themen geschrieben werden.

Die Lösung erfordert keine intellektuelle Leistung oder komplizierte akademische Theorien, sondern schlicht die Herzen gewöhnlicher Menschen, die sich in spontanen, unaufhörlichen und unvorstellbar großen Demonstrationen für die Menschenrechte in Artikel 25 engagieren. Die Aktivisten sollten den bedrohlichen Begriff 'Revolution' strikt vermeiden und stattdessen eine Armee vereinter Herzen aufstellen, was der sicherste Weg ist, die Menschen weltweit in nie dagewesener Form zusammenzubringen. Es ist an der Zeit durch das Herz zu sprechen und nicht durch alte Ideologien und Ismen. Wir können die Welt nicht durch die Worte 'Ungehorsam', 'gegen' oder 'Anti verändern; aber wir können sie über alle Vorstellungskraft hinaus verändern, indem wir im Sinne eines neuen Zeitalters von Herz zu Herz kommunizieren. Wenn sich ein wesentlicher Teil jeder Gesellschaft dieser kollektiven Aufgabe verschreibt und beharrlich Artikel 25 fordert, wird die Energie dieser friedlichen Demonstrationen genau die neue Erde offenbaren, auf die sich die Menschheit jetzt vorbereitet, wenngleich dies größtenteils unbewusst geschieht. Durch den Klang dieser weltweiten Protestversammlungen und mit der Hingabe der Millionen täglich demonstrierenden Menschen wird sich die Frage, 'wie' man die Welt verändern kann, von selbst beantworten und nichts wird diese Transformationen aufhalten.

Wir könnten wahrheitsgemäß sagen, dass der größte Widersacher unseres verdorbenen und korrupten Wirtschaftssystems das menschliche Herz ist. Denn das Herz ist in seinen Eigenschaften so einfach und dennoch zeigt es erstaunliche Kräfte, wenn es sich mit anderen Herzen für eine gemeinsame Sache verbündet. Auf dieselbe Weise, wie unser Herz unsere Kinder und Familie beschützen will, müssen wir die populären Proteste mit dem gleichen Bewusstsein und der unerschütterlichen Besorgnis durchdringen. Denn Millionen von Familien oder Individuen, die in Armut leben, laufen Gefahr genau in diesem Moment and Hunger oder vermeidbaren Krankheiten zu sterben. Diesen Faktor haben die meisten Aktivisten und Fortschrittsdenker bisher noch nicht als Vorbedingung für die globale Transformation erkannt. Denn ohne das Erwachen der Herzen in den einfachen Menschen, gibt es keine Hoffnung die Gesellschaft neu zu gestalten. Vor allem nicht in dieser wichtigen Phase der menschlichen Evolution, die von allen Seiten gefährdet wird durch die Kommerzialisierung und den Krieg der Ismen. 

Wenn wir schon von Revolution sprechen müssen, dann lassen wir es eine Revolution des Herzens sein, und nicht eine der alten Konditionierungen durch Ismen, die nach wie vor im politischen Diskurs, über den Arabischen Frühling und die dazugehörigen Aufstände, auftauchen. Die Strategie zur Erneuerung der Welt, die wir hier diskutieren, ist nicht zu vergleichen mit den Geschehnissen von 2011 in Ägypten und anderen Staaten des Mittleren Ostens, da es dort vordergründig um die Befreiung von autoritären und korrupten politischen Regimen ging. Ein solches Aufbegehren gegen unterdrückerische Herrscher ist das Anliegen der Menschen in dem jeweiligen Land. Womöglich sympathisiere ich mit ihnen, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ich mich daran beteilige, wenn es nicht in meinem eigenen Land passiert. Aber für ein Ende der weltweiten Armut zu protestieren ist das Anliegen jeder Nation und der Menschen auf der ganzen Welt. Und es bedarf einer weltweiten Revolution der Herzen, um erfolgreich zu sein. Diese Aussage weist auf ein Hauptdilemma hin, das Aktivisten beachten und verstehen sollten: für Veränderung und Gerechtigkeit zu kämpfen ist unbestreitbar notwendig und bewundernswert. Aber mit einem Verstand zu kämpfen, der von Ismen und Ideologien geprägt ist, stellt ein gefährliches Vorhaben dar, das sogar zu einer Verschlimmerung der Lage führen könnte. Im Mechanismus dieser Konditionierung steckt die Wiederholung der vergangenen Fehler der Menschheit - wieder und wieder - weshalb wir mit den Eigenschaften des Herzens für Gerechtigkeit und eine neue Art zu leben eintreten sollten, und ohne die Einstellung des 'Dagegenseins'.

Diese Richtlinien für globalen Aktivismus sollten nicht als diffuse oder utopische Gedanken betrachtet werden, sondern als nüchterne Strategie für einen siegreichen Kampf. Viele Aktivisten sagen es ist möglich eine bessere Welt zu schaffen. Aber eine solche Welt kann niemals verwirklicht werden, ohne die Eigenschaften des Herzens und des Verstandes in Einklang zu bringen. Die menschliche Intelligenz könnte dann endlich beginnen, einen besseren Kurs einzuschlagen - nicht mehr in Richtung Profit, Ideologie oder Eigeninteressen, sondern hin zum Wohl der Allgemeinheit, mit besonderer Aufmerksamkeit gegenüber den Ärmsten unter uns.

***

Was wir heute am dringendsten benötigen ist nicht Revolution, sondern gesunder Menschenverstand, Einfachheit und Weisheit, manifestiert in unseren alltäglichen Gedanken und Handlungen. Die Ausrufung von Artikel 25 ist der direkte Weg, diese Qualitäten in unsere Protestaktivitäten einzubeziehen, da es die Spannung zwischen Arm und Reich verringern kann und beide können dazu eingeladen werden sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden, sowohl bildlich als auch wörtlich gesprochen. Manche Menschen fordern heute sogar eine spirituelle Revolution, womit sie möglicherweise recht haben könnten. In Wirklichkeit ist es jedoch eher sinnlos und zweifelhaft, eine plötzliche Erleuchtung unseres Bewusstseins zu erwarten, wenn menschliche Beziehungen auf Mangel, Verwirrung, Unwissenheit und Identifikation mit Ismen und Ideologien beruhen.

Was für eine spirituelle Revolution können wir schon erwarten in einer derart gespaltenen und materialistischen Gesellschaft wie der unseren, außer eine 'kommerzialisierte spirituelle Revolution', wie man dies bereits bei der Einführung der Lehren des Yoga im Westen beobachten konnte? Es ist aussichtslos, eine spirituelle Revolution herbeiführen zu wollen, ohne dass die gesamte Gesellschaft zuerst eine psychologische Revolution durchläuft, und wir so durch gemeinsame Proteste mit engagierten Herzen zu ahnen beginnen, wer wir wirklich sind. Sobald jeder Mensch auf der Erde das hat, was er für ein Leben in Würde, Vertrauen und Freiheit benötigt, können wir uns vielleicht mit einer planetaren spirituellen Revolution befassen. Könnten wir diese Revolution personifizieren, würde sie sagen: „Ich würde gerne in Eurer Mitte sein, aber dies ist mir nicht möglich, bevor ihr nicht euer Haus in Ordnung bringt“.

Es gibt viele von uns, die in einer durch Armut, Konflikt und Umweltverschmutzung verdorbenen Welt immer noch nach ihrer eigenen spirituellen Revolution streben. Aber unter diesen Umständen kann unsere sogenannte Erleuchtung nur von Individuen erreicht werden, die die tiefere spirituelle Krise unserer Zeit absurder Weise nicht wahrnehmen. Wir mögen in einen Aschram oder in ein Kloster flüchten und jahrelang allein meditieren, aber wofür meditieren wir, wenn die Welt im selben Atemzug auf eine Ära mit grenzenlosem sozialen Chaos und Umweltkatastrophen zusteuert? Außerdem ist es nicht auch ein spirituelles Erwachen, unseren ärmsten Brüdern zu dienen und ihnen zu Essen zu geben? Solange das Verbrechen von Hunger in einer Welt des Überflusses im 21. Jahrhundert anhält, sollte man kein Wort über eine spirituelle Revolution verlieren, zumindest was den Autor angeht, und jedenfalls nicht vor einer weltweiten psychologischen Revolution, die uns dazu bringt, für Artikel 25 einzustehen, mit dem Gedanken 'was ist mit den Anderen? '

Die Tatsache, dass Menschen auf der ganzen Welt demonstrieren, ist an sich schon eine Form der spirituellen oder Herzensrevolution, die durch das freudige Bewusstsein, dass die Menschheit Eins ist, verwirklicht werden wird. Schon der Klang dieser Demonstrationen wird so magnetisiert werden, dass sie die erste wahre spirituelle Revolution auf dieser Erde darstellen werden. Der Beginn dauerhafter weltweiter Demonstrationen, wie oben beschrieben, wird den Menschen eine derartige Würde und Kraft verleihen, dass wir uns ohne Behinderung durch Sprache, Rasse oder Klasse wahrnehmen werden, als wären wir schon immer Brüder und Schwestern, und als wäre das Vertrauen schon immer dagewesen, hätten wir uns nur dafür entschieden. In diesem Moment wird sich ein seltsames Phänomen im Verstand von Männern und Frauen bemerkbar machen, mit einer bisher unbekannten Qualität, die aus der Wahrnehmung des anderen entspringt, genauso wie neu entdeckter Respekt und Vertrauen, und natürlich die Kraft, die wir Liebe nennen. Dann, und nur dann, werden wir wissen, was es bedeutet, sich als Botschafter der Menschheit zu bezeichnen.

Seit 2011 konnte man in vielen Protestcamps bereits kleine Hinweise auf dieses aufstrebende Bewusstsein entdecken, auch wenn diese Ereignisse verblassen werden im Vergleich zu unserer Vision von vielen Nationen, die alle mit derselben vereinten Forderung hervorbrechen. Haben Sie beobachtet, wie sich die Menschen verhalten, wenn sie während der friedlichen Massenproteste der letzten Jahre als Gruppe interagieren? Es bereitet Freude zusammen zu sein und anderen Menschen zu dienen, ohne den Gedanken an das 'Ich', auch wenn es nur darum geht, Bücher an einem provisorischen Bücherstand zu tauschen oder kostenlos Essen zu verteilen. Normalerweise teilen die Aktivisten fast alles was sie haben und erfahren dabei eine Lebensfreude und eine Solidarität, die in ihrem Ausdruck inspirierend, kreativ und heilend ist. Sollten wir ein solches Verhalten also lediglich als 'Hippiezeug' betrachten, oder bedeutet es den Beginn eines neuen Zeitalters, auf der Basis rechter menschlicher Beziehungen und vielleicht haben Sie das selbst schon gespürt?

Die Ereignisse, die wir bisher erlebt haben, sind ein unbewusster Aufruf, eine neue Lebensweise ins Leben zu rufen, und es ist ein Hinweis darauf, welche Dinge in einem nie dagewesenen und globalen Maßstab noch kommen werden. Stellen Sie sich bitte dieses aus dem Herzen engagierte Phänomen in jedem Land der Welt vor, zum Ausdruck gebracht von Milliarden von Menschen, über Monate hinweg. Noch nie haben wir auf diesem Planeten ein so zutiefst bewegendes und freudiges Schauspiel in seiner vollen Blüte erlebt. Die sporadischen Proteste der letzten Zeit sagen im Grunde: 'Wir wollen eine bessere Welt'. Aber jetzt haben wir eine Anleitung bekommen, wie wir diese bessere Welt herbeiführen können.

Indem wir für Artikel 25 eintreten, können wir auch ein universelles Bewusstsein dafür schaffen, dass das Teilen der Weltressourcen in der Tat die Lösung unserer Zivilisationskrise ist. Es gibt eine verflochtene Beziehung zwischen diesen beiden Konzepten - Artikel 25 und dem Prinzip des Teilens - die durch anhaltende weltweite Demonstrationen mit engagiertem Herzen und gutem Willen realisiert werden wird. Diese Beziehung war schon immer einfach, obwohl sie nicht populär ist, denn es ist ein langer Weg, durch unzählige Leben, bis wir schließlich die ewige Wahrheit unseres göttlichen Potenzials wahrnehmen. In der Liebe zu Gott oder dem Leben ist alles einfach. Nur der Mensch macht alles kompliziert durch seine Unwissenheit, Gier und Bindungen an Ismen.

Symbolisch gesehen ist Artikel 25 die Antwort und die wirtschaftliche Alternative, die sich offenbaren wird, wenn die Menschheit zusammenkommt und inmitten einer planetarischen Revolution (psychologisch, gesellschaftlich und spirituell) laut danach ruft. Dann werden wir eine höchst unerwartete Offenbarung erleben: dass das Leben ein kostbares Geschenk und wirklich lebenswert ist, denn die Menschheit ist Eins. Dann wird es nicht mehr lange dauern, bis Artikel 25 zum Prinzip des Teilens zurückführt und der Wiederaufbau unserer Welt beginnen kann.

 


Teil V: Erziehung für eine neue Welt

 

Erkennt die Wahrheit, dass jeder einzelne
von euch Vater und Mutter der Welt ist.
Daher sollte eure höchste spirituelle Aspiration sein, die
verborgene Tatsache der Einheit der Menschheit zu begreifen.

 

***

Wenn wir erklären und ernsthaft glauben, dass eine andere Welt möglich ist, wie gehen wir dann mit unseren verblendeten Politikern, unserer kollektiven Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit, und all den anderen Ismen um, die uns davon abhalten, unseren Weg zu Wahrheit und Freiheit zu finden? Wann werden wir uns gegenseitig ohne Verurteilung ansehen, ohne Furcht oder Verachtung, sondern mit Freude und Wohlwollen? Wann werden wir einen Tag erleben, der anders ist als alle anderen Tage, wenigstens einmal in unserem kurzen Leben? Die Antwort darauf ist wieder eine neue Art der Erziehung auf der Grundlage, Selbsterkenntnis durch Liebe und Weisheit zu entwickeln. Dies beginnt mit der Offenbarung, dass die Menschheit Eins ist, denn dies ist die befreiende Wahrheit des Lebens auf der Erde, egal wie lange wir versucht haben, dies abzustreiten. Somit können wir zurecht sagen, dass wir heute keine Revolution brauchen, sondern eine richtige Erziehung. Denn es gibt keine Hoffnung, Artikel 25 auf Dauer zu garantieren, ohne dass wir lernen, einfacher und gleichberechtigter im Rahmen des einen Planeten zu leben, den wir uns alle teilen müssen. 

Neue Erziehungsmethoden sind dringend notwendig, um die Gesetze zu erhalten, welche die vollständige Realisierung von Artikel 25 weltweit garantieren. Die Menschheit ist durch Ismen und jahrhundertelanges falsches Denken derart konditioniert, dass solche Gesetze andernfalls nicht lange Bestand hätten. Aber wir haben im Allgemeinen keine Ahnung, was richtige Erziehung in unseren dysfunktionalen Gesellschaften bedeutet, in denen eine vermeintlich 'gute Erziehung' auf der Identifikation mit der eigenen Persönlichkeit und dem Glanz allgemein anerkannten Erfolgs beruht. Folglich haben unsere Schulen und Universitäten viele 'gut ausgebildete' Menschen in Machtpositionen hervorgebracht, die Experten darin sind, den Planeten und andere Menschen zu zerstören. Dies ist eine unbestreitbare Tatsache, die in Bezug auf eine Gesellschaft beobachtet werden sollte, die in rasantem Tempo die natürlichen Ressourcen verbraucht, die das Leben selbst erhalten, während die Unterschiede zwischen Arm und Reich so extrem werden, dass sie das Potenzial für einen Dritten Weltkrieg haben. Jeder Premierminister, Präsident oder Vorstandsvorsitzende hat wahrscheinlich eine sogenannte 'gute Erziehung' genossen, und trotzdem setzen sie alle diese katastrophalen Trends unweigerlich fort.

Ein privilegiertes Kind wird in der Schule in keiner Weise zu richtigen menschlichen Beziehungen erzogen, sondern vielmehr durch viele Jahrhunderte hindurch mit einem fehlerhaften Verständnis über die Bedeutung und den Zweck des Lebens indoktriniert und konditioniert, während es in jüngerer Zeit tragischerweise auch noch von den Kräften des Profits und der Kommerzialisierung kontaminiert wird. Ein Jugendlicher mit den höchsten Bestrebungen, die Welt zu verbessern, wird am Ende seiner Ausbildung einen Verstand besitzen, der nicht nur konditioniert, sondern vollständig von diesen Kräften kontaminiert ist, auch wenn sich dieser junge Erwachsene eine unbeirrbare Überzeugung erhalten hat, der Gesellschaft 'etwas zurückzugeben' oder einer sozial gesinnten Berufung folgt. Wir sind alle Kinder einer Erziehung, die uns vorgibt, wie wir zu denken haben, die uns indoktriniert, Erfolg zu haben, die uns beibringt, ambitioniert zu sein und uns, als Konsequenz daraus, entzweit und schlussendlich Selbstzerstörung hervorbringt. Erziehung, wie wir sie heute kennen, selbst in vielen der alternativen und mehr spirituell orientierten Schulen und Universitäten, gleicht immer mehr einer Fabrik, die Roboter produziert, welche darauf programmiert sind, ein erfolgreicher 'Jemand' zu werden. Somit unterliegen wir alle einer Erziehung, die uns in die Irre führt, uns manipuliert und es nicht schafft, die bewusste Wahrnehmung der wahren Natur unseres Seins zu erweitern. Stattdessen flößt sie uns ein individualistisches Ehrgeizgefühl ein, das zu Gier, Egoismus und letztlich Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der anderen und des Planeten führt.

In der einen Evolution ist die Menschheit ewig und unteilbar und dennoch, als Resultat unserer falschen Identifikation mit der Materialität, unserer falschen Konditionierung, unserer falschen Erziehungsmethoden, sind wir so weit gesunken, dass viele Millionen von Menschen sich nicht als Teil ihrer Gesellschaft fühlen, bzw. denken, dass die Welt ihr Feind ist. Genauso wie der Aktivist oft glaubt, dass das System gegen ihn ist, haben die allerärmsten Bürger oft das Gefühl, nicht Teil der menschlichen Familie zu sein. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die eine 'gute Erziehung' genossen und durch Anpassung an die korrupten Prozesse der Kommerzialisierung einen hohen gesellschaftlichen Status erreicht haben, darauf konditioniert, geistig ein Schild vor sich herzutragen, auf dem geschrieben steht: „Ich gehöre zu den wenigen verdienstvollen Individuen, die es geschafft haben“.

Wenn wir die Weltsituation aus einer mehr spirituellen und inklusiven Sichtweise betrachten, können wir zu dem Schluss kommen, dass kein Mensch richtig erzogen wird, egal wie prestigeträchtige die Schule oder Universität auch sein mag. In einer dysfunktionalen Gesellschaft, die die Kommerzialisierung als ihren Nukleus auserkoren hat, ist es nahezu unmöglich, ein Kind auf spirituelle und psychologisch gesunde Weise zu erziehen. Was wir wirklich produzieren, ist nicht eine 'gute Erziehung' durch ein kultiviertes Bewusstsein des inneren Selbst, sondern eher ein Fließband von 'guten Konsumenten'. Wir werden nicht nur dazu konditioniert, Konsumenten von endlosen Produkten und Dienstleistungen zu werden, sondern wir werden auch dazu gebracht, uns selbst zu konsumieren, indem wir unser eigenes Leben unabsichtlich missbrauchen. Jemand, der nicht selbstständig denkt, der keine Selbsterkenntnis besitzt, dem man nicht beigebracht hat, in liebevollem Bewusstsein zu leben und zu handeln, wird äußerlich Güter konsumieren und sich nach innen selbst auszehren. Das bedeutet, dass man ihn nicht als freien und freudigen Menschen bezeichnen kann, sondern als einen 'Selbst-Verbraucher'. Anstatt kreativ zu sein mit all der Energie und Schönheit, mit der uns unsere Umwelt beschenkt hat, ziehen wir es vor, schlafend und gleichgültig zu sein durch unseren Mangel an innerem Bewusstsein. Und so 'verbrauchen' oder vergeuden wir unsere wertvollsten menschlichen Eigenschaften und erleiden unbewusst einen langsamen spirituellen Hungertod.

Wir erschöpfen uns auf jede erdenkliche Weise - politisch, wirtschaftlich, sozial, ökologisch und emotional. Dies umfasst alles, von unserem ignoranten Missbrauch der Natur durch massenhaften nicht-nachhaltigen Konsum bis zur psychologischen Selbstzerstörung durch unsere Gier, unsere Einsamkeit, unser Selbstmitleid, unsere Depression und unseren Drogenkonsum. Sogar durch unsere Gleichgültigkeit gegenüber all dem Leid, das sowohl in uns als auch außerhalb von uns geschieht, sind wir selbstverzehrend. Daher fühlt sich jeder Tag wie der andere an in seiner Müdigkeit und Besorgnis und Angst, denn wir alle sind zum Teil selbstverzehrend gegenüber unserer eigenen Menschlichkeit, ob wir es wissen oder nicht. Und inmitten dieses inneren Chaos und der selbsterzeugten Gewalt, suchen wir immer noch unablässig nach dem flüchtigen Glück und guter Gesundheit. Oft mit einer solchen Verbissenheit, dass wir von Kummer und Schmerz überwältigt werden und meinen, es wäre notwendig unser Leben zu opfern, was als ein letzter trauriger Versuch angesehen werden kann, sich selbst durch einen Suizid auszulöschen.

Im Allgemeinen haben unsere Politiker eine verworrene und verzerrte Sicht auf die Bedeutung richtiger menschliche Beziehungen, genauso wie wir, denn auch wir leben in einer Welt von Glaubenssätzen, Ismen und Ignoranz, die wir uns selbst erschaffen haben. Inmitten all der Ungerechtigkeit und Misere der modernen Gesellschaft, sind die leitenden Politiker in Wirklichkeit ein Spiegelbild dessen, wie sich die Menschheit aufgrund des Fehlens von Selbsterkenntnis, Mitgefühl und liebevollem Bewusstsein gespalten hat. Solche Worte wie diese, stehen im Gegensatz zu dem was wir heute unter dem Begriff von Führung verstehen, der eine abwertende Konnotation des Oberen und des Unteren beinhaltet. Demjenigen der führt und den vielen die folgen müssen. Denn durch diesen Prozess des Folgens ist der Mensch in einen vorherrschenden Zustand der Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit gesunken, indem er seine eigene Spiritualität, Kreativität und angeborene Intelligenz verleugnet. In einer moralisch degenerierten Kultur, die die selbstsüchtige Anhäufung von materiellem Reichtum und Macht vergöttert, wird politische Führung nur zu mehr Verwirrung und sozialer Spaltung führen und kann immer nur zu mehr Unterdrückung, Gewalt und weit verbreitetem Leid führen.

Über was für eine Demokratie sprechen wir eigentlich, während wir täglich beobachten, wie die Politik zu einem geschmacklosen Spiel verkommt, die allein schon die Idee und Existenz der Einen Menschheit verleugnet? Wo jeder politische Kandidat wie aus dem Nichts auftaucht, um zu versuchen, unsere müden Leben und die unsere Kinder mit seinen spalterischen Ismen zu beschenken. 'Ismen' zu folgen ist allein schon ein Akt der Geschmacklosigkeit. Wer kann es also den Menschen verdenken, die mit diesen machthungrigen Politikern nichts mehr zu tun haben wollen und sagen: „Oh, Politik, wenn ich das schon höre!“ Und die vielen anderen Menschen, die rechten oder linken Parteien folgen, denken im Allgemeinen auch nicht im Sinne richtiger menschlicher Beziehungen und unserer angeborenen spirituellen Einheit. Sie interessieren sich vielmehr dafür, dass ihre Partei alle anderen übertrumpft. Sie sind genauso wie die Politiker Teil dieses geschmacklosen Spiels, nicht zuletzt, wenn sie einem Ismus die Treue schwören, der vielleicht ihre Steuern senkt oder ihre finanziellen Investitionen erhöht und damit eine selbstgefällige und isolierte Lebensweise fördert. Das Leben und die Selbsterkenntnis basierten schon immer auf dem Wachstum unseres Bewusstseins durch richtige Beziehungen und nicht auf dessen Eingrenzung durch selbstbezogene Kategorien wie 'mein Leben' oder 'meine Rechte'. Wenn wir uns weigern, diese Realität in unserem Leben anzuerkennen, dann täuschen wir uns selbst und andere, indem wir glauben, die Gesellschaft könnte sich zum Guten verändern, indem wir einen politischen Ismus durch den nächsten ersetzen. 

In diesen verworrenen Zeiten erzeugt der Kampf um Wählerstimmen noch mehr Stress und Spaltung innerhalb einer Nation. Während der Akt des Wählens auf psychologischer Ebene die zunehmende Uneinigkeit und spirituelle Teilung einer Gesellschaft widerspiegelt. Das soll nicht die vielen historischen Kämpfe für ein universelles Wahlrecht und eine bessere demokratische Vertretung herabwürdigen, sondern einer ganzheitlicheren und spirituelleren Betrachtung dieser Aspekte von Demokratie und Führung dienen. Wen und was wählen wir, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, wenn die Kommerzialisierung Mensch und Natur ungezügelt missbraucht, wenn die Umwelt in einer solchen Geschwindigkeit verfällt, dass der Planet unbewohnbar werden könnte?

Seine Stimme lediglich einem anderen linken oder rechten Ismus zu geben, kann nur zu weiterem Schmerz und weiterer Teilung in diesem Mahlstrom führen. Denn es bedeutet, dass wir uns immer noch weigern, unsere Selbstgefälligkeit aufzugeben, unsere bewusste Wahrnehmung zu erweitern und selbst Verantwortung für die Veränderung der Welt zu übernehmen. Wir können der Regierung nicht die Schuld für diese Probleme geben, wenn wir sie erst gewählt und dann nichts weiter unternommen haben. In diesem Sinne spiegelt die Regierung nicht nur wider wer wir sind, sondern auch, was wir verdienen. Die Regierung und die Wählerschaft sind ein und dasselbe, einschließlich der teilnahmslosen und entfremdeten Nichtwähler, die es ablehnen, sich auf das verschwenderische und ablenkende Palaver des Wahlkampfes einzulassen. So lange schon müssen wir uns mit einer ungeeigneten Erziehung und damit fehlerhaften Vorstellungen von Führung herumschlagen, dass wir scheinbar denken, dies sei der einzige Weg für eine funktionsfähige Gesellschaft. Und es scheint, dass wir uns keine andere, auf richtigen menschlichen Beziehungen basierende Art zu leben vorstellen können - ohne die, in Wahrheit, niemals Harmonie oder Frieden zwischen den Nationen herrschen wird.

So lange es wetteifernde und machthungrige Politiker gibt, wie wir sie heute erleben, wird es immer Konflikte und soziale Spaltung geben. Und solange es Menschen gibt, die diesen sogenannten Anführern folgen, werden wir immer unbewusst unsere angeborene Spiritualität, Kreativität und Weisheit leugnen. Aber wo es Liebe gibt, wo es Vertrauen gibt, wo es Respekt für den anderen gibt, ohne einen von Ismen konditionierten Verstand, da gibt es keine Autorität oder Herrschaft - da gibt es nur Führung. Wahre Führung leitet, während Führung in ihrer gegenwärtigen Form nichts als Mitläufer schafft, die nicht mit Intelligenz aus dem Herzen denken können. In der Tat, wenn jeder durch richtige Erziehung mit Selbsterkenntnis ausgestattet wäre, dann wäre die Wahl eines Führers fast ein Ding der Unmöglichkeit, und es gäbe keinen weiteren Bedarf für politische Parteien. Es gäbe einfach eine Gruppe von designierten Menschen, die in Regierungspositionen als Repräsentanten des Gemeinwohls dienen - ausgewählt nicht durch Wahlen, sondern durch öffentliche Anerkennung ihrer Weisheit und integrativen Haltung. Und die erste Pflicht eines solchen Repräsentanten wäre es, zu garantieren, dass die materiellen Grundbedürfnisse aller Menschen jederzeit gewahrt sind, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass jeder eine Ausbildung erhält, die es ihm ermöglicht, in seinem Seelenbewusstsein zu wachsen und seine eigene spirituelle Evolution durch den Dienst an der Menschheit zu steuern.  

Die Jugendlichen, die sich in sozialen Basisbewegungen zusammenfinden, beginnen diese neue Seinsweise zu spüren, die das kommende Zeitalter bestimmen wird. Sie organisieren sich auf natürlichem Weg ohne eine klare Führungsstruktur oder zentrale Autorität, denn sie beginnen, mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes und eines engagierten Herzens zu denken und nicht auf Grundlage von Ismen. Durch ihre experimentellen Versuche in Richtung einer auf Mitbestimmung ausgerichteten Demokratie, entdeckt man sehr rasch, dass wir keine Lenker der Gesellschaft brauchen, wenn das Bewusstsein eines jeden darauf ausgerichtet ist, zum Wohle aller zu kooperieren. Auf diese Weise wird jedes Gruppenmitglied in die Lage versetzt, sein eigenes Führungspotenzial im Streben nach sozialer Gerechtigkeit und richtigen menschlichen Beziehungen zu verwirklichen.

Und doch steht dieses neue Bewusstsein einem enormen Problem gegenüber, bedingt durch die Natur des Systems, das es herausfordert, welches hauptsächlich durch die alten Wege von Eigeninteresse, Wettbewerb und Parteipolitik aufrechterhalten wird. Unterschätzen wir nicht, wie stark dieses spaltende System von seinen vielen Anhängern in jedem Land unterstützt wird, darunter eine privilegierte reiche Minderheit und mächtigen Eigeninteressen. Wie also können Menschen guten Willens die Unterstützung von Millionen Menschen auf der ganzen Welt gewinnen, ohne nach Anführern zu suchen, die ihre Ideen und Aktivitäten dirigieren? Die korrekte Vorgehensweise, um dieses öffentliche Massenengagement zu initiieren, sollte keiner weiteren Wiederholung bedürfen: wir müssen unsere Herzen öffnen und an die breite Öffentlichkeit appellieren, indem wir Artikel 25 auf pausenlosen friedlichen Demonstrationen ausrufen. Wir irren uns leider, wenn wir glauben, eine bessere Welt ließe sich über die Wahlurne erreichen, ohne dass wir uns zu riesigen koordinierten Protesten zusammenschließen, denn es gibt momentan keinen Politiker, der unsere Arbeit erledigen könnte, selbst wenn er wollte. Und weshalb sollten wir einen Politiker wählen, der nicht versucht, seine Nation dazu anzuleiten, an die weniger Privilegierten zu denken - besonders wenn das bedeutet, dass wir einer politischen Partei die Macht geben, über unser Leben zu bestimmen?

Dieser Gedanke sollte nicht dahingehend interpretiert werden, dass wir den regulären demokratischen Prozessen unsere Unterstützung entziehen sollten. Sicher haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob die Stimmabgabe bei nationalen Wahlen etwas an der kritischen Weltsituation ändern wird. Wir könnten einen Vergleich zwischen der Wahl eines Politikers und dem Recycling unserer Haushaltsabfälle anstellen. Beide Aktivitäten sind notwendig und lobenswert, werden aber für sich genommen wenig Einfluss auf die Umkehrung der katastrophalen globalen Trends haben. Wird das Recycling von Plastik ausreichen, um die Auswirkungen der globalen Erwärmung abzuschwächen? Und wird Ihre Stimme ausreichen, um Hunger und Verarmung in der Welt zu beenden?

Die eigentliche Frage, die wir uns stellen sollten, ist nicht, warum unsere Regierungen bei der Rettung der Welt versagen, sondern warum wir es nicht schaffen, sie als unsere gewählten Vertreter zu zwingen, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen? Es mag richtig sein, dass kein Politiker allein ein unmoralisches und korruptes System besiegen kann, vorausgesetzt, dass heute überhaupt ein führender Politiker ernsthaft im besten Interesse der Menschheit handelt.  Aber wie oft haben wir die von uns erwählten Männern oder Frauen dazu aufgefordert, das Ende von Hunger und Armut zu ihrer höchsten Priorität zu erklären? Aus der Perspektive von Artikel 25 sind die einzig wahren Präsidenten oder Premierminister diejenigen, die nicht von der Wahlurne, sondern von den Herzen dazu auserwählt werden, den Armen zu dienen. Das würde unter anderem die engagierten Mitarbeiter in Tausenden von NROs einschließen, die ihr Bestes tun, um Gesundheitsversorgung, Unterkunft, Nahrung und andere Güter bereitzustellen, während unsere Regierungen diese lebenswichtige Aufgabe vernachlässigen.

Darüber hinaus ist es lehrreich, die Bedeutung von Demokratie aus der Sicht der Person zu betrachten, die von weniger als einem Dollar am Tag lebt; was wird das Wählen in Ihrem täglichen Kampf ums Überleben bewirken? Werden sie sagen: „Meine Stimme ist meine Macht und mein Recht“, oder werden sie antworten: „Die Demokratie ist mir egal, ich will nur essen!“  Als Bürger eines reichen Landes bin ich möglicherweise in meinen eigenen Sorgen um niedrigere Steuern, Mieterhöhung, Einwanderung von Ausländern und dergleichen gefangen. Die einzige Freiheit dir mir von hinterhältigen Politikern geschenkt wird, ist für einen beliebigen politischen Ismus zu stimmen - wenn es das ist, was wir unter Demokratie und Freiheit verstehen.

Aber als armer, verzweifelter Mensch in einer Baracke oder einem abgelegenen Dorf ist es unwahrscheinlich, dass ich aufgerufen werde zu wählen, außer ich werde dafür bezahlt oder von einem heuchlerischen Kandidaten dazu gezwungen. Wenn ich zum Beispiel in Indien lebe, soll ich mein Land als die größte Demokratie der Welt bezeichnen, obwohl es gleichzeitig die größte Anzahl unterernährter Menschen aufweist und jedes Jahr über 40 Milliarden Dollar für Rüstung ausgibt. Oder vielleicht habe ich auch noch nie von dem Wort Demokratie gehört in meinem abgeschiedenen und kriegsgebeutelten Dorf irgendwo in Afrika, wo die einzige Freiheit, die mir die reichen Politiker zugestehen, darin besteht, ohne jegliche Hilfe vonseiten der Regierung in Armut zu sterben.

Über welche Art von Demokratie reden wir also, wenn wir diese Frage aus einer wirklich globalen und inklusiven Perspektive und mit einem spirituellen Blick auf die göttliche Einheit der Menschheit betrachten? Die Kapitalisten reden von Demokratie, die Sozialisten reden von Demokratie, sogar die Faschisten reden heute von Demokratie. Aber wer gibt dem Menschen, der an Unterernährung stirbt, die Freiheit zu wählen -  nicht die Freiheit, für eine andere politische Partei zu stimmen, sondern die Freiheit um überhaupt leben zu können. Wir alle hätten ihm dieses Wahlrecht geben müssen, anstatt uns lediglich auf den Kampf für Gerechtigkeit und 'meine Rechte' im eigenen Land zu konzentrieren. Die Stimme zum Leben für die Hungernden der Welt wird nicht von irgendeinem Politiker gegeben werden, wie wir bereits festgestellt haben. Sie kann nur von den Menschen auf den Straßen kommen, durch eine vereinte Forderung nach der Umsetzung von Artikel 25. Und eine solche Stimme kann nicht durch unsere Apathie oder Gleichgültigkeit gegeben werden; sie kann nur durch den Einsatz unserer Herzen, unseres Mitgefühls und unseres gesunden Menschenverstandes gegeben werden. Stimmt es nicht, dass wir über viele, viele Jahrzehnte versäumt haben, genau das zu tun, obwohl die schreckliche Realität der extremen Armut über all die Jahre fortdauerte? Dann Schande über uns!

Lassen Sie uns die Person genau betrachten, die sagt „meine Regierung ist schuld, weil sie nichts unternimmt“, anstatt zu dem Schluss zu kommen, dass sie selbst aufstehen und handeln sollte. Wenn wir diese psychologische Tendenz aus der Perspektive unserer spirituellen Einheit und Verbundenheit wahrnehmen, dann bedeutet der bloße Akt, Politikern die Schuld zu geben, wenn Menschen in Armut sterben, dass man sich innerlich vom Rest der Menschheit abgrenzt. Unsere kollektive Selbstgefälligkeit zeigt sich sogar automatisch in unserem Sprachgebrauch, wenn wir bestimmte Viren als 'Krankheiten der Armen' bezeichnen. Als ob die Armen anders wären als wir und durch ihre eigene Unvorsichtigkeit für die Entstehung dieser tödlichen Krankheiten verantwortlich wären. Sind Massenausbrüche größtenteils therapierbarer Krankheiten tatsächlich den Armen oder den Politikern anzulasten? Oder tragen wir alle die Schuld durch unsere selbstgefällige Einstellung gegenüber dem vermeidbaren Leid dieser uns unbekannten Menschen? Wenn wir alle zusammen die Umsetzung von Artikel 25 in jedem Land gefordert hätten, dann hätten wir tatsächlich schon vor langer Zeit die Ursachen von Krankheit und ungleicher Gesundheitsvorsorge in unterentwickelten Ländern bekämpfen können. Mit angemessener Unterbringung, Gesundheitsvorsorge, sanitärer Einrichtung und guter Ernährung für jeden Bürger jeder Nation, wären viele tödliche Krankheiten schon Geschichte und hätten in den letzten Jahrzehnten keinen Aufschwung erlebt.

Solche Überlegungen können uns helfen zu verstehen, was es bedeutet, mit einem gesunden Menschenverstand zu denken und für das Prinzip des Teilens einzutreten, um internationale Beziehungen zu regeln. Denn dies ist keine vereinfachende Idee, kein utopischer Vorschlag - es ist das reale Leben. Die vielen Hilfsorganisationen, die versuchen, den Armen zu helfen, werden immer in ihrer Aufgabe überfordert sein und letztlich die Hingabe zu ihrer Arbeit verlieren, wenn ihre Bemühungen nicht von weltweiten Demonstrationen unterstützt werden, die gemäß dem gesunden Menschenverstand Artikel 25 ausrufen. Es gibt Milliarden armer Menschen auf dieser Welt, die in einem Zustand des fortwährenden Kampfes und der Entbehrung leben, und viele davon sind bereit, ihre Häuser zu verlassen und über einen langen Zeitraum zu protestieren, wenn man sie nur dazu einlädt und ihnen Hoffnung gibt, dass sich ihre Umstände ändern können.

Lasst uns also auf die Straßen gehen und uns nicht mehr fragen, was wir unternehmen sollen. Und lasst uns keinen Politiker wählen, wenn nicht die Beendigung von Hunger und Armut ganz oben auf seiner Agenda steht, zusammen mit dem Versprechen, mit allen anderen Parteien am Tisch zu kooperieren, um dieses oberste Ziel zu erreichen. Das ist der Weg des gesunden Menschenverstands zur Transformation der Welt - obwohl es seltsam und traurig ist, dass wir ein Stadium erreicht haben, in dem extreme Maßnahmen erforderlich sind, um Vernunft in politischen Angelegenheiten zu wecken. Stellen Sie sich die Menschheit als große dysfunktionale Familie vor, deren Kinder so schlecht behandelt werden und so ungeliebt sind, dass sie sich schließlich gezwungen sehen, vor dem Haus gegen ihre Eltern zu protestieren. Was für eine traurige und schockierende Anklage gegen diese zerbrochene Familie, und was für ein trostloser Vergleich mit dem, was auf unserer Erde passiert.

Angenommen, wir lebten auf einem spirituell hoch entwickelten Planeten, auf dem das Übel des Hungers inmitten von Überfluss undenkbar wäre. Was würden wir dann von den großen Spaltungen, den ständig wiederkehrenden Konflikten und dem sinnlosen Leid auf dieser Erde halten? Vielleicht bräuchten wir nicht einmal mit unserem Raumschiff auf dieser schönen und üppigen Welt zu landen; wir bräuchten nur durch ein riesiges Teleskop zu schauen, um zu beobachten, wie die Bewohner miteinander umgehen. Aber wenn wir auch nur einen einzigen gewalttätigen Protest auf den Straßen sehen würden, hieße das „Nicht besuchen!“, denn das würde die Spaltung symbolisieren, die zwischen Regierungen und Bürgern besteht, genauso wie das auf dem Planeten vorherrschende spirituelle Ungleichgewicht. Aber wenn wir Millionen und Abermillionen von Menschen sehen würden, die sich in fortwährenden Protesten versammeln, die teilen, Freude und guten Willen zum Ausdruck bringen, dann würde es bedeuten: „Weiter beobachten!“ Denn diese vereinten Menschenmassen würden eine planetarische Evolution symbolisieren, die sich durch eine Mehrheit der Weltbevölkerung offenbart, die nicht länger geteilt bleiben will und sich für ihre vernachlässigten Mitmenschen einsetzt. So wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser Planet die Natur und den Zweck seiner Beziehungen zur menschlichen Familie völlig neu bewertet und schließlich das Prinzip des Teilens in seine zwischenstaatlichen und globalen wirtschaftlichen Beziehungen einfügt.

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Zusammenfassend können wir feststellen, dass es zwei Hauptlösungen für die ineinandergreifenden Probleme dieser Welt gibt.  Erstens müssen wir wesentliche Ressourcen zwischen den Nationen durch neue Formen des globalen Austauschs teilen, die nicht mehr durch Profit, Wettbewerb und Eigeninteresse motiviert sind. Und zweitens müssen wir in den kommenden Jahren eine neue Bildung einführen, die das nötige Bewusstsein hervorbringen kann, um diese kooperativere, mitfühlende und einfachere Lebensweise zu unterstützen.

Im 21. Jahrhundert demonstriert die Menschheit das Bewusstsein über unsere Verbundenheit und Einheit bereits auf vielfältige Weise. Das zeigt sich beispielsweise durch den globalisierten Handel von Gütern und Dienstleistungen (wenngleich sehr unausgeglichen und ungerecht in seiner heutigen Form) oder durch weltweite Kommunikation und Sportveranstaltungen, die unsere globale Verflechtung und Interessengemeinschaft aufzeigen. Wir sehen diese Welle der Unterstützung nach schweren Naturkatastrophen, die oft mit großen Verlusten an Menschenleben verbunden sind. Eine neue Erziehung muss auf diesem aufkeimenden Verständnis unserer planetarischen Verbundenheit aufgebaut werden. Bis zu dem Punkt, an dem jeder Mensch in jedem Land die Bedeutung und Wichtigkeit erkennt, die das Teilen der Weltressourcen hinsichtlich dem Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und guten menschlichen Beziehungen mit sich bringt.

Kinder sollten in der Schule nach diesen Richtlinien erzogen werden, um sicherzugehen, dass sie immer im Sinne der Einen Menschheit denken und damit den Beitrag jeder Nation zum großen Ganzen verstehen, sowie die Gleichheit aller Individuen und deren kreatives Potenzial. Es gibt auch eine Art von Erziehung, die auf Liebe und Weisheit basiert und die einem jungen Menschen helfen kann, zu erkennen, 'wer bin ich, in dieser Welt'. Ebenso wie Schulbildung notwendig ist, um die Sozial- und Naturwissenschaften, die Geisteswissenschaften, die Künste und so weiter zu verstehen. Dadurch ist es möglich, einem Kind durch Selbsterfahrung beizubringen, den Verstand ruhig und das Herz wach zu halten, obwohl es an dieser Stelle für den Autor nicht angebracht ist, die spezifischen Details einer solchen Erziehung vorzuschreiben. Es genügt zu sagen, dass keine religiösen Überzeugungen, politischen Ideologien oder 'Ismen' jeglicher Art dem Geist eines Kindes in seinen prägenden Lern- und Entwicklungsphasen aufgezwungen werden sollten. Darüber hinaus sollte ein spezieller Lehrplan in jeder Schule eingeführt werden, der den Kindern beibringt, ohne Egoismus mit anderen zu interagieren und dem gemeinsamen Wohl aller zu dienen, in einer Welt, in der Profitgier und individualistischer Wettbewerb der Vergangenheit angehören.

Wie schnell oder langsam diese neue Erziehung eingeführt wird, hängt in hohem Maße von den wirtschaftlichen und politischen Reformen ab, die zeitgleich auf weltweiter Ebene durchgeführt werden müssen. Deshalb sollte im Schulunterricht zunächst grundlegend gelehrt werden, dass die Prinzipien des Teilens und der Kooperation die Basis für ein nachhaltiges globales Wirtschaftssystem sind. Alle Kinder sollten die subjektive Wechselbeziehung der Menschen untereinander und mit der Umwelt verstehen lernen, genauso wie die daraus folgende Bedeutung der gerechten Aufteilung unserer Ressourcen, unseres Reichtums, unserer Technologie und unseres Wissens unter den Nationen. So wie eine Familie ganz natürlich miteinander teilt, so muss auch die Familie der Nationen eine Möglichkeit finden, überschüssige Ressourcen in eine Art Sammelbecken zu leiten, und je nach Bedarf auf der Grundlage des Teilens und nicht des Profits oder der Gier, umzuverteilen.

So ein direktes System könnte nicht einfacher sein und stellt vielleicht eines Tages die elementarste Einführung in die richtigen Beziehungen zwischen den Völkern und Nationen dar. Wenn wir glauben können, dass das Prinzip des Teilens in seiner legitimsten Form in der nahen Zukunft die Grundlage eines weltweiten Wirtschaftssystems bilden kann, wird vielleicht niemand aus der jungen Generation - die nicht mehr durch veraltete Ideologien und Ismen konditioniert ist - danach streben, ein führender Politiker zu werden. Wenn jedoch ein Kind später Präsident oder Premierminister wird, würde es genau wissen, wie es sicherstellen kann, dass seine Nation in Frieden mit allen anderen Nationen lebt.

Wenn man die vorangegangenen Gedanken in ihrer Gesamtheit betrachtet, lässt sich daraus folgern, dass die Probleme dieser Welt zwar sehr komplex sind, es aber dennoch einfache Lösungen gibt. Indem wir das Prinzip des Teilens systematisch in unsere Gemeinschaften, Gesellschaften und internationalen Angelegenheiten einführen, wird das wiederum die Umgestaltung und Vereinfachung unseres globalen wirtschaftlichen Rahmens erfordern. Es bedarf auch der Einführung einer neuen Erziehung, die auf richtigen menschlichen Beziehungen basiert, um diese einfachere und aufgeklärtere Weltordnung aufrechtzuerhalten. All das beginnt mit der Umsetzung von Artikel 25 en Masse, der die Grundlage für die dringend notwendigen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bildet. Wobei Artikel 25 hier nicht die Verwirklichung von 'Menschenrechten' fordert, sondern den wirklichen Beginn von richtigen menschlichen Beziehungen auf dieser Erde. Wenn diese grundlegenden Bedingungen für alle Menschen über viele Generationen hinweg sichergestellt wurden, spricht man möglicherweise gar nicht mehr über Artikel 25. Historiker werden ihn nur als den 'Artikel des gesunden Menschenverstands' in Erinnerung behalten. 

Symbolisch ausgedrückt, leidet die Menschheit an einer potenziell tödlichen Krankheit namens Spaltung, und das universelle Heilmittel, ist das Prinzip des Teilens. Hauptsächlich aus einem Grund: So bald nämlich die Ressourcen dieser Welt geteilt werden und die Bedürfnisse aller Menschen ein für alle Mal sichergestellt sind, wird sich unsere Art der Erziehung unweigerlich - und vielleicht auf dramatische Weise - verändern. Inmitten von sozialem, psychologischem und politischem Chaos kann das Prinzip des Teilens zu einer unbeschreiblichen Welle der Veränderung führen, wenn es nur das stille, liebevolle Bewusstsein weckt, das in uns allen existiert. Dann kann jeder Einzelne innerlich dazu geführt werden, sich selbst zu lieben und seine eigene Menschlichkeit nicht mehr durch selbstzerstörerische Muster und Verhaltensweisen zu vernichten, wie zuvor besprochen. So wie streitende Nachbarn durch Teilen untereinander Frieden finden und sich innerlich verändern können, hat der Prozess des Teilens von Ressourcen auf globaler Ebene das Potenzial, das kollektive Bewusstsein der Menschheit in einer Weise zu verändern, die derzeit unvorstellbar ist. Sowohl im kleinen als auch im großen Maßstab kann sich durch teilen das Blatt noch wenden, indem es egoistischen Wettbewerb in selbstlose Kooperation verwandelt, soziale Spaltung in gemeinsame Verbundenheit, Unordnung in Balance und Gleichgewicht, sowie Hass in Liebe.

Wenn solche Veränderungen die Welt durchdringen, wird die Menschheit dazu inspiriert werden, diese neue Art der Erziehung zu initiieren, die rechte menschliche Beziehungen innerlich und psychologisch, sowie äußerlich in der Gesellschaft fördert. Bezüglich des Individuums und seiner sozialen Umwelt lassen sich auch die zwei Formen der richtigen Beziehung anführen, denn wenn jemand eine gute Beziehung zu sich selbst hat, wird er intuitiv zu richtigen Beziehungen mit anderen geführt. Indem wir diese Tatsache durch innere Kontemplation und äußere Beobachtung verifizieren, können wir die immense Bedeutung der Umsetzung von Artikel 25 weiter bekräftigen. Denn wie wir entdecken werden, ist Artikel 25 der Begleiter des Prinzips des Teilens, der letztlich Balance in das angesprochene Chaos der zerstörerischen Selbstvernichtung bringen wird. Und so wird er die Türen zu einem einfacheren, nachhaltigeren und friedlicheren Leben in Beziehung zueinander und zur natürlichen Welt öffnen.

Wenn man über die Bedeutung richtiger menschlicher Beziehungen nachdenkt, ist es auch hilfreich, sich das Prinzip des Teilens als einen großartigen Arzt oder planetarischen Psychotherapeuten vorzustellen. Einer, der die Kraft hat, unablässig und auf jede nur erdenkliche Weise zu heilen - zum Beispiel, indem er den Hungernden Nahrung gibt und die Kranken heilt, zerbrochene Familien wieder zueinander führt und geistige Gesundheit wieder herstellt, Gemeinschaften wieder aufbaut und die Menschen ihr Selbstvertrauen und ihre Kreativität wiederfinden lässt. Wenn man sich selbst oder eine Gruppe heilen will, sollte man von der Weltpolitik die Einführung des Prinzips des Teilens fordern und der Menschheit dienen, indem man mit seiner ganzen Kraft für Artikel 25 eintritt. Auf diese Weise kann man sich selbst von dieser Krankheit namens Spaltung befreien, und seinen Anteil zur Schaffung einer neuen, auf richtigen menschlichen Beziehungen basierenden Welt beitragen.

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Der Leser mag sich immer noch fragen, wie man Millionen von Menschen überzeugen kann, sich in der vorgeschlagenen Weise auf den Straßen zu versammeln, worauf der Autor nur erwidern kann, dass die Verantwortung dafür allein beim Leser liegt. Es kann hier keine andere Anleitung für diese friedlichen Massenproteste gegeben werden, außer derjenigen, dass der Leser die Bedeutung und das Potenzial der Forderung nach Artikel 25 als brauchbare Strategie für die Transformation der Welt persönlich aus allen Blickwinkeln untersuchen sollte. Wenn die Zeit gekommen ist, reicht möglicherweise ein Funken aus, genauso wie die Idee, die Macht der '99%' zu verkünden, der von einem Menschen zum richtigen Zeitpunkt entfacht wurde. Und die Zeit, Artikel 25 durch weltweite Demonstrationen auf genau dieser Grundlage innerhalb der Vereinten Nationen wiederzubeleben, kommt bald - nein, eigentlich ist sie bereits hier. 

Nichtsdestotrotz kann die Frage nach dem 'wie? ' sehr einfach beantwortet werden. Man muss einzig und allein sein Herzen erwecken, denn im menschlichen Herzen liegt die Liebe und Weisheit der gesamten Menschheit. Wenn ein reicher Mensch die Welt mit neuen Augen betrachtet und für sich feststellt: „Lieber Gott, es gibt überall so viel Geld und Reichtum, und trotzdem sterben so viele Menschen in Armut!“, dann stellt diese banale Beobachtung selbst den Beginn dieser Weisheit dar, die durch das Engagement des Herzens verwirklicht wird. Und wenn diese Person sich verpflichtet, ihren Reichtum zu teilen, um menschliches Leid zu lindern, dann stellt diese Handlung selbst eine kleine Manifestation von Liebe und Weisheit in dieser Welt dar. Das Herz mit seinen Eigenschaften ist immer schlicht und dennoch sehr, sehr weise, denn es kann uns trotz unserer Selbstgefälligkeit, Gleichgültigkeit und geistiger Konditionierung dazu bringen, zu erkennen, wer wir als Mensch wirklich sind. Wenn es also eines Funkens bedarf, um die Attribute unseres Herzens freizusetzen, dann ist es der Funke der von Konditionierungen befreiten Intelligenz, der sagt: „Lasst uns Hunger und Armut ein für alle Mal beenden, denn die Zeit dafür ist jetzt endlich gekommen und wenn genug Leute mitmachen, können wir es wirklich schaffen!“

Tatsache ist, dass die meisten Menschen guten Willens stark konditioniert sind und sich der kritischen Weltlage nicht bewusst sind. Selbst von dem überwältigenden Ausmaß des menschlichen Leides zu wissen und nichts dagegen zu unternehmen, ist leider Teil unserer Konditionierung. Was kann man also auf die Frage „wie wird das alles anfangen?“ anderes antworten als „indem Sie ihre Intuition und ihren gesunden Menschenverstand benutzen, und dann nochmals ihren gesunden Menschenverstand!“ Ein Großteil der Menschheit ist jetzt bereit, also lassen Sie uns erkennen, dass wir alle für dasselbe Ziel kämpfen und versammeln wir uns durch das Engagement unserer Herzen. Erlauben wir Artikel 25, uns wieder die Freude am Leben zu bringen, die Freude, kreativ zu sein und die Freude, endlich zu erkennen, dass die Menschheit eins ist!

Wir scheinen ein Stadium erreicht zu haben, in dem wir so verwirrt sind, dass diese Frage nach dem 'Wie' in den unzähligen widersprüchlichen Antworten politischer Fraktionen und zahllosen spekulativen Theorien untergeht. Jeder Aktivist, der erklärt, dass 'eine andere Welt möglich ist', ist nicht in der Lage, all diese divergierenden Gedanken zu navigieren, um eine umfassende und praktikable Strategie für die planetarische Transformation zu entwickeln. Es mag wahr sein, dass eine andere Welt möglich ist, aber nicht ohne den gesunden Menschenverstand (befreit von Ismen und Ideologien) und der Beteiligung des Herzens von einer sehr großen Anzahl von Menschen. Doch wir haben uns so lange geweigert, auf unsere Herzen zu hören, dass die Welt auf einen katastrophalen Höhepunkt zurast, vor dem uns scheinbar nur ein göttliches Eingreifen bewahren kann. Unsere moderne Zivilisation ist durch ihre eigene Arroganz und Rücksichtslosigkeit in einer Sackgasse gelandet, bis jetzt sogar das Klima nicht mehr zu retten ist.

Paradoxerweise hätten die Religionsführer in den zahllosen Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempeln der Welt diese dringende Botschaft zur Rettung der sterbenden Armen schon immer verkünden können. Insbesondere könnten wir fragen, warum es den christlichen Kirchen so schwerfällt, die Ungerechtigkeit des Hungers in einer Welt des Überflusses hervorzuheben, anstatt die ganze Zeit damit zu verbringen eine Anhängerschar zu gewinnen oder Zuflucht in einem heiligen Ismus zu suchen. Denn dann könnten sie ihre Gemeinden dazu ermutigen, die Welt zu heilen, anstatt ausschließlich Maria und Jesus zu verehren, und so die zeitgenössische Relevanz der Lehre Christi beherzigen.[14] Man könnte einwerfen, dass die Kirche die Menschheit von jeher hätte lehren sollen, wie man sein Herz öffnet und anderen dient. Auf diese Rolle wurde unter all den Dogmen, Glaubensspaltungen und Skandalen ihrer unrühmlichen Geschichte größtenteils verzichtet.  Nach wie vor gibt es keinen psychologischen Unterschied zwischen dem Politiker und dem Priester, wenn beide durch Gedanken an Macht oder persönliche Privilegien motiviert sind. Der eine strebt danach, sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen, während der andere ein 'Auserwählter' in den Augen Gottes sein will. Wenn irgendein Politiker oder Priester es versäumt hat, sein Leben zur Heilung des menschlichen Leidens durch das Prinzip des Teilens zu widmen, kann man getrost sagen, dass er keine Ahnung von echtem Dienst an der Menschheit oder Mitgefühl im Namen Jesu hat.

Stellen wir uns vor, Christus würde heute zurückkehren und weltweit auf den Bildschirmen zu sehen sein. Was wäre sein göttlicher Rat an die Regierungen und die Menschheit im Ganzen? Würde er mit Hilfe von komplizierten akademischen Fachbegriffen über die Zerstörung des Kapitalismus und die Schaffung einer sozialistischen Alternative dozieren, oder würde er unsere Herzen ansprechen und uns auffordern, an unsere Mitmenschen zu denken und umgehend die Millionen Hungernden zu retten? Würde er uns raten, nur mit unseren Nachbarn und innerhalb unserer Gemeinde zu teilen, oder würde er uns dazu auffordern, die Weltressourcen auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Mitgefühl und richtigen menschlichen Beziehungen zu teilen? Vielleicht wäre sein Ratschlag, trotz seiner vollkommenen Kenntnis der Probleme der Menschheit, sehr schlicht und einfach, denn in seiner Weisheit würde er verstehen, dass Artikel 25 das Gegenmittel für eine gespaltene Welt ist, die von widerstreitenden Ismen und den Kräften der Kommerzialisierung gefesselt ist.

Aber wie viele Menschen würden wohl seinem Rat folgen? Wie viele wären erbost über seine einfache Anweisung, zu teilen und unsere Welt zu retten? Und wie viele verhielten sich indifferent seinen Worten gegenüber, selbst wenn die Erfahrung eines universalen Pfingstwunders sie ergreifen mag? Von diesen möglichen drei Reaktionen sollte uns letztere die meisten Sorgen bereiten, denn derjenige, der den Rat ablehnt, denkt zumindest darüber nach und kann möglicherweise umgestimmt werden. Die dritte Gruppe ist weitaus besorgniserregender, denn sie spiegelt die tiefsitzende Gleichgültigkeit wider, die unsere Gesellschaft durchzieht und die die menschliche Evolution seit Tausenden von Jahren bremst. Wir könnten spekulieren, dass sich die Götter mittlerweile an die Unmenschlichkeit der Menschen gegenüber ihren Mitmenschen gewöhnt haben, aber sie haben sich nie an unsere Selbstgefälligkeit und Indifferenz gewöhnt, die es möglich macht, dass sich die Geschichte immer wieder von neuem wiederholt. Aus ihrer göttlichen Perspektive ist das vielleicht der wahre Grund, warum die blutigen Konflikte und groben Ungerechtigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben werden.

Unglücklicherweise führen uns diese Vorstellungen zu einer unheilvollen Schlussfolgerung, denn die wenigen Gelegenheiten, zu denen sich ganze Gesellschaften für eine gemeinsame Sache zusammengeschlossen haben, waren immer gekennzeichnet von Krieg oder einen totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Wenn es wahr ist, dass wir, um die Welt zu verändern, zuerst die Herzen unzähliger Menschen für dieselbe wohlwollende Sache gewinnen müssen, dann legt die Geschichte nahe, dass es tatsächlich zwei Welterlöser gibt, die in der Lage sein könnten, diese kolossale Aufgabe zu initiieren. Während viele spirituell geprägte Menschen ihre Hoffnung auf die plötzliche Wiederkehr eines großen Messias oder Mahdi setzen, werden andere rational schlussfolgern, dass ein endgültiger Niedergang der Weltwirtschaft nötig ist, und in so einem Ausmaß, dass der bisherige egoistische und profitgetriebene Modus Operandi keine Option mehr ist. Wenn nämlich Menschen gezwungen sind, sich gegenseitig zu helfen und zu teilen, um zu überleben, fällt es leicht zu erkennen, dass eine andere Art des Zusammenlebens möglich ist, ohne in unseren sozialen Beziehungen psychologisch entzweit zu bleiben. Wenn wir auch nur eine einzige Dose Sardinen mit einem Bedürftigen teilen, so liegt doch Freude in diesem einfachen Akt des Gebens. Darüber hinaus werden diejenigen, die aus reiner Notwendigkeit und Alternativlosigkeit teilen müssen, möglicherweise ein Gefühl des Friedens in ihrer Gemeinschaft spüren. Egal wie klein dieser unvermeidliche Effekt ist, so ist das Prinzip des Teilens doch immer mit Freude und Frieden verbunden, wo auch immer es angewandt wird - von der lokalen bis zur internationalen Ebene.

Vielleicht braucht es also einen dauerhaften wirtschaftlichen Zusammenbruch von globalem Ausmaß, um uns aus unserer Konditionierung aufzurütteln, um unsere Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der weniger Privilegierten zu überwinden und unsere Herzen zu öffnen gegenüber dem Kummer der Millionen von Menschen ohne Zugang zu den wichtigsten Ressourcen. Vielleicht müssen wir erst stürzen, bevor wir vereint aufstehen und den richtigen Weg beschreiten können, denn Unglück und Katastrophen haben uns schon immer zum Handeln angespornt, auch wenn es nicht durch den Aufruf unseres Herzens kommt. Mit anderen Worten, vielleicht ist es nicht nur Liebe, die die Menschheit braucht, sondern eine gewaltige Krise aufgrund der Apathie und Unbekümmertheit, die wir all die Jahre gezeigt haben. 

Dennoch sind wir immer noch so sehr von den alten Denkweisen konditioniert, dass wir wieder zu unserer materialistischen und isolierten Lebensweise zurückkehren könnten, in der Annahme, dass die Wirtschaft zu ihrem früheren Zustand von Wachstum und scheinbarer Stabilität zurückkehren kann. Selbst heute ist das Ziel vieler Proteste und Bewegungen in wohlhabenden Ländern nicht die Transformation der Welt zum Wohle aller, sondern sie kämpfen dafür, dass ihre Regierung sie wieder so leben lässt, wie sie früher gelebt haben - ohne sich um die systemischen Ungerechtigkeiten zu kümmern, die die krassen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich aufrechterhalten. Das verdeutlicht noch einmal, dass der durchschnittliche Bürger genauso verantwortlich für die Probleme der Gesellschaft ist wie der Politiker, denn die Regierung spiegelt zumindest zu einem gewissen Grad die Mentalität wider, die einen breiten Teil des öffentlichen Bewusstseins durchdringt. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Politiker lediglich Menschen sind, die ungeachtet der jeweiligen Ideologie ihren Absichten im Allgemeinen treu bleiben, und dass es die Bevölkerung ist, die ihre polarisierende Denkweise durch ihr Festhalten an politischen Ismen unterschiedlicher Ausführungen aufrechterhält.

Darin liegt die größte Gefahr unserer Zeit. Denn ein ernsthafter Absturz der Weltwirtschaft könnte zu Gewalt und Revolutionen führen, wenn verschiedene Fraktionen in bestimmten Gesellschaften versuchen, die an der Macht sind zu stürzen. Lassen Sie uns auch nicht vergessen, dass ein gewaltsamer Aufstand der Öffentlichkeit sehr gefährlich ist aufgrund des gewaltigen Staatsapparats, der mit umfassender Unterstützung führender Politiker und herrschender Finanzinteressen auf diese weltweit lang erwarteten Ereignisse gut vorbereitet ist. Wenn also nach einem wiederholten Wirtschaftskollaps genug Menschen gewaltsam gegen ihre Regierung protestieren, stehen uns soziale Unruhen oder sogar weitere Bürgerkriege bevor. Wie wir im Nahen Osten seit 2011 schmerzhaft beobachten konnten, ist es unvermeidlich, dass verschiedene Fraktionen oder 'Ismen', die sich gegen eine autoritäre Führung stellen, irgendwann anfangen, sich gegenseitig zu bekämpfen.

Der einzige friedliche Weg, die brisante Weltsituation neu auszurichten, ist derart einfach, dass sie noch einmal wiederholt werden muss: Wir müssen die Eigenschaften unseres Herzens in massive weltweite Proteste einbringen, ohne einen Gedanken an Ideologien oder Eigeninteressen zu verschwenden, denn einmal aktiviert, ist das menschliche Herz unendlich weise und unfähig, 'dagegen' zu sein. Die Pioniere der Jugend stimmen sich schon auf diese neue Energie ein, die in die Welt strömt, und sie weiß, dass die Zeit gekommen ist, sich von dem alten Bewusstsein zu lösen, das sagt: „Das ist meins und nicht deins“, „du bist schwarz und ich bin weiß“, „das liegt nicht im Interesse unseres Landes“ oder „du musst jeden Tag wie den anderen leben“. Dieses schnell wachsende und vereinigende Bewusstsein gibt uns einigen Grund zur Hoffnung für die Zukunft, obwohl die erbittert progressiven Ansichten vieler junger Aktivisten eine weitere Gefahr für die Gesellschaft darstellen, wenn sie von den Vertretern, die unsere lange unrühmliche Vergangenheit repräsentieren, nicht erkannt und angehört werden.  

Der Tag der Abrechnung ist nahe. Wie also sollen wir diese neue Ära einleiten? Über den Sozialismus? Über die Anarchie? Über die Religion? Oder werden wir uns friedlich in unvorstellbarer Zahl vereinen, bis sich unsere Regierungen verpflichten, die Ressourcen der Welt zu teilen? Ein einzelner Protest wird nie funktionieren. Hundert Aufmärsche an verschiedenen Tagen bewegen wahrscheinlich sehr wenig. Doch tausende und abertausende von Demonstrationen, weltweit und zur selben Zeit, für die Umsetzung von Artikel 25, jeden Tag neu fortgesetzt und ohne Unterbrechung? Das mag grade gut genug sein.

 

Christus zuliebe – lasst uns zusammenkommen, wenigstens ein einziges Mal in unseren vielen Leben.


Mohammed Sofiane Mesbahi ist der Gründer von STWR.

Erfahren Sie mehr auf www.sharing.org

Übersetzung vom englischen ins deutsche: Ute Redl und Sonja Scherndl
 

Anmerkungen


[1] Eine vollständige Liste der Publikationen dieser Serie finden Sie unter https://www.sharing.org/ubersetzte-publikationen-auf-deutsch

[2] vgl. Kommerzialisierung: Die Antithese zum Teilen

[3] Im Jahr 2015 ratifizierten alle 193 UN-Mitgliedsstaaten die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung, die aus 17 Zielen besteht, die jeweilig miteinander verbunden sind. Bekannt als die Sustainable Development Goals (SDGs) oder 'Nachhaltige Globale Ziele', umfassen diese eine detaillierte Liste von Zielen und Indikatoren mit vielen lobenswerten Zielenーvor allem, ' Armut in all ihren Formen überall zu beenden' und 'niemanden im Stich zu lassen'. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern, den Millenniumsentwicklungszielen, gelten die SDGs sowohl für Länder des globalen Nordens als auch des Südens und enthalten auch viele ehrgeizige Umweltziele. Zivilgesellschaftliche Gruppen haben jedoch scharf kritisiert, dass die SDGs nicht die tieferen strukturellen Ursachen der heutigen Krisen bekämpfen. Auch spiegeln sie nicht explizit die Notwendigkeit einer faireren Umverteilung von Ressourcen innerhalb und zwischen den Nationen wider. Im gegenwärtigen Kontext des globalen wirtschaftlichen Abschwungs, des Rückgangs der Entwicklungshilfe, der Verringerung der UN-Operationen und des Rückzugs aus der multilateralen Zusammenarbeit besteht wenig Aussicht, dass die SDGs ihre proklamierte transformatorische Vision erreichen. 

[4] Die zeitlose Weisheit bezieht sich auf eine klassische Sammlung von Lehren über die energetische Struktur des Universums, die Evolution des Bewusstseins, bei Mensch und Natur und die spirituelle Realität unseres Lebens mit dem Schwerpunkt auf 'richtige menschliche Beziehungen'. Sie wurde als der goldene Faden beschrieben, der die esoterischen oder verborgenen Lehren verbindet, die den großen religiösen Traditionen zugrunde liegen, während sie die Inspiration für die Kunst und die Wissenschaften durch die Jahrhunderte hindurch liefert. Obwohl die Lehren Tausende von Jahren alt sind, werden sie eher als 'zeitlos' denn als 'uralt' bezeichnet, weil sie eine progressive Offenbarung sind, die im Leben und in den Erfahrungen der Menschen aktiv zum Ausdruck kommt. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich die exoterische Form dieser Lehren im Westen weit verbreitet, nachdem sie von H.P. Blavatsky, der Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, und später durch die Werke von Alice A. Bailey, Helena Roerich und Benjamin Creme, unter anderem, der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

[5] Willy Brandt, North-South: A Program for Survival (Brandt Report), MIT Press, 1980; Willy Brandt, Common Crisis, North-South: Co-Operation for World Recovery,  Brandt Commission, London: Pan 1983. 

[6] Das wahre Ausmaß der weltweiten Armut ist dem Durchschnittsbürger in der Regel unbekannt und wird von den 'Mainstream'-Medien wenig berichtet (wenn nicht sogar ignoriert). Nach aktuellen Schätzungen der Weltbank lebten im Jahr 2015 10 Prozent der Weltbevölkerung (734 Millionen Menschen) in extremer Armut, definiert als ein Einkommen von weniger als 1,90 Dollar pro Tag. Zur gleichen Zeit lebten mehr als 40 Prozent der Menschheit von weniger als 5,50 US-Dollar pro Tag, darunter etwa 90 Prozent der Bevölkerung in Südasien und Afrika südlich der Sahara. Noch weniger bekannt ist die große Zahl der Menschen, die an vermeidbaren, armutsbedingten Ursachen sterben, für die genaue Daten nur schwer zu bekommen sind. Im Jahr 2012 schätzte STWR, dass jedes Jahr etwa 15 Millionen Menschen sterben, weil sie keinen Zugang zu lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen wie nahrhafter Nahrung, sauberem Trinkwasser oder angemessener Gesundheitsversorgung haben. Die Berechnungen basierten auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (Disease and injury regional estimates, Cause-specific mortality: regional estimates for 2008). Dies entspricht 40.000 Menschen pro Tag, von denen die überwiegende Mehrheit in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen leben und die als weitgehend vermeidbar gelten. Daten anderer Organisationen der Vereinten Nationen (z. B. der UN-Bevölkerungsabteilung oder UNICEF) geben größere Schätzungen an, die bis zu zwei Drittel der Kinder unter fünf Jahren einschließen. Zum Vergleich: Dieser Verlust an Menschenleben macht etwa ein Drittel aller Todesfälle aus und übersteigt bei weitem die Zahl der Todesopfer, die seit dem Zweiten Weltkrieg durch irgendein einzelnes Ereignis in der Geschichte verursacht wurden. Hunger ist nach wie vor das größte Gesundheitsrisiko weltweit und tötet mehr Menschen als AIDS, Tuberkulose und Malaria zusammen. 

[7] Willy Brandt, op cit.

[8] Im Anschluss an die Vorschläge der Brandt Kommission, versammelten sich im Oktober 1981, 8 Industrieländer und 14 Entwicklungsländern in Cancun, Mexiko, zu einem Gipfel, zum Thema Armutsprobleme in der Welt, um die langwierigen Verhandlungen, die stets in der Sackgasse enden, zu brechen. Die Hoffnung war, dass Repräsentanten von Staatsoberhäuptern sich in einem informellen Rahmen für 2 Tage treffen, um die Dynamik und Gutwilligkeit zu erzeugen, damit globale Verhandlungen vorangehen. Jedoch materialisierten sich am Ende keine konkreten Vorschläge und die Anforderungen der Süd-Länder für eine globale Umverteilung der Ressourcen blieb unerfüllt. US-Präsident Ronald Reagan lehnte die Ziele des Gipfels vollständig ab, um die Kluft zwischen den wenigen Industrieländern und den in der Mehrheit armen Ländern zu überbrücken. Auch wenn heute nicht mehr alle Empfehlungen der Brandt-Kommission aktuell sind (insbesondere seine Betonung auf erhöhte Handelsliberalisierung und einer globalen keynesianischen Politik, in einer Zeit, wo wir in rasender Geschwindigkeit auf unsere ökologischen Grenzen zugehen), so gibt es doch vieles, was politische Entscheidungsträger und zivilgesellschaftliche Aktivisten aus seinem 'Programm der Prioritäten' und seiner Vision für eine gerechtere Welt übernehmen können. Vor allem gehört dazu auch das vorgeschlagene Fünfjahressofortprogramm, die massiven Ressourcentransfers in weniger entwickelte Länder und die weitreichenden Agrarreformen. Außerdem hat die Kommission zu einem neuen Weltwährungssystem aufgerufen, ein neues Konzept für die Entwicklungsfinanzierung, ein koordinierter Prozess der Abrüstung, als auch ein globaler Übergang zu grünen Energiequellen und weg von der Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen. Bisher hat noch keine Regierung die Vision eines multilateralen Prozesses von Brandts Vision realisiert, nämlich 'eine Diskussion unter allen Ländern in Bezug auf die Nord-Süd-Thematik, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit der zuständigen internationalen Organisationen' (Common Crisis, 1983).

[9] Ibid.

[10] siehe Anmerkung 6.

[11] siehe 'Wach auf Amerika, wach auf!'

[12] Diese Argumentationslinie wird auch in Der Kreuzpunkt von Politik und Spiritualität in Bezug auf die Klimakrise behandelt; ein Dialog mit Mohammed Sofiane Mesbahi

[13] Diese Bemerkungen wurden ursprünglich etwa sieben Jahre nach der Finanzkrise von 2007-8 gemacht. Die gleiche Beobachtung ist jedoch ebenso relevant für die Weltlage im Jahr 2020-21. Im Zuge einer globalen Pandemie, die unverhältnismäßig stark die Ärmsten der Gesellschaft betrifft, sind die Nationen immer noch nicht in der Lage, eine internationale Antwort zu koordinieren, die die grundlegenden sozioökonomischen Rechte aller sichert. 

[14] siehe 'Weihnachten, das System und Ich'