Artikel 25: Eine Bürgerinitiative zur Transformation der Welt

Nach so vielen Jahren der politischen Untätigkeit, kann nur der gute Wille des Volkes ein Ende der Armut, in einer Welt des Überflusses, durch enorme und kontinuierliche Proteste in allen Ländern herbeiführen. Lasst uns also den Weg des geringsten Widerstandes nehmen und gemeinsam für Art. 25 der allgemeinen Menschenrechte einstehen. Dazu gehören angemessene Ernährung, adäquates Wohnen, optimale Gesundheitsversorgung und soziale Sicherheit für alle – im Wissen, dass dies der sicherste Weg ist, um unsere Regierungen zu mobilisieren, die Ressourcen umzuverteilen und die Weltwirtschaft umzustrukturieren, schreibt Mohammed Mesbahi.


Teil I: Das Versagen der Regierungen

"Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen, sowie das Recht auf Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität bzw. Tod eines Angehörigen, im Alter sowie bei anderweitigem Verlust seiner Unterhaltsmittel durch unverschuldete Umstände." - Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 25.1.

Eine der größten Hoffnungen für die Menschheit liegt heute in der weltweiten Umsetzung von Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind, da diese einfachen Regelungen den Schlüssel zur Lösung vieler hartnäckiger Probleme darstellen. Wie in dieser Studienreihe[1] schon oft betont wurde, ist es unerlässlich, dass Artikel 25 in jedem Land zum Grundrecht und Leitprinzip erhoben wird. Die Realität jedoch weicht davon sowohl in den reichsten, als auch in den ärmsten Ländern deutlich ab. Besonders junge Menschen sollen dazu ermuntert werden, Artikel 25 zu ihrem Protestslogan und dessen Umsetzung zu ihrem Ziel und ihrer Vision zu erklären, da dessen Grundvoraussetzungen ungeahnte Auswirkungen für die zukünftige Ausrichtung der internationalen Beziehungen und der globalen Entwicklung haben. Die Zeit ist reif für große und andauernde Demonstrationen auf globaler Ebene, welche die Umsetzung des schon lange beschlossenen Art. 25 fordern - mit angemessener Ernährung, Unterbringung, Gesundheitsversorgung und sozialer Sicherheit für jedermann - bis unsere Regierungen ihre verzerrten Prioritäten neu ordnen und endlich das Prinzip des Teilens weltweit umsetzen.

Innerhalb unserer hochkomplexen und intellektualisierten Gesellschaften wird sich eine derart einfache Forderung gegenüber einer langen Reihe von kritischen Fragen und Einwänden behaupten müssen. Aus diesem Grund ist es notwendig, das Potenzial des Art. 25 aus vielen Blickwinkeln zu untersuchen und damit den Weg aufzuzeigen zu einer gerechten, nachhaltigen und friedlichen Welt, die auf guten zwischenmenschlichen Beziehungen beruht. Wenn die Lösung zu den Problemen der Menschheit tatsächlich so einfach ist und gleichzeitig die Probleme selbst so komplex und festgefahren sind, müssen wir uns mit diesen Sachverhalten noch einmal mit anderem Antrieb und aus einer neuen Sichtweise heraus beschäftigen. Der menschliche Verstand wurde bisher durch falsche Erziehungsmethoden stark konditioniert und in die Irre geführt. Aus diesem Grund benötigen wir, um die Wahrheit in ihrer Einfachheit zu erkennen, innerliche Freiheit und Unvoreingenommenheit - oder zumindest die Loslösung von "Ismen" und spalterischen Ideologien, welche weiterhin unseren Gemeinschaftssinn und unsere angeborene spirituelle Intelligenz unterdrücken.[2]

Lasst uns also aus dieser erneuerten Aufmerksamkeit heraus versuchen, die Auswirkungen einer vollständigen Umsetzung der universellen Rechte des Art. 25 als eine oberste Priorität aller Regierungen zu untersuchen. Wie wird sich die Ausmerzung von Armut und die Sicherstellung eines angemessenen Lebensstandards für die gesamte menschliche Bevölkerung auswirken - nicht nur auf sozialer, ökonomischer und politischer Ebene, sondern auch in Hinblick auf das Wachstum der Menschheit und ihrer spirituellen Evolution? Auf welche Weise wird die Umsetzung des Art. 25 zu einer Lösung der ineinander verflochtenen Krisen in aller Welt führen, beispielsweise hinsichtlich der Umweltzerstörung und globaler Konflikte? Und warum sollten sich die Menschen zu Millionen versammeln, um diese fundamentalen Rechte für alle zu fordern, Tag für Tag in friedlichem Protest, bis die Regierungen in einer den menschlichen Bedürfnissen angemessenen Weise zu handeln beginnen? Kurzgefasst, wieso sollten wir Art. 25 zur Maxime einer universalen Strategie zur Transformation der Welt machen, in dem Wissen, dass sich alle Antworten zur Rettung unseres Planeten aus diesen Grundforderungen heraus entwickeln werden?

Bevor wir diese wichtigen Fragen untersuchen können, müssen wir zunächst verstehen, wieso es unseren Regierungen nicht gelingt, die sozioökonomischen Menschenrechte in jedem Land umzusetzen und damit Milliarden von Menschen ohne Zugang zu lebensnotwendigen Gütern zu lassen. Ohne Zweifel könnten die Regierungen sicherstellen, jedem einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen, wenn man den gewaltigen Reichtum und die enorme Menge an verfügbaren Ressourcen weltweit betrachtet. Man kann festhalten, dass die in Art. 25 aufgeführten Menschenrechte in vielen wohlhabenden Ländern im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem hohen Grad realisiert werden konnten, wie es am besten in den Wohlfahrtsstaaten Skandinaviens und anderer einkommensstarker Länder zu beobachten ist. Nichtsdestotrotz konnte die Mehrheit der Bevölkerung in ärmeren Ländern bisher kaum ihren Anspruch auf diese Rechte realisieren, während gleichzeitig die grundlegenden sozialen Sicherungen in vielen der am höchsten entwickelten Länder abgebaut werden.

Es gibt umfangreiche Literatur über die komplexen Gründe für diese Entwicklung, aber die direkte Ursache ist nicht schwer zu verstehen: Die meisten Länder haben einen Präsidenten oder einen Premierminister, dessen Hauptanliegen nicht die Sicherstellung der Grundbedürfnisse aller Menschen ist, sondern der Abschluss von Verträgen mit großen Unternehmen, wobei das Wirtschaftswachstum an erster Stelle steht. Man kann diese Führungsfiguren als "politische Buchhalter" bezeichnen, welche zuallererst Profit für ihre Nation und kommerzielle Vorteile durch das globalisierte Handels- und Finanzwesen im Sinn haben. Währenddessen halten sie um jeden Preis an ihrer Macht fest, anstatt durch Kooperation mit anderen Parteien die "gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen" in einer gemeinsamen Realität zu ermöglichen.

Um globale Probleme so umfassend und aufrichtig wie möglich zu betrachten, können wir festhalten, dass zwei der größten Hindernisse bei der Umsetzung des Art.25 für alle Menschen die fehlgeleiteten Prioritäten unserer Regierungen und die schädlichen Praktiken skrupelloser, profitgetriebener Geschäftemacherei sind. Es gibt zahllose Bücher und Berichte von NGOs, welche Beispiele der Gleichgültigkeit multinationaler Konzerne gegenüber den Menschenrechten sehr armer oder unterprivilegierter Bürger auflisten. Diese globalen „Geldmaschinen“ haben eine hohe Fachkompetenz entwickelt in etwas, das man vielleicht als "Raub und Zerstörung im Rahmen des Gesetzes" bezeichnen könnte. Das kann sich beispielsweise durch die Inbesitznahme von Land oder anderen lebenswichtigen Ressourcen der Menschen einer Nation äußern, durch die Ausbeutung von Arbeitern ohne einen menschenwürdigen Lohn, oder auch durch die Vermeidung angemessener Steuerzahlungen.

In einer Welt, in der riesige Konzerne mehr Macht haben als viele Regierungen, finden unsere politischen Vertreter keine Zeit für Art. 25, wenn tausende ihrer Geschäftsbeziehungen potenziell auf dem Spiel stehen. Heutzutage ist der Ratgeber der Regierenden der Welt sicherlich nicht Art. 25 mit seinen eindeutigen Anweisungen, sondern eher die Dynamik der Kommerzialisierung, welche in zunehmendem Maße sämtliche Regierungspolitik in jedem beliebigen Land diktiert.[3] Sollte eine Regierung oder ein Politiker es doch einmal versuchen, sich für das Wohl der Allgemeinheit einzusetzen, wird es nicht lange dauern, bis sie durch mächtige Wirtschaftslobbies und eigene Finanzinteressen in die entgegengesetzte Richtung gedrängt werden. Ein Politiker, der in guter Absicht versucht, die Welt zu verändern, wird bald selbst von ihr verändert - durch die schiere Gewalt eines bösartigen Systems, das auf den alten Logiken des Profits, der Privilegien und des egoistischen Wettbewerbs beruht.

Am besten zu beobachten sind die verzerrten Prioritäten unserer Regierungen auf internationaler Ebene, wo Außenpolitik im Wesentlichen durch das aggressive Streben nach hegemonialer Macht sowie ökonomischer Dominanz geprägt wird und am allerwenigsten durch Vorrecht des Art. 25. Der Handel zwischen Ländern ist nach wie vor vom Drang der stärkeren Nationen nach Dominanz über die schwächeren bestimmt. Dieses Verlangen wiederum wird durch die geopolitischen Strategien derjenigen reichen Länder koordiniert, die den Verlauf des Weltgeschehens bestimmen. Könnten wird den Bewegungen der Millionen von lukrativen Geschäften über die ganze Welt folgen, so wäre es möglich, den Ursprung aller großen Spannungen und Konflikte zu erkennen. Eine Nation will ein Stück vom Kuchen in Afrika, eine andere ihren Anteil an Südamerika, die nächste wetteifert um Energieressourcen irgendwo in Asien oder dem Mittleren Osten und so weiter - während unterdessen unablässig Misstrauen zwischen den konkurrierenden Regierungen gesät und globale Konflikte angeheizt werden. Hier wird die Arroganz und Doppelzüngigkeit einer Außenpolitik deutlich, in der sich jede Nation auf ihre moralischen, konstitutionell und völkerrechtlich festgeschriebenen Werte beruft, nur um im nächsten Zug andere Länder auszubeuten und zu bestehlen, anstatt im Sinne des Wohles aller zu geben, zu helfen und zu dienen.

Seit der Gründung der Vereinten Nationen gibt es eine Verbindung zwischen der Nichtumsetzung von Art. 25 und speziell der US-amerikanischen Außenpolitik. Die herrschsüchtigen und egoistischen Bestrebungen Amerikas, wie eh und je unterstützt von seinen unterwürfigen Verbündeten und Unterstützern, haben bereits zu zahlreichen Kriegen und großer Zerstörung in der Welt geführt. Die weltweiten Täuschungen, Listen und verdeckten Operationen des Pentagon, der CIA und weiterer US-amerikanischer Nachrichtendienste sind im Prinzip Fallstudien über die indirekte Negation des Art. 25 in vielen der ärmsten und konfliktreichsten Nationen. Dennoch ist die Weltpolitik in ihrer Gesamtheit wie ein endloses Versuchsfeld der zufälligen Erzeugung von Armut, welche normalerweise durch angeblich rechtschaffene Vorwände wie staatliche Interessen oder nationale Sicherheit gedeckt werden. Sogar der Ausdruck "Außenpolitik" impliziert Trennung und Ungerechtigkeit in einer Welt der riesigen Vermögensunterschiede und stellt die Antithese zu guten menschlichen Beziehungen dar - ganz gleich, was unaufrichtiger Weise in offiziellen Statements und im Zuge politischer Rhetorik erklärt wird. Tatsächlich existiert in dieser Welt, die so schamlos nach dem Prinzip des Eigennutzes regiert wird, keine einzige außenpolitische Agenda auf guten Beziehungen zwischen den Völkern verschiedener Nationen oder deren Regierungen.

Es wäre daher leichtgläubig, unseren Regierungen ihr Bemühen um die Auslöschung der Armut und der Umsetzung der Menschenrechte des Art. 25 abzunehmen. Ihre einzige Möglichkeit, an der Macht festzuhalten, ist, die Interessen bedeutender Unternehmen und einflussreicher Einzelpersonen sowohl im In- als auch im Ausland vorzuziehen. Es ist in der Tat Heuchelei, wenn Staatsoberhäupter internationale Konferenzen zur Beendigung des unnötigen menschlichen Leidens einberufen, während genau diese Regierungen weiter Verträge mit multinationalen Unternehmen über die Aneignung von Land, die Ausbeutung von Ressourcen und die Privatisierung essentieller öffentlicher Dienstleistungen in anderen Ländern abschließen, oft mit verheerenden Konsequenzen für die am meisten von Armut betroffenen Menschen und Gemeinschaften. Es mag ein anständiges und moralisch richtiges Ziel sein, die so genannte "extreme Armut" bis 2030 auszumerzen, wie es in den neuesten Verpflichtungen im Kontext der Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen verankert ist, jedoch wäre es nicht das erste letztlich fruchtlose Versprechen der Weltelite gegenüber den Ärmsten der Armen. Selbst mit den besten Absichten der Bürokraten und politischen Entscheidungsträger bleibt es unmöglich, ein derartiges Ziel im Kontext eines durch Kommerzialisierung bestimmten Paradigmas zu realisieren.

Es gibt nur einen Weg, die Armut zu beseitigen und diese Erde wieder in Balance zu bringen, ungeachtet der andauernden Ignoranz der Menschheit gegenüber dieser Verpflichtung: nämlich die gemeinsame Gestaltung der globalen Wirtschaft, so dass die Ressourcen der Welt geteilt werden können und damit die Umverteilung von Reichtum dorthin, wo er rechtmäßig hingehört. Angesichts des erschütternden Ausmaßes an extremer Armut in unserer schnell wachsenden Gesellschaft kann es keinen echten Ausdruck globalen guten Willens ohne eine massive Umverteilung von Ressourcen hin zu den am meisten benachteiligten und gebeutelten Ländern geben. Die Notwendigkeit dieser Umverteilung ist in zwei Prinzipien begründet, die es wert sind, immer wieder in Erinnerung gerufen zu werden: wirtschaftliches Teilen und (wie bisher selten zu beobachten) echte internationale Zusammenarbeit.

Wie viele Millionen Menschen werden mit jedem weiteren Jahr durch vermeidbare Umstände in Zusammenhang mit Armut sterben, egal ob wir noch eine weltweite Finanzkrise erleben oder nicht?  Was kann die Regierungen der reichsten Länder der Welt dazu bewegen, ihren Überschuss an Nahrung und anderen materiellen Gütern mit den Millionen Menschen in Armut zu teilen, die dringend Hilfe und eine Grundlage für ihren Lebensunterhalt benötigen? Dies schließt notwendigerweise mit ein, beträchtliche Geldbeträge als zusätzliche Finanzierung an finanziell schlecht gestellte humanitäre Institutionen weiterzuleiten, oder auch die Verwendung militärischen Personals samt Ausrüstung, welche sonst für "andere" Zwecke meist schnell zur Hand sind. All das könnte zweifellos mit lediglich einem Bruchteil des verfügbaren Geldes von Regierungen, Unternehmen, reichen Personen und privaten Institutionen erreicht werden. Bis dahin Gnade dir Gott, solltest du in einem Slum oder einem armen Dorf wohnen, mit neun Kindern, die du nicht ausreichend versorgen kannst, und verlass dich nicht darauf, dass dich irgendwelche Versprechen der Regierung oder Entwicklungsziele davor bewahren, ins endgültige Elend abzurutschen. Art. 25 wird es den Politkern auf ihren internationalen Konferenzen zur Bekämpfung der Armut unmöglich machen, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Diese Konferenzen werden weiterhin alle zehn bis fünfzehn Jahre ohne wirkliches Ergebnis veranstaltet werden, solange sie weiterhin dem Paradigma der Kommerzialisierung folgen - wenn nur die Menschheit so lange überlebt.

Darüber hinaus täuschen wir uns selbst nicht weniger als die Armen, wenn wir unseren Regierungen abnehmen, dass sie die Ursachen von Hunger und Armut erfolgreich bekämpfen können, solange nur unsere Gesellschaft von einer "Almosengesinnung" durchdrungen ist. In Wahrheit sind Almosen nichts anderes als das Resultat eines die Nächstenliebe seiner Bürger manipulierenden Staates, während die am wenigsten Privilegierten unter uns gezwungen werden, auf diesem reichen Planeten um ihr tägliches Brot zu kämpfen. Aus einer ganzheitlichen Perspektive heraus lässt sich festhalten, dass die bloße Existenz dieses Konzepts der Almosen einer Welt des materiellen und finanziellen Überflusses spottet. In einer Welt, in der heute leicht jedem ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt werden könnten, um angemessen für seine Gesundheit und sein Wohlergehen zu sorgen. Es war wohl die historische Gleichgültigkeit unserer Regierungen gegenüber der ökonomischen Unsicherheit der Armen, welche über Jahrhunderte die Etablierung eines Almosensystems gefördert hat, in dem Wohltätigkeit als solche aus sozialer Ungerechtigkeit heraus entsteht und nicht durch Teilen, Solidarität oder Liebe. Man könnte sich die Frage stellen, ob die Wohltätigkeit in diesem Sinne jemals erfunden worden wäre, hätte man die in Art. 25 festgelegten Menschenrechte schon vor tausenden von Jahren in jedem Land der Welt durchgesetzt.

Und doch beruht, trotz all des menschlichen Fortschritts in den Bereichen der Wissenschaft und der Technologie, das einzige etablierte System zur Verwirklichung angemessener menschlicher Beziehungen auf ausländische „Entwicklungshilfe“  und wird darüber hinaus zusehends durch Eigeninteressen und Profitgier entwürdigt, wie Bürgerrechtsorganisationen schon länger berichten. So gesehen lässt sich auch festhalten, dass allein die Idee der "humanitären Hilfe" ein Affront gegen unsere Verbundenheit als Familie von Nationen ist, da diese Überschüsse an Lebensmitteln und Ressourcen von vorneherein nicht von den reichen Ländern hätten angehäuft, sondern von Anfang an geteilt werden sollen. Von einem planetarischen Standpunkt aus mag es sinnvoll sein, von humanitärer Hilfe zu sprechen, wenn Leute vom Mars oder der Venus uns hier auf der Erde helfen würden. Die Menschheit ist jedoch eine ineinander verflochtene Familie, die schon seit jeher beschenkt wurde mit genug Nahrung und Kapazitäten, um die Erfüllung der Grundbedürfnisse eines jeden bedingungslos und auf ewig sicherzustellen. Würden wir unser Handeln als humanitäre Hilfe bezeichnen, wenn, was Gott verhüte, unsere eigenen Kinder am Verhungern wären, und wir ihnen von unserem Reichtum einen winzigen Rest abgäben und uns danach selbst als gütige Philanthropen preisen? Oder würden wir ihnen ohne Zögern und freimütig helfen, aus einem einfachen Akt der Liebe heraus, nur um ihr Leben und ihr Wohlergehen besorgt und keinen Gedanken daran verschwenden, "wohltätig" zu sein?

Die aufmerksame und von Mitgefühl getragene Betrachtung dieser Fragen macht also deutlich, dass der Ausdruck "humanitäre Hilfe" an sich psychologisch bedeutungslos und absurd ist und klärt uns darüber auf, wie die Menschheit so entzweit und korrupt werden konnte. Wie arrogant und entwürdigend ist es, einen Ausdruck wie "U.S. Aid" auf Ladungen mit Überschussgütern für notleidende Menschen zu verwenden, während gleichzeitig grassierende Ungerechtigkeit und institutionalisierter Raub die klaffenden Unterschiede in den Lebensstandards armer und reicher Ländern weiter aufrechterhält. Wir haben bereits festgestellt, wie diese wohlhabenden Nationen zuerst ihren Überschuss anhäufen, mithilfe ungerechter ökonomischer Praktiken, welche die Arbeitskraft und die natürlichen Ressourcen weniger entwickelter Länder ausbeuten, um danach einen winzigen Teil ihrer unrechtmäßig erworbenen Gewinne umzuverteilen und damit die Not, die sie selbst mitverursacht haben, lindern. Das nennen sie dann humanitäre Hilfe.[4] Können wir auch nachvollziehen, wie dieses Wort dadurch unvereinbar ist mit der wahren Bedeutung von gutem Willen und Bescheidenheit, vor allen weil die Regierungen schon lange übereingekommen sind, die notwendigsten Lebensgrundlagen zum Wohle aller zugänglich zu machen (wie es in der Tat in Art. 25 dargelegt wird)? Das Wort "Almosen" wäre nie entstanden, hätte unsere Gesellschaft von Anfang an auf gesundem Menschenverstand und guten zwischenmenschlichen Beziehungen basiert. Aus dem psychologischen Bewusstsein der Liebe heraus gibt es so etwas wie "humanitäre Hilfe" nicht.

Wir mögen diese Terminologie akzeptiert haben, ohne ihre Bedeutung zu erfassen, da wir solche Dinge für gewöhnlich den Politikern überlassen und von diesen erwarten, alles für uns zu erledigen. Wenn wir jedoch die Doppelzüngigkeit unserer Regierungen erkennen können, welche vorgeben, sich um die Bekämpfung der Armut zu kümmern und unterdessen die ärmsten Menschen und Länder weiter ausbeuten, ist es möglicherweise an der Zeit, aufzuwachen und sie zu fragen: Wo bleibt der Rest?  Wo bleibt die Liebe, die Güte, der allgemeine Menschenverstand, der uns davon abhält, Menschen in einer Welt des Überflusses verhungern zu lassen? Vielleicht sollten wir alle in diese Gipfeltreffen und Klausurtagungen zur Bekämpfung der Armut drängen und unsere politischen Repräsentanten gemeinsam fragen: "Wenn ihr den Armen wirklich helfen wollt, weshalb teilt ihr die Weltressourcen nicht gerechter unter den Ländern auf, anstatt unverbindliche Entwicklungsziele auf den Tisch zu bringen und lediglich unzureichende Auslandshilfe zu verteilen?" Und wenn wir gewöhnlichen Menschen wahrhaftig daran interessiert sind, die Ungerechtigkeit des Hungers endgültig zu beenden, sollten wir uns diese Frage vielleicht auch selbst stellen: Wo bleibt der Rest? Wo bleibt die Fürsorge, das Mitgefühl, der Wille daran, die Grundrechte derer zu verteidigen, die in einem fortwährenden Zustand bitterer Not leben? Denn kann es genug sein, unsere Regierungen dazu zu drängen, in unserem Namen mehr Hilfe in arme Länder zu schicken? Oder verpflichtet uns unsere Liebe zu unseren Mitmenschen, vor die Regierung zu treten und zu sagen: "diese beschämende Situation muss aufhören - es ist an der Zeit, die Rettung unserer hungernden Mitmenschen zu unserer höchsten Priorität zu erklären! Welche Erziehung und Konditionierung hat dazu geführt, dass wir diesen Zustand akzeptieren und was soll uns davon abhalten, die Regierungen dieser Welt zu fragen: WO BLEIBT DER REST?!

Als Konsequenz aus unserer tief verwurzelten und herabwürdigenden Einstellung gegenüber Wohltätigkeit und Entwicklungshilfe, sind diejenigen Wohltätigkeitsorganisationen die sich ernsthaft um die Verbesserung sozialer Probleme und Hilfe für die Armen bemühen, dazu gezwungen, politisch aktiv zu werden und somit das Vorgehen von Regierungen und Unternehmen, welches die Gründe für Armut aufrechterhält, abzulehnen. Je mehr Energie von gutgesinnten Gruppen und Bürgern in Wohltätigkeit investiert wird, umso leichter können die Regierungen ihre verzerrten und schädlichen Prioritäten verfolgen, wie zum Beispiel die Aufrüstung für Kriege statt der dringend nötigen Versorgung der Hungernden.

Nichts hiervon soll die noble Notwendigkeit von Wohltätigkeit in Frage stellen, die, wie dieser Autor wiederholt eingeräumt hat, zum großen Teil und dankenswerterweise eine Kraft des Guten in unserer grotesk ungleichen Gesellschaftsordnung ist.[5] Stattdessen versuchen wir uns an einer holistischen Sicht auf die Absurdität der Tatsache, dass unsere Regierungen versprechen, die Armut irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt zu bekämpfen - durch "Wohltätigkeit" statt durch wahres Teilen oder Gerechtigkeit - und dies in einer Welt, die mehr als genug Ressourcen für jeden bereithält, selbst angesichts der stark ansteigenden Bevölkerungszahlen. Hoffentlich, werden wir eines Tages auf die Geschichte zurückblicken und die Existenz von Wohltätigkeit im einundzwanzigsten Jahrhundert als das betrachten, was sie ist, nämlich das unvermeidliche und letztlich unnötige Nebenprodukt politischer Indifferenz und Selbstgefälligkeit.

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In unseren dysfunktionalen Gesellschaften, mit ihren verwirrten und mental ausgebrannten Politikern, ist es lehrreich, über die Verbindung zwischen der Bedeutung von Reichtum, ökonomischem Wachstum und Art. 25 nachzudenken. Was bedeutet es, in einer Welt zu prosperieren, in der die Bevölkerung vieler Nationen in unerträglicher Armut lebt, während einige wenige Nationen relativ wohlhabend und in ihrer Lebensweise privilegiert sind?

Stellen Sie sich eine Stadt vor, deren Einwohner so wohlhabend sind, dass sie überschüssige Lebensmittel in riesigen Lagerhallen und teure Produkte auf Müllhalden verrotten lassen, während gleichzeitig eine Nachbarstadt so arm ist, dass ihre Einwohner nicht einmal genug Ressourcen haben, um jedem das in Art. 25 festgelegt Recht auf ein hinsichtlich der Gesundheit und des Wohlbefindens angemessenes Leben zuzusichern. Ergibt es für den Bürgermeister der wohlhabenden Stadt nun irgendeinen Sinn, stolz deren hohes Wirtschaftswachstum und deren Wohlstand zu preisen, wenn Not und Elend gleich um die Ecke lauern? Sollte sich der Bürgermeister dazu entscheiden, die Ressourcen seiner Stadt nicht mit der Nachbarstadt zu teilen, werden die Nachbarn früher oder später einen Weg in seine Stadt finden - sogar die Hunde und Katzen der verarmten Stadt werden sich nicht davon abhalten lassen Ihr Futter in der reichen Stadt zu suchen. Die Übertragung dieser Analogie auf die Weltsituation wäre eine grobe Vereinfachung, aber gäbe es ungeachtet dessen so große Unterschiede in der Art und Weise, wie sich verschiedene Länder auf internationaler und regionaler Ebene zueinander verhalten? Auch hier begegnen die reichsten Länder dem Mangel der armen Mehrheit mit relativer Gleichgültigkeit.

Wir sollten uns also sensibilisieren gegenüber diesen irreführenden, hässlichen und geschmacklosen Begriffen wie "Wohlstand" und "Wirtschaftswachstum", die von Politikern und Ökonomen auf unseren Fernsehbildschirmen so oft wiederholt werden. In dieser bedauernswerten Welt mit ihrer stark ansteigenden Bevölkerung und Verarmung, in der die Umwelt kontinuierlich geplündert und verwüstet wird, in der der Klimawandel bereits jetzt schwere Zerstörungen anrichtet, wie kann hier Wohlstand etwas anderes als prekär sein und zu etwas Anderem führen als Chaos - solange dieser Wohlstand nicht gerecht mit der ganzen Welt geteilt wird? Wie können diese Begriffe etwas anderes als hässlich, geschmacklos und sogar dumm sein in der heutigen Realität extremer weltweiter Armut, und wie können sie moralisch Sinn ergeben in einer Welt, die es zulässt, dass Millionen von Menschen aufgrund unnötiger Armut sterben und die Millionen anderen den Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser und Obdach, gar zu den einfachsten Formen der Gesundheitsversorgung verwehrt?

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass eine Regierung Interesse daran hat, dass ihre Bevölkerung wirtschaftlich wächst und gedeiht, aber wie kann dieser Wohlstand in nur einer Nation erreicht werden, wenn die Welt mit einem tödlichen Virus infiziert ist - einem, der nicht Ebola heißt, sondern vielmehr "die Kräfte der Kommerzialisierung"? So eine ausgebreitet Seuch im Weltgeschehen drängt Sie nicht nur dazu, auf Kosten anderer reich zu werden, sondern auch zu denken, Sie wären besser als die weniger Glücklichen, bis auch Sie ein Teil der kollektiven menschlichen Arroganz und Gleichgültigkeit sind. Was wir als "das System" bezeichnen, ist heute so tiefgreifend vom egoistischen Streben nach Reichtum und Erfolg beeinflusst, dass es sogar eine neue Art des Denkens hervorbringt. Diese kann in etwa umschrieben werden als Hass auf die Armen im eigenen Land, genauso wie auf Menschen in anderen Ländern, die weniger privilegiert sind als man selbst.

Folglich ist das Streben nach endlosem Wirtschaftswachstum in unseren verwirrten und fragmentierten Gesellschaften, die fast gänzlich von den Kräften der Kommerzialisierung durchdrungen sind, riskant. In einem solchen Kontext kann Wachstum nur zu mehr Spaltung, Chaos, Leid und schließlich Gewalt führen. Unter all dieser betrügerischen Propaganda und Konditionierung heutzutage bedeutet das kurzsichtige Streben nach ökonomischem Wachstum eine wachsende Spaltung zwischen Bürger und Staat und bedeutet in Wahrheit "lasst uns die Reichen reicher werden lassen und lasst uns für mehr Milliardäre inmitten all dieser Armen sorgen". Unter diesen Umständen ist Wirtschaftswachstum gleichbedeutend mit einem Freifahrtschein für große Konzerne, und seine Bedeutung ist aus einer psychologischen Perspektive genauso absurd geworden wie das Konzept von Wohltätigkeit in einer Welt des Überflusses. Es ist daher ein grober Fehler der Politiker, wenn sie diese Art von Begriffen weiter mit "kommerzialisiertem" Wachstum verbinden, statt mit dem Wachstum einer gesunden, gerechten und nachhaltigen Wirtschaft. Was nützt Wirtschaftswachstum in einer in zunehmendem Maße ungerechten und gespaltenen Gesellschaft? Auch in der jüngsten Vergangenheit, als viele Nationen noch nicht derart verschuldet waren wie heute, war Armut und Hunger sowohl in den reichen als auch den armen Teilen der Welt weit verbreitet. Wir sollten also unsere politischen Repräsentanten fragen: Aus welchem Grund benötigen wir Wirtschaftswachstum, und wem nützt es? Um eines Systems willen, das ungeheures Leid und Chaos verursacht hat und sich jetzt immer schneller von innen auflöst?

Kein Politiker kann in sinnvoller Weise über ökonomisches Wachstum reden und gleichzeitig die Kräfte der Kommerzialisierung seine Agenda bestimmen lassen. Ein Staatsmann mag die besten Absichten haben und doch Gefahr und – möglicherweise - Desaster heraufbeschwören, wenn er Wachstum im jetzigen System fördert, ob seine kurzsichtige Absicht nun sei, "mehr Jobs zu schaffen" oder nicht. Wieder sollten wir unsere Politiker fragen: Jobs zu welchem Zweck, und wer profitiert davon? Damit man Mega-Casinos, Einkaufszentren, Luxusappartements und Waffenfabriken mitten in eine spirituell, moralisch und ökonomisch kaputte Gesellschaft setzen kann, wovon schließlich nur Millionäre profitieren, die ihren Leiharbeitern den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn zahlen?

Nur mit neuen, auf dem Prinzip des Teilens basierenden wirtschaftlichen Regelungen können wir sinnvoll über wirtschaftliches Wachstum und angemessene Beschäftigung sprechen, auch wenn sich dann unser Fokus über unsere rein nationalen Interessen hinaus erweitern muss, um die Bedürfnisse der Welt als Ganzes zu umfassen. Dies wird unsere politischen Repräsentanten umgehend dazu verpflichten, ein reformiertes System der globalen Regierungsführung zu organisieren, welches eine gerechtere Verteilung der Ressourcen zwischen allen Ländern sicherstellt. Zudem müssten sich die Prioritäten der Regierung dahingehend umkehren, dass den nötigsten Bedürfnissen der ärmsten Menschen umgehend Rechnung getragen wird, beginnend mit denjenigen ohne ausreichende Nahrung und anderen lebensnotwendigen Ressourcen für ihr Überleben.

Erst wenn die Regierung eines Landes ernsthaft besorgt ist um das Wohl all ihrer Bürger, hat sie vielleicht ausreichend Urteilsfähigkeit, um über Wirtschaftswachstum zu sprechen - solang sie sich dabei auf Art. 25 als ihre Bibel beruft. Denn in diesem Fall muss die Regierung das Wirtschaftssystem so umstrukturieren, dass Reichtum, Ressourcen und wirtschaftliche Möglichkeiten gerecht unter der Bevölkerung aufgeteilt werden. Die Voraussetzung für eine faire Verteilung der Ressourcen ist die Befreiung der Gesellschaft aus den Fängen der Kommerzialisierung sowie die Umorientierung der Staatsausgaben weg von Rüstung und anderen schädlichen Unternehmenssubventionen. Darüber hinaus kann keine Gesellschaft damit fortfahren, die Umwelt durch offenkundig verschwenderisches Konsumverhalten zu zerstören, wenn die langfristige Sicherstellung eines würdevollen Lebens für jedermann das Leitprinzip wirtschaftlicher Aktivität ist. Jeder vernünftige Politiker muss die Offensichtlichkeit dieses Sachverhalts eingestehen, da eine Wirtschaft nur in einem Umfeld aufrechterhalten werden kann, das gesund und fähig zur Selbstregeneration ist, und nicht über jedes Maß hinaus beansprucht wird.

Aber selbst wenn eine aufgeklärte Nation Art. 25 in ihrem Gesetz verankert und sich zu einer nachhaltigen, gerechten und ausgewogenen Verteilung der Ressourcen in ihrer eigenen Bevölkerung verpflichtet, wird ihre Zufriedenheit und ihr Wohlstand nur von kurzer Dauer sein, wenn sie versucht, sich von den Problemen anderer Nationen abzugrenzen. Rufen wir uns die Analogie der benachbarten reichen und armen Stadt noch einmal ins Gedächtnis: es wird nicht lange dauern, bis eine Nation, die ihre Ressourcen nach innen gerecht verteilt, von den Armen der anderen Stadt belagert wird. Diese werden versuchen, die Grenzen des wohlhabenden Landes zu durchbrechen, auf welche Art auch immer, und ungeachtet strenger Einwanderungskontrollen oder staatlicher Sicherheitsapparate.

So etwas wie eine gesunde Gesellschaft kann nicht existieren in unserer gespaltenen und doch wirtschaftlich verflochtenen Welt, in der Gier, Egoismus und Diebstahl die treibenden Kräfte hinter finanziellem und wirtschaftlichem Handeln sind. Nehmen wir an, nur ein einziges Land setzt Art. 25 vollständig um, während jede andere Nation stattdessen dem Weg der ungezügelten Kommerzialisierung folgt. Dies bedeutet nicht, dass etwas in allen Ländern schief läuft außer in demjenigen, das seinen Reichtum teilt. Es bedeutet, dass etwas mit der gesamten Menschheit nicht stimmt, da die Menschheit naturgemäß eine Einheit darstellt, zumindest aus Sicht von etwas, das wir als "Leben" oder "Gott" bezeichnen könnten. Wir sind eine Menschenfamilie innerhalb einer spirituellen Evolution, was nun keine ausschließlich religiöse oder "New Age" Betrachtung ist, sondern eine ewige Wahrheit, die gerade nach und nach in vielen Feldern der Wissenschaft erkannt wird. Alle Nationen weltweit sind miteinander verbunden, nicht nur in einem materiellen Sinn oder durch Welthandel, Reisen oder Kommunikation, sondern auch energetisch und subjektiv hinsichtlich des Einen Lebens, welches wir mit jedem Lebewesen auf dem Planeten Erde teilen, vom Mineralreich bis zu den nicht-physischen und höchsten spirituellen Bereichen.

Ausgehend von diesem transzendenten und aufschlussreichen Verständnis unserer Existenz, das entweder intuitiv erkannt werden kann oder mittels eines Studiums der Alten Weisheitslehren und indigener Kosmologien, betrachten wir die Menschheit wie einen physischen Körper, um den sich als eine Einheit gekümmert werden muss, ohne bestimmte Körperteile zugunsten anderer zu vernachlässigen. Wenn eine Seite des menschlichen Körpers voll funktionsfähig ist, die andere jedoch vernachlässigt und krank, wird die Krankheit in jedem Fall das Wohlbefinden der ganzen Person beeinträchtigen. Gleichermaßen, kann sich keine einzelne Nation von anderen Ländern abgrenzen, wie gerecht und gesund sie auch immer leben mag, zumal in einer Welt, in der die Kommerzialisierung in einem solchen Maße zunimmt, dass weder Gesellschaft noch Umwelt der Belastung länger standhalten können.

Dies ist das strategische Paradoxon in dieser Ära der globalen Krise und Wandlung; kein Politiker kann sich den Luxus erlauben, Gutes allein für sein Land zu tun, da Gutes in jedem Land zur gleichen Zeit und umfassend getan werden muss. Somit wird kein Land dieses Ziel allein erreichen, aber alle Nationen können es gemeinsam schaffen – mit Hilfe der Prinzipien der Kooperation und des Teilens. Wir haben für die globalen Probleme keine andere Exit-Strategie, daher müssen wir dieses Ziel schnell erreichen, ob unsere Regierungen dafür bereit sind oder nicht, sonst könnte es bald für uns alle zu spät sein. Es kann kein einzelnes Land unter mehr als 190 Ländern auf dieser Welt geben, das Art. 25 vollständig umsetzt, solange wir dieses eine Land nicht "Menschheit" nennen und den Rest ignorieren. Denn, es gibt nur diese eine, vom Ganzen nicht trennbare Menschheit.

Welchen anderen Grund braucht es, um die Weltressourcen zu teilen und damit die grundlegenden Rechte jedes Mannes und jeder Frau zu realisieren, wenn nicht den, der Seele zu erlauben, ihre Lebensaufgabe in der Individualität ihres Spiegelbildes zu erfüllen? Dies ist die immerwährende tiefere Wahrheit unseres Lebens, egal wie korrumpiert unser Verständnis des guten Willens und der guten zwischenmenschlichen Beziehungen durch die Verschmelzung unseres Egoismus, unserer Ignoranz und unserer Verwirrtheit über viele Menschenalter hinweg auch sein mag. Wenn die Menschheit jemals eins werden soll als ein Spiegelbild dessen, was wir in unserer spirituellen Natur sind, ist es unumgänglich, dass Aktivisten, engagierte Bürger und politische Repräsentanten die vollständige Umsetzung des Art. 25 in jedem Land weltweit fordern sowie seine Erhebung zur obersten Regierungspriorität aller Nationen. Es ist an der Zeit, die Stimme nicht nur für das Gute in unserem eigenen Land zu erheben, sondern zum Wohl aller Menschen dieser Erde. Die Glücklichen, deren Grundbedürfnisse bereits gesichert wurden, sollten sich den Gruppen anschließen, denen dies noch nicht beschieden war und somit Art. 25 und das Prinzip des Teilens zu unserem gemeinsamen Anliegen ausrufen.

Jeder Mensch in Nordamerika, Westeuropa Australien und anderen wohlhabenden Weltregionen sollte kurz innehalten und sich die Frage stellen: Was ist mit den Anderen ohne Zugang zu den grundlegenden Ressourcen, die für mich selbstverständlich sind? Diese Worte sollten auch unsere Politiker hinsichtlich der Millionen Armen innerhalb und außerhalb ihrer Landesgrenzen verwenden: Was ist mit den Anderen? Dann werden wir endlich dazu neigen, unsere überschüssigen Ressourcen zu teilen und unsere Regierungen zur Kooperation mit anderen Ländern auffordern, um das fortwährende Ziel der weltweiten Freiheit von Not zu realisieren. Genau dann wird eine Nation zu einem Verbündeten von Art. 25 und dem Prinzip des Teilens, bis schließlich allein das Konzept eines "illegalen Immigranten" unvereinbar damit wird, wie jeder die Funktionsweise der Welt begreift. Dies gilt ebenso für die gegenwärtigen Vorstellungen von "Wohltätigkeit", "Entwicklungshilfe", "Außenpolitik" und "nationalen Interessen".

 


Teil II: Eine kurze Grundüberlegung

Der vorangegangenen Argumentation folgend, können wir die vielen komplexen Faktoren, die die vollständige und dauerhafte Umsetzung von Art. 25 in allen Ländern verhindern, leicht erkennen. Zum einen, sind dies die fehlgeleiteten Prioritäten unserer Regierungen, zum anderen die völlige Gleichgültigkeit multinationaler Konzerne, aber auch die Raffgier und Unmenschlichkeit außenpolitischer Ziele sowie die tief verwurzelte "Wohltätigkeitsgesinnung" anstelle von Gerechtigkeit. Zudem beginnen wir, die unerwarteten Folgen einer gesicherten Erfüllung der Grundbedürfnisse für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind zu erkennen. Diesen Sachverhalt gilt es zu durchdenken, um die vielen Gründe intellektuell zu verstehen, die für Art. 25 als eine brauchbare Strategie zur Rettung und Wiederherstellung der Welt sprechen.

Wie bereits betont wurde, sind die nötigen Finanzen und Ressourcen zur Gewährleistung der sozioökonomischen Rechte aller Menschen schon lange verfügbar, und können innerhalb eines kurzen Zeitraums mobilisiert werden, wenn alle Regierungen - mithilfe der Vereinigten Nationen und ihrer humanitären Unterorganisationen - in ihren Anstrengungen kooperieren, die himmelschreiende und vermeidbare Ungerechtigkeit des Hungertods zu beenden. Aber die politische Linie selbst der reichsten Länder spiegelt die Bedürfnisse der Armen innerhalb ihrer eigenen Grenzen nur minimal wieder, und noch weniger dienen sie den am meisten ausgegrenzten und vernachlässigten armen Menschen in anderen Ländern, was schlussendlich Tag für Tag viele vermeidbare Todesfälle zur Folge hat.

Es ist schon erstaunlich, dass die Regierungschefs innerhalb von ein paar Wochen Verbündete für einen Krieg organisieren können, aber nie dafür, den Armen und Hungernden dieser Welt zu Hilfe zu kommen. Die einzig adäquate internationale Reaktion auf diese unerträgliche Situation wurde 1980 im Bericht der Brandt-Kommission beschrieben, die ein Notfallprogramm des wirtschaftlichen Teilens vorschlug, um Hunger und extreme Armut endgültig zu beenden - dieser Bericht liegt heute jedoch begraben und vergessen in den Archiven der Geschichte.[6]

Nach so vielen Jahren der politischen Tatenlosigkeit kann nur der vereinte gute Wille des einfachen Volkes wieder Moral und Vernunft in die Welt zurücktragen und die Neuordnung der politischen Prioritäten durch große und andauernde Proteste weltweit beeinflussen. Nur gemeinsam können die Völker der Welt ihre Nationen zur Kooperation in der Umsetzung des Art. 25 bewegen und vielleicht werden erst dann die richtigen Politiker in den Vordergrund treten, um die nötigen Verbündeten und die militärischen Ressourcen zur Rettung von Menschenleben im großen Stil zu mobilisieren, statt diese Leben weiter zu gefährden oder gar zu beenden. Vielleicht werden wir dann das umfangreiche öffentliche Engagement erleben, das sich jeder progressive Aktivist wünscht, bis sich kein Politiker mehr im Amt halten kann, der die Anliegen seiner Wähler nicht ernst nimmt. Möglicherweise bringt ein solch beispielloser weltweiter Ausbruch des Mitgefühls für die am wenigsten Privilegierten unter uns das Ende des "politischen Buchhalters" mit sich, der nur daran interessiert ist, seinen Job zu behalten und sich als wichtiger Diplomat im teuren Anzug aufspielt.

Wir sollten an dieser Stelle nicht vergessen, dass wir über die weltweite Armut als Ganzes reden und nicht über wöchentlich ein paar Hungertote in den am wenigsten entwickelten Ländern, sondern täglich mindestens 40.000 Tote im Zusammenhang mit Armut, viele davon in Ländern mittlerer Einkommensstufe und nachgewiesenermaßen vermeidbar.[7] Wie lange wollen wir das Geschwätz auf den jährlichen Konferenzen zu Armut und Unterernährung noch ertragen, während keine angemessenen Maßnahmen ergriffen werden, um diesen auf unentschuldbare Weise vernachlässigten Menschen zu helfen? Hätten die Millionen von Dollar, die für die Organisation dieser Gipfeltreffen über die Jahrzehnte ausgegeben wurden, nicht stattdessen für die Rettung vieler Leben verwendet werden können? Unterdessen konsumieren und verschwenden wir - die privilegierte Minderheit, die die Menschenrechte des Art. 25 als gegeben annimmt - die Nahrungsmittel und Güter dieser Welt im Übermaß, anstatt von unseren Regierungen zu fordern, unseren Überschuss dorthin zu verteilen, wo er am dringendsten gebraucht wird. Wie viele Brandt-Berichte braucht es noch, um uns aufzurütteln dieser Tragödie die angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen?

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Stellen wir unsere Einwände einmal zurück und stellen uns vor, unsere Regierungen werden vom Willen des Volkes ernsthaft dazu angehalten, Art. 25 umzusetzen und betrachten die weitreichenden Folgen dieses sicherlich erreichbaren Ziels. Offensichtlich ist ein Leben in Würde und mit gesicherten Grundlagen für jeden Menschen nicht möglich, bis die Wirtschaft nicht so umstrukturiert wird, dass essentielle Ressourcen gerechter verteilt werden und öffentliche Dienstleistungen für alle zugänglich sind. Dieser Ansatz auf Grundlage des gesunden Menschenverstandes ist aber unvereinbar mit einer politisch dominierenden Denkweise, auf Marktkräften basierenden Ideologie, welche zu Gesetzen und Institutionen führt, die lediglich den privaten Interessen und dem Profitstreben großer Konzerne dienen.

Was wären folglich die Konsequenzen für diese Konzern-fixierten Gesetzte und Institutionen, auf denen unsere Gesellschaft basiert, wenn Art. 25 zur ersten Priorität der Regierungen aller Länder erhoben wird? Ohne Zweifel wäre der Effekt sozial, ökonomisch und politisch transformativ, vor allem wenn wir uns in Erinnerung rufen, dass Art. 25 im Sinne der Marktkräfte keinerlei Bedeutung zugemessen wird. So wäre es beispielsweise den Konzernen nicht länger möglich, sich schamlos Land unter den Nagel zu reißen, auf Nahrungsmittel zu spekulieren und ihre überschüssige Produktion zu horten oder zu zerstören, während Menschen auf dieser Welt verhungern. Zudem wäre es den Politikern nicht mehr möglich, Wirtschaftswachstum und Unternehmensprofit durch die Kommerzialisierung öffentlicher Dienstleistungen zu steigern, wenn sie sich ernsthaft um die Bedürfnisse aller Menschen und ein systematisiertes Teilen aller Ressourcen bemühen. Nach einiger Zeit müssten viele der komplexen Gesetze, die lediglich Profitinteressen dienen, zurückgezogen oder von Grund auf reformiert werden, und neue, wahrhaft moralische und gerechte Gesetze würden geschaffen werden - und es damit dem guten Willen der Menschheit zu erlauben, in globalen Angelegenheiten aufzublühen.

Wenn es tatsächlich der Grundgedanke hinter jedem Gesetz und jeder Politik wäre, die Rechte aus Art. 25 zu gewährleisten, würde schnell klarwerden, das die bestehenden Welthandelsabkommen unausgewogen und ungerecht sind. Dies kann leicht nachvollzogen werden, indem ich mir beispielsweise vorstelle, ich wäre Präsident eines armen Landes, welches Art. 25 als sein Grundgesetz angenommen hat und dessen Regierungen all seine Beschlüsse daran ausrichtet. Dann würde dieses Gesetz von mir verlangen, zunächst die Grundversorgung jeder einzelnen Familie sicherzustellen, bevor ich mich anderen Dingen widme. In diesem Fall kann ich es nicht zulassen, dass meine ärmsten Bauern und Arbeiter zum Vorteil einiger reicher Konsumenten in fernen Ländern ausgebeutet werden, indem sie ihre Güter zu einem billigen Preis exportieren. Ich würde eine Reform der Handelsgesetze fordern müssen, um es den Bauern zu ermöglichen, zunächst sich selbst und ihre Gemeinschaft zu versorgen. Und die multinationalen Konzerne, welche die Bedingungen des unfairen Handels festlegen, könnten mich daran nicht hindern, wenn Art. 25 in jedem Land Gesetz und Richtlinie wäre, überwacht durch die Vereinten Nationen und weltweit gestützt durch die öffentliche Meinung.

Die Folgen wären in jeder Hinsicht allumfassend, sobald der allgegenwärtige Einfluss von Profitstreben und Gier durch geeignete staatliche Interventionen und Regularien eingegrenzt wird. Das unermüdliche Lobbying und die Geldmacherei mittels "legalem Diebstahl" wird unweigerlich beeinträchtigt und in zunehmendem Maße geschwächt werden, womit Art. 25 effektiv einer der schlimmsten Gegner der rein gewinnorientierten Konzerne ist. Wenn schließlich die Unternehmen, geführt durch eine auf dem Prinzip des Teilens beruhende Wirtschaftspolitik, damit beginnen, einen anderen Weg einzuschlagen, wird es möglicherweise nicht mehr lange dauern, bis die in jeder Regierung - sowohl in reichen als auch in armen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß - vorherrschende Korruption nach und nach abnimmt. Welchen Anreiz gäbe es für machthungrige Individuen, in die Politik zu gehen, wenn wir sicherstellen, dass die Regierung eines Landes tatsächlich dem Gemeinwohl dient - wie es selbstverständlich der Fall sein sollte - statt hauptsächlich im Namen globaler Konzerne und reicher Privatpersonen zu handeln?

Lassen sie uns vorstellen welch weitreichenden Auswirkungen es wohl haben würde, wenn Regierungen auf der ganzen Welt im Interesse des Art. 25 handeln würden, angetrieben vom unwiderstehlichen Druck unaufhörlicher, riesiger und unerbittlicher Demonstrationen in jedem Land. Während die ärmsten Menschen der unterentwickelten Nationen diese neu erweckte Aufmerksamkeit gegenüber ihrer Not freudig begrüßen werden, wird die Umverteilung der Ressourcen die Korruption der Regierungen zunächst weiter anstacheln. Solange diese Korruption fortbesteht und repressive Politiker die ihrer Bevölkerung zugedachte Hilfe missbrauchen, wird es mit Sicherheit einen Aufstand der Bürger geben um die Verantwortlichen aus dem Amt zu werfen und zu ersetzen. Und falls doch ein diktatorisches Regime versucht, mittels Gewalt und Repression an der Macht festzuhalten, wieso könnten dann nicht Vertreter der Vereinten Nationen zur Beobachtung und Beweissicherung geschickt werden? Wäre es nicht möglich, eine UN-Unterorganisation damit zu beauftragen, die bestimmungsgemäße Verwendung der Hilfsgüter und -gelder sicherzustellen, genauso wie die UN Inspektoren zur Krisenbeobachtung oder zur Überwachung atomarer Waffen einsetzt?

Wir können weitere Konsequenzen der Umsetzung von Art. 25 vorhersagen. Beispielsweise für diejenigen multinationalen Organisationen, die ihre Pflicht, zum Wohle der einfachen Menschen zu dienen, schon lange aufgegeben haben, wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds. Diese sind nicht ohne Grund in Verruf geraten, drängen sie doch ihre ungeheuerlichen ökonomischen "Normen" auch der restlichen Welt auf. Mit Art. 25 als Grundstein einer neuen globalen Wirtschaftsordnung müssten diese Organisationen entweder stillgelegt oder vollständig reformiert werden, um eine wichtige Rolle zu übernehmen im Prozess der massiven Umverteilung von Ressourcen, der Restrukturierung der globalen Regierungsführung und der Re-Regulierung des Welthandels – das allesamt als ein erster Schritt zu einer besseren Welt darstellt. Schließlich werden die Institutionen nicht durch sich selbst aufrechterhalten, sondern durch die Leute, die sie stützen. Wir sprechen hier vom Beginn einer aufgeklärteren menschlichen Zivilisation, charakterisiert durch das gleiche Bemühen um das Wohl eines jeden und nicht einiger privilegierter, reicher Menschen oder mächtiger und eigennütziger Nationen.

In unserer heutigen, so gespaltenen Welt hätte die Umsetzung des Art. 25 zweifelsohne einen außergewöhnlich transformativen Effekt auf die internationalen Beziehungen und die Außenpolitik reicher Länder, welcher wiederum von verschiedenen Seiten beleuchtet und in einfache Worte gefasst werden kann. Zunächst hängt eine umfassende Neuordnung der globalen Prioritäten hin zur Erfüllung der Grundbedürfnisse aller Menschen natürlich von einer schnellen Deeskalation militärischer Aktivitäten ab, gefolgt von tiefen Einschnitten in Rüstungsbudgets. Dies ist nicht nur im Fall der Vereinigten Staaten essentiell, die nach wie vor die Ausgaben aller anderen Länder in den Schatten stellen, sondern auch hinsichtlich der weniger entwickelten Länder mit hoher Armutsrate, die mehr und mehr Verteidigungsausgaben anhäufen - oft mehr als für Gesundheitsversorgung, Bildung oder Sozialleistungen.

Drüber hinaus haben wir bereits festgestellt, dass die Weltpolitik im Grunde auf den gegenteiligen Prinzipien zu wirtschaftlichem Teilen und echter internationaler Kooperation basiert, und die Außenpolitik der Vereinigten Staaten und anderen G7 Ländern, faktisch vermittelt, die Kommerzialisierung wäre der richtige Weg - was zur zunehmenden Ablehnung von Art. 25 in vielen Entwicklungsländern führt. Der untragbare Verlauf der Weltpolitik zwingt uns daher, über die Folgen der Umsetzung dieses geheiligten Artikels hinsichtlich der langfristigen Beziehungen zwischen Nationalstaaten nachzudenken. Selbstverständlich muss Amerika damit aufhören, sich als eine große imperiale Hegemonie aufzuspielen und seine umfangreichen Ressourcen endlich zur Auslöschung der weltweiten Armut einsetzen, anstatt sein arrogantes Streben nach Macht und Vorherrschaft fortzuführen. Russland wird lernen müssen, als eine wahre Gemeinschaft zusammenhängender Staaten in Frieden zu leben und den Fokus auf eine gemeinsame Entwicklung bei größerer regionaler Autonomie zu legen, anstatt auf sein militärisches Potenzial und seinen destruktiven internationalen Einfluss zu setzen. Genauso wird China aufhören müssen, seine Flotte und seine Kriegsmaschinerie als Versicherung für seine wachsende wirtschaftliche Vormachtstellung aufzurüsten und sollte auf seine Strategie des Landraubes verzichten, damit es mit anderen Nationen bei der Verteilung der Weltressourcen kooperieren kann.

Es mag ungemein idealistisch sein, eine solche Trendwende in den wirtschaftlichen und politischen Regierungsbeziehungen zu erwarten, aber wer will sich schon ein Alternativszenario vorstellen, in dem der weltpolitische Modus Operandi bis in alle Ewigkeit fortgesetzt wird? Die gnadenlose und söldnerische Außenpolitik die angeblich hoch-gesinnt ist, könnte in naher Zukunft unausweichlich zu einem dritten Weltkrieg führen - als Resultat immer extremerer Ungleichheit innerhalb der Länder und zwischen den Nationen, oder durch gesteigerten Wettbewerb um immer knappere Ressourcen. Sicherlich erkennen die Vernünftigeren unter den Politkern und Diplomaten, dass die Familie der Nationen bald vor die ultimative Wahl gestellt wird: zu kooperieren und zu teilen, um diese gefährlichen Zustände zu beseitigen, oder langsam dem Verfall der Menschheit entgegenzublicken.

Der Leser sollte die positiven Auswirkungen der weltweiten Umsetzung von Art. 25 in Gedanken selbst fortführen und bedenken, wie die Nationen dazu angehalten werden, ihre Wirtschaft umzustrukturieren und in wahrer Kooperation mit anderen Nationen auf dieses gemeinsame und zwingend notwendige Ziel hinarbeiten. Wenn die Regierungen dazu verpflichtet werden, für das leibliche, gesundheitliche und materielle Wohl jedes Kindes und jedes Erwachsenen der mehr als 7 Milliarden Menschen zu sorgen (und ihnen gleichzeitig eine kostenlose und hochwertige Bildung, wie in Art. 26 dargelegt, zu bieten), werden wir erkennen, dass viele andere globale Probleme unterdessen automatisch gelöst werden. Das kann nachvollziehbar abgeleitet werden von den international koordinierten Maßnahmen, die im heutigen Zeitalter der Globalisierung offenkundig notwendig sind, um die sozialen und wirtschaftlichen Rechte aller Menschen zu garantieren. Möglicherweise wird jede Nation dazu verpflichtet werden, eine Bestandsaufnahme ihrer verfügbaren überschüssigen Ressourcen zu machen - einschließlich Technologie, Knowhow, Arbeitskraft und institutionelle Kapazitäten, genauso wie Nahrung, Arzneimittel, Industriegüter und andere grundlegende Materialien oder Güter. Ein groß angelegter Transfer dieser Ressourcen zu den ärmsten Ländern und Regionen muss von den Vereinten Nationen und ihrem weltweiten Netzwerk von Hilfsorganisationen organisiert werden, oder von einer neuen UN-Organisation, die explizit zur Leitung eines kurzfristigen, ein paar Jahre andauernden Notprogramms eingesetzt wird. Sogar Nordkorea könnte beschließen, mitzumachen, wenn der politische Wille zu solch einem Programm in den Nachbarländern vorherrscht, wodurch allen Menschen wenigstens ein Mindestanteil der weltweit verfügbaren essentiellen Ressourcen durch einen nie dagewesenen, weltweiten Umverteilungsprozess garantiert werden kann.

Sobald das vorrangige Ziel, den Hunger zu lindern und sofortige Hilfe zu den Ärmsten der Armen zu bringen, erreicht ist, wird der umfassenden Reform der internationalen politischen, ökonomischen und finanztechnischen Systeme eine große Bedeutung darin zukommen, eine ausgewogenere und gerechtere Verteilung der Weltressourcen unter allen Ländern zu etablieren. Vieles ist bereits bekannt hinsichtlich den nötigen Vorkehrungen für effektive Umverteilungssysteme auf nationaler Ebene, welche den Zugang zu sozialem Schutz und öffentlichen Dienstleistungen ermöglichen. Genauso lassen sich in der neueren Geschichte seit dem zweiten Weltkrieg verschiedene Richtlinien und Vorschriften ausmachen, die eine immer größere Konzentration von Reichtum und Macht in einer kleinen Minderheit der Bevölkerung verhindern können. Bis heute haben sich jedoch nur wenige führende Ökonomen, Finanziers oder Politiker über die zur Etablierung eines neuen Systems der Ressourcenverteilung nötigen institutionellen Arrangements und wirtschaftlichen Vorgehensweisen Gedanken gemacht. Davon ausgehend, dass die Wattführer schließlich die Notwendigkeit einer Neuformulierung des ganzen Wesens und des Zweckes von "Entwicklung" erkennen, braucht es einen umfangreichen Forschungs- und Dialogprozess, bevor die Realisierung des Gemeineigentums an den Weltressourcen und deren kooperative Verwaltung durch die internationale Gemeinschaft möglich wird.

Am Beginn dieser großen Aufgabe würden sie gut daran tun, sich die Empfehlungen der Brandt-Berichte von 1980 und 1983 noch einmal vor Augen zu führen. Diese mögen zwar schon seit 35 Jahren überholt sein, jedoch ist in ihren Zeilen noch immer ein inspirierter Überblick über die Reichweite des Art. 25 als oberste Richtlinie politischen und wirtschaftlichen Handelns zu finden.[8] Ohne Zweifel wurden diese Vorschläge durch die orthodoxen wirtschaftlichen Annahmen ihrer Zeit begrenzt, weshalb sie zur Bewältigung der heutigen, vielfach verflochtenen Krisen nicht weit genug gehen. Hätte man den Cancun-Gipfel 1981 ernst genommen, könnte Art. 25 dennoch bereits heute als wirkungsvolles Regelwerk für die Gesellschaft sowie die politischen, ökonomischen und sozialen Institutionen der Nationen etabliert sein.[9]

Im Falle einer solchen Transformation der weltweiten Regierungsziele hätten die Vereinten Nationen schon vor langer Zeit demokratisch reformiert und als höchste internationale Autorität gestärkt werden können, um ihren ursprünglichen humanitären Auftrag zu erfüllen. Ohne Frage bleibt ein solch epochales Vorhaben wie die Vereinigung der globalen Wirtschaftspolitik unter der Führung restrukturierter Vereinten Nationen eine zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch unerledigte Aufgabe. Während jedes Land die Gesetze des Art. 25 auf die jeweils am besten geeignete Weise selbst umsetzten muss, ist es an der Versammlung der Nationen, die Grundsätze dieser Gesetze als unumstößliches Regelwerk für den Umgang aller Länder auf internationaler Ebene festzulegen.

Auf diese Weise können die Vereinten Nationen ihrem Namen wahrhaft gerecht werden, als die wichtigste globale Institution mit der Aufgabe, ihre Mitgliedsländer zur Wahrung des Friedens, zum Schutz der  Schwachen und zu internationaler Kooperation aufzurufen. Wenn schließlich auch ihre verschiedenen Unterorganisationen so gestärkt werden, dass sie bei der weltweiten Durchsetzung der Rechte aus Art. 25 eine große Rolle spielen können, dann wird die Umsetzung all der anderen Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beginnen, Gestalt anzunehmen. Im übertragenen Sinne könnten wir also Art. 25 als das oberste Gesetz der Menschenwürde bezeichnen, dessen Umsetzung das Konzept der "Menschenrechte" wieder mit Stolz erfüllt. In diesem Moment wird die Schönheit und das Versprechen der Gründungsvision der Vereinten Nationen vielleicht aufs Neue von den gewöhnlichen Leuten erkannt, mit einem neu erwachten Verständnis seines unverzichtbaren Zukunftspotenzials.

Die wird jedoch nichts zu tun haben mit dem Sicherheitsrat und seinen "geerbten" Funktionen und Befugnissen, welche ein Überbleibsel des früheren Wettstreits und Nationalismus sind, welche von der Illusion "Noch bin ich mächtig und werde es immer sein" geprägt sind. Geht es um die Eigeninteressen der wirtschaftlich dominanten Nationen, fügen sich die Präsidenten und Premierminister den Vereinten Nationen und versuchen, das System zu ihren Gunsten zu manipulieren; wenn es jedoch um die Interessen der Gemeinschaft als Ganzes in jedem einzelnen Land geht, dann scheint es, als ob die Zwecke und Prinzipien der Vereinten Nationen nicht mehr existieren. Der Sicherheitsrat dient nicht der Suche nach wahrem Frieden oder Sicherheit, er funktioniert eher wie ein Privatclub, dessen Mitglieder von prominenten "politischen Buchhaltern" vertreten werden, welche allesamt ihr Abstimmungsverhalten danach richten, wie groß ihr Anteil am "Weltkuchen" ist. Es ist jenes ständige Wetteifern um dem Löwenanteil an den globalen Ressourcen, welches die Spielchen mit der nationalen Sicherheit innerhalb dieses überholten Rates charakterisiert, ganz im Gegensatz zu den bei der Gründung festgelegten Aufgaben und Prinzipien, nachzulesen im ersten Kapitel ihrer Charta. Der Sicherheitsrat hätte gar nicht erst eingerichtet werden sollen, und sollte längst aufgelöst sein um der Generalversammlung seinen Platz zu geben, als ein wahrhaft demokratisches globales Forum (und alle Vetorechte abgeschaffen). Unterdessen, wird die Realität des Krieges fortdauern, basierend auf Machtpolitik, nationalen Egoismen und der Ausbeutung von schwächeren Bevölkerungsschichten im Streben nach rein kommerziellen oder materialistischen Zielen.

Können wir damit für uns selbst erkennen, wie eine gewaltige öffentliche Forderung nach der Umsetzung von Art. 25 letztlich zu globaler Restrukturierung und wirklicher internationaler Kooperation führt, zu einer signifikanten Abnahme der Spannungen und Konflikte in zwischenstaatlichen Beziehungen und schließlich zur Auflösung des Sicherheitsrates gemäß der wahren Bestimmung der Vereinten Nationen? Welchen Bedarf gibt es überhaupt noch für einen Sicherheitsrat, wenn Nationen bei der Verteilung der Weltressourcen kooperieren und damit die wirtschaftlichen Wurzeln von Terrorismus und Konflikt auslöschen? Lassen Sie uns trotzdem eines klarstellen: dies bedeutet nicht, dass durch die Umsetzung von Art. 25 unmittelbar eine systemische Alternative zum globalisierten Hyperkapitalismus entsteht, welche alle Probleme der Welt auf einen Schlag löst. Selbst wenn wir die durch Art. 25 abgedeckten Grundbedürfnisse schnell befriedigen könnten, würde es zweifellos nicht ausreichen, um die herrschenden Machtstrukturen und undemokratischen Regime ernsthaft herauszufordern oder die großen Einkommens- und Wohlstandsunterschiede zwischen reichen und armen Ländern zu verringern.

Zu fragen, ob die Menschenrechte aus Art. 25 das einzige Gegenmittel zu den Problemen der Welt ist, wäre folglich die falsche Herangehensweise. Es müssen ohne Frage eine große Menge weiterer wirtschaftlicher und politischer Veränderungen erreicht werden, bis die Erfüllung der vielen hehren Ziele der Vereinten Nationen, vom Internationalen Menschenrechtsgesetz bis zur Rio-Erklärung, absehbar wird. Es herrscht eine endlose Debatte darüber, wie diese Ziele erreicht werden sollen, das Ziel unserer Untersuchung ist es jedoch, ein gemeinsames Verständnis der Strategien zur Einleitung der zukünftig notwendigen Veränderungen zu erreichen. Wie wir bereits festgehalten haben, werden sich die Prioritäten der Regierungen nicht in Richtung der ärmeren zwei Drittel der Weltbevölkerung verschieben lassen ohne immenses und unablässiges ziviles Engagement seitens des privilegierteren Drittels der Menschheit. Ohne diesen entscheidenden und bis dato abwesenden Protagonisten auf der Weltbühne - nämlich dem gütigen und allumfassenden Einfluss einer aufgeklärten öffentlichen Meinung zugunsten der unerfüllten Bedürfnisse der armen Mehrheit der Bevölkerung - wird keine strukturelle Blaupause für eine bessere Welt zu verwirklichen sein.

In diesem Sinne liegt die einzige Alternative zur bestehenden sozioökonomischen Ordnung in der vereinten Stimme aller wohlwollenden Menschen weltweit, und es ist die weitverbreitete Selbstgefälligkeit der Durchschnittsbürger, welche uns glauben lässt, es gäbe "keine Alternative". Wenn wir das Prinzip des Teilens als Grundlage jeder globalen systemischen Alternative für eine nachhaltige Zukunft akzeptieren, dann spiegelt Art. 25 dieses Prinzip wieder und fordert dessen Realisierung in der Weltpolitik. In Wahrheit gibt es keine Alternative, bis die Dringlichkeit der Beendigung extremen Mangels in jedem Haushalt wahrgenommen wird, und in den Herzen und Köpfen gewöhnlicher Menschen als dringendstes Anliegen erkannt wird.

Dies ist das Dilemma der fortschrittlichen Denker und Aktivisten, die eine neue Gesellschaftsvision samt den dafür notwendigen Richtlinien vorschlagen, denn sie wird nie eintreten, außer wenn die Menschen dieser Welt sich zu Millionen in friedlichem Protest versammeln und auf diese Vision arbeiten. Wie wir später genauer untersuchen werden, ist genau das die Erklärung dafür, warum Art. 25 in sich selbst die von uns allen gesuchte Alternative enthält, und wieso uns seine einfachen Vorschriften direkt, naturgemäß und scheinbar wie durch ein Wunder zu dieser Alternative führen. Wir werden noch feststellen, dass die Umsetzung von Art. 25 einen direkten Weg zu vielfältigen ökonomischen Lösungen sowie Freiheit und Gerechtigkeit darstellt - obwohl sein unerkanntes Potenzial nur zur Entfaltung kommt, wenn die Menschheit das Zauberwort ausspricht. Dieses drückt sich aus durch riesige Demonstrationen in jedem Land, leidenschaftlich fokussiert auf das Ziel und ohne Unterbrechung andauernd.

 


Teil III: Die Umweltfrage

Ein Haupteinwand, der vielen Menschen an dieser Stelle in den Sinn kommen mag, betrifft die Frage einer nachhaltigen Umwelt und ob die Verkündigung von Art. 25 als oberste Richtlinie eine Vernachlässigung dringender Umweltprobleme mit sich bringt. Auch dies ist ein wichtiges Thema, dem Beachtung geschenkt werden sollte, da die Menschheit sich heute zwei globalen Notsituationen nie dagewesenen Ausmaßes gegenübersieht; Luftverschmutzung und Umweltzerstörung, genauso wie Hunger, zunehmende Armut, Ungleichheit und gesellschaftliche Ausgrenzung. Wie also kann die Umsetzung von Art. 25, eine Lösung für alle diese ineinandergreifenden Systemkrisen stellen? In erster Linie kann eine Antwort auf diese Frage logisch und durch einfache deduktive Argumentation nachvollzogen werden, auch wenn eine solche Schlussfolgerung weit entfernt ist vom heutigen Mainstream-Denken. Hier ist die Prämisse, die wir in Betracht ziehen sollten: wir können den Klimawandel oder die Umweltkrise niemals angehen, ohne die Ungerechtigkeit von Armut inmitten des Überflusses zu beseitigen, und genau hier beginnt die Lösung all unserer Umweltprobleme. Auch dies sollte wieder von vielen Standpunkten aus betrachtet werden, die psychologische, moralische und spirituelle Perspektive mit eingeschlossen.

Wir haben zuvor diskutiert, wie sich der politische Wille zur Umsetzung von Art. 25 umgehend in drastischen veränderten Prioritäten bei Staatsausgaben manifestieren muss, wie beispielsweise der Umverteilung von Fördermitteln weg von Rüstungsgeschäften und hin zu öffentlichen Dienstleistungen und Sozialleistungen in jedem Land, zusammen mit uneingeschränkter Hilfe für unterentwickelte Nationen, welche somit bei dieser großen Aufgabe unterstützt werden. Die Umsetzung von Art. 25 erfordert im Wesentlichen eine Umverteilung in einem noch nie dagewesenen Umfang und Maßstab. Durch die kollektive Bündelung des Reichtums und der Ressourcen einer Nation sowie deren an menschlichen Bedürfnissen orientierte Umverteilung, auf globaler wie auf nationaler Ebene, ermöglichen die Lösung vieler anderer wichtiger Probleme in viel kürzerer Zeit.

Wenn, zum Beispiel, Art. 25 schon vor vielen Jahrenzehnten in allen Weltregionen umgesetzt worden wäre, hätten sich bestimmte extremistische und terroristische Gruppierungen, wie Al-Qaeda und ISIL, vielleicht niemals formiert. Wäre jede Familie in den armen Ländern schon vor langer Zeit mit den materiellen Grundlagen für Vertrauen und Sicherheit innerhalb ihrer Gesellschaft versorgt worden, dann wäre die dortige Jugend womöglich gar nicht empfänglich für gewalttätige religiöse Ideologien, und sie hätten keinen Grund, gegen den Staat zu kämpfen und die (nicht mehr vollständig korrupte) Regierung zu stürzen. Und wenn schon vor langer Zeit ein Notprogramm in die Wege geleitet worden wäre, um Hunger und extremen Mangel mit Hilfe von massiven Ressourcentransfers, umfangreichen Agrarreformen und einer großangelegten Umstrukturierung des globalen Wirtschaftssystems zu beenden, dann hätten die Regierungen die Vorteile internationaler Kooperation in der Praxis erleben können. Somit hätten sie vielleicht schon vor langer Zeit beginnen können, nach Lösungsansätzen zu den übrigen drohenden Gefahren für die Zukunft der Menschheit zu suchen, welchen nur mit wahrhaftiger Kooperation begegnet werden kann. Diese hätte möglicherweise zu weniger Kriegslüsternheit, zu abgestimmten Bemühungen hinsichtlich der Reduzierung des CO2-Ausstoßes und zur Erholung der Umwelt geführt.

In der Tat, hätten wir die Weltressourcen geteilt und die globale Armut, speziell den Hunger, ausgelöscht, hätte man die heutigen Umweltprobleme vielleicht auf ein Minimum begrenzen können, und die globale Entwicklung hätte einen ganz anderen, nachhaltigeren Kurs eingeschlagen. In vielerlei Hinsicht wurde das traurige Schicksal der Umwelt nach dem Cancun-Gipfel 1981 besiegelt, als sich die versammelten politischen Führer nicht auf Brandts Vorschläge einigen konnten, worin Historiker zukünftig möglicherweise den Wendepunkt für alle weiteren Ereignisse erkennen. Wenn Mutter Erde nur sprechen könnte, hätte sie den versammelten Staatenlenkern möglicherweise gesagt: "Ihr weigert euch also zu kooperieren, und ihr wollt meine Reichtümer nicht teilen, die ich euch im Vertrauen überlasse? Dann macht mich auch nicht für die Konsequenzen eures Handelns verantwortlich!"

Reagan und Thatcher und ihre Cliquen mögen über die Fortschritte des Gipfels gespottet haben, aber jetzt, nachdem sie nicht mehr hier sind, werden wir alle Zeugen der Auswirkungen ihrer Entscheidung, Brandts Aufruf zu ignorieren und stattdessen die Kräfte der Kommerzialisierung zu entfesseln und deren spalterischen Pfad der Teilung, der Gier und des egoistischen Wettbewerbs zu folgen. Zwischenzeitlich hat eine Regierung nach der anderen den Marktkräften in zunehmenden Maße erlaubt, einen ungezügelten Einfluss auf soziale, ökonomische und politische Angelegenheiten zu nehmen; sie alle zusammen sind ihrer Verantwortung, im Sinne des Allgemeinwohls zu regieren, nicht nachgekommen, stattdessen überließen sie ihre Entscheidungsgewalt den Launen der globalen Märkte; sie haben den Vereinten Nationen und deren Gründungsvision im Grunde den Rücken zugedreht, um dafür ihren Machtspielchen im Sicherheitsrat nachzugehen, welcher das internationale Recht ad absurdum führt. Das unvermeidliche Ergebnis dieser drei vereinten Faktoren ist die Beschleunigung der Umweltzerstörung bis zum jetzigen Zeitpunkt, an dem zwei Krisen die Zukunftsperspektiven unserer Rasse bedrohen - sowohl die enorme Ungleichheit als auch der Klimawandel, während wir uns zur Zeit des Cancun-Gipfels hauptsächlich auf erstere hätten konzentrieren können.

Aus einer eigennützigen Perspektive heraus wäre es immer noch sinnvoll gewesen, der Bekämpfung von Armut Priorität einzuräumen, um eine Eskalation der Umweltprobleme zu vermeiden, vorausgesetzt unsere Politiker hatten die langfristige Vision einer nachhaltigen und friedlichen Welt. Zunächst jedoch ist allseits bekannt, dass Armut einen grundlegenden Faktor für das rasche Bevölkerungswachstum der letzten 60 bis 70 Jahre darstellt. Falls diese Entwicklung wie vorhergesagt über das kommende Jahrhundert anhält, wir dies schwerwiegende Folgen für die Umwelt mit sich bringen, nicht zuletzt hinsichtlich des erhöhten Ressourcenverbrauchs in Entwicklungsländern und folglich steigenden CO2-Emissionen. Es stimmt zwar, dass die Bürger der reichen Staaten die Mehrheit der globalen Ressourcen verbrauchen und damit für den größeren Teil der Umweltauswirkungen verantwortlich sind, jedoch lässt sich nicht leugnen, dass eine weitere Bevölkerungsexplosion zu unhaltbaren Belastungen für die Ressourcenbasis und das Ökosystem der Erde führen könnte. Es gibt jedoch genug Belege dafür, dass die Bevölkerungszahlen abnehmen und sich stabilisieren, sobald Familien einen angemessenen Lebensstandard erreichen, was nur durch das Einfühlen in die Psychologie der Ärmsten der Armen wahrhaftig verstanden werden kann. Es gibt einige zutiefst betrübliche Gründe dafür, dass Menschen in Armut oft viele Babys bekommen, hauptsächlich in der Hoffnung, dass einige dieser Kinder - wenn sie nicht früh an Unterernährung oder vermeidbaren Krankheiten sterben - ihre Eltern im Alter unterstützen werden. Diese in Entwicklungsländern tief verwurzelten kulturellen Einstellungen können erst aufgelöst werden, wenn jeder Bürger vollstes Vertrauen darin hat, dass seine Regierung die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse nach Art. 25 zu jeder Zeit garantiert.

Nachdem bereits im zwanzigsten Jahrhundert die weltweiten Bevölkerungszahlen dramatisch angestiegen waren, hätte man von der Regierungen erwarten können, dass sie sich voll und ganz der Verbesserung der diesem Zustand zugrunde liegenden Bedingungen widmen, und dass sie dem Kampf gegen Armut, Krankheit und Unterernährung die größte Aufmerksamkeit zukommen lassen, zusammen mit der nötigen internationalen Unterstützung und der Förderung von Bevölkerungsprogrammen. Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem der wechselseitige Anstieg von Armut und Bevölkerung sehr gefährlich wird, nicht nur wegen der Belastung der globalen Umwelt, sondern auch im Hinblick auf die in dieser Gleichung enthaltene Zeitbombe potenziell verheerender sozialer, wirtschaftlicher und politischer Konflikte. Weit von einem Kurs hin zu einer vernünftigen, langfristigen Schadensbehebung entfernt, fuhren unsere Regierungen fort, dem kurzsichtigen Pfad der Kommerzialisierung zu folgen, welcher, ungeachtet der zukünftigen Risiken für die Menschheit, perversen Gefallen am schnellen Wachstum der Weltbevölkerung findet, solange nur die Gewinne der großen Konzerne wachsen. Hierin liegt die Lösung zum Rätsel des Bevölkerungswachstums, und wir könnten an dieser Stelle nach den wahren Gründen für die weltweite Überbevölkerung fragen, die sich heute in den großen Städten sowohl der Industrienationen als auch der Entwicklungsländer beobachten lässt. Können wir immer noch sagen, dass hier die Armut die eigentliche Ursache ist, oder sind es die Kräfte der Kommerzialisierung, welche diese Entwicklung in den letzten Jahrzehnten durch die Zunahme von sozialen Unsicherheiten, Ungleichheiten und unkontrollierbarer Migration vorantreiben - alles im Namen größerer Unternehmensgewinne und ökonomischen Wachstums?

Diese Art der Fragestellung kann uns helfen zu erkennen, wie die Bevölkerungszahlen innerhalb eines nachhaltigen Rahmens hätten gesteuert werden können, wenn man die Weltressourcen seit der Gründung der Vereinten Nationen geteilt hätte, mit weitreichenden Auswirkungen auf den Zustand der Umwelt. Einerseits würde es keine albtraumhafte Vision von 11 Milliarden oder mehr Menschen auf einem überlasteten und ausgebeuteten Planeten am Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts mehr geben. Diese Prognose ist keinesfalls unumkehrbar und könnte nach wie vor abgewendet werden, zuallererst durch die weltweite Umsetzung von Art. 25 und dies, als dringende internationale Priorität, speziell in den ärmsten Regionen. Andererseits haben wir bereits die Auswirkungen von Art. 25 als eine Herausforderung der Kräfte der Kommerzialisierung diskutiert, was bedeutet, dass das Profitstreben nicht länger ein derart zerstörerischer Faktor innerhalb der Gesellschaft und der Umwelt ist, vor allem angesichts des Eindrucks, dass dieses extreme Profitstreben die Erde und die Menschheit selbst verabscheut. Durch einen weltweiten Prozess des Teilens von Ressourcen, der Umverteilung von Reichtum und der internationalen Kooperation für das unumgängliche Ziel der Umsetzung von Art. 25 ist es sehr wahrscheinlich, dass multinationale Konzerne bald gezwungen wären, auf eine humanere, sozial wohltätige und umweltbewusstere Weise zu tätig zu sein.

Wer wird bestreiten, dass dies zu unser aller Wohl ist, einschließlich der Konzernvorstände, welche sich - aufgrund ihrer treuhänderischen Pflicht gegenüber ihren Anteilseignern - dazu genötigt sehen, die Umwelt unbeabsichtigter Weise direkt oder indirekt zu zerstören? Ist es möglich, dass es außer der sehr zügigen Umsetzung von Art. 25 keine Möglichkeit gibt, diese riesigen Konzerne von ihrem blindwütigen Vorgehen abzuhalten? Die einzige Möglichkeit für diese Unternehmen, ihre übermäßigen Gewinnspannen zu erhalten besteht nämlich darin, die Natur immer weiter zu plündern. Dies sogar gegen besseres Wissen, denn auch die Unternehmen beginnen, die schrecklichen Auswirkungen ihres Handelns auf die Biosphäre zu erkennen. Solange diese kurzsichtigen Marktkräfte der dominierende Einfluss auf das Weltgeschehen sind, wird sich der Zustand der Erde und seiner Umwelt zweifellos bis zur Unbewohnbarkeit verschlechtern, während sogar bescheidene Ansätze zu Verteilung des Gesellschaftswohlstands - wie beispielsweise allgemeine Sozialleistungen - unerschwinglich und schließlich utopisch werden.

Trotzdem erkennen viele der Menschen mit guten Absichten nicht, dass es in der heutigen Welt keine Lösung für die Umweltkrise geben kann, ohne gleichzeitig Hunger und Armut zu bekämpfen. Lassen Sie uns also verstehen, warum der Kampf für die Rechte von Mutter Erde sinnlos ist, wenn wir zur selben Zeit über die Grundrechte einer großen Anzahl verarmter Menschen hinwegsehen. Die einfache Logik kann bereits aus unserer vorausgegangenen Argumentation erahnt werden; es existieren zwei Arten von Umwelt - sowohl die natürliche als auch die menschliche, und beide sind voneinander abhängig. Als Gesamtsumme der natürlichen Umwelt verstehen wir normalerweise Wälder, Land, Ozeane, Atmosphäre etc., wir sollten jedoch auch die Gesundheit der Gesamtsumme der menschlichen Umwelt als Kausalfaktor in Betracht ziehen für all das, was schief läuft in dieser Welt.

Gemäß diesem Verständnis stellen die Millionen bitterarmen Menschen die schlimmstmögliche Katastrophe innerhalb der menschlichen Umwelt dar. Es hat die Auswirkungen anderer Umweltprobleme beeinflusst, nachdem sie beschämenderweise über viele Jahre toleriert wurde. Somit ist den Umweltschützern eine entscheidende Fehleinschätzung unterlaufen, denn falls wir zurück ins Jahr 1950 reisen könnten, um die Gesundheit unserer menschlichen Umwelt wiederherzustellen, indem wir zunächst Art. 25 umsetzen, wäre der Zustand unseres Planeten bei weitem nicht so bedenklich wie er es heute ist. Wohlstand und Ressourcen wären gerechter verteilt, um die Grundbedürfnisse aller Menschen zu erfüllen; rein profitorientierte Interessen wären notwendigerweise an ihren angemessenen Platz verwiesen worden; die Bevölkerungszahlen auf der Südhalbkugel hätten sich möglicherweise stabilisiert und begonnen, wieder zu sinken; eine restrukturierte internationale Wirtschaft hätte vielleicht zu einfacheren, nachhaltigeren und egalitären Lebensweisen in den Industrienationen geführt.

Wir beabsichtigen nicht, den Umweltschützern die Probleme der Welt in die Schuhe zu schieben oder ihre wichtige Arbeit schlechtzureden, sondern wollen gemeinsam nachforschen, weshalb die meisten Leute den kausalen Zusammenhang zwischen Armut und Umweltproblemen nicht erkennen. Ist es möglich, dass man bei auftretender massenhafter Armut auf diesem Planeten sicher sein kann, dass Umweltprobleme auf fast mysteriöse Weise nachziehen? Und ist es möglich, dass sich die weitverbreitete Realität armer Familien in der Realität schlechter Wetterbedingungen widerspiegelt? Denn was hat in dieser Welt des Überflusses zu Armut geführt, wenn nicht das Streben nach Profit und Macht, basierend auf menschlicher Gier, Gleichgültigkeit und Ignoranz - dieselben Faktoren, die multinationale Konzerne dazu bewegt haben, die Erde im Namen von Wirtschaftswachstum und Konsumismus zu plündern. Bei genauer Betrachtung gibt es eine untrennbare Verbindung zwischen der Umwelt- und der Armutskrise, welche in einem Diagramm als ein Dreieck mit den Begriffen "Klimawandel", "Hunger/Armut" und "Bevölkerungswachstum" in den jeweiligen Ecken sowie dem Begriff "Profit/Kommerzialisierung" in der Mitte dargestellt werden könnte. Während der Profit durch ungezügelte Kommerzialisierung steigt, entstehen gleichzeitig Armut und weitere schwere Schäden in der Atmosphäre. Je weiter aber die Armut ansteigt, desto höher steigen die Bevölkerungszahlen - was wiederum die Kräfte der Kommerzialisierung stärkt und diese selbstzerstörerische Entwicklung weiter intensiviert.

Solange also die Menschen dieser Welt nicht die vollständige Umsetzung von Art. 25 durch das Teilen der Weltressourcen fordern, wird das Streben nach Kommerz und Profit weiter unsere natürliche Umwelt zerstören. Und solange die Früchte dieser Erde nicht geteilt werden, solange man überschüssige Nahrungsmittel verrotten lässt, während Millionen Menschen hungern, solange die Menschenfamilie das Leid ihrer ärmsten Mitglieder unbeachtet lässt, wird zwangsläufig ein Ungleichgewicht in den globalen Öko- und Wettersystemen herrschen. Denn man kann die Umweltprobleme nicht anpacken, ohne sich um die Ungerechtigkeit der Armut zu kümmern, um die Ungerechtigkeit menschlicher Ausbeutung, um die Ungerechtigkeit der Raffgier und des Unwillens, die Schätze der Erde, die uns allen gehören, zu teilen. Reicht es daher aus, die Öffentlichkeit auf die Klimakrise aufmerksam zu machen, ohne das Wort "Hunger" oder den Mangel an Bereitschaft zum Teilen überhaupt zu erwähnen? Oder ist genau das die Definition unserer Ignoranz, wenn man bedenkt, dass sich der Zustand der Erde weiter verschlechtert, je angestrengter wir versuchen, die Umweltprobleme zu lösen und gleichzeitig dem weitverbreiteten Mangel unserer Mitmenschen unzureichende Beachtung schenken?

Auf rein moralischer Ebene ist es beklagenswert zu glauben, wir könnten die Umweltprobleme lösen, ohne die weltweite Armut zu beenden, denn es gibt keinen Grund, nicht gleichzeitig die Hungernden und unsere Erde zu retten. Wir sehen heute viele Bewegungen, die sich gegen Klimawandel oder Umweltzerstörung aussprechen, aber wann gibt es schon weltweit koordinierte Aktionen, die ein sofortiges Ende der lebensbedrohlichen Zustände von Hunger und Armut fordern? Und dennoch, wenn wir es schaffen, einen global organisierten Protest gegen einen illegalen Krieg zu organisieren (wie beispielsweise 2003 geschehen), oder Aufmerksamkeit schaffen können für eine von unseren Politikern ignorierte, drohende Umweltkatastrophe, dann können wir sicherlich einen massiven internationalen Protest organisieren, vereint zum Zwecke der Realisierung von Art. 25 - und motiviert durch die Sorge um unsere Mitmenschen – „Was ist mit den Anderen?“

Vielleicht sollten wir uns die Frage stellen, wieso die Klimafrage einen so prominenten Stellenwert hat, während uns die circa 15 Millionen Menschen, die jährlich aufgrund von Ursachen im Zusammenhang mit Hunger sterben, nicht sonderlich berühren. Ist uns die saubere Luft von morgen wichtiger, als den verzweifelten, armen Menschen ihr Stück Brot heute - ungeachtet dessen, dass Hunger die tägliche Realität von Millionen von Menschen war, lange bevor Greenpeace überhaupt gegründet wurde? Uns verbleiben etwa 10 bis 15 Jahre, um einen katastrophalen Klimawandel abzuwenden, aber wie viele Jahre oder gar Tage bleiben einem bettelarmen Kind, das langsam an Unterernährung stirbt? Diese Fragen sollten als persönlicher Protest des Autors aufgefasst werden, der an dieser Stelle auch festhalten möchte, dass er die Antwort darauf nie verstanden hat und auch nie verstehen wird. Die Schande der Armut existiert bereits weitaus länger als unser derzeitiges Problem der Umweltverschmutzung, aber aus irgendeinem Grund wird nur für das Wetter weltweit auf die Straße gegangen. Als hätte die Umwelt ein Erste-Klasse-Ticket zum Konzert des globalen Aktivismus, während die Armen nicht einmal einen Sitzplatz haben. Und die Ärmsten der Armen sind derart konditioniert darauf, ihr Schicksal zu akzeptieren und in stiller Armut zu sterben, dass sie sich nur sehr selten über ihre Misere beschweren oder gar aus Verzweiflung rebellieren.

All das beschert uns eine verstörende Erkenntnis, falls wir der Meinung waren, die reichen Nationen könnten ihre regionale Umwelt wieder in Balance bringen, trotz anhaltender desaströser Wetterlagen in Afrika, Asien und anderen von Armut betroffenen Regionen. Denn würden wir in diesem Fall an die Anderen denken und unsere Regierungen dazu drängen, ihnen zu helfen, oder würden wir weiter unseren abgeschotteten, gleichgültigen und selbstgefälligen Lebensstil verfolgen, der heute die Norm darstellt? Tatsache ist, dass es bei Umweltproblemen in erster Linie um uns selbst, unsere Zukunft und das Leben unserer Kinder geht und in weit geringerem Maße um die Zukunft von bettelarmen Kindern in weit entfernten Ländern. Wir bringen unseren Kindern bei, Respekt vor der Umwelt zu haben und Plastik und Dosen in die gelbe Tonne zu werfen, aber wir haben darin versagt, ihnen Mitgefühl beizubringen gegenüber den Millionen armen Kindern in anderen Ländern, die nicht einmal das Privileg einer nahrhaften Mahlzeit am Tag haben. So sterben im Moment irgendwo auf der Welt mindestens zwei Kinder durch armutsassoziierte Krankheiten für jede Flasche, die ein Kind in reichen Ländern zuhause recycelt.

Natürlich ist es wichtig und löblich, auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen, denn unser Planet ist in einem verwahrlosten Zustand und die Menschheit hat darauf bislang kaum angemessen reagiert. Aber vielleicht sollten wir noch einmal innehalten und uns fragen: Besorgt mich der Klimawandel mehr als der weltweite Hunger, weil ich von anderen beeinflusst wurde und weil es in Mode ist? Wie oft habe ich in der vergangenen Woche meinen Hausmüll recycelt, und wie oft habe ich einen Gedanken verloren an die Hunderttausende von Menschen, die im selben Zeitraum unnötig an Hunger gestorben sind? Hätte man mit irgendeinem dieser verarmten Leute vor ihrem Tod über die Umwelt gesprochen, kann man sicher sein, dass ihre Antwort gelautet hätte: "Ich kann mich nicht um den Wald oder die CO2-Emissionen kümmern, ich will nur ein wenig Essen, sauberes Wasser, Gesundheitsversorgung und ein Dach über dem Kopf!"

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: es ist sicherlich richtig, andere über den Umweltnotstand aufzuklären, aber wir müssen uns fragen, was für ein Aufklärung das sein kann in einer gespaltenen, geplagten und moralisch verdorbenen Welt. Können wir ein besseres Leben erwarten, wenn die Agenda jeder Mainstream-Partei immer mehr von Kommerzialisierung bestimmt wird, wenn die ungerechte Weltwirtschaft Not und Verzweiflung für tausende Familien erzeugt, wenn internationale Spannungen eine Welle der Angst und der Depression auslösen, wenn jeden Tag tausende Menschen an Hunger sterben, fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit? Wieso wollen wir überhaupt, dass sich die Umwelt regeneriert, wenn die Welt diesen ungerechten Gang fortführt? Wir haben nicht einmal verlässliche Studien darüber, wie viele Menschen hungern oder in absoluter Armut still leiden, obwohl wir über einen endlosen Strom an Daten über Treibhausgase und Wetterveränderungen haben, die die reichen Nationen betreffen könnten. Das ist vielleicht keine Überraschung angesichts der Tatsache, dass jede Diskussion über die Umwelt als zivilisiert angesehen wird, während in kaum einer Plauderei über die Tragödie derjenigen gesprochen wird, die in den dunkelsten Ecken der Welt nach wie vor an Armut sterben.

Trotzdem ist es selbst heute, inmitten des Klimachaos und der Finanzkrise immer noch möglich, dass die Nationen ihre Kräfte bündeln in ihren Anstrengungen, die Hungernden zu versorgen, die Kranken zu pflegen, die Enteigneten zu schützen und gleichzeitig die Umwelt wieder instand zu setzen, um einen unkontrollierbaren Klimawandel zu verhindern. Dies zu erreichen war schon immer möglich, bereits seit diese Probleme überhaupt auftraten. Um dieses ambitionierte Ziel jedoch heute zu erreichen, müssen die richtigen Politiker ins Amt gewählt werden und von allen Menschen unterstützt werden - und hier ist die Wurzel des Problems zu finden, als Ergebnis unserer Apathie und Selbstgefälligkeit.

Betrachtet man die Welt aus einer ganzheitlichen und spirituellen Perspektive, kann man sagen, dass die Umweltproblematik das Ergebnis einer menschlichen Intelligenz ist, die durch das kollektive Profitstreben, durch Reichtum und Macht vom Weg abgekommen ist, was schlussendlich zu einer allgemeinen Gleichgültigkeit gegenüber unserer gemeinsamen Umwelt geführt hat. Dieser Behauptung mag möglicherweise nicht jeder gleich zustimmen, deshalb sollten wir darüber nachdenken, wie wir uns hinsichtlich der Umwelt selbst eine Falle gestellt haben, da wir an dieser entscheidenden Thematik eine Mitschuld tragen. Die Falle ist, dass wir glauben, es bliebe "nur noch wenig Zeit, um den Planeten zu retten", während wir selbst zu dem Prozess beitragen, der die Zerstörung der Umwelt beschleunigt. Aufgrund unseres mageren Bildungssystems und unserem konsequenten Mangel an Selbsterkenntnis kennen wir weder uns selbst noch unsere Aufgabe im Leben, und so werden wir leicht beeinflusst von unserem Wunsch, durch die Identifikation mit dem Materialismus auf eine engstirnige und egozentrische Weise "glücklich" zu werden. Die Kräfte der Kommerzialisierung sind bestens versiert darin, unsere Ignoranz und Konformität dazu auszunutzen, möglichst viel Geld zu verdienen, wie es am abstoßendsten zu den Zeiten des Konsumrauschs an Weihnachten oder dem Black Friday zu beobachten ist. Durch unser psychologisches Bedürfnis nach Sicherheit und Glückseligkeit sind wir alle sehr empfänglich gegenüber der Konditionierung unserer Gesellschaft, die uns zwingt, besser als der andere zu sein und uns anderweitig indoktriniert, nach einem Luxusleben in protzigen Häusern zu streben, verschwenderisch zu konsumieren und uns teure Urlaube zu leisten.

Können wir jetzt nachvollziehen, wie sich dies alles zu einem globalen Bild zusammenfügt, das charakterisiert wird durch Millionen von Geschäftsverträgen und profitorientierten Aktivitäten auf der ganzen Welt, in Verbindung mit einer auf aggressiven Wettbewerb um knappe Ressourcen ausgelegten Außenpolitik - die im Großen und Ganzen einen dauerhaften und verheerenden Einfluss auf die Umwelt hat? Den Menschen wird beigebracht, nach Erfolg und Status zu streben, was zu einer egoistischen Einstellung und einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber anderen führt, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Ausdruck findet. Dieser gesammelte Egoismus ist der ganze Stolz der multinationalen Konzerne und führt zu massenhaft übersteigertem Konsum und zum Verfall der natürlichen Umwelt. In letzter Konsequenz sind weder die Regierungen noch die Konzerne die treibende Kraft hinter der Abholzung des Regenwalds, dem Abbau von wertvollen Mineralien, der unaufhörlichen Suche nach Erdöl und dergleichen. Es sind vielmehr die Menschen eines jeden Landes, welche zu jenem verbrauchsintensiven, zerstörerischen Lebensstil erzogen wurden, ungeachtet dessen Auswirkungen auf die Menschen in anderen Regionen der Erde. Wie an anderer Stelle bereits bemerkt, wurde die materialistische und selbstsüchtige Vorstellung des amerikanischen Traums in fast jedes Land der Welt exportiert, was eine Form der sozialen Konditionierung darstellt, die gleichbedeutend ist sowohl mit der Kommerzialisierung als auch mit der Zerstörung der Umwelt.[10] Betrachtet man dieses komplexe Durcheinander, für dessen Fortbestehen wir alle mehr oder weniger verantwortlich sind, erscheint die Frage nach der Schuldfähigkeit des Menschen als Verursacher der Klimaerwärmung fehlgeleitet; wir könnten genauso gut fragen: Was spielt das überhaupt für eine Rolle?

Wenn wir darüber nachdenken, wie wir an der Entwicklung der heutigen Klimakrise beteiligt sind, realisieren wir vielleicht auch, dass eine tiefere Ursache des Problems darin liegt, wie wir zusammenleben und innerhalb der Gesellschaft interagieren. Denn wir werden in eine Welt geboren, deren Menschen es an Freude fehlt, die stark konditioniert und unkreativ sind, die psychologisch getrennt sind in ihren Beziehungen untereinander - was alles ein ernsthaftes Ungleichgewicht innerhalb der Umwelt und der Atmosphäre bewirkt. Somit ist das vorherrschende Streben nach Reichtum und Erfolg inmitten von Armut und Elend ein Grund für die Störungen, die unter den Elementen der Natur wahrgenommen werden. Dies ist zwar eine esoterische, aber dennoch wichtige Sichtweise, wenn wir verstehen wollen, wieso die globalen Ökosysteme sich nicht regenerieren können, ohne gleichzeitig unsere sozialen Probleme in all ihren Dimensionen zu lösen. In anderen Worten: Es sind nicht nur die Taten des Menschen, welche die Umwelt beeinflussen, sondern auch seine Gedanken und Gefühle, denn es gibt eine verworrene Beziehung zwischen den Gedanken des Menschen und der Natur. Betritt man beispielsweise das Zimmer eines depressiven Menschen oder eines Drogensüchtigen und wird davon unterschwellig oder emotional beeinflusst, kann man sich vermutlich vorstellen, dass die gesammelten negativen Gedanken und Emotionen aller Menschen einen schädlichen Effekt auf die Natur und das Wetter haben.

Und was ist momentan der vorherrschende Tenor der menschlichen Gedanken? Was außer der Vergötterung des Profits, der Macht und des Reichtums, vermischt mit der Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohlergehen anderer. Gier bedeutet per se Ungleichgewicht, und wenn wir all die Gier, Selbstsüchtigkeit und Gleichgültigkeit hochrechnen, die in den Menschen ihren Ausdruck findet, dann lässt sich erahnen, welchen Einfluss dies auf das Leben um uns haben muss, inklusive des Wetters, des Meeresspiegels und des Verhaltens von Pflanzen und Tieren. Nicht nur die irdischen Aktivitäten von multinationalen Konzernen verursachen also Umweltzerstörung, sondern auch der bloße Gedanke und die Absicht der Lobbyarbeit oder eines bösartigen Deals tragen zu den unterschiedlichen Störungen sowohl in der Gesellschaft als auch in der Natur bei. Genauso ist eine Regierung, die Waffen an andere Länder liefert, nicht nur für Krieg und Tod in fernen Regionen verantwortlich, sondern auch für die Verbreitung von Angst und Depression im Bewusstsein der Leute auf der ganzen Welt - was sich schlussendlich in Störungen der Atmosphäre und des Ökosystems eines Planeten niederschlägt.
Selbst die an die Apartheid erinnernden Mauern um die West Bank und Gaza haben einen ungemein negativen Effekt auf die Elemente der Natur und wurzeln in der psychologischen Depression, der Qual und dem Hass, die in unserer gespaltenen Welt wüten. Falls es einen göttlichen Evolutionsplan für die Menschheit gibt, so repräsentiert eine solche Mauer das genaue Gegenteil davon und sollte als eines der hässlichsten Monumente des späten zwanzigsten Jahrhunderts angesehen werden. Denn der Mensch ist Leben und alle Atome im Universum sind untrennbar miteinander verbunden. Dieses grundlegende Postulat hat tiefgreifende Auswirkungen für gesellschaftliche Arrangements und menschliche Beziehungen, sobald wir seine Gültigkeit vollständig akzeptiert und verstanden haben.

Bis dahin sind wir alle auf eine Weise schuld an der Fortdauer sowohl der Gesellschafts- als auch der Umweltkrise und unsere einzige echte Gemeinsamkeit ist die Unwissenheit oder Gleichgültigkeit gegenüber der Verbindung zwischen diesen beiden zusammenhängenden Problemen. Genau wie die transnationale Gesamtheit der Konzerne gleichgültig ist gegenüber der von ihr verursachten Umweltzerstörung, so sind auch wir kollektiv gleichgültig gegenüber den Millionen Menschen, deren Leben aufgrund von Hunger oder Armut in Gefahr ist. Wenn ein großes Unternehmen um ihrer Profits willen die Natur aufs Spiel setzt, so setzen wir faktisch das Leben unserer ärmsten Mitmenschen für unser eigenes Glück und unsere eigene Bequemlichkeit aufs Spiel. Folglich sind wir alle gleich hinsichtlich unserer Selbstbezogenheit, Blindheit, Arroganz, Ignoranz und Gleichgültigkeit. Dennoch haben wir das Problem der von Menschen verursachten Armut so lange ignoriert, bis diese jetzt in Form von sozialen Unruhen und Umweltkatastrophen auf uns zurückfällt - denn alles, was auf dieser Erde passiert, ist spirituell miteinander verbunden.

Ist Ihnen aufgefallen, wie sich das Wetter über die letzten Jahrzehnte verschlechtert hat, seit die Kommerzialisierung in unser Leben getreten ist und die Menschheit angefangen hat, Ressourcen blinder als jemals zuvor zu verbrauchen? Ist Ihnen aufgefallen, wie die Straßen immer voller werden, wie Obdachlosigkeit und Armut mit jedem Tag zunehmen, wie wir immer verwirrter und erschöpfter werden durch all das Leid, den Schmerz und die moralische Verdorbenheit unserer Welt? Und ist Ihnen aufgefallen, wie sich dieses von uns aufrecht erhaltene dysfunktionale System zu einem cleveren, sich selbst reproduzierendem Mechanismus entwickelt hat, das uns in seinem entzweienden Prozess gefangen hält, auch wenn wir nicht mehr Teil davon sein wollen? Dann seien Sie sich bewusst, dass der Klimawandel ein Abbild der offen sichtbaren Unordnung in unserer heutigen dysfunktionalen Gesellschaft ist, geboren aus dem Kummer, der Ungerechtigkeit, der Gier, der Ungleichheit und vor allem der Gleichgültigkeit auf diesem Planeten. Kehren Sie all das um und Sie werden eine wohlbehaltene Umwelt haben, solange Sie leben und darüber hinaus. Denn Gleichgültigkeit gegenüber Hunger und Armut bedeutet, sich die gottgegebenen Momente der Freiheit vorzuenthalten, in denen man in friedlicher innerer Stille zum tiefblauen Himmel hinaufblickt, in denen das Klima seinen Gang noch immer entlang der vier Jahreszeiten geht und in denen das Meer in seiner Liebe keinen der Flüsse abweist, die in seinen Schoß strömen. 

*

Wenn wir erkennen, dass die Hauptursachen der Umweltkrise in unserem Bewusstsein und in unseren Beziehungen untereinander zu finden sind, könnten wir daraus einfach schließen, dass alle Probleme der Menschheit das Ergebnis fehlender Weitsicht und Liebe sind. Es sind nicht nur unsere Regierungen, die ihren eigenen Leuten nicht zuhören, sondern auch wir hören nicht auf die Stimme unserer eigenen Herzen. Dies ist die schlimmste Form der Verschmutzung, welche die Zukunft unseres Planeten bedroht - mehr noch als CO2-Emissionen in der Atmosphäre, denn sie verschmutzt die Qualitäten unserer Herzen und macht uns blind für Vernunft und gesunden Menschenverstand. Wir wissen, dass reiche Eliten arme Menschen immer als eine Art "sozialer Verschmutzung" angesehen haben, die am besten mit der Auslöschung der Armen selbst bekämpft wird, statt mit der Beseitigung der Bedingungen, die deren Mangel verursachen. Aber auch wir ignorieren die Qualitäten unserer Herzen, solange wir diesen vollkommen unnötigen Zustand akzeptieren, in dem Millionen Menschen durch menschengemachte Ursachen in einer Welt des Überflusses an Armut sterben.

Haben wir überhaupt irgendein Mitgefühl mit der Gedankenwelt einer Person, die seit vielen Jahren in erbärmlicher Armut lebt? So arm zu sein, dass man eine Vielzahl von Kindern zeugt, ohne sich angemessen um sie kümmern zu können und wissend, dass viele davon sterben werden, bevor sie die Möglichkeit hatten, zu leben, das heißt sie wurden von Ihrer Gemeinde im Stich gelassen, von der Gesellschaft vergessen und effektive von der Menschheit selbst aufgegeben. Solch eine Person durchdringt ein heftiges Gefühl des Verlustes, ein schreckliches Gefühl der Einsamkeit, das nur die hoffnungslos Armen erfahren - ein Gefühl vollkommenen unerwünscht zu sein, innerlich wertlos und betrogen von Gott. Das ist die schädliche Wirkung der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Leid der Ärmsten auf die Gesellschaft, denn, wenn man hoffnungslos unterprivilegiert ist, in absoluter Armut und Elend lebt, fühlt man sich wie ein Mensch ohne Seele. Man kann keinen Sinn im Leben erkennen. Weder liebt, noch hasst man sich. Die einzige wahrnehmbare Emotion ist die des eigenen Herzens, das nach Hilfe schreit, die niemals kommt.

Dies ist die tägliche psychologische Realität für Millionen von Menschen in den ärmsten Dörfern und Slums in vielen unterentwickelten Regionen auf der ganzen Welt. Wir mögen selbst gütig und wohltätig sein, voller Wohlwollen und rechtschaffener Absichten, aber, wenn wir niemals diese Art der Armut erfahren haben, dann haben wir keine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, kein Essen für die nächsten zwei Wochen zu haben, ohne Hoffnung auf Unterstützung durch den Staat oder die Gesellschaft. Die Auswirkungen unserer Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit sind weitaus ernster als wir uns vorstellen können, während wir deren Bedeutung innerhalb unserer kulturellen Haltung und sozialen Ethik erst noch begreifen müssen. Wenn wir uns von denjenigen Menschen abwenden, die unnötigerweise hungern und leiden, bedeutet das, dass wir die Unantastbarkeit des göttlichen Auftrags ihrer Seelen leugnen und ihnen das gottgegebene Recht auf Evolution entziehen - was das größte der Verbrechen ist, derer wir uns alle schuldig machen.

Der Leser sollte an dieser Stelle über das Gesagte nachdenken und dies anschließend mit den Aussagen von Art. 25 in Verbindung bringen, um schließlich für sich selbst intuitiv erahnen zu können, was jetzt in unseren Diskussionen, unseren Protesten und unserer Kommunikation getan werden sollte. Jeder Mensch kann unabhängig von seiner Herkunft teilnehmen an diesem großen zivilisatorischem Unterfangen, die uralte Ungerechtigkeit von Hunger und Armut zu bekämpfen, ob durch wirtschaftliche, politische, soziale, künstlerische oder gar wissenschaftliche Mittel. Die wichtigste Rolle in unseren Gedanken und Aktivismus, sollten dabei nicht nur die uns betreffenden Umweltprobleme einnehmen, aber auch das Bewusstsein über die Zusammenhänge zwischen den globalen Umwelt- und Armutskrisen. Dies wird uns helfen zu erkennen, dass das Teilen der Weltressourcen die Lösung zu den Problemen der Menschheit auf allen Ebenen ist. Es macht einen großen Unterschied, ob man auf die Straße geht und gegen den Klimawandel demonstriert, oder ob man die Regierungen dazu auffordert, den Armen Nahrung und Schutz zu geben, denn Letzteres beschreibt den Beginn einer Transformation unserer bewussten Wahrnehmung, die auf Mitgefühl für diejenigen basiert, denen es schlechter geht als uns selbst. Es bedeutet, in tief empfundener, mitfühlender Sorge an die Anderen zu denken und für eine Zeit sein eigenes Leben und seine eigenen Sorgen zu vergessen. Es bedeutet, die ganzheitliche Verbundenheit aller weltweiten Probleme zu erahnen, und aus diesem Verständnis heraus sollten wir wenn möglich an jeder Demonstration für soziale Gerechtigkeit und für die globale Umwelt teilnehmen. Schlussendlich bedeutet es, zu wissen, dass die Menschheit eins und Gerechtigkeit unteilbar ist und damit anzuerkennen, dass Hunger ungerecht ist aufgrund seiner Auswirkungen auf die ganze Welt - sichtbar am Wetterchaos und einem schwer angeschlagenen Planeten.

Dies für uns selbst zu verstehen bedeutet auch, unserer Verantwortung gerecht zu werden, als Botschafter für die Menschheit zu sprechen und zu handeln, vorausgesetzt, dass wir bereits mit gutem Willen, gesundem Menschenverstand und der wachsenden Erkenntnis wahrer menschlicher Beziehungen ausgestattet sind. Nur unser Herz kann die Wichtigkeit dieser unzureichenden Begriffe richtig erklären, da unser fehlgeleiteter menschlicher Verstand die einfache Bedeutung dieser Worte für Jahrtausende verschleiert hat. Es reicht nicht, unseren Kindern beispielsweise die Bedeutung von Recycling im Haushalt beizubringen, wenn wir ihnen nicht gleichzeitig die Wichtigkeit weltweiten Teilens und zwischenstaatlicher Zusammenarbeit erklären. Andernfalls begrenzen wir ihre bewusste Wahrnehmung auf die Recyclingtonne, was nichts zur Rettung des Planeten beiträgt, wenn wir ihnen nicht auch den Ursprung der Umweltprobleme aufzeigen, so als wäre diese Tonne die mit allen globalen Krisen verbundene Büchse der Pandora. Dies bedeutet auch, dass sich die Eltern darüber informieren müssen, was die Kommerzialisierung mit der Umwelt anstellt und was ihre Regierung in der Welt anrichtet, so dass sie ihren Kindern mit gutem Beispiel als Botschafter der Menschlichkeit vorangehen können.

Im Zentrum unserer Bildungsprogramme sollte deswegen heute die Einsicht stehen, dass Art. 25 in jedem Land umgesetzt werden muss, was nicht nur die universellen Rechte auf Nahrung, Gesundheitsvorsorge, Obdach und soziale Sicherheit mit einschließt. Wir sollten unser Verständnis nicht auf diese wenigen Sätze beschränken die Art. 25 definieren, sondern stattdessen intuitiv zwischen den Zeilen lesen, denn die Forderung von Art. 25 durch endlose Demonstrationen, schließt auch ein neues Bewusstsein unserer moralischen Verantwortung und Vision für die vereinigte Welt mit ein. Was gerade durch weltweite Demonstrationen sichtbar wird, ist eigentlich stellvertretend für die wachsende Erkenntnis, dass die Menschheit eins ist, und steht für den Beginn eines Weltbewusstseins und der baldigen Zurückweisung unserer lange entzweiten Vergangenheit. So betrachtet ist der Klimawandel ein guter Lehrer, wenn es darum geht, die Menschen dieser Welt für eine globale Sache zu vereinen, damit wir uns endlich der Bedeutung unserer spirituellen Einheit und Verbundenheit bewusstwerden. Aber die Tatsache, dass es noch immer keine weltweiten Demonstrationen gegen Hunger und Armut gibt, bedeutet auch, dass wir uns noch immer in die falsche Richtung bewegen und die Mehrheit erst realisieren muss, dass das Teilen der Weltressourcen der einzige Weg ist, die Umweltzerstörung umzukehren, ein einfacheres Leben zu beginnen und eine nachhaltige Wirtschaft auf dem Wohl aller basierend aufzubauen.

 


Teil IV: Das Herz einbringen

Wir haben jetzt einige Gründe untersucht, weshalb die Umsetzung von Art. 25 von größter Bedeutung für die kommenden ausschlaggebenden Jahre ist und wieso die Verantwortung für die Transformation der Welt bei der vereinten Stimme engagierter Bürger liegt. Angesichts des Ausmaßes der heutigen Armuts-, Umwelt- und Sicherheitskrisen wäre es naiv und töricht, zu glauben, dass unsere Regierungen plötzlich die Realität anerkennen und die Welt auf einen stabileren Kurs steuern werden. Trotz unbezahlbarer Staatsschulden und ausufernder Armut werden nach wie vor Milliarden von Dollar in sinnlose Kriege und zerstörerische geopolitische Spielchen gesteckt, während die meisten Staatenlenker die verbliebenen öffentlichen Güter immer weiter kommerzialisieren.

Selbst nach einer globalen Finanzkrise, in deren Folge die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen wurde und private Banken vom Staat gerettet werden mussten, wurde die Lektion der internationalen Solidarität gegenüber dem gemeinsamen Ziel der sozialen und globalen Erneuerung noch immer nicht gelernt. Jede Nation hat der anderen wieder den Rücken zugekehrt und einen Mangel an echter Besorgnis über das Leiden der Welt offenbart, statt sich endlich gegenseitig zu helfen und im Geiste wahrer Kooperation und wirtschaftlichen Teilens zusammenzuarbeiten. Wir können eine Analogie herstellen aus dem, was die israelische Regierung dem palästinensischen Volk antut, und die Unterdrückung ihrer Nachbarn vergleichen mit der Unterwerfung der ganzen Welt durch die brutale Außenpolitik der mächtigen Nationen, zusammen mit den multinationalen Konzernen und ihrer profitgetriebenen Tyrannei. Wann werden sie ihre Augen öffnen für das Leid, das sie über wehrlose Völker und unterentwickelte Nationen bringen, und wann werden sie den einfachen Grundsatz befolgen, ihre armen Brüder mit Anstand, Freundlichkeit und Liebe zu behandeln?  

Leider wäre es illusionär, zu glauben, dass die eigennützigen Interessengruppen plötzlich ihre Sache aufgeben und damit aufhören werden, die globalen Ressourcen zu ihrem eigenen Wohl zusammenzuraffen, genauso wie es leichtgläubig wäre, anzunehmen, dass die israelische Regierung ihre Aggression beenden wird, die sie bisher unter dem heuchlerischen Begriff "Friedensprozess" fortführt. Es gibt nur zwei Hoffnungen, wie wir diese schon lange andauernde, sich immer weiter verschlechternde und scheinbar ausweglose Situation beenden können - entweder die sehnsüchtige und passive Bitte nach einem göttlichen Eingreifen oder ein gemeinsames Erwachen von Menschen, die sich zu Millionen versammeln und sagen: SCHLUSS DAMIT UND NIE MEHR WIEDER!

Ungeachtet der ersten Möglichkeit gibt es einige zu erfüllende Vorbedingungen, wenn die Stimme der vereinten Menschen jemals zu einer Stärke und Größe wachsen soll, die ausreicht, um Regierungsentscheidungen zu beeinflussen und die gegenwärtig desaströse Richtung des Weltgeschehens zu ändern. Zuallererst ist es notwendig, zu wiederholen, dass es einer ständigen Präsenz vieler Millionen demonstrierender Menschen bedarf, die lautstark für die Menschenrechte aus Art. 25 Partei ergreifen und ohne Einschränkung Tag und Nacht vernehmbar bleiben. Ebenso geht man bei ernsten Beschwerden nicht nur für einen Tag ins Krankenhaus, sondern für so lange, bis der Prozess der Heilung abgeschlossen ist. Dementsprechend befindet sich der Körper der Menschheit in einer derart ernsten Lage, dass Heilung nur möglich ist, wenn sich unzählige Menschen in friedlichem Protest für eine Umkehr der politischen Prioritäten versammeln, als hinge die Zukunft der Welt davon ab - was sie buchstäblich auch tut. Wenn die Zeit gekommen ist und alle Menschen in jedem Land und auf jedem Kontinent denselben Zweck verfolgen, dann können wir uns vielleicht wirklich vorstellen, dass sich Millionen von Menschen in jeder größeren Stadt versammeln, Tag für Tag, Woche für Woche und in immer größerer Zahl.

In diesem Zusammenhang muss man die Occupy-Aktivisten bewundern, die vermutlich immer noch auf zentralen Plätzen campen würden, wenn die Polizei sie nicht gewaltsam vertrieben hätte. Dies war nur möglich, weil diese tapferen Protestierenden bisher nur einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachen. So war es für die Obrigkeit einfach, ihre Hoffnungen und Ziele auszulöschen und letztlich eine einsame Gruppe frustrierter Menschen zurückzulassen, die wacker versucht hat, den Job all ihrer Mitmenschen zu erledigen. Aber was wird die Regierung tun, wenn sich die große Mehrheit der Bevölkerung diesen unaufhörlichen Protesten für die Umsetzung von Art. 25 anschließt und sich immer wieder in derart großer Zahl zusammenfindet, dass es der Polizei nicht möglich ist, sie zu unterdrücken oder einzudämmen? Ohne Frage stehen die neuen Protestbewegungen bei jeder Demonstration unter genauer Beobachtung der Politiker, der Polizei und der reichen Eliten, die sich immer wieder selbst versichern: "Sie werden sich beruhigen und früher oder später nach Hause gehen, so wie sie es beim letzten Mal getan haben, und dann wird alles wieder seinen gewohnten Gang gehen". Wir müssen also einen Zustand erreichen, in dem sich  Menschen jeder sozialen Schicht diesen gewaltfreien Protesten anschließen, Familien, die noch nie in ihrem Leben demonstriert haben genauso wie Lehrer und Schüler, bis sich dann vielleicht sogar die Polizei an die Regierung wendet und sagt: "Wir sind nicht auf eurer Seite, wir sind auf der Seite des Volkes!"

Wir sollten uns im Klaren darüber sein, was wir von unserer jeweiligen Regierung fordern müssen, was viel mehr ist als die Anhebung des Mindestlohns oder die Aufstockung von Entwicklungshilfe. Das ständige Gerangel um einen lächerlichen "Mindest-"Lohn spiegelt eine lange und dunkle Geschichte der menschlichen Ausbeutung, des unternehmerischen Diebstahls und der Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit wider und hat mit Art. 25 im weitesten Sinne nichts zu tun und diese Thematik muss in ein weit umfassenderes Regelwerk eingebettet werden, das jedem das Recht auf einen fairen und angemessenen Lebensstandard garantiert. Wie können wir heute in unserer Gesellschaft mit ihrem so ungleich verteilten Reichtum leben und gleichzeitig nur den minimalsten Lebensstandard für die ums Überleben kämpfende arme Mehrheit fordern? Wenn wir, wie vorgeschlagen, zwischen den Zeilen lesen, dann stellt Art. 25 in Wirklichkeit das Ende der alten Wege des Egoismus, der Gier und des Diebstahls und den Beginn des gesunden Menschenverstandes dar, sowie den Anfang eines neuen Weges des guten Willens, des Teilens, der Gerechtigkeit und damit der richtigen menschlichen Beziehungen. Das bedeutet, dass kein gewählter Politiker im Amt bleiben kann, ohne der Entschlossenheit seines Volkes zu entsprechen, alle Arten der Armut sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene zu beenden, und das nicht in ideologischer Hinsicht, sondern aufgrund von grundsätzlicher Moral und Würde. Wie wir bereits kurz dargelegt haben, wird Art. 25, sobald die darin festgelegten Menschenrechte von allen Regierungen garantiert werden, ein Mittel bieten gegen den Würgegriff der Kommerzialisierung, gegen die schamlosen Plünderungen und Zerstörungen der multinationalen Konzerne und gegen den Irrsinn einer auf Aggression und Machtgewinn gerichteten Außenpolitik. Wenn wir uns die materialistischen Kräfte der Kommerzialisierung personifiziert vorstellen könnten, würden sie sich inmitten der weltweit den Art. 25 fordernden Menschenmassen am Kopf kratzen und sich leise zuflüstern: "Jetzt haben wir wirklich ein Problem".

Somit wäre es der Weg des geringsten Widerstands, Art. 25 als wichtigstes Anliegen aller Menschen zu vertreten. Dies würde rasch zu vielen positiven Ergebnissen sowie neuen Regelungen auf sozialer Ebene führen, die sich momentan noch nicht absehen lassen. In seinen einfachen Geboten für alle Menschen sind sämtliche Forderungen progressiver Aktivisten enthalten, auch hinsichtlich des Umweltschutzes, wie wir im vorangegangenen Kapitel ausführlich dargelegt haben. Heutzutage sollte man nicht mehr lange Listen mit Forderungen aufstellen, denen die Regierungen zustimmen müssen. Dies ist nicht der Weg um die Welt neu zu gestalten. Solche Forderungen würden zu unzähligen Revolutionen führen, wenn man versuchen würde, sie im unbeständigen Kontext unserer polarisierten Gesellschaften gewaltsam durchzusetzen. Viele junge Aktivisten machen die Dinge mit ihren politischen und ökonomischen Manifesten nur komplizierter. Es ist fast, als würden sie versuchen, "das System" und seine verworrenen Prozesse zu imitieren, anstatt dessen Macht durch Massen an Menschen zu brechen, die weltweit für ihre gemeinsame Sache eintreten. Wir sollten nicht vergessen, dass das System uralt und in seiner entzweienden Komplexität bösartig ist. Es existierte schon bevor wir geboren wurden, weshalb der Versuch, mit seinen Vertretern zu deren Bedingungen zu verhandeln, zwecklos ist und zu keinem Ergebnis führt. Genau wie ein Politiker mit guten Absichten, der versucht, die Regierung von innen heraus zu reformieren, anfällig ist, selbst von ihr verändert zu werden, merkt ein einsamer Aktivist vielleicht, dass das System letztendlich ihn geändert hat statt umgekehrt.

Lassen sie uns also den Weg des geringsten Widerstands wählen und gemeinsam für Art. 25 eintreten, in dem Wissen, dass dies unsere Regierungen am ehesten dazu bewegt, Ressourcen umzuverteilen und die Weltwirtschaft umzustrukturieren. Eine solche Forderung kann auf unsere eigene kreative Weise ausgedrückt werden, da wir sicher wissen, dass die Antworten auf all unsere Fragen in seiner Weisheit zu finden sind. Dann stellen wir vielleicht fest, dass viele unserer Forderungen bereits in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vertreten sind, auch in den wohlhabenden  Ländern, wo der Ruf nach Teilen jetzt beginnt Form anzunehmen - beispielsweise durch Initiativen für bezahlbaren Wohnraum, für die staatliche Kontrolle von Strom, Wasser und Verkehr, für eine kostenlose Bereitstellung von Gesundheitsversorgung und höheren Bildungsstandart oder innerhalb der Gesellschaft für eine gerechtere Umverteilung durch faire Steuern. Zweifellos muss das Prinzip des Teilens in jeder Nation entlang dieser vorgezeichneten Wege institutionalisiert werden, logischerweise mit Hilfe von engagierten Bürgern, die diese Thematik in ihren jeweiligen Ländern vorantreiben. Wir müssen uns jedoch im Klaren darüber sein, dass unsere Probleme schlussendlich identisch mit denen anderer Nationen sind, denn diese Erkenntnis wird uns zusammenbringen und uns zu einer unerbittlichen (und doch friedvollen) weltweiten Macht erwachsen lassen.

Dies ist die Grundlage für die Umsetzung von Art. 25, denn dafür sollte nicht nur in einem einzigen Land demonstriert werden, sondern immer in vielen Ländern zur selben Zeit. Wie bereits mit Blick auf die Problematiken des ökonomischen Wachstums und des sozialen Wohlstands dargelegt wurde, sind wir nun an einem Punkt angelangt, an dem weltweite Gruppenarbeit nötig ist, um die Probleme der Menschheit zu lösen, die in ihrem Ausmaß offensichtlich global sind und daher nicht auf rein nationaler oder einseitiger Basis angegangen werden können. Daher liegt die Verantwortung bei den engagierten Bürgern, zuerst die Bedeutung des Art. 25 vollständig zu erfassen und sich dann aus dieser Erkenntnis heraus im jeweiligen Land zu mobilisieren und andere Nationen dazu aufzurufen, dem Beispiel zu folgen. In dem Bewusstsein, dass unser aller Ziel die Einführung von Art. 25 als oberstes Gesetz eines jeden Landes ist, bedeutet dies, dass wir den Vereinten Nationen die zur Durchsetzung dieser Gesetze nötige Verfügungsgewalt geben wollen, ungeachtet der spezifischen Ausformulierung dieser Statuten. Wir haben festgehalten, dass die jetzige Situation in den meisten Ländern offensichtlich eine gegenteilige ist, da dort die Regierungen weiter ihre schädliche Politik fortführen können, welche die soziale Sicherheit gefährdet und die Grundbedürfnisse vieler Menschen missachtet. Wenn aber Art. 25 als geltendes und unverletzliches Recht für jedes Land eingeführt würde, müsste die Polizei möglicherweise die Politiker verhaften, anstatt die friedlichen Proteste der Menschen zu beschneiden - von denen die meisten ihre grundlegenden Menschenrechte verteidigen, die schon längst von den Vereinten Nationen beschützt werden sollten.

Aus dieser Feststellung heraus sollten wir erkennen, dass es nicht die richtige Strategie zur Veränderung der Welt wäre, sich allein auf die nationalen Regierungen zu verlassen, die, wie wir wissen, größtenteils unfähig sind, das Wohlergehen all ihrer Bürger zu gewährleisten. Wir sollten stattdessen zur selben Zeit die Vereinten Nationen auffordern, wahrhaft alle Menschen zu repräsentieren. Diese Forderung muss dabei auf internationaler Ebene formuliert werden, wenn sie wirklich effektiv sein soll. Schließlich kann ein Staat, der von einem anderen unterdrückt wird, vor den Internationalen Gerichtshof ziehen, aber wo findet man eine solche Vertretung für die weltweit ärmsten Menschen und Familien? Wenig überraschend gibt es keine Institution, an die sie sich wenden können, um ihrer Ansprüche gegenüber der Ungerechtigkeit ihrer Armut geltend zu machen, während gleichzeitig nach der Finanzkrise Banken von Staaten gerettet wurden. Wir brauchen also eine UN, die die Herzen und Gedanken der Menschheit vertritt, und die den Bedürfnissen der vernachlässigten und sterbenden Armen die höchste Priorität einräumt. Selbst wenn wir den Zugriff auf unsere eigenen Bedürfnisse garantiert haben, bei wem werden wir uns beschweren, wenn unsere Regierung unsere lieb gewonnenen öffentlichen Institutionen und Dienstleistungen angreift, ohne unsere Menschenrechte und grundlegenden Ansprüche an Leben und Freiheit zu achten? Wir mögen zwar beispielsweise gegen Freihandelsabkommen und Privatisierungen sein, die jeden Aspekt unseres Lebens weiter kommerzialisieren, aber bei wem werden wir uns beschweren, wenn unsere Regierung im Auftrag von Unternehmen arbeitet, anstatt unseren fundamentalsten sozialen Anliegen Priorität einzuräumen?

Dies ist ein weiterer Grund, weshalb wir mit einem Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte arbeiten müssen, denn diese allgemein anerkannten Standards werden nie verwirklicht werden, wenn es uns nicht gelingt, alle Menschen ständig dazu zu bewegen, für sie einzutreten, wodurch die führenden Politiker letztendlich auf ihre Wähler hören und in deren Willen handeln werden. Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, dass darunter ein Politiker unserer jetzigen Regierungen ist, daher sollten wir die Vereinten Nationen als wahre Führungsinstitution der Menschheit und als unsere größte Hoffnung für die Rettung der Armen betrachten. Wenn irgendwo auf der Welt ein Konflikt ausbricht und kein schnelles Ende gefunden werden kann, dann entsendet man UN-Blauhelmtruppen, welche die Lage beobachten und nach Lösungen suchen, wie begrenzt ihr Durchsetzungsvermögen bei der angeblichen Vertretung des Willens der Völker auch sein mag. Jetzt stellen Sie sich vor, die Vereinten Nationen würden beginnen ernsthaft, den Willen aller Weltbürger zu vertreten und würden durch eine weltweite Flut an Unterstützung darin bekräftigt, Art. 25 im Auftrag der Menschheit umzusetzen. Sicherlich dauerte es dann nicht mehr lange, bis die Vereinten Nationen ihre Botschafter nach Washington, Brüssel, Moskau und in jede andere Hauptstadt schickten, um dort zu verkünden: "Wir haben lange genug gewartet - es ist an der Zeit, den Leidenden und Armen Nahrung und Schutz zu geben!"

Die jungen Leute sollen verstehen, dass diese Vorgehensweise für enorme Unruhe auf der ganzen Welt sorgen und zu außergewöhnlichen Ergebnissen führen wird, verbunden mit einer gesellschaftlichen Stimmung, wie wir sie noch nie vorher erlebt haben. Am dringendsten brauchen wir einen Neustart für die Vereinten Nationen, und wenn Millionen von Menschen ohne Unterbrechung Tag und Nacht, Monat für Monat und sogar Jahr für Jahr für die Umsetzung von Art. 25 protestieren, dann werden wir hoffentlich eine beträchtliche Stärkung der UN-Generalversammlung erleben und die letztendliche Auflösung des Sicherheitsrats. Wie bereits angemerkt, nimmt ein reformiertes und vollständig demokratisches UN-System eine wichtige Rolle in der Verwaltung einer restrukturierten Weltwirtschaft ein, auch wenn seine beabsichtigte Funktion diesbezüglich - wie in Art. 55 der UN-Charta dargelegt - nicht erfüllt werden kann, bevor es nicht befreit ist von den Einschränkungen durch das Vetorecht des Sicherheitsrates, vom Einfluss der unternehmensdominierten Bretton-Woods-Institutionen und von den Budgetbeschränkungen, letzteres mit Hilfe bedeutend größerer und verlässlicher Einkommensquellen. Die Vereinten Nationen sind nicht das Eigentum politischer oder unternehmerischer Interessen in Amerika, China, Frankreich, Russland oder Großbritannien - sie gehören uns allen, was auch der Ursprungsgedanke ihrer Existenz ist, um "den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker" zu fördern.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf, sollte sich die Jugend Amerikas fragen, wieso sie vor der Wall Street protestiert und die Rechte "der 99%" verkündet haben, anstatt sich vor dem UN-Hauptquartier zu versammeln und für Art. 25 einzutreten. Zu erklären, "Wir sind die 99%" führt am Ende des Tages nirgendwo hin, aber wenn wir Art. 25 fordern, werden uns die Armen letztendlich hören und mitmachen - und hier liegt die Lösung! Stellen Sie sich vor, sie sprechen mit den Ärmsten der Armen in Gegenden wie der Subsahararegion, im ländlichen China oder in Indien über Occupy Wall Street, wie glauben sie würden die Menschen auf Ihre nationalen Sorgen reagieren? Erklären Sie ihnen, wie die Weltwirtschaft funktioniert, und Sie werden wahrscheinlich nicht wissen, was Sie meinen. Erläutern Sie ihnen die Bedeutung von Credit Default Swaps oder Quantitativer Lockerung und sie werden wahrscheinlich kein Wort verstehen. Es gibt viele Leute in den ärmsten Slums und Dörfern, die noch nie von dem Ausdruck "Kapitalismus" gehört haben. Aber wenn Sie ihnen den Inhalt von Art. 25 vorlesen, können Sie sicher sein, dass ihre Augen zu leuchten beginnen und sie sofort verstehen werden, denn dann sprechen Sie über deren Leben genauso wie über Ihres. Ungleichheit und Ungerechtigkeit waren schon immer die Themen der Armen, schon bevor sie von Intellektuellen vereinnahmt und unnötig verkompliziert wurden. Die komplexen Probleme der Welt sind oft auch die der Armen. Werden wir also für sie sprechen oder werden wir sie einladen, für sich selbst das Wort zu ergreifen?  Denn wie bereits beschrieben, sind es die Ärmsten der Armen gewohnt, zu schweigen, wie schwer und unverdient ihre Umstände auch sein mögen, bis sie still und leise in Schmutz und Elend sterben. Wenn sie aber den Ruf nach Veränderung vernehmen, hervorgebracht von Millionen von Menschen, die die Sinnlosigkeit ihrer Armut anprangern, dann werden sie die Alternative erkennen, als hätten sie sie schon immer gekannt - denn ginge es nach ihnen, hätte Art. 25 schon längst umgesetzt werden müssen.

Um das für uns selbst zu verstehen, müssen wir die Realität der Armut von innen heraus und psychologisch betrachten, nicht intellektuell und durch die Augen der Selbstgefälligkeit. Das bedeutet, dass wir sowohl spirituell als auch emotional "bei den Armen" sein müssen, um Art. 25 als eine Alternative aus sich selbst heraus zu betrachten. Wenn gewöhnliche Menschen mit gutem Willen in andauernden Demonstrationen ein Ende der Armut fordern, dann wird diese Alternative zum ersten Mal lebendig und vernehmbar werden. Die folgenden politischen und wirtschaftlichen Reformen werden in derart schnellem Tempo erfolgen, dass sich viele negative globale Trends umkehren werden, inklusive des aufgrund ihrer zunehmenden Macht immer weiter steigenden Reichtums der Wohlhabenden. Wenn die Nationen anfangen, bei der Umverteilung essentieller Ressourcen in die ärmsten Regionen der Welt zu kooperieren, wird dies der Menschheit schließlich etwas Luft zum Durchatmen verschaffen.

Die Menschheit tritt schon lange in unterschiedlichen Formen für die weltweite Umsetzung von Art.25 ein, beispielsweise durch die Aktivitäten von NGOs wie dem Roten Kreuz oder Oxfam. Aber diese stückweise, karitativen Bemühungen werden nie genug sein, solange sie nicht von allen Menschen entschlossen unterstützt werden. Also, lasst die Armen mitmachen! Lasst andere Nationen mitmachen! Lasst den gesunden Menschenverstand Teil davon werden! Sind wir es nicht satt, umsonst zu protestieren und an Demonstrationen teilzunehmen, bei denen sich nur ein paar tausend Leute für eine gute Sache einsetzen? Lasst uns also zusammen für Art. 25 eintreten und sehen was passiert. Denn wenn man auf die Straße geht für ein Ende von Hunger und Armut, werden sich schon bald Millionen anderer Menschen anschließen, egal welcher Nationalität sie sind und wo auf der Welt sie wohnen. Vielleicht werden sogar die Touristen in den großen Städten ihre Reiseführer zur Seite legen und neben Ihnen stehen, vor allem wenn die Zeit endlich gekommen ist. Armut ist Armut, wo auch immer sie in der Welt existiert, und Ungerechtigkeit ist Ungerechtigkeit, ungeachtet der sozialen Stellung oder des Geburtslandes.

Allein die "99%" in den reichen Ländern zu preisen ist daher die falsche Ausdrucksweise und die falsche Strategie. Denn es impliziert, dass die Gerechtigkeit "verwestlicht" wurde und nicht auch dem Rest der Menschheit gehört. Ein Großteil der allerärmsten Menschen hat nach wie vor noch nicht von den Occupy-Protesten gehört, die 2011 und 2012 über viele Länder hereingebrochen sind, und selbst wenn sie mit den verschiedenen nationalen Thematiken sympathisiert hätten, wäre es nicht ihre Veranstaltung gewesen. Aber für ein Ende der Armut an sich zu protestieren ist ein weltweiter Aufruf, bei dem jeder eine Rolle spielen kann, also lasst uns die Armen durch die Forderung nach Art. 25 ins Boot holen und so eine riesige Armee aufbauen. Lasst uns nicht nur über die Notwendigkeit sozialer Gerechtigkeit in unserem eigenen Land sprechen, sondern auch international die Dringlichkeit der Sicherstellung grundlegender Bedürfnisse für jedermann betonen - was, wie wir wissen, definitiv erreicht werden kann, da mehr als genug Ressourcen für alle vorhanden sind.

Wir können diese einfache Tatsache durch unsere eigene Kreativität und unseren eigenen Einfallsreichtum veranschaulichen, beispielsweise durch Statistiken darüber, wie viele Nahrungsmittel in jedem Land verschwendet werden, oder durch das Aufzeigen von Möglichkeiten, wie wir auf der Basis von neuen globalen Wirtschaftsabkommen lebensnotwendige Güter unbeschränkt jeder Person zukommen lassen könnten, die nicht mehr durch den Gewinnimperativ beschränkt werden. Lasst uns durch innovatives Denken und eine Vielzahl von Protesten unsere Regierungen dazu auffordern, uns, "den Menschen der Vereinten Nationen" zuzuhören und uns zu respektieren, bis ein zentraler Vorschlag des Brandt-Reports wieder auf den Verhandlungstisch kommt: ein Notprogramm zur Beseitigung von Hunger und Mangelernährung durch Beendigung von extremer Armut als oberste globale Priorität.

Lassen Sie uns trotzdem darüber im Klaren sein, dass es unmöglich ist, die Welt durch ständiges Kämpfen gegen "den Kapitalismus" oder "das System" zu verändern, nicht nur weil es unwahrscheinlich ist, dass viele ungebildete arme Menschen solch ein komplexes und streitlustiges Ansinnen verstehen. Der Begriff "Kapitalismus" selbst ist irreführend und polarisierend. Es gibt tatsächlich keine Organisation namens "das System", dem wir uns entgegenstellen können. Es gibt lediglich Personen in dieser Welt, die sich hinter Ideen verstecken oder Gesetze für ihre eigenen verschlagenen Absichten missbrauchen. Kapitalismus ist nur eine Idee, ein Prinzip per se, das über mehrere Jahrhunderte von Reichen und politischen Eliten beansprucht wurde, welche Gesetze und Verfahren zu ihren Gunsten manipulieren, oft im Namen einer "Demokratie" oder "Freiheit", die sie nicht verstehen und die nichts mit ihnen zu tun hat. Lassen Sie sich also nicht täuschen, wenn andere auf den Kapitalismus zeigen und dem System die Schuld an den Problemen der Welt geben, denn das Prinzip des Kapitalismus an sich ist keineswegs gleichbedeutend mit Ungerechtigkeit, Ungleichheit oder den Superreichen. Was wir "das System" nennen existiert nicht, abgesehen von den menschlichen Absichten, die es erschaffen und erhalten haben, wovon ein Großteil durch Ehrgeiz, Gier, Egoismus und sogar Grausamkeit charakterisiert werden kann. Somit ist das System in seiner Gesamtheit größtenteils unfair, egoistisch, gleichgültig und oft grausam. Wenn wir die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Ungerechtigkeit in der Welt betrachten, dann sehen wir nicht den Kapitalismus, sondern die Konsequenzen der Motivation bestimmter Individuen, die unwissend sind hinsichtlich des spirituellen Zwecks des Lebens und denen es an gesundem Menschenverstand, sogar an Liebe zu sich selbst, fehlt. Wir sehen zu viele Leute, die Geld, Macht und Ansehen nachjagen, und zu wenige, die aufrichtig darum bemüht sind, der Menschheit zu dienen und das Wohlergehen anderer zu schützen.

Dies soll nicht bedeuten, dass der Autor den Kapitalismus verteidigen will, im Gegenteil, denn dasselbe ließe sich auch über die Prinzipien des Sozialismus oder des Kommunismus sagen. Was ist grundsätzlich falsch am Kapitalismus als Prinzip? Nichts. Was ist grundsätzlich falsch am Kommunismus als Prinzip? Nichts, sosehr diese im Grunde spirituelle Idee von autoritären Regimen und machthungrigen Führern auch verdreht und verdorben wurde. Weder das Prinzip des Kapitalismus noch das des Sozialismus wurden bisher in einer Art demonstriert, die auch nur ansatzweise ihrer wahren Form der sozialen Organisation entsprach, und das wird auch nicht möglich sein, bis das Prinzip des Teilens im Weltgeschehen, auf der Grundlage guter menschlicher Beziehungen, verwirklicht wurde. Daher ist es für den allgemeinen Bürger zwecklos, sich mit diesen missverstandenen Begriffen und Titeln zu identifizieren, denn es sind nicht die Prinzipien, die Schuld an den Problemen der Welt haben, sondern der Mensch selbst. Somit kann sich nur der Mensch ändern, nicht der Kapitalismus oder das System, denn das System ist lediglich ein Produkt menschlicher Gedanken und Handlungen. Das System an sich existiert nicht - nur Menschen existieren, und trotzdem geben wir seltsamerweise "dem System" die Schuld an unserer Unzufriedenheit und unserem Unglück, weil die von uns erschaffene Gesellschaft so gespalten und ungerecht ist, was eine fehlerhafte und potenziell gefährliche Schlussfolgerung darstellt.

Wir müssen die dem Sozialismus und dem Kapitalismus zugrundeliegenden Prinzipien in einem anderen Licht und aus einem spirituelleren Verständnis heraus betrachten und nicht aus dem Blickwinkel der alten Menschheitsgeschichte von Parteipolitik und ewiger Zwietracht. Eine politische Bewegung, die "gegen" das Establishment ist und es durch einen anderen "Ismus" ersetzen will, wird das gemeinsame Wohl aller nie erfolgreich voranbringen, und wird niemals die Ärmsten der Armen einschließen, die nicht daran interessiert sind, Sozialisten, Kommunisten, Liberalisten oder irgendetwas anderes zu sein. Sie wollen lediglich ihre Familien versorgen und ein sicheres und friedliches Leben genießen. Wenn wir uns also gegen den Kapitalismus oder das korrupte System positionieren, beteiligen wir uns also an diesen alten spaltenden Prozessen, die über Jahrhunderte wieder und wieder zu Klassenkämpfen und sozialer Verdrängung geführt haben.

Es scheint fast, als versuchten manche Aktivisten, den Kapitalismus zu personifizieren und ihn mit einem Messer zu töten, obwohl es doch im Abstrakten nichts gibt, das getötet werden könnte. Wir können nur die Wahrheit hinter den Geschehnissen verstehen, und das ist ein von den Kräften der Kommerzialisierung herbeigeführter Krieg, der mit "Kapitalismus" überhaupt nichts zu tun hat. Wenn man also versucht, den Kapitalismus zu bekämpfen, kämpft man gegen eine Idee, anstatt wirklich die Eliten in Frage zu stellen, die den Status quo aufrechterhalten und riskiert damit, genauso spalterisch wie diese zu werden. Im besten Fall sehen sich die Obrigkeiten die Protestierenden - die sich "Anti-Kapitalisten" nennen - einmal kurz an und fegen sie dann hinweg, denn solcher Aktivismus macht seit jeher nur einen kleinen und oft militanten Teil in der Bevölkerung aus. Im schlimmsten Fall jedoch könnte eine Bewegung, die "gegen" die existierende Gesellschaftsordnung ist, letztlich zu Aufruhr, Chaos und gewaltsamen Aufständen mit noch schrecklicheren gesellschaftlichen und politischen Folgen führen.

Zu behaupten, wir bräuchten "eine Revolution" ist eine dumme und leichtsinnige Behauptung, denn das Wort "Revolution" bringt das Wort "Feind" hervor, welches selbst das Wort "gegen" hervorbringt. Die innere Einstellung, "gegen" etwas zu sein bringt wiederum geistige Blindheit und Selbstsüchtigkeit hervor. Das psychologische Pendant zum Gedanken "Ich bin gegen dich" ist Sturheit, Arroganz und Gewalttätigkeit (innerlich oder äußerlich ausgedrückt), lässt die Menschen ihre Herzen verschließen und führt zu Teilung und Konflikt, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Der Begriff Revolution ist für die kommende Ära in jeder Hinsicht überholt. Dies ist der Moment für ein neues Zeitalter, basierend auf Kooperation, gutem Willen, Teilen und globaler Einheit - sowie auf reichlich gesundem Menschenverstand!

Somit werden wir hoffentlich die Zwecklosigkeit der Suche nach einer Alternative zum Kapitalismus als Grundprinzip unserer Gesellschaft einsehen und stattdessen für eine Alternative zu unseren jetzigen Bildungssystemen plädieren, die eine Quelle der heutigen globalen Probleme sind. Von Geburt an müssen allen Kindern richtige menschliche Beziehungen beigebracht werden. Dies im Bewusstsein, dass die Menschheit eine ineinander verflochtene Familie ist, innerhalb der letztlich jeder dieselben Bedürfnisse hat, egal wo er wohnt oder welche Sprache er spricht und wie verschieden unsere äußeren Formen der sozialen Organisation auch sein mögen. Richtige Erziehung setzt auch das Grundverständnis voraus, dass das Prinzip des Teilens die Basis unserer wirtschaftlichen Strukturen und Handlungen bildet. Dies ist der erste Schritt, um die tief verwurzelte soziale Kluft und gegensätzliches ideologisches Denken aufzulösen.

All das beginnt damit, dass wir uns selbst umerziehen und die vorherrschende Konditionierung politischer Ismen aus unserem Bewusstsein verbannen, die oft mit den unüberlegten Ausdrücken wie "linker Flügel" und "rechter Flügel" umschrieben werden. Die Notwendigkeit einer neuen Erziehung ist ein riesiges Thema, das einiges an Besinnung und weiterer Überlegung bedarf, denn wir haben unseren Verstand über unzählige Jahrhunderte durch fehlgeleitete Gedanken und Identifikation mit Ismen in all ihren entzweienden Formen eingesperrt, mit ungemein schädlichen Auswirkungen auf die menschliche Kreativität und Freiheit. Es sind die einfachen Frauen und Männer, die über die Jahrhunderte die größten Schäden dieser groben Verletzung des freien menschlichen Willens erlitten haben, welche ihnen hauptsächlich von den großen religiösen und politischen Ideologien aufgezwungen wurden, die noch heute um die Vorherrschaft im Weltgeschehen konkurrieren.

Wir können das ganze Ausmaß des Problems nur verstehen, indem wir uns Gedanken machen über unsere bisherige psychologische Einstellung, "gegen" Kapitalismus oder Sozialismus oder ein anderes vermeintliches, ideologisches Feindbild zu sein. Dennoch ist dies ein guter Ausgangspunkt, um für sich selbst das neue Bewusstsein zu verstehen, das in den nächsten Jahren zu Erleichterung der menschlichen Beziehungen beitragen muss. Wir sollten zunächst jede geistige Identifikation mit Begriffen wie "linksgerichtet", "rechtsgerichtet", "Kapitalismus", "Sozialismus", "Anarchismus" und "Liberalismus" aufgeben, wohingegen das Wort "gegen" in unserer Sprache und unserem Denken endgültig durch die Worte "nicht mit" ausgetauscht werden sollte. Wenn man sagt "Ich bin gegen dich", kann das Feindseligkeit oder Gewalt andeuten, aber zu sagen "Damit bin ich nicht einverstanden" schließt die Möglichkeit eines Dialogs und einer Lösung ohne unnötigen Konflikt mit ein. Darüber hinaus, erkennt letztere Denkweise in seiner Inklusion und Einheit, dass es zwischen Ihnen und mir keine wirkliche psychologische Barriere gibt, was uns helfen kann, zu begreifen, dass wir als menschliche Wesen vereint sind, auch wenn wir uns in unseren sozialen Einstellungen und gedanklichen Ideenbildungen unterscheiden mögen. Denn die Menschheit ist im Grunde stetig eins und es gibt auf spiritueller Ebene keine Trennung, egal wie verschieden wir auf physischer Ebene auch sein mögen. Denn, wenn es einen scheinbar unversöhnlichen Konflikt gibt zwischen zwei gegnerischen politischen Ideologien, liegt die Lösung nicht im Sieg des einen Ismus über den anderen, sondern in dem, was sie alle durch ein gemeinsames Verständnis unserer Menschlichkeit vereint und das erfordert eine neue Erziehung über die wahre Natur des inneren Selbst.

Diese Vorschläge sind weder sentimental noch naiv, denn eine solche Einstellung gegenüber menschlichen Beziehungen hat das Potenzial, die Gesellschaft zu verändern, sobald ein Großteil der Gesellschaft ausgebildet wurde, auf eine spirituellere, herzlichere und offenere Art und Weise zu denken. Es wäre schnell offensichtlich, dass der Kapitalismus heute hauptsächlich von reichen Eliten aufrechterhalten wird, deren Einstellung "Es gibt nur ein Ich" anstatt "Es gibt nur eine Menschheit" zu sein scheint. Sich unserem heutigen Verständnis von Kapitalismus psychologisch zu nähern, bedeutet in Wirklichkeit, zu beobachten, wie dessen unterschiedliche Formen der sozialen Organisation von Gier, Mangel an Liebe und ansonsten wenig Anderem bestimmt werden. Wenn der Mensch dies erkennt und seine Absichten dementsprechend ändert, wird auch der Kapitalismus schwächer in seiner Dominanz und reiner in seinem Ausdruck werden. Bis Kapitalismus schließlich im Prinzip des Teilens seine Innovation hat, anstatt auf unregulierten Marktkräften zu beruhen; im Kontext einer sozial geführten Wirtschaft, deren oberste Aufgabe die allgemeine Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen ist.

Der einzige Weg, diese Veränderungen in unserem Bewusstsein und unserer Gesellschaft anzustoßen, ist möglicherweise die Forderung in riesigen Demonstrationen und friedlichen Versammlungen nach Umsetzung des Art. 25, was letztendlich die Transformation sowohl des Kapitalismus als auch des Sozialismus zu ihrer jeweiligen, für ein Zeitalter des Teilens, der Gerechtigkeit und der weltweiten Kooperation geeigneten Form einleiten kann. Dennoch ist es sinnvoll, sich klar zu machen, dass Art. 25 nichts mit den Prinzipien von Kapitalismus oder Sozialismus an sich zu tun hat, da es allein mit dem Prinzip der guten menschlichen Beziehungen verbunden ist, im Sinne einer spirituellen Entwicklung in Würde und Freiheit für jeden auf diesem Planeten.

Lassen Sie uns ungeachtet unserer ideologischen Neigungen oder Befangenheiten zumindest erkennen, dass ein Aufstand gegen den Kapitalismus eine Absurdität ist, die auf den Kampf einer Idee gegen eine andere Idee hinausläuft. Lassen Sie uns stattdessen pragmatisch sein und eine Forderung verkünden, die unsere politischen Differenzen am umfassendsten überwindet. Wir benötigen eine Forderung, die uns vereint, nicht tausende verschiedene und einzelne Anliegen. Darüber hinaus verprellt der Kampf gegen den Kapitalismus die unpolitischen Bürger und verhindert eine breite öffentliche Beteiligung, wohingegen die Forderung nach Art. 25 die Menschheit vereinen kann und jeden dazu einlädt, sein ungenutztes Führungspotenzial zu verwirklichen. Wir werden staunen, wenn wir erkennen, was passiert, wenn sich Millionen von Menschen ohne die Energie des "Dagegenseins" zusammenfinden.  Es wird den Betrachtern eine derartige Inspiration und Freude vermitteln, dass sich bald weitere Millionen anschließen werden. Wie einfach wird die Lösung für die Probleme der Welt letztlich sein, trotz all ihrer Komplexität und der Bibliotheken voller Bücher, die nach wie vor über sie geschrieben werden.

Die Lösung erfordert keine intellektuelle Leistung oder komplizierte akademische Theorien, sondern schlicht die Herzen gewöhnlicher Menschen, die sich in spontanen, unaufhörlichen, friedlichen und unvorstellbar großen Demonstrationen für die Menschenrechte in Art. 25 engagieren. Die Aktivisten sollten den bedrohlichen Begriff "Revolution" strikt vermeiden und stattdessen eine Armee der Herzen aufstellen, was der sicherste Weg ist, die Menschen weltweit in nie dagewesener Form zu vereinen. Es ist an der Zeit durch das Herz zu sprechen und nicht durch alte Ideologien und Ismen. Wir können die Welt nicht durch die Worte "Ungehorsam", "gegen" oder "anti" verändern; aber wir können sie über alle Vorstellungskraft hinaus verändern, indem wir im Sinne eines neuen Zeitalters von Herz zu Herz kommunizieren. Wenn sich ein großer Teil jeder Gesellschaft dieser kollektiven Aufgabe verschreibt und beharrlich Art. 25 fordert, wird die Energie dieser friedlichen Demonstrationen genau die neue Erde offenbaren, auf die sich die Menschheit jetzt vorbereitet, wenngleich dies größtenteils unbewusst geschieht. Durch den Klang dieser weltweiten Protestversammlungen und mit der Hingabe der Millionen täglich demonstrierenden Menschen wird  sich die Frage, "wie" man die Welt verändern kann, selbst beantworten und nichts wird diese Veränderungen aufhalten.

Wir könnten wahrheitsgemäß sagen, dass der größte Widersacher unseres verdorbenen und korrupten Wirtschaftssystems das menschliche Herz ist, denn das Herz ist in seinen Eigenschaften so einfach und dennoch zeigt es erstaunliche Kräfte, wenn es sich mit anderen Herzen für eine gemeinsame Sache verbündet. Auf dieselbe Weise, wie unser Herz unsere Kinder und Familien beschützen will, müssen wir die Demonstrationen durchdringen mit dem gleichen Bewusstsein und der gleichen unerschütterlichen Besorgnis über die schreckliche Armut von Millionen Familien und leidenden Individuen, von denen viele Gefahr laufen, genau in diesem Moment an Hunger oder vermeidbaren Krankheiten zu sterben. Diesen Faktor haben die meisten Aktivisten und Fortschrittsdenker bisher noch nicht als Vorbedingung für die globale Transformation erkannt, denn ohne das Erwachen der Herzen kann man die Massen nicht davon überzeugen, aus der Welt einen besseren Ort zu machen. Vor allem nicht in dieser wichtigen Phase der menschlichen Evolution, die von allen Seiten gefährdet wird durch die Kommerzialisierung und den Krieg der Ismen. Wenn wir schon von Revolution sprechen müssen, dann lassen wir es eine Revolution des Herzens sein, und nicht eine der alten Konditionierungen durch Ismen, die nach wie vor im politischen Diskurs über den Arabischen Frühling und die dazugehörigen Aufstände auftauchen. Die Strategie zur Erneuerung der Welt, die wir hier diskutieren, ist nicht zu vergleichen mit den Geschehnissen von 2011 in Ägypten und anderen Staaten des Mittleren Ostens, da es dort vordergründig um die Befreiung von autoritären und korrupten politischen Regimen ging. Ein solches Aufbegehren gegen unterdrückerische Herrscher ist das Anliegen der Menschen in dem jeweiligen Land; womöglich sympathisiere ich mit ihnen, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ich mich daran beteilige, wenn es nicht in meinem eigenen Land passiert. Aber für ein Ende der weltweiten Armut aufzustehen ist das Anliegen jeder Nation und der Menschen auf der ganzen Welt und bedarf einer weltweiten Revolution der Herzen, um erfolgreich zu sein. Diese Aussage weist auf eine Hauptdilemma hin, dass Aktivisten beachten und verstehen sollten:
für Veränderung und Gerechtigkeit zu kämpfen ist unbestreitbar notwendig und bewundernswert, aber mit einem Verstand zu kämpfen, der von Ismen und Ideologien geprägt ist, stellt ein gefährliches Vorhaben dar, dass sogar zu einer Verschlimmerung der Lage führen könnte. Im Mechanismus dieser Konditionierung steckt die Wiederholung der vergangenen Fehler der Menschheit, wieder und wieder, weshalb wir mit den Eigenschaften des Herzens für Gerechtigkeit und eine neue Art zu leben eintreten sollten, und ohne die Einstellung des "Dagegenseins".

Diese Richtlinien für globalen Aktivismus, sollten nicht als diffuse oder utopische Gedanken betrachtet werden, sondern als nüchterne Strategie für einen siegreichen Kampf: indem man mit friedlichen Massendemonstrationen für das sofortige Ende menschlichen Leidens die Herzen von Millionen Menschen in jedem Land gewinnt. Nie zuvor haben wir so ein so tief bewegendes und freudiges Spektakel erlebt. Viele Aktivisten sagen es ist möglich eine bessere Welt zu schaffen. Aber eine solche Welt kann niemals verwirklicht werden, ohne gleichzeitig die Attribute des Herzens und des Verstandes miteinzubeziehen, so dass die menschliche Intelligenz zu guter Letzt beginnt, sich in die richtige Richtung zu entwickeln - nicht mehr in Richtung Profit, Ideologie oder Eigeninteressen, sondern hin zum Wohl der Allgemeinheit, mit besonderer Aufmerksamkeit gegenüber den Ärmsten unter uns.

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Was wir heute am dringendsten benötigen ist keine Revolution, sondern gesunder Menschenverstand, Einfachheit und Weisheit, manifestiert in unseren alltäglichen Gedanken und Handlungen. Die Verkündung von Art. 25 ist der direkteste Weg, diese Qualitäten in unsere Protestaktivitäten einfließen zu lassen, bis sie die Spannungen zwischen Arm und Reich verringern und beide einladen, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden, sowohl bildlich als auch wörtlich gesprochen. Manche Leute fordern heute sogar eine "spirituelle Revolution", was wie ein richtiger Gedankengang erscheinen mag. Eine plötzliche Erleuchtung unseres Bewusstseins zu erwarten, wenn die menschlichen Beziehungen nach wie vor auf Begehren, Verwirrung, Ignoranz und Identifikation mit Ismen und Ideologien basieren ist in der Realität jedoch sinnlos und unglaubwürdig.

Was für eine spirituelle Revolution können wir schon erwarten in einer derart gespaltenen und materialistischen Gesellschaft wie der unseren, außer eine "kommerzialisierte spirituelle Revolution", wie man dies bereits bei der Einführung der Lehren des Yoga im Westen beobachten konnte? Es ist aussichtslos, eine spirituelle Revolution herbeiführen zu wollen, ohne die gesamte Gesellschaft zuerst eine psychologische Revolution durchlaufen zu lassen, so dass wir durch gemeinsame Proteste mit engagierten Herzen beginnen, zu ahnen, wer wir wirklich sind. Sobald jeder Mensch auf der Erde das hat, was er für ein Leben in Würde, Vertrauen und Freiheit benötigt, können wir uns vielleicht mit einer spirituellen Revolution befassen. Könnten wir diese Revolution personifizieren, würde sie sagen: "Ich würde gerne in Eurer Mitte sein, aber dies ist mir nicht möglich, bevor ihr nicht euer Haus in Ordnung bringt".

Es gibt viele Leute, die in einer durch Armut, Konflikt und Umweltverschmutzung verdorbenen Welt immer noch nach ihrer eigenen spirituellen Revolution streben, wenngleich ihre sogenannte Erleuchtung unter diesen Umständen nur erlangt werden kann, wenn sie auf erschreckende Weise blind gegenüber der viel tiefer gehenden spirituellen Krise unserer Zeit sind. Wir mögen in einen Aschram oder in ein Kloster flüchten und jahrelang alleine meditieren, aber wofür meditieren wir, wenn die Welt im selben Atemzug auf eine Ära mit grenzenlosem sozialen Chaos und Umweltkatastrophen zusteuert – außer diese Entwicklung ändert sich schlagartig? Außerdem ist es nicht auch eine spirituelle Erleuchtung, unseren ärmsten Brüdern zu dienen und ihnen zu Essen zu geben? Solange das Verbrechen von Hunger in einer Welt des Überflusses im 21. Jahrhundert anhält, sollte man kein Wort über eine spirituelle Revolution verlieren, zumindest was den Autor angeht, und jedenfalls nicht vor einer weltweiten psychologischen Revolution, die uns dazu bringt, für Art. 25 einzustehen, mit dem Gedanken “Was ist mit den Anderen?”

Massenhafte globale Demonstrationen an sich stellen eine psychologische Revolution dar, die realisiert werden wird durch das freudige Bewusstsein, dass die Menschheit eins ist. Der Klang dieser Demonstrationen wird in einer Weise magnetisiert werden, dass diese selbst den Beginn einer spirituellen Revolution auf diesem Planeten darstellen werden. Der Beginn dauerhafter weltweiter Demonstrationen, wie oben beschrieben, wird den Menschen eine derartige Würde und Kraft verleihen, dass wir uns ohne Behinderung durch Sprache, Rasse oder Klasse betrachten werden, als wären wir schon immer Brüder und Schwestern, und als wäre das Vertrauen schon immer dagewesen, hätten wir uns nur dafür entschieden. Wir werden wissen, was es bedeutet, Botschafter der Menschlichkeit zu sein, sobald Art. 25 mittels neuer Gesetze und Wirtschaftsabkommen umgesetzt wird. In diesem Moment wird sich ein seltsames Phänomen im Verstand von Männern und Frauen bemerkbar machen, mit einer bisher unbekannten Qualität, die aus der Wahrnehmung des Anderen entspringt, genauso wie neu entdeckter Respekt und Vertrauen, und natürlich die Kraft, die wir Liebe nennen.

Seit 2011 konnte man in vielen Protestcamps bereits kleine Hinweise auf dieses aufstrebende Bewusstsein entdecken, auch wenn diese Ereignisse verblassen werden im Vergleich zu unserer Vision von vielen Nationen, die alle mit derselben vereinten Forderung hervorbrechen. Haben Sie beobachtet, wie sich Menschen verhalten, wenn sie, wie beispielsweise während den letzten friedlichen Massendemonstrationen, als Gruppe interagieren, wenn es Freude bereitet, zusammen zu sein und anderen Menschen zu dienen, ohne den Gedanken an das "Ich", auch wenn es nur darum geht, Bücher an einem provisorischen Bücherstand zu tauschen oder kostenlos Essen zu verteilen? Normalerweise teilen die Protestierenden fast alles was sie haben und erfahren dabei eine Lebensfreude und eine Solidarität, die in ihrem Ausdruck inspirierend, kreativ und heilend ist. So möchte der Autor den Leser fragen: ist das Hippiezeug, oder bedeutet es den Beginn eines neuen Zeitalters auf der Basis rechte menschliche Beziehungen und vielleicht haben Sie das selbst schon gespürt?

Die Ereignisse die wir bisher erlebt haben, sind ein unbewusster Aufruf, eine neue Lebensweise ins Leben zu rufen, und es ist ein Hinweis darauf, welche Dinge in einem nie dagewesenen und globalen Maßstab noch kommen werden. Stellen Sie sich bitte dieses Herz engagierte Phänomen in jedem Land der Welt vor, zum Ausdruck gebracht von Milliarden von Menschen, über Monate hinweg. Die sporadischen Proteste der letzten Zeit sagen im Grunde "wir wollen eine bessere Welt". Aber jetzt haben wir eine Anleitung bekommen, wie wir diese bessere Welt herbeiführen können, die von so vielen Menschen intuitiv herbeigesehnt wird. Indem wir für Art. 25 eintreten, können wir auch ein universelles Bewusstsein dafür schaffen, dass das Teilen der Weltressourcen in der Tat die Lösung unserer Zivilisationskrise ist, denn es gibt eine verflochtene Beziehung zwischen diesen zwei Ideen, die durch anhaltende weltweite Demonstrationen mit engagierten Herzen und gutem Willen realisiert werden wird. Diese Beziehung war schon immer einfach, kann aber momentan nur allegorisch beschrieben werden, denn es ist ein langer Weg, bis der Mensch versteht, wer er ist. Nach unzähligen Leben erwacht er aus einem tiefen Schlaf und erkennt die einfache Wahrheit seines göttlichen Potenzials. In der Liebe Gottes oder des Lebens ist alles einfach, wohingegen nur der Mensch alles verkompliziert durch seine Ignoranz, Gier und Bindung an Ismen.

Lassen Sie uns also an Art. 25 als einen symbolischen Pfadfinder denken, der nach Vermissten sucht, in diesem Fall der Menschheit, und uns dann sicher zurück in den Hafen leitet, der das Prinzip des Teilens darstellt. In diesem Sinne enthält Art. 25 die Antwort und die Alternative, die enthüllt wird, wenn sich die Menschheit versammelt und inmitten einer weltweiten psychologischen Revolution laut danach ruft. Dann läuft eine chemische Reaktion ab, wie bei vielen Reagenzgläsern, die alle auf einmal knallen und überlaufen, bis wir eine höchst unerwartete Offenbarung erfahren: dass das Leben ein wertvolles Geschenk ist und wert, gelebt zu werden, denn die Menschheit ist eins. Dann wird es nicht mehr lange dauern, bis uns Art. 25 heimführt zum Prinzip des Teilens, und der Wiederaufbau unserer Welt kann beginnen.

 


Teil V: Erziehung für eine neue Welt

Wenn wir erklären und ernsthaft glauben, dass eine andere Welt möglich ist, was unternehmen wir dann mit unseren blinden Politikern, unserer kollektiven Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit, und all den anderen Ismen, die uns davon abhalten, unseren Weg zu Wahrheit und Freiheit zu finden? Wann werden wir uns gegenseitig ohne Verurteilung ansehen, ohne Furcht oder Verachtung, sondern mit Freude und gutem Willen? Wann werden wir einen Tag erleben, der anders ist als alle anderen Tage, wenigstens einmal in unserem kurzen Leben? Die Antwort ist wieder eine neue Art der Erziehung auf der Grundlage von Selbsterkenntnis durch Liebe und Weisheit, beginnend mit der Offenbarung, dass die Menschheit eins ist, denn dies ist die befreiende Wahrheit des Lebens auf der Erde, egal wie lange wir versucht haben, dies abzustreiten. Somit können wir zurecht sagen, dass wir heute keine Revolution brauchen, sondern richtige Erziehung, denn es gibt keine Möglichkeit, Art. 25 dauerhaft umzusetzen, ohne dass wir lernen, einfacher und gleichberechtigter im Rahmen des einen Planeten zu leben, den wir uns alle teilen müssen.

Neue Erziehungsmethoden sind dringend notwendig, um die Gesetze zu erhalten, welche die vollständige Realisierung von Art. 25 weltweit garantieren, denn die Menschheit ist derart konditioniert durch Ismen und jahrhundertelanges falsches Denken, das solche Gesetze andernfalls nicht lange Bestand hätten. Wir wissen im Allgemeinen nicht, was richtige Erziehung in unseren dysfunktionalen Gesellschaften bedeutet, wo heutzutage eine angeblich "gute Erziehung" auf der Identifikation mit Persönlichkeiten beruht und dem Glanz allgemein anerkannten Erfolgs, was viele "hoch gebildete" Menschen in Machtpositionen hervorgebracht hat, die Experten darin sind, den Planeten und andere Menschen zu zerstören. Dies ist eine unbestreitbare Tatsache, die in Relation gesehen werden sollte zu einer Gesellschaft, die rapide die Ressourcenbasis verbraucht, die das Leben selbst erhält, während die Unterschiede zwischen Arm und Reich so extrem werden, dass sie das Potenzial für einen Dritten Weltkrieg haben. Jeder Premierminister, Präsident oder Vorstandsvorsitzende hat wahrscheinlich eine sogenannte "gute Erziehung" genossen, und trotzdem setzen sie alle ausnahmslos diese fatalen Entwicklungen fort.

Ein privilegiertes Kind wird in der Schule in keinster Weise zu richtigen menschlichen Beziehungen erzogen, sondern vielmehr durch viele Jahrhunderte fehlerhaften Verständnisses über die Bedeutung und den Zweck des Lebens indoktriniert und konditioniert, während sie in jüngerer Zeit auf tragische Weise von den Kräften des Profits und der Kommerzialisierung kontaminiert werden. Ein Kind oder ein Jugendlicher mit den höchsten Bestrebungen, die Welt zu verbessern, wird am Ende seiner Ausbildung mit einem Verstand zurückkehren, der nicht nur konditioniert, sondern vollständig von diesen Kräften kontaminiert ist, auch wenn sich dieser junge Erwachsene eine unbeirrbare Überzeugung erhalten hat, der Gesellschaft "etwas zurückzugeben" oder einer sozial gesinnten Berufung folgt. Wir sind alle Kinder einer Erziehung, die uns vorgibt, wie wir zu denken haben, die uns indoktriniert, Erfolg zu haben, die uns beibringt, ambitioniert zu sein und uns, als Konsequenz daraus, entzweit und schlussendlich Zerstörung und Missbrauch des Selbst hervorbringt. Erziehung, wie wir sie heute kennen, selbst in vielen der alternativen und mehr spirituell orientierten Schulen und Universitäten, gleicht immer mehr einer Fabrik, die Roboter produziert, welche darauf programmiert sind, ein erfolgreicher "Jemand" zu werden. Somit unterliegen wir alle einer Erziehung, die uns in die Irre führt, uns manipuliert und es nicht schafft, die bewusste Wahrnehmung der wahren Natur unseres Seins zu erweitern, sondern uns stattdessen einen individualistischen Ehrgeiz einflößt, der zu Gier, Egoismus und letztlich Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Anderen und des Planeten führt.

Die Menschheit ist ewig und unteilbar in der einen Evolution und dennoch, als Resultat unserer falschen Identifikation mit der Materialität, unserer falschen Konditionierung, unserer falschen Erziehungsmethoden, sind wir soweit gesunken, dass viele Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen sich nicht als Teil ihrer Gesellschaft fühlen, bzw. denken, dass die Welt ihr Feind ist. Genau wie ein Aktivist oft denkt, dass das System gegen ihn ist, denken die Armen oft, dass sie nicht zur menschlichen Zivilisation gehören. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die eine "gute Erziehung" genossen und durch Anpassung an die egoistischen Prozesse der Kommerzialisierung einen hohen gesellschaftlichen Status erreicht haben, darauf konditioniert, geistig ein Banner vor sich herzutragen, auf dem geschrieben steht: "Ich bin einer der wenigen besonderen und verdienstvollen Menschen, die es geschafft haben".

Wenn wir die Welt aus einer ganzheitlichen Perspektive und dem Verständnis über die Einheit der Menschheit heraus betrachten, könnten wir zu dem Schluss kommen, dass kein Mensch richtig erzogen wird, wie prestigeträchtig die Schule oder Universität auch sein mag. In einer dysfunktionalen Gesellschaft, die die Kommerzialisierung als ihren Nukleus auserkoren hat, ist es nahezu unmöglich, ein Kind auf spirituelle und psychologisch gesunde Weise zu erziehen, denn was wir wirklich produzieren, ist nicht gute Erziehung, sondern eine Fertigungslinie für "gute Konsumenten". Wir werden nicht nur dazu erzogen, Konsumenten zahlloser kommerzialisierter Produkte und Dienstleistungen zu werden, sondern auch dazu ausgebildet, durch den unachtsamen Missbrauch unseres Lebens uns selbst zu verzehren. Jemand, der nicht selbstständig denkt, der keine Selbsterkenntnis besitzt, dem man nicht beigebracht hat, in liebevollem Bewusstsein zu leben und zu handeln, wird äußerlich Güter konsumieren und sich nach innen selbst verzehren, was bedeutet, dass man ihn nicht als freien und fröhlichen Menschen bezeichnen kann, sondern als einen "Selbst-Verbraucher". Anstatt kreativ zu sein mit all der Energie und Schönheit, mit der uns unsere Umwelt beschenkt hat, ziehen wir es vor, schlafend und gleichgültig zu bleiben durch unseren Mangel an innerem Bewusstsein und somit unsere wertvollsten menschlichen Eigenschaften zu verzehren und zu verschwenden und sterben damit, ohne dass wir es wissen, einen langsamen spirituellen Tod.

Wir verzehren uns selbst, auf jede vorstellbare Weise - politisch, wirtschaftlich, sozial, ökologisch und emotional, von unserem ahnungslosen Missbrauch der Natur durch massenhaften nicht-nachhaltigen Konsum bis zur psychologischen Selbstzerstörung durch unsere Gier, unsere Einsamkeit, unser Selbstmitleid, unsere Depression und unseren Drogenkonsum. Sogar durch unsere Gleichgültigkeit gegenüber all dem Leid, das sowohl in uns als auch außerhalb von uns geschieht, verzehren wir uns selbst. Darum fühlt sich jeder Tag wie der andere an in seiner Müdigkeit und seinem Chaos, denn wir alle verzehren zu einem gewissen Teil unsere eigene Menschlichkeit, ob wir es wissen oder nicht. Inmitten dieses sozialen Chaos und der Gewalt die wir uns selbst zufügen, suchen wir immer noch unablässig nach unserem flüchtigen Glück und guter Gesundheit, oft mit einer solchen Sturheit, dass wir von Kummer und Schmerz überwältigt werden und glauben, unser eigenes Leben opfern zu müssen, was als ein letzter trauriger Versuch angesehen werden kann, das eigene Selbst durch einen Suizid auszulöschen.

Im Allgemeinen haben unsere Politiker eine verworrene und verzerrte Sicht auf die Bedeutung richtiger menschliche Beziehungen, genau wie der Rest von uns, der durch eigenes Zutun in einer Welt der Glaubenssätze, Ismen und Ignoranz lebt. Inmitten all der Ungerechtigkeit und Misere moderner Gesellschaften der Vorsitzende einer Partei zu sein, ist eigentlich ein Ausdruck dessen, wie sich die Menschheit gespalten hat durch eine fehlende Erziehung zu Selbsterkenntnis und einem liebevollen Bewusstsein, zu einer inneren Abgeklärtheit und Weisheit in jungen Jahren und darüber hinaus. Richtige Erziehung, ist in diesem Sinne gegensetzig zu unserem heutigen Verständnis des Begriffs "Führung", die eine abwertende Konnotation des Oberen und des Unteren beinhaltet, demjenigen der führt und den vielen, die folgen müssen, denn durch diesen Prozess des "Folgens" ist der Mensch in den heutigen Zustand der Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit gefallen, indem er seine eigene Spiritualität, Kreativität und angeborene Intelligenz verleugnet. In jeder dysfunktionalen und moralisch degenerierten Gesellschaft, welche die egoistische Anhäufung von Macht und materiellem Reichtum vergöttert, wird politische Führung immer weitere Verwirrung und soziale Spaltung hervorbringen, und kann damit nur zu mehr Unterdrückung, Gewalt und Leid führen.

Über was für eine Demokratie sprechen wir eigentlich, während wir täglich beobachten, wie die Politik zu einem geschmacklosen Spiel verkommt, die allein die Idee und Existenz der Einen Menschheit verleugnet, wo jeder Kandidat wie aus dem Nichts erscheint und uns seine veralteten Ismen zuteilwerden lässt? "Ismen" zu folgen ist allein schon ein Akt der Geschmacklosigkeit, wer kann es also den Menschen verdenken, die mit diesen machthungrigen Politikern nichts zu tun haben wollen und sagen: "Oh, Politik, wenn ich das schon höre!" Die vielen anderen Menschen, die rechten oder linken Parteien folgen, denken im Allgemeinen auch nicht im Sinne richtiger menschlicher Beziehungen und unserer angeborenen spirituellen Einheit, sondern interessieren sich vielmehr dafür, dass ihre Partei alle anderen übertrumpft. Sie sind genauso wie die Politiker Teil dieses geschmacklosen Spiels, nicht zuletzt, wenn sie einem Ismus die Treue schwören, in der Hoffnung, dass ein neuer Anführer ihre Steuern oder Hypothekenraten kürzt, und damit ihren selbstgefälligen und isolierten Lebensstil untermauern. Leben und Selbsterkenntnis haben schon immer auf wachsendem Bewusstsein durch menschliche Beziehungen basiert und nicht auf dessen Eingrenzung durch selbstbezogene Kategorien wie "mein Leben" oder "meine Rechte". Wenn wir uns weigern, diese Realität in unserem Leben anzuerkennen, dann täuschen wir uns selbst und andere, indem wir glauben, die Gesellschaft könnte sich zum Guten verändern, indem wir einen politischen Ismus durch den nächsten ersetzen.

In diesen verworrenen Zeiten erzeugt der Kampf um Wählerstimmen noch mehr Stress und Spaltung innerhalb einer Nation, während der Akt des Wählens auf psychologischer Ebene die zunehmende Uneinigkeit und spirituelle Teilung einer Gesellschaft widerspiegelt. Das soll nicht die vielen historischen Kämpfe für ein universelles Wahlrecht und eine bessere demokratische Vertretung herabwürdigen, sondern einer ganzheitlicheren und spirituelleren Betrachtung dieser Aspekte von Demokratie und Führung dienen. Wen und was wählen wir, wenn die Wirtschaft zusammenbricht, wenn die Kommerzialisierung Mensch und Natur ungezügelt missbraucht, wenn die Umwelt in einer solchen Geschwindigkeit verfällt, dass der Planet unbewohnbar werden könnte?

Seine Stimme lediglich einem anderen linken oder rechten Ismus zu geben kann nur zu weiterem Schmerz und weitere Teilung aus diesem Mahlstrom heraus führen, denn es bedeutet, dass wir uns immer noch weigern, unsere Selbstgefälligkeit aufzugeben, unsere bewusste Wahrnehmung zu erweitern und selbst Verantwortung für die Veränderung der Welt zu übernehmen. Wir können der Regierung nicht die Schuld für diese Probleme geben, wenn wir sie erst gewählt und dann nichts weiter unternommen haben - in diesem Sinne spiegelt die Regierung nicht nur wider, wer wir sind, sondern auch, was wir verdienen. Die Regierung und die Wählerschaft sind ein und dasselbe, einschließlich der teilnahmslosen und entfremdeten Nichtwähler, die nichts mit dem aufwendigen und störenden Theater der Wahlkampagnen zu tun haben wollen. So lange schon müssen wir uns mit einer ungeeigneten Erziehung und damit fehlerhaften Vorstellungen von Führung herumschlagen, dass wir scheinbar denken, dass dies der einzige Weg für eine funktionsfähige Gesellschaft ist und wir uns keine andere, auf richtigen menschlichen Beziehungen basierende Art zu leben vorstellen können - ohne die, in Wahrheit, niemals Harmonie oder Frieden zwischen den Nationen herrschen wird.

So lange es wetteifernde und machthungrige Politiker gibt, wie wir sie heute erleben, wird es immer Konflikte und soziale Spaltung geben. Solange es Menschen gibt, die diesen sogenannten Anführern folgen, werden wir immer unbewusst unsere angeborene Spiritualität, Kreativität und Weisheit leugnen. Aber wo Liebe ist, da ist auch Freiheit, und wo es Respekt und Vertrauen füreinander gibt ohne einen durch Ismen konditionierten Verstand, dort gibt es keine Autorität oder Führung; dort gibt es nur Anleitung. Wahre Führung lenkt sanft, wohingegen Führung in ihrer heutigen Form immer mehr Anhänger um sich schart, und darin liegt die Wurzel all unserer Probleme. Sobald aber jeder Mensch Selbsterkenntnis durch richtige Erziehung erlangt hat - vorausgesetzt, die Menschheit überwindet ihre zivilisatorische (oder besser spirituelle) Krise, um diese für unsere Evolution nötige Stufe zu erreichen - dann wäre es nahezu unmöglich, einen Anführer zu wählen, und Parteien wären nicht länger notwendig. Es gäbe einfach eine Gruppe von Menschen, die in Regierungspositionen dem Wohl aller dienen, auserkoren nicht durch Wahlen, sondern durch allgemeine Anerkennung ihrer Weisheit und offenen Einstellung. Die erste Pflicht solcher Repräsentanten wäre, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu jeder Zeit sicherzustellen und ihnen gleichzeitig eine Erziehung zu gewährleisten, die sie dazu befähigt, ihr Seelenbewusstsein zu stärken und sich selbst durch Dienst an der Menschheit in ihrer spirituellen Evolution anzuleiten.

Die jungen Leute in den sozialen Basisbewegungen beginnen, diese neue Art des Seins, die das kommende Zeitalter bestimmen wird, zu erkennen und sie organisieren sich auf natürlichem Weg ohne eine klare Führungsstruktur oder zentrale Autorität, denn sie beginnen, mit Hilfe des gesunden Menschenverstandes und eines engagierten Herzens zu denken und nicht auf Grundlage von Ismen. Durch ihre vielen Experimente mit öffentlicher Beteiligung und auf Mitbestimmung ausgerichteter Demokratie entdecken sie bereits sehr rasch, dass wir keine Anführer zur Steuerung der Gesellschaft benötigen, wenn das Bewusstsein eines jeden darauf ausgerichtet ist, zum Wohle aller zu kooperieren und damit jeden befähigt, sein eigenes Führungspotenzial im Streben nach sozialer Gerechtigkeit und richtigen menschlichen Beziehungen zu realisieren.

Und doch steht dieses neue Bewusstsein einem enormen Problem gegenüber bedingt durch die Natur des Systems, das es herausfordert: es basiert auf den alten Mustern des Egoismus, des Wettbewerbs und der Parteipolitik, mit Millionen von Anhängern in jedem Land, inklusive einer privilegierten reichen Minderheit und mächtigen Eigeninteressen. Wie können die Protestierenden dann die Unterstützung von Millionen Menschen der ganzen Welt gewinnen, jedoch ohne nach Anführern zu suchen, die ihre Ideen und Aktivitäten dirigieren? Die korrekte Vorgehensweise, um dieses öffentliche Massenengagement zu initiieren sollte keiner weiteren Wiederholung bedürfen: wir müssen unsere Herzen öffnen und die breite Öffentlichkeit ansprechen, indem wir Art. 25 auf pausenlosen friedlichen Demonstrationen ausrufen. Wir irren uns leider, wenn wir glauben, eine bessere Welt ließe sich über die Wahlurne erreichen, ohne dass wir uns zu riesigen koordinierten Protesten zusammenschließen, denn es gibt momentan keinen Politiker, der unsere Arbeit erledigen könnte, selbst wenn er wollte. Und weshalb sollten wir einen Politiker wählen, der nicht versucht, seine Nation dazu anzuleiten, an die weniger Privilegierten auf der ganzen Welt zu denken, vor allem wenn dies bedeutet, einer Partei die Macht über unser Leben zu geben?

Dieser Gedanke sollte nicht dahingehend interpretiert werden, dass wir den regulären demokratischen Prozessen unsere Unterstützung entziehen sollten, aber Sie haben sich sicher schon einmal gefragt, ob die Parlamentswahlen irgendetwas an der ernsten Weltsituation ändern werden. Wir könnten einen Vergleich ziehen zwischen den Wahlen und dem Recycling von Hausmüll, denn beide Vorgänge sind notwendig und lobenswert, haben aber für sich selbst wenig Einfluss auf verhängnisvolle globale Entwicklungen. Ist das recyceln von Plastiktüten genug, um die Effekte der Klimaerwärmung einzudämmen, und reicht ihre Stimme an der Urne aus, um Hunger und Armut weltweit zu beenden? Offensichtlich nicht, und daher ist der einzige Weg, diese scheinbar unlösbaren Probleme anzupacken, auf die Straße zu gehen und wie beschrieben pausenlos in großen Demonstrationen zu protestieren.

Die wahre Frage, die wir uns stellen sollten ist nicht, wieso unsere Regierungen die Welt nicht retten, sondern wieso wir sie nicht zwingen, als unsere gewählten Vertreter geeignete Maßnahmen zu ergreifen? Es mag richtig sein, dass kein Politiker allein ein unmoralisches und korruptes System besiegen kann, vorausgesetzt, dass heute überhaupt ein führender Politiker ernsthaft im besten Interesse der Menschheit handelt. Aber wie oft haben wir von den von uns gewählten Männern oder Frauen gefordert, das Ende von Hunger und Armut zu ihrer höchsten Priorität zu erklären? Aus der Perspektive von Art. 25 sind die einzig wahren Präsidenten oder Premierminister diejenigen, die nicht von der Wahlurne, sondern von den Herzen dazu auserwählt werden, den Armen zu dienen, so wie die engagierten Menschen in tausenden NGOs ihr Bestes versuchen, medizinische Hilfe, Obdach, Nahrung und andere Güter bereitzustellen, währen unsere Regierungen dies versäumen.

Darüber hinaus ist es lehrreich, die Bedeutung von Demokratie aus Sicht einer Person zu betrachten, die von weniger als einem Dollar am Tag lebt, und sich dann zu fragen, was Wahlen an unserem täglichen Überlebenskampf ändern werden. Werden Sie sagen "Meine Stimme ist meine Macht und mein Recht", oder werden Sie sagen "Ich schere mich nicht um die Demokratie - ich will nur etwas zu essen!" Als Bürger eines reichen Landes bin ich möglicherweise so gefangen in meinen eigenen Sorgen um niedrigere Steuern, höhere Renten, Einwanderung von Ausländern und dergleichen, dass mir meine einzige verbliebene Freiheit von durchtriebenen Politikern in teuren Anzügen "geschenkt" wird, und zwar die Freiheit, für einen beliebigen politischen Ismus zu stimmen - wenn es das ist, was Sie unter Demokratie und Freiheit verstehen. Aber als armer, verzweifelter Mensch in einer Baracke oder einem abgelegenen Dorf ist es unwahrscheinlich, dass ich aufgerufen werde zu wählen, außer ich werde dafür bezahlt oder von einem heuchlerischen Kandidaten dazu gezwungen. Wenn ich beispielsweise in Indien lebe, müsste ich mein Land als die größte Demokratie der Welt bezeichnen, obwohl hier auch die größte Zahl unterernährter Menschen lebt, während jährlich 40 Milliarden Dollar für Rüstung ausgegeben werden. Oder vielleicht habe ich auch noch nie von dem Wort Demokratie gehört in meinem abgeschiedenen und kriegsgebeutelten Dorf irgendwo in Afrika, wo die einzige Freiheit, die mir die reichen Politiker zugestehen, darin besteht, ohne jegliche Hilfe vonseiten der Regierung in Armut zu sterben.

Von was für einer Art Demokratie reden wir also, wenn wir diese Frage aus einer globalen und umfassenden Perspektive heraus betrachten, und mit dem spirituellen Verständnis der einen Menschheit? Die Kapitalisten reden von Demokratie, die Sozialisten reden von Demokratie, sogar die Faschisten reden heute von Demokratie; aber wer gibt dem Menschen der an Unterernährung langsam stirbt die Freiheit zu wählen – nicht eine Partei, sondern das Leben zu wählen? Wir alle hätten ihm dieses Wahlrecht geben müssen, anstatt uns lediglich auf den Kampf für Gerechtigkeit und "meine Rechte" in unserem eigenen Land zu konzentrieren. Kein Politiker wird den Hungernden die Wahl zu leben geben, wie wir bisher festgestellt haben; sie kann nur von den gewöhnlichen Leuten durch eine vereinte Forderung nach der Umsetzung von Art. 25 kommen. Eine solche Wahl wird nicht durch unsere Teilnahmslosigkeit oder Gleichgültigkeit möglich werden, sie kann nur durch das Engagement unserer Herzen, durch unser Mitgefühl und unseren gesunden Menschenverstand entstehen. Stimmt es nicht, dass wir über viele, viele Jahrzehnte versäumt haben, genau das zu tun, obwohl die schreckliche Realität der lebensbedrohenden Armut über all die Jahre fortdauerte? Dann Schande über uns!

Lassen Sie uns die Person genau betrachten, die sagt "meine Regierung ist schuld, weil sie nichts unternimmt", anstatt zu dem Schluss zu kommen, dass sie selbst aufstehen und handeln sollte. Wenn wir diese psychologische Tendenz erneut aus der Perspektive unserer spirituellen Einheit und Verbundenheit untersuchen, stellt die Haltung, den Politkern die Schuld an Armutstoten zu geben, eine innere Abgrenzung von uns selbst zum Rest der Menschheit dar, wenn wir nicht selbst aktiv werden, um dieses Verbrechen von sinnlosem Elend in einer Welt des Überflusses beenden. Unsere kollektive Selbstgefälligkeit wird sogar stillschweigend durch unseren Sprachgebrauch offenbart, wenn wir bestimmte Viren als "Armutskrankheiten" bezeichnen, als wären die Armen irgendwie anders als wir und durch ihre Unvorsichtigkeit selbst für die Entstehung dieser tödlichen Krankheiten verantwortlich. Sind Massenausbrüche größtenteils therapierbarer Krankheiten wirklich den Armen oder den Politikern anzulasten, oder tragen wir nicht alle die Schuld durch unsere selbstgefällige Einstellung gegenüber dem vermeidbaren Leid dieser uns unbekannten Menschen? Wenn wir alle zusammen die Umsetzung von Art. 25 in jedem Land gefordert hätten, hätten wir tatsächlich schon vor langer Zeit die Ursachen von Krankheit und ungleicher Gesundheitsvorsorge in unterentwickelten Ländern bekämpfen können. Mit angemessener Unterbringung, Gesundheitsvorsorge, sanitärer Einrichtung und guter Ernährung für unsere ärmsten Mitmenschen wären viele tödliche Krankheiten schon Geschichte und hätten in den letzten Jahrzehnten keinen Aufschwung erlebt.

Dies hilft vielleicht zu verstehen, was wir unter Denken mit gesundem Menschenverstand verstehen, und was wir damit meinen, für das Prinzip des Teilens als Leitfaden der Weltwirtschaft einzutreten - was keine vereinfachende Idee, kein utopischer Vorschlag, sondern das wahre Leben ist. Die Hilfsorganisationen, die versuchen, den Armen zu helfen, werden immer in ihrer Aufgabe überfordert sein und letztlich die Hingabe zu ihrer Arbeit verlieren, wenn ihre Bemühungen nicht von weltweiten Demonstrationen unterstützt werden, die gemäß dem gesunden Menschenverstand Art. 25 ausrufen. Es gibt Millionen armer Menschen auf dieser Welt, die in einem Zustand des fortwährenden Kampfes und der Entbehrung leben, und viele davon sind bereit, ihre Häuser zu verlassen und über einen langen Zeitraum zu protestieren, wenn man sie nur einladen und ihnen Hoffnung geben würde, dass sich ihre Umstände ändern können.

Lasst uns also auf die Straßen gehen und uns nicht mehr fragen, was wir unternehmen sollen, und lasst uns keinen Politiker mehr wählen, auf dessen Agenda nicht die Auslöschung von Hunger und Armut ganz oben steht, zusammen mit dem Versprechen, mit allen anderen Parteien am Tisch zum Wohl der Nation und aller Menschen auf der gesamten Welt zu kooperieren. Das ist der Weg des gesunden Menschenverstands zur Transformation der Welt, wenngleich es auch seltsam und traurig ist, dass wir einen Zustand erreicht haben, der derart extreme Maßnahmen erfordert, um die Vernunft in die Politik zurückkehren zu lassen. Stellen Sie sich die Menschheit als große dysfunktionale Familie vor, deren Kinder so schlecht behandelt werden und so ungeliebt sind, dass sie sich schließlich gezwungen sehen, vor dem Haus zu stehen und gegen ihre Eltern zu protestieren. Was für eine traurige und schockierende Anklage gegen diese zerbrochene Familie, und was für ein trauriger Vergleich mit dem, was von einem universellen Standpunkt aus auf unserer Erde passiert.

Nehmen wir an, wir würden auf einem friedlichen und hochentwickelten Planeten leben, wo das Übel des Hungers inmitten von Überfluss undenkbar wäre, was würden wir dann von den großen Spaltungen, den ständig wiederkehrenden Konflikten und dem sinnlosen Leid auf unserer Erde halten? Wir müssten nicht einmal mit unserem Raumschiff auf dieser wunderschönen und reichen Erde landen, wir bräuchten nur durch ein riesiges Fernrohr schauen, um zu beobachten, wie die Erdenbewohner miteinander interagieren. Wenn wir auch nur einen gewaltsamen Protest auf den Straßen sehen würden, hieße das "nicht besuchen!", denn dies würde die Spaltung zwischen den Regierungen und den Menschen symbolisieren, genauso wie das auf dem Planeten vorherrschende spirituelle Ungleichgewicht. Wenn wir aber Millionen von Menschen, versammelt in friedlichen Protesten sehen würden, die den Willen zu Teilen, Freude und guten Willen ausdrücken, dann würde das bedeuten "weiter beobachten", denn diese vereinten Menschen symbolisieren eine mündige planetarische Evolution, offenbart durch eine Mehrheit der Bevölkerung, die nicht länger geteilt sein will und sich für ihre vernachlässigten Mitmenschen erhebt. Somit wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis dieser Planet das Wesen und den Zweck seiner Familienbande neu überdenkt und endlich das Prinzip des Teilens in seine zwischenstaatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen einfügt.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass es zwei Hauptlösungen für die zusammenhängenden Probleme dieser Welt gibt; erstens, das Teilen essentieller Ressourcen zwischen den Nationen durch eine neue Form des globalen Austauschs, der nicht mehr von Profit, Wettbewerb und Eigeninteressen angetrieben wird, und zweitens, die zwischenzeitliche Einführung einer neuen Art der Erziehung, die das Bewusstsein hervorbringen kann, welches nötig ist, um diese kooperativere, mitfühlende und einfachere Art zu Leben zu unterstützen. Im 21. Jahrhundert demonstriert die Menschheit das Bewusstsein über unsere Verbundenheit und Einheit bereits auf vielfältige Weise, beispielsweise durch den globalisierten Handel von Gütern und Dienstleistungen (wenngleich sehr unausgeglichen und ungerecht in seiner heutigen Form) oder durch weltweite Kommunikation und Sportveranstaltungen, die unsere globale Verflechtung und Interessengemeinschaft aufzeigen, und sogar durch die Welle der Unterstützung nach schweren Naturkatastrophen. Eine neue Erziehung muss sich auf diesem aufkeimenden Verständnis unserer weltweiten Verbundenheit aufbauen, bis jeder Mensch in jedem Land die Bedeutung und Wichtigkeit erkennt, die das Teilen der Weltressourcen hinsichtlich dem Streben nach Gerechtigkeit, Frieden und guten menschlichen Beziehungen hat.

Kinder sollten in der Schule nach diesen Richtlinien unterrichtet werden, um sicherzugehen, dass sie immer im Sinne der Einen Menschheit denken und damit den Beitrag jeder Nation zum großen Ganzen verstehen, sowie die Gleichheit aller Individuen und deren kreatives Potenzial. Es gibt auch eine auf Liebe und Weisheit basierende Art der Erziehung, die einem jungen Menschen helfen kann, zu erkennen, "wer bin ich in dieser Welt", ähnlich wie Schulbildung notwendig ist, um die Sozial-, Geistes- und Naturwissenschaften, die Künste und so fort zu verstehen. Dadurch ist es möglich, einem Kind durch Selbsterfahrung beizubringen, den Verstand ruhig und das Herz wach zu halten, obwohl es an dieser Stelle für den Autor nicht angebracht ist, die spezifischen Details einer solchen Erziehung vorzuschreiben. Es genügt zu sagen, dass religiöse Ansichten, politische Ideologien oder Ismen jeglicher Art keinen Platz haben in der prägenden Phase des Lernens und der Entwicklung.Weiters, sollte ein spezieller Lehrplan in jeder Schule eingeführt werden, der den Kindern beibringt, ohne Egoismus mit anderen zu interagieren und dem gemeinsamen Wohl aller zu dienen, in einer Welt, in der Profitgier und individualistischer Wettbewerb der Vergangenheit angehören.

Wie schnell oder langsam diese neue Erziehung eingeführt wird, hängt in hohem Maße von den wirtschaftlichen und politischen Reformen ab, die zeitgleich auf weltweiter Ebene durchgeführt werden müssen. Aus diesem Grunde, sollten unsere Schulen zunächst eine Grundlage zur Umsetzung der Prinzipien des Teilens und der Kooperation in einem nachhaltigen globalen Wirtschaftssystem vermitteln. Alle Kinder sollten die subjektive Wechselbeziehung der Menschen untereinander und mit der Umwelt verstehen lernen, genauso wie die daraus folgende Bedeutung der gerechten Aufteilung unserer Ressourcen, unseres Reichtums, unserer Technologie und unseres Wissens unter den Nationen. So wie eine Familie miteinander teilt, so muss auch die Familie der Nationen eine Möglichkeit finden, Überschuss in eine Art Sammelbecken zu leiten, woraus er dann entsprechend den Bedürfnissen umverteilt wird. Solch ein unkompliziertes System könnte nicht einfacher sein und stellt vielleicht eines Tages die grundlegendste Einführung in die richtigen Beziehungen zwischen den Völkern und Nationen dieser Welt dar. Wenn wir glauben können, dass das Prinzip des Teilens in seiner wahrhaftigsten Form in der nahen Zukunft die Grundlage eines weltweiten Wirtschaftssystems bilden kann, wird vielleicht niemand aus der jungen Generation - die nicht mehr durch veraltete Ideologien und Ismen konditioniert ist - danach streben, ein führender Politiker zu sein. Wenn jedoch ein Kind später Präsident oder Premierminister wird, würde es genau wissen, wie es sicherstellen kann, dass seine Nation in Frieden mit allen anderen Nationen lebt.

Wenn man die vorangegangenen Gedanken in ihrer Gesamtheit betrachtet, lässt sich daraus folgern, dass die Probleme dieser Welt zwar sehr komplex sind, es aber dennoch einfache Lösungen gibt. Die systematische Realisierung des Prinzips des Teilens in unserer Gesellschaft und in den zwischenstaatlichen Beziehungen erfordert die Restrukturierung und Vereinfachung des globalen wirtschaftlichen Rahmenwerks, welche wiederum der Einführung einer neuen Art der Erziehung bedarf, basierend auf richtigen menschlichen Beziehungen, um diese neue und aufgeklärte soziale Ordnung zu stützen. All das beginnt mit der Umsetzung von Art. 25, der die Grundlage bildet für die dringend notwendigen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, wobei Art. 25 hier nicht die Verwirklichung von "Menschenrechten" fordert, sondern in Wahrheit den Beginn richtiger menschlicher Beziehungen auf dieser Erde. Wenn diese grundlegenden Bedingungen für alle Menschen über viele Generationen hinweg sichergestellt wurden, spricht man möglicherweise gar nicht mehr über Art. 25, und Historiker kennen ihn nur als den "Artikel des gesunden Menschenverstands".

Symbolisch gesprochen, leidet die Menschheit an einer potenziell tödlichen Krankheit namens Spaltung, und das universelle Heilmittel, ist das zeitlose Prinzip des Teilens, hauptsächlich aus einem Grund: sobald nämlich die Ressourcen dieser Welt geteilt werden und die Bedürfnisse aller Menschen ein für alle Mal sichergestellt sind, wird sich unsere Art der Erziehung unweigerlich - und vielleicht auf dramatische Weise - verändern. Inmitten von sozialem, psychologischem und politischem Chaos kann das Prinzip des Teilens zu einer unbeschreiblichen Welle der Veränderung führen, und sei es nur durch die Aktivierung des stillen Erziehers, der in uns allen sitzt und der die Menschen dazu bringen kann, sich selbst zu respektieren und nicht mehr ihre eigene Menschlichkeit durch selbstzerstörerisches Verhalten zu verzehren, wie wir bereits hinsichtlich der inneren und äußeren Auswirkungen des Konsums diskutiert haben. Genau wie auch zankende Nachbarn durch gegenseitiges Teilen Frieden und Veränderung bewirken können, hat der Prozess des weltweiten Teilens von Ressourcen das Potenzial, das kollektive Bewusstsein der Menschheit auf bisher unvorstellbare Weise zu verändern. Sowohl im kleinen als auch im großen Maßstab kann das Teilen das Blatt noch wenden, indem es egoistischen Wettbewerb in selbstlose Kooperation verwandelt, soziale Teilung in gemeinsame Verbundenheit, Unordnung in Balance und Gleichgewicht sowie Hass in Liebe.

Die Menschheit wird auf natürliche Weise dazu inspiriert werden, eine Ära der neuen, auf richtigen menschlichen Beziehungen basierende Erziehung zu initiieren, wenn derartige Veränderungen stattfinden, sowohl nach innen und psychologisch als auch äußerlich durch die Gesellschaft. Bezüglich des Individuums und seiner sozialen Umwelt lassen sich auch die zwei Formen der richtigen Beziehung anführen, denn wenn jemand eine gute Beziehung zu sich selbst hat, wird er intuitiv zu richtigen Beziehungen mit anderen geführt. Indem wir diese Tatsache durch inneres Nachdenken und äußere Beobachtung überprüfen, bestätigen wir nochmals die immense Wichtigkeit der Umsetzung von Art. 25, denn er ist die Vorahnung des Prinzips des Teilens, die letztlich Balance in das angesprochene Chaos der zerstörerischen Selbstverzehrung bringen und dabei die Türen öffnen wird für eine einfachere, nachhaltigere und friedlichere Art, mit seinen Mitmenschen und der Natur zu leben.

Wenn man über die Bedeutung richtiger menschlicher Beziehungen nachdenkt, ist es daher hilfreich, das Prinzip des Teilens als einen großen "Sozialdoktor" oder einen planetarischen Psychotherapeuten zu betrachten, der die Kraft hat, unablässig und auf fast jede erdenkliche Art zu heilen indem er den Hungernden Nahrung gibt und die Kranken heilt, zerbrochene Familien wieder zueinander führt und geistige Gesundheit wieder herstellt, Gemeinschaften wieder aufbaut und Menschen ihr Selbstvertrauen und ihre Kreativität wiederfinden lässt. Wenn man sich also als Individuum oder als Gruppe heilen will, sollte man von der Weltpolitik die Einführung des Prinzips des Teilens fordern und der Menschheit dienen, indem man mit seiner ganzen Kraft für Art. 25 eintritt, sich damit selbst von dieser Krankheit namens Spaltung lossagt, und seinen Anteil zur Schaffung einer neuen, auf richtigen menschlichen Beziehungen basierenden Welt beiträgt.

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Der Leser mag sich immer noch fragen, wie man Millionen von Menschen überzeugen kann, so wie beschrieben auf die Straße zu gehen, worauf der Autor nur erwidern kann, dass die Verantwortung dafür allein beim Leser liegt. Es kann hier keine andere Anleitung für diese friedlichen Massenproteste gegeben werden, außer derjenigen, dass der Leser die Bedeutung und das Potenzial der Forderung nach Art. 25 als brauchbare Strategie für die Transformation der Welt persönlich aus allen Blickwinkeln untersuchen sollte. Wenn die Zeit gekommen ist, reicht möglicherweise ein Funken aus, genauso wie die Idee, die Macht der "99%" zu verkünden, von einem Menschen zum richtigen Zeitpunkt entfacht wurde. Und die Zeit, Art. 25 durch weltweite Demonstrationen auf genau dieser Grundlage innerhalb der Vereinten Nationen wiederzubeleben, kommt bald - nein, sie ist schon hier.

Nichtsdestotrotz kann die Frage nach dem "wie?" sehr einfach beantwortet werden; wir müssen einzig und allein unsere Herzen erwecken, denn im menschlichen Herzen liegt die Liebe und Weisheit der gesamten Menschheit (wie der Autor bereits belegt hat). Wenn ein reicher Mensch die Welt mit neuen Augen betrachtet und für sich feststellt: "Mein Gott, es gibt überall so viel Geld und Reichtum, und trotzdem sterben so viele Menschen in Armut!", dann stellt diese banale Beobachtung selbst den Beginn einer durch das Engagement des Herzens realisierten verwirklichten Weisheit dar. Wenn sich dieser Mensch dann bereit erklärt, seinen Reichtum einzusetzen, um menschliches Leid zu verringern, stellt diese Handlung selbst einen Ausdruck der Liebe und der Weisheit in dieser Welt dar. Das Herz mit seinen Eigenschaften ist immer  schlicht und dennoch sehr, sehr weise, denn es kann uns trotz unserer Selbstgefälligkeit, Gleichgültigkeit und geistigen Konditionierung dazu bringen, zu erkennen, wer wir Menschen wirklich sind.

Um die Herzen von Millionen Menschen für die Bedürfnisse anderer zu erwecken benötigen wir Vertrauen, Inspiration und Freude, und all diese Qualitäten werden ans Licht kommen, sobald sich genug Nationen mit dem gemeinsamen Ziel versammeln, Armut und Hunger zu bekämpfen. Dann werden wir erkennen, dass viele der Aktivisten, die heute für Gerechtigkeit kämpfen - einschließlich der verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen und fortschrittlichen politischen Gruppierungen - unbewusst das Teilen der Ressourcen durch die Umsetzung von Art. 25 fordern. Wenn es also eines Funkens bedarf, um die Eigenschaften des menschlichen Herzens zu erwecken (Liebe und Weisheit, ausgedrückt beispielsweise durch Mitgefühl, Empathie, Großzügigkeit und Teilen), dann ist diese der Funken einer von Konditionierungen befreiten Intelligenz, die sagt: "Lasst uns Hunger und Armut ein für alle Mal beenden, denn die Zeit dafür ist jetzt endlich gekommen und wenn genug Leute mitmachen, können wir es wirklich schaffen!"

Fakt ist, dass die meisten durchschnittlichen Menschen stark konditioniert sind und sich über die kritische Situation der Welt nicht im Klaren sind, wenngleich es unglücklicherweise Teil unserer Konditionierung ist, von dem überwältigendem Ausmaß menschlichen Leides zu wissen und nichts dagegen zu unternehmen. Was kann man also auf die Frage "wie wird das alles anfangen?" anderes antworten als "indem Sie ihre Intuition und ihren gesunden Menschenverstand benutzen, und dann nochmals ihren gesunden Menschenverstand!" Ein Großteil der Menschheit ist jetzt bereit, also lassen Sie uns erkennen, dass wir alle für dasselbe Ziel kämpfen und versammeln wir uns durch das Engagement unserer Herzen, lassen wir uns von Art. 25 die Freude am Leben zurückbringen, die Freude an der Kreativität und die Freude an der Erkenntnis, dass die Menschheit eins ist.

Wir scheinen jetzt einen derartigen Zustand der Verwirrung erreicht zu haben, dass diese Frage von "wie?" in einer Vielzahl widersprüchlicher Antworten der politischen Fraktionen und unzähligen spekulativen Theorien, untergeht. Jeder Aktivist, der erklärt "eine andere Welt ist möglich" ist unfähig, all das spalterische Denken hinter sich zu lassen und eine umfassende, vereinigende und brauchbare Strategie oder einen Entwurf für eine planetare Transformation vorzulegen. Es mag daher stimmen, dass eine andere Welt möglich ist, aber nicht ohne gesunden Menschenverstand (frei von Ismen und Ideologien) und der Beteiligung des Herzens von einer sehr großen Anzahl an Menschen. Dennoch haben wir uns so lange geweigert, auf unser Herz zu hören, dass die Welt auf einen katastrophalen Höhepunkt zurast, vor dem uns scheinbar nur ein göttliches Eingreifen bewahren kann, wenn man die Sackgasse bedenkt, die der Mensch durch seine eigene Arroganz und Rücksichtslosigkeit geschaffen hat, sodass sogar das Wetter fast irreparabel geschädigt ist.

Paradoxerweise hätten die Religionsführer der zahllosen Kirchen, Synagogen, Moscheen und Tempel auf der ganzen Welt schon lange die wichtige Botschaft predigen können, das Herz zu öffnen und die sterbenden Armen zu retten, anstatt ihre Zeit damit zu verbringen, möglichst viele Anhänger um sich zu scharen und sich in geheiligte Ismen zu flüchten. Wir könnten uns fragen, wieso es beispielsweise für die Kirche so schwer ist, über die Ungerechtigkeit von Hunger in einer Welt des Überflusses zu sprechen und ihre Gemeinde damit zur Heilung der Welt zu erziehen, anstatt ausschließlich Maria und Jesus anzubeten - und damit die Bedeutung der einfachen Lehren Christi in der heutigen Zeit ernst zu nehmen.[11] Man könnte einwerfen, dass die Kirche die Menschheit von jeher hätte lehren sollen, wie man sein Herz öffnet und anderen dient. Diese Rolle wurde unter all den Dogmen, Glaubensspaltungen und scheinheiligen Skandalen ihrer unrühmlichen Geschichte größtenteils aufgegeben. Wie immer gibt es keinen psychologischen Unterschied zwischen dem Politiker und dem Priester, wenn beide vom Gedanken an Macht oder persönliche Privilegien motiviert werden. Der eine strebt danach, sich in den Geschichtsbüchern zu verewigen, während der andere ein "Auserwählter" in den Augen Gottes sein will. Mit unserem Wissen um das alarmierende Ausmaß menschlichen Elends kann man getrost sagen, dass kein Politiker oder Priester eine Ahnung von echtem Dienst an der Menschheit oder Mitgefühl im Namen Jesus´ hat, solange sie nicht jede Sekunde ihres Tages damit verbringen, das Prinzip des Teilens in ihren Gemeinden, Ländern und auf der ganzen Welt umzusetzen.

Wenn wir uns vorstellen, Christus würde heute zurückkehren und weltweit auf den Bildschirmen zu sehen sein, wäre es interessant, zu hören, was Sein göttlicher Rat an die Regierungen und die Menschheit im Ganzen wäre. Würde Er mit Hilfe von komplizierten akademischen Fachbegriffen über die Zerstörung des Kapitalismus und die Schaffung einer sozialistischen Alternative dozieren, oder würde Er unsere Herzen ansprechen und uns auffordern, an unsere Mitmenschen zu denken und umgehend die Millionen Hungernden zu retten? Würde Er uns raten, nur mit unseren Nachbarn und innerhalb unserer Gemeinde zu teilen, oder würde Er uns dazu auffordern, die Weltressourcen auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Mitgefühl und richtigen menschlichen Beziehungen zu teilen? Vielleicht wäre Seine Antwort einfach und klar, trotz Seines vollkommenen Verständnisses unserer Probleme, denn in Seiner Weisheit würde Er sehen, dass die Umsetzung von Art. 25 das Gegenmittel ist für eine gespaltene Welt, die sich den Kräften der Kommerzialisierung unterworfen hat. Aber wie viele Menschen glauben wir, würden Seinem Rat folgen? Wie viele wären erbost über Seine einfache Anweisung, zu teilen und unsere Welt zu retten? Wie vielen Menschen wären seine Worte egal, auch wenn sie in einem universellen Pfingstwunder von der Liebe Christi ergriffen werden? Von diesen drei möglichen Reaktionen sollte uns letztere die meisten Sorgen machen, denn derjenige, der den Rat ablehnt, denkt zumindest darüber nach und kann möglicherweise umgestimmt werden. Die dritte Gruppe ist weitaus besorgniserregender, denn sie spiegelt die tief sitzende Gleichgültigkeit wider, die unsere Gesellschaft durchzieht und die menschliche Evolution seit Tausenden von Jahren bremst. Wir könnten spekulieren, dass sich die Götter mittlerweile an die Unmenschlichkeit der Menschen gegenüber ihren Mitmenschen gewöhnt haben, aber Sie haben sich nie an unsere Selbstgefälligkeit und Indifferenz gewöhnt, die es möglich macht, dass sich die Geschichte immer wieder von neuem wiederholt. Von ihrer göttlichen Perspektive, ist es wohl der wahre Grund, warum blutige Konflikte und abstoßende Ungerechtigkeit von Generation zu Generation ewig fortdauern weitergegeben werden.

Unglücklicherweise führen uns diese Vorstellungen zu einer unheilvollen Schlussfolgerung, denn die wenigen Gelegenheiten, zu denen sich ganze Gesellschaften für eine gemeinsame Sache zusammengeschlossen haben, waren immer gekennzeichnet von Krieg oder sozialen Auflösungserscheinungen, wie man auch in den letzten Jahren nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft in bestimmten Ländern beobachten konnte. Vorausgesetzt, wir akzeptieren, dass wir, um die Welt zu verändern, zunächst die Herzen unzähliger Menschen für das gemeinsame Ziel gewinnen müssen, legt die Geschichte nahe, dass es tatsächlich zwei Erlöser gibt, die diese enorme Aufgabe initiieren könnten. Während viele spirituell geprägte Menschen ihre Hoffnung in die Wiederkehr des Christus, des fünften Buddha, des Imam Mahdi oder Krishna legen, werden andere rational schlussfolgern, dass ein endgültiger Niedergang der Weltwirtschaft nötig ist, in einem derartigen Ausmaß, dass der bisherige egoistische und profitgetriebene Modus Operandi keine Option mehr ist. Wenn nämlich Menschen gezwungen sind, sich gegenseitig zu helfen und zu teilen, um zu überleben, fällt es leicht zu erkennen, dass eine andere Art des Zusammenlebens möglich ist, ohne in unseren sozialen Beziehungen psychologisch entzweit zu bleiben. Wenn wir auch nur eine einzige Dose Sardinen mit einem Bedürftigen teilen, so liegt doch Freude in diesem einfachen Akt des Gebens. Darüber hinaus werden diejenigen, die aus reiner Notwendigkeit und Alternativlosigkeit teilen müssen, möglicherweise ein Gefühl des Friedens in ihrer Gemeinschaft spüren. Egal wie klein dieser unvermeidliche Effekt ist, so ist das Prinzip des Teilens doch immer mit Freude und Frieden verbunden, wo auch immer es angewandt wird - von der lokalen bis zur internationalen Ebene.

Somit braucht es vielleicht einen umfassenden Kollaps des Wirtschaftssystems, um uns aus unserer Konditionierung aufzurütteln, unsere Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der weniger Privilegierten zu überwinden und unsere Herzen zu öffnen gegenüber dem Kummer der Millionen von Menschen ohne Zugang zu den wichtigsten Ressourcen. Vielleicht müssen wir erst stürzen, bevor wir vereint aufstehen und den richtigen Weg beschreiten können, denn wenn nicht durch gesunden Menschenverstand und Mitgefühl, so werden wir doch immer von Unglücken und Katastrophen zum Handeln angespornt. Mit anderen Worten, vielleicht braucht die Menschheit nicht nur Liebe, sondern eine große Krise, um sich schließlich aus dieser ernsten Situation zu befreien. Diese wurde verursacht von unserer Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit über all die Jahre und hat uns dahingehend konditioniert, dass wir um jeden Preis nach unserem persönlichen Glück streben, selbst wenn die Welt um uns herum zerbricht.

Selbst jetzt sind wir noch derartig durch alte Denkmuster konditioniert, dass wir möglicherweise wieder zu unserem materialistischen und isolierten Leben zurückkehren, wenn die Wirtschaft zu ihrem früheren Zustand des Wachstums und der scheinbaren Stabilität findet. Selbst heute ist das Ziel vieler Proteste und Bewegungen in wohlhabenden Ländern nicht die Transformation der Welt zu Wohle aller, sondern die Rückkehr zum Leben vergangener Tage - ungeachtet der systemischen Ungerechtigkeiten, die für die riesigen Unterschiede in den Lebensstilen von Arm und Reich verantwortlich sind. Das verdeutlicht noch einmal, dass der durchschnittliche Bürger genauso verantwortlich für die Probleme der Gesellschaft ist wie der Politiker, denn die Regierung spiegelt zumindest zu einem gewissen Grad die Mentalität wieder, die einen großen Teil des öffentlichen Bewusstseins durchzieht. Lassen Sie uns nicht vergessen, dass Politiker lediglich Menschen sind, die ungeachtet der jeweiligen Ideologie ihren Absichten im Allgemeinen treu bleiben, und dass es die Bevölkerung ist, die ihre polarisierende Denkweise durch ihr Festhalten an politischen Ismen unterschiedlichster Ausführungen aufrechterhält.

Darin liegt die größte Gefahr unserer Zeit, denn ein ernsthafter Absturz der Weltwirtschaft könnte zu Gewalt und Revolutionen führen, wenn einzelne Gruppierungen in bestimmten Gesellschaften versuchen, die die Mächtigen zu stürzen. Lassen Sie uns auch nicht vergessen, dass ein gewaltsamer Aufstand der Öffentlichkeit sehr gefährlich ist aufgrund des gewaltigen Staatsapparats, der mit umfassender Unterstützung durch führende Politiker und herrschende Finanzinteressen auf diese weltweit lang erwarteten Ereignisse gut vorbereitet ist. Wenn also nach einem wiederholten Wirtschaftskollaps genug Menschen gewaltsam gegen ihre Regierung protestieren, stehen uns soziale Unruhen oder sogar weitere Bürgerkriege bevor, wie wir es leider seit 2011 im Mittleren Osten beobachten konnten, wo unterschiedlichste Fraktionen oder "Ismen" zunächst ein autoritäres Regime und sich danach gegenseitig bekämpften.

Die einzige Möglichkeit, die brisante Entwicklung der Weltsituation in andere Bahnen zu lenken, ist derart einfach, dass sie noch einmal wiederholt werden muss: Wir müssen die Eigenschaften unseres Herzens in massive weltweite Proteste einbringen, ohne einen Gedanken an Ideologien oder Eigeninteressen zu verschwenden, denn einmal aktiviert, ist das menschliche Herz unendlich weise und unfähig, "dagegen" zu sein. Die fortschrittliche Jugend stimmt sich schon auf diese neue Energie ein, die in die Welt strömt, und sie wissen, dass es an der Zeit ist, sich wegzubewegen vom alten Bewusstsein, das sagt "das ist meins und nicht deines", "du bist schwarz und ich bin weiß", "das liegt nicht im Interesse des Landes" oder "du musst jeden Tag wie den anderen leben". Dieses schnell wachsende und vereinigende Bewusstsein gibt uns einigen Grund zur Hoffnung für die Zukunft, obwohl die erbittert progressiven Ansichten vieler junger Aktivisten eine weitere Gefahr für die Gesellschaft darstellen, wenn ihnen die Vertreter unserer langen, unrühmlichen Vergangenheit nicht genau zuhören.

Der Tag der Abrechnung ist nahe, wie sollen wir uns also zu dieser neuen und besseren Welt entwickeln? Über den Sozialismus? Über die Anarchie? Über die Religion? Oder werden wir uns friedlich in unvorstellbarer Zahl vereinen, bis unsere Regierungen bereit sind, die Ressourcen der Welt zu teilen? Ein einzelner Protest wird nie funktionieren. Hundert Aufmärsche an verschiedenen Tagen bewegen wahrscheinlich sehr wenig. Doch tausende und abertausende von Demonstrationen, weltweit und zur selben Zeit, für die Umsetzung von Art. 25, jeden Tag neu fortgesetzt ohne Unterbrechung? Das könnte gerade genügen.


Mohammed Mesbahi ist der Gründer von STWR.

Erfahren Sie mehr auf www.sharing.org

Übersetzung vom englischen ins deutsche: Lukas Müller, Berlin 2015.
 

Noten


[1] Siehe unter note 2. 

[2] cf. Mohammed Mesbahi, „Ein Diskurs über Ismen und das Prinzip des Teilens”, op cit.

[3] cf. Mohammed Mesbahi, “Kommerzialisierung: die Antithesis des Teilens”, Share The World's Resources, April 2014. <www.sharing.org/information-centre/articles/kommerzialisierung-die-antit...

[4] Mohammed Mesbahi, “Wach auf Amerika, wach auf!”, Share The World's Resources, October 2014. <www.sharing.org/information-centre/articles/wach-auf-amerika-wach-auf>.

[5] Mehr zu diesem Thema: Mohammed Mesbahi, “Vereinigung der Menschen in der Welt”, Share The World's Resources, May 2014. <www.sharing.org/information-centre/articles/vereinigung-der-menschen-der...

[6] Willy Brandt, Nord-Süd Kommission: Das Überleben sichern (The Brandt Report), MIT Press, 1980; Willy Brandt, Common Crisis, North - South: Co-Operation for World Recovery, The Brandt Commission 1983. London: Pan 1983. 

[7] Share The World’s Resources, Financing the global sharing economy, October 2012. <www.sharing.org/information-centre/reports/financing-global-sharing-econ...

[8] Willy Brandt, op cit.

[9] Anmerkung des Editors: Im Anschluss an die Vorschläge der Brandt Kommission, versammelten sich im Oktober 1981, 8 Industrieländer und 14 Entwicklungsländern in Cancun, Mexiko, für einen Gipfel, zum Thema Armutsprobleme in der Welt, um die langwierigen Verhandlung die stetig in der Sackgasse enden, zu brechen. Die Hoffnung war, dass Repräsentanten von Staatsoberhäuptern sich in einem informellen Rahmen für 2 Tage treffen, welches die Dynamik und Gutwilligkeit erzeugen sollten, um globale Verhandlungen vorwärts zu bringen. Jedoch materialisierten sich am Ende keine konkreten Vorschläge und die Anforderungen der Süd-Länder für eine globale Umverteilung der Ressourcen blieb unerfüllt. US-Präsident Ronald Reagan lehnte die Ziele des Gipfels vollständig ab um die Brücke zwischen den wenigen Industrieländern und den in der Mehrheit armen Ländern zu überbrücken. Obwohl nicht alle Empfehlungen der Brandt Kommission aktuell sind (insbesondere seine Betonung auf erhöhte Handelsliberalisierung und globale keynesianische Politik in einer Zeit wo wir in rasender Geschwindigkeit auf unsere ökologischen Grenzen zugehen), gibt es noch viel, dass die politischen und bürgerlichen Aktivisten der Gesellschaft daraus ziehen können, das " Programm der Prioritäten "und seine Vision für eine gerechtere Welt. Vor allem gehört dazu auch das vorgeschlagene Fünfjahressofortprogramm, die massive Ressourcentransfers in weniger entwickelte Länder und die weitreichende Agrarreformen. Außerdem hat die Kommission für ein neues Weltwährungssystem aufgerufen, ein neues Konzept für die Entwicklungsfinanzierung, ein koordinierter Prozess der Abrüstung und ein globaler Übergang zu grünen Energiequellen und weg von der Abhängigkeit von nicht erneuerbaren Energiequellen. Bisher hat noch keine Regierung die Vision eines multilateralen Prozesses von Brandt Vision realisiert, nämlich „eine Diskussion unter allen Ländern in Bezug auf die Nord-Süd-Thematik, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit der zuständigen internationalen Organisationen“ (Common Crisis, 1983).

[10] Mohammed Mesbahi, “Wach auf Amerika, wach auf!”, op cit.

[11] cf. Mohammed Mesbahi, “Weihnachten, das System und Ich”, Share The World's Resources, December 2013. http://www.sharing.org/node/441