Kommerzialisierung: die Antithese des Teilens

Die Gefahr ist nicht die Kommerzialisierung an sich, sondern unsere ständige Identifikation mit ihrer inneren und äußeren Erscheinung,  wodurch die Intelligenz der Menschheit  in die entgegengesetzte Richtung von Natur und spiritueller Entwicklung gelenkt wird.

Was ist denn schlimm daran, außer unserer Identifikation mit ihr?


"Sharing ist der Schlüssel  die Probleme der Welt zu lösen."  Diese Aussage ist so einfach, dass es scheitern könnte dafür zu appellieren, also müssen wir auf dieses Thema viel tiefgründiger eingehen, wenn wir verstehen möchten, was das bedeutet. Um zu verstehen, warum Teilen der sicherste Leitfaden für Gerechtigkeit, Frieden und richtige menschliche Beziehungen ist, müssen wir seinen Sinn und seine Bedeutung aus vielen Blickwinkeln untersuchen – sowohl aus psychologischer und spiritueller, wie auch aus sozialer, wirtschaftlicher und politischer Perspektive. Im Zuge unserer Untersuchung ist es daher notwendig, die Entwicklung unserer Gedanken genau zu beobachten, so dass  keine Ideologien, Überzeugungen oder Ismen in unser Denken geraten. Es gibt Myriaden von Möglichkeiten die Natur dieses Prinzips Teilen zu erfassen, denn es ist ein Kraftwerk innerhalb der Gesetze des Lebens, und jeder kann darin intuitiv seine außergewöhnliche Vielseitigkeit erfahren. Und wenn es stimmt, dass Teilen von grundlegender Bedeutung für unsere weitere Entwicklung auf dieser Erde ist, dann ist die erste Frage die wir untersuchen müssen: Warum wird dieses Prinzip nicht als die Lösung für die Krise unserer Zivilisation verstanden?

Ein Weg, um herauszufinden, wie Sharing in unserer Gesellschaft unterminiert wurde, ist es zu beobachten wie Kommerzialisierung sich allmählich in unserem Bewusstsein etabliert hat. Es ist leicht zu sagen, dass Teilen die Lösung für das Übel der Welt ist, aber diese Behauptung wird nur zu einem anderen pathetischen Glauben, wenn man bedenkt, wie die Kommerzialisierung ihren Griff auf unsere Evolution von Stunde zu Stunde verschärft. Um den Schlüssel zur Lösung der Probleme der Menschheit zu finden, müssen wir uns jedoch fragen, wie und warum haben wir den Politikern die   Macht gegeben unsere sozialen und wirtschaftlichen Vereinbarungen, als auch unsere Ausbildung und unser tägliches Leben zu dominieren. Vor allem müssen wir durch Selbstreflexion und mit innerem  Bewusstsein untersuchen, wie unsere Selbstgefälligkeit und falsche Erziehung zu einer kollektiven Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer geführt hat.

Auf einer persönlichen Ebene,  wie in unseren Familien und Gemeinden, verstehen wir alle was Teilen bedeutet. Also, warum verstehen so wenige Menschen die Notwendigkeit, das Prinzip des Teilens auf nationaler und internationaler Ebene zu implementieren? Zum größten Teil, kann die Antwort auf diese Frage einfach ausgedrückt werden: Es kommt daher, weil die Basis unserer Gesellschaft so aufgebaut ist,  dass man den Marktkräften freien Lauf lässt. Wir haben komplexe wirtschaftliche und politische Systeme entwickelt, die immer mehr auf Profit und Vermarktung ausgerichtet sind: die Steuerstrukturen, die Großunternehmen, die zahlreichen gesetzlichen Regelungen die geschaffen werden um private Interessen zu verteidigen - all das schafft eine sehr komplizierte und gespaltene Gesellschaft. Niemand versteht das System am Ende, aber das System versteht genau, wie es uns für seine eigenen Zwecke manipulieren kann. Und in einer so komplexen Gesellschaft, die so viele Gesetze und Richtlinien erstellt um die Vermarktung zu erleichtern, ist das Prinzip des Teilens fast nicht existent.

Solange wir in einer Gesellschaft leben, die von Profitstreben und Kommerzialisierung angetrieben wird, wird das Prinzip des Teilens immer in den Schatten gestellt werden. Kommerzialisierung tritt ein, Teilen verschwindet: das können wir in allen Bereichen der menschlichen Betätigungen beobachtet. Die gleiche Realität gilt auch bei der Umwelt: wenn Kommerzialisierung auftritt,  hat  die Natur verloren. In der Tat, wenn Kommerzialisierung ins Spiel kommt, kann das angreifend und so zerstörerisch sein, dass ganze Familien zusammenbrechen. Traditionen und nationale Identitäten können zu Bruch gehen, wie wir schon mit etlichen Freihandelsabkommen und der wirtschaftlichen Integration in Europa gesehen haben. Überall dort, wo diese Kräfte entfesselt werden, kann das zu einer wachsende Kluft zwischen Arm und Reich führen, zu einem Verlust der Solidarität in der Gemeinschaft und eine Ansteckung  geistiger Unruhe und schließlich wird der Menschen von seiner Gott gegebene Intelligenz in die entgegengesetzte Richtung des sozialen Fortschritts und der Evolution gelenkt. In der Tat, wenn Kommerzialisierung lange genug blind weiterläuft, kann es sogar zu einer Gefährdung des menschlichen Lebens kommen.

Die Bedeutung von Kommerzialisierung

Wir sprechen nicht über Kommerz per se, sondern über  Gier und Selbstsucht, die auftreten, wenn  die Marktkräfte entfesselt werden, und die sich daraus ergebende Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit. Dass heißt nicht, dass wir im Handel beschäftigt sein müssen um davon befallen zu sein, es gilt für uns alle, weil wir alle in einer Welt, die von den Marktkräften durchsetzt ist, leben. Die Gefahr liegt auch nicht im Prozess der Kommerzialisierung per se, sondern unserer konstanten Identifizierung mit ihrer inneren und äußeren Manifestation. Es hat keinen Sinn zu versuchen die Kommerzialisierung psychologisch zu begreifen, oder sie zu definieren, weil wir die dunklen Kräfte nicht verstehen, welche ihre Vorgänge durch ein Fachwort untermauern. Die Weltlage hat sich in einem solchen Ausmaß verschlimmert, dass  eine Erklärung im Duden bezüglich Kommerzialisierung sinnlos ist, im Hinblick darauf was in der heutigen Gesellschaft wirklich geschieht. Das alte Verständnis vom Handel, einfach kaufen und verkaufen, ist fast verloren gegangen, und aus einer bestimmten Perspektive haben die Kräfte des Marktes unsere Zellen wie eine Krankheit infiltriert und sie in einen leisen Killer verwandelt, genannt Kommerzialisierung. Sie ist ein Teil von uns und sie lebt in uns. Die Kommerzialisierung ist das System, das wir in Beziehung zur Erde und untereinander erzeugt haben, und in der Entwicklung des Menschen und die dem Leben in der Gesellschaft innewohnt. Natürlich ist es nicht verkehrt, einen systematischen Austausch von Waren und Dienstleistungen innerhalb oder zwischen Nationen zu haben, aber wie man ein Messer verwenden kann um entweder Gemüse zu schneiden oder einen Menschen zu töten, so kann auch Kommerz zum Guten oder Bösen verwendet werden.

Unsere Untersuchung zielt darauf ab, wie Kommerzialisierung unsere Kreativität von der Erfüllung der einfachen Bedürfnisse, die wir alle gemeinsam haben, irregeführt hat und unsere Motive verzerrt hat zu geistlosem Streben nach Profit und endlosem Verbrauch. Warum können wir die zerstörerische Kraft der Kommerzialisierung nicht erkennen, trotz all der Schäden die sie in der Gesellschaft und in der Umwelt  anrichtet, und sie beschränken? Eine Antwort auf diese Frage kann ganz einfach sein: es ist, weil wir alle auf der Suche nach Glück sind. Und die Kommerzialisierung ist sehr klug, sie verspricht uns Glück, ein "gutes Leben", ein bequemeres Leben und Sicherheit. Wir sind alle auf der Suche nach Sicherheit. Aber es wird uns ein falsches Gefühl der Sicherheit verkauft - eine gefährliche Phantasterei.

Auch hier geht es nicht um die Sicherheit als solches, wie die Art der physischen Sicherheit die eine Familie nach Nahrung und Obdach suchen lässt, sondern um psychologische Sicherheit, die uns letztlich dazu führt noch weiter voneinander getrennt zu werden, und im wesentlichen unsere Intelligenz und Freiheit ableugnet. Es ist das Bedürfnis nach psychologischer Sicherheit, das unsere Persönlichkeit ständig weiter antreibt in der Suche nach dem illusorischen Glück. Und die Kräfte der Kommerzialisierung sind Experten darin uns ein solches Glück zu versprechen, indem sie unseren Verstand verwirren, weit entfernt vom Bewusstsein des Selbst, dem einzigen Ort, wo wirkliche Zufriedenheit oder Freude gefunden werden kann. Glück im Kontext einer stark kommerzialisierten und ungerechten Gesellschaft ist eine der hässlichsten, gesellschaftlichen Phantasien an die wir uns klammern, denn in so einer Gesellschaft kann individuelles Glück nur Hand in Hand mit Elend und Leid gehen. Wie ein Waschbecken, es hat immer zwei Hähne; einen heißen und einen kalten. Glück und Unglück existieren in einer kranken Gesellschaft zwangsläufig nebeneinander. Die Sehnsucht nach dem illusorischen Glück kann auch dann gefährlich sein, wenn wir in diesem Prozess  emotional gefangen sind und uns nur mit uns selbst beschäftigten, und ein fremdbestimmtes,  nicht kreatives Leben führen. Es dauerte nicht lange bis unsere natürliche Tendenz zur Nächstenliebe und für Mitgefühl denen gegenüber die weniger Glück haben als wir, durch Selbstgefälligkeit, Gleichgültigkeit und Angst außer Kraft gesetzt wird. Das führt uns zu einer wichtigen Frage: Welche Beziehung besteht zwischen der Suche nach dem Glück und Angst?

Entfernung der Selbsterkenntnis

Die Fähigkeit sich in Selbsterkenntnis ohne Angst zu beobachten, wurde schnell von den Kräften der Kommerzialisierung weggenommen. Sogar in unseren engsten persönlichen Beziehungen leben wir  in Angst,  als Ergebnis unserer kontinuierlichen Suche nach Glück und Sicherheit, und an dieser Stelle dringt die Kommerzialisierung  dann in alle menschlichen Lebensbereiche ein und schadet uns psychologisch. So werden endlose Wünsche nach Objekten und Besitz kreiert, und das limitiert unsere Bewusstsein in einer Weise, dass wir die emotionalen Bindungen nicht übersteigen. Das kann uns so klein machen,  dass wir eine Nacht lang anstellen für den letzten Schrei oder eine Spielerei, die uns so in Trance versetzen, das wir zuletzt denken, dass Einkaufen unsere Religion wird, oder dass die tiefste Bedeutung darin liegt 'Kaufen Sie zwei und erhalten Sie eins dafür gratis ". Es kann eine Person dazu führen einen zukünftigen Partner anzuschauen und zu denken: "Schaut gut aus, aber ob er auch Geld hat?" Oder es kann die Teenager dazu zu bewegen, ihre Mitschüler nachzuahmen und danach zu streben, wie sie zu sein, ständig die letzte Mode zu tragen und den teuersten  "Look" zur Schau stellen. Es ist sehr einfach für die Kommerzialisierung das Gehirn von Kleinkindern und die wahre Bedeutung von Bildung, die auf innerer Freiheit und Selbsterkenntnis beruht,  zu manipulieren  und  es ist kaum möglich  Konformität oder Wettbewerb, zu beeinträchtigen. Kommerzialisierung macht uns klein, es macht uns Angst, es degradiert unsere Bescheidenheit, und wir sind uns dessen nicht einmal bewusst. Konditionierung und Angst wurde von diesen Kräften so tief in uns verankert, dass die Einfachheit des Teilens für uns keinen Anreiz hat, und das verursacht geistige Blindheit auf höchster Ebene.

Beachten Sie die psychologische Grund-Dynamik, die durch die Vermarktung in unser Bewusstsein eingepflanzt wurde: konstantes messen und vergleichen  verschiedener Menschen und die instinktive Verehrung von Erfolg, der Wunsch "etwas zu erreichen" um ein "Jemand" zu werden. Und die gleiche Bewunderung von Erfolg und Leistung ist in unseren Kindern vom frühesten Alter an verwurzelt; damit sie sich eines Tages im Spiegel betrachten können mit den Worten „Ich hab es geschafft“. Auch der Künstler strebt danach und sagt: "Ich hab es erreicht", oder will, dass andere von ihm bewundernd sagen: "Kennen sie diesen Mann? Er hat so viel erreicht! ". Aber wenn wir uns selbst definieren, im Vergleich zu anderen, wenn wir uns ständig messen und vergleichen mit anderen, die etwas haben das wir nicht haben, erschaffen wir letztendlich einen eigenartigen Minderwertigkeitskomplex, der den Ausdruck des geistigen Potenzials und der richtigen mitmenschlichen Beziehungen verhindert. Diese Dynamik gefällt der Kommerzialisierung sehr gut. Durch unsere stete Würdigung von Erfolg und Leistung, unterstützen wir die Erhaltung der Kräfte der Materialität und des Wettbewerbs in jedem Bereich unseres Lebens - in den Schulen, an unseren Arbeitsplätzen, in unserem Heim, ja sogar in unseren Träumen.

Stellen Sie sich vor, eine berühmte Persönlichkeit oder ein Millionär käme in den Raum, wie anders wäre unsere Haltung dieser Person gegenüber als wir uns sonst verhalten würden.  Denn wir sind auch so, wir sind konditioniert zu denken: "Werde erfolgreich, dann bist auch du jemand". Durch unsere soziale Konditionierung sind wir alle geneigt uns innerlich vor der  Autorität eines „Jemand“ zu beugen, also im wesentlichen macht Kommerzialisierung so Maschinen aus den Menschen. Seine erste Aufgabe ist es, uns glauben zu machen, dass Erfolg der richtige Weg ist, und es wird uns gesagt um erfolgreich zu sein müssen wir hart arbeiten, um so etwas zu erreichen. Dann erfahren wir, dass wir mit allen anderen konkurrieren müssen, um etwas zu sein und so ein "Gewinner" zu werden. Es dauert nicht lange, bis wir unsere angeborene Empathie und Kreativität verlieren und wir beginnen Ideologien und Überzeugungen zu folgen, bevor wir uns dann anpassen und selbstgefällig werden.

Das ist das unvermeidliche Ergebnis der Anbetung von Erfolg und Leistung:  Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer. Denn so wirkt sich eine fixe Idee auf die individuelle Leistung in unserer Gesellschaft unaufhaltsam aus; es gebiert Gleichgültigkeit. So sehr, dass sogar die tugendhafte Person, die wir vernünftig nennen - ein respektabler, gesetzestreuer Bürger, der mehr oder weniger psychologisch gesund ist - sagt "es hat immer Hunger gegeben, und es wird immer so sein." Darüber hinaus ist es  schon eigenartig  welch eine düster emotionale Wirkung Kommerzialisierung auf die Person hat, die diesen unglücklichen Planeten sieht und sagt: "Ich will helfen, aber ich fühle mich so hilflos." Natürlich gibt es immer etwas, was wir tun können zur Linderung der Leiden in der Welt, aber es sind vor allem die Kräfte der Kommerzialisierung die uns überwältigten und uns das Gefühl vermitteln abgesondert, und hilflos  als Menschen zu sein.  Die Entfesselung der Marktkräfte in jedem Bereich des menschlichen Lebens raubt uns allmählich  Mitgefühl,  guten Willen,  Bewusstsein und unseren gesunden Menschenverstand. Dieselben Kräfte haben das Prinzip des Teilens mit aller Macht seit  Jahrzehnten gemobbt und sie wachsen in einer so schwer fassbaren und raffinierte Weise, dass Selbstgefälligkeit heute zur Norm geworden ist.

Ein unsichtbarer Tsunami

So ist es nicht übertrieben zu sagen, dass die Kommerzialisierung wie die Pest für die  Evolution des Menschen  ist, wie ein unsichtbarer Tsunami, eine allmähliche Sintflut auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Gesellschaft. Menschen, die an den Teufel glauben, denken besser noch einmal darüber nach wo der Teufel ist, wenn es so etwas überhaupt gibt. Unser Selbstgefälligkeit und falsche Erziehung hat die Kommerzialisierung in die Lage versetzt wie ein mächtiger Hammer zu agieren, während Sharing zu einem winzigen Nagel geworden ist. So weit, dass es zur Lebensgewohnheit geworden ist,  zu wissen, dass Menschen in anderen Teilen der Welt an Hunger sterben, während wir so gut wie nichts tun um es zu verhindern.

Es ist nicht so, dass wir unsere Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit entschuldigen könnten. Unsere Selbstzufriedenheit sollte vor Gericht gestellt werden, wo wir dann alle für  Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt werden sollten. Wir müssten eine weltumspannende Schlange vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bilden, denn wir sind alle mitschuldig. Durch unsere kollektive Selbstgefälligkeit und Gleichgültigkeit haben wir geschwiegen, während die Erde geplündert und zerstört wurde, und wir wegschauten während unsere Mitmenschen in Armut sterben. In der abschließenden Analyse, sind die Menschen, die die Erde entweihten und die, die nichts dagegen unternommen haben, ein und dasselbe, weil das eine nicht ohne das andere existieren kann. Wir könnten sogar sagen, dass derjenige, der wegschaut sogar schuldhafter ist, weil derjenige, der die Ressourcen der Welt hortet und die Erde zerstört von der Selbstgefälligkeit der anderen vollständig abhängt – ansonsten würde das nicht funktionieren.

In Wahrheit ist die Kommerzialisierung nichts anderes als ein stiller Krieg, ein Krieg gegen das Wachstum und die Entwicklung der Menschheit. Dieser Punkt kann nicht oft genug betont werden: Kommerzialisierung ist ein Krieg. Nicht nur ein Krieg zwischen den verschiedenen Seiten, zwischen konkurrierenden Nationen oder rivalisierenden Stämmen, sondern ein Krieg an sich. Ein Krieg der in jedem Haushalt, jeder Gemeinschaft und Nation geführt wird, denn die Vermarktung ist so verschlagen, so intelligent, dass es die Schwächen der Menschheit genau kennt. Sie kennt unser emotionales Wesen ganz genau, denn dort residiert sie und von dort aus  manipuliert sie. Und von hier aus dringt sie in unsere Überzeugungen und Ideologien ein, und fördert die verschiedenen Fraktionen und ernährt sich von den politischen Parteien die gegeneinander kämpfen. Sie ist so subtil, dass  sie in der Lage ist, Aktien und Wertpapiere unserer Überzeugungen und Ismen zu kaufen, und genau dort investiert sie in ihr eigenes Wachstum.

Die verborgene Realität ist, dass seit mehreren Jahrzehnten allmählich ein weiteres Auschwitz  aufgebaut wird, diesmal in einer anderen Form, es treibt die Menschheit dazu vollständig vor der Macht des  Profits und der Kommerzialisierung zu kapitulieren. Globale Kriege werden heute nicht nur  mit Panzern und Kanonen geführt, sondern durch die Zerstörung, die in der Gier der Marktkräfte verborgen ist, und die allmählich jeden Lebensbereich überschatten. Wer kann leugnen, dass Tausende unnötiger Todesfälle  armutsbedingter Ursachen nicht bereits ein Äquivalent für Auschwitz sind, und das tagtäglich? Während sich die wirtschaftliche Lage in verschiedenen Ländern weiter verschlechtert, und die internationalen Börsenkurse weiter steigen und dann zusammenbrechen, werden die Kräfte der Kommerzialisierung immer stärker triumphieren indem sie internationale Konflikte, soziales Chaos und extrem lebensbedrohliche Ungleichheit hervorbringen.

Die Minderheit der Reichen wird immer reicher, und die Mehrheit  der Armen wird immer ärmer, bis ein weltweites Auschwitz entsteht mit einem zunehmenden Massentod durch Armut und Hunger. Ein mächtiger, stiller Krieg wird auf jeder Ebene unserer Existenz geführt, den die Männer und Frauen guten Willens auf der ganzen Welt nun anfangen wahrzunehmen, wenn auch eher unbewusst. Unsere Zukunft für die menschliche Rasse hängen ganz davon ab wie wir, auf unserem Planeten Erde, auf diesen Notfall reagieren werden. Der Leser wird dazu aufgefordert, sehr gründlich über das eben gesagte nachzudenken.

Folgende Punkte fassen nur einige der verschleierten, allgegenwärtigen und sehr bedrohlichen Auswirkungen der zügellosen Kommerzialisierung auf die Menschheit, zusammen:

• Aufrechterhaltung einer mentalen Konditionierung die unsere Seele verdirbt.

• Schaffung und Vertiefung von Minderwertigkeitskomplexen im Menschen, welcher Art auch immer, wodurch die Person glaubt  "Jemand"  werden zu müssen, und bei der Erreichung dieses Ziels ihre wahre spirituelle Bestimmung im Leben einbüßt.

• Sie  vermittelt oft ein unbewusstes und zuweilen lebenslanges Gefühl der psychologischen Angst im Kopf des Menschen, so dass die Neugier oder Offenheit gegenüber der spirituellen Bedeutung des Lebens verhindert wird und damit der Selbstgefälligkeit einen andauernden Bestand verleiht.

• Es lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen ständig ab, um das Bewusstsein des Selbst im Augenblick und in der gesamten Lebenszeit zu blockieren.

• Individuen und Gruppen aller Art sind in diesem Laufwerk der Überzeugungen gefangen, und aus diesen Überzeugungen werden vielfältige Ismen genährt und aufrechterhalten.

• Hindert den Menschen kreativ und  kommunikativ zu sein und zur Gesellschaft etwas beizutragen.

• Schwächt soziale Dienste.

• Erzeugt eine Trennung zwischen Bürgern und Staat, was zu sporadischem  Ausbruch von Chaos und Unruhen führt.

• Erzeugt die Illusion, dass das derzeitige System der Ausbildung - auf Ismen, Überzeugungen und der Verehrung von Erfolg und Leistung basierend - zu sozialer Ordnung führt.

• Erzeugt in Kindern Stress, Gleichgültigkeit und eine innere Verlorenheit.

 • Erzeugt und erhält Misstrauen unter verschiedenen Menschen in der Gesellschaft, bis  Zynismus und Angst im Umgang miteinander zur Regel wird.

• Ersetzt eine Kultur der Ethik und Moral mit der Obszönität der extrem Reichen, die Ihren Reichtum vor den Armen zur Schau stellen.

• Führt zu akuten Gefühlen der Einsamkeit in Menschen aus allen Bereichen des Lebens, eine  Einsamkeit die jeden dazu führen kann sich arm und wertlos zu fühlen.

• Fördert weltweite Depression bis zu dem Punkt, wo Individuen und Gruppen ihren wahren spirituellen Sinn des Leben nicht mehr erkennen.

• Ergibt eine hochkomplexe Gesellschaft,  in der das einfache Verständnis für richtige menschliche Beziehungen ersetzt wird durch endlose, aufreibende und letztlich gewaltsame Verfolgung der Menschenrechte.

• Verstärkt die Überzeugung, dass andauerndes Wachstum des gegenwärtigen Systems erforderlich ist, sogar wenn die Weltwirtschaft am Boden liegt. Das gleiche System, welches bereits zu wirtschaftlichem Aufruhr, sozialen Spaltungen und universellem Schmerz und Leid geführt hat.

• Verursacht die Zerstörung der Erde und Luft, so dass jeder der ernsthaft besorgt ist über die Umwelt, kein Licht mehr am Ende des Tunnels erkennen kann.

Daher ist Kommerzialisierung in der Tat ein stiller Krieg - ein Krieg, in dem ständig Bomben auf die wahre Bedeutung von Bildung fallen; also auf die Selbsterkenntnis. Es ist ein Krieg, der sowohl psychologisch als auch materiell Millionen von Menschen in die Armut treibt und das könnte schließlich zu einem totalen Krieg zwischen allen Nationen führen.

Ein Teufelskreis

Um es zu wiederholen: Kommerz an sich ist nicht gefährlich, noch der Kapitalismus. Aber es ist die Implementierung der Samen der Anbetung des Erfolges, welche den gefährlich Prozess der Kommerzialisierung aufrecht erhalten, und in sich die Spaltung  und Zerstörung der Gesellschaft bergen. Oder um es anders auszudrücken: die Kräfte der Vermarktung unterstützen uns dabei  Erfolg zu verehren, und durch die Verehrung von Erfolg  wiederum erhalten wir die Kräfte des Profits und der Kommerzialisierung am Leben. Es ist ein Teufelskreis. Wir brauchen diese Kräfte in unserem Leben um unser Streben nach Erfolg und Leistung zu erhalten, und diese Kräfte brauchen uns, um sich selbst zu erhalten. Um so mehr Energie wir den Politikern auf der ganzen Welt geben um die Kommerzialisierung zu glorifizieren, umso mehr werden die Jünger der gierigen Marktkräfte in den Regierungen gezüchtet. Obwohl am Ende niemand gewinnt. Selbst wenn wir die Stadt verlassen, um ein ruhiges und friedliches Leben in der Stille auf dem Land zu führen, spalten wir uns vom Rest der Gesellschaft und deren Problemen ab. Selbst wenn wir die beste Ausbildung an den angesehensten Universitäten absolvieren, sobald wir die Schule verlassen, erwarten uns übel wollende Kräfte, eine immense Flut an, sozialem Druck, der unausweichlich und allgegenwärtig ist, und   unweigerlich werden wir in diesem unsichtbaren Tsunami ertrinken. Wir können nicht gewinnen, solange die Marktkräfte entfesselt sind, solange das menschliche Bewusstsein sich noch an Profit orientiert, und solange junge Menschen auf die Anbetung von Erfolg und Leistung konditioniert werden.

Wie  können wir dann über die Essenz des Teilens sprechen, wenn wir die destruktiven Auswirkungen der Kommerzialisierung nicht ins Auge fassen? Es ist unmöglich, so wie es unmöglich ist über Gerechtigkeit zu sprechen, ohne einen Blick auf unsere Mitmenschen zu werfen, die an Hunger sterben. Wie können wir teilen, wenn der Einfluss von Selbstsucht und Gier unsere Gesellschaft so im Griff hat, und wir Erfolg und Leistung weiterhin verehren? Durch ihre geschickte und manipulative Art unseren Verstand zu konditionieren, hat Kommerzialisierung  das Prinzip des Teilens so gestaltet, dass es der elende Schatten der Armen und die hilflose Mutter von Milliarden von Menschen die an Hunger leiden, geworden ist. Angesichts dieser abgründigen Macht und seiner ewigen Sintflut, ist es ganz normal, dass die Menschen das Prinzip des Teilens als naiv oder utopisch abtun, und denken dass Sie verblendet sind wenn Sie sagen, dass Sharing der Schlüssel zur Lösung all unserer Weltprobleme ist.


Mohammed Mesbahi, Gründer von STWR.

Redaktionsassistent: Adam Parsons.

Übersetzung von Ute Redl und Sonja Scherndl.

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