Ein Dialog über die gemeinsame Nutzung von Nahrung

Wenn es uns ein Anliegen ist, die andauernde, und auch kriminelle Hungersnot in einer Welt des Überflusses zu beenden,  können wir unser Handeln nicht nur auf unser Land oder unsere Gemeinde beschränken. Stattdessen sollten wir das Teilen der Nahrungsmittel auf einer globalen Ebene ins Auge fassen, vor allem hinsichtlich einer Politik, den Hunger abzuschaffen, sagt Mohammed Mesbahi 


Heute wird das Prinzip des Teilens zunehmend als Lösung für die vielfältigen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Probleme der Menschheit diskutiert. Es gibt viele Menschen und Organisationen, die jetzt über die Bedeutung des Teilens sprechen, als ein Weg vorwärts für die Gesellschaft im Zusammenhang mit Konsumreduzierung, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung oder Armutsbekämpfung. Und eine bemerkenswerte neue Entwicklung ist der Dialog über das Teilen in Bezug auf Lebensmittel. Dies kann teilen von Nahrung durch eine Wohltätigkeitsorganisation betreffen, die Verwertung der Überschüsse aus Betrieben oder Supermärkten, die kostenlose Verteilung von Lebensmitteln bei einer Veranstaltung oder einem Treffen oder auch ein Essen mit Freunden oder Fremden. Es gibt auch viele andere Zusammenhänge, in denen dieser neue Dialog stattfindet, jedoch ist es nicht die Absicht dieses Artikels die Trends und Merkmale der verschiedenen neuen Lebensmittel-Sharing Bewegungen zu analysieren. Sondern um herauszufinden, ob wir in einfachen Worten für uns selbst die tiefere Bedeutung des Teilens der Lebensmittel untersuchen können und zwar in Bezug auf die dringlichste humanitäre Krise unserer Zeit –  welche ohne Zweifel die anhaltende Existenz des weltweiten Hungers ist.

Zuerst wollen wir erkunden worin dieser wachsende Aufruf, unsere Nahrungsmittel in einer modernen Gesellschaft zu teilen, seinen Ursprung hat. Jeder kann beobachten, wie Tiere gemeinsam ihr Futter fressen und wie auch Insekten ihr Futter teilen, und wir wissen, dass Anthropologen das Thema von wechselseitigem Austausch der Nahrung seit vielen Jahren untersuchen. Aber lassen Sie uns nicht die Bewertungen der Wissenschaftler oder Akademiker mit all ihren Theorien zu eigen machen, sondern sehen, ob wir diese Angelegenheit mit unserem eigenen Verständnis untersuchen können. Was hat zu dieser Situation geführt, in der die Menschen jetzt über die Notwendigkeit sprechen, die Nahrung in einer Welt des Überflusses zu teilen? Wenn wir in der Familie gemeinsam essen, denken oder sagen wir dann zueinander: "Ich teile jetzt mein Essen mit dir? " Natürlich sagt das niemand in einer Familie, weil das Essen für alle da ist. Ein Vater wird nicht denken, dass er seine Nahrung mit seinen Kindern teilen muss, und die Kinder werden ihren Vater nicht fragen mit ihnen zu teilen. Wir leben und essen ganz einfach zusammen, als normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Der Vorgang geschieht natürlich und ganz automatisch. Also wo haben wir den Punkt erreicht wo wir sagen: 'Lasst uns das Essen teilen', wenn man bedenkt, dass die Welt mehr als genug Nahrung für alle produziert? Indirekt ist es ein Hinweis darauf, dass etwas an unserem gesellschaftlichen Umgang miteinander nicht stimmt.

Einerseits sind da all die Probleme die die Menschheit quälen, all die schrecklichen Dinge, die jeden Tag passieren - die weit verbreitete Gewalt und das Leid, die Extreme von Armut und Luxus, und alle Spaltungen die unserer Gesellschaftsordnung hervorgebracht hat. Und dann, inmitten von diesem Aufruhr, setzt sich plötzlich die Idee, unser Essen zu teilen, durch. Aber wenn es diese Spaltung in der Welt nicht gäbe, keine Benachteiligung oder Hunger, dann würden wir der Idee unsere Nahrung zu teilen keine Aufmerksamkeit schenken. So wie eine Familie nicht zweimal darüber nachdenkt ihre Nahrung miteinander zu teilen, so würde die Familie der Nationen die weltweit reichlich vorhandene Nahrung ganz selbstverständlich miteinander teilen, und niemand müsste die Notwendigkeit des Teilens erwähnen. Dann wäre es natürlich, logisch und ein normaler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Also vielleicht ist die Frage nicht, warum es notwendig ist unsere Nahrung miteinander zu teilen, sondern warum wir die Welt so organisiert haben, dass es nicht möglich ist, dass die Nahrung jedem frei zur Verfügung steht? Geht es darum die Lebensmittel die wir für uns selbst erworben haben zu teilen, oder den Zugang zu Lebensmitteln, die so großzügig zur Verfügung stehen, nicht zu verweigern? Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht eine grausame Ungerechtigkeit. Erstens, bestreitet unsere Welt den Zugang zu Lebensmittel für diejenigen die kein Geld dafür haben sie zu bezahlen, also wer arm ist, hat nicht das Recht, sich und seine Familie zu ernähren. Zweitens, und besonders erschreckend, gibt es so einen Überschuss von Lebensmitteln in der Welt, dass die Unternehmen es vorzuziehen sie zu verschwenden oder zu vernichten, anstatt die Lebensmittel frei zugänglich zu machen.

Die Kommerzialisierung von Lebensmitteln

Was ist dann die Ursache des Lebensmittelproblems? Man könnte sagen, es ist die Vermarktung von Lebensmitteln, und die Art und Weise, in der die Produktion, Verteilung und der Verbrauch von Lebensmitteln in eine Richtung manipuliert wird, die falsch ist, weil es nur darum geht möglichst viel Profit zu machen. Zum Beispiel haben die grenzüberschreitenden Agrarkonzerne, die große Mengen von Lebensmitteln kontrollieren, gar kein Interesse daran, sicherzustellen, dass ihre Produkte angebaut und frei verteilt werden, sondern es geht prinzipiell nur darum Geld zu verdienen. Also, wenn es um den armen Kleinbauern geht, der dafür kämpft seine eigenen Produkte anzubauen, hat er keinerlei Rechte gegenüber den großen Unternehmen. Wenn er in einem Dorf lebt, das sich selbst ernähren kann, und das seit Jahrhunderten, kann ein Unternehmen kommen und seine Gemeinde zerstören, indem sie bauen können, was sie wollen, weil ihnen die Regierung dabei hilft. Oder vielleicht ein fremdes Land wie China, kauft das Land zu dem das Dorf gehört auf, und behauptet dann, dass alles was jetzt auf diesem Land angebaut wird, ihm gehört, als ob das im wahrsten Sinne des Wortes wahr sein könnte.

Also, wie kann ein armer Bauer seine selbstproduzierten Lebensmittel mit seiner Familie teilen, wenn sein Land effektiv von einem Großkonzern oder von der Regierung mit ihrer fehlgeleiteten Politik, gestohlen wurde? Und was bedeutet es Nahrungsmittel zu Teilen für Millionen von Kleinbauern in armen Ländern, die gezwungen sind, den Verkauf ihres Überschusses auf dem lokalen Markt einzustellen und stattdessen an die reicheren Länder, wie unseres (England) zu einem Spottpreis zu exportieren? Und wie viele Supermarktketten existieren schon allein in diesem Land, die mit Vorliebe von diesen preiswerten Produkten profitieren? Tausende. Und wie viele Tonnen Lebensmittel vernichten sie nachts? Wir wissen es nicht einmal, weil die Nahrungsmittel ja ihnen gehören. Sie haben kein Interesse daran, die reiche Fülle der Erde zu teilen, die sie uns frei zur Verfügung stellt, oder die Nahrung die allen gehört frei zugänglich zu machen. 

Daher ist es richtig zu sagen, dass Lebensmittel nicht vermarktet werden sollten, sondern vielmehr ihren richtigen Platz einnehmen sollten, zum Nutzen für die gesamte Menschheit und nicht der profitorientierten Unternehmen. Wenn Nahrung kommerzialisiert wird, könnten wir behaupten, dass weniger Nahrung für alle in einer Welt des Überflusses da ist. Sagen wir mal so: Es gibt reichlich Nahrung auf dem globalen Markt, aber sie ist so teuer, dass die Mehrheit kaum Zugang zu den Grundnahrungsmitteln hat, jedoch eine Fülle von Nahrungsmittel steht einer Minderheit zur Verfügung.  Also wenn Nahrungsmittel kommerzialisiert werden, macht es keinen Sinn zu sagen, dass wir alle unser Essen miteinander teilen sollten. Wer teilt seine Nahrung mit wem, und wem hat das Nahrungsmittel in erster Linie gehört? Nahrung muss zu aller erst richtig verstanden und nicht geteilt werden. Wir müssen die Rolle der Nahrung in Beziehung zur ganzen Menschheit verstehen, und die Lebensmittel an richtiger Stelle einordnen. In der Tat sollten wir uns grundsätzlich diese Frage stellen: Warum produziert unsere Welt einen solchen Überschuss von Lebensmitteln pro Kopf, mit derartig falschen Methoden in der industriellen Landwirtschaft. Um Menschen zu ernähren? Wenn ja, dann gehören die Nahrungsmittel der Welt uns allen; sie gehören nicht den immensen Getreidesilos, wo tausende von Tonnen lagern und verrotten, um sie für einen profitablen Auslandstransport bereitzustellen. Lebensmittel auf diese Weise zu kommerzialisieren ist extrem gefährlich, in der gleichen Weise ist es gefährlich Wasser zu vermarkten. Definitionsgemäß gehören die Lebensmittel unserer Welt denjenigen, die sie für ihre tägliche Nahrung brauchen, das hat mit Teilen nichts zu tun, sondern mit einem gesunden Menschenverstand!      

Ich hoffe, dass diejenigen die angefangen haben über Teilen bezüglich der Lebensmittel zu sprechen, sich dabei auch Gedanken über Gerechtigkeit machen. Denken Sie daran, wenn wir in einer Welt lebten die gerecht wäre, ohne Armut und Entbehrung, dann würde die Idee des Teilens unserer Nahrung keinen Sinn ergeben, und gar nicht existieren. Der einzige Grund, dass es Sinn macht, über gemeinsames Essen zu sprechen ist, weil die Welt gespalten, ungerecht und in Konflikte verstrickt ist. Und selbst dann ist es nur eine sinnvolle Idee, wenn wir über das Teilen von Lebensmitteln zwischen den Ländern aufgrund von Hunger sprechen. Die Natur des Nahrungsmittelproblems in seinem Wesen könnte nicht einfacher sein: es gibt einen riesigen Überschuss von Lebensmitteln in der Welt, es werden Berge von Getreide und Reis produziert, und diese Erzeugnisse müssen dorthin geleitet werden wo sie für die Erhaltung des Lebens notwendig sind. In einem globalen Sinn bedeutet das, dass wenn Millionen von Menschen, in den ärmsten Regionen an Hunger leiden, wir ein Notfallprogramm brauchen, um die Lebensmittel umzuleiten damit Sterben durch Hunger oder Unterernährung verhindert wird. Sicherlich ergibt das Sinn; bevor die Eltern in einer Familie sich ernähren und kleiden, stellen sie zunächst sicher, dass ihre Kinder alles haben was sie brauchen, was auch in Analogie zur Familie der Nationen steht. Bevor wir über Teilen von Lebensmitteln im Rahmen der reichsten Länder sprechen, müssen wir zunächst sicherstellen, dass die Kinder in den ärmsten Regionen der Welt gut ernährt und umsorgt sind. Wir würden nicht im Traum unser Essen mit Freunden oder Nachbarn teilen, während unsere Kinder ohne etwas zu essen allein zu Hause sind. Also das Wort "Notfall" ist viel näher am Problem der Ernährung, als das Wort "teilen"; die Schlussfolgerung ist die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit, für eine effektive globale Steuerung, damit Nahrungsmittel und Weltgüter mit allen Mitteln  - sogar den Militärdiensten – gelenkt und gesteuert werden, damit Hunger ausgerottet wird, als oberste Priorität aller Nationen.

Die Kunst des wirtschaftlichen Teilens   

Lasst uns noch etwas deutlicher werden, wenn wir über das Teilen in Bezug auf Lebensmittel sprechen. Die Kunst des Teilens in wirtschaftlicher Hinsicht ist es, die Ressourcen der Welt dorthin zu leiten wo sie gebraucht werden, um Spaltungen und Entbehrungen in all seinen Formen zu beenden. Wenn wir über das Teilen von Lebensmitteln sprechen, bedeutet das, dass wir unser Handeln nicht auf unser eigenes Land oder die eigene Gemeinde beschränken können. Wir müssen global denken und das vor allem hinsichtlich einer Politik des Hungers. Ansonsten ist das Konzept der Nahrungsverteilung einfach nur eine großartige Idee, die am Ende keine Substanz hat. Wie auch immer, es ist schon oft vorgekommen, dass die Menschen in einer Gemeinschaft zusammenkommen und ihr Essen miteinander teilen, abgeschieden vom Rest der Menschheit. Ihre Experimente und Sharing-Aktivitäten können in ihrer Gemeinschaft schon einen Unterschied machen, aber es bedeutet wenig für alle anderen, außer wenn ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit der Welt als Ganzes gesehen werden. In Griechenland, Portugal und anderen Ländern die von der Wirtschaftskrise betroffenen sind, spenden viele Menschen Nahrungsmittel an Wohltätigkeitsorganisationen oder an Familien, die nicht genug Geld haben. Teilen von Lebensmittel innerhalb der Gemeinschaften ist zweifellos das Richtige wenn man bedenkt, dass Hunger ein zunehmendes Problem selbst in den wohlhabenden Ländern geworden ist. Andererseits noch einmal, wann wird dieses Bewusstsein sich planetar verbreiten; nicht nur "Ich ernähre meinen Nachbarn", sondern "Ich ernähre die Welt"? Jetzt wo die Europäische Union vor dem Zusammenbruch steht fangen wir an unsere Nahrung miteinander zu teilen, dennoch sterben Millionen von Menschen an Hunger in anderen Teilen der Welt, und das seit Jahrzehnten. Werden wir an sie denken, und nicht nur an unsere Nachbarn, wenn die Wirtschaftskrise sich in unseren Ländern wieder beruhigt hat?

Es ist nicht so sehr die Frage ob wir die Nahrung mit den Hungrigen der Welt teilen, sondern ob wir das Verbrechen des Hungers in einer Welt des Überflusses beenden, sowie den fortwährenden Diebstahl der Ressourcen von den Armen der Welt. Es ist wirklich eine Frage des Diebstahls und der Ungesetzlichkeit; es sollte bei Regierungen als illegal gelten, wenn jemand aus Mangel an Nahrung, die so reichlich produziert wird, stirbt. Teilen von Lebensmitteln in dieser Hinsicht bedeutet nicht, dass wir, die Menschen, unsere Nahrung mit dem Hungrigen in fernen Ländern teilen. Wenn jemand in unserer Nähe an Hunger leidet, und wir mit ihm unser Essen teilen, dann ist das eindeutig ein gutes Ergebnis  - diese Person konnte vom unnötigen Tod gerettet werden.  Aber es gäbe mehr als genug zu essen, genug Boote, genug Flugzeuge, genug Technologie in der Welt, um sicherzustellen, dass die Lebensmittel an alle, die sie brauchen, verteilt werden. Wie kommt ein Mensch an einen Punkt, wo er nicht genug zu essen hat, und unfähig ist für seine Familie zu sorgen? In dieser Richtung müssen wir die Sache untersuchen, wenn wir diese Angelegenheit, im Sinne von Gerechtigkeit überdenken wollen, und das kann nicht durch Verschicken von Lebensmittelpaketen aus reichen Haushalten in ferne Regionen im Ausland, beantwortet werden.   

Ganz allgemein gesprochen scheint es so, dass die Gespräche über das Teilen von Lebensmitteln in die eine oder andere Richtung gehen können. Wir können entweder ein neues Konzept erfinden und die Idee der Nahrungsverteilung auf unsere eigene Gesellschaft oder Gemeinschaft begrenzen. Oder wir können unsere Aufmerksamkeit auf das Verständnis, dass die Lebensmittel allen gehören konzentrieren und unser Bewusstsein auf die planetare Ebene hin erweitern, um die Vision von der einen Menschheit aufrecht zu erhalten. Eine Richtung ist im Wesentlichen konservativ und egozentrisch, wenn wir nur in Bezug auf das was für uns und unser Land gut ist, denken. Aber wenn wir die Notwendigkeit einer globalen Nahrungsverteilung bedenken, und es aus einer Sicht betrachten was für die Welt als Ganzes gut ist, dann beinhaltet die Idee des Teilens um den Hunger zu beenden in sich wahrhaftig den Kern einer Revolution. An dem Tag wo wir die Offenbarung des Teilens erahnen, wird in unserem kollektiven Bewusstsein eine revolutionäre Explosion stattfinden; auf der Grundlage von Gerechtigkeit, auf der Grundlage von Mitgefühl, auf der Grundlage des gesunden Menschenverstandes, und vor allem auf der Grundlage unserer Reife und Verantwortung. Wenn wir uns darüber im klaren sind, was Teilen global gesehen bedeutet, und wenn unser Handeln auf einer Revolution basiert, die durch den gesunden Menschenverstand des Herzens geleitet wird, dann vielleicht können wir über die Bedeutung des Teilens hinsichtlich von Nahrungsmittel sprechen. 

Wenn wir über das Teilen von Lebensmitteln nur als Akt der Wohltätigkeit nachdenken, dann werden wir das wirtschaftliche Verständnis das erforderlich ist, um allen Bewohnern der Welt die Freiheit von Not zu gewährleisten, nie erreichen. Wenn wir wirklich daran interessiert sind sicherzustellen, dass jeder Mensch in der Welt gesättigt, behütet und betreut ist, dann ist Wohltätigkeit eine überholte Form des Denkens in unserer Gesellschaft, das abgeschafft und schlussendlich in die Vergangenheit verbannt werden muss. Und wenn wir nicht über die gemeinsame Nutzung der  Nahrung im Hinblick auf Gerechtigkeit und an ein Ende von Hunger denken, dann nehmen wir dem Prinzip des Teilens seinen Adel und seine Integrität. Das Prinzip des Teilens hat auch seine Würde, also lassen Sie uns dieses edle Prinzip nicht durch Sentimentalität oder der Vorstellungen von Wohltätigkeit verunglimpfen. Natürlich ist es richtig und wichtig, dass wir in einer gespaltenen Gesellschaft die nicht allen den Zugang zum Grundbedarf des Lebens garantiert, dass wir unsere Nahrung auf der Basis der Nächstenliebe teilen, aber die Ressourcen der Welt zu teilen ist eine ganz andere Sache. Für die Kunst des Lebens ist ein wirtschaftliches Teilen auf globaler Ebene eine Grundvoraussetzung. Es bedeutet, die Dinge an ihren richtigen Platz zu stellen, die Güter der Welt zu lenken und zu leiten, um allgemeine Bedürfnisse zu erfüllen. Und in Bezug auf Lebensmittel bedeutet es, dass wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um das Getreide der Welt, Gemüse, Obst und andere Nahrungsmittel so verändern, dass alles dort hinkommt wo es hingehört -  vorrangig – auf die leeren Teller der Armen und Hungrigen. Angesichts des enormen Ausmaßes der Krise, hat es in erster Linie weniger mit dem globalen Teilen von Nahrungsmitteln zu tun, sondern mit deren Umverteilung. Denn wie sollen wir jene Lebensmittel, die produziert werden und rund um die ganze Welt transportiert werden, verteilen, wenn das allein auf der Grundlage des kommerziellen Gewinns beruht? Hier liegt die Wurzel des Problems - im Widerstand jener, deren Interesse nur der materielle Gewinn beim Verkauf von Nahrungsmitteln ist. Und deshalb ist die globale Umverteilung von Lebensmitteln um den Hunger zu beenden, wie der erste Posaunenschall, der richtige menschliche Beziehungen und Gerechtigkeit auf dieser Erde ankündigt.

Nahrungsgerechtigkeit

Lasst uns sehen ob wir die Bedeutung der Gerechtigkeit in Bezug auf Lebensmittel noch klarer darstellen können. Wenn ein Mensch in unserer Gesellschaft das Verbrechen begeht jemanden zu töten, muss diese Person ins Gefängnis. Selbst diesem Sträfling wird der Grundbedarf zur Verfügung gestellt und ausreichend zu essen gegeben, und die Regierung wird nicht erlauben, dass er verhungert. Das ist, was wir Gerechtigkeit nennen. Und doch haben wir Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, die Tag für Tag in einem lebensbedrohlichen Zustand der Armut leben, und die Regierungen tun eigentlich nichts für sie. Welcher sozialen Verbrechen sind diese Menschen schuldig? Welche Art von Gerechtigkeit gibt es für sie? Offensichtlich kann es keine Gerechtigkeit geben in einer Welt die mit Ungleichheit und Verarmung heimgesucht ist, außer wenn die Regierungen ihre Pflicht allen Menschen zu helfen, erfüllen. Die Rolle der Regierungen ist es zu dienen und nicht nur den Menschen, die sie an die Macht gewählt haben; es ist ihre Pflicht allen zu dienen, egal wer sie sind oder wo sie leben in der Welt. Also, was bedeutet das für die Millionen von Menschen, die schuldlos verarmt sind oder an Hunger leiden? Als absolutes Minimum, bedeutet es, dass selbst wenn Sie arm sind, auch wenn Sie über wenige Habseligkeiten verfügen, auch wenn Sie nicht genug Geld haben um in der Welt herumzufliegen, sie zumindest genug zu essen haben, um sicherzustellen, dass keine Gefahr besteht, dass sie an Hunger oder Unterernährung sterben. Es bedeutet, dass Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, das Grundprinzip jeder Nation werden muss, was eigentlich fast das Gegenteil von unserer aktuellen Situation ist. Sogar in Indien, das Land mit der höchsten Anzahl von unterernährten Menschen in der Welt, wendet die Regierung jährlich 40 Milliarden Dollar für sein Militärbudget auf, trotz der Tatsache, dass es sich nicht im Krieg befindet. Ja wen will diese Regierung in einem Kampf beschützen, wenn tausende von Kindern der Nation jeden Tag an Krankheiten oder Unterernährung sterben? Es wird mehr als genug Nahrung allein in diesem Land erzeugt, um all seine Menschen zu ernähren. Was hält die Regierung davon ab im Parlament ein Gesetz durchzudrücken das lautet: “Umleitung der Nahrung zu den hungrigen Millionen!" 

Wir werden es nie schaffen, die verdrehten Prioritäten der Regierungen zu verändern, wenn wir uns nur darauf beschränken Lebensmittel untereinander zu teilen. Was wir jedoch tun sollten, ist zusammenzukommen, uns zu vereinen und vor der Regierung demonstrieren mit den Worten: 'Schluss mit eurem Getue " Aber anstatt gemeinsam eine Forderung an unsere Regierung zu stellen, und zwar die sofortige Verteilung der Nahrung an die Hungrigen, verhalten sich viele von denen die in den Lebensmittel Sharing-Initiativen beteiligt sind, als ob es einen Krieg gäbe. Nahrung wird gespendet, gesammelt, geborgen und neu verteilt, um sicherzustellen, dass diejenigen, die kein Geld haben zumindest Zugang zum Nahrungsmittelüberschuss der Nation haben. Das ist eine ehrenwerte Sache, aber es fallen keine Bomben auf unseren Straßen, noch gibt es Einschränkungen auf die Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Warum erreichen dann die Lebensmittel nicht die Menschen, die sie am dringendsten benötigen, obwohl mehr als genug für alle da ist? Die Gründe werden ausführlich diskutiert: da der Preis der Lebensmittel von den Launen der Marktkräfte bestimmt wird. Die Kommerzialisierung im Großhandel von Lebensmitteln, ermöglicht dass sie gehortet und verschwendet werden, es wird mit ihnen um Gewinne spekuliert und sie werden als Tierfutter an industrielle Mastbetriebe verkauft. Als Reaktion auf diese monströse Ungerechtigkeit, die sich aus dieser Sachlage ergibt, können wir unseren Nachbarn da Nahrungshilfe anbieten und dann glücklich nach Hause gehen? Das überwältigende Ausmaß der vermeidbaren Todesfälle aufgrund von Hunger erfordert eine Reaktion von den Regierungen der Welt in Form eines Notfallprogramms. Also der erste Schritt zur Veränderung dieser Situation ist es zu verstehen, dass wir uns nicht in einem Kriegszustand befinden, dass reichlich Nahrung in der Welt zur Verfügung steht, und dass unsere Regierungen durch ihre rücksichtslose Politik an diesem Nahrungsmangel schuld sind. Wie sonst können sich diese Nahrungsmittelkrisen im biblischen Ausmaß immerzu wiederholen? Die Zeit ist gekommen zu sagen: Genug ist genug!

Es sind die Regierungen weltweit die die Macht besitzen diese Gesetze zu ändern, die Unternehmen zu regulieren und die Nahrung dort hinzuleiten wo sie gebraucht wird. Selbst die Unternehmen, trotz all ihrer Trickserei, sind nichts im Vergleich zu den Stimmen der Menschen auf der Welt. Egal von welcher Seite man es betrachtet, der Schlüssel zum Wandel liegt in der kollektiven Kraft der einfachen Leute. Wenn genügend Menschen sich vereinen und einen korrupten Regierungsbeamten dazu auffordern sein Amt zu verlassen, dann wird dieser Politiker gehen, wie wir das in Ägypten gesehen haben. Und wenn genug Leute die Produkte der großen Agrarkonzerne boykottierten, dann wären diese Unternehmen gezwungen ihr zerstörerisches Treiben, das Armut und immerwährenden Hunger verursacht, zu ändern. Es liegt an uns, den gewöhnlichen Männern und Frauen guten Willens, Stellung zu beziehen für die Art von Welt in der wir leben wollen. Wir sind geboren, um zu dienen, wir werden geboren mit Mitgefühl denen gegenüber die weniger Glück haben als wir und um zu helfen, und die Regierungen halten uns davon ab, mit ihren perfiden Gesetzen und Richtlinien; wie lange werden wir uns noch fügen, während unsere Mitmenschen an Hunger und Krankheit sterben?

Wir müssen zu Aktivisten werden und uns vereinen, egal wo wir leben in der Welt, denn gemeinsam können wir diese Ungerechtigkeit stoppen. Die Zeit ist reif für eine riesige permanente Demonstration, bis sich die Regierungen mit der Hungerkrise ausreichend beschäftigen. Nicht wie die Proteste gegen den Irak-Krieg im Jahr 2003, als Millionen von Menschen sich auf internationaler Ebene für ein Wochenende zusammentaten und dann nach Hause gingen, und damit den Politikern erlaubten mit ihren gewinnsüchtigen Strategien so weiter zu machen wie bisher. Wir müssen durchhalten und dürfen nicht aufhören, in jedem Land und in jeder Hauptstadt, bis ein Notprogramm der Lebensmittelumverteilung von den Regierungen auf internationaler Ebene koordiniert wird. Es wird nie genug sein, wenn wir unsere Bemühungen der Lebensmittelverteilung nur auf unsere eigenen Ortschaften beziehen; das kritische Ausmaß der Situation, verpflichtet uns, mit dem Bewusstsein von dem was in der Welt passiert zusammenzukommen, um uns zu organisieren und von unseren Regierungen zu verlangen, dass jeder zu essen hat. Auch die Menschen, die vor Ort Nahrungsmittel teilen und diejenigen die sie empfangen, sollten ihre Kräfte bündeln, auf die Straße gehen und für ein unwiderrufliches Ende von Hunger demonstrieren!

Eine empörte Öffentlichkeit steht auf

Ohne das Aufstehen einer empörten Öffentlichkeit werden wir niemals Zeuge einer Neuordnung der globalen Prioritäten, einer massiven Umlenkung der Mittel hin zu den ärmsten Regionen der Welt, und einer konzertierten Umstrukturierung der Weltwirtschaft gewährleisten, sodass extreme Armut vollständig beseitigt wird und nie wieder entsteht. Aber lassen Sie uns nicht in Versuchung geraten zu glauben, dass die bestehenden Regierungsmitglieder sich automatisch dem überwältigenden Aufruf der Öffentlichkeit anschließen, um den Hunger zu beenden. Wir wissen, dass die Regierungen der Welt die Mittel haben um das Leid von Millionen von Menschen schnell zu beenden, aber das bedeutet nicht, dass es in ihrem eigenen Interesse ist dies auch zu tun. Zum Beispiel, wird es für selbstverständlich angesehen, dass nur strategische oder wirtschaftliche Interessen für eine ausländische Intervention in der vergessenen Konfliktzone Afrikas einen Anreiz bieten, geschweige dann die Aussicht auf ein zwischenstaatliches Notprogramm für den Wiederaufbau und der Versorgung  der Enteigneten. Und selbst wenn der politische Wille für eine solch umfassende Entlastung und Unterstützung da wäre, sind die aktuellen Methoden von heute nie ausreichend um den Armen in weniger entwickelten Nationen zu helfen, wie das am Beispiel der öffentlichen Entwicklungshilfe zu beobachten ist. Das sind die Überreste eines sehr alten und zerstörerischen Systems, und es ist höchste Zeit, dass institutionalisierte Wohltätigkeit von einem internationalen Programm mit koordinierten Maßnahmen ersetzt wird um Hunger und unnötige Benachteiligungen zu beenden.

Werden die jetzigen Regierenden daher verstehen, was zu tun ist, um das Problem von Armut und Ungerechtigkeit zu lösen, auch wenn sie von der Weltöffentlichkeit dazu gezwungen werden? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist der erste Schritt der Öffentlichkeit die alten Politiker aus ihren Ämtern zu drängen, wenn sie auf den Status quo beharren, und stattdessen diese einflussreichen Positionen der Macht, mit gewöhnlichen Menschen mit gesundem Menschenverstand zu ersetzen. Der einfach geschulte Mensch sieht die Welt ganz anders als der wohlhabende Politiker, der in Privatschulen und Elite-Universitäten ausgebildet wurde. Der gesunde Menschenverstand gehört zu den einfachen Menschen in jedem Land, weil sie diejenigen sind, die das Bedürfnis nach Gerechtigkeit sehen, die nicht ein "jemand" in den Augen der anderen werden wollen, und die nur dem öffentliche Wohl dienen möchten. Sie sind nicht wie Regierungs-Bürokraten, die ohne Vision arbeiten in Übereinstimmung mit einer Ideologie, die nur den Reichen, dem Establishment und den mächtigen Konzernen dient.

Das ist einer der Gründe, warum der gesunde Menschenverstand in unserer Gesellschaft nie die Herrschaft bekam, weil er seit langem von machtbesessenen Regierungen und ihren schlecht beratenen Führern verleugnet worden ist. In der Tat sind die konservativen Staatschefs nicht für die vor uns liegenden Veränderungen ausgestattet, und das aus ganz offensichtlichen Gründen. Erstens, wurden sie nicht dazu ausgebildet Richtlinien zu implementieren um die Menschen der Welt zu ernähren und Jahrzehnte einer zerstörerischen Kommerzialisierung rückgängig zu machen. Zweitens, werden sie schockiert sein, wenn man sie dazu auffordert wird. Sie werden sagen; »Entschuldigen Sie, aber ich habe Milliardenverträge mit dem Ausland abgeschlossen, und jetzt fordern Sie mich auf, all die Jahre der Arbeit für unsere nationalen Interessen zu gefährden?! ' Einen solchen Politiker der alten Ordnung aufzufordern seine politischen Prioritäten zu verändern könnte ein gefährlicher Fehler sein, denn wenn man die falsche Person immer weiter bittet die Forderungen der Öffentlichkeit zu beherzigen, dann kann das am Ende mit Gewalt enden. Und Gewalt ist nicht der Weg des Teilens der Weltgüter, oder dazu aufzufordern. Aus diesem Grund muss die alte Regierung gehen. Wir sollten unsere Zeit nicht länger damit verschwenden für sie zu stimmen. Und es macht keinen Sinn, gegen jene Politiker zu protestieren und sie auffordern ihre Politik vollständig zu ändern, weil sie es nie tun werden. Sie haben das Amt zu verlassen! Wir müssen sie aus den Ämtern heben! 

Wir müssen die doktrinären Behörden durch frisches Blut ersetzen, mit einfachen Menschen, die hier sind um der Menschheit mit Dankbarkeit, Bescheidenheit und Weisheit zu dienen. Denn der weise gewöhnliche Mensch wird sich bewusst sein warum er gewählt wurde, wozu der einstige Politiker nie im Amt war. Es gibt viele erfahrene Leute, die zum Beispiel in Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) arbeiten, die mit einer Haltung des selbstlosen Dienstes ihre Arbeit machen und genau wissen, welche Veränderungen in verschiedenen Bereichen nötigt sind. Das ist die Art von Menschen, die wir brauchen, um neue Richtlinien in der Regierungspolitik einzuführen, und gemeinsam sollten sie an die Vereinten Nationen geleitet werden, um ein internationales Programm der wirtschaftlichen Umstrukturierung und Ressourcenumverteilung zu formulieren. NGOs rund um die Welt leisten die Arbeit, die eigentlich von unseren Regierungen geleistet werden sollte, wie die Rettung der Umwelt, Hungerhilfe, Armutsbekämpfung und die Ausarbeitung neuer Richtlinien, die den Weg zu einer besseren Welt ebnen können. Was die fortschrittlichen und humanitären NGOs in der Tat darstellen ist das Beste von dem, was unsere Regierungen eigentlich tun sollten. Also müssen wir die orthodoxen Politiker hinausdrängen, die einfach geschulten Menschen einsetzen, und die Weisheit der NGOs muss der Leitstern unserer neuen Regierungsbeamten werden. Wenn wir dem Chaos der Regierungspolitik die den zerstörerischen Regeln der Kommerzialisierung folgt ein Ende setzen, dann kann der Hungrige endlich essen und der Schaden langsam rückgängig gemacht werden und der Rest wird sich ganz natürlich ergeben. Jede Nation weiß bereits was sie will. Und wir brauchen nur auf die Stimmen der angesehensten Denker in diesen Volksbewegungen und der Aktivisten der NGOs zu hören, denn sie werden uns die notwendigen Antworten geben.

Die kollektive Selbstgefälligkeit

Als Reaktion auf diese Behauptungen, mögen viele Menschen die Vorstellung einer vereinten Stimme der Bevölkerung, die sich auf das Leiden der entmutigten Armen konzentriert, als zu idealistisch bezeichnen. Es sind viele Hunderte von Protesten, die in jedem Land unvermittelt auftauchen, warum aber hat es zum Beispiel bisher noch keine Demonstration in den Städten gegeben, die für ein Ende des Armut bedingten Hungers plädieren? Das ist eine wichtige Frage, und wir sollten darüber nachdenken, auch wenn wir vielleicht die Antwort bereits kennen. Denn es ist normal, dass Menschen in anderen Teilen der Welt an Hunger sterben. Wir sind daran gewöhnt; es ist schon seit Jahrzehnten so. Es ist ganz einfach was wir zu tun haben, und zwar gemeinsam und mit der Kraft von Millionen von Stimmen selbstbewußt unseren Regierungen gegenüber zu treten, mit unseren einfachen Forderungen, Tag für Tag in friedlichen Protesten, bis etwas getan wird. Das nächstliegende das heute geschieht ist, dass Menschen Nahrungsmittel untereinander tauschen oder an Wohltätigkeitsorganisationen spenden oder für gemeinsame Festessen bereitstellen. Und die vielen Organisationen die überall aus dem Boden schießen und sich mit Nahrungsmittel Verteilung befassen, erwähnen meistens nicht einmal die Tatsache, dass Menschen in fernen Ländern hungern. Und warum nicht? Denn wenn wir die Idee des Teilens auf unser Lande oder unsere Gemeinschaft begrenzen, fahren wir damit am sichersten. Wir neigen wenig zu der Ansicht, dass Sharing auf einer globalen Ebene passieren muss, denn dann müssten wir vielleicht über unseren eigenen Lebensstil in Bezug auf die ärmsten Menschen in der Welt reflektieren, oder eventuell einen Standpunkt gegenüber der Regierung und ihrer Politik einnehmen. Auch wenn wir das wahre Ausmaß der Ernährungsunsicherheit in den ärmeren Ländern kennen, würden wir eher in einer begrenzten und egozentrischen Weise auf die Idee des Teilens reagieren, ohne einen Schritt aus unserer Komfortzone zu machen. Wir würden lieber ein Fest im Namen von „Food Sharing“ abhalten, während Millionen von Menschen an Hunger sterben. Wenn wir an so einer Sharing Aktivität teilnehmen mögen wir uns schon gut fühlen, aber am Ende ist es eine Erweiterung unserer Selbstgefälligkeit, die die Idee des Teilens zu einen“ Ismus“ oder einer Fantasie reduziert. In Bezug auf die kritische Weltlage ist es bedeutungslos und wird nichts für das Überleben der Menschheit erreichen. Selbstgefälligkeit ist wie Wasser; wenn es gestört wird läuft es dort hin wo es einfach ist, aber es wird versuchen seine Balance wiederzufinden und an den gleichen Ort zurückkehren. Unsere Selbstgefälligkeit ist genau so, weil wir immer auf der Suche nach unserer eigenen Sicherheit sind, und wir suchen alle nach einem Platz wo wir unsere Angst verstecken können.  Selbstgefälligkeit und Angst sind ein und dieselbe Sache, denn das eine kann ohne das andere nicht existieren. Wir sind alle sehr ängstlich, und wir benehmen uns als ob wir tausende von Jahren leben würden, auch wenn die Spannungen in der Welt so extrem geworden sind, dass es ohne drastische Veränderungen bald gar kein Leben mehr gibt. Wir sind alle an dieser zivilisatorischen Krise schuld und keiner ist vom Aufruhr in der Gesellschaft ausgenommen und freigesprochen, da wir ihn gemeinsam geerbt und wieder neu erschaffen haben, Leben für Leben.

Also auf wen sollten wir mit dem Finger zeigen, wenn es um die Grausamkeit des Hungers geht? Wir wissen, dass die Regierungen kein Interesse daran haben die Nahrungsmittel dorthin zu verteilen wo sie am dringlichsten erforderlich sind, und die großen Konzerne verursachen Hunger durch die Kommerzialisierung von Lebensmitteln und Marginalisierung der Armen. Aber vielleicht sind wir schuldhafter als die Regierungen oder Konzerne, denn aus unserer Gleichgültigkeit heraus tun wir sehr wenig um diese Situation, die seit Jahren existiert, zu verhindern. Trotz allem kann leider niemand die Menschen auf die Straße treiben um zu demonstrieren vor den Regierungen, damit diese den Hunger als globale Priorität beenden. Nur Bewusstsein kann zu dem Verständnis führen, dass es ein moralisches Muss ist, den Entzug von Nahrung zu verhindern und dass es keine Entschuldigung dafür gibt, dass jemand aus Mangel an Nahrung, die reichlich vorhanden ist, sterben muss. Das heißt, die unnötigen Todesfälle aufgrund von Hunger in einer Welt des Überflusses sind letztlich die Konsequenz unserer kollektiven Selbstgefälligkeit, und es gibt kein Entrinnen von dieser brutalen Tatsache. Es sind nicht unsere Regierungen, es sind nicht die Unternehmen, es ist nicht eine Verschwörung einer geheimen Intrige, sondern WIR tragen die größte Schuld.

Teilen um den Hunger zu beenden

Was können wir über das Prinzip des Teilens in seiner wahren Bedeutung, hinsichtlich der Lebensmittel, sagen? Wie wir bereits festgestellt haben, bedeutet es das Ende von Hunger basierend auf einer internationalen Notlage. Es bedeutet, sicherzustellen, dass jeder Mann, jede Frau und jedes Kind Zugriff auf die Lebensmittel hat, die überall verfügbar sind. Es ist wirklich so einfach. Es ist keine komplizierte Situation, trotz allem, auch wenn die Vertreter der Kommerzialisierung uns das glauben machen wollen. Was wir Das System nennen hat eine derartige Spaltung in unserer Gesellschaft verursacht, durch seine komplexen Gesetze und die Politik, dass am Ende niemand wirklich versteht, was das System eigentlich ist. Aber das bedeutet nicht, dass wir über das Problem der Nahrung in komplizierter Weise denken, denn wir sind alle gleich in unseren gemeinsamen Grundbedürfnissen als Menschen. Das Prinzip des Teilens bedeutet, wenn es in Form der Nahrungsmittelverteilung angewendet wird, zumindest, dass niemand in dieser Welt wieder an Hunger stirbt. Es wird bedeuten, dass jeder Zugang zu sicheren und nahrhaften Lebensmitteln hat, bis schließlich das Wort "Sharing" nicht mehr mit dem Wort "Lebensmittel" in Zusammenhang gebracht wird. Die wahre Bedeutung der Umsetzung des Teilens in der Weltpolitik ist es ein Gleichgewicht innerhalb Menschheit und mit der Natur herzustellen, so dass jedem und allem auf dieser Erde, sein von Gott gegebenes Recht gewährt wird, sich zu entwickeln. Daher wird die Nahrungsmitteverteilung zuletzt eine weitreichendere Bedeutung haben als nur die Beseitigung von Hunger, denn es wird zu einem neuen globalen Bewusstsein führen in unserer Beziehung zueinander und in Beziehung zur Natur.

Natürlich muss sich dieses Bewusstsein in einer fest verankerten veränderten Regierungspolitik widerspiegeln, wie in den ungerechten Handelsgesetzen und den perversen Agrarsubventionen. Zahllose Gesetze können sich zu gegebener Zeit auflösen, wenn wir Lebensmittel aus den komplexen Prozessen der Kommerzialisierung herausnehmen. Auf lange Sicht werden wir lernen müssen, einfacher zu leben, so, dass wir nicht mehr konsumieren als wir brauchen, und nicht unnötigen Abfall produzieren. Solange wir kontinuierlich mehr und mehr Nahrung für den endlosen Profit im Handel produzieren, zerstören wir sinnlos die Erde, während nicht dafür gesorgt wird, dass jeder satt und genährt ist. Der erste Schritt der Nahrungsmittelverteilung auf einer globalen Ebene ist das Notfallprogramm, das die Umverteilung von Getreide und anderen Grundnahrungsmittel beinhaltet, und aus dieser Umverteilung entsteht der notwendige zweite Schritt, eine neue, einfachere Beziehung zu Nahrung, so, dass wir nur produzieren was wir brauchen und den natürlichen Ressourcen unserer Erde nicht mehr schaden. Und dies wiederum wird deutlich impliziert in der Rolle von Agrar-Konzernen, die durch die unerbittliche Kraft der Weltöffentlichkeit dazu gezwungen werden müssen, Ihren Teil der Verantwortung in Bezug auf eine gerechte Nahrungsmittelumverteilung zu tragen, während ein Ansatz zur dramatischen Reformierung der industriellen Landwirtschaft gemacht werden muss. All das hängt letztendlich von unserer gemeinsamen Bereitschaft ab uns zu versammeln und in den Straßen nachhaltig zu demonstrieren, wie noch nie zuvor, bis alle internationalen Gremien sich auf neue wirtschaftliche Regeln einigen, so dass jedem der Zugang zu ausreichender Nahrung garantiert wird. Wir wissen, dass wir die finanziellen Mittel dazu haben, auch wenn wir die Steuern umleiten müssen, die zu Unrecht ins Rüstungsbudget einfließen. Wir wissen, dass Nahrung, Fachwissen, Kapazitäten und alle anderen notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Also, worauf warten wir noch? Lassen Sie uns zusammenschließen und von unseren Regierungen fordern, dem Hunger ein beispielloses Ende zu bereiten.


Mohammed Mesbahi ist STWR‘s Gründer.

Redaktionelle Mitarbeit: Adam Parsons.

Übersetzung von Sonja Scherndl & Ute Redl